Ausgabe 
19.3.1938
 
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Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil.

Briefe von einer Afrika-Heise.

Lon Dr. Paul Bohrbach.

Der Balte Paul Rohrbach, von Haus aus Theologe, hat mit seinem BuchDer deutsche Ge­danke in der Welt" vackend und aufrüttelnd die Blicke seines Volkes schon zu einer Zeit auf die großen weltpolitischen Zusammenhänge, ihre histo- rischen, geopolitischen und wirtschaftlichen Voraus­setzungen, gelenkt und dabei vor allem auch das ProblemStaat und Volkstum" in die richtige Be­leuchtung gerückt, als solche weltweiten und doch nicht phantastisch verstiegenen Gedankengänge dem Horizont des Durchschmttsdeutschen noch gänzlich fern lagen. Auf großen Forschungsreisen hat Paul Rohrbach fast die ganze Welt aus eigener An- chauuna kennengelernt. Aber seine besondere Liebe gehört Afrika, demSchwarzen Erdteil". Hier n Kamerun hat er zusammen mit dem ver« torbenen Gießener Hygieniker Philalethes Kuhn )ie Bedingungen der Schlafkrankheit erforscht und in Deutsch-Südwest, wo er heute Besitzer einer Farm ist, war er schon vor mehr als 30 Jah­ren kaiserlicher Kommissar für das Ansiedlungs- wesen. Rach dem Kriege wurde er der unentwegte Vorkämpfer unserer Kolonialforderung. Auf vielen neuen Reisen hat er sich perlönlich Kenntnis vom neuen Stand der Dinge in den uns geraubten afrikanischen Kolonialgebieten verschafft. Er hat darüber in einer Reihe von Reiseskizzen den Lesern des Gießener Anzeigers sachkundig und fesselnd berichtet. Run hat sich der fast Siebzig­jährige erneut auf die Reise begeben, die ihn im Laufe des Frühjahrs und Sommers über Frank­reichs nordafrikanifche Besitzungen nach den fran­zösischen und britischen Kolonien Aequatorialafrikas, dem belgischen Kongo, Deutsch-Ostafrika, der Süd­afrikanischen Union und Deutsch-Südwest führen wird. Wir haben Dr. Rohrbach gebeten, den Lesern des Gießener Anzeigers über feine Reiseeindrücke laufend zu berichten. Der erste Reisebrief ist uns soeben aus Algier zugegangen.

I. Quelle chance!

Algier, Ende Februar 1938.

Vor ein paar Tagen, als wir in Genf den Wartesaal verließen, um unfern Schlafwagen nach Marseille zu besteigen, hatte mein Sohn Justus noch eine kleine Unterhaltung mit dem Kellner, der gern wissen wollte, wohin wir führen. Die Antwort: Rach Algier!" entlockte dem jungen Mann die sehnsüchtigen Worte:Quelle chance! Welch eine Aussicht, etwas zu erleben! Unsere Aussicht war zunächst die aus eine französische Zollrevision im Abteil, die sich eine kleine Stunde hinter Genf durchaus liebenswürdig erledigte. Die zweite Aus­sicht waren einige Stunden Aufenthalt in Marseille; wir konnten sie mit Hilfe eines Taxis und eines sehr gewandten Chauffeurs aut ausnutzen. Marseille ist oft beschrieben, es ist die lebendigste aller französischen Hafenstädte. Die großen Seedampfer liegen unmittelbar vor den großen Häusern am Kai. Für die Stärke des Ver­kehrs zeugt es, daß breite Erdschüttungen in den Hafen hinein vorgenommen werden, um die Lade­gelegenheiten zu verbessern.

Die Hauptstraße ist die berühmte Canne- b i ö r e, an deren Anfang, ganz nahe beim Lan­dungsplatz, König Alexander von Jugoslawien und Barthou ermordet wurden. Unser Chauffeur schilderte uns die Schreckensszene, als ob er dabei gewesen wäre; zwei an den Straßen­kandelabern angebrachte Tafeln erinnern an das Attentat. Man macht sich seine Gedanken darüber, wie es in Frankreich vielleicht heute aussähe, wenn Barthou Leiter der französischen Politik geblieben wäre. Er war es, der in einem Augenblick, den Spätere vielleicht einmal schicksalhaft nennen wer­den, nach Deutschland hin das schroffe Rein! sprach, als es sich darum handelte, die deutsche Gleichberechtigung freiwillig anzuerkennen. Als Persönlichkeit besaß er auf jeden Fall einen Fond von Energie, den bisher keiner seiner Nachfolger gezeigt hat. Auch die innere Lage Frankreichs

könnte man sich, mit Barthou am Ruder, nicht ganz leicht so problematisch vorstellen, wie sie dem frem­den Beobachter heute zu sein scheint.

In dem Mittelmeerhafen Marseille ahnt man be­reits etwas vomgrößeren Frankreich". DieVille d'Alger", auf der wir uns vormittags einschifften, macht die mehr als 400 Seemeilen bis Algier in knapp 20 Stunden. Das ist soviel wie die Eisenbahnfahrt von einem Ende Deutschlands bis zum andern. Das Schiff ist modern und bequem, aber ohne Luxus; man fühlt, daß alles nur auf die kurze, schnelle Ueberfahrt von einem Stück Frank­reich zum andern eingerichtet ist; daß man auf französischem Boden ist, spürt man an den kulina­risch raffiniert abgetönten Mahlzeiten und dem guten Wein.Le vin compris ist selbstverständ­liche südfranzösische Art. Spät aoends passierten wir in kurzem Abstand das Feuer von Menorca und machten uns naheliegende Gedanken darüber, wieviel politische Köpfe in Europa sich jetzt wohl mit dieser alten Karthagerinsel beschäftigen, die fest- zuhalten den sowjetspanischen Machthabern bis jetzt noch gelungen ist.

Mit dem Morgengrauen kam dieChance Algier" in Sicht. Algier ist Frankreich, völliges Frankreich. Die alte wirkliche Araberstadt, die so­genannte Kasbah, ist nur noch ein Anhängsel der modernen Großstadt, die von den Franzosen hier geschaffen wurde. Im modernen Algier sind die Araber bloße Staffage. Sie zählen etwa 80 000 gegen mehr als doppelt so viele Europäer. In der Kasbah sind sie unter sich; in den Caf6s in der Europäerstadt sieht man höchstens einmal ein paar arabische Aristokraten in ihrer alten malerischen Tracht in gemessener Unterhaltung. Am Fuß der Kasbah liegt der alte Korsarenhafen, an den sich eine große, das Hafenbecken um ein Vielfaches er­weiternde, moderne Mole ansetzt. Ein viereckiger Platz, dicht am alten Hafen, ist der einstige Sklaven- markt, auf dem die menschliche Beute aus den ge­kaperten Schiffen von haw Europa noch bis vor wenig über hundert Jahren öffentlich versteigert wurde. Die algerischen Korsaren machten alle euro­päischen Randmeere unsicher (1816 erschienen sie zuletzt vor der Elbe). Die deutschen Hansestädte, das Königreich Sizilien, Portugal und noch einige andere europäische Länder zahlten einen Jahres­tribut an den Dey von Algier, damit Schiffe, die ihre Flagge führten, von den algerischen Piraten verschont olieben.

In der früheren Burg des Den, des das Land verwaltenden türkischen Paschas, hoch oben in der Kasbah, wird noch imPavillon du coup d'6ventail der Raum gezeigt, wo der Dey mit seinem Fliegen­wedel dem französischen Konsul ins Gesicht schlug. Diese Beleidigung gab 1830 den Anlaß zu der großen Strafexpedition, die zur Eroberung von Algier und zur fortschreitenden Besetzung des ganzen Landes führte. In einem arabischen Palast, dicht beim Sklavenmarkt, den im 18. Jahr­hundert ein Dey einer seiner Töchter als Hochzeits­gabe erbauen ließ, sind jetzt die Büros des katho­lischen Erzbischofs von Algier untergebracht. Die Säulenarchitektur des prachtvollen Jnnenhofs zeigt in ihren Motiven und ihrer Ausführung deutlich italienische Steinmetzarbeit. War ein Schiff mit Besatzung und Passagieren von den Korsaren ge­nommen, so wurde jeder Gefangene nach seinem Handwerk oder seiner Kunst gefragt, und je nach seiner Antwort nahm ihn der Dey für sich oder teilte ihn einem seiner Machthaber zu. Vom Ge­samterlös jedes Verkaufs bekam der Dey seine Prozente. Unter dem erzbischöflichen Palast sieht man noch die Gewölbe, in denen die am Bau arbeitenden europäischen Sklaven wie die Hunde untergebracht waren. Solange sie bauten, wurden sie aber gut ernährt. Als die französischen Truppen Algier eroberten, konnten sie Tausende von Christen- f flauen befreien. Das geschah noch zu Goethes Lebzeiten!

Die Stadt Algier liegt wunderschön. Die ganze Helle Häusermasse steigt unmittelbar vom Meeres­

ufer so steil in die Höhe, daß die Straßen, die emporführen, in langen Windungen angelegt wer­den mußten. Im schnellfahrenden Auto sackt man immerfort aus einer Wagenecke in die andere. Der Verkehr, die reich ausgestatteten modernen Läden, die vielen Neubauten, die modernen Wohnhäuser bis zu acht und neun Stockwerken hoch, sind ein Beweis für die rasche wirtschaftliche Entwicklung. Die Produktton des Hinterlandes, Getreide, Wein, Obst, Gemüse usw., ist im Steigen. Der algerische Hartweizen gilt als einer der besten der Welt. Auch für den Fremdenverkehr ist gut gesorgt. Die Rund­fahrt durch die malerische Berglandschast, die etwas landeinwärts hoch über die Stadt führt, öffnet Blicke von einer Schönheit, wie sie selbst an den begnadeten Küsten des Mittelmeeres nur selten be­

gegnet.Quelle chance! hatte der kleine Kellner in Genf gesagt, und wir mußten an ihn denken, als wir von der Höhe herab die weiße Stadt mit ihren grünen Gärten vom blauen Mittelmeer her sich aufbauen sahen. In diese Schönheit hinein hat französische Arbeit eine intensive, nicht nur städtische, sondern auch landwirtschaftliche Kultur gebracht: Weingärten, Fruchtbäume, terrassenförmige Gemüse­beete, und einen ganzen großen angepflanzten Wald von Seetiefern und Eukalypten, durch den in scharfen Kehren am Ende der Fahrt der Wagen abwärts rollt. Wirklich, ein kostbares Stück afrika- Nischen Frankreichs, das in täglichem Schnellver­kehr Menschen und Güter mit dem Mutterlands tauscht.

Wien, die vielbesungene Stadl au der Donau.

Ui

Seit Jahrhunderten hat Wien, die Stadt an der Donau, eine an Erlebnisien reiche Geschichte, die ihren Höhepunkt in den großenTagen des Führers" fand. Die zahlreichen Kirchen, Paläste und schönen Bürgerhäuser geben ihr ein einzigartiges Gepräge. Unsere Zeichnung zeigt das frühere Parlamentsgebäude mit dem davorliegenden nunmehrigen Adoli-Hitler-Platz.

Dahinter ragen die Türme des Rathauses und rechts die der Votivkirche yervor. (Zeichnung Reimesch. Scherl-M.)

Die Technik Hilst im Haushalt.

Was die Leipziger Messe zeigte.

Von unserem Zb.-Sonderberichterstaiter.

War ursprünglich die ParoleKamps dem V e r d e r b/' hauptsächlich auf den Schutz von Nah­rungsmitteln vor Verlusten gerichtet, so war d i e Leipziger Messe ein lebendiger Zeuge dafür, daß die Bestrebungen, Rohstoffe und Fertigwaren vor einem frühzeitigen Verderb zu schützen, für alle unsere Produkttonsgüter Bedeutung gewonnen haben. So sind beispielsweise zahlreiche Verfahren entwickelt worden, um Stahl und Eisen vor dem R o it zu schützen. Allein die Reichsbahn verbraucht jährlich Tausende von Tonnen an Anstrichmitteln zur Erhaltung ihrer eisernen Bkücken, Bahnhöfe und Ueberbauten. An Stelle der Oelsarben haben sich die ölarmen Kunstharzanstriche in der Praxis weitgehend eingeführt. Diese Ueberzüge sind dichter und elastischer als Oelanstrich, die Schutzwirkungen daher höher. Außer den Anstrichen sind auch verschiedene chemische Behandlungs­verfahren von Eisenblechen und eisernen Bau­teilen in Anwendung, die auf der Oberfläche eine Schutzschicht erzeugen, die den Rost abwehrt. Unter dem Namenattramentieren",bondern" und pattem" wird von diesen Verfahren ausgiebig Gebrauch gemacht. Eine andere Art des Korrosions­schutzes besteht darin, den Metallen im Schmelz­

fluß Stoffe zuzusetzen, die einen Rostschutz bilden. Bei Stahl und Eisen werden Chrom, Vanadium und Molybdän hierfür bevorzugt, bei Leichtmetallen werden Legierungen durch Zusatz von Silizium, Beryllium oder Magnesium in der Oberfläche ge­schützt. Große Werkstücke der Papier- und Textil­industrie, Kessel und Behälter größter Abmessungen für die Herstellung von Zellstoff oder Kunststoff waren aus der Leipziger Messe ausgestellt, da die Ansprüche an säurebeständige Baustoffe infolge der schnellen Entwicklung chemischer Großanlagen immer höher steigen. Wo alle Legierungen und sonstigen Oberflächenbehandlungen keinen ausreichenden Schutz gegen den Angriff von Säuren und Chemikalien mehr bieten können, dienen keramischeMassen wie Hart st eingut oder Glas als zuver­lässige Baustoffe der chemischen Industrie.

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Bremische Anekdoten und Schwänke.

Von Karl Lerbs.

Selbsterziehung.

Grünkohl, dessen aarte und unmündige Früh­lingstriebe man genußsüchtig abschneidet und verzehrt, wird in BremenSprossenkohl" genannt. Dem Bremer gilt er als Gottesgeschenk für den Gau­men. Die Einstellung des Nichtbremers zu ihm ist Glückssache.

Magst du Sprossenkohl?" wurde Tante Doris gefragt.

Tante Doris, obzwar höchstprozentige Bremerin, schauderte.

Nee", antwortete sie,den kann ich ausin Tod nicht verknusen. Dabei bin ich doch sonst gar nich so klistern. Aber ich lass'r mich nich mit her; ich koch'n dschede Woche mal."

Nachsicht.

Tante Doris hatte Freunde, die im Sommer in der Gegend von Leuchtenburg wohnten.Wunner- schön", saate sie,abern büschen schwer hinzukom- men." Infolgedessen schickte man ihr, wenn sie mal hinkam, einFuhrwerk" an die Bahn.

Als dieses Fuhrwerk, gelenkt von dem Kutscher Fiedchen Pundsack, eines Tages mit Tante Doris unterwegs war, geschah es, daß der den Wagen ziehende Braune nach längerer starker Vorberei­tung eine offenbar seit geraumer Zeit fällige Ver­richtung hinter sich brachte.

Fiedchen Pundsack erblickte darin einen Verstoß gegen die guten Sitten.Nehmen Se's vielmals nich für ungut, Madam", sagte er errötend.

Tante Doris winkte großzügig ab.

"Lass'n man", sagte sie. ,Zscha rein menschlich."

Das Plüschsofa.

Ihr ganzes Leben lang mareii Tante Beta und Tante Meta befreundet, und allen Brandungs­wellen, die das Schicksal zuweilen selbst in die ru­higsten Daseinsbezirke hinüberspült, hatte diese Freundschaft standgehalten. Kleine Unterschiede des Temperaments hatten die Jahrzehnte langsam ein­geebnet; beide warengut sitewier" (Tante Beta am besten), beide hatten nicht geheiratet. Tante Beta war genau ein Jahr älter als Tante Meta.

Als Tante Meta siebzig wurde, kam Tante Beta zu ihr und sagte in der Rührung, wie der festliche Tag sie mit sich brachte:

Meta, ich werd dscha wohl eher sterben als

du, weil ich dscha älter bün. Ich hab ümmer viel von dir gehalten, und du kannst dir dscha auch manches nicht so leisten; deshalb hab ich mir ge­dacht, mein rotes Plüschsofa, wo wir so oft auf gesessen haben, das sollst du erben. Wenn ich'r denn nich mehr bün, und du sitz'r denn auf, dann denkst du an mich und stellst dir vor, wir säßen'r noch beide."

Beta", sagte Tante Meta unter Tränen,so was sollst du nich sagen, und ich kann das dscha auch gar nich wieder gutmachen. Du bist dscha im­mer meine Beste gewesen, und ich meine, unter richtigen Freundinnen soll es keine Geheimnisse geben. Ich hab abern Geheimnis m?r dir. All lange."

Zo?" sagte Tante Beta und hörte plötzlich ganz nippe zu.

Dscha. Kannst du dich wohl noch auf unfern Tanzlehrer besinnen?"

Besinnen!?" antwortete Tante Beta traum­verloren.In den waren wir dscha alle verliebt."

Verliebt dscha", bestätigte Tante Meta, und in ihrer Stimme schwang ein ganz leiser, ganz heimlicher Triumph.Verliebt dscha; aber i ch yab'rwas mit gehabt."

Tante Beta fuhr steil auf.

I Dschases!" schrie sie, stülpte ihren Kapott- hut auf und knallte die Tür hinter sich zu. Es krachte wie ein Kanonenschuß auf dem Grabe einer sechsundsechzigjährigen Freundschaft.

Tante Beta starb genau ein Jahr vor - Tante Meta. Das rote Plüschsofa hat der Verein zur Rettung Schiffbrüchiger geerbt.

Aufgehobene Wirkung.

Während drunten auf der Bühne Egmonts und Klärchens Schicksal nach düsterem Gesetz sich voll­endete, erhob sich droben im zweiten Rang ein un­mäßiges Getöse; es war, wie sich beim Hellwerden ergab, dadurch verursacht worden, daß Frau Tüdel- mann die Vertilgung ihres umfänglichen Abend­brotes vorbereitete und vollzog.

Frau Tüdelmann, die sich über die Ursache der auf sie gerichteten vorwurfsvollen Blicke durchaus klar war, sich aber nicht im Unrecht fühlte, gab, liebevoll die auf ihrem Schoß ausgebreiteten Lebensrnittel ordnend, folgende Begründung ihres Verhaltens:

Ich seh dscha gar nicht gern so'ne traurigen Stucke, aber ich hab dscha nu mal das Abonnemang, und denn geh ich'r denn dscha auch hin. Zueers geht es denn dscha auch. Aber wenn es denn so ganz schlimm wird mit die Traurigkeit, denn kann ich das nich ab; und wenn ich'r denn so richtig gegen anefle, denn hör ich nix vom Stück,"____

Das Unglück schreitet schnell.

Als derjunge Mohrmann", der durch Mitwir­kung im Geschäft seines Vaters einen nicht unbe­trächtlichen Teil der östlichen Vorstadt mitKolo­nialwaren" versorgte, in seinem verhältnismäßig biederen Herzen eine Neigung für eine Nachbars- tochter feststellte, kam es eines Morgens im Laden unversehens zu einigen nennenswerten Zärtlich­keiten. Der junge Mohrmann glaubte sich unbe­obachtet; aber es ergab sich alsbald, daß Frau Hornkohlvon gegenüber", gedeckt durch den Sta­pel der Büchsen mit fobenfreien Brechbohnen, den Vorgang mit angesehen hatte.

Der junge Mohrmann kriegte einen furchtbaren Schreck. Sein Gewissen war zwar noch rein, und er zielte auf Legitimes. Aber er hatte allen Grund, die Familienlage keineswegs als geklärt anzusehen. Infolgedessen begab er sich ehestens zu Frau Horn­kohl und bat sie, die gewonnene Kenntnis einst­weilen für sich zu behalten.

Och, dascha schade", sagte Frau Hornkohl mit ehrlichem Bedauern.Wenn ich das man gewußt hätte! Was mein Tochter Line is, die iffer gerade mit los!"

Fallschirmabsprung aus -10200 Meter Höhe.

Seinem ersten Absprung mit dem Fallschirm aus 8400 Meter Höhe hat der französische Flieger James Williams auf dem Flugplatz von Chartres einen noch erstaunlicheren Rekord folgen lassen, indem er das Wagnis aus 10 700 Meter Höhe unternahm. Der siebenundzwanzigjährige Franzose, dessen wahrer Name James Niland ist, hat damit den 345. Absprung vollzogen. Er hat sich schon früh diesem Zweig in der Fliegerei gewidmet und sorg­fältige Vorbereitungen mit dem ihm befreundeten Ingenieur Alexandre getroffen, mit dem er zu­sammen die Atmungs- und Meßapparate, die er bei dem Absprung braucht, erprobte. Als man ihn fragte, welche Eindrücke er während der 2 Minuten 50 Sekunden, in denen er aus der Höhe der Strato­sphäre auf den Erdboden niederkam, gehabt habe, erzählte er:Am Morgen hatten wir einen ersten Versuch gemacht, der mißlang. Wir waren auf 9000 Meter gestiegen, aber die Barometer waren mit Reif bedeckt. Am Nachmittag machte ich einen neuen Versuch. Es war 16 Uhr, und der Tag ging lang­sam zur Neige. Als der Höhenmesser 10 700 Meter anzeigte und ich von Bord gina, war es sehr schön, bi« Sicht pai Ausgezeichnet. Abex ich hatts nicht

viel Muße, nach der Erde zu suchen, sondern ich mußte während des Sturzes die Augen fest auf meine Apparate gerichtet halten und genügend Willenskraft bewahren, um nicht ohnmächtig zu werden. Das Wesentliche war, mich in einer guten Lage zu erhalten und in meinem besonderen At­mungsapparat ruhig zu atmen. Da der Russe, der bisher den Rekord in der verzögerten Deffnung des Fallschirms hielt, ihn erst bei 200 Meter vom Boden geöffnet hatte, mußte ich ihn in noch geringerer Hohe öffnen. Es war also bei 90 Meter, daß ich die Schnur zog, und wenige Sekunden darauf lan­dete ich ohne Unfall. Ich bin auch vollkommen ge­sund. Die Aerzte des Forschungslaboratoriums haben dies bei der Untersuchung festgestellt." Auf die Frage, ob er während des Sturzes in den großen Höhen keinerlei Bedrängnis empfunden habe, erwiderte Williams:Nein, nicht einen ein. zigen Augenblick. Aber man mußte sich schon zu­sammennehmen ..."

Zeitschriften.

Im Märzheft vonW eftermanns Mo­natsheften" führt Erich von Hartz aus Anlaß des Richard-Wagner-Gedenkjahres zum Verständ­nis der Musikdramen des Meisters. Eine reich be­bilderte Darstellung vermittelt Kenntnis von bür­gerlicher Heraldik. Edith Mikeleitts spricht an Hand ausgezeichneter Bilder über die Bedeutung des menschlichen Auges als Spiegel der Seele. Erwähnt seien noch eine aus der westfälischen Landschaft er­wachsene Novelle von Günther StöweDas Ge­sicht der Nacht", eine Erzählung von Gösta af Gei- jerftamDie ersten Primeln", ferner Das Wetter der Zukunft, Liebesringe Schicksalsringe, Zünftig Tracht und Handwerk, Ostfriesische Häfen, Das Gesicht des unbekannten Soldaten, Forschergeist und Forscherglück und zahlreiche Kunstbeilagen.

Dem verstorbenen Altmeister der Rassenfor­schung Ludwig Schemann widmet im Märzheft der ZeitschriftVolk und Rasse" (I. F. Lehmanns Verlag, München 15) Dr. Ruttke einen Nachruf, der die Leistungen Schemanns als Kulturphilosoph und Rasseforscher, als politischer Denker, alsKünst- ler und als Mensch schildert. Dr. Wolfgang Knorr vom Rassepolitischen Amt berichtet in feinem Aus­flußPraktische Rassenpolitik" über die bisherigen Ergebnisse bei der Verhinderung des Eindringens Fremdrassiaer und bei der Unterbindung der Fort­pflanzung Erbuntauglicher. Kleinere Beiträge zeigen Ein halbes Jahrhundert Geburtenlinie im Reiche und in Sachsen" oberDeutsch-Südwest. Eine neus Heimat der Nordischen Rasse."