sind neue Gerüchte aufgetaucht, nach denen die Musicas auch in großem Umfange Diamanten- jchmuggel betrieben. Einer New Yorker Zei- tuna zufolge sollen ferner Anzeichen dafür vorhanden sein, daß noch ein fünfter Bruder Musica existiere, wobei jedoch nicht -bekannt sei, ob er auch am Coster-Skandal beteiligt sei.
Zwer Schiffsunfälle.
In der nördlichen Einfahrt zum Oeresund wurde der englischen Dampfer „Jeanne M.", der van Cardiff nach Kristianssand unterwegs war, von dem schwedischen Dampfer „Värmdrö" gerammt. Um den in Not geratenen Seeleuten zu helfen, wurde das Lotsenboot von Helsingör auf Suche geschickt, die zum Erfolg führte. Der schwer beschädigte englische Dampfer war nach der Kollision ins Treiben gekommen, bis er nahe der dänischen Küste Anker werfen konnte. Die Unmöglichkeit, das große Leck zu stopfen, zwang die Besatzung, die zum Teil aus Negern und Indern bestand, in das Rettungsboot zu gehen, aus dem sie von einem schwedischen Motorsegler übernommen wurden. Der Kapitän, der mit dem Steuermann und dem Maschinenmeister an Bord geblieben war, wurde von dem Helsingörer Lotsenboot gerettet. Un-' mittelbar darauf sank die „Jeanne M.". Der schwedische Dampfer, der ebenfalls Schaden erlitten . hatte, ist mit eigener Kraft nach Helsingborg gefahren.
Der deutsche Dampfer ,Larpfänger" (nicht Karpfanger), der sich mit einer Ladung Zellulose auf der Reise von Schweden nach Amerika befand, war einem doppelten Unfall ausgesetzt. Auf der Fahrt zur Kieler Bucht war das Schiff an der Südspitze von Langöland auf Grund gelaufen. Von einem dänischen Vergungsdampfer wieder flott- gemacht, wurde die „Karpfänger" auf dem Wege nach Kalundborg, wo der Bodenschaden untersucht werden sollte, vom Feuer heimgesucht. Der Brand war im Laderaum durch Selostenzündung der Zellulose entstanden. Er konnte, ohne größeiren Schaden ungerichtet zu haben, mit Hilfe des begleitenden Bergungsdampfers gelöscht werden. Die „Karpfänger", die zur, Zeit in Kalundborg liegt, wird alsbald einen deutschen Hafen zur Instandsetzung aufsuchen. .
Kammersängerin Erna Sack in Paris stürmisch gefeiert.
Mit ihrem ersten Konzert in Paris hat Kammersängerin Erna Sack die begeisterte Zustimmung der Pariser Musikgemeinde erobert. Der Beifall steigerte sich immer wieder zu einem Sturm der Bravorufe», die Zuhörer gaben sich erst zufrieden, als Frau Sack sieben Zugaben gesungen hatte. Von Charles Gerne am Klavier wirksam unterstützt, brachte Erna Sack deutsche, französische, italienische, schwedische und englische Volkslieder, Schubert, Pergelose, Giordano, Delibes, Rossini und Johann Strauß zu Gehör und nahm mit ihrer silberhellen Stimme das internationale Publikum gefangen. Dem Konzert, das durch Rundfunk übertragen wurde, wohnten auch die Gattin des deutschen Botschafters, Gräfin W e l c z e k, der polnische Botschafter, Oberregierungsrat'F aber und zahlreiche Vertreter der französischen Musikwelt bei. In Monte Carlo, wo sie im Kasino mit Orchesterbegleitung sang, erzielte Erna Sack einen gleichen Erfolg, der ihr die Sitfe eintrug, im April wieder dort zu fingen.
Die TNillionenerbfchaft aus Amerika vor dem Sondergericht.
Unter der Anklage des Verbrechens gegen das Volksverratsgesetz hatten sich zwei Einwohner aus Alken an der Mosel vor dem Sondergericht zu verantworten. Es handelt sich um eine 45jährige Ehefrau und deren 72jährigen Stiefvater, die beschuldigt werden, in ihrem Besitz befindliche hohe Guldenbeträge bei den zuständigen Behörden n i d) t o n « gemeldet zu haben. Ein vor Jahrzehnten nach Amerika ausgewanderter Moselaner kehrte 1929 nach Deutschland zurück und brachte seine gesamten Ersparnisse in Höhe von drei Millionen Mark in seinen Heimatort Zell. Das Vermögen, bestehend aus ausländischen Wertpapieren und Dollars hatte er in einem Koffer oufbewahrt. Kurze Zeit nach seiner Heimkehr starb der millionenschwere Onkel und die lochenden Erben, eingeteilt in neun Familienstämme, wurden mit einem Schlage reiche Leute.
Ein Teil dieser Erben mußte vor einigen Tagen wegen Steuerhinterziehung mit schweren Geldstrafen belegt werden. Die beiden Angeklagten vor dem Sondergericht haben sich außerdem wegen Devisenvergehens zu verantworten.
Eine Jagdgesellschaft verunglückt.
Nachdem in der vergangenen Woche in der Nähe oon Münster eine Jagdgesellschaft mit dem Auto verunglückt war, wobei ein Fabrikbesitzer getötet, [ein Sohn und seine Frau schwer verletzt wurden, ereignete sich in der Nähe von Osnabrück ein ähn- licher Unfall. Auf der Reichsstraße Osnabrück- Bremen wollte ein Kraftwagen, in dem sich drei Jäger befanden, einen Lastzug überholen. Der Personenwagen streifte den Lastzug und wurde dabei völlig oufgerissen. Ein Jäger wurde bei diesem Unfall auf der Stelle getötet, während die beiden anderen Iagdteilnehmer Verletzungen erlitten.
Finanzamt In Bunzlau ein Raub der Flammen.
In der Nacht zum Sonntag brach im Bunzlauer Finanzamt ein Feuer aus, das erst gegen Morgen entdeckt wurde, als bereits der Dachboden in Flammen stand. Die Läscharbeiten gestalteten sich bei 15 Grad Kälte äußerst schwierig. Das Wasser gefror in den Schläuchen, und es mußte immer wieder warmes Wasser zum Auftauen herangeholt werden. Obwohl die Feuerwehr den Brand aus zahlreichen Schlauchleitungen bekämpfte, konnte sie das Niederbrennen des Gebäudes nicht verhindern. Ein Feuerwehrmann wurde mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Die Ermittlungen über die Entstehungsursache des Brandes sind eingeleitet
Großfeuer im Utrechter Zentralbahnhof.
Im Zentralbahnhof von Utrecht, das den wichtigsten Knotenpunkt des holländischen Eisenbahnnetzes bildet, brach ein Großfeuer aus. Angefacht durch den starken Ostwind, breiteten sich die Flammen schnell im Bahnhofsgebäude aus. Das Feuer hat das Bahnhofsgebäude fast völlig vernichtet. Personenschäden sind glücklicherweise nicht zu beklagen. Der Sachschaden ist bedeutend.
Möbelfabrik bei Mailand eingeäschert.
In Bollate bei Mailand wurden durch ein Groß- feuer die Anlagen einer Möbelfabrik fall völlig zerstört. Die Vorräte, die sich in den Räumen befanden, wurden ein Raub der Flammen. Bei dem herrschenden Sturm hatten die Feuerwehren größte Mühe, ein Uebergreifen des Feuers auf hie Anlagen einer benachbarten Fabrik zu verhindern. Die Schäden belaufen sich auf etwa eine halbe Million Lire.
venzinkesselwagen in Brand geraten.
In der Nähe des Bahnhofs Durlesbach ist in einem von Ulm nach Friedrichshafen fahrenden Güterzug ein Venzinkesselwagen umgefallen und in Brand geraten. Der Wagen beschädigte die beiden Hauptgleise auf eine längere Strecke. Personen kamen nicht zu Sachaden. Der Brand wurde durch die Feuerwehr mit Schaumlöschverfahren gelöscht.
Ein geistesgestörter Brandstifter.
1934 brannte in Herxheim (Pfalz) die protestantische Kirche nieder. Als unter dem Bauschutt ein Kanister gefunden wurde, entstand der Verdacht der Brandstiftung. Lange Zeit konnte man den Täter nicht ermitteln, bis sich schließlich der Verdacht gegen den 34jährigen Friedrich L e h n u n g richtete, der zu jener Zeit ungezählte anonyme Briefe an Herxheimer Einwohner geschrieben und Plakate verdächtigen Inhalts angeschlagen hat. In der jetzt durchgefllhrten Verhandlung vor dem Sondergericht in Kaiserslautern wurde' festgestellt, daß es sich üm die Tat eines Irren gehandelt hat. Deshalb beantragte der Staatsanwalt die Einweisung Lehnungs in eine Heil- und Pflegeanstalt, Diesem Antrag gab das Gericht statt.
Zwei Kinder beim Einsturz eines italienischen Bauernhauses getötet
In Salizzole bei Verona stürzte aus bisher ungeklärter Ursache ein Bauernhaus ein, wobei die vierköpfige Bauernfamilie unter den Trümmern begraben wurde. Die Bergung mar sehr schwierig, da die Stromleitung zerrissen worden mar und die Rettungsarbeiten in völliger Dunkelheit vor sich gehen mußten. Der Bauer und seine Ehefrau konnten unverletzt geborgen werden, da sie durch einen Balken vor den nachstürzenden Schuttmassen ge
Wiedergeburt des deutschen Kunßhandwerks.
Zur Münchener Architektur- und Kunsthandwerk-Ausstellung.
Rückblick in die Vergangenheit.
Das Kunsthandwerk in der „Zweiten Deutschen Architektur - und Kunsthandwerk- Ausstellung" verkörpert ein wahres Märchen- reich der Schönheit. Der Besucher, der aus den weiträumigen Sälen im Erdgeschoß des Hauses der Deutschen Kunst die Treppen hinaufsteigt zum Obergeschoß, erlebt eine Weitung des Begriffs, die er sich nicht hätte träumen lassen. Wer sich der Zeit vor zehn ober auch nur vor fünf Jahren, erinnert — und welcher Deutsche, der hierher kommt, täte bas nicht? — dem steht das Bild eines niedergehenden^, verzweifelt kämpfenden, zum Teil schon dem Untergang verfallenen Kunsthandwerks vor Augen. Wo einzelne Künstler und Werkstätten noch standhaft gegen den Verflachungsdrang durchhielten, da taten sie es mehr oder minder „auf eigene Rechnung und Gefahr". Kostbare Möbelstücke, wie sie Paul Ludwig T r o o st entwarf und ausführen ließ als Zeichen dessen, was noch immer aus deutschen Hästden geschaffen werden könnte^ waren sozusagen fürs Museum geboren.
Frische Impulse.
Welch ein andres Bild bietet sich heute! Alte, lange vernachlässigte Techniken, wie die Lackmalerei ayf Goldgrund, leben wieder auf; Handwerke, die sich fast ganz auf Kleinkunst zurückgezogen hatten, wie die der M e t a l l k ü n st l e r und Keramiker, finden wieder Aufträge zur Betätigung im Großen; man sieht schmiedeeiserne Gitter und Kamingeräte, die einen neuen Stil in überraschender Vollkommenheit verkörpern, und es stehen breithüftige Kachelöfen da, in Farbe und Form Muster ihrer Art, die den alten bayrischen Ausdruck „Heimgarten" verdienen. Es ist ein Reichtum der Erfindung, den man der jahrelang verschütteten Phantasie nicht zugetraut hätte.
Historische Dokumente der Zeit.
Was gegenüber der vorjährigen Ausstellung auf- fällt, ist zunächst die größere Anzahl oolleingerich- teter Zimmer. Dann ein überraschender Zuwachs an höchstgesteigerten Einzelstücken, und in diesem Bereiche wiederum eine besonders feinfühlige Art, die Dinge wohlabgestimmt nach Farbe, Form und Werkstoff in den zahlreichen Steh- und Pultoitrinen
zu ordnen — allein in dieser Kunst des Stellens und Stimmens ist ein Kompendium des guten Geschmacks enthalten. Wer die Ausstellung in der Absicht besucht, fsir sich oder andre einen Gegenstand oon überzeitlichem Wert zu erstehen — und die Anwarschast, einmal historisches Dokument der Zeit zu werden, ist ja nahezu jedem der auserlefcnen Dinge ausgeprägt —, der mag in um so größere Verlegenheit geraten, je strenger er zu wählen bestrebt ist. »
Inneneinrichtung - anders als gestern.
Um zunächst die Zimmer ins Auge zu fassen: ist im Bereich der Inneneinrichtungen irgendein Wandel, ein neuer Grundzug zu spüren? — Man wird diese Frage an Hand der Erfahrungen, die man sonst wohl hier und da gesammelt hat, nirgends so eindeutig beantwortet finden wie hier. Die Harmonie der Farben, von jeher eine erste Forderung aller Innenarchitektur, kann auf vielerlei Weise erreicht werden; gleich hier zeigt sich ein entschiedener Zug zu Neuem. Man stimmt nicht mehr zart gegen zart ab (um nicht zu sagen flau gegen flau), aber auch nicht hart gegen hart (eine Manie, die in den zwanziger Jahren bis zum troffen' grellen Diskant ging), sondern man stimmt kräftig und volltönend aufeinander ab. Man läßt die einzelnen Gegenstände mehr voneinander los als bisher. So sieht man, um nur ein Beispiel zu nennen, in einem Eßzimmer Sessel in Lindgrün auf einen weinroten Teppich gestellt — die Melodie des Möbels schwingt ungleich stärker über dem Grundakkord als bei „Ton in Ton". Hierbei muß vermerkt werden, daß die neuen Werkstoffe dem schöpferischen Wesen nichts genommep, eher neue Impulse zugeführt haben. — Ueberraschend wirkt die Entwicklung, welche die Formen des'Möbel s nehmen. Da gibt es wahre Monumente von Schränken — ein meisterliches Stück Handwerk ist in einem Schrank gestaltet, dessen Entwurf von Professor Gall stammt — und wahre Katapulte von Schreibtischen, unter denen einer, Entwurf Pässenbacher, mit einer Platte aus Pergament, immer neue Bewunderer anzieht. Ein Mammut von Schweinsledersofa, vier Meter breit, ist handwerklich besonders bemerkenswert insofern, als an den Ledereinzügen des ganzen Stückes nur ein einziger Mann arbeiten durfte: anders würden die Einzüge nicht gleichmäßig
schützt worden waren. Die beiden Kinder des Ehepaares wurden jedoch als Leichen aufgefunden. Da sie keine äußerlich erkennbaren schweren Verletzungen davongetragen haben, nimmt man an, daß sie unter den Trümmern erstickt sind.
Bluttat nach 15 Jahren gesühnt.
Wegen Wilddieberei und Mordes hatte sich der 50jährige Friedrich Naumann aus Ditfurt vor dem Schwurgericht Halberstadt zu verantworten. Das Urteil lautete wegen Totschlages und erschwerenden Jagdvergehens auf 12 Jahre Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Vor 15 Jahren, in der Nacht zum 30. November 1923, war der Jagdaufseher Schrader bei Ditfurt von Wilderern, die er auf frischer Tat ertappt hatte, erschossen worden. Drei der Beteiligten wurden da
mals schon zu längeren Freiheitsstrafen verurteilt. Der eigentliche Täter aber, Naumann, war flüchtig und wurde erst vor einigen Monaten durch Zufall in Köln wiedererkannt und verhaftet. Er war nach der Tat ins Ausland geflüchtet. 1927 gelang es ihm sogar, sich mit Hilfe eines gefälschten Passes in Köln festzusetzen.
IHorb auf offener Straße in Glasgow.
In Glasgow, wo erst kürzlich ein junger Mann wegen Aufschlitzerei mit Rasiermessern zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden mm, ereignete sich ein grauenhafter unb noch unaufgeklärter Morb auf offener Straße. Mehrere Vanbiten überfielen einen 27 Jahre alten Mann, Vater von zwei Kindern, und brachten ihm an Hals und Kehle so schwere Verletzungen bei, daß der Ueberfallene t o t
Was leistet die Landfrau?
Als das „Hohelied eines wahren Heldentums", so hat der Reichsbauernführer in feiner Rede auf dem 6. Reichsbauerntag das Wirken und Schaffen der deutschen Landfrau in den vergangenen Jahren bezeichnet. Mit Dank unb Anerkennung sprach Darrs von diesem stillen, oft wenig beachteten Heldentum der Bäuerin, die in ben letzten Jahren eine ungeheure Fülle von Arbeit, von Mühe unb Not unb seelischer Belastung auf sich genommen hat unb doch nicht fahnenflüchtig geworben ist.
Die große Erfolgsbilanz über die Arbeit des Landvolkes, die der Reichsbauernführer in Goslar verkündete und die sich in der Leistungssteigerung auf allen Gebieten und am sinnfälligsten in der Rekordernte der letzten Jahre ausprägt, ist zu einem beträchtlichen Teil dieser tapferen Haltung der Landfrau zu verdanken. Um die Leistung des Landvolkes aber voll würdigen zu können, dürfen die Umstände nicht übersehen werden, unter denen diese Leistungen zustande gekommen sind. Es muß vor allen Dingen berücksichtigt werden, daß diese Erfolge erzielt wurden mit einer stän- dia abnehmenden Zahl von Arbeitskräften. In ben letzten Jahren haben 700 000 bis 800 000 Arbeitskräfte das Land verlassen, um in den Städten zu einer anderen Beschäftigung hin- überzuwechseln. Die volle Bedeutung dieses ungeheuren Rückganges an Arbeitskräften kann man aber erst bann ganz erkennen, wenn man sich klar macht, baß die Erzeugungsfchlacht unb ihre Verstärkung im Rahmen bes Vierjahresplanes einen sehr erheblichen Mehraufwand an Arbeit erfordert. Denn jede Mehrerzeugung der Landwirtschaft bedeutet auch einen erheblich vermehrten Arbeitsaufwand, der noch dadurch vergrößert wird, daß eine Erhöhung der Produktion hauptsächlich bei solchen Erzeugnissen gefordert wurde, die eine besonders intensive Arbeit voraussetzen. So. haben die letzten Jahre für jeden einzelnen der in der Landwirtschaft Schaffenden eine ständig steigende Mehrbelastung gebracht.
Don dieser Mehrbelastung ist auch in besonderem Maße die Landfrau betroffen worden. Durch den Mangel an Landarbeitern mußte auch die Frau neben ihrer Arbeit in 5)aus, Hof unb Stall immer mehr bei ben gelbarbeiten einspringen. Dadurch, daß viele Landmädel, die vorher der Mutter bei den häuslichen Arbeiten sehr wesentlich geholfen hatten, in die Stadt zogen, hatte die Bäuerin auch deren Arbeitsanteil zu übernehmen. So wird die Tatsache verständlich, daß die Bäuerin ost mehr Arbeit leistet als der Bauer selbst. Wie Untersuchungen des Reichskuratoriums für Technik in der Landwirtschaft ergeben haben, lag bei ben untersuchten Betrieben die Arbeitsstunbenleistung der Bäuerin im Durchschnitt um 10 v. H. höher als bie des Dauern. Um bei ber Bewertung von einer Norm der jährlichen Beschäftigungsdauer ausgehen zu können, wurde ber zehnstündige A r - beit sta g, also 300 Tagewerke im Jahr, als normale Beschäftigungsbauer angenommen. Bei den untersuchten Betrieben ergab sich, baß bie Bäuerin nun nicht nur biefe 300 Tagewerke im Jahr leistet, sondern z. B. 396, 419 ober gar 4 3 8 Tagewerke.'
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Auch wenn man bie verschobenen Anteile ber einzelnen Arbeitsarten am Gesamtarbeitsaufwand betrachtet, so zeigt sich bie außerordentlich starke Belastung ber Bäuerin. 47 v. H. bes Gesamtarbeits- aufwanbes entfallen allein schon auf bie Haus- unb Stallarbeiten, wovon bie Hausarbeiten vollkommen unb bie Stallarbeiten zumindest zu einem sehr großen Teil von ber Bäuerin verrichtet werben. Aus ber Höhe des Anteils biefer beiben Arbeiten am Gesamtarbeitsaufwanb ergibt sich auch bie Wich- tigfeit bes Einsatzes arbeitfparenber Hilfsmittel unb bie Notwenbigkeit einer sinnvollen Einteilung gernbe biefer Arbeitsvorgänge. Vor allem für ben kleinen unb mittelbäuerlichen Betrieb ist baher bie Forderung nach arbeitserleichternben unb arbeitsparenden Einrichtungen im Haushalt befonbers wichtig. Wie häufig kommt es gerabe in ben Familienwirtfchaften vor, baß an arbeitsreichen Tage bes Sommers nicht einmal genug Zeit vorhanben ist, um ein warmes Essen für bie vom frühen Morgen bis in ben späten Abenb schwer arbeifenbe Familie zuzübereiten.
Diese Arbeitsüberlastung bes Lanbvolkes unb insbesondere ber ßanbfrau als eine Auswirkung bes Arbeitermangels unb ber Lanbflucht ist jetzt rin Problem geworben, das bas ganze deutsche Volk betrifft. Denn in ber bauemben Ueberbelastung ber ßanbfrau liegt eine sehr große Gefahr für bie wesentlichste Aufgabe bes Bauerntums: Bluts- quell ber Nation zu fein. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, bie in der Arbeiternot unb ber Ueberbelastung liegen, stehen aber fast in einem Wiberspruch zu biefer für ben Bestaub bes Volkes lebensnotwendigen Aufgabe. Denn bie Verhältnisse, die wir heute in dieser Beziehung auf dem Lande antreffen, nehmen der Bäuerin ja fast schon die Möglichkeit, eine zahlreiche Kinderschar beranzu-- ziehen. Wenn die ßanbfrau burch bie Fülle ber drängenden Arbeit, die auf ihr lastet, buchstäblich keine Zeit hat, Kinder zu bekommen, so ist das ein Problem, das nicht mehr als ein wirtschaftliches oder soziales angesprochen werden kann, sondern bas eine nationalsozialistische ßebens= frage überhaupt darstellt.
So wird, wie es in Goslar unmißverständlich zum Ausbruck gekommen ist, bas Problem des Landarbeitermanaels nicht mehr lange wie bisher mit Hilfsmaßnahmen bekämpft werden können. Der Zeitpunkt, zu dem eine grundsätzliche ßöfung unaufschiebbar wirb, rückt immer näher. Allerdings wird mit wirtschaftlichen oder gesetzlichen Maßnahmen allein, die zwar, wo sie möglich sind, natürlich nuch getroffen werden sollen, die ßandflucht nicht überwunden werden, sondern nur, wenn, wie ber Reick>s- bauernsührer sagte, „die NSDAP, aus ihrem Bekenntnis zum Blute, zur Rasse heraus den unerschütterlichen Entschluß faßt, sie unter allen Umständen zu überwinden".
Es ist kein Zweifel, daß aber a.u ch in organisatorischer Hinsicht alles getan tperben wird, was geeignet ist, Erleichterungen in dieser ßage zu bringen. Ebenso wie ber Appell des Reichsbcnu>-n- führers an bie weibliche ßanbjugenb, ihre Mutter nicht im Stich zu lassen und sich von ber Front in die Etappe zurückzuziehen, seinen Erfolg nirfit verfehlen wirb. " H. El.
werben, sondern den Duktus der verschiedenen Hände verraten. Die Bestürzung, die von diesen monumentalen Möbelstücken zunächst auf den Betrachter übergeht, beruht auf einem Irrtum; er weilt in Gedanken in- einer Privatwohnung; erst wenn er sich umstellt auf die Räume der repräfentatwen Bauten, deren Modelle er soeben im Erdgeschoß ber Ausstellung gesehen fyat, gewinnt er ben richtigen Maßstab.
Triumphzug der kleinen Dinge.
ßeichter fällt es, rasch in ein angemessenes Verhältnis zu den kleinen Gegenständen zu kommen, deren Fülle und Auswahl bis jetzt nicht ihresgleichen gehabt hat. Vom hangeknüpften Teppich bis zur feinen Venicefpitze, vom glitzernden Glas- schnitt bis zu hauchzarten Trinkgläsern, von wuchtigen Gästebüchern bis zum feingerabmten, handgeschriebenen Wandsvruch, von schweren Bür- germeifterfetten bis zum edel gestalteten Anhänger am Hals der schönen Frau, von ber „Ochsenblut"-Vase ober ber Weinkanne in „Sung- Rot" — auch eine uralte, erst jetzt roieber entbeckte Technik — bis zur vornehmen Craquelsschale — es gibt kein Kunsthandwerk, bas man hier nicht in letzter Vollendung Revue passieren sähe.
Die unverkäufliche Da^e.
Daß es auch auf diesem Gebiete für ben Unbefangenen Uederraschungen gibt, kann bem, der öfter in die Ausstellung kommt, nicht entgehen. Sie werben meistens erfreulicher Art sein, so wenn bie Hohe des wirklichen Preises bei irgendeinem erwünschten Gegenstand weit hinter dem „Kostenooranschlag" zurückbleibt; dann aber gibt es auch Wendungen, die völlig unvermutet aus dem Irrgarten ber Künste auftauchen unb für den Dritten etwas Belustigendes haben. Da mochte eine Dame, die entzückt vor einer kleinen, oxydgrünen Keramikvase von Professor ß a e u g e r steht — sie hat die reichoerstreuten Kraterbildungen in ber Glasur mit feiner Witterung als etwas.höchst Ungewöhnliches erkannt —, bas Dinglein käuflich erwerben. „Das Stück ist unverkäuflich." — „Aber bann kann ich es nachbestellen?" — „Nein, das geht leiber nicht." — „Warum nicht? Ich bezahle doch, was es kostet!" — „Sie werden überrascht sein, gnädige Frau, wenn Sie hören, daß Sie die kleine Vase nicht für hunderttausend Mark nachbestellen können." — „Aber wieso denn?" — „Weil sie ein ganz seltenes Ergebnis aus dem Zusammentreffen unzähliger Bedingungen, fozusagen ein Kind bes Schicksals, ist." I
Die Enttäuschte tröstete sich dann mit einer Garnitur delikater Platzdeckchen. Man benutzt sie für eine neue Art, den Tisch zu decken, die bei uns vielfach von dem englischen Beispiel der „lunch sets" angeregt, erst jetzt Aufnahme findet: man speist ohne Tischdecke. An deren Statt gibt es unter jedem Gedeck ausreichend große „Platzdeckchen", deren Anfertigung der erfindungsreichen Hand weite Grenzen läßt. Die kostbare Tischplatte bleibt bann unverhüllt und gibt der Tafel ein sehr charaktervolles Gepräge.
Oesterreicher und Sudelendeutsche.
Es versteht sich von selbst, daß bie Heimkehr der Oesterreicher und der Sudetendeutschen ins Groß- deutsche Reich auch in dieser Schau ihren Abglanz sindet. Wien zumal tritt bedeutend, ja achtunggebietend hervor. Man sieht Wandteppiche von pastellener Zartheit, sieht unverkennbar „Wienerische", Trinkgläser, deren Kelchrand voll spielerischer Grazie im Umriß eines vierblättrigen Kleeblatts verläuft, sieht ß e d e r t a f ch e n , die bestrickende Einfachheit mit höchster handwerklicher Durchbildung verbinden — die Wiener Werkgesinnung wird zweifellos vom Haus der Deutschen Kunst aus in wachsendem Maße ihre Auswirkungen in bie übrigen deutschen Werkstätten streuen. Die Sudetendeutschen offenbaren sich besonders im hohen Stand ihrer V o l k s k u n st; aus Eger kommt eine kostbare Nadelspitzendecke, aus Karlsbad eine „Klosterspitzen"- Decke von Emma Voller, bie höchstes Aufsehen erregen, Gläser aus Haida und anderen Orten mit hochentwickelter Glaskunst schließen sich an.
Dl ck in die Zukunft.
Niemand wird die Ausstellung des Kunsthandwerks verlassen, ohne einen Blick in bie ebenso einfach wie reizvoll ausgestatteten HI.- unb BDM. -Räume zu werfen. Das ist die Umgebung, die den Geist und Sinn ber deutschen Jugend durchtränken soll: Klarheit unb Ordnung; Licht und Schönheit herrschen bis in den letzten Winkel. Eine Jugend, die aus solchen Räumen ihren Weg hinaus in die Welt und das ßeben nimmt, wird nicht in die Barbarei vergangener Tage zurückkehren. Zeitlebens wird das Fingerspitzengefühl für bie Werte der Kultur sie begleiten; sie wirb — so hoffen wir — auf breiterer Grundlage, als wir es heute noch vermögen, die Vision des Führers verwirklichen helfen: Deutschland zu dem zu machen, was es nach den Aspekten, die sich hier eröffnen, einmal werden soll — ein großes Haus der Kunst. Dr. H. A. T h i e s.


