Ausgabe 
19.3.1938
 
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Nr. 66 Stnettes Blati

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

19./20.mär5l938

Umbildung des Prager Kabinetts

Prag, 18. März. (DNB.) Verhandlungen um eine Umbildung des Prager Kabinetts, die Ministerpräsident Hodscha am Donnerstag überraschend ausgenommen hatte und die in den Abendstunden soweit gediehen waren, daß man im Laufe der Nacht das Ergebnis erwarten konnte, scheinen auf Schwierigkeiten gestoßen zu sein. Obwohl es sich um keine personellen Veränderungen, sondern nur um einen Ressortaustausch innerhalb der Regierungsmehrheit handelt, in die noch die Tschechische Nationale Vereinigung mit einem Minister ohne Portefeuille ausgenommen werden sollte (Abgordnete Jezek), sind die Verhand­lungen noch nicht beendet. Wie aus Andeutungen der Presse zu entnehmen ist, haben sich die Schwie­rigkeiten im Lager der deutschen Regierungsparteien ergeben. Hier wurde der Ersatz des marxistischen Ministers Czech durch den Abgeordneten Jak sch erörtert. Obwohl die Nachrichten von einem Regie­rungsaustritt desB u n d e s der Landwirte" sofort dementiert worden waren und ein solcher auch nicht zu erwarten steht, ist diese deutsche Split­terpartei zu einem Unruheherd in der Regierungs­mehrheit geworden. Die deutschen Christlich- Sozialen und die deutschen Marxisten sind über das Ausscheiden desBundes der Landwirte" aus derAktivistenzentrale ernstlich verstimmt. Die Beratungen gehen weiter, wobei es wesentlich davon abhängt, ob es dem Ministerpräsidenten Hod­scha gelingt, die drei deutschen Regierungsparteien zu beruhigen.

Die starren Parteigruppierungen in der Tschechei kommen jetzt infolge des großen außenpolitischen Wandels in Bewegung. Es ist für Demokratien be­zeichnend, daß, sooft auch die Ministerien wechseln, die grundlegenden Parteien-Gruppierungen starr bleiben, wobei höchstens die eine oder die andere Partei in die Reserve-Stellung der Politischen Er­holungspause geht. Konrad Henlein hat soeben einen Aufruf an alle Sudetendeutschen erlassen, die Split­terparteien zu verlassen, die sichaktivistisch" nann­ten, weil sie in der tschechischen Regierung mittaten und den Tschechen damit den Wandschirm für die Unterdrückung der Sudetendeutschen stellten. Der Bund der Landwirte hat bereits seinen Austritt aus deraktivistischen" Zentralstelle der Regierungs­parteien angekündigt, die Christlich-Sozialen stehen vor demselben Entschluß, und selbst die deutsch sprechenden Sozialdemokraten schwanken heftig. In­zwischen aber marschieren die bisher abseits stehen­den deutschen Wähler, ihren Parteihäuptern an Instinkt weit überlegen, schon massenhaft in die Sudetendeutsche Partei ab. Die tschechische Regie­rung sucht unter solchen Umständen, die S l o w a - k e n zum Eintritt in die Regierung zu bewegen. Das Verhandlungsgewicht sowohl der Studeten- deutschen wie der oppositionellen Slowaken steigt mit jeder Stunde!

Die polnische Rote an Litauen.

Warschau fordert Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

K o w n o , 19. März. (DNB.) Unter der Ueber- schriftUltimatum der polnischen Regierung" ver­öffentlicht der halbamtlicheLietuoos Aidas" Frei­tag nachmittag den Inhalt der gestrigen polnischen Note. Darin heißt es, daß die polnische Regierung den litauischen Vorschlag vom 14. März über Aufklärung des Grenzzwischenfalls und Ver­meidung ähnlicher Zwischenfälle mit der Begrün­dung a b l e h n t, daß der litauische Vorschlag nicht genügend Garantien für die Sicherheit gebe, insbesondere mit Rücksicht auf das negative Ergeb­nis aller bisherigen» Bemühungen, zwischen Litauen und Polen Verhandlungen einzuleiten. Polen ver­lange seinerseits bedingungslos die Auf­nahme diplomatischer Beziehungen. Zur Erfüllung dieser Forderung wird der litauischen Regierung eine Frist von 48 Stunden ein­geräumt, während der auch eine Antwort auf die Forderung erteilt werden muß, daß die beiderseiti­gen diplomatischen Vertreter in Kowno und Warschau späte st ens am 3 1. März d. I. akkreditiert fein müssen. Bis zu diesem Ter­min müssen alle technischen Fragen zwischen dem litauischen und dem polnischen Gesandten in Reval erledigt werden.

In der Note wird ferner darauf hingewiesen, daß die polnische Forderung nicht Gegenstand von Aus­einandersetzungen sein kann und von der litauischen Regierung unabgeändert angenommen werden muß. Sollte die litauische Regierung keine Antwort erteilen oder Vorbehalte oder Ergänzungen machen, so würde ein solches Verhalten von der polnischen Regierung als Ablehnung betrach­tet werden. In diesem Falle würde die polnische Regierung die Interessen ihres Staates m i t eigenen Mitteln s i ch e r st e l l e n. Polen verlangt ferner, daß für seine Vertretung in Kowno normale Bedingungen garantiert wer­den und vom 31. März ab die Möglichkeit des Ver­kehrs mit der eigenen Regierung auf dem Land-, Luft- und Wasserwege, ebenso wie der Post-, Tele­phon- und Telegraphenverkehr zugestanden wird. Dasselbe wird der litauischen Vertretung in War­schau von polnischer Seite zugestanden.

Chamberlain hält Cinschaltung der Genfer Liga für unzweckmäßig

London, 18. März. (DNB.) Jrn Unterhaus fragte der Labour-Abgeordnete Noel Baker, ob die britische Regierung angesichts des gegenwärtigen Streites zwischen Polen und Litauen sofort den Genfer Rat gemäß Artikel 11, Absatz2, ein­berufen und vorschlagen wolle, daß der Rat auf Grund des Verfahrens vorgehen solle, das in einem ähnlichen Streit zwischen Bulgarien und Griechen­land im Oktober 1925 einen Krieg verhindert habe. Der Premierminister antwortete, die bri­tische Regierung befinde sich mit den beiden be­troffenen Regierungen in Fühlung. Die bri­tische Regierung sei aber gegenwärtig nicht d a - von überzeugt, daß das Verfahren, das Noel Baker Vorschläge, schnell genug sei, um wirksam z u sein, und bezweifle auch, daß es sich um das b e ft e Verfahren handele, das man anwenden könnte. Sie beobachte jedoch die Entwicklung genauestens. <

Neue Gchnellflugboote

für den britischen Fernlustverkehr

London, 18. März. (DNB.) Die Imperial Airways, die den Luftverkehr von England ins Empiregebiet versieht, wird für den 10. April eine

daß mit der Wiederaufbauarbeit in Oesterreich be­gonnen werden kann. Während im Reich innerhalb von fünf Jahren die Arbeitslosigkeit praktisch nicht nur vollkommen verschwand, sondern sogar ein Mangel an Facharbeitern eintrat, hatte das selbständige Oesterreich eine Arbeitslosen- Ziffer von rund 3 0 0 0 0 0, wozu natürlich noch die ins Reich wegen ihrer nationalen Gesin­nung Geflüchteten, die der Führer auf 40 000 an- gab, zu rechnen waren. Es wird der nationalsozia­listischen Energie in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit gelingen, allen Oesterreichern ausreichend Brot zu geben und damit unsere deutschen Brüder in den gewaltigen Produktionsprozeß des um die österreichische Wirtschaft erweiterten Vierjahresplans einzubeziehen. Das Prinzip:Durch Produktions« fteigerung zur Vergrößerung der Güterdecke und des Anteils, den jeder Deutsche an dieser vermehrten Produktion hat" hat sich im Reiche so bewährt, daß seine Uebertragung auf die österreichischen Ver­hältnisse gerade von den unter Arbeitslosigkeit lei­denden Massen als wirtschaftliche und soziale Be­freiung begrüßt wird.

Der österreichische Erzbergbau, der Kupferberg­bau, die Bleigewinnung, die Ausbeutung der un­genutzten Wasserkräfte, die Wiederherstellung und der Neubau von Straßen, Land- und Forstwirt­schaft, werden sich jetzt in einem ganz anderen Aus­maß betreiben lassen, so daß das Reich auch den Oesterreichern Brot, Arbeit und eine würdige Ge­staltung des Daseins zu geben vermag. rt. Reis eland Oesi erreich imFrüpja' r

Wer seinen Urlaub in die Frühjahrsmonate legen kann, wird in Oesterreich auf seine Kosten kom­men. Die Gegend zwischen Graz und Klagenfurt, also die untere Steiermark und Kärn­ten, liegen etwa in derselben Breite wie Genf. Der Zusammenklang in den Farben des Himmels, der Schneeberge, der blauen Wälder in der Ferne, der junggrünen Aecker und Wiesen ist wundervoll.

neue Flotte von Flugbooten in Dienst stellen, die eine Stundengeschwindigkeit von 200 Seemeilen entwickeln. Mit diesen Flugzeugen soll es möglich werden, die Linie England Aegypten in etwas früher als einen Tag, die Linie nach Singapur in fünf Tagen und zwei Stunden und nach Brisbane (Australien) in knapp neun Tagen zu fliegen.

Sie Verstärkung der amerikanischen Marine-Lustwaffe.

Washington, 19. März. (DNB. Funkspruch.) Das Abgeordentenhaus nahm am Freitag einen Zusatz zur 1,12 - Milliarden - Dollar- Flottenvorlage an, nachdem die in der Vor­lage vorgesehene Zahl von 3000 Marineflugzeugen nicht als Höchstzahl, sondern als Mindest zahl gelten soll Die Marine hat zur Zeit 2050 Flug­zeuge. Ein Antrag, aus der Flottenvorlaae den Pa­ragraphen zu streichen, der die Fortsetzung der Versuche mit Luftschiffen und die Bewil­ligung von 3 Millionen Dollar für den Bau

eines neuen Luftschiffes als Ersatz für die Los Angeles" vorfieht, wurde abgelehnt.

Olympischer Pokal

für die Deutsche Arbeitsfront.

Kairo, 18. März. (DNB.) Das Internationale Olympische Komitee beschloß auf seinem auf dem NildampferVictoria" veranstalteten Kongreß, den Olympischen Pokal für das Jahr 1938 der Deut­schen Arbeitsfront für ihre hervorragen­den Leistungen aus dem Gebiete der Freizeitgestaltung durch die NS.-Gemein- schaftKraft durch Freude" zuzuerkennen. Der von dem verstorbenen Ehrenpräsidenten des IOK., Baron Pierre de Coubertin, 1906 gestiftete Pokal wird alljährlich an einen Sport­verein oder Sportverband vergeben, der sich auf dem Gebiet der Jugenderziehung besonders hervorgetan hat. Deutschland erhielt den Olympischen Pokal bereits zum dritten Male. 1909 wurde er der Deutschen Tumerschast, 1932 der Hochschule für Leibesübungen und 1938 der Deutschen Arbeitsfront zuerkannt.

Erfolgreiche Werstprobe desWilhelm Gustloff

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Hamburg, 16. März. (DNB.) Das neue auf der Werft von Blohm & Voß gebauteKdF."-- UrlauberschiffWilhelm Gustloff", das am Diens­tag nachmittag zur Werftprobefahrt in See gegangen war, hat nach zwölfstündiger Fahrt am Mittwochabend an der Ueberseebrücke im Hamburger Hafen festgemacht, wo es bis zur Ab­nahmeprobefahrt liegenbleiben wird. An der Werft­

probefahrt, die in jeder Weise erfolgreich verlaufen ist, nahmen Vertreter der Bauwerft und der Hamburg-Süd, die das Schiff bereedert, sowie Techniker und sonstige Fachleute teil. Das schmucke Schiff war während seiner Fahrt auf der Elbe überall Gegenstand lebhaftester Bewunderung.

(Scherl-Bilderdienst-M.)

.......)er Tal jetzt auch in Oesterreich

Gauleiter Bürstel besuchte Wiener Clendsgebiete.

Wien, 18. März. (DNB.) Gauleiter B ü r ck e l stattete den Elendsquartieren von Breitensee einer der Notsiedlung Wiens einen überraschen­den Besuch ab, um einen unmittelbaren Eindruck von den sozialen Verhältnissen zu gewinnen. Das Bild, das sich dem Gauleiter bot, war grauener­regend. In einer ehemaligen Waschküche, die heute von fünf Personen als Wohnraum benutzt wird, lag ein Schwerkriegsbeschädigter in seinem Bett. Auf die Frage nach seinem Einkommen erklärte er, daß seine kleine Rente (72 Schilling monatlich) für die ganze Familie ausreichen müsse. Da der Hunger mit der Zeit unerträglich wurde und für seine Söhne keine Arbeit zu finden war, habe er einen Vorschuß verlangt. Dieses Gesuch war abgelebt worden.

In einer anderen Baracke betrat der Gauleiter eine Wohnung, bestehend aus einer Küche und einem Zimmer. Die Küche diente vier, das Zimmer sechs Personen als Wohnraum. Nur vier von den zehn Personen bezogen die Arbeitslosen­unterstützung. Eine andere Baracke in dieser freud­losen Siedlung gehörte einer Jüdin. Sie hat in der

einen Hälfte eine Eisfabrik, die zweite Hälfte ver­mietete sie an arme Teufel. Aus dieser zweiten Hälfte der Baracke bezieht sie eine Miete von 480 Schilling monatlich. (!)

Ein junger Mann, der seit Jahren vergebens nach einer Beschäftigung sucht, erzählte, daß er g e - meinsam mit weiteren sechs Personen in einemRaum wohne und daß alle sieben zusammen 22 Schilling an Arbeitslosen­unterstützung bezogen. Ein anderer erklärte, daß er mit neun Personen in zwei Räumen wohne, mit 600 Schilling Miete im Rückstand und seit sechs Jahren ausgesteuert sei. Die Aermsten der Armen, die hier in diesen furcht­baren Behausungen ihr klägliches Dasein fristen, grüßten den Gauleiter bei seinem Besuche mit rührender Ergriffenheit. Es ist das erstemal, daß ihnen die Hoffnung auf eine energische Hilfe eröffnet wird. Der Gauleiter und seine Be­gleiter verließen sichtbar tief beeindruckt diese Stätte des Elends, die bald nur noch ein böser Traum der Vergangenheit sein wird.

RUHL Sehersweg Nr. 67

adiO Telephon Nr. 3170

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Wer etwa durch den mächtigen Tauern-Tunnel in Nord-Kärnten einfährt, fühlt den Lufthauch einer südlicheren Landschaft, auch wenn gerade dieser Teil Kärntens mitten in den Hochalpen liegt. Drun­ten aber, in Villach und Klagenfurt, kann sich die Sonne austoben. In der Uebergangszeit vom Vor« ftühling zumwunderschönen Monat Mai" emp­fiehl sich auch eine Fahrt mit den Donau­dampfern von Regensburg oder Passau oder Linz nach Wien. Das Vor-Älpengebiet mit den hohen Bergen im Hintergrund ist ein Traum­land für. den Wanderer, der sich entspannen will, ohne Hochtouren zu machen.

Umgliederung des Neichskriegerbundes

Berlin, 18. März. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht teilt mit:Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat eine Umglie- öerung des Reichskriegerbundes (Kyft- Häuser) angeordnet mit der Maßgabe, daß die jetzt bestehenden Bünde der Wehrmacht in den neuen Reichskriegerbund (Kyffhäu- f e r) a u f g e h e n. Dieser neue Reichskriegerbund wird dem Führer unmittelbar unter­stehen und von allen sonstigen Bindungen gelöst. Die Umgliederung wird bis zum 30. September 1938 durchgeführt. Ausführungsbestimmungen fol­gen. Es soll für die Zukunft durch diese Maß­nahmen sichergestellt werden, daß sich alle ehe­maligen Soldaten zusammenschließen und kameradschaftlich zusammenhal- t e n. Vater und Sohn gehören dabei künftig dem gleichen Bunde an. Alle, die im Krieg oder Frieden den grauen Rock trugen, werden gemeinsam in Erinnerung an ihre Dienstzeit soldatische Kamerad- schäft pflegen. Zwischen den ausgeschiedenen Ange­hörigen der alten Armee und Marrne, der Reichs­wehr und der neuen Wehrmacht wird auf diese Weise ein engerZusammenhang hergestellt, der auch die Pflege der Kameradschaft zwischen dem Stammtruppenteil und seinen ehemaligen Ange­hörigen ermöglicht. Zum Reichsführer des NS.- Deutschen Reichskriegerbundes (Kyffhäuser) hat der Führer den Oberst a. D. Reinhardt ernannt Der Bund erhält vom Führer und Reichskanzler seine Richtlinien." Wie zu der Umglied-rung be- kannt wird, wird die NSKOV. von dieser Neu- regelung nicht berührt

Arbeit und Vrot für die österreichische Wirtschaft.

Die Angleichung der österreichischen Schilling- an die deutsche Markwährung ist vollzogen worden. Für 1 Reichsmark werden 1,50 Schilling gegeben. Dieses Verhältnis wurde gewählt, um frei von allen bisherigen Schwankungen den Schilling a l s stabiles Zahlungsmittel zu sichern, bis etwa am 1. Mai nur d i e Markwährung in ganz Deutschland eingeführt wird. Die währungs­technischen Ueberlegungen, die zur Wahl dieses Ver­hältnisses führten, waren nicht allein ausschlag­gebend, sondern es spielten wirtschaftliche und fojiale Momente hinein. Die Rentner und Pensio­näre, die Festbesoldeten und Sparer des alten Oesterreich werden nämlich durch das neue Wäh­rungsverhältnis gegenüber dem früheren schwan­kenden Zustande des Schillings gesichert und etwas besser gestellt als früher. Die österreichische Ar­beiterschaft wird ebenfalls große Vorteile von dem neuen Währungsverhältnis haben. An und für sich hatte man die Möglichkeit, entweder durch Lohn­erhöhungen die Bewertung des Schillings den veränderten Verhältnisfen anzupassen oder diese allgemein gültige Währungsregelung vorzu­nehmen. Lohnerhöhungen hätten zu einer Atomisie­rung der österreichischen Wirtschaft im jetzigen Ueb'ergangsstadium geführt. Was einzelne Gruppen durch diese Lohnerhöhungen gewonnen hätten, hätten andere, wie die Sparer usw., wieder ver­loren. Mit Lohnerhöhungen ohne Rücksicht auf die Produktion hat man so üble Erfahrungen gemacht, daß man dieses Experiment vermied. Dafür ist aber der Lohn des österreichischen Arbeiters schon in der Uebergangszeit durch die sehr günstige Beziehung des Schillings zur Mark praktisch kaufkräf­tiger geworden.

Die Währungsangleichung hat selbstverständlich das Verschwinden oder vielmehr die Unterstellung der österreichischen Nationalbank unter die Reichsbank zur Folge. Die österreichische Natio­

nalbank wird unter Uebernahme des Personals auf das Reich künftighin nur als Filiale der Reichsbank fungieren. Der Bestand der öster­reichischen Nationalbank an Gold und Devisen be­trug am 28. Februar 1937 242,8, am 28. Februar 1938 aber 243,3 Millionen Schilling. An Schilling­noten waren im Umlauf am 28. Februar 1937 - 892,5, em Jahr später 953,4 Millionen Schilling. Die durch Artikel 3 der bisherigen Bundesverfassung getroffene Maßnahme, nach der nur die öster­reichische Notenbank schriftlich über die Verbringung in- und ausländischer Valuten ins Ausland entschei­det, wird aufrechterhalten mit der Maßgabe, daß als Ausland selbstverständlich heute nicht mehr das Deutsche Reich gilt. Das hat vor allem die Folge, daß Üer Reiseverkehr nach Oesterreich aus den anderen deutschen Ländern freige- geben wird. Bisher waren die Devisenschwierig­keiten, die für Deutschland sowohl wie für das alte Oesterreich bestanden, ein Hemmnis für die vielen Deutschen, die Oesterreich früher als Reise- und Er­holungsland liebten. Darunter hat natürlich das österreichische Beherbergungs- und Fremdenver- kehrsgewerbe schwer gelitten. Jetzt wird der deutsche Touristenstrom, der vor der Devisenregelung in der österreichischen Volkswirtschaft eine hervorragende Stellung einnahm und den Hauptanteil an der Ge­samtheit der Oesterreichfahrer bildete, die Fremden- inimftric Oesterreichs zu neuer Blüte bringen. Da­mit ist selbstverständlich eine Hebung des Umsatzes der österreichischen Bahnen und der sonstigen Ver­kehrseinrichtungen verbunden. Tirol, Steiermark und Kärnten warten bereits darauf, die Gäste aus den anderen Gebieten des Deutschen Reiches zu empfangen, und die Arbeitslosigkeit gerade in dem Beherbergungsgewerbe wird zurückgehen.

Denn auch Oesterreich wird in den Vier­jahresplan einbezogen, und die erforder­lichen Vorbereitungen sind schon jo weit gediehen. I

Die neue Luftschiffhalle im Flughafen Rhein Main.

Mit dem Richtfest der neuen Luftschiff- Halle ist eine weitere Etappe im Ausbau des Flughafens Rhein-Main vollendet. In die neue Halle wird das Luftschiff LZ 130 nach feiner Vollendung gebracht werden. Der Luftschiffhafen ist auf 545 Hektar vergrößert worden. Nach einer Bauzeit von etwa eine halben Jahr wird die neue Halle II vollendet fein. Sie ist 305 Meter lang, 60 Meter breit und 56 Meter hoch. Unmittelbar neben der Halle entsteht ein 44 Meter hoher Gas- behälter zur Aufnahme von 14 000 Kubikmeter Heliumgas, eine Heliumreinigungsanlage, Kom­pressorgebäude usw. Auf Wunsch des Gauleiters Sprenger werden alle Gebäude der Landschaft architektonisch angepaßt, wobei der Landesleiter der Reichskammer der bildenden Künste, Professor Lieser (Darmstadt) beratend zur Seite steht. Von der am Luftschiffhafen vorüberführenden Reichs- autobahn wird eine Zubringerstrecke nach der neuen Halle gebaut.

Wetterbericht

Die Wetterlag« zeigt auch weiter nur geringe Storungszonen, öu bisher im Nordwesten der bri- tischen Insel Regenwetter bringen, sie gewinnen aber auf das Festland hin keinen Einfluß. Daher wird über das Wochenende hin noch das vorherr­schende Wetter erhalten bleiben, wobei es jedoch in öen Morgenstunden in zunehmendem Maße zu Nebelbildungen kommt.

Aussichten für Sonntag: Morgens vielfach Nebel, tagsüber überwiegend heiter, trocken, nach kalter Nachr Tagestemperatur unverändert mild, südwestliche Winde.

Lufttemperaturen am 18. März: mittags 14 Grad Celsius, abends ,5 Grad: am 19. März: morgens 1,9 Grad. Maximum 14,4 Grad, Minimum heute nacht 0,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefs am 18. März: abends 8,3 Grad; am 19. Vbärz: mon gens 5,6 Grad Celsius.