Ausgabe 
19.2.1938
 
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Hr.42 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberbessen)

IO./20. Februar 1958

Untere Soldaten im Gelände der Winterübung bei Gießen.

Wieder ein interessanter Manövertag bei den Truppen der Garnisonen in Oberhessen. Kämpfe vom Morgen bis zur Mrtte des Nachmittags.

(23on unterem im Uebungsgelände weilenden Mitglied der Schristlettung)

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Freitag früh 6 Uhr. Hell leuchtend steht der Mond noch am Himmel. Einige Männer der Gie­ßener Presse machen sich m Begleitung des Stand­ortoffiziers bei der 9. Division, Oberstleutnant Lange, in Gießen auf die Fahrt in das Ge­lände südlich von Gießen zur großen Winter­übung der Truppen der Standorte Gießen, Wetzlar, Butzbach, Friedberg, Büdingen und Geln­hausen. Bei der Fahrt in dem offenen Wagen weht ein arg kalter Morgenwind um die Nase, der im Schutze der Waldungen noch einigermaßen er­träglich ist, aber im freien Gelände und nament­lich auf dem Wege über die Höhen bis ins Ge­bein erschauern läßt. Dennoch gehts voll froher Erwartung hinaus zumSchlachtfeld", weil die Pressemänner von ihrem Begleiter bei Beginn der Fahrt hören konnten, daß der Tag interessante militärische Ereignisse bringen werde.

Bereits kurz hinter der Stadtgrenze, in der Nähe der Waldkaserne, treffen wir die ersten Teile unse­rer Soldaten. Es handelt sich um eine kleinere Ab­teilung, die für Sonderausgaben nod) im Anmarsch zur Front ist. In der Nähe des Forsthauses Hoch­wart und am Waldrand der Straße in Richtung e i n b a d) passieren wir die vorderste Linie von Blau, die an dieser wichtigen Stelle zur Sicherung der Straße ein Panzerabwehrgeschütz zum Empfang des Feindes gut getarnt in Stellung gebracht hat. Von dem Feind ist aber zunächst noch nichts zu sehens einstweilen frieren die Männer von unserm JR 116, in der eisigen Morgenlust herumstehend, genau so, wie wir in dem schnell dahinjagenden Wagen auch allerlei Frostbeißen empfinden, lieber Steinbach geht die Fahrt gen L i ch und bei dem Ortseingang gleich rechts herum in Richtung Butzbach. Kurz hinter der Bahnüberfüh­rung am Stadtrand von Lich treffen wir, einsam am Rand des Straßengrabens stehend, neben einer

Flagge einen Mann unserer 116er als Markie- rungsposten, der dort mit seiner Flagge die vorge­schobenen Teile der angenommenen Frontecke von Blau darstellt. Einige Fragen unseres Begleit­offiziers an den Mann werden von diesem sehr präzis beantwortet, und die Antworten zeigen, daß er über seine Funktion und über den Stand der Lage gut im Bilde ist. Zurück geht die Fahrt über das Städtchen Lich in Richtung Langsdorf, aber zunächst wird noch einmal bei dem vorge­schobenen Poften von Blau am Südostausgang von Lich kurz Halt gemacht, um die Lage an dieser Stelle zu hören. Dann gehts im schneidenden Morgen­wind bei anbrechendem Tageslicht weiter bis halb­wegs Langsdor fH ungen, um dort den Anmarsch des als Verstärkung für Rot bestimmten MG.-Batls. 3 aus Büdingen zu beobachten. Wir müssen jedoch an dieser Stelle Fehlanzeige registrie­ren, denn das Bataillon hat, wie wir erst später auf dem Gefechtsstand der Leitung hören, den Weg quer durch die westliche Wetterau über die Blo- felder Berge nehmen müssen. Unsere Fahrt geht über Birklar zurück nach Kloster Arnsburg und von dort in Richtung E b e r st a d t. Und hier kommen wir kurz nach 7 Uhr in den Aufmarsch des nach Norden in Richtung Dohf-GillGarbenteich vor­stoßenden MG-Bataillons 3 Büdingen hinein.

Dicht bei Hof-Güll stehen die in Richtung Lich sichernden Postierungen des MG.-Batls. 3 Auf der Straße von Eberstadt und von Münzenberg her sind die Kompanien des Bataillons in flotter An­

fahrt zu ihrer Einsatzstelle begriffen. MitTempo- Tempo" sausen die motorisierten Kräfte über Eberstadt nach Dors-Gill und darüber hinaus bis in die Gegend der Autobahn bei Garben- t e i cf). Während wir Pressemänner nach dem Standort der Leitung auf den Steinbergen bei Münzenberg fahren, um dort m der Zentrale den Stand der Lage zu hören, über den der General­stabsmajor Bork einen aufschlußreichen lieben blick gibt, sind die Kompanien des MG.-Batls. 3 in der Nähe der Bahnstrecke und der Reichsautobahn bei Garbenteich mit den aus Richtung Gießen süd­lich und südwestlich vorgehenden Kräften des Jnf.- ReHts. 116 gegen 8 Uhr in Gefechtsberührung ge­kommen. Auf' dem Frontabschnitt sind die Kriegslage für die Gefechtshandlung haben wir in unserm gestrigen telefonischen Bericht aus Dorf- Gill bereits mitgeteilt starke Feuerkämpfe im Gange. JDie Maschinengewehre sprechen das maß­gebende Wort, aber auch das Schützenfeuer ist kräftig, und öfter mischen sich ferner vbie dicht bei der Reichsautobahn nahe von Garbenteich in Feuer­stellung gegangenen Geschütze der Gießener Artillerie in den Chor der Schlacht ein.

Panzerspähwagen von Rot sind durch die Schüt­zenlinie von Blau durchgebrochen und vis in die Gegend dicht vor Garbenteich gekommen. Hier werden zwei durch Gefangennahme bzw. Außer- gefechtsetzen erledigt, die andern drei können in starker Schießerei zu ihren Ausgangspunkten zu­rückgelangen. Da die Kräfte von Blau zahlenmäßig stark überlegen sind, ihnen auch mehr Artillerie zur

Oben links: Fern» sprechet beim Leitung­legen in der Nähe von Münzenberg.

Nebenstehend oben: Gießener Artillerie in Feuerstellung.

Neben st ehend un­ten: Schütze im Feuer­gefecht auf verschneitem Acker: Buben geben ihre sachkundige" Meinung ab.

(Aufnahmen s3s: Pfaff, Butzbach.)

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Verfügung steht als Rot, ist es unausbleiblich daß das MG.-Ball 3 gegen 9 Uhr seine weit über die Wetter bei Münzenberg vorgeschobene Front von Dorf-Gill und nördlich davon auf das Gelände bei E b e r st a d t zurücknehmen muß Der Vor­marsch von Blau (drei Bataillone unserer 116er) ist auf der Front von etwa Grüningen bis etwa in Richtung K l o st e r Arnsburg überall im Gange, jedoch macht Rot zwischen Hos (Süll und der Waloecke bei Kloster Arnsburg Blau durch an­haltendes MG.-Feuer noch allerlei zu schaffen. Gegen 10 Uhr ist in Dorf-Gill lebhafter Feuer­kampf im Gange, bei dem MG - und Schützenfeuer einen Mordsspektakel machen. Blau drängt mit starker Kraft weiter in Richtung Münzenberg vor und bringt bis gegen 11 Uhr die Linie Ober- HörgernStraßenabzweig in Richtung Münzen­bergEberstadtHos Güll in seinen Besitz. Die Hauptkräfte des MG.-Batls. 3 haben sich nun vom Gegner gelöst, vor dessen Front um Münzenberg her­um nur schwache Kräfte der von Rot (Jnf.-Regt 36) vorgeschobenen Spitzengruppe sichern, während ein dünner Schützenschleier in Richtung Trais-Münzen-

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bergMuschenheim die Front von Rot darstellt. Die Kompanien des MG.-Batls. 3 sind an den rechten Flügel von Rot beordert worden, wo sie in der Gegend von BettenhausenBirklarStraße LangsdorfLich bereitgestellt sind. Der Feuerkampf läßt allmählich nach, da Blau seine in der Nähe der Wetter neugewonnene Front einrichtet und Rot sich abwartend verhält.

Nach einem neuen Besuch bei der Leitung auf den Steinbergen bei Münzenberg, wo der Leitende, der Kommandeur der 9. Division, Generalleutnant Oßwald, die Männer der Presse begrüßt, und nach einem neuen Ueberblick über die Gesamt­lage fahren wir zum Gefechtsstand des Inf.-Regts. 116 und der Gießener Artillerie-Abteilung 9 auf demSchiefer", nördlich von Eberftadt. Dort kom­men wir gerade zurecht, als Blau die Vorberei­tungen zum Entscheidungskampf in die Wege leitet. Der Führer von Blau, Oberst H e r r l e i n (Gießen), befiehlt den Angriff mit drei Bataillonen gegen den Schlüsselpunkt von Rot (Münzenberg und die Stein­berge). Nunmehr haben es die Pressemänner be­sonders eilig, durch Eberstadt und Münzenberg wieder zu den Steinbergen zu kommen, um von dort aus als einem der höchsten Punkte der Gegend mit weiten Blickmöglichkeiten die Entwicklung der Entscheidungskämpfe zu beobachten. Etwa von 13 Uhr ab lebt die Feuertätigkeit auf der ganzen Kampffront immer mehr auf; auch jetzt wieder ist das MG.-Feuer tonangebend. Im ganzen Kampf­abschnitt von Ober-Hörgern bis zur Waldecke bei Kloster Arnsburg gehen die Kompanien von Blau in Richtung Münzenberg und unmittelbar anschlie­ßend kräftig vor. Es ist ein außerordentlich fesseln­des Bild, das man von der Höhe aus auf diesen Vormarsch hat. Rot leistet nur schwachen Widerstand. Es wird vermutet, daß es im letzten Abschnitt des Kampfes mit einem Gegenstoß vorgehen wird. Spä­ter hört man davon aber nichts mehr, sondern es wird bekannt, daß der Führer von Rot, Oberst von Wachter (Friedberg) zwei Kompanien des MG.-Batls. 3 aus der Gegend von Birklar weg­genommen und zum Galgenberge südwestlich von Münzenberg gezogen hat, um sie dort als Abwehr­sicherung einzusetzen. Dazu kommt es indessen nicht mehr. Etwa gegen 14.45 Uhr sieht sich der Führer von Rot gezwungen, seine Kräfte vor den stark überlegenen Truppen von Blau aus Münzenberg und beiderseits anschließend in eine neue, weiter südlich ausgesuchte Stellung zurückzunehmen. Bei diesem Stand der Gefechtslage läßt der Leitende um 14.50 Uhr die Hebung abbrechen.

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Während nun der Leitende, Generalleutnant Oßwald, auf den Steinbergen vor den Dffijieten

Gießener Gtadttheater.

A^el Ivers:Parkftratze 13".

Vom Autor und über den Autor steht eine Menge im Programmheft, unter anderem dies, daß er Schauspieler und Spielleiter am Deutschen Theater in Wiesbaden sei, daß er niemals neugierig fei, aber die scheußliche Eigenschaft habe, andere neu­gierig zu machen. Das Uebrige mag der Besucher selbst Nachlesen: zweierlei möchten wir festhalten, denHauptberuf" und die scheußliche Eigenschaft: beides wirkt sich spürbar in feinem Kriminalstück aus.

Erinnerungen an längst vergangene Zeiten stei­gen auf, an denHexer" und an denDreizehnten Stuhl". So ähnlich geht das hier auch zu: in der Villa Parkstraße 13. Da ist eine Abendgesellschaft bei Frau Evelyne Schratts anwesend sind außer der Dame des Hauses: Baronin Bornegg, Herr Mo­lander, der Schauspieler Nordau, der Arzt Dr. El­ken und Inspektor Marquardt. (Von der Kriminal­polizei; es ist praktisch und zeitsparend, wenn für etwaigeFälle" auch die Polizei eingeladen und gleich'im Hause ist.) Alle diese Herrn sind im Frack. Außerdem der Diener Franz. Als die Gesellschaft schon im Gange ist, kommt noch ein Herr, auch im Frack, aber nicht eingeladen, im Gegenteil, außer­dem nicht durch die Tür, sondern durchs Fenster, und versteckt sich gleich hinter der Gardine. Jetzt sind sie alle beisammen. x

Der hinter der Gardine ist es nicht gewesen. (Dies für Anfänger.)Es" ist ein Mord, begangen an einem Gast des Hauses, den wir aufzuzahlen ver­gaßen, weil er nicht sichtbar wird und auch nicht im Programmheft steht. Alle Herren sind in die Gastgeberin verliebt, aber sie bevorzugt deutlich den, den man nicht zu sehen bekommt. Der hinter der Gardine benutzt einen günstigen Augenblick, um im Innern des Hauses zu verschwinden; später er­wischt man ihn mit blutiger Hand Aber er hatte sich bloß beim Einsteigen än der Fensterscheibe ver­letzt Außerdem ist der Bornegg ihr ganzer Schmuck gestohlen worden: da haben wir's Der Schmuck (von dem noch nicht einmal alles echt ist) kommt bald wieder zum Vorschein; den mit der blutigen Hand nimmt sich der tüchtige Inspektor vor und sperrt ihn nach dem Verhör' ins Badezimmer, wo der Kerl die Frechheit hat, ein Bad zu nehmen, zum Zeitvertreib.

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Aber dann kommt der Diener hereingestürzt, schreckensbleich, und jetzt ist es wirklich ernst: einer der Gäste ist tot aufgefunden worden ermordet; es ist der Bevorzugte, der nicht im Programmheft steht. Und nun geht es los, es wird geraten, gemut­maßt, verdächtigt, verhört. Einer nach dein andern, keiner wird ausgelassen, und an jedem bleibt etwas hängen. Schließlich sind sie allesamt verdächtig. Je­der könnte es gewesen sein, für jeden wird ein glaubwürdiges Tatmotiv beigebracht. Die Dame des Hauses nicht ausgenommen; sie hat diesem Grund zur Eifersucht gegeben, mit jenem eine heftige Aus­einandersetzung gehabt, verschiedene Körbe ausge­teilt, sogar ein überraschendes Geständnis gemacht, das sich allerdings auf den Tod ihres (Satten bezieht. Ueberhaupt dieser Gatte und Evelynes ganze Ver­gangenheit . .. Sogar der Polizeiinspektor erscheint einen Augenblick fragwürdig. Am unverdächtigsten ist noch der Kerl in 'der Badewanne, der hat bloß den Schmuck gestohlen.

Im dritten Akt ist es so weit. Die Gäste, schon längst keine Gäste mehr, sind gründlich zermürbt. Zuguterletzt gibt es noch einen Kurzschluß: im Dunkeln fällt ein Schuß, Molander ist verwundet, nun geht es Schlag auf Schlag, und ehe die andern beispringen können, sinkt einer im Sessel zusammen: der Täter, der sich selbst dem Zugriff der Gerechtig­keit entzogen hat.

Wer ist es? Wir haben weder Veranlassung, den Namen auszuplaudern, noch über die Möglichkeiten, Wahrscheinlichkeiten und Voraussetzungen des Falles Betrachtungen anzustellen: hier ist ein Kriminal- stück, das ein Mann vom Bau geschrieben hat, mit viel Geschick, mit sehr erprobten Mitteln, mit der angenehmen Gabe, die Leute neugierig und gruselig zu machen und einen Abend lang spannend zu unterhalten.

Herr Geißler als Spielleiter hatte die aus solchen Eigenschaften sich ergebenden mancherlei Chancen für die Inszenierung genutzt und keinen her mobtoerteilten Efsekte und Pointen verpatzt E- war wirklich aufregend und rätselhaft Herr Löss- l e r hatte die geschmackvolle und zweckdienliche Innendekoration entworfen. Herr Markwardt betreute die dezente und stimmungsvolle Buhnen- musik. $

Uebrigens wurde, wie meist in solchen Stücken, allgemein gut und fließend gespielt./Was die Charakterisierung der darstellerischen Leistungen im einzelnen angeht, so möchten wir uns einiger Zu­rückhaltung befleißigen, um späteren Besuchern nicht

den Tip zu geben, auf den sie selbst kommen mögen. Else Monnard als Frau Schratt: eine Salon- darnen- und Liebhaberinnenrolle von beachtlichen Qualitäten. Ruth-Ines Eckermann als Baronin: amüsante Aufregung einer Hysterikerin. Herr Geißler: alter, erfahrener Medizinmann, nicht aus der Ruhe zu bringen. Herr Weiland: ein ernstlicher Bewerber, der plötzlich mit überraschender Aktivität in den Gang der Ereignisse eingreift. Herr Kühne: der Inspektor, mit rücksichtsloser Energie an der Aufklärung des Falles arbeitend. Herr Lindt: von einer neuen Seite, sehr witzige Komö­diantenfigur. Herr Paschen: der hinter der Gar­dine, dunkler Biedermann in der Klemme. Herr Geiger: ein verdächtig verstörter Diener.

Die Leute unterhielten sich vorzüglich und dankten mit angeregtem Applaus.

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Im Foyer ist gestern eine neue kleine Kunst­ausstellung eröffnet worden. W. Kroll (Gießen) zeigt einige gute Landschaften von Ortenberg und von Runkel, die wir schon im Kunstverein sahen, ferner einige charakteristische Bildnisse, Pimpf",Besuch im Atelier" undFräulein L." Leyde bringt im oberen Wandelgang neben Städtebildern (Gelnhausen, Büdingen) geschmackvoll anziehende Porträtmalerei. Uebrigens werden alle diese Arbeiten erst in einer nicht künstlichen Be­leuchtung ihre volle Wirkung haben

Hans Thyriot.

Auch Rinqe baben ihre Schicksale.

Geschichten von Ringen, die verloren gingen und auf seltsame Weise wieder aufgefunden wurden, die ihren Trägern Glück oder Unglück brachten, werden seit dem Altertum, das vom Ring des Polykrates zu berichten wußte, immer wieder erzählt. Aus der Fülle von Beispielen wird in der LeipzigerJllu- ftrirten Zeitung" eine Anzahl gut beglaubigter her­ausgegriffen. So erlebte ein Marschbauer aus der Gegend von Nordenham in Nordfriesland im Jahre 1871 etwas Merkwürdiges. Er hatte Futter für sein Vieh zurechtgemacht und vermißte danach plötz­lich seinen Trauring mit der Jahreszahl 1860 und dem Namen seiner Frau. Kurz darauf verkaufte er sieben Ochsen, die am 26. Oktober des Jahres auf dem DampferAdler" nach England verschickt wur­den. Zwei Tage später fischte der englische Segler Mary Ann" aus Colchester einen toten Ochsen auf und die Mannschaft entnahm ihm den Talg, um damit Gestänge und Spieren einzufetten Dabei fand man im Magen des Tieres einen goldenen

Ring mit den Initialen I. R und her Jahreszahl 1860. Der Kapitän gab den Ring im nächsten Hafen ab und man schickte ihn nach London. Hier konnte festgestellt werden, daß derAdler" am 28. Oktober einen toten Ochsen über Bord geworfen hatte, und als der Vorfall in derShippinggazette" berichtet wurde, kam ein Exemplar des Blattes auch nach Nordenham, wo ein Leser des Blattes zufällig von dem Marschbauern und seinem verlorenen Trauring gehört hatte, so daß dieser sich als Eigentümer des Ringes melden konnte, der seitdem als Talisman in der Familie gehütet wird.

In einer englischen Kleinstadt hatte vor längeren Jahren ein Laufbursche, der mit einem kostbaren Ring zum Juwelier geschickt war und der ihn sich genauer ansehen wollte, als er gerade über eine Brücke ging, das Mißgeschick, daß ihm das wert­volle Stück aus der Hand fiel und im Schlamme des Flusses versank. Alles Suchen war umsonst, und in seiner Angst wagte sich der Junge nicht wieder nach Hause, sondern ging davon und zur See. Später ließ er sich in einer Kolonie nieder und gelangte zu Reichtum. In seinem Alter kehrte er in die Heimat zurück und siedelte sich dort an. Eines Tages kam er mit einem Freund ans Ufer nahe der Brücke, von der aus ihm vor langen Jahren der Ring ins Wasser gefallen war. Wäh­rend er die alte Geschichte erzählte, stieß er mit dem Stock in den Schlamm als er ihn zurückzog, steckte an der Zwinge der Ring.

Eine verhängnisvolle Rolle hat ein Ring gespielt, der in der Familie des englischen Obersten Warner seit über dreihundert Jahren als kostbares Erbstück aufbewahrt wird. Graf Essex hatte ihn von der Königin Elisabeth als Talisman gegen die etwaige Ungnade seiner Herrin erhalten. Königin Elisabeth hatte den glatten Goldreif mit einem herzförmigen Rubin 1565 mit einigen Zeilen von Maria Stuart bekommen, die ihn bei ihrer Vermählung mit Lord Darnley getragen hatte. Als Essex zum Tode ver­urteilt wurde, gab er den Ring der Lady Notting­ham mit der Bitte, ihn der Königin als Erinne­rungszeichen zu bringen, da er hoffte, durch diese Erinnerung seine Begnadigung zu erlangen. Die Lady führte den Auftrag jedoch nicht auh^ sondern behielt den Ring für sich. Erst auf j/rcm 'STtrufe» bett hat sie ihr Verschulden eingesta^en, ohne das das Urteil vielleicht nicht vollzogen^ worden wäre. Der Ring gelangte in den Besitz' Sönig Jakobs I., der ihn als Zeichen seiner besonderen Gunst einem hervorragenden Seemann, dem Lapitän Thomas Warner, geschenkt hat. Der kostbar Besitz wird von den Mitgliedern der Familie Warrer nur an ihrem Hochzeitstage getragen.