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lir.245 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Mittwoch, ly.Mober (938

Aus der Stadt Gießen.

0er Fliegenschnäpper.

Herzlicher Gruß an die Soldaten.

Große Freude in den Straßen von Gießen.

Zahnen md Minen heraus!

Anläßlich der Rückkehr unserer Soldaten am morgigen Donnerstag und am Freitag bitte ich alle

Musik,

Stab

Stab

süßeste

Lager zu ihrer Familie kommen, dann wollen sie leben mit ihrer jungen Arbeitskraft die Frau entlasten. | tober

bis November ist der im Nachsommer ge<

auch nur Jetzt

Stab 3TL 116, Nachrichtenabteilung, 13. Kompanie;

18.56 Uhr an der Verladerampe:

I. BafL, 1. bis 3. Kompanie;

22.06 Uhr an der Verladerampe:

III. Vatl., 9. bis 11. Kompanie.

weitem P. B.

3 n G r oh e n -L i n de n u nd Lollar:

19.00 Uhr Bahnhof Grohen-Linden: Stab II. Vatl., 5. bis 7. Kompanie;

Das Wichtigste beim Schuhputzen ist nicht, daß die Schuhe glänzen, sondern daß das Leder sachgemäß gepflegt wird. Das macht man am besten mit dem guten Erdal, dann halten die Schuhe länger und bleiben länger schön. Jetzt ist's noch einfacher, weil Erdal billiger geworden ist. Zu jeder Dose Erdal- Bildergutscheine.

schätzt die Kartoffel sehr, er weiß, daß beide reich­lich vorhanden sind und fragt sich dann: Warum gibt es in vielen Gastwirtschaften nur so wenig von diesen nahrhaften Dingen? Warum kommt in vielen Lokalen zwar eine große Fleischportion aus den Tisch, aber nur zwei oder drei Kartoffelstückchen und nur wenig Gemüse? Dem Gast bleiben dann nur noch die Brötchen :m Korb, die meist nicht nur seine Mahlzeit verteuern, sondern häufig auch seinen Er­nährungsgewohnheiten widersprechen. Er sieht auch nicht ein, warum er, wenn er ein .warmes Essen bestellt, kalte Brötchen essen soll und warum Nicht mehr Kartoffeln und der Jahreszeit entsprechendes Gemüse gereicht werden. Unsere gesunde und ab­wechslungsreiche Ernährung, die in glücklichster Form auf die in Deutschland vorhandenen Erzeugungs- moglichkeiten abgestimmt ist, legt Wert auf eine ge­sunde- Mischkost. Die Voraussetzungen hierfür sind auch gerade in Deutschland besonders gegeben. Auch die Kartoffel ist nirgendwö knapp. Warum also scheinbar in einigen Gastwirtschaften?

Frauen und Müttern auf dem Land.

Ihr Einsatz gilt der Frau. Wenn sie täglich vom

Volksgenossen in Giehen, die Häuser festlich mit den Fahnen, mit Grün und mik Blumen zu schmücken.

Backhaus, Kreisletter.

men wir über den Winter!" Und noch von winkte er glückstrahlend zurück.

Bornoiizen

Tageskalender für Mittwoch.

Letzt wieder weiße Wochen.

NSG. Nicht nur die Hausfrauen, sondern die Gärtner kennen die weißen Wochen, die

Katharine Keller in Wetterfeld gegen den Be­zirksfürsorgeverband Kreis Schotten wegen Erstat­tung von Fürsorgekosten.

Arbeitsmaiden als Helfer.

NSG. Jetzt, da der Sommer zu Ende geht, erin­nern wir uns gerne der vielen unbekannten Helfe­rinnen auf dem Land, die an vielen Orten den Bauersfrauen zur Seite standen. Allein 1800 bis 1900 Arbeitsmaiden des Bezirks XI, Hessen, des Reichsarbeitsdienstes für die weibliche Jugend waren in diesem Sommer im Gau Hessen-Nassau eingesetzt. Gemäß dem Erziehungsplan des Reichs­arbeitsdienstes, in dem die Arbeit an erster Stelle steht, helfen sie allerorts tatkräftig den überlasteten

18.11 Uhr Bahnhof Lollar: Retterzug,

4. und 8. Kompanie 3R. 116.

Von dort Fußmarsch noch Gießen.

III. Abteilung Arl. - Regt. 9:

Donnerstag, 19.46 Uhr, an Verladerampe Bahn- Hof Gießen: Slab IIL Abt. und 7. Batterie.

Freitag, 1.26 Uhr, an Verladerampe Bahnhof Giehen: 8. Batterie.

Freitag, 5.06 Uhr, an Verladerampe Bahnhof Gießen: Rachrichtenabteilung und 9. Batterie.

Division:

Freitag, 20.26 Uhr, an Verladerampe Bahnhof Gießen: Pferdestaffel der 9. Division.

Oie Marschstraßen durch die Stadt.

Dom Güterbahnhof über Horst-Wessel-Wall, Sel­tersweg, Kreuzplatz, Sonnenstraße, Neuen Bäue, Stadttheater vorbei, hitlerwall, Moltkestraße, Licher Straße.

Don Großen-Linden durch die Frankfurter Straße, dann wie vorstehend.

Don Lollar: Marburger Straße, hitlerwall, I Moltkestraße, Licher Straße.

Stadttheater: 19.30 bis 22.30 UhrDer . .. . Schwindel der Welt". Gloria-Palast (Selters­weg):Rote Orchideen". Lichtspielhaus, (Bahn­hofstraße):Skandal um den Hahn". Oberhes­sischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im

in langen Abständen in Erscheinung' treten.

l wir wieder mitten in dieser Zeit. Dom Ok-

Donnerstag und Freitag kehren unsere Gießener Soldaten zurück

Die Ankunftszeiten der Transportzüge auf dem Gießener Bahnhof.

Sie helfen im Haus, im Garten, im Feld, bei den Kindern bei jeder Arbeit packen sie an, damit die Frau und Mutter über die alltägliche Arbeit hinaus einmal Zeit für andere Arbeit oder zum Ausruhen gewinnt.

Insgesamt 141 807 Tagewerke junger fröhlicher Menschen entlasteten die Frauen und gewährten rund 1800 Familien täglich für sieben Stunden zu- ätzliche Hilfe. Von diesen 141 807 Tagewerken ent­fielen 129 528 auf die Hilfe in den Siedler- und Bauernfamilien, 3217 Tagewerke auf die Kinder­gartenarbeit und 9062 auf die Hilfe der von der NSV. betreuten Familien.

Kartoffelknappheit in Gaftwirtschasten?

ZdR. Der Speisezettel unserer Gastwirtschaften ist nicht gerade klein. Unter der Vielfalt der Vorspeisen, Hauptgerichte, Nachspeisen, der Suppen und kalten Platten wird es dem Gast nicht schwer, gerade das Gericht, das ihm heute besonders munden würde, auszuwählen. Und da der Durchschnittsgast weder Vegetarier ist noch vom Fleisch allein leben will, zieht er als goldenen Mittelweg gewöhnlich die ge­sunde Mischkost vor. Wenn er dann sein Schnitzel mit Gemüsebeilage und Kartoffeln verzehrt hat, greift er sozusagen als bem letzten Nachtisch zur Zeitung und liest, weil er ja gerade beim Mit- tagsttsch sitzt, mit besonderem Interesse eine Notiz über unsere Nahrungsmittelversorgung, über die gute Kartoffelernte und die zahlreich auf dem Markt angebotenen Gemüse. Dabei wird ihn vielleicht eine leise Wehmut beschleichen. Er ißt gerne Gemüse, er

am Mittwoch, 19. Oktober, auf der Verwaltungs­stelle des Bannes und Untergaues 116, Gießen, Seltersweg 52 II, abzuholen.

Sitzung des Bezirksverwaltungsgerichts Gießen. Am Samstag, 22. Oktober, 8.30 Uhr beginnend, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, Landgraf-Philipp-Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Bezirksverwaltungsgerichts Gießen statt mit folgender Tagesordnung: Klage des Max Wall­dorf in Gießen gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 17.1.1938 wegen Versagung des Wan­dergewerbescheins für das Kj. 1938. Klage des Kon­rad R e u ß in Friedberg gegen den Bescheid des Kreisamts Friedberg vom 8. 4.1938 wegen Versa­gung der Genehmigung zur Erweiterung seiner Schankwirtschaft in der haagstraße 45. Klage der

Kompanie unseres Regiments von ihrer Herbstübung zurückkehrte. Die Kompanie hatte be­reits auf der Abfahrt Bad-Nauheim die Reichs­autobahn verlassen und war dann über Butzbach, Lang-Göns, Klein-Linden nach Gießen gefahren. Die Truppe kam die Frankfurter "Straße herunter, fuhr dann langsam über den Seltersweg und von dort aus auf den gewohnten Marschstraßen zu ihrer Unterkunft in der Bergkaserne. Ueberall wur­den die Ofsiziere und Männer dieser Kompanie, die als erste Einheit unseres Regiments ankam, in herzlicher Weise empfangen und vielfach reich mit Blumen geschmückt. An manchen Stellen trugen die Häuser zur Begrüßung der Truppe auch Fah­nenschmuck. Man konnte an den frohen und lachen­den Gesichtern unserer motorisierten 116er erken­nen, wie herzlich sie sich über den warmen Empfang durch die Bevölkerung freuten. Die innige Verbun­denheit zwischen unsere Bevölkerung und unseren Soldaten kam schon bei dem Empfang dieses ersten Teils unseres Regiments wieder einmal in schön­ster Weise zum Ausdruck.

Die Truppen des Standorts Gießen kehren im Laufe des morgigen Donnerstags bzw. bis Freitag früh und Freitag abend nach Gießen zurück. Die Transportzüge werden bei allen Truppen, die auf dem Gießener Bahnhof ankommen, an der gro­ßen Verladerampe bei der Klinik ft r a - ßen-Brücke, also gegenüber vom Diehmarkt- platz, anrollen. Dort werden die Truppen ausgela­den und dann den Marsch durch die Stadt antreten. Die Transportzüge treffen wie folgt ein:

IHorgen Donnerstag : 3nf.-Regf. 116:

10.21 Uhr an der Verladerampe: 12. Kom­panie;

16.42 Uhr an der Verladerampe: Regiments-

Turmhaus am Brand.

WiederholungDer süßeste Schwindel der Welt".

heute abend Wiederholung des großen Erfolges Der süßeste Schwindel der Welt", Lustspieloperette in drei Akten von Rudolf Weys, Musik von Robert Stolz. Musikalische Leitung Joachim Popelka, Spiel­leitung: Gert Buchheim. Tänze: Thea Maaß. Püh- nenbitber Karl Löffler. Mittwoch-Miete, 4. Vorstel­lung. Anfang 19.30 Uhr, Ende 22,30 Uhr.

Bann und llntergau 116 Weiterau.

Theaterring der Hitler-Jugend.

Die Karten zur 1. Vorstellung des Theaterringes (Montag, 24. Oktober) zur Spielzeit 1938/39 sind

Am gestrigen Dienstag stand unsere Stadt im Zeichen der Durchfahrt ozw. Rückkehr von Trup­pen von den Herbstübungen. Bereits im Laufe des Vormittags, besonders aber um die Mittagszeit, herrschte vor allem auf der Strecke Licher Straße, Moltkestraße, hindenburgwall, Frankfurter Straße großer Fährbetrieb auswärtiger Truppenteile, die auf dem Marsch zu ihren Standorten unsere Stadt passierten. Vielfach waren die Soldaten und die .Fahrzeuge mit Blumen geschmückt, als äußeres Zeichen der Freude und des Willkommens. Die Straßen, die von den Truppen passiert wurden, waren zu beiden Seiten des Fahrdammes von einer großen Menschenmenge umsäumt, die unseren Feld­grauen mit frohen Zurufen, mit Blumen und auch mit mancherlei anderen Aufmerksamkeiten ihre Freude bekundete. Es war überall ein kolossaler Betrieb, der auf die Soldaten offensichtlich starken Eindruck machte, denn die frohen Zurufe wurden von ihnen ebenso freudig erwidert.

Besonders herzlich waren aber die Begrüßungs- szenen, als gegen 13 Uhr die 14. (motorisierte)

Man soll nicht an den schlanken, grasmückeähn- lichen Singvogel denken, der im Fluge Fliegen und andere Insekten aus der Luft hascht, oder sie von Blüten und halmspitzen herunterschnappt, und dem man wohl, ehe er seine herbstliche Südlandreise an- trat, da und dort schon einmal auf einem Baum- gipfel ober Telegraphenmast nach Beute spähen sah, _ der Fliegenschnäpper, der hier gemeint ist, stand auf dem breiten Bürgersteig einer Straßenkreuzung vor einer Anschlagtafel.

Zwei junge Burschen neben ihm nahmen für sich soviel Raum in Anspruch, daß er, ganz an den Rand gedrängt, schwerlich noch etwas lesen konnte. Er war ein weißhaariges, etwas verhutzeltes Männ­chen, das bescheiden genug und auch Zeit und Ge­duld zu haben schien, warten zu können, bis fein Standort sich verbesserte. Aber seltsam! Die jungen Leute gingen, andere famen, und der Alte blieb weiter abseits stehen. .

Ich beschloß, mich unter die Lesenden zu mischen und wenn ich einen guten Platz hätte, diesen dem allzu rücksichtsvollen Alten abzutreten. Während ich mich näherte, geschah jedoch etwas so Merkwürdi­ges, daß es mich vor Staunen auf der Stelle fes­selte: das Plakat war plötzlich frei geworden und die Sonne, die grell Über die Tafel flutete, ließ den Plakattext geradezu neugiererweckend aufleuchten. In diesem Augenblick holte der Alte mit dem rech­ten Arm aus' und fuhr im Schwung von unten nach oben über das Plakat, wobei sich die zuerst offene Hand überraschend zur Faust schloß. Vor­sichtig lockerte er darauf die Finger und griff mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand, wie wenn er eine Prise nehmen wollte, zwischen die Finger der Faust. Er hatte eine Fliege, einen dicken Brummer, am Flügel und stopfte ihn lächelnd in ein Zündholzschächtelchen, das er behutsam nur einen Spalt weit öffnete.

Er sah mein schmunzelndes Gesicht und glaubte mir eine Erklärung schuldig zu sein: er fange die Fliegen für die beiden Laubfrösche daheim. In der Küche sei schon keine Fliege mehr. Aber die Laub­frösche seien doch der größte Spaß seines Enkels. Da müsse halt der Großvater auf die Jagd gehen. Und anscheinend säßen die Fliegen gern auf Hellen Flächen. An Plakattafeln findeer immer welche.

Und im Winter?" fragte ich. Der Alte zuckte die Schultern und machte ein hilfloses Gesicht.Ja, was es dann geben soll...?" sagte er traurig.

Sie können die Laubfrösche doch auch mit Spin­nen und anderen kleinen Insekten füttern", klärte ich ihn auf.

Mit Spinnen?!" Der Alte schaute so glücklich drein, als ob ich ihn beschenkt hätte.Mit Spin­nen?!" lachte er,das ist ja großartig! Dann kam-

Gustav Krenffeu.

Zum 75. Geburtstage des Dichters am 19. Oktober.

Also ... du mußt was Ordentliches schreiben! Etwas Ernstes! Das man mit Händen anfasfen kann, ohne daß es zerbricht. Von Sünde und Sorge, Heimat und Vater­land, treuer Liebe und ehrlicher Arbeit. So recht Deutsches und Einfaches.

Frenfsen,Die drei (Betreuen".

Das ist Frenssens Streben: Dichtungen zu schaffen, einfach, derb und gesund, für den \d)l\ä)ten arbeitstätigen Menschen. Gustav Freytag scheint ihm mitSoll und haben" diesem Ziel nahegekom- iren; am nächsten aber für die englisch sprechende Welt Charles Dickens.

Mit Dickens teilt Frensfen den schnellen Aufstieg und den Massenerfolg.Jörn Uhl" machte den unbekannten achtunddreißigjährigen Marschdors­pfarrer zum meistgelesenen deutschen Schriftsteller. Die Schilderung vonPeter Moors Fahrt nach Südwe st", Vorläufer von Hans Grimms Afrika-Erzählungen, wurde ein* wirkliches Volks­buch. Der ' Romanh i l l i g e n I e i" erschien in einer Erstauflage von hunderttausend Exemplaren.

Aber Frenfsen lebte nicht in der gefestigten Bur­gerlichkeit des viktorianischen England.Wir wollen in diesem Buche von Mühe und Arbeit reden , sv beginnt die Lebensgeschichte von Jörn Uhl, und von Mühe und Arbeit' handeln alle Bücher Frenssens. Sie sind erfüllt von dem Widerhall sozialer Kämpfe, von der Not der kleinen Leute, die entwurzelt und zur Auswanderung getrieben werden, von dem sinn­losen Leben der Mädchen, die in den kleinen Städten und auf den einsamen Häfen der Marsch kinderlos bleiben, von der Verrottung der Gesell­schaftsordnung, mag sie sich in der Gewissenlosigkeit einer Hamburger Reederei zeigen, in bem Treiben des Klaus Uhl, der seinen reichen hvf verlumpt oder in der Gleichgültigkeit, mit der man in Deutsch­land den heldenhaften Kämpfen der Schutztruppe in den Kolonien gegenübersteht.

Dann kam das Jahr 1914 und mit ihmder Sturmwind Gottes",Die Brüder mußten an die Front und nach Skagerrak.D e r P a st o r v o n Poggsee" mußte Krieg und Revolution so tap­fer wie er konnte, bestehen,ßütte Wittmußte in diesen Wogen untergehen.Lütte Witt . öie|e Erzählung aus der Zeit der Ruhrbesetzung, zeigt am reinsten Dickenssche Farben, und Frenssens gro­

ßer autobiographischer RomanOtto Baben- d i e k" wirkt, mit seiner Fülle sonderbarer Gestalten, wie ein deutsches Gegenstück zumDavid Copper­field". Aber niemals hätte Dickens diesen Schluß desJörn Uhl" geschrieben, niemals hätte er Lütte Witt von dem marokkanischen Soldaten erschießen lassen. Die lächelnde Ironie des Engländers ist

(Scherl-Bilderdienst-M.)

Frenfsen völlig fremd, und feinGlaube an das Licht" hat nichts mit dessen etwas oberflächlichem Optimismus gemein. Seine Sprache kann flackernd und heiß sein wie ein brennender Ginsterbusch und kahl und nüchtern wie die protestantischen Kirchen der Nordmark. Seine Gedankengänge zeigen die langsame, bedächtige, tiefgründige Bauernweisheit" des Niedersachsen,he is inwendig", wie der Dorf­tischler Frenssen sagte, als Begründung für den Ent­schluß, seinen Sohn auf die Lateinschule zu schicken.

Frenfsen hat sich sein Pfarramt nicht leicht gemacht. Das Wappen des väterlichen Bauernaefchlechtes zeigt ein root harte in einem grönen Busche", und dieses rote Herz im grünen Busch hat er sich bewahrt durch alle Kollegs und Seminare über Dogmatik und Exe­gese. In seinenD o r f p r e b i g t e n" fünbigt er bas Christentum als einemächtige, jubelnbe, fröh­liche Botschaft". Nach bem Erscheinen besJorn Uhl" hat er sein Pastorat niebergelegt. Aber fein

Suchen nach bem Quell bes Glaubens würbe noch stärker. In seinem nächsten Roman .Hilligenlei" er­zählt er von Kai Jans, berunruhvoll, hoffnungs­voll bas heilige suchte". Er gibt bann am Schluß jene Lebensgeschichte Christi, bie nichts mehr vom alt- testamentarischen Messias hat, fonbern rein ben ger­manischen helianb zeigt. Die hiobsfrage: Wo ist Gottes Gerechttgkeit? treibt in ber NovelleD e r Untergang ber Anna hollmann" Jan Gulbt in sein Schicksal. Durch alle Not finbet Abam Barfoob, ber Pastor von Poggsee, ein moderner Vicar of Wakefield, bie Gewißheit des Glaubens. Die drei Bände derG r ü b e I e i e n", deren erster 1920 erschien, sind voller Gedanken über Kirche und christliche Lehre. Als Siebzigjähriger hat Frenssen die letzte Folgerung gezogen.Der Glaube ber Norbmark" (1936) enthält feine Absage an bas Christentum.

Als 1926 berOtto Babenbiek" erschien, schrieb Frenssen:Ich bin aus festem, langsam brennenbem Holz, ein langsam lebenber, unverbrauchter Dorf­mann. Ich habe noch Helle Augen unb ein rasches unb tapferes Herz, unb einen Glauben wie in jungen Jahren." Das hat er sich bis heute bewährt, biefes root harte in einem grönen Busche", obwohl er inzwischenein Grauer unb Alter" geworben ist. M eino ber Prahle r", in bem er noch einmal bie Geschichte eines Dithmarscher Bauernjungen er­zählt, unb ber britte Banb berGrübeleien",Vvr- lanb", der im vergangenen Jahre erschien, geben Zeugnis davon.

Helle Augen und ein rasches, tapferes Herz ... Kann man von dem Fünfundsiebzigjährigen etwas Schöneres sagen?

Walther Schwerdtfeger.

Hochschulnachrichten.

Von den amtlichen Verpflichtungen wurden ent­bunden die ordentlichen Professoren Dr. Heinrich Titze (Bürgerliches Recht) in Berlin; Dr. Johs. Steinbeck (Praktische Theologie) in Breslau; Dr. Hans Berger (Psychiatrie) in I e n a ; Dr. Ju­lius von Gierke (Bürgerliches und Handelsrecht) in Göttingen.

Dr.-Jng. Maria Lipp, Dozentin m der Fakultät für Bergbau, Chemie und Hüttenkunde an der Tech­nischen Hochschule Aachen, ist zum nb. ao. Pro­fessor ernannt worden. Sie ist die zweite Professorin, die seit Bestehen des Drttten Reiches ernannt wurde; 1923 hatte sie sich, geborene Rheinländerin, zu Aachen habilitiert.

Abenteuer auf einer Forschungsreise-

Von der abenteuerlichen Forschungsreise. bi& Willy Aureli in das innere, noch völlig unbe­kannte Brasilien unternommen hat unb bie zu Zu­sammenstößen mit wilben Jnbianerstämmen führte, liegen neue Nachrichten vor. Aureli hatte bie Auf­gabe, bie er sich gestellt hatte, erfüllt, inbem er auf bem Matto Grosso bie berüchtigte Sierra be Roncabor erreichte, bie so zum ersten Male von einem weißen Menschen betreten würbe. Er hatte ben größeren Teil seiner Expebition am Raube des Alto Corua zurückgelassen und war mit roeirgen Beziehern zu den geheimnisvollen Bergen aufge­brochen. Dabei hatte er ungeheure Schwierigkeiten zu überwinden, vor allem aber mit bem Dürft zu kämpfen, weil bie Forscher, nachdem sie einige Tage lang burch bichten Urroalb gezogen waren, einem völlig wüsten Gebiet gegenüberstanden, von besten Vorhanbensein sie nichts gewußt hatten. Viele Tage lang fehlte jebe Nachricht von Aureli unb seinen Gefährten, ba ber Runbfunksenber im Hauptlager geblieben war. Aureli kehrte enblich zurück, hatte aber bas Schlüsselbein gebrochen unb zwei Begleiter verloren; er organisierte sofort einen Rettungs­trupp, ber benfelben Weg zurückging unb bem es auch gelang, bie Vermißten aufzufinben unb zu retten. Die Forscher kehrten infolge ber unerhörten Anstrecktzungen unb Entbehrungen, bie sie zu er» bulben hatten, in schlechtester körperlicher Verfassung zum Hauptlager zurück.

Obwohl bie Expebition unter ber Schutzherrschaft bes Präsibenten ber Republik ftanb unb von ber Regierung bes Staates San Paola unterstützt würbe, ist in ben Zeitungen ein lebhafter Streit entstauben, weil verschiebens Personen gegen bas Vorgehen ber Forscher gegen die Jnbianer Protest erhoben. Von ber Expebition selber war berichtet worben, baß sie von ben äußerst wilben Chavantes- Jnbianern angegriffen würben unb sie ohne Blut­vergießen mit Hilfe von leuchtenben Strahlen in bie/)Flucht schlugen; so war es ihnen möglich, in eii/s ihrer Dörfer einzubringen unb einige Ge» brauchsgegenstänbe zu sammeln, wofür sie zum Austausch Tabak, Messer unb Beile zurückließen. Diese Nachricht hatte viele Jnbianerfreunbe beun­ruhigt, bie gegen bas Einbringen in bas Indianer- borf Einspruch erhoben unb von brutalen Metho» ben sprachen. Aobere Zeitungen wiesen bagegen auf bie Angriffe ber Jnbianer hin, bei benen einige Mitglieder ber Expebition burch Pfeile schwer ver­letzt würben; Aureli hätte dies in mildester Weiss abgewehrt.