Ausgabe 
19.2.1938
 
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Nr. 42 Erster Matt

188. Jahrgang

§amrtag,19./§onntag,20. gebruar 1938

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Dreiste Schwindelmanöver Moskaus zur Vertuschung des Kalls Budenko.

Unverfrorene Lügen.

Moskau, 18. Febr. (DNB.) Ueber den Fall Budenko ist eine sowjetamtliche Verlaut­barung verbreitet worden. Darin heißt es, am 17. Februar habe der rumänische Geschäfts­trägerin Moskau den Außenkommisfar L i t - winow-Finkelstein aufgesucht und ihm erklärt, daß die rumänische Regierung, welche von Beginn ihres Amtsantrittes an für die Beschleu­nigung der Untersuchung im Falle Budenko in jeder Weise Sorge getragen habe, es im gegenwärtigen Moment für erwiesen erachte, daß der sowjetrussijche Geschäftsträger in Bukarest freiwillig in das Ausland ab gereist sei. Dafür spreche der Umstand, daß das rumänische Außenministerium ein Schreiben Budenkos aus Bnbapest erhalten habe.

In Beantwortung dieser Erklärung habe Lit- winow-Finkelstein folgendes geäußert: Die Sowjetregierung glaube nicht an die Version der freiwilligen Abreise Budenkos. Wenn das er­wähnte Schreiben überhaupt von Budenko stamme, so zweifle man in Moskau nicht daran, daß er sich immer noch in der Gewalt seiner Ent­führer befinde, die mit Drohungen oder Foltern (!) ihn gezwungen hätten, diesen Brief zu schreiben, der dann von denVerbrechern" nach Budapest gebracht und von dort nach Bukarest ge­leitet worden sei.

Besonders bemerkenswert ist ferner, was Litwi- now-Finkelstein über das Auftreten Bu­denkos in Rom zu sagen weiß. Die Sowjet­regierung habe davon Kenntnis erhalten, so heißt es in der Verlautbarung weiter, daß eine italienische Zeitung -angebliche Erklärungen" Budenkos ver­öffentlicht have, und daß dieser sich sogar in Rom befinde und sich ausländischen Journalisten zu wei­teren Darlegungen zur Verfügung gestellt habe. Auch in diesem Falle bezweifle man in Moskau nicht, daß die Erklärungen Budenkos erpreßt waren und daß manirgendeinen russi­schen Weißgardiste n", der unter dem Namen Budenko jetzt in Italien auftrete, mit dessen Papier en ausgerüstet hätte, während die faschistischen Behörden zur Aufklärung des Sachver­haltes nichts beitragen würden. (An dieser Stelle widerspricht sich die Verlautbarung Finkelsteins be­sonders kraß, denn logischerweise könnte ja nur das eine oder das andere der Fall sein.) Solange Bu­denko, so fährt die Verlautbarung fort, sich nicht in einemfreien" Lande befinde und nicht Leuten vorgeführt werde, die ihn persönlich kennen, "könne die Ueberzeugung der Sowjetregierung nicht erschüttert werden, daß Budenko sich noch in Rumänien in der Gewalt seiner Ent­führer befinde, wenn er nicht von diesen be­reits ermordet worden sei. Infolgedessen halte dis Sowjetregierung ihre P r o t e st n o t e vom 10. Februar in vollem Umfange aufrecht und bestehe auch weiter auf der vollständigen Er­füllung ihrer Forderungen. Zugleich habe Litwi­now den rumänischen Geschäftsträger gebeten, seine R^ierung davon zu unterrichten, daß die Sowjet­regierung ihren Gesandten in Prag, Alexandrowski, nachBukarest beordert habe, um die weitere Untersuchung zu beobachten und nötigenfalls mit der rumänischen Regierung Ver­handlungen zu führen.

*

Die ebenso lächerlichen wie dummdreisten Be­hauptungen des Juden Litwinow gegenüber dem rumänischen Geschäftsträger in Moskau zum Fall Budenko und die aufschlußreichen Widersprüche, in die sich ein so gerissener Schwindler wie der sowjet- russische Außenkommisfar verwickelt hat, sind in einem Hohngelächter untergegangen, das sogar einige sowjetfreundliche Kreise des Auslandes an­steckte. Es wäre aber falsch, die Offenbarungen Litwinows nur von der komischen Seite zu nehmen. Denn sie zeigen sehr deutlich, wie stark man sich selbst in den robustesten Kreisen des. Bolschewismus durch die Vorgänge in Bukarest und in Rom um Budenko bloßgestellt und lächerlich gemacht suhlt. Wie groß muß die Verwirrung und die Verlegen­heit Finkelsteins sein, wenn er gegenüber dem Ver­treter Rumäniens in ein derartig albernes Geschwätz verfällt. Man stelle sich vor, ein Geschäftsträger soll von der GPU. entführt und nach Rußland ver­schleppt werden, entkommt im letzten Augenblick, wird für tot gehalten, taucht dann im Ausland wieder auf und wendet sich mit Abscheu von den Methoden der Sowjets ab, und ein sogenannter Außenminister, der in der Welt noch ernst genom­men werden will, fordert mit echt jüdischer Frechheit und Rabulistik vom Gesandten der Macht, bet der der Geschäftsträger akkrediert war, Genug­tuung. Genugtuung für da s v e r b r e ch e- rische Treiben der GPU. in Bukarest und Genugtuung dafür, daß es Budenko gelang, der GPU. zu entkommen?

Das ist eine beispiellose Frechheit. Aber es kommt noch besser. Im gleichen Augenblick, in dem der Jude Litwinow-Finkelstein behauptet, Budenko sei in Rumänien von Faschisten entführt oder ermordet worden, und dafür Genugtuung fordert, gibt Die Sowjetbotschaft in Rom eine amtliche Erklärung aus nach der der Sowjet-Generalkonsul in Ma^ land festgestellt habe, daß Budenko s t ch n o ch in Bukarest, und zwar dort in den Hän­den der GPU. befinde. Der in Mailand und

wollen.

Genugtuung Der Jude Litwinow - Finkelstein beh

Rom aufgetauchte Budenko sei also, nicht echt. Dieiderlage des Bolschewismus aufgepackt und ihn auch Sowjetjuden haben vergessen, das Lügen und Be-' für alle ihre Folgen verantwortlich gemacht. Dar- trügen zu organisieren, so daß nun jeder für sich über hinaus aber ergibt sich eine viel bedeutsamere lügt und daraus ein groteskes D u r ch e i n - Frage. In den letzten Tagen sind ganze Listen ander von Widersprüchen entstanden ist. j von erschossenen oderverschwundenen" Sowjet- Denn abgesehen davon, daß Budenko in Rom e i n- diplomaten durch die Weltpresse gegangen. Eine wandfrei identifiziert worden ist und große Anzahl der sowjetrussischen diplomatischen auch Pariser Bekannte aus der Zeit seiner dortigen Auslandsmissionen hat heute entweder einen un= Tätigkeit ihn erkannt haben, muß die neue Sowjet- vollständigen Personalbestand oder behilft sich mit erklärung geradezu als Gipfel der Unverschämtheit Ersatzleuten, die noch viel fragwürdiger sind als bezeichnet werden. Denn wenn Budenko sich i n ihre Vorgänger. Die letzten Tage haben den ohne- den Händen der GPU. befindet, wie kann ! hin geringen Bestand angelernten" Sowjetbiplv- dann Litwinow-Finkelstein behaupten, er fei von maten weiter dezimiert, und dieAbberufung" der F a s ch i st e n entführt worden und von der letzten sozusagen berufsmäßigen Sowjetbiplornaten rumän .hen Regierung Genugtuung fordern?!ist nur noch eine Frage der Zeit. Das größte An- Der Jude Litwinow - Finkelstein behauptete in alphabethenland der Erde kann nicht in ein paar gleichem Atemzuge, daß Budenko durch die Fa- Wochen oder MonatenDiplomaten" ausbilden, phisten entführt und in Rom durch Martern und für deren Schulung jedes Kulturland von Rang Erpressungen zu feinen Erklärungen gezwungen eine lange Reihe von Jahren anwendet. Die aus- worden fei, um Dann hinterher sofort' festzustellen, ländischen Sowjetmissionen werden also schon in in Wirklichkeit f e i Budenko gar nicht, kurzer Zeit nur noch Agitationsstätten für Die zwci- in Rom, sondern ein verkleideter Weiß - felhaftesten Gestalten des sowietrussisch-bolschewtsti- garDift sei Dort aufgetreten. Eines von beiDen . schen Verbrechertums bilden. Schon heute gibt es kann doch nur wahr fein! Beides ist erlogen!, sowjetruffifcheGeschäftsträger" usw., Die nicht em-

Litwinow-Finkelstein hat anfcheinenD völlig Die mal schreiben können! ........

Nerven verloren. Seine gänzlich ratlose Haltung in D 1 6

....... v,______ni Damit muß sich über kurz oder lang für alle der Besprechung mit dem rumänischen Geschäfts- Kulturstaaten die Frage ergeben, wie lange und träger macht Den EinDruck, als wenn er ein immer unter welchen Voraussetzungen sie Diese Sorte von unbehaglicheres Gefühl in seinem Nacken hat. Allem internationalen Verbrechern, Die mit Diplomatischen Anschein nach hat Stalin' ihm in Der Unter- Angelegenheiten schlechterDinas gar nichts mehr reDung, zu Der er ihn nach Der erneuten Haus- zu tun haben, überhaupt noch als Vertreter eines suchung unb Massenverhaftung im Außenkvmmis- Staates ober eines Staatsoberhauptes im mter- fariat befohlen hatte, Die volle Verantwortung für nationalen unD staatsrechtlichen Sinne anerkennen die bisher vielleicht schwerste außenpolitische Nie- wollen.

Die Wil. beherrscht Moskaus Außenpolitik.

Oie bolschewistische Inteivention in Spanien wird fortgesetzt. Stalch der wahre Diktator. Litwinow-Finkelstein ist nur die außenpolitische Staffage für die Demokratien der westlichen Welt.

Eine Unterredung mit Budenko

Rom, 19. Febr. (DNB.) Der frühere sowjet- russische Geschäftsträger in Bukarest, Budenko, benutzte eine Unterhaltung mit dem römischen Ver­treter des DNB., um unter Bezugnahme auf die Behauptung des sowjetrussischen Konsuls in Mai­land, Der wahre BuDenko roerDe von Der GPU. noch in Bukarest festgehalten, erneut Darauf hinzuweisen, Daß er sich gegenüber Den italienischen Behörden in aller Form ausgewiesen habe. Er sei in Den Diplomatischen Kreisen von Bukarest trotz seines kurzen Aufenthaltes Durchaus bekannt. Sein in Der Presse veröffentlichtes Bild roerDe Diese Kreise in Bukarest ohne weiteres überzeugen. Im übrigen gebe es genügenD anDere Mittel unD Wege für ihn, um vor Der Öffentlichkeit seine Identität nachzuweisen. Diesen Beweis werde er in Dem Buche liefern. Das er im Frühjahr in mehre­ren Sprachen zugleich erscheinen lassen roerDe.

Auf Die Frage nach Den GrunDsätzen, nach Denen das Außenkommissariat in Moskau hauptsächlich arbeite, erklärte BuDenko, Die GrunD- sätze unD Die Methoden Des Außenkommissariats hätten in Den letzten zwei Jahren große Ver- änDerungen erfahren. Ein großer, Teil Der Beamten Des Außenkommissariats wie' auch Der einzelnen Sorojetmissionen im AuslanDe sei mit Aufgaben betraut, Die keine unmittelbare Beziehung zur Diplomatie als solcher hätten. Heute sei es sehr schwer, zwischen Der Diplo­matischen Arbeit SowjetrußlanDs unD jener Der anDeren Kommissariate, Die sich mit Dem AuslanDe befaßten, noch zu unterscheiben.

Tonangebend sind heute die Methoden der G P U.» deren Mitglieder nicht nur zahlen- mäßig in den Sowjetmissionen stark vertreten sind, deren entscheidender Einfluß aber auch sonst in der Sowjetpolitik überhand ge­nommen hat. Diese Methoden sind immer ge­fährlich, und zwar nicht nur für die Länder, in denen Sowjetmissionen beglaubigt sind, son­dern auch für die einzelnen Mitglieder der Sowjetmissionen im Auslande, die andauernd unter dem zermürbenden Verdacht stehen, dem Sowjetregime nicht treu zu sein. Unter diesen Umständen kann man also nur noch von einer Scheindiplomatie Sowjetruh­lands sprechen, da die (5^U. in allen Dingen heute entscheidend mitspricht und mitwirkt.

Man braucht Dabei nur an Die sowjetpolitik in Spanien zu Denken. Die ganze Welt weiß genau, daß hier nach Den Methoden Der GPU. unD Der Komintern eine offene m i l i t ä r i s ch e Inter­vention SowjetrußlanDs in Die spanischen Angelegenheiten vorliegt, Die nichts mit Dem Frei­willigensystem zu tun hat. Wenn Diese sowjetrussische Interventionspolitik seit Dem Fall von Bilbao auf wachsenDe Schwierigkeiten stößt, so besteht Doch kein Zweifel, Daß Die Politik Moskaus in Der spanischen Frage unoeränDert gleichgeblieben ist und unverändert weitergeht."

Budenko erklärte, Litwinows Stellung sei in

Der letzten Zeit roieDer stärker gemorDen. Er könne jedoch nicht mehr als einer Der tatsäch­lichen Leiter Der Außenpolitik SowjetrußlanDs an- gesprochen roerDen. Er Diene vielmehr mit Rücksicht auf feinen internationalen, hauptsächlich in Genf gewonnenen Namen mehr als symbolische Figur. Wenn Litwinow heute noch auf seinen Posten bleibe, so nur Deswegen, weil seine Aus­schiffung auch Das letzte Ansehen Der sowjetrussi- schen Außenpolitik vernichten würDe unD weil er Durch keine anDere international d e - kannte Persönlichkeit ersetzt roerDen könne. Im AuslanDe sei er immer noch am besten angeschrieben. Deshalb roerDe er als Symbol Der bolschewistischen Agitation auf seinem Platz be­lassen, Doch spiele er keine Rolle mehr in Der sowjetrussischen Außenpolitik, Die ganz unD gar vom Kreml unD von Stalin persönlich geleitet roerDe. Stalin sei Der wahre Dikta- t o r SowjetrußlanDs, ein Diktator, wie ihn Die Weltgeschichte sch 1 imme r noch niemals g e - sehen habe. Hinter Dieser Tatsache trete seine Eigenschaft als Parteiführer vollkommen in Den Hintergrund

G ne neue Lock-Methode.

Angeblicher Lowjetsekretär versuchte Budenko zu sprechen.

Rom, 18. Febr. (DNB.)Messaggero" berichtet: Gegen 15.30 Uhr sprach im Hotel, in dem B u - D e n k o wohnt, ein elegant gefleibeter Herr vor, Der ein Abgesandter Der Sowjetbot- schäft war. Er stellte sich alsKulagenkoff, Sekre­tär Der sowjetrussischen Botschaft in Rom" vor unD versuchte, mitsentimentalen" Motiven von Bu- Denko empfangen zu roerDen. Er erinnere sich, so sagte er, Der schönen Tage, Die sie zusammen an Der Diplomatischen Akademie in Moskau verbracht hät­ten und an Die Freundschaft, Die sie oerbinbe. Bu- Denko ließ sich aber nicht ködern:Ich habe", so erklärte er unwillig,keinerlei Veranlas­sung, diesen Herrn zu empfangen. Wenn er hoffe, mich zu überreden, nach Sowjetrußland zurückzu­kehren, fo ist er allzu naiv. Sollte er über andere Dinge sprechen wollen, so würde er ebenfalls feine Zeit verlieren. Er solle nur fortgehen", was Der Herr Dann auch tat.

In einer von Der sowjetrussischen Botschaft in Rom herausgegebenen Mitteilung wird Die Behaup­tung Litwinow-Finkelsteins a u s r e ch 1 e r h a l t e n, daß' es sich bei Der unter Diesem Namen in Rom aufgetretenen Person nicht um Bubenfo han­delt. Der richtige Budenko befinde sich noch im­mer in Bukarest, wo er von sowjetrussischen GPU.-Agenten festgehalten werde. Der forojeb russische Generalkonsul in Mailand habe einwand­freie Ermittlungen Darüber treffen können.

Ein neuer Ansang.

Als ein Symbol Der allseitigen Entschlossenheit, Die aus Den Berchtesgadener Besprechungen Des Führers mit Dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hervorgegangenen, vom gaszen deut­schen Volk mit größter Freude begrüßten g'.unb- legenden Maßnahmen Der österreichischen R.s.ie- rung zu einer BesrieDung Des politischen Lebens in Oesterreich auch zu ein.m neuen An ang in Der Entwicklung Der brüderlichen Beziehungen zwischen Den beiden deutschen Staaten werden zu lassen, Darf wohl Der Berliner Besuch Des soeben neuernannten österreichischen Bundesministers Des Innern Dr. Seyß-Jnquart, sein Empfang beim Führer unD feine Teilnahme an Der festlichen Eröffnung Der Inter­nationalen Automobilausstellung in Berlin be­trachtet roerDen. Die Besprechung auf Dem Ober­salzberg hatte zum Ziel, bei Der Durchführung Des Abkommens vom 11. Juli 1936, Das bestimmt war, eine von allen Gutgesinnten auf beiden Seiten lebhaft beklagte Periode Der Mißverständnisse und Der Entfremdung abzuschließen, aufgetretene Schwie­rigkeiten zu bereinigen Durch Maßnahmen, Deren Durchführungein so enges und freundschaftliches Verhältnis Der beiDen Staaten zueinander" her­zustellen vermag,wie es der Geschichte und dem Gesamtinteresse Des Deutschen Volkes entspricht." Das hier klar herausgestellte Bekenntnis zum gesamt­deutschen Volk, das beide Staaten umfaßt und selbstverständlich auch nicht zuläßt, daß die Trä­ger einer Weltanschauung, die dem einen Staat Gesicht und Charakter gegeben hat, in dem andern diffamiert werden, dieses Bekenntnis ist die Rich­tung gewesen für die ersten grundlegenden Maß­nahmen, die der österreichische Bundeskanzler Dr. Schuschnigg bereits wenige Tage nach Der denk- roürDigen' 'Aussprache auf Dem Obersalzberg mit einer Unbedingtheit durchgeführt hat, für die das deutsche Volk diesseits und jenseits Der Reichsgren­zen ihm Dank und Anerkennung schuldet.

Die großzügige Amnestie all der deutschen Patrioten, Die in Oesterreich aus politischen Grün­den durch Beschlüsse der Gerichte, der Polizei oder der Disziplinarbehörden bestraft worden waren oder gegen Die Strafverfahren eingeleitet worden waren, weil sie sich zur nationalsozialistischen Weltanschau­ung bekannt hatten, schließt nach der weit weniger umfangreichen und noch mit bedenklichen Vorbe­halten durchgeführten Amnestie nach dem Iuliab- kommen des Jahres 1936 auch Die Zwischenperiode ab, in Der man sich an manchen leitenden Stellen in Wien nicht dazu durchzuringen vermocht hatte, für Den Wunsch nach einem wahrhaft vertrauens­vollen Verhältnis zu Dem im Zeichen Des Natio­nalsozialismus innerlich gesundeten und nach außen erstarkten Deutschen Reich auch ganz eindeutige und folgerichtige Voraussetzungen zu schaffen. Es mußte als schwere und auf die Dauer unerträg­liche Belastung des inneren Friedens in Oesterreich sowohl als auch der Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten empfunden werden, wenn Die nationalsozialistische Weltanschauung, Die Das Reich trägt, in Oesterreich mit allen Mitteln be­kämpft unD alle Deutschen in Oesterreich, Die sich zu ihr bekannten, eingekerkert unD ihrer wirtschaft­lichen Existenz beraubt roerDen konnten. Man hat in Wien erkannt, Daß Das Durch eine mehr als tausendjährige Geschichte oerbunDene Deutsche Volk auch im Denken unD Fühlen eine unlösbare Ein­heit bildet und .das Bekenntnis zur nationalsozia­listischen Weltanschauung eine gesamtdeutsche Be­wegung ist, die man nicht als Staatsverbrechen unterdrücken kann, ohne damit die besten, aktivsten und opferbereitesten Kräfte des politischen Lebens in Oesterreich in eine unfruchtbare Opposition zum Staat zu treiben. Die Amnestie vom 16. Februar, die lediglich die Wiedereinstellung der wegen un­erlaubter politischer Betätigung entlassenen Beamten ausschließt und an eine Bewährungsfrist von Drei Jahren geknüpft ist, schafft freie Bahn für Die Her­anführung Der bisherigen nationalsozialistischen Op­position an Den Staat. Denn da künftighin das Be­kenntnis zur nationalsozialistischen Weltanschauung allen österreichischen Staatsbürgern ebenso frei­steht, wie die Betätigung anderer nicht gegen den Staat gerichteten politischen Ueberzeugungen, wird es sich in Zukunft im Rahmen der Verfassung hal­ten und in diesen Rghmen eingebaut werden kön­nen.

Das wird Die große, vielleicht noch im Einzel- i nen recht schwierige, aber wenn mit klugem Takt ] unb ehrlichem Willen zur Versöhnung Durchgeführt i auch ungemein Dankbare Aufgabe fein, Die Den 'neuen Männern Des umgebilDeten Kabinetts ' Schuschnigg zufällt. Die Ernennung von Dr.Seyß- i 3 n q u a r t zum BunDesminiftcr für Inneres unb i Sicherheitswefen bürfte wohl als sichtbarstes Zei- j chen bes Willens bewertet werben, auch biejenigen nationalen Kräfte Oesterreichs, bie bisher in offe- ; ner Gegnerschaft ober zumindest abmartenb bem l Kabinett Schuschnigg gegenüberftanben, zur Mit- I arbeit heranzuziehen. Daß bas Sicherheitswefen, , Das bisher unter bem im Amt verbliebenen Staats­sekretär S k u b l bem Vunbeskanzler persönlich un= terftanb, während der jetzige Bundesminister, ohne Geschäftsbereich Glaise-Horstenau nur Das Ministerium Des Innern verwaltete, nun wieder mit dem Innenministerium zusammengelegt wurde, Deutet auf Den Wunsch hin. Die vor Dem 16. Fe- jbruar oft vermißte einheitliche Linie sicherzustellen : unD Damit von Anfang an eine Quelle vieler Dif- ferenzen in Der Auffassung unD Auslegung bes Ver- . hältnisses von Verfassung unb Weltanschauung zu verstopfen. Die bislang Der innenpolitischen Befrie- , Dung Oesterreichs hinDerlich gewesen ist. In ihr roirD wirb fernerhin eine wichtige Rolle Der zum 1 Bunbesminifter ohne Geschäftsbereich ernannte 1 bisherige Staatssekretär Guibo Zernatto spie-