Von der Universität Gießen.
Von der Pressestelle der Universität Gießen wirt) uns mitgeteilt:
Der Führer und Reichskanzler hat am 17. Februar 1938 den Dozenten Dr. Gerhard Tellen- b a ch zum ordentlichen Professor für Mittelalterliche Geschichte in der Philosophischen Fakultät der Universität Gießen und zum Direktor des Historischen Seminars ernannt.
Durch Urkunde vom gleichen Tage ist der Dozent Dr. Eduard W i l l e k e zum planmäßigen außerordentlichen Professor für praktische Nationalökonomie in der Philosophischen Fakultät der Universität Gießen ernannt und ihm gleichzeitig die Lehrbefugnis für das Gesamtgebiet der wirtschaftlichen Staatswissenschaft erteilt worden.
Nascher Fortschritt
im Bau des Militärschwimmbades.
Seit einigen Monaten wird — wir berichteten über das Bauvorhaben bereits vor einiger Zeit — an der Grünberger Straße, im Wiesengrund dicht vor Annerod, eifrig am Bau eines großen Militärschwimmbades gearbeitet. Die Arbeiten finb rasch vorangekommen, obwohl die Umstände, unter denen gearbeitet werden mußte, nicht immer günstig waren. Der Boden war bis in die jüngste Zeit sehr feucht, außerdem machten die umfangreichen La^en der schweren und zähen Lette die Arbeit mcht leichter. Die erheblichen Temperaturunterschiede in den vergangenen Tagen waren dem Bauvorhaben auch nicht sonderlich günstig. Trotzdem konnte bisher alle die Arbeit geschasst werden, die bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt erledigt werden sollte.
Das Schwimmbecken (16X50 Meter) ist im Rohbau (völlig in Beton) hergestellt. Rings um das Becken läuft ein Fuß-Schwemmbecken von etwa 30 Zentimeter Tiefe, das durchschritten werden muß, bevor man in das Wasser des Schwimmbeckens gelangen kann. Gegenwärtig ist man damit be- schäfttgt, die Grube für das Fundament des Sprungturmes auszuheben, der sich, nach den vorliegenden Plänen zu urteilen, in sehr eleganter Form dar- bieten wird. Im Anschluß an die Schwimmanlage werden umfangreiche Liegewiesen angelegt werden, so daß den Soldaten genug Gelegenheit gegeben sein wird, der Ruhe zu pflegen. Diese Wiesen werden eine ziemlich große Fläche in Anspruch nehmen. Ferner ist ein einstöckiges Gebäudes im Bau begriffen, an das sich dann die Aus- und Ankleide- Kabinen anschließen werden.
Wie wir vom Bauführer hören, wird die gesamte Schwimmbadanlage in allen ihren Teilen voraussichtlich bis zum 15. April fix und fertig sein, sodaß sie mit Beginn der Badesaison sofort in Anspruch genommen werden kann.
Oesterreicher kommen in den Gau Hessen-Nassau.
NSG. Die Eingliederung Oesterreichs in das Deutsche Reich, die jeden Deutschen mit Begeisterung erfüllt hat, legt allen Volksgenossen aus dem alten Reichsgebiet natürlich auch besondere Verpflichtungen auf. Diese bestehen darin, den in langen Jahren der Knechtschaft und der wirtschaftlichen Not zermürbten Kräften unserer österreichischen Brüder Stärkung und Erholung zu bieten. Es wird deshalb jeden unter uns mit Freude erfüllen, daß schon in diesem Jahre in jedem Kreis unsres Gaues Urlauber-Kameradschaften auf Hitler- Freiplatz-Spende und 1500 Kinder durch Kinderlandverschickung aus Oesterreich kommen.
Wir sind stolz darauf, unseren Brüdern aus dem neugewonnenen deutschen Land zeigen zu können, welches Ausmaß der wirtschaftliche Aufschwung unserer Heimat in den kurzen Jahren seit der Machtübernahme durch Adolf Hitler angenommen hat. Oesterreichische Kinder und Erwachsene werden den Glauben mit in ihre Heimat nehmen, daß nach dem Anschluß an das Reich der Aufstieg Oesterreichs als deutscher Gau nicht lange auf sich warten lassen wird.
Freiplätze werden schon in diesen Tagen durch die NSV. in allen Kreisen des Gaues Hessen- Nassau geworben, und wir sind sicher, daß dieser Werbung ein großer Erfolg beschieden sein wird.
WiedecholuWübungsürdasSA.-SpoMeichen
Vorbereitungen der SA.-Standarte 116.
Am 27. März stehen im ganzen Reich alle SA.» Sportabzeichenträger zum Appell angetreten. Der Stabschef spricht zu seinen Männern, die mit dem Erwerb des SA.-Sportabzeichens den Auftrag übernahmen, sich jederzeit für die körperliche und geistige Wehrhaftigkeit.einzusetzen. Anschließend wird ein 15-km-Marsch mit einer Aufgabe aus der Gruppe III (Geländesport) durchgeführt.
Im Bereich der Standarte 116 werden etwa 1 200 Mann an neun verschiedenen Stellen im Kreise Gießen angetreten sein. In Gießen, Lich, Hungen, Laubach, Grünberg, Bersrod, Allendorf und Lollar wird der Gemeinschaftsempfang durchgeführt, an den sich der Abmarsch der neun Marschgruppen anschließt. Männer der SA., Politische Leiter und viele andere Volksgenossen werden sich an diesem Tage durch ihren gemeinsamen Marsch zu dem großen Erziehungsauftrag bekennen, den die Partei und in ihr die SA. übernommen hat. Während des Marsches bearbeitet ein Organisationsstab die Papiere der Teilnehmer. Für jeden wird eine Teilnehmerkarte ausgestellt, in sein Leistungsbuch wird die Teilnahme vermerkt, er wird in die Einzahlungsliste eingetragen, um nach Beendigung des Marsches hier die 50 Rpf. für die SA.- Sportabzeichenurkunde einzuzahlen, die ihm dann später zugestellt wird.
Während des Marsches gibt der Marschgruppenführer an Hand einer Ansichtsskizze den Befehl, von
ihm angesprochene Entfernungen zu schätzen. Die Schätzungen werden von jedem Teilnehmer auf einen Vordruck ausgeschrieben und später von den Einheitsführern ausgewertet. Den Abschluß des Marsches bildet eine Ansprache des Marschgruppenführers.
Nach dieser ersten Wiederholungsübung werden im Bereich der Standarte mehrere SA.- Sportabzeichen-Arbeitsgemeinschaf, t e n aufgestellt, die das SA.-Sportabzeichen auch Volksgenossen zugänglich machen sollen, die noch nicht in der SA. sind. F. F.
Erste Wiederholungsübung am 27. März.
Antreten 7.30 Uhr, 15-km-Marsch. Mitzubringen ist: Besitzzeugnis des SA.-Sportabzeichens. Leistungsbuch uno 50 Rpf. für die Urkunde.
Antreteplätze:
Gießen, Hof der Standarte Senckenbergstr. 1. — Großen-Linden, Platz vor der neuen Schule. — Lich, Marktplatz. — Hungen, An der Turnhalle. — Laubach, Marktplatz. — Grün- berg, Marktplatz. — Bersrod, Adolf-Hitler- Platz. — Allendorf (Lumda), Marktstraße. — Lollar, Am Postamt.
Es gelang ihm, bis in den Wetzlarer Weg zu entkommen, wo er von seinen schnelleren Verfolgern gefaßt werden konnte. Er wurde der Polizei übergeben und von dieser in Haft genommen. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.
Kleine Strafkammer Gießen.
Durch Urteil des Amtsgerichts Grünberg war der L. H. aus Weimar wegen Diebstahls an Stelle einer Gefängnisstrafe von drei Tagen zu einer Geldstrafe von 15 Mark verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte, der von dem Erscheinen in der Hauptoerhandlung entbunden war, Berufung eingelegt.
Der Angeklagte hatte im Jahre 1924 die Pflegetochter des heutigen Zeugen R. geheiratet. Als die Pflegeeltern feiner Frau 1927 ein Doppelhäuschen bauten, gab der Angeklagte mehrere Tausend 3um Hausbau. Dafür wohnte er in der Folge mit feiner Frau kostenlos in einer Wohnung des Hauses. 1935 wurde die Che des Angeklagten wegen Alleinverschuldens der Ehefrau geschieden. Nach der Scheidung wurde zwischen dem Angeklagten und dem Pflegevater der ftüheren Ehefrau, dem Zeugen R., ein gerichtlicher Vergleich geschlossen, in dem R.
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Industrielle Facharbeiterprüfung.
Am Donnerstagvormittag hatten sich die am Abschluß ihrer Ausbildung stehenden gewerblichen Lehrlinge der Industriebetriebe der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach zur Ableistung des praktischen Teils der Prüfung in verschiedenen Jndu- striebetvisben einzufinden, um vor den Prüfungsausschüssen der Industrie- und Handelskammer Gießen den Nachweis über ihre in der Lehrzeit erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse zu führen. Der Nachmittag vereinte sämtliche Prüflinge in den Räumen der gewerblichen Berufsschule zur schriftlichen, mündlichen und weltanscyaulichen Prüfung.
Die Leistungen waren im allgemeinen zufriedenstellend. Der Leiter des Prüfungsamtes für die industrielle Facharbeiterprüfung der Kammer, Direktor Maas (Fa. Heyligenstaedt & Comp. G. m. b. H.), richtete nach Abschluß der Prüfung die ernsthafte Mahnung an die Prüflinge, chre Ausbildung nunmehr nicht als abgeschlossen zu betrachten, sondern diese sowohl in ihrem eigenen Interesse, als auch zum Nutzen der Gesamtheit weiterhin in jeder Weife zu ergänzen und zu vervollkommnen.
Der Prüfung wohnten Vertreter der Wirtschaftskammer Hessen und der DAF., Gauwaltung Hessen- Nassau bei.
Schulung in der Lehrküche.
gfs. In der Lehrküche der Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft findet am Sonntag, 20. März, eine Schulung statt, an der die Leiterinnen der Abteilung des ganzen Kreises Wetterau teilnehmen. Sie werden unterrichtet in der abwechslungsreichen Verwendung der Kartoffel, von Quark und entrahmter Frischmilch sowie in der Zubereitung von Gerichten aus Hammelfleisch. Rezepte und Kostproben werden verteilt.
Gießener Wochen Marktpreise.
* G i e ß e n, 19. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12^, Klasse B 12. Klasse C 11%, Klasse D 10%, Enteneier 12%, Wirsing, % kg 10 bis 14, Weißkraut 9 bis 12, Rotkraut 14 bis 15, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 18, Unterkohlrabi 8,. Grünkohl 15, Rosenkohl 15 bis 35, Feldsalat, V10 8 bis 10, Tomaten, % kg 45 bis 50, Zwiebeln 12 bis 14, Meerrettich 35 bis 55, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Kartoffeln, % kg 5 Pf.,
sich verpflichtete, unter Abgeltung aller Ansprüche 500 Mark an den Angeklagten au zahlen. Nach der Vergleichsverhandlung kam der Angeklagte in großzügiger Weise mit dem Zeugen R. dahingehend überein, daß er, wenn R. ihm 100 Mark sofort gäbe, auf die restlichen 400 Mark verzichten wolle. Daraufhin fuhr der Angeklagte mit seinem Wagen nach Grünberg zurück und nahm aus dem Vorkeller seiner ftüheren Wohnung eine Handlampe mit einer längeren Jsolierschnur mit. Er hatte früher die Lampe mit eigenen Mitteln gekauft, doch war diese durch den Vergleich in das Eigentum des R. über- gegangen. Der Angeklagte, der die Handlampe in
ASG. „Äraff durch Freude", kreis Gießen. seiner Garage gut verwenden konnte, glaubte, daß R., nachdem er diesem so entgegengekommen war, „Parkslrahe 13. keinen Wert mehr auf die Lampe, die ohne Birne
Als nächste Vorstellung im Stadttheater Gießen im Vorkeller unbeachtet lag, legen würde. Die gelingen wir das Kriminalstück von Axel Jvers schiedene Ehefrau und ihre Pflegemutter bewirkten „Parkstraße 13". aber aus Rache die Sicherstellung der Lampe und
Eintrittspreise 90 Pf. und 1,— Mark. 1715D brachten so ein Strafverfahren gegen H. ins Rolkn.
♦ In der gestrigen Hauptverhandlung erklärte R.
** Ernennung beim Kreisamt Gie- selbst, daß er fein Interesse an der Lampe habe, ßen. Kanzlist Ewald beim Kreisamt Gießen Auf Anregung der Staatsanwaltschaft wurde das wurde durch Entschließung des Herrn Reichsstatt- Verfahren, da die Schuld des Täters gering und Halters in Hessen mit Wirkung vom 1.Februar die Folgen der Tat unbedeutend waren, ein» 1938 ab zum Verwaltungsassistenten bei diesem gestellt.
Amt ernannt Keinen Erfolg mit ihrer Berufung hatten der H.K.
** Auszeichnung. Dem Holzhändler Wil- und der K. L. aus Frankfurt. Beide waren vom Helm Sell in Gissekberg wurde im Auftrage des Amtsgericht Dllbel wegen Diebstahls zu je einem Reichs- und preußischen Ministers des Innern durch Monat Gefängnis verurteilt worden. Die Anden Bundesführer des Reichskrieaerbundes, ff- geklagten hatten am 8. Juli 1937 mit einem Last- Gruppenführer Oberst a. D. Reinhardt, die Urkunde wagen aus einer Grube im Dilbeler Wald Sand für die Teilnahme an den Freikorpskämpfen in geholt. Auf ihrer Fahrt durch den Wald sahen sie, 1920 in Thüringen gegen die Kommunisten ver- daß am Rande des Kiesgrubenweges größere Men- liehen. gen von Gußeisenblöcken, die bei dem Bau der
** Vor dem Bau der „Bauernschenke" Reichsautobahn als Gegengewicht eines Kranes ge- a n der Viehmarkthalle. Das Städtische dient hatten, lagerten. Sie hielten an und luden un° Hoch- und Tiefbauamt schreibt gegenwärtig die Erd-, gesähr drei bis vier Zentner Gußeisen auf ihren Maurer-, Beton-, Zimmer-, Dachdecker- und Speng- Wagen. Ein Zeuge, der nichtsahnend im Walde lerarbeiten für eine „Bauernschenke" aus, die neben spazieren ging und glaubte, daß die beiden Auto- der Viehversteigerungshalle Rhein-Main erstehen fahrer beauftragt wären, das Gußeisen abzufahren, soll. beobachtete aus einiger (Entfernung, mit welcher
** Polizei gegen Verkehrssünder. Die Mühe die Angeklagten die Eisenblöcke auf ihren Polizei schritt in der Zeit vom 11. bis 17. März ein: Wagen hoben. Der Zeuge erkannte die beiden An- gegen Kraftfahrzeugführer mit 12 Anzeigen und 40 geklagten mit Bestimmtheit wieder. Trotz der glaub» Verwarnungen und Belehrungen; gegen Radfahrer würdigen und beeidigten Aussage dieses Zeugen leug- mit 11 Verwarnungen und Belehrungen; gegen neten die Angeklagten die Täterschaft ab. Das Gericht Fußgänger mit 4 Verwarnungen und Belehrungen, schenkt? aber ihren Ausflüchten keinen Glauben, son-
** Fe st genommen. In einer Wohnung in der dem es hielt sie, indem es der Aussage des Zeugen oberen Frankfurter Straße entdeckte am gestrigen folgte, des Diebstahls für überführt. Die Berufung Freitagabend eine Frau einen unbekannten Mann, wurde als unbegründet zurückgewiesen, und es blieb der sich im Schlafzimmer zu schaffen machte. Auf die bei der durch das erstinstanzliche Gericht erkannten Hilferufe der Frau ging der Eindringling flüchtig. Strafe.
5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, Aepfel, % kg 15 bis 25 Pf., Hähne 1 bis 1,25 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,10 Mark, Tauben, das Stüct 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 35 bis 50, Salat 10 bis 25, Endivien 8 bis 20, Lauch 5 bis 8, Sellerie IC bis 35, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 15 bis 20 Pf.
„Ofuli — da kommen sie!"
Von Karl Scherer.
Zwischen den sichtengrünen Ufern der beiden Seen, auf deren blauem Wasser sich schon die weißen Lachrnöven zwischen den letzten morschen Eisschollen schaukeln, liegt das breite Luch über schwarzem Torfboden. Der wasserreiche Grund läßt alljährlich ein üppiges Wachstum aufgrünen; unter Weiden und Sumpffarnen, Erlen und Birken, Riedgras und Teichbinsen wuchern blaugrüne Moospolster, im März vollgesogen wie Schwämme von Schmelzwasser und blasigen Lachen. Dazwischen wachsen Moosbeere und Bruchbeere und rundblätteriger roter Sonnentau. Aus den Staugräben schießt junges Rohr auf, im grauen Gras unter den Eichen- hefftern am Hügelhang sprießen zartgrüne Spitzen, Küchenschelle und Kuhblume leuchten im ersten Blattgrün, und die Sumpfdotter prunkt schon mit goldgelben Blüten und breiten glänzenden Blättern — der leise Atem des Vorfrühlings weht über die Heide und weckt das Leben in Keim und Knospe.
Wenn im Osten nach kalter Nacht das Frührot aufsteigt und die Kätzchen der Salweiden sich goldbraun färben, fangen die Heidelerchen an zu bullern, und im Bruch regen sich die Bekassinen; Brachvögel, im Sonnenlicht stetig ihre schönen Farben wechselnd, kreisen hoch über dem Moor, Singdrosseln flöten, Grauammern zirpen, Kibitze gaukeln rufend über die FöhrenkussehG und enblirfj erwacht die ganze weite Heide, uno jubelnde Triller erfüllen die Luft.
Sonst ist das Land noch tot, und der Grünrock, der im Morgendämmer um den Hügelfuß biegt, fährt verwundert auf, als aus den Gra'sb lisch ein ein großer Vogel mit klatschendem Schwingenschlag auf» steht und jenseits der Jungeichen verschwindet — Die erste Schnepfe des Jahres ...
Wenn an den Syrien und im Niltal, der sonni- gen Winterzuflucht unserer Südlandflieger, die Pflanzenwelt schon in vollem Flor steht, zieht die Schnepfe nach Norden, wo Anemonen und Leber- blümchen beginnen, den grauen Waldboden bunt zu machen, lieber das Mittelmeer und die Gebirge des Balkans geht der Flug in Tagereisen den Donauländern zu; ist der Alpenwall Überwunden, verteilen sich starke Züge über die Doralpengebiete und Flußtäler mit ihren Erlendüschen und Weidenbülten, denn der deutsche Süden, reich an weiten grünen Flächen und Wäldern, ist ein Schnepfen- land; das große Heer aber zieht weiter bis zu den Buchenforsten Dänemarks und der schwedischen
Seenplatte — das ist die „Hohe Zeit" des Schnep- fenftrichs, der deutsche Jägerfrühling. Wo Moorstrecken und Ertendickungen zwischen'lichtem Stangenholz und Hochwald liegen, wo ein Wasserlauf durch Waldwiesen und Eschenhorste fließt, dort zieht die Schnepfe gern über Stellungen, Wegen und Schneisen ...
Ein leuchtender Märzabend mit klarer kühler Luft. Tagsüber lag schon linde Wärme über Flur und Wald, und am kätzchengrünen Haselbusch tanzten die Mücken, doch der Sonne fehlt noch die rechte Kraft. Glutrot steht sie über dem walddunk- len Hügelland im Westen, violette und grüne Lichter zuckten über den Horizont, und wo sich eine einsame Wolke vor den flammenden Ball schiebt, umranden goldene Schimmerlinien das dunkle Gebilde. Jetzt ein Laut, der dem Weidmann immer wieder ans Herz greift und Auge und Ohr zur Höhe lenkt: hoch am Himmel zieht ein starker Keil Graugänse, die „Lange Eins", nach Norden; bald folgt im ein zweiter, weitab in der Ferne verklingt das heisere Rufen.
Draußen im Waldland fällt dumpf und verschwommen der erste Schuß. Wo der Wald mit steiler Böschung zur Wiese abfällt, heulen Mooreulen, und in den Büschen an der Hügellehne zetern Schwarzamseln und Graudrosseln; sie haben den roten Räuber entdeckt, der lautlos durchs Heidekraut schleicht und in der Fichtenfugend, wo die Mäuse pfeifen, untertaucht.
Tiefer werden die Schatten. Die Sonne ist hinter den Höhen versunken, roter Glanz steht noch kurze Zeit über den Himmelsrand, bann sinken die grauen Schleier der Dämmerung herab. Kalter Abendwind biegt in leichtem Wehen die Kronen der Eschen- heister im Grunde, und in der Bachsenke steigen dünne weiße Bodennebel auf. Durch die flüsternden Birkenwipfel zieht es quorrenb, und über die verwitterte Gestalt im Wacholderbusch am Schneidenrand schwebt ein dunkler Schatten weg. Der Doppellauf fliegt hoch und senkt sich wieder — die erste ist verpaßt?
Ein später Bussard rudert stumm seinem Schlafbaum am windgeschützten Föhrenrücken zu; die Krähenschwärme, den kohlen Buchen der fernen Berge entgegenziehend, wo ihre Horste stehen, sind um so redseliger; als schwarze Punkte verlieren sie sich am Abendhimmel. Im Laub rascheln die Mäuse. Aus der abschüssigen Kiefernschonung schiebt sich ein Dachs heraus, windet lange, klettert durch den Abzugsgraben und macht sich daran, die dürren Laubhaufen unter den Eichen abzusuchen. Ein Lampe hoppelt unter Wind ohne Eile vorüber, ver- hofft kurz vor dem Quieken der Spitzmäuse, die sich!
in den saftgrünen Ginsterbüschen jagen, und verschwindet gegen das nahe Feld.
Es dunkelt stärker, der Hochwald steht wie eine schwarze Wand. Auf dem Stand am Wiesenrand zerreißt ein Feuerftrahl die Luft, der rollende Hall verebbt in dem weiten Tal; gedämpft klingt es durch den Dämmer: „Such verloren, mein Hund!" Büsche rauschen, dann wieder Stille. Der Mond leuchtet, aber fein bleiches Licht vertieft nur das Dunkel, und der Wald wirft schwarze Schatten über den Weg. Dom Dorf her verlorenes Hundegebell, bann läutet bie Abenbglocke. Da! „Quorr, quorr, psiwitt, 1 Psiwitt" kommt es von links. Ein Doppelschatten gleitet durch die Wipfel und ist schon wieder velflchwunden, ehe der Kolben an der Backe liegt.
lieber den fernen Bergen funkeln in wunderbarer Klarheit die Sterne, es weht froftig zwischen den Stämmen der finsteren Kiefern, und über den Gründen lagern schwere Nebelschiffe. Unten an der Wiese blitzt es von neuem auf, diesmal zu kurz. In reißendem Flug kommt ein dunkler Schemen die Schneise heraufgehuscht ... Der Schuß verrollt, und mit dumpfem Aufschlag stürzt der Langschnabel in das Unterholz ...
Oer Wecker.
Unter dem Titel „Das Kautschbrevier. Gefaßte Prosa und zerstreute Verse" erschien kürzlich bei F. A. Herbig in Berlin von dem aus Kabarett und Film bekannten Plauderer Werner Finck ein unterhaltsames kleines Buch, aus dem wir die folgende Probe wiedergeben:
Unter einem Wecker versteht man doch im allgemeinen eine mit einem kleinen Läutewerk versehene Uhr. In London, einer Stadt in England, soll es sogar einen Mann geben, der Wecker von Beruf ist und sich nicht schlecht dabei steht. Ehe denn die Hähne krähen, bringt er in die Wohnungen, aller, die frühzeitig aus den Betten müssen, zieht sie an den Füßen und seinen Profit daraus, daß sie auf mechanische Weckapparate nicht reagieren. (Leute, die im selben Maße von Beruf Staub- fauger sind, ober gar Küstenschoner gehören natür- lich in bas Reich der Fabel, wie es denn überhaupt viele irreleitenben Tättgkeitsbezeichnungen gibt. So ist beispielsweise an einem Geschäft im Westen: „Spezialität: feine Herrenwäsche" zu lesen. Ich möchte aber nicht erleben, wie verständnislos ein Herr an geschaut werden würde, der hineinginge und sagte: „Bitte, waschen Sie mich fein —".)
Was nun meinen Wecker betrifft, jo ist er
Tischler von Beruf mit einer Werkstatt im Erdgeschoß vom Nachbarhaus. Sein Wirken ist schlag- artta. Das liegt in der Natur des Tischlerhandwerks. Das Ungesunde in unferm Verhältnis zueinander (ich bin ihm hellhörig) besteht in der Art der Uebertragung feiner Hammerschläge. Jedesmal fahre ich erschrocken auf und breche vom Erdgeschoß des Meisters getroffen lautlos zusammen. Ich habe eine genaue Kontrolle, wie viele Nägel er täglich verbraucht. Es gibt nur wenige Minuten in der Woche, da das Klopfen nicht zu vernehmen ist. Dann ist das Haus von einer himmlischen Ruhe erfüllt. Ich habe sogar ein Mittel gefunden, diese Minuten künstlich herbeizuführen. Ich brauche nämlich nur jemanden zum Ohrenzeugen des Geräusches zu machen Solange er lauscht, ist es absolut ruhig. Mäuschenstill.
Unser Tischler ist natürlich im Recht. Und daraus pocht er auch. So wird das Klopfen immer unheimlicher. Ich kann also nicht hinuntergehen und sagen: Trete er mir doch seine Werkstatt ab. Ich will's ihm lohnen. — Denn dann würde er mir lediglich antworten: „Ja, wenn das Arbeitsgericht nicht wäre!" — Als ich's das erstemal Hopfen hörte, rief ich noch ahnungslos „Herein!" Ich Tor, zu einem Hammer! Späterhin klopfte ich zurück. Ach, es war ein Klopfen auf den heißen Stein. Zuletzt wandte ich mich an meine Hausverwaltung. Diese wandte sich an den Meister, vieser wand sich wie ein Aal. An meinen Schicksalsschlägen hat sich nichts geändert. .
Am ersten April ziehe ich. Und zwar den kürzeren.
Hochschulnachrichten.
Der Dozent Dr. Alfred W i s k 0 t t an der Universität M a r b u r a wurde unter Berufung in das Beamtenverhältnis zum ordentlichen Professor sowie zum Direktor der Marburger Universitäts-Kinder- klinik und Poliklinik ernannt. — Ferner ist der ao. Professor Dr. Helmuth Kanter zum ordentlichen Professor der Geographie sowie zum Direktor des Geographischen Instituts der Universität Marburg ernannt worden.
Professor Dr. Hermann Walter, Ordinarius für Chirurgie und Orthopädie an der Universität Münster, Gaudozentenbundfühver für Westfalen- Nord, ist an den Folgen einer Lungenentzündung g e st 0 rben. Professor Walter, der früher in Würzburg und München wirkte, hat sich durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der allgemeinen Chirurgie, insbesondere der Orthopädie und Unfallheilkunde, einen Namen gemacht.


