Ausgabe 
19.12.1938
 
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Hl 296 Erster Blatt

188. Jahrgang

Montag, 19. Dezember 1938

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T" mgenabschlüsse Staffel 8

Lehren aus dem Gkoblin-Prozeß.

Französischer Volksfrontminister vertuschte die Spuren der

Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.

E.F. Paris, 16. Dezember 1938.

Mit der Verurteilung der Frau Stob» l i n ist einer der interessantesten politischen Prozesse zu Ende gegangen, den Paris seit einigen Fahren gesehen hat: der Prozeß wegen der Entführung des weißrussischen Generals Miller am 22. Septem­ber 1937, in dem die Frau des flüchtig gegangenen Generals Sloblin, eines anderen ehemaligen Weiß­russen, zusammen mit ihrem Mann schwer belastet war. Frau Sloblin ist auf Grund der in dem Pro­zeß zusammengetragenen schwerwiegenden Indizien unter Gewährung mildernder Umstände wegen Mitschuld an der Entführung zuzwanzig Fah­ren Zwangsarbeit verurteilt worden. Ihr Mann, General Sloblin, der sich zum Werk­zeug der G.P.U. gemacht hatte, konnte nach dem Ausland fliehen, niemand weiß etwas über sein weiteres Schicksal. Vielleicht ist auch er schon längst von Len Schergen der G.P.U. um die Ecke gebracht worden. Man hat das bittere Gefühl, daß die Hauptschuldigen dem Zugriff der rächenden Justiz entzogen sind und vielleicht sogar in aller Sicherheit neue Mordpläne vorbereiten. Denn darüber herrscht in den weiten Kreisen der Öffentlichkeit nicht der geringste Zweifel; der eigentliche Hauptschuldige ist die G.P.U., die An­stifter und Henker des Mordes an General Miller, der durch seins Tätigkeit so unbequem war, sind die Sowjets, und eine Hauptrolle bei dem Ver­schwinden des General Miller hat die sowjet- russische Botschaft in der Rue de Grenelle gespielt.

Eine resllose Aufklärung der Tat wäre unmittel­bar im Anschluß an die Entführung vielleicht mög­lich gewesen, aber das Spiel unterirdischer Intrigen in einer Zeit, wo die französische Regierung noch innig mit der Volksfront verbunden war, hat das verhindert. Die Tatsachen reden eine zu ein­deutige «spräche: Am Tage nach der Entführung war bereits einwandfrei festgestellt, daß am 22. Sep­tember nachmittags aus Paris zwischen drei und vier Uhr ein Lieferwagen mit einer verdächtigen großen Kiste in Le Havre einaetroffen war, die in großer Eile auf den im Hafen liegenden sowjet- russischen DampferMaria Ulliapowa" verladen wurde, worauf der Dampfer beim Eintreffen der Flut am Abend in größter Eile den Hafen verließ, bevor er noch seine Ladung vollständig gelöscht hatte. In der verdächtigen Kiste vermutete man die Leiche des Generals Miller. Ein. Torpedoboot der französischen Kriegsmarine war dem Dampfer nach- gesandl worden, um ihn zum Zwecke der Durch­suchung zurückzuholen.

Und nun geschah das Unglaubliche, daß der ehe­malige sozialistische Innenminister Marx Dor­mo y , durch einen Telephonanruf des damaligen, ebenfalls sozialistischen Fustizministers Vincent Auriol veranlaßt, drahtlos den Befehl erteilen ließ, die Verfolgung des sowjetrussischen Dampfers e i n z u st e l l e n. DieMaria Ullianowa" hatte damals im Verlauf ihrer weiteren Fahrt nach Sow­jetrußland den Weg durch den Nord-Ostsee-Kanal vermieden, da damit zu rechnen war, daß die auf­merksam gewordenen deutschen Behörden zu einer Untersuchung des Dampfers geschritten wären. Der Vertreter der unglücklichen Gattin des entführten Generals Miller hat bei seinem Plädoyer mit scho­nungsloser Schärfe auf diese zweideutige Rolle des jetzigen Senators Marx Dormoy hingewiesen. Auch daß Marx Dormoy und Vincent Auriol in dieser kritischen Zeit Telephongespräche mit dem dama­ligen sowjetrussischen Botschafter in Paris, Potemkin, geführt hatten, ist einwandfrei nachgewiesen; ein weiteres schwerwiegendes Indiz für die Blutschuld Moskaus.

Die übrigen Umstände, die für die Schuld der Sowjetbotschaft sprechen, sind bereits früher aus­führlich erörtert worden; vor allem die Tatsache, daß in unmittelbarer Nähe der Untergrundbahn­station Jasmin, wo General Miller, von General Skoblin dorthin bestellt, zuletzt mit diesem gesehen worden war, auf dem Boulevard de Mont­morency sich ein unter dem Schutze der diploma­tischen Immunität stehendes, der Sowjetbot­schaft gehöriges Haus befindet, wo der verdächtige Lieferwagen zur fraglichen Zeit, d.h. wenige Minuten vor 13 Uhr, gesehen worden mar. Zwei bis drei Stunden später war der Lieferwagen in Le Havre, nachdem vermutlich in dem Haus am Boulevard de Montmorency sich das Schicksal des Generals erfüllt hatte.

Die Art, wie die Polizei die nach Le Havre führende Spur unterdrückt hat, nachdem Marx Dormoy seine Anweisungen ausgegeben hatte, ist ein Kapitel für sich. Der Spezialkommissar Chau- vineau hatte einen ausführlichen Bericht erstattet, in dem alle Umstände, dafür sprachen, daß die Leiche des Generals Miller auf dieMaria Ullia­nowa" gebracht worden war, aber so bekundete Chauvineau:Marx Dormoy war wü­tend geworden". Es wurde ein anderer Beamter namens de Papin entsandt, der einen Bericht machen mußte, der genau das Gegen­teil des Berichts von Chauvineau enthielt. Chau­vineau wurde a b g e s e tz t, de Papin aber zur Belohnung beföröert.

Frau Skoblin und chr Mann sind durch alle Fest­stellungen der Untersuchung, auf denen der Wahr- spruch der Geschworenen beruhte, selbst schwer be­lastet. Sie haben irreführende Angaben über die Anwendung ihrer Zeit am 22. September gemacht, um sich ein Alibi zu verschaffen. General Skoblin hatte den General Miller zu dem verhängnisvollen

Rendezvous an der LI-Bahn-Station bestellt. Zahl­reiche Zeugenaussagen haben heroorgehoben, daß Skoblin eine Doppelrolle spielte und mehrfach mit Abgesandten der GPU. zusammengekommen war. Seit 1927 stand, wie man mit Sicherheit an nehmen kann, das Ehepaar im Solde der GPU. Die großen Ausgaben, zu denen General Skoblin unter dem Einfluß seiner Frau gezwungen war, trieben ihn auf diese Dahn-

Diese Frau hat ein abenteuerliches Leben hinter sich. Als einfaches Bauernmädchen hatte sie sowohl zu Bolschewisten als auch zu weißrussischen Offi­zieren Beziehungen; in der Emigration spielte sie als Vortragskünstlerin unter dem NamenPlewitz- kaja" ein gewisse Rolle, aber die Einnahmen, die sie mit dem Vortrag einfacher Volkslieder in den Kon­zertsälen hatte, genügten bei weitem nicht, um ihre Ansprüche zu erfüllen. Französisch hat sie auch in den zwanzig Jahren ihres Pariser Aufenthaltes niemals sprechen gelernt.

Die französischen Geschworenen haben mit ihrem Urteil den Willen bekundet, Strenge und Gerechtig­keit gegenüber den Mitgliedern der russischen Emi­gration malten zu lassen und politischen Beeinflus- sungsversuchen nicht nachzugeben. Auf das Problem der russischen Emigration an sich haben die Ent­führung des Generals Miller und der Prozeß grelle Schlaglichter geworfen. Die. ehemaligen weißrussi­schen Offiziere und Soldaten, die im Auslande und insbesondere in Frankreich leben, führen einen schweren Existenzkampf. Nur wenigen ist es geglückt, den Lebensstandard aufrechtzuerhalten, den sie einst in Rußland hatten; aber sie reden sich untereinander mit ihren alten Obersten- und Generalstiteln an. Die Zahl der Emigranten, die die gläubige Hoffnung be=

Mailand, 18. Dez. (Europapreß.) Mussokim traf am Sonntagvormittag an Bord eines Kreu­zers im neuen Jnduftriehafen Sant Ankioco ein, wo die Kohlen aus den eis Kilometer ent­fernten Kohlengruben Sardiniens verschifft werden. Der Duce wurde von mehreren Ministern, " den Behörden, den faschistischen Organisationen sowie den Bergleuten 'in blauen Hemden jubelnd emp­fangen. Er besichtigte zunächst die neuen Hafen- anlagen cknd das im Bau befindliche Elek­trizitätswerk von Santa Katarina sowie die Anlagen für. d i e Benzingewinnung in Palmas. Dann begab sich Mussolini in das Grube nr e vi er, wo er einige Gruben in Be­trieb besichtigte, um sodann das neue Gruben­arbeiter-Städtchen C a r b o n i a einzuweihen, das innerhalb eines Jahres inmitten einer Einöde ent­standen ist. Längs des Weges waren die charakte­ristischen sardinischen Bauernwagen mit den Bau­ernfamilien in Volkstracht aufgestellt. Die Bevöl­kerung jubelte dem Duce auf seiner Besichtigungs­fahrt begeistert zu.

In Carbonia hielt der Duce eine Rede, in der er darauf hinwies, daß es nur einer Bewegung wie dem Faschismus möglich gewesen wäre, in einer Zeit von knapp zwölf Monaten ein solches Werk ins Leben zu rufen. Mussolini dankte auch dem Mitgehen der sardinischen Bevölkerung in der Gesamtheit des Faschismus, der Bevölkerung einer alten, sehr treuen und für zu lange Zeit ver-

Paris, 18. Dez. (Europapreß.) Ein gewaltiger Donnerfchlaa weckte am Sonntagmorgen die Bür­ger des auf halbem Wege zwischen Nantes und Brest liegenden bretonischen Städtchens P o n t i v y , das *9440 Einwohner zählt. An allen Häusern des Platzes Bourdanaye-du-Cluziot gingen die Fensterscheiben in Trümmer. Auf dem Platze vor der Kirche von Pontivy war das D e n k- m a l zur Erinnerung an die Vereinigung der Bretagne mit Anjou von unbekannter Hand g e - sprengt worden. Es handelte sich um eine Bronze- Statue, die die Freiheit verkörpert und die Ab­schaffung der provinziellen Sonderrechte sowie die Errichtung des einheitlichen französischen National­staates verherrlicht. Durch die Explosion war die Statue in Stücke gerissen worden. Unmittelbar nach der Explosion wurde ein schwerer Personenkraft­wagen gehört, der sich rasch entfernte. Bereits kurze zeit nach dem Anschlag auf das Denkmal erschien der Unterpräfett von Pontivy-Chulliat und stellte die ersten Ermittlungen an. Bis zur Stunde konnte je­doch noch keine Spur von den Tätern entdeckt werden.

Man ist der Ansicht, daß der Anschlag auf das Denkmal die Antwort der bretonischen Autono- m i st e n auf die Verurteilung ihrer Füh­rer Debeauvais und Mordrel, die am Samstag von dem Gericht in Rennes je ein Fahr Gefängnis erhalten haben, fein dürfte. In den auto- nomiftifchen Kreisen von Pontivy herrscht eine be­sondere Erregung darüber, daß fünfzehn jün­gere Leute vor einem Monat z u je drei Tagen Gefängnis verurteilt worden waren, weil sie beim Besuch des Handelsministers Hand-

wahren, daß sie einst nach dem Stürz des Sowjet­regimes wieder in ihr Vaterland zurückkehren kön­nen, hat sich verringert. Aber die Zuversicht, daß eines Tages ihr Glaube den Sieg davontragen wird, ist nicht zu besiegen, und daran wird auch die unheil­volle Tätigkeit der Leute in der Sowjetbotschaft nichts ändern können.

Oie weißrussische Emigration in Paris.

Paris, 18. Dez. (Europapreß.) Großfürst Wladimir, der 21jährige Sohn des im Oktober verstorbenen Großfürsten Kyrill, hat am Sonn­tag einem großem Empfang beigewohnt, der zu seinen Ehren in dem Hause der Chemie in Paris von dem Präsidenten der russischen Adelsvereinigung veranstaltet worden war. "Damit trat der Großfürst nach dem Tode seines Vaters zum erstenmal offiziell als Präten­dent für den russischen Zarenthron mit der weiß­russischen Emigration in Verbindung. Großfürst Wladimir wurde von seinem Onkel, dem Großfürsten Andrö, und seinen Vettern, den Großfürsten D i- mitri und Gabriel, begleitet. Der Metropolit Eulogius, der in seinen goldenen und weißen Priesterornat gekleidet war, begrüßte ihn und er­klärte dem Großfürsten, daß die weißrussische Emi­gration ihm völlig ergeben sei. Großfürst Wladimir nahm dann auf einem Sitz Platz, hinter dem eine riesige gelbe Fahne mit dem kaiserlich russischen Doppeladler aufgespannt war. Es schloß sich eine' feierliche religiöse Zeremonie an, an der die Sänger der russischen Kirche in Paris mitwirkten. Großfürst Wladimir ergriff nach der Feier das Wort und dankte seinen Landsleuten für den Empfang. Am Schluß der Ansprache wurden auf den Großfürsten Hochrufe ausgebracht und die alte russische Natio­nalhymne von den etwa 1500 Versammelten ge­sungen. Des Großfürsten ältere Schwester ist mit dem Erbprinzen von ßeinigen in Amorbach ver­mählt, die jüngere mit dem Prinzen Ferdinand, dem zweiten Sohn des ehemaligen Kronprinzen.

gessenen Landschaft. Der Duce rotes auch auf den Umstand hin, daß die Einweihung Carboui-as ge­rade cum dritten Jahrestage des sogenannten Tages des Glaubens" erfolge, jenes Tages, an dem die italienischen Frauen in glühender Vaterlandsliebe und in Nachahmung der Frauen des alten Noms ihre Antwort auf -die universale und schmähliche Genfer Belagerung erteilten, ins dem sie in freiwilligen Geschenken ihre Eheringe opferten. Der Duce schloß:Wenn ein Volk solcher Taten fähig ist, kann es jedem und überall fest in die Augen sehen. Kameraden, Jnge- nie-ure, Techniker, Arbeiter! Für das, was ihr ge­tan habt und was ihr noch tun werdet, fetze ich euch alle und euer Werk auf die Tagesordnung der Nations"

Das neue Kohle narb e ite rstäd tche n Carbonia ist in einer Einöde deH Provinz Iglesias an der Süd- roe stecke der Insel gegründet Mit 12 000 Einwoh­nern, die in den hier erschlossenen Kohlengruben mit der Zeit l*/s Millionen Tonnen Kohle im Fahr fördern und so einen erheblichen Beitrag zur Erreichung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit leisten können. Das neue Städtchen ist auf Wei­sung Mussolinis buchstäblich in einem Jahr aus dem Boden gestampft worden. Es umfaßt beute neben Kirche, Partei- imb Vereinssitzen eine Dop­pelreihe Wohnhäuser für die Arbeiter.

zettel angeschlagen hatten, auf denen die Worte stan­den:Die Bretonen sind keine Fran­zose n". Die gleichen Handzettel waren auch in der Nacht zum Sonntag wieder angeklebt worden.

Die Führer der bretonischen Autonomisten, Mordrel und D e b e o a i s , sind der Chefredak­teur und der Direktor der in der alten bretonischen Hauptstadt Rennes erscheinenden Autonomistenzei- tungBreiz Atao". Beide waren wegen der in der Zeit vom 24. Mai bis zum 18. September in dem Blatt erschienenen politischen Artikel angeklagt. Die Artikel richteten sich gegen die Außenpolitik der Re- gierurtg und, wie der Staatsanwalt ausführte, gegendieJntegritätdesfranzösischen Staates. In diesen Artikeln wurden die Bre­tonen aufgefordert, nicht für die Tschecho-Slowakei in einen Krieg zu ziehen. Debeauvais, der gegen­wärtig eine ihm am 29. Juni zudiktierte Gefängnis­strafe wegen Denkmalsbeschädigung verbüßt, wurde kein Strafaufschub zugebilligt, während Mordrel für die Gefängnisstrafe Strafaufschub gewährt wurde. Gegen dieses Urteil protestierte die Halbmonats­schrift der Nationalen Bretonischen Partei auf das heftigste und bezeichnete es als eine Herausforde­rung, auf die die Bretonen eine verdiente A n t- w ort geben würden, indem sie sich immer entschlos­sener um ihre nationalen Führer scharten. Das bre­tonische Blatt meldet auch, daß Debeauvais auf das Urteil mit dem Ruf:E s lebe die freie Bre- tag n !" geantwortet habe.

Gegen das jetzt gesprengte Denkmal waren von bretonischen autonomistischen Kreisen schon wieder- holt Drohungen ausgestoßen worden. Die Polizei hatte das Denkmal längere Zeit hindurch bewacht.

Einer der Führer der bretonischen Autonomisten» Laine, wurde bald nach dem Anschlag auf dein Bahnhof von Rennes verhaftet. Er hatte dort die AutonomistenzeitungBreiz Atao" verteilt. Es wird angenommen, baj sich Laine durch diese Tä­tigkeit ein Alibi verschaffen wollte.

Bei diesem Anschlag handelt es sich nicht um die erste Kundgebung der bretonischen Autonomisten. Die Sprengung des Denkmals von Pontivy er« innert lebhaft an einen ähnlichen Vorfall, als im sAugust 1932 das Denkmal in Rennes ge», ! legentlich des 400. Jahrestages der Einverleibung i ber Betagne in Frankreich zerstört wurde. Im No- ! oember des gleichen Jahres sprengten die bretoni- : schen Autonomisten in Jngrandes d i e Eisen-- ^dahnlinie nach Nantes kurz vor dem (Sintref» fen des Zuges, in dem sich Ministerpräsident Herriot be|anö. Vier Jahre später lenkten die bre­tonischen Autonomisten die Aufmerksamkeit auf sich, indem sie versuchten, die Polizeipräsidien von Nantes, Quimper, Rennes und St. Brieuc an» zuzünden, und im Juni dieses Jahres wurden zahlreiche Denkmäler, die die Einverleibung der Bretagne in Frankreich verherrlichen, mit Farbe be­schmiert.

Neue Terrorwelle in Sowjet panien.

Paris, 18. Dez. (Europapreß.) 200 Personen sind in der vergangenen Woche in Barcelona zum Tode und 100 Personen z u Zwangsarbeit verurteilt worben, so melbet berJour" am Sonn­tagvormittag. Die Furcht vor einer neuen national- spanischen Angriffswelle habe in ganz Somjetspanien neuen Terror ausgelöst, ber in seiner Heftigkeit an bie ersten Tage der nationalen Erhebung erinnere. Die Polizei von Barcelona sei durch anarchisti­sche und kommunistische Kräfte ver­stärkt worden. Von der Front seien Spezial­verbände abgezogen worden, die in Kata­lonien Tag und Nacht hindurch zahlreiche Haus­suchungen durchführten. Bekannte sowjetspanische Persönlichkeiten, wie der Anwalt und Hauptmann im Generalstab, Antonio Ayin 1, gehörten zu den jüngsten Opfern des roten Terrors. Die neuen Maß­nahmen der Polizei erhielten ihre besondere Bedeu­tung aber erst dadurch, daß diesmal nicht nur wie bei den früheren Terrorwellen der Mittelstand und bas Kleinbürgertum bie Leibtragenden seien, sondern vor allem die Arbeiter.

Französische Bemühungen um einen Weihnachtsfrieden zwischen Burgos und Barcelona.

Paris, 18. Dez. (Europapreß.) Ein Besuch des Kardinalerzbischofs Verdi er beim französi­schen Außenminister Bonnet findet in der Pari­ser Presse ein nachhaltiges Echo. Es habe sich hier­bei, glaubt derPetit Parisien" zu wissen, um den Versuch gehandelt, zwischen Burgos und Barcelona einen Wethnachtsfrieden Zu vermitteln, ber mit' bem Weihnachtsfest beginnen und bis zum Neujahrstag baue'rn solle. Dieser Vorschlag sei durch eine Abordnung der fran­zösischen Frontkämpfer Außenminister Bonnet unterbreitet worben, und ber ' höchste französische Geistliche habe ihm seine Unterstützung verliehen. Bonnet hatte über biese Frage noch eine längere Aussprache mit Ministerpräsident D a l a d i e r.

Ueber die Aussichten eines solchen französischen Schrittes äußern sich die Blätter sehr skeptisch. In der Tat wird von einer französischen Nach­richtenagentur aus Saragossa gemeldet, daß man sich in Nationalsponi'en heftig gegen Waffenstill­standsbemühungen des Auslandes oerroahre, da ein Waffenstillstand praktisch nur den Bolsche­in i st e n zugute kommen und dazu dienen würde, daß sie ihre Abwehrmaßnabmen besser or­ganisieren könnten. Einzelne Blätter erheben heftigen Bratest dagegen, daß Frankreich in Bur­gos noch immer Feinen Vertreter be­sitze. Der ,.P"tit Varisien" behauptet, dies sei ein Mangel an Realismus. Der belgische Minister­präsident S v a a k habe, obwohl er selbst Mv'-rist lei, noch reiflicher Ueberlegung des Für und Wider einen Vertreter nach^Burgos entsandt.

Neue Desichliqungsreise (Samelins drrch Nordafrika.

Paris, 18. Dez. (Europapreß.) Der französische Generalstabschef G a m e I i n , ber erst im November eine Besichtigungsreise durch Nordafrika unternom­men hatte, wird, wie berTernps" meldet, im Ja­nuar 1939 eine weitere ausgebehnte Besichti­gungsreise in dieses Gebiet unternehmen. Gamelin wird von dem Vizeadmiral D a r l a n , dem Chef des Admiralstabs der Mittelmeerflotte, begleitet werden. Die Besichtigungsreise im November hatte besonders den neuen Befestigungsanlage^ an der Südgrenze von Tunis gegolten.

Propagandareise Dakadiers nach Korsika und Tunis.

Paris, 19. Dez. (DNB. Funkspruch.) Zu dem geplanten offiziellen Besuch des Ministerpräsidenten Daladier in Korsika und Tunis will derJour" er­fahren haben, daß diesePröpagandareise" unmittel­bar im Anschluß an die Verabschiedung des Haus­haltes durch die Kammer und durch den Senat, d. h. also in den allerer ft en Tagen des Ja­nuar, stattfinden werde. In B a st i a, auf der Insel Korsika, sei von französischer Seite zu. diesem Zweck bereits ein Propagandaausschuß ge­bildet worden, der eine Reihe von Kundgebungen und einen sog.französisch en Tag" organi­sieren werde.

Der Duce auf Sardinien.

Carbonia" Mittelpunkt eines neuen italienischen Kohlenreviers.

Denkmalsprengung in der Bretagne.

Antwort auf die Verurteilung bretonischer Autonomisten?