DieFeier desGeburtstages desMrersinGießen
Am morgigen 20. April, dem Geburtstag des Führers, werden, entsprechend dem Wunsche des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht, bei den Veranstaltungen anläßlich seines Geburtstages weitgehend auf den Osterurlaub der Soldaten Rücksicht zu nehmen, die
militärische Feiern
nur in kleinem Nahmen durchgeführt. Don einer großen Parade ist daher ausnahmsweise Abstand genommen worden. Statt dessen finden um 11 U h r in der Verdun« (Wald«) Kaserne und in der Bleidorn-sArtillerie-) Kaserne Appelle der Truppen mit anschließendem Vorbeimarsch statt. Den beurlaubten Standortältesten, Generalleutnant O ß w a l d, vertritt Generalmajor W i l l i ch. Die Vertreter und Abordnungen der Partei und ihrer Gliederungen, Vertreter der Behörden und Abord
nungen der Kameradschaften der alten Soldaten werden sich an diesen militärischen Feiern beteUi« gen. .
Oie Feier der Partei.
Aus Anlaß des Geburtstages des Führers findet durch die Kreisleitung Wetterau der NSDAP, morgen abend die Vereidigung von insgesamt 1183 Politischen Leitern, Waltern und Warten der Gliederungen statt. Die Feier der Vereidigung findet für den Kreis Gießen im CafL Leib statt, die Kameraden aus dem Kreise Friedberg werden im Saale des Hotels Trapp zu Friedberg vereidigt. Für_ diese Feiern wird man eine Funksendung aus München hören. Der Stellvertreter des Führers wird sprechen und von allen Politischen Leitern, Wallern und Warten gehört werden. Voraussichtlich werden außerdem in den einzelnen Ortsgruppen Kamerad- fchaftsadende abgehalten werden.
Ostem mit Kälte und Gchneefchauern.
Das waren Osterfeiertage, die es in mancherlei Hinsicht an sich hatten. Wer auf schönes Wetter und angenehme Ausflugsmöglichkeiten gehofft hatte, der wurde gründlich enttäuscht. Schon am Oster- samstagnachmittag wurde es immer deutticher, daß man die Ostertage am besten „hinter dem Ofen" verbringen würde, llnb in der Tat: die Temperatur an den beiden Feiertagen war derartig kalt, daß man- die gute Freundschaft mit dem „Schwarzen", dem Ofen, immer noch zu schätzen wußte. Es blies schon am ersten Feiertag ein gar kühles Oster- lüftchen aus Nord daher, und am zweiten Feiertag kamen dann auch proqrammäßig die vom Wetterdienst .angekündigten Schneeschauer, die manchmal in so dichtem Treiben einherzogen, daß man eher an den Januar dachte, als an Osterwetter im April. Zwischendurch guckte Frau Sonne gelegentlich auf unsere alle Erde und auf den zarten Blütenschmuck herab, um den es dem Beobachter in der warmen Stube hinter den Fensterscheiben arg bange werden konnte. Dann meldete sich schnell wieder ein Schneeschauer zu Wort, und so vsrllef denn in stetem Wechsel zwischen Sonne und Schneeschauern bei ständig kaltem Wind der zweite Feiertag. Es war mit diesem Wetter ein schreiender Gegensatz zu den Blumenbeet-Hütchen, die man nuf den Köpfen mancher junger kamen spazierengetragen sah und die von arideren Schönen mit sehnsüchtigen Blicken in den Schaufensterauslagen berounbert
wurden. Bei alledem war es denn auch nicht verwunderlich, daß der Verkehr der Spaziergänger und der AusfiüAer verhältnismäßig bescheiden war, denn die meisten sagten sich mit gutem Grund, daß es bei eirrem solchen Hundewetter daheim innerhalb der eigenen vier Sßäitbe doch am besten sei.
Reiseverkehr nicht sonderlich stark.
Der Zugverkehr während der Osterfeiertage war 'm Anbetracht des unfreundlichen Wetters erheblich geringer als z. B. im Vorjahre. Die Dor- und Nachzüge, die zu einer ganzen Anzahl von Zügen gestellt wurden, waren oftmals nur schwach besetzt, und die Reichsbahn war für einen erheblich stärkeren Zustrom gewappnet, als er sich einstellte. Lediglich auf der Nord-Süd-Derbindung waren die Züge besser besetzt, aber auch hier fand der Haupt- reiseoerkehr schon mit dem Freitagabend feinen Abschluß. Der Nahverkehr blieb hinter den Erwartungen zurück. Am ersten Osterfeiertag war es im Gießener Bahnhof ziemlich still. Der zweite Feiertag gestaltete sich dagegen wieder etwas lebhafter, da zum Teil die Rückreisen schon wieder e'msetzten. Unter diesen Voraussetzungen kam es an diesen Osterfeiertagen kaum zu Zugverspätungen, die sonst leicht entfielen können, wenn viele Volksgenossen die Züge benützen und das Aus- uni Einsteigen entsprechend längere Zeit in Anspruch nimmt
Schweres Verkehrsunglück bei der Wellersburg.
x Zwei junge Männer lot.
Betrunkene Autolenker fahren Straßenpaffanten an.
Am Ostersamstag gegen 18.30 Uhr ereignete sich kurz hinter der Wellersburg, am Waldrand in der Richtung nach Lollar, ein schweres Verkehrsunglück, bei dem leibet zwei junge Männer — der eine auf der Stelle, der andere einige Stunden später in der Klinik — den Tod fanden.
lieber den tragischen Vorfall erfuhren wir folgendes: Die etwa 25 Jahre alttn Erich Gail und Franz Gail, zwei Verwandte, aus Winningen an der Mosel befanden sich mit einem Motorrad unterwegs auf einer Ostersahrt nach Göttingen. Kurz hinter, der Wellersburg kamen sie, jedenfalls infolge Überaus hoher Geschwindigkeit, von der Fahrbahn ab auf den Fußweg, der nur chauffiert ist. Dabei verlor der Lenker des Motorrads die Herrschaft über die Maschine, die mit großer Wucht gegen einen Baum fuhr. Bei dem gewalligen Anprall wurde Erich Gail auf der Stelle getötet. Franz Gail mußte mit sehr schweren Verletzungen in hoffnungslosem Zustand der Chirurgischen Klinik zugeführt werden, wo er in der Nacht zum Ostersonntag verstarb. Soweit bisher bekannt, kommt ein Verschulden dritter Personen bei b«n tragischen Unglücksfall nicht in Betracht.
Die Kriminalpolizei Gießen teill mit: Am Karfreitag gegen 15 Uhr gefährdete der Lenker des Perfonenkraftwagens VÖ 63 782 im Schiffenberger Weg infolge Trunkenheit die Straßenpassanten in erheblicher Weffe. Eine Radfahrerin und eine Frau wurden von dem Auto angefahren, ohne daß sich der Autolenker um das Schicksal der angefahrenen Personen bekümmerte, im Gegenteil einfach davon« fuhr. Bei dem Zickzackfahren rannte der Wagen auch gegen zwei auf der rechten und auf bet linken Straßenseite stehende Bäume, wobei diese und der Wagen beschädigt wurden.
In der Nacht zum Sonntag konnte der beschädigte Wagen in der Steinstraße vorgefunden und sicher« gesteift werden. Der Besitzer des Wagens, Jean Göbel aus Gießen, Wetzlarer Weg 11 wohnhaft, wurde am ersten Osterfeiertag ermittelt und f e st- genommen. Die vorläufige Fesfftellung ergab, daß Göbel mit vier weiteren Personen eine sog. Sauffahrt unternommen und dabei seine Mitrnen-
Arttllenstenireffen in Biedenkopf.
Am 21. und 22. Mai fmbet in B i ed e n k o p f die 17. Jahreshauptversammlung der Regiments- vereinigung ehemaliger 4 7er Feld- artilleristen statt. Alle ehemaligen Angehörigen des Regiments, feiner Ersatz- und Kriegsformationen, find zu dieser Feier eingeladen. Meldungen bis 10. Mai an Ernst Thome, Schlossermeister, Lud- wigshütte (Lahn).
©iefcener Wochen Marktpreise.
-* Gi eßen, 19. April. Aus dem heutigen Wochen- markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das 'Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, vollfrisch, Klaffe S 13, Klaffe A 12%, Klaffe B 12, Klasse C 11%, Klaffe D 10%, Wirsing, % kg 15 bis 18, Weißkraut 12, Rotkraut 18, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Unterkohlrabi 8, Feldsalat, Vio 8 bis 10, Tomaten, % kg 40 bis 50, Zwiebeln 18, Meerrettich 40 bis 50, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Rhabarber 20 bis 25, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, Aepfel, % kg 15 bis 40 Pf., Blumen- kohl, das Stück 30 bis 50, Salat 10 bis 25, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15,, Radieschen, das Bündel 10 bis 15 Pf.
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** Der Gesangoerein „ Heiterkeit" ' unternahm — wie man uns fchrecht — feine übliche Karfreitags-Herrenwanderung bei großer Betelli- gung diesmal über die Sabenburg in den zmn Naturschutzgebiet erklärten ,Hangelstein". Begünstigt wurde dieser Ausflug vom besten Wanderwetter. Entrückt aus der Hast des Alltags und abseits des nervösen Betriebes der Landstraße erfreute man sich der im „Hangelstein" besonders üppig erwachendes Natur. Unter kundiger Führung konnte man herrliche Landschaftsbilder, u. a. des schonen Lähn- tales mit feinen altehrwürdigen Burgen und Ruinen zin sich aufnehmen. Paffende Chorgesänge umrahmten die in jeder Hinsicht befriedigende Wanderung in eines der vielen Naturschönhetten unseres engeren Heimatgebietes.
Landkreis Gießen.
gts. Lollar, 18. April. Auf nielfeitigen Wunsch der Frauen und Mädchen beginnt der Mütter- dienst im Deutschen Frauenwerk hier nach Ostern mit einem Lehrgang in Gesundheitslehre und häuslicher Krankenpflege. Mögen alle die Gelegenheit ergreifen, sich in diesen wichtigen Fragen aufklaren und belehren zu laffen. Die Ortsfrauen« schastsletterin nimmt Anmeldungen entgegen.
gfs. Grünberg, 18.Aprll. Hier beginnt gleich nach Ostern ein Lehrgang in Gesundheitslehre und häuslicher Krankenpflege, den der M ü t t e r b i c n ft im Deutschen Frauenwerk durchführt. Anttagstellerinnen des Ehestandsdarlehens sind verpflichtet, die Kurse zu besuchen. Anmeldungen können bei der Ortsfrauenschaftsleitung erfolgen.
Rundfunkprogramm
Mittwoch, ,20. Aprll:
6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Früh- konzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.30: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk. 11.40: Aus dem Kalibergbau. 12: Werks- konzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Wann wir schreiten Sell' an Seit'. 15: Lieder gefallener Komponisten. Dem Gedächtnis im Weltkrieg gefallener deuffcher Kompo« nisten. 15.30: Wenn ich aus der Schule plaudere. Aus dem Tagewerk einer Junglehrerin. 16: Nach- mittagskonzert. — Das Mikrophon unterwegs. — 18: Zellgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 18.45: Fliegendes Deutschland. 19: Nachrichten. 19.10: Aus dem Volke bin ich gewachsen, im Volk bin ich geblieben... Zum Geburtstag des Führers. 21: Stunde der jungen Nation. Der Weg eines unbekannten Soldaten. Hörspiel. 21.30: Kammermusik. 22: Nachrichten. 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 1: Opernkonzert.'
Fäden hin und her.
Vornan von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.
Nachdruck verboten.
1. Eine V a s e geht in Scherben, und Marga Montwill hat es satt.
„Jupp, paß auf! Die Tür! Die Vase!" Aber es ist schon zu spät.
Der Möbelräumer mit der großen Kiste auf dem Buckel hat die Ladentür natürlich so weit wie möglich aufgestoßen, damit er durch komme; der rückwärtige Türgriff fft infolgedessen gegen den Sockel gestoßen, auf dem die große, rostbraune Keramik- oase steht. Die Vase hat einige Male unschlüssig hin und her gependelt; bann hat sie sich sanft, beinahe elegisch hintenübergelegt. Der zusprinaende Joseph Breda, Jupp genannt, kann nur noch die Scherben auf der Erde zusammen lesen.
„Auch bas noch!" sagt Marga Montwill und steht mit hängenden Armen.
Der Möbelräumer mit der Kiste dreht sich vor- sichtig einmal um sich selbst, betrachtet die Tür, die Scherben an der Erde, das betrübte Fräulein Montwill und ihren ebenso betrübten Geschäftspartner Breda und räuspert sich teilnehmend: „Tut mir leid, meine Dame, aber ick kann nich dafür. Wer stellt denn ooch sone stoße Vase so dichte bei bie Türe? Und ick — unter die Kiste, ick sehe doch nischt..."
Marga Moittwill wendet sich mit einer begütigen« den Geste zu ihm hin. Seine schräg unter der Kiste hervorschielenden, vorwurfsvollen Augen bringen sie beinahe zum Lachen. „Nein, Sie können bestimmt nichts dafür. Ich bin selber schuld. Ich hätte daran denken sollen, daß noch so große Kisten draußen im Wagen sind. Aber ich habe eben nicht daran gedacht."
„Und wo soll fe nu hin, die Kiste?"
„Ins Lager, bitte, links hinten ans Fenster."
Der Mann setzt sich vorsichtig wieder in Bewegung. Er tappt langsam durch den großen Raum, laviert ängstlich zwischen Stapeln von Dekorcllions- ftoffen, zwischen Stahlmöbeln, halbausgepackten Stehlampen, Bücherregalen, Tischen voll Keramiken unb Bildern hindurch und verschwindet dann nebenan ins Lager, wo ihm eine junge Verkäuferin hilf- reich unter die Arme greift.
Jiweffeik hat Marga Montwill sich neben Joseph Breda hingekniet, um die kleineren Scherben auf« zusammeln, die der großzügige Joseph natürlich liegengelaffen hat.
„Funsundfiebzig Start wieder mal zum Teufel",
sagt sie dabei, und um ihren herben, energischen Mund zuckt es ein bißchen.
Joseph Breda wirft ihr einen spöttischen Blick zu: „Die Firma Breda & Montwill wird daran zugrunde gehen, Marga. Bestimmt. Ich an deiner Stelle, ich setzte mich erst mal ins Büro und heulte fünf Minuten."
„Hast du mich schon mal heulen sehen, Jupp?" „Nee. Aber eben drum."
Sie richten sich beide auf, dabei treffen sich ihre Blicke. Da lachen sie beide unb tragen die Scherben einträchtig hinüber zum Papierkorb.
Aber später, im Büro, hockt Marga so unglücklich auf ihrem Bürostuhl, baß Breda von seinem Schreibtisch aus mehr als einmal besorgt zu ihr hinuberfchielt: Gibt's nicht doch noch Tränen?
Es war ja auch wirklich ein bißchen viel los im letzten halben Jahr, denkt Breda, und feine Augen gehen ehrlich besorgt über St ar gas braunen Schopf hin. Erst die Lungenentzündung der alten Frau Montwill, bann der Einbruch im Geschäft, nachher die Geschichte mit dem durch geb rannten Kassenfräulein, schließlich der Krach mit dem Hauswirt, die hastige Suche nach einem neuen Laden- raum, die angstvollen Bemühungen, aus dem Kon traft zu kommen, unb nun der Umzug. Und wie Marga Montwill schon einmal ist: nichts gibt sie aus der Hand, alles muß sie selber machen, selber begutachten, selber in Ordnung bringen — als ob er, Breda, ein unfähiger, alter Trottel wäre. Dabei ist sie im Kaufmännischen doch, fast ganz auf ihn angewiesen, ohne ihn...
Sich auszumalen, was ohne ihn wäre, dazu kommt Joseph Breda aber leider nicht mehr. Denn auf einmal tropft etwas von Margas geteuftem Gesicht hinunter auf die Warenliste, vor der sie sitzt. Es tropft noch einmal, dick unb schwer und rund, ein kleines unterdrücktes Schluchzen wird hörbar, bann finkt der braune Schopf auf bie Tischplatte, unb zwei Arme gruppieren sich kindlich dar- um herum — da haben wir nun bas Malheur: Marga Montwill, Teilhaberin des Ateliers für künstlerische Wohnungseinrichtung, Fräulein Marga Montwill meint.
Joseph Breda ist mit einem Satz neben ihr: „Nanu! Marga! Was hast bu denn?"
Marga Montwill schluchzt erst ein bißchen weiter hinter der sicheren Festung ihrer Arme; Breda muh noch dreimal fragen, was ihr denn um Gottes willen auf einmal fft. Dann erst hebt sie den Kopf, zieht zugleich auch die Achseln hoch, lächelt mit feuchten Augen und sagt überzeugungsvoll: „Du alter Esel."
Breda nickt mit ungerührtem Gesicht: „Ich weiß. Aber abgesehen davon — weshalb bu weinst, wollte ich wissen. Kriegst bu auf einmal Nerven? Oder fühlst du dich verpflichtet, doch noch ein bißchen hinter der Vase herzuheulenL"
Marga Montwill schaut eine Weile vor sich hin. lieber ihr hübsches, lebendiges, vor allem gescheites Gesicht haben die geopferten Tränen zwei schmale Bäche gezeichnet; bas gibt ihr einen ganz kindlichen Ausdruck, verstärkt noch durch die heftig zusammen- gezogenen Brauen und bie dunkle Haarsträhne, die sich links über bas Auge gelegt hat.
Breba lächelt, schwingt sich auf die Ecke des Schreibtisches unb steckt sich eine Zigarette an.
„Nu mal los, Marga!"
Marga macht eine vage Handbewegung in bie Luft hinein. „Nu mal los, Marga! Was soll ich denn ba fügen? Ich weiß ja selber nicht, was ich hab'. Ich glaube, ich bin bloß mal fertig, so richtig rundherum fertig, weißt du. Ich kann auf einmal nicht mehr. Ich mag auch nicht mehr. Ich hab nur noch ein rasendes Bedürfnis nach Ruhe... Keine Stadt mehr, keine Menschen mehr, keine Autos, keine Läden, keine Einkäufer, keine Käufer, keine Vertreter, nichts, nichts — nur Ruhe unb ein bißchen Sonne unb spazierengehen ober mit dem Auto fahren, Tapsy neben mir. Verstehst du bas? Ich hab's mal so richtig satt, mein ganzes Leben, weißt du. So richtig bis daher. Und wenn ich mir vorstelle, daß wir morgen hier mit Einräumen fertig sind, und daß es bann w-ieder losgeht, Couches anzupreisen und Vasen zu verschachern unb mit redseligen Fabrikanten zu verhandeln, bann hab ich direkt Alpdrücken."
„Hm!"
„Sehr teilnehmend, dies Hm! Das muß ich fügen, Jupp."
Joseph Breda lacht leise auf. In seinen kühlen grauen Augen springt ein warmes Licht auf; der scharf geschnittene Mund wird im Lächeln fast weich. ,Ach dachte, du wärest nicht für salbungsvolle Trostworte. Unb übrigens hast bu mich nicht aus» reden laffen, liebes Kind. Ich wollte nämlich sagen: „Fahr doch mal weg!"
Marga Montwill richtet sich ferzengerade auf: ..Wegfahren? Ich? Ja, wohin denn? Und das hier! Wer soll denn bas weiterführen? Und gerade jetzt, nach dem Umzug, unb wo wir nächste Woche bas neue Heim von dem Dankdirektor in Dahlem ein» richten fallen, unb wo ich..."
„Wo bu ganz und gar durchgedreht bist, gibt es nur eins: ab hauen."
„Aber ich muß doch ..."
„Still, gar nichts mußt bu. Oder glaubst du vielleicht, bu nützt unserer Firma, menn bu dich nächste Woche in der bankdirettorffchen Villa plötzlich ebenfalls hinsetzt unb losheulst, weil irgendein Bild um fällt oder ’ne Glasscheibe zertümmeri wird? Nee, Kind, kommt gar nicht in Frage. Und je mehr ich drüber nachdenke, um so vernünftiger kommt mir meine Idee vor: Du setzt dich in dein Wägelchen und machst ein ziemlich verlängertes Wochenende.
schen in unverantwortlicher Weffe gefährdet hatte. Unter den Zechern befand sich auch der Kraftfahrer Otto Winter, Gießen, Rodheimer Straße 35 wohnhaft, der in betrunkenem Zuanbe den Wagen ebenfalls streckenweise gefahren hatte. Winter wurde ebenfalls fest genommen. Beide befinden sich in Polizeihaft.
Da die An schifften der beiden angefahrenen Frauen bisher nicht feftgefteHt werden konnten, werden sie gebeten, sich alsbald bei der Kriminalpolizei, Zimmer 67, zu melden.
Schwerer ÄertehrSunsatt in der Licher Straße.
Am Samstagnachrntttag wurde der Landwirt Js° Hann Jakob aus O b e r«P e f f i n g e n bas Opfer eines schweren Derkehrsunsalles. Jakob paf« fierte mit feinem Leichtmotorrad bie Licher Straße unb wurde dabei von einem Personen* kraftwagen angefahren. Der bedauerns» werte Mann erlitt einen SchädeIhruch und mußte sofort in bie Chirurgische Klinik gebracht werden. Sein Befiriden fft den Umständen entsprechend gut
Mit dem Motorrad gestürzt.
Der Schneidermeister Rohrbach aus Beuern, der sich am Sonntagabend mit feinem Motorrad auf der Fahrt von Großen-Buseck nach Beuern befand, stürzte kurz vor Beuern so unglücklich mit feiner Maschine, daß er einen Schädelbruch erlitt Nach erster ärztlicher Hilfeleistung mußte er von der Sanitätsbereitschast Gießen der Chirurgffchen Kll« nit in Gießen zugeführt werden.
Seinen schweren Verletzungen erlege«.
Der Kraftfahrer Heinrich Eise aus L i ch, der vor einigen Tagen in Lich einen Zusammenstoß seiner Maschine mit einem Lastauto hatte And dabei schwer verletzt wurde, ist am Samstagnachmittag in der Chirurgischen Klinik in Gießen an seinen Verletzungen gestorben. ;
Aus aller Welt.
Kiesiger Oflerreiseverkehr nach Oesterreich.
Tausende von Volksgenossen haben die Osterfeker- tage zu einem Besuch der österreichischen Alpenländer, vor allem Tirols und Salzburgs, benutzt Die nach Oesterreich fahrenden Züge waren außerordenllich stark besetzt Auch auf der - Reichsautobahn München—Salzburg, auf der Olympiastraße München—Garmisch-Partenkirchen und auf der Straße nach Kufstein herrschte starker Verkehr. Die Gaststätten in den Tiroler und Salzburger Fremdenverkehrsorten waren ttotz der Ungunst der Witterung voll besetzt. Umgekehrt statteten auch viele Dolksgenoffen aus Oesterreich an den Osterfeiertagen der Hauptstadt der Bewegung einen Besuch ab und besichtigten ihre Sehenswürdigkeiten, vor allem die Parteibauten und die Große Architekturausstellung.
Auf den Wiener Dahnhösen wurden an zwei Tagen rund 200 000 Reisende befördert, die Ankunstsziffer beträgt 150 000 Reisende. Bregenz und ganz Vorarlberg erlebte zu den Feiertagen einen Verkehr wie nie zuvor. Zum ersten Male seit Jahren waren alte Gasthäuser in Bregenz überfüllt In Innsbruck stauten sich die Gäste in den Hauptstraßen; seit Freitag waren in den Hotels sämtliche Zimmer besetzt, so baß viele außerhalb Quartier suchen mußten. Auch särnlliche Alpenhütten waren üb erfüllt.
Mißglückter Rekordversuch italienischer Flieger.
Die vier italienischen Flieger, die am Sonntag den englischen Flugplatz Croydon verließen, um den Rekord Croydon—Kapstadt und zurück zu brechen, sind mit ihrem Flugzeug in der Nähe von Tripolis verunglückt. Die Flieger sind jedoch mit dem Leben davongekommen.
Unb ben Kram hier, den erledige ich mal allein. Nein, ruhig, keine Widerrede! Ich weiß schon alles, was bu sagen willst Aber sei versichert, jedes Wort ist Quaffch. Denn mir wird's nicht zu viel, was hier jetzt zu tun ist, unb ich kann bie bankdirektori- sche Wohnung allein bewältigen, und ich werbe mit der Firma Heiersbach fertig, vielleicht noch viel besser als bu. Unb kurz unb gut: Du haust ab! Und wenn du's nicht tust, fasse ich es als persönliche Beleidigung auf. Jawohl. Weil ich — grinse, bitte, nicht so blöd — weil ich aus Gründen der Selbst- beftätigung schon längst mal hätte allein arbeiten und das Geschäft schmeißen müssen. Well es für einen Mann von meinem ... meinem ..."
„Format ...*
„Jawohl, sehr richtig, also von meinem Format, auf die Dauer unerträglich ist, immer von so einer herrschsüchtigen Frauensperson kommandiert zu werden. Und well es Zeit wird, daß bu mal siehst, was du eigenllich an mir hast!"
Marga Montwill legt den Kopf zurück, legt sich auf ihrem Bürohocker weit nach hinten und lacht laut heraus, indes ihr doch die Augen von vorhin noch feucht schimmern.
Auch Joseph Breda lacht. Es steht ihm gut; es macht sein hageres, schmales Gesicht mit ben scharfen Backenknochen unb ben ttefliegenben Augen um viele Jahre jünger.
„Also gut", sagt Marga Montwill dann, und ihre Stimme hat wieder ben altgewohnten sicheren unb frohen Klang, „also gut, menn bu dir unbedingt mal selber vormachen willst, wie tüchttg du bist, bann bleibt mir ja nichts anderes übrig, als abzuhauen. Aber soll ich nicht lieber warten, bis .. .?*
^Weiter kommt sie nicht. Breda fft mit elegantem Schwung von seiner Schreibtifchpllffte herunter unb zieht Marga energisch von ihrem Bürosttchl hoch. Er .zieht sie in ben Labenraum hinein, bie langen Finger fest und energisch um ihren Oberarm gepreßt, unb führt sie unter nicht endenwollendem Redeschwall von Stück zu Stück, von Tisch zu Tisch: Also, dies wird so gemacht und jenes so, bie Baien ba zeichnet Fräulein Lisa noch heute aus, bie beiben Statuen stellen wir rechts im Schaufenster auf, die Bast'örbe werden zurückaeschickt, bas Bild ba kommt über bie geblümte Couch, bas linke Schaufenster dekoriert er noch heute abend, ins rechte kommt noch der Mahagoni-Rauchtisch, den Teppich da hängt er gleich Nachher auf, und die drei gehämmerten Schalen — still, weiß er alles, weiß er — die gehen zur Ansicht weg, dürfen nicht mehr aufgestellt werden, jawohl, und die Kfften packt Fritz morgen früh aus. Na also? Wozu, weshalb, warum würbe Fräulein Montwill noch benötigt? Alles Einbildung! Alles pure Koketterie! # Es geht ebenso glänzerür ohne sie! Nein, glänzenderl
. (Fortsetzung folgt)


