Nr. 90 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstag, 19. April M8
Aus der Stadt Gießen
Narzisse und Iris
Keine
jütledersparen
dunklen Seiten des Lebens nicht sehen will, aber es ist alles andere als das, was die Bildunterschrift oorgibt.
Schon zu Veroneses Lebzeiten hat es nicht an Stimmen gefehlt, die den Protest ankündigten und von der Kunst als der Bundesgenossin des erneuerten Katholizismus andere Stoffe, aber auch einen neuen Geist forderten. Nicht weit von Venedig, in Trient, tagte das Konzil, aus dessen Beschlüssen die Gegenreformation geboren wurde und mit ihr jener finstere Geist der Unduldsamkeit und des religiösen Fanatismus, der nun auch die Kunst ergriff und den ewigen Festen der Renaissance ein Ende bereitete. Es war selbstverständlich, daß Veroneses geheimnislose Bilder, in denen die Verweltlichung religiöser Themen auf die Spitze getrieben war, die Aufmerksamkeit der Konzilväter erregen mußten. 1573 wurde er vor das Inquisitionstribunal zitiert, um sich wegen des „Abendmahls", das heute im Louvre hängt, zu verantworten. Damit war ein Signal gegeben, das auch in Venedig verstanden wurde. Zwar hat sich Veronese selbst nicht mehr geändert, aber in Tizians Spätwerk ist der gegenreformatorische Umschwung schon deutlich zu bemerken. Und noch während der unverbesserliche Paolo seine letzten Werke schuf, trat ihm jener andere Maler entgegen, in welchem sich die brünstige Gläubigkeit des beginnenden Barock wie in einem Spiegel betrachten konnte — T i n -- t o r e tt o. Er war der düstere Begleiter und schließlich der Totengräber von Veroneses strahlender Kunst, die nun ins Grab sank, um erst anderthalb Jahrhunderte später in Tiepolo ihre fröhliche Auferstehung zu feiern.
Ernst von Niebelschütz.
Zu seinem 3S0. Todestage am id.üMprit
Don Ernst von Niebelschütz.
Unser neuer Roman.
Nachdem wir in der Osternummer des Gießener Anzeigers den Abdruck des" Romans „Abenteuer in Paris" von Hans Hirthammer zu Ende geführt haben, beginnen wir in der heute erscheinenden Ausgabe unseres Blattes mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes, von dem wir uns einen nicht geringeren Erfolg in allen Kreisen unserer Leserschaft in Stadt und Land versprechen dürfen, zumal wir bereits im vorigen Jahre einen Roman der gleichen Verfasserin zum Abdruck gebracht haben/ der allgemein außerordentlichen Anklang fand. Der heute beginnende Roman heißt
„Faden hin und her"
von Hedda Westenberger
und ist ein Familien- und Liebesroman, der in einer gepflegten und liebenswürdigen Schilderung natürlicher Spannung, Gemüt und Humor auf eine weiblich-anziehende Weife vereinigt. Hedda Westen- berger hat mit dem früher bei uns erschienenen Roman „Susannes Tochter" und mit manchen anderen Arbeiten, die zum Teil auch den Weg ins Filmatelier fanden, überzeugend bewiesen, daß sie lebendig und fesselnd zu erzählen versteht und dabei auch den besonderen Erfordernissen des Zeituckgsromans Rechnung zu tragen weiß. Der neue Roman, mit dem wir heute beginnen, wird mit feiner reizvoll geführten Handlung und der farbigen Vielfalt feiner menschlichen Beziehungen und Schicksale allen Leserinnen und Lesern eine von Tag zu Tag mjt freudiger Spannung erwartete, genußreiche und unterhaltsame Lektüre sein.
Feierstunde „Soldat und Dichter".
Hans Zöberlein liest in Gießen.
Man schreibt uns: Am Dienstag, 26. April, wird eine soldatische Feierstunde unter dem Geleitwort „Soldat und Dichter" stattfinden, die von dem Goethe-Bund und Kaufmännischen Verein in Verbindung mit der Arbeitsgemeinschaft der Gießener Soldatenkameradschaften und der Volksbildungsstätte Gießen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch
Form der Blätter wegen hat man die Iris Schwertlilie genannt, obschon sie mit der Lilie nichts zu tun hat. Gleich einer bewaffneten Wehr scharen sie sich um de» Blütenschaft, wie um eine Jungfrau der Ritterz'eit, für die noch klirrende Schwerter gekreuzt wurden. Wie eine bewachte Jungfrau steht die wilde, gelbe Wasserlilie am Bach, als warte sie darauf, befreit und erlöst zu werden. Ihre Gartenschwestern blühen hellblau und violett. Ihre Farben erinnern an die Wasser, in denen sich der Himmel hell oder dunkel spiegelt, sie ist der ewige Traum von ihnen.
Narzisse und Iris gleichen vielen Menschenherzen, die einsam und in glückloser Sehnsucht sich verzehren und ihren eigenen Frühling welken sehen, während rings um sie sich das liebe frohe Leben erst voll zu entfalten beginnt. P- B.
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
der vielen Frühlingsblumen besitzt die adelige Schönheit der Narzisse. Der hoch aufgeschossene blattlose Mütenstengel trägt eine zarte Glocke,
Stadttheater: 20 bis 22 Uhr: „Die Weibev von Redditz". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Musketier Meier III". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der unmögliche Herr Pitt".
Stadttheater Gießen.
Heute abend Wiederholung „Die Weiber von Redditz", Lustspiel in 7 Bildern von Friedrich Forster, Spielleitung Anton Neuhaus. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 27. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr.
ttS. ftriegsopfertterforgung, Kameradschaft Gießen.
Zum Appell der Wehrmacht am Geburtstag des Führers in der Verdun-Kaserne (Waldkaserne): Antreten am 20.4.38, um 10.30 Uhr, vor der Wache der Waldkaserne. 26320
Iungbann 116 Gießen.
Verpflichtung der neuen Pimpfe und Jungmädel.
Heute, am Vorabend des Geburtstags des Führers, findet um 18 Uhr auf dem Brandpl«tz die feierliche Verpflichtung der neuen Pimpfe und Jungmädel durch Jungbannführer T a e sler statt.______
F7 Leder ist einer der wichtigsten Rohstoffe. Es un» 'm nötig schnell verbrauchen, heißt Devisen weg» werfen. Es schonen, heißt Devisen sparen. Richtige und ausreichende Erdal Schuhpflege putzt nicht nur die Schuhe, sondern pflegt audr das Leder. Die Schuhe halten länger und bleiben länger ftLuer \ "hon durch MB Erdal
Nicht ohne Grund könnte man in dem venezianischen Maler Paolo Veronese den Inbegriff dessen sehen, was der italienischen Hochrenaissance als Zielbild vorschwebte. Insbesondere erreicht mit ihm die Malerei Venedigs ihren.Gipfelpunkt, jedenfalls eine Richtung in. ihr, die uns für die Kunst der Lagunenstadt besonders charakteristisch zu sein scheint, so wenig sie die einzige ist. Der Geburt nach gehört allerdings Paolo nicht der venezianischen Schule an; seine Wiege stand vielmehr in Verona, also einer der Republik zwar botmäßigen Stadt, die aber eine eigene künstlerische Ueberlieferung besaß — daher sein kunstgeschichtlicher Name Veronese. Als er jedoch 1555 im Alter von 37 Jahren in die Weltstadt an der Adria übersiedelte, der er bis zu seinem Tode angehörte, wurde er so ganz zum Venezianer, daß wir keinen der unzähligen Meister dieser berühmten Schule zu nennen wüßten, der den Ortsgeist Venedigs so rein und beispielhaft verkörperte wie gerade er.
Was ist aber nun dieses „Venezianische", das iit diesem Maße weder Florenz noch Rom noch sonst eine andere Stadt Italiens hat? Nennen wir es
Freude" veranstaltet wird. SA.-Oberführer Hans Zöberlein, der vor kurzem mit dem Kulturpreis der SA. für 1938 ausgezeichnet wurde, wird aus eigenen Werken lesen. In dem Buch „Der Glaube an Deutschland" hat Zöberlein dem deutschen Heer der Westfront ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Zöberleins neuestes Werk „Der Befehl des Gewissens", ein Roman von den Wirren der Nachkriegszeit und der ersten Erhebung, ist eine großartige Gestaltung des Werdens der nationalsozialistischen Bewegung. Die Feierstunde, die von Vorträgen des Musikzuges der SA.-Standarte 116 umrahmt werden wird, wird für jeden Teilnehmer eine soldatische Weihestunde von tiefem Eindruck sein. SA.-Brigadeftihrer Schwarz von der SA.- Brigade 147 Oberhessen und Bürgermeister Prof. Dr. Hamm werden zu Beginn der Veranstaltung sprechen.
die entschlossene und begeisterte Hinwendung zur Welt, wie sie den äußeren Sinnen erscheint, zur Welt in all ihrer Prachtfülle und jnit ihrem Augenreiz, so ist damit zugleich gesagt, daß es unter allen Künsten die Malerei war, die hier ihre üppigste Entfaltung, ihre letzte Blüte und Reife erlebte. Bereits die noch halb mittelalterliche Schule von Murano im 15. Jahrhundert mit ihren goldfunkelnden Hintergründen und ihrer Freude an prunkender Tracht hat diese Neigung zum Festlichen, die sich in den großen Meistern der Hochrenaissance von Bellini bis Tizian zu höchster Malkultur verfeinerte. Der letzte in dieser Reche, in dessen Kunst sich noch einmal die echt venezianische Sorglosigkeit im Genüsse des Daseins ausströmt, ist Veronese. Er ist es so sehr, daß man noch heute jn den Kirchen Venedigs oder im Dogenpalast den Eindruck gewinnt, daß alle Anstrengungen der einzigen Stadt durch zwei Jahrhunderte hindurch allein den Sinn hatten, diesem Zauberer der Farbe, der wie kein anderer wußte, wessen der Genius Venedigs zu seiner Selbstdarstellung be- durfte, den Pfav zu bereiten. Daß es nicht psychologische Vertiefung ist, was seine wahre Stärke ausmacht, weiß jeder, der Venedig kennt; die Probleme, die ihn beschäftigt haben, beziehen sich nicht auf das Unsichtbare, nicht einmal auf die überzeugende innere Verknüpfung der von ihm dargestellten Geschehnisse. Das alles ist ihm Nebensache gegenüber Ü^m zeremoniellen Inhalt und der triumphierenden Pracht der Färbern in welcher er einer der größten Meister der Dekoration aller Zeiten ist.
Veronese hat viel und, mit Hilfe einer großen Werkstatt, auch rasch gemalt, nie aber fluchtig, anderenfalls das Kolorit feiner Bilder nicht von der hinreißenden Schönheit wäre, durch die sie noch heute das Auge gefangen nehmen. Das meiste ist in Italien, zumal in Venedig selbst geblieben, doch besitzen alle größeren Galerien Europas Hauptwerke seiner Hand. Jn Deutschland kann man ihn am besten in Dresden kennen lernen, das eine Reihe feiner reichsten und reifsten Altarbilder verwahrt. Von ihnen gilt, was Jakob Burckhardt, einer der genauesten Kenner der italienischen Hochrenaissance, von Veroneses repräsentativen Gemälden überhaupt sagt: „Sie erscheinen als not= wendige höchste Frucht der Existenzmalerei, die hier die letzten historischen Fesseln abschüttelt und nur noch einen Rest von Vorwand braucht, um im ungehemmten Jubel alle Pracht und Herrlichkeit der Erde, vor allem ein schönes und freies Menschengeschlecht im Vollgenusse seines Daseins zu feiern". Freilich steht hier auch, wiewohl mehr zwischen den Zeilen, was Veronese bei allen malerischen Vorzügen/ bte ihm niemand schmälern wird, notwendig
fehlt und was auch schon angedeutet wurde. Es ist bei ihm immer ein wenia „Theater" mit im Spiele, Theater allerdings im höchsten Sinne. Die christliche Kunst hat in dieser Malerei, die keine äußeren Schwierigkeiten mehr kennt, einen Punkt der Entwicklung erreicht, wo das Bild aufhört, ein Gegenstand der Andacht und der inneren Versenkung in den heiligen Inhalt zu' sein. Sie wendet sich nyr noch an den ästhetisch gestimmten Betrachter, der von einem Kirchenbilde nicht mehr verlangt, als daß es dem Augensinn ein Fest bereiten soll. Wie leer sind die Gesichter, wie wenig dem biblischen. Geschehen angemessen die Gebärden! Dem frommen Gefühl sagen alle diese kolossalen Aufmärsche festlich bewegter Menschen nichts mehr, am wenigsten die von Veronese so gern und oft gemalten „Gast- mähler" der Evangelien einschließlich des Abendmahls des Herrn, bei dem es zugeht wie bei einem üppigen Schauessen. Hübsche Pagen tragen silberne Schüsseln mit Leckerbissen heran, Hunde und Pfauen beleben die Szenerie, der Schauplatz des Banketts ist eine prächtige Säulenhalle, der Zeremonien- meifter erteilt feine Befehle, und die Tafelrunde besteht aus vornehmen Herren und Damen, die sich den kulinarischen Genügen mit heiterer Lebenslust hingeben und in nichts verraten, wer es ist, der ihnen den Kelch spendet. Das ist Venedig, das reiche üppige Venedig, das im Genüsse schwelgt und die
deren Rand in einen sechszipfeligen Stern ausstrahlt. Manche Blüten prangen in leuchtendem Weiß und duften, andere haben etwas vom Strahlengold der Sonne, wie Krokus und Schlüsselblumen, Hahnenfuß und Forsythia. Die weißen nennt der Volksmund Studenblumen, die gelben Osterglocken.
Dom Dichter Ovid her weiß man, daß Narzissus, der schöne Sprößling der beiden Flußgötter Cephi- sus und Liriope, von Nymphen und Jünglingen verehrt und geliebt wurde, aber allen gegenüber stolz und kalt blieb. Das erregte den Zorn der Rachegöttin Nemesis, und sie verwünschte den eitlen Toren: Er sollte sich ewig in Liebe verzehren, ohne je geliebt zu werden. Und eines Tages ging der böse Zauber in Erfüllung, da Narzissus in einer Quelle fein Spiegelbild erblickte. Er verliebte sich mit so heftiger Inbrunst in sich selbst, daß er feine Kraft mehr fand, sich von der Stelle zu rühren. Er begann neben der Quelle festzuwurzeln und wurde zur Blume.
Etwas von dem Wesen der Narzisse ist in der anmutigen Sage eingefangen: Die langen, halm- artigen Blätter, die in Büscheln um die Blüten stehen, erinnern an Schilf gras und Wassernähe. Feuchten Boden liebt die Blume so sehr, daß sie bei Trockenheit alsbald erschlafft und mit Blättern und Blütenstengel an der Erde liegt. Außerdem entdeckt man in der weißen Blüte der Narzisse noch eine zweite, viel kleinere Blüte eingeschlossen, deren zartes Gelb mehr oder weniger blutrot gesäumt ist. Muß man bei seinem Anblick nicht an ein in stolzer Selbstliebe verkümmertes Herz denken?
Auch die Iris trägt einen griechischen Namen, und zwar den gleichen wie die Götterbotin Iris, die auf einer Regenbogenbrücke ^ur Erde eilte. Auch die Iris ist am Wasser beheimatet, und noch breitere Schilfblätter als die der Narzisse bezeugen ihre Vorliebe für Bachufer, Sumpfränder und Tümpel. Der
Gießener Gtadttheater.
Walter Kollo: „Marietta."
Das Motiv ist in der Literatur nicht neu und für eine Operette beinahe zu seriös, denn es enthalt, wie mau an „Schluck und Jau" sehen kann, Ansätze zur echten Komödie. Das Libretto von Robert Bo- dansky und Bruno Hardt-Warden hat nur insoweit davon Gebrauch gemacht, als für Operet- tenverhältnisse tragbar und zu oerantworten war: das Spiel der Verwechslung ist auch musikalisch ergiebig genug; die Herzogin Marietta von Lavarna hat es sich in den Kopf gesetzt, den Herrenreiter Ca- Datiere di Torelli in der Maske einer kleinen Orangenverkäuferin „aufsitzen" zu lassen, weil der sich angeblich einer herrenreitermühigen, aber wenig kavaliersmähigen Aeußerung schuldig gemacht hat. Mittlerweile kommt ihr aber, ganz unschuldig und unbeabsichtigt, ein wirkliches kleines Orangem möbel zuvor, die zu ihrer Verwunderung eine höchst überraschende Standeserhöhung durchmacht und natürlich, nachdem Erscheinen der wahren Herzogin, die ein wenig traurige Rückverwandlung in bas frühere Dasein erleben muß: das ergibt im Msttelakt eine der wirksamsten Szenen, und mit diesem Mittelakt ist auch eigentlich alles gesagt, was hier zu sagen mar. Man muß sich wundern, mit wieviel Ausdauer und Beharrlichkeit die Textbuchautoren das Thema abendfüllend gestreckt und im dritten Akt nach den einzig möglichen Spiel, regeln der Operette und der hier gültigen sozialen Rangordnung ins Reine gebracht haben, so daß der letzte Vorhang über zwei glücklichen Paaren fallen darf. Willi Kollo hat die Gesangstexte verfaßt, Walter Kollo hat in einer für ihn charakteristischen Form die Musik dazu geschrieben: „Was eine Frau im Frühling träumt" und „Warte, warte nur ein Weilchen" sind die beiden Paradeschlager der nicht großen, aber liebenswürdig instrumentierten Partitur.
Herr Lindt hatte die Spielleitung und inszenierte die Operette als Lustspiel mit Musik: eine darstellerisch und szenisch geschickt verwaltete Aufführung, in der vor allem der zweite Akt zwischen Sekt- Utzd Tanzlaune und der gedämpften Sentimentalität des Abschiedsschmerzes die richtige Mitte hielt. Kapellmeister Joachim Popelka wirkte am Dirigentenpult und ließ die melodiösen und rhythmischen Werte der Partitur auf eine überzeugendgeschmeidige Weise zur Geltung kommen. Die Tanzgruppe unter Führung von Irmgard Zenner belebte die Szenerie mit mehreren exakten Tanzeinla- gen. Don den Dekorgtionen verdienen der dezent
und geschmackvoll ausgestattete .Jnnenraum des Mittelaktes und das originelle Schlußbild über den Dächern von Rom besondere Hervorhebung.
Luise Decker spielte a. G. die Rolle der Marietta, Herzogin von Lavarna: eine elegante und kokette Dame von Welt, darstellerisch sehr sicher, gesanglich, ohne großen Einsatz, gepflegt und apart. Marietta, die Orangenverkäuferin, war Friedel F o r n a l l a z, ein munteres und naives Kind des Volkes, vom „Scampolo" zur Herzogin und wieder zurück auf eine luftige und zuletzt beinah traurige Weise verwandelt. Das Duett „Warte, warte nur ein Weilchen" war theatralisch entschieden die ergiebigste Szene des Abends. Herr Waltz gab, stimmlich in erfreulicher Form, mit heiteren Kavaliersgebärden, in fescher blauer Uniform den Cavaliere di Torelli. Herr Lindt spielte mit diskretem Humor und einer sehr sympathischen Art den Straßenmusikanten Nicolo Tromboni. Vom übrigen Ensemble sind in Chargenrollen die Herren Kühne, Geiger, Greif, Bley und Dittmar zu nennen.
»
Die neue Inszenierung fand am zweiten Feiertag eine freundliche Aufnahme.
Hans Thyriot.
» Lichtspielhaus:
„Der unmögliche Herr Pitt."
Zur Feier seines 25jährigen Filmjubiläums bescherte Harry P i e l sich und uns einen neuen Film: in ihm sind alle die Wesenselemente in einer charakteristischen Mischung enthalten, welche Herrn Piel die Gunst und Zuneigung des deutschen Kinobesuchers eingetragen und seine Volkstümlichkeit bewahrt haben: das Abenteuerliche und das Romantische, bas' Lustige und das Unwahrscheinliche, eine Männlichkeit, die ebenso über Muskeln wie über Gemüt verfügt, die üch in unmöglichen Situationen mit Ruhe behauptet und in wüsten Spelunkenkeilereien die Oberhand behält, aber auch einer großen Dame mit der lächelnden Sicherheit des Gentle- man zmbegegnen weiß, und sympathisch und geduldig mit allerlei Tieren, zahmen und wilden gewöhnlichen und ungewöhnlichen, gute Freundschaft halt. So einer ist Harry Piel; ferne Populanta beruht auf ähnlichen Voraussetzungen und Eigenschas- len, wie man sie bei Albers feststellen kann, und so präsentiert er sich auch in seinem Jubilaumsfilm „Der unmögliche Herr Pitt". Zwar spielen die xiere diesmal nur eine verhältnismäßig untergeordnete Rolle, aber sonst finden wir alle die Zuge, die wir eben ausgezählt haben, und was. den Fllm
Die Bedeutung des Nagelschmiedes spiegelt sich auch in der Beachtung wider, die der Nagel im deutschen Volkstume findet. Ein anscheinend sehr -altes Sprichwort lautet: „Nägel halten das Hufeisen, Eisen ein Roß, das Roß den Mann, der Mann eine Burg, eine Burg aber das ganze Land." Wenn einer etwas recht gescheit und geschickt ausdrückt, so heißt es anerkennend: „Er hat den Nagel
Professor Dr. Gerhard R o h 1 s s , Ordinarius für romanische Sprachen und Literatur an der Univer- fität Tübingen, hat den Auftrag erhalten, den durch die Emeritierung von Geheimrat Professor
Dazu gibt es die Bavaria-Wochenschau, einen Be- richt ' von der HJ.-Heimbeschaffung, ein Filmchen Aus Freiersfüßen" und einen Vorspann zum /Rätsel um Beate". Hans Thyriot.
Hochschulnachrichten.
amüsant macht, ist eben der Gegensatz der äußeren Erscheinungsformen, in welchen Piel hier sein Wesen treibt: ob er als entsprungener Sträfling, scheußlich unrasiert, aus einem nordafritanischen Zwangsarbeitslager ausreißt und mit seinem ebenso festlich angetanen Kameraden bei Nacht und Nebel eine Luxusjacht entert, um mit ihr feine Flucht fortzu- setzen, oder ob er, in einen Kavalier mit tadellosen Umgangsformen verwandelt, mit der eleganten Dame Lucienne Konversation macht, — er ist im- ■frier derselbe, ein Mann mit Herz und Humor, mit Muskeln und Gemüt, und er gefällt uns, und wir mögen ihn. Das Ganze ist aus einem Guß, denn Piel führt auch Regie, und er weiß, welche. Mischung ihm und uns- bekömmlich ist, was unser Zwerchfell kitzelt und unsere Spannung reizt. Unter solchen Umständen können wir gern darauf verzichten, auf die Einzelheiten der Fabel einzugehen, welche auf einem Roman von Georg Mühlen- Schulte beruht; der Autor und Reinhold Meiß - n e r schrieben das Drehbuch. Piels Partner, Spießgeselle und Fluchtgenosse ist Willi Schur, den. man aus vielen Filmen kennt: ein drolliger Bursche mit einer herrlich naiven Galgenvogelphysiognomie. In einem aparten Gegensatz zu beiden: Hilde Meißner vom Berliner Staatstheater (man erinnert sich ihrer vielleicht aus „Amphitryon"; auch hat sie das Gretchen gespielt). Hier ist sie eine elegante, etwas exzentrische junge Dame von bemerkenswerter Schönheit, auch in den ungewöhnlichsten Lebenslagen nicht aus der Fassung geratend. Das übrige Ensemble ist groß, tritt aber nicht sehr m den Vordergrund; wir nennen Hans <5ti ebner, Ursula Grabley und Werner Scharf; die Gießener werden in einer kleinen, Szene auch Herrn Hauer bemerkt haben, der früher hier am Stadttheater wirkte. Uebrigens sieht man eine Reihe sehr malerischer Landschaftsbilder: Karl Puth und Fritz von Friedl standen an der Kamera. Musik von Ernst L e e n e n. — (Terra.)
Suren Die ismerinerung von iseyeinuui uiuUl, i» w ....... . " , . ’ o
Dr Karl Boßler freigewordenen Lehrstuhl ber | auf den Kopf getroffen , unb in heiklen Lagen ist romanischen Philologie in München zu über-> mancher jroh, wenn sich ihm cm „Notnagel luetet. nehmen. 1
Vom Meister Aagelschmied.
Bevor der Mensch es verstand, Metalle zu formen, diente ihm statt des ehernen oder eisernen Nagels der zugespitzte Holzstift. Selbst in ber Bronzezeit verwendeten unsere Urqhnen noch Holz- nieten beim Hausbau, während für Kleingerät und bei der Zusammensügung von Waffen z. B. der Streitaxt — bereits frühzeitig der Bronzenagel benutzt wurde. Erst die Erfassung des Eisens als Nutzmetall gab dem unscheinbaren und unentbehrlichen Nagel die rechte Entwicklung. Immer vielseitiger wurde die Tätigkeit des „Naglers" im deutschen Zunfthandwerk. Hans Sachs vermerkt im Ständebuch den Meister Nagelschmied als einen wichtigen „Stadtgesessnen".
Außer Hammer, Amboß und Zange war das Nageleisen vor der Erfindung der maschinellen Hilfsgeräte ein wichtiges Gerät, ja fast ein Wahrzeichen der Nagelschmiede. „Es ist aber ein Nageleisen eines der vornehmsten Werckzeuge derer Nagelschmidie. Es ist mit mancherlei) Löchern durchbrochen, wodurch das glühende Eisen getrieben wird, denen Nägeln die gehörige Dicke und Gestalt zu geben."
Die Nagelschmiede biideten Zünfte oder Gilden, die je nach örtlichen Verhältnissen allein oder mit anderen eisenverarbeitenden Gewerken marschiertem In Lübeck gehörten die Nagelschmiede zu dem all- gehieinen „großen Ambte" der Schmiede. In Nürnberg standen sie für sich; da Nürnberg bis heute in der Metall- und Eisenwarenerzeugung sehr rege ist, so ergab es sich ganz von selbst, daß auch die Nagler" sich bald unter eigener Zunftfahne scharten. Sehr strenge Anforderungen stellte dieses Gewerke an seinen Nachwuchs. So verlangte die Nürnberger Nagelscbmiebezunft ein sehr schwieriges Meisterstück. Der Geselle hatte es innerhalb von vier Tagen fertigzustellen. Einmal mußte er das gesamte Werkzeug, womit er die Meisterprobe ablegen wollte, selbst schmieden, also Nageleisen, Hammer, Zange unb derlei. Das war die Arbeit des ersten Tages.


