Ausgabe 
18.10.1938
 
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in Wiesbaden. iu-2lusstel.

bildenden; ler des Gaues bis einschließ. $ n Nassauischen r eng er wiib seifende Kunst. er, um 16 Uhr, ilerei, Graphik, nsthandcls wen und lebendige; m Gau Dermit« i 10 bis 19 Uhr.

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Nr. 244 Ersteg Blatt

188. Zahrgang

Dienstag, f8. Oktober 1938

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Die arabische Forderung an England.

Der panislamische Palästina-Kongreß in Kairo.

Sie arabische Mion.

Don unserem S. K.-Korrespondenien.

K a i r o , 17. Oktober 1938.

Mit einer einstimmig gefaßten Entschließung, die an Schärfe nichts zu wünschen übrig läßt und das, obwohl die amtlichen ägyptischen Kreise hinter den Kulissen auf Mäßigung drängten ist der seit Monaten angekündigte panislamische Palä- ft i n a k o n g r e ß zu Ende gegangen. Neben den erwarteten politischen Forderungen: Fallenlassen der Balfour-Deklaration, Verbot jüdischer Einwande- rung nach Palästina, Verzicht auf die Teilung, Ge­neralamnestie, Bildung einer nationalarabischen Re­gierung und Ausschreibung von Wahlen zum Par­lament, in das die Juden entsprechend den Ver­hältniszahlen der Bevölkerung Abgeordnete entsen­den neben diesen Forderungen ist der sechste Abschnitt dieser Entschließung außerordentlich be­zeichnend und aufschlußreich. Es heißt darin: Falls Engländer und Juden diese Forderungen nicht an­erkennten und erfüllten, müßte das als feind­selige Haltung gegenüber dem Ara­ber t u m gedeutet werden, was wiederum eine feindselige Haltung der Araber auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet zur Folge haben müßte.

In diesem Saß ist das tatsächliche Ergeb­nis des Kongresses angedeutet. Der Panarabismus, jenes unklare, wesenlose, nur aus dem Gefühlsmäßi­gen heraus lebende Bewußtsein um eine arabische und darüber hinaus eine islamische Schick­sals- und Aktions Gemeinschaft, hat durch das Palästina-Erlebnis, das durch die Fehl­politik englischer und jüdischer Kreise dem arabischen Lebenskreis vermittelt wurde, konkreten In­halt bekommen. Dieser Pan-Islamismus, dieser Panarabismus, wie er sich auf dem Kongreß in Kairo zeigte, war nichts anderes als ein mit gro­ßem Fanatismus vorgetragenerA n t i - Z i o n i s - m u s", war ein gemeinsames Manifest gegen die zionistischeStaatside e", die in Palästina, im arabischen Lebensraum, mit Hilfe Englands ver­wirklicht werden soll, oder doch verwirklicht werden sollte. Daß ein zionistischer Staat im arabischen Lebensraum von allen arabischen Staaten a l s Fremdkörper empfunden würde, hat nicht nur die Debatte des Kongresses gezeigt: davon ist der zurückhaltendste und anglophilste arabische Staats­mann ebenso überzeugt, wie der radikalste national­arabische Fanatiker.

So wird es verständlich, daß der Kongreß weit­hin in der jüdisch beeinflußten englischen, vor allem aber in der jüdischen Presse des nahen Ostens eine denkbar schlechte Beurteilung erlebte. Das Ur­teil schwankte zwischen Verurteilung und dem Ver­such der Bagatellisierung und des Lächerlich- Machens. Man versuchte, den Kongreß gegen die ägyptische Regierung auszuspielen, erklärte, diese Regierung sei desinteressiert und in sehr un­angenehme Lage gegenüber England gebracht. Wie sehr im Grund die ägyptische Regierung trotz aller offiziellen Zurückhaltung mit dem Kongreß sym­pathisierte, zeigt die Tatsache, daß sowohl der ägyptische Ministerpräsident, als auch der ägyptische König für die Delegationen aus allen islamischen Ländern Empfänge veranstalteten. Dabei bekun­dete der Ministerpräsident Mohammed Pascha Mach- moud, wenngleich in zurückhaltender Fprm, daß er den zionistischen Staat in der Flanke Aegyptens nicht weniger verurteilt und bekämpft, als die Fa­natiker des Kongresses.

Die jüdische Hresse fürchtet, daß infolge dieses Kongresses die antisemitische Welle, die in den letzten Monaten in der Welt des nahen Orients deuttich zu spüren ist, neuen Auftrieb bekommt und die Juden außerhalb Palästinas ebenfalls in eine nicht sehr angenehme, vielleicht nicht ungefährliche Situation bringt. Man hat Angst, daß der politische Grundsatz vomAnti-Zionismus" im arabischen Volk seinen Niederschlag in der Form des Anti- Semitismus bekommt, mit allen Begleiterscheinun­gen. Man kennt auch jüdischerseits den Koran zu gut, um nicht zu wissen, wre leicht ein solcher Anti- Semitismus aus der Doktrin dieses heiligen Buches Auftrieb bekommen kann und in vergangenen Zeiten schon bekommen hat.

Ein Positives hat diese Konferenz in Kairo zur Folge gehabt: Es ist ein Ausschuß gewählt worden, der die Bemühungen des Kongresses wei­terführen soll. Aus dem Schoß dieses Ausschusses wird in den kommenden Tagen eine Abordnung nach London entsandt, um hier arabisch-eng­lische Verhandlungen in Gang zu bringen. Die Ab- -ordnung trifft in London eine Atmosphäre an, die 2>urch verschiedene arabische Interventionen vorbe­reitet ist vor allem durch die Besprechungen des irakischen Außenministers Tewfik el Suaidi und wirklich für Verhandlungen geeignet scheint. Wenn jüdische Kreise schon jetzt in Erkenntnis der englischen Verhandlungsbereitschaft diese Gespräche mit aller Gewalt zu stören suchen, so ist das be­zeichnend für die zionistische Politik, die nach wie vor an der Ideologie ihres jüdischen Staates fest­hält, obwohl weite jüdische Kreise schon davon ab« Zurücken beginnen in der Erkenntnis, daß ein wei- iteres Verfechten dieser Idee Gefahren für das ge- fcmte Judentum im Nahen Osten heraufbeschwören kann.

_ Mittlerweile ziehen die Engländer in Palä­stina immer größere Truppenmassen zusammen, während die Kämpfe der Freischärler weiter gehen und heute im Zeichen einer regelrechten revolutio­

nären Erhebung stehen. Angesichts dieser Entwick­lung wird man von arabischer Seite einen Waffen­stillstand propagieren für den Fall, daß das eng­lisch-arabische Gespräch zustande kommt. Verhand­lungen oder ein unerbittlicher, blutiger-Kampf bis zum Letzten scheinen die einzigen Alternativen, die nach dem Kairoer Kongreß noch bleiben. Es wird davon abhängen, wie weit London, wie in der Vergangenheit, den jüdischen Einflüsterungen erliegt, ob die Entwicklung in Palästina nach jahre­langem blutigem Kampf endlich in friedlichere Bah­nen gelenkt wird.

Auch der arabische Frauenkongreß gegen Englands Palästinapolitik.

Kairo, 17. Okt. (DNB.) Der Kongreß ara­bischer Frauen, der im Anschluß an die Ara­

bertagung in Kairo zusammentraf, unterstrich die gerechten Forderungen der Palästina-Araber, 500 Frauen aus dem Iran, Irak, Syrien, Libanon, Pa­lästina und Aegypten wandten sich scharf gegen die englische Palästinapolitik und erklärten, die Eng­länder würden sich täuschen, wenn sie die Araber für schwach hielten. Ein Entschließungsentwurf, über den am Dienstag entschieden wird, sieht die Nichtigkeitserklärung des Balfour- Versprechens über die Schaffung einer jüdi­schen Heimstätte in Palästina vor. Paläftinabürger sollen nur di e Juden fein, die vor 1918 dort ansässig waren. Ferner wird die Schaf­fung einer nationalen Regierung und eines nationalen Parlaments gefordert. Eine Frauenabordnung soll die Entschließung der Londoner Regierung überreichen.

lerufalem im Zeichen des Ausgehverbots.

Jerusalem, 17. Okt. (DNB.) Der unablässige Kleinkrieg in Palästina zeitigt von Tag zu Tag neue Zwischenfälle. Auch am Montag waren wieder zahlreiche Tote und Verletzte zu verzeichnen. Als auf dem Hule-See ein mit jüdischen Polizisten und Sied­lern aus der Richtung von Syrien her Palästina erreichendes Patrouillenboot einige hundert Meter vom Ufer entfernt war, wurde es von un­bekannten Tätern beschossen. Zwei Passagiere wurden getötet und sechs verwundet. Eine Regie­rungsfarm, unweit von Akkv, wurde ebenfalls unter Feuer genommen. Nachdem die Angreifer zu- rückgewiefen waren, ging das Zollhaus von A ff o in Flammen auf. Anscheinend dieselben An­greifer hatten es angezündet, während sie die Wäch­ter mit der Waffe in Schach hielten.

Trotz des verhängten Ausgehverbotes halten die Schießereien in der Altstadt von Jerusalem un­entwegt an. Arabische Freischärler drangen in die alte Polizeistation ein und steckten sie in Brand. Im jüdischen Viertel der Altstadt explodierte wieder­um eine Bombe. In der Gegend des Jaffatores wurden etwa 150 Araber verhaftet, da sie sich auf dem Wege zu ihrer Arbeitsstätte befanden und von dem Ausgehverbot, das lediglich in den Außenbezir- fen plafatiert wurde, feine Kenntnis hatten. Mit der Altstadt besteht nach wie vor feinerlei telepho­nische Verbindung. Sämtliche arabischen Geschäfte auch außerhalb der Altstadt haben sich dem Streif angeschlossen. Da die Juden gleichzeitig Feiertag haben, macht die Stadt einen völlig ausgestorbenen Eindruck. Das Stadtbild wird von der Polizei und den Truppen, die in schweren mit Maschinengeweh­ren ausgerüsteten Lastwagen die Stadt durchfahren, beherrscht. Im Regierungshospital bei Safafa wurde ein jüdische r Ingenieur erschossen. In Jaffa wurde mehrere Araber durch Schüsse schwer verletzt.Eine von englischem Militär besetzte Draisine wurde auf der Strecke GazaKantara zum Entgleisen gebracht. Zwischen den Tätern

und der Truppe entwickelte sich ein Feuergefecht. In Gaza sind Telephonleitungen abgerissen. Neber Sased in Nordpalästina und ein größeres Gedieh der Umgebung dieser Stadt wurde von der engli­schen Mandatsregierung das Ausgehverbot ver­hängt.

B e t l e h e m befindet sich feit Wochen im Be- sitz der arabischen Freiheitskämpfer. Kein Soldat der Mandatsmacht Englands ist mehr in der Stadt. Den ausgesprochenen nationalen Cha- rafter des arabischen Freiheitskampfes, der weder gegen die christliche Religion, noch gegen die Aus­länder an sich gerichtet ist, beleuchtet die Tatsache, daß die Freiheitskämpfer den christlichen Gottesdienst in Betlehem nicht nur gestattet, sondern wie zu­letzt noch am gestrigen Sonntag ihn sogar be­schützt haben. Jedermann, mit Ausnahme von Ju­den und Engländern, ist der Zutritt nach Bethlehem und seinen heiligen Stätten freigegeben. Nach dem Verbot des Fezes und Turbans durch die arabische Geheimregierung trägt jeder Araber nur noch d i e gleiche Kopfbedeckung wie d i e Frei­heitskämpfer selbst: die Kopfschnur (Jkal) und das Kopftuch, die Kufia. Die Engländer stehen also der Schwierigkeit gegenüber, Zivilisten und Frei­schärler voneinander zu unterscheiden, zumal die arabischen Freiheitskämpfer alles nur mögliche tun, um sich durch Vermischung unter die Zivilbevölke­rung zu tarnen.

Die immer wieder in London eintreffenden Mel­dungen über die Machtlosigkeit des englischen Man­datsherrn im Heiligen Lande fangen an, die eng­lische Oeffentlichkeit peinlich zu berühren insbefon--, bere die Blätter der Opposition betonen, unter der schwachen englischen Führung habe sich in Palästina aus einem Zustand der Unordnung ein Kriegs- zustand entwickelt.Das ist nichts anderes als eine Schmälerung des englischen An­sehen s", schließtNews Chronicle".

Oie irische Frage.

Ministerpräsident de Balera schlägt Autonomie für Ulster, aber Teilnahme am allirischen Parlament vor. Zurückhaltung in der englischen presse.

London, 17. Oft. Der südirische Minister­präsident de Valero erhärte zur Frage der Vereinigung Nord- und Südirlands, er habe den Gedanfen einer Volfsab st im­mun g aufgegeben, durch die Südirland mehr Gebiet bekommen, die aber die Trennung Ngrd- irlands und Südirlands verewigen würde. England müsse Nordirland veranlassen, sich einem allirischen Parlament anzuschließen. Ulster, also das vorwiegend protestantische Nord­irland, fönne in örtlichen Angelegenheiten Auto­nomie haben und brauche nur Garantien für die 420 000 Mann ftarfe katholische nationale Minder­heit in feinem Gebiet zu leisten. Wenn es bei der Grenztrennung bleibe, so würden die Aussichten einer Zusammenarbeit Irlands mit England im Falle eines Krieges mit Europa sehr gering sein. Die augenblickliche Teilung Irlands sei ein gefähr­licher Anachronismus, der aufhören müsse.

Die Blätter scheinen von dem neuen Vorstoß de Valeros ziemlich überrascht zu sein, betonen jedoch fast ausnahmslos, daß es nicht Sache Englands sei, sich in die weiteren Verhandlun­gen einzulassen, sondern daß sie Nord- und Süd­irland allein angingen. Was die Londoner Re­gierung zu den Forderungen de Valeros sogen wird, ist noch ungewiß. Unterrichtete Kreise glau­ben zu wissen, man werde die Entscheidung über Für und Wider Belfast überlassen,- weil man dort die englische Sache in guten Händen wisse. Lord Craigavon, seit 17 Jahren Mini­sterpräsident von Nordirland, habe die Wiederver­einigung bisher immer befämpft. Noch am Montag­abend habe er zu dem jüngsten Vorstoß de Valeros erhärt:Ich Fann nur unseren alten Kampfruf wiederholen: Keine Uebergab e." DieDaily Mail" verwahrt sich dagegen, daß auf Ulster irgend­ein Druck ausgeübt werde. Chamberlain habe immer wieder har gemacht, daß die Teilungsfrage nur Dublin und Belfast a n g e h e. In der Times" wird der ganze Fragenkomplex völlig übergangen, ein Zeichen dafür, daß innerhalb der

Konservativen eine gewisse Uneinigfeit darüber be­steht, wie das Problem Irland in Zufunft zu be­handeln ist. Der sozialistischeDaily Herald" schreibt: Eine glatte Ablehnung jeder Erörterung dieser Frage, nur, weil es auf den ersten Blick scheint, als ob sie englische Interessen berühren fönnte, würde verhängnisvoll für die Freundschaft und Zu­sammenarbeit zwischen England und Irland sein.

Oer englische Königsbesuch in den Vereinigten Staaten.

L o n d o n , 17. Oft. (Europapreß.) Wie derDaily Herald" meldet, steht es nunmehr fest, daß das eng­lische Königspaar in Washington einen Staatsbesuch machen wird. Das Blatt schreibt, der König und die Königin würden drei Tage und zwei Nächte in Washington weilen. Die dritte Nacht werde das Königspaar wahrscheinlich an Bord eines Kriegsschiffes verbringen, da als Abschluß des Staatsbesuches eine Flott en sch au in der Mün­dung des Potomac-Fluffes stattfinden werde. Einem Empfang zu Ehren des Präsidenten Roosevelt i n der englischen Botschaft werde ein Emp­fang zu Ehren des Königspaares im Weißen Hous und in Anwesenheit des Senats und des Kongresses i m K a p i t o l folgen. Weiter sei ein Be­such des Berges von Vernon und des Grabes von George Washington vorgesehen.

Um den englisch-amerikanischen Handelsvertrag.

London, 17. Oft. (Europapreß.) Zu den in London umlaufenden Gerüchten, wonach in den englisch-amerikanischen Handelsvertragsoerhandlun- gen eine Stockung eingetreten fein soll, bewahrt man an zuständiger Stelle die größte Zurückhal­tung. Es wird lediglich betont, die Verhandlungen würden nach wie vor weitergeführt. Man habe aber vorläufig feinen Anhalt dafür, wann die seit Monaten im Gange befindlichen Beratungen zu

einem Abschluß fommen tonnten. Man scheint in England auch nicht gewillt zu sein, wegen gewisser unterschiedlicher Auffassungen in Tariffragen das ganze Vertragswert zu sprengen. England strebt mit dem Vertrag mehr als eine handelspolitische Annäherung zwischen London und Washington an. Man erwartet hier, daß aus einer wirtschaftlichen Annäherung auch eine Jtärfere politische Zu« fammenarbeit zwischen den beiden angelfäd)< fischen Ländern erwachsen werde. Es ist damit zu rechnen, daß nach der Rückkehr des Ministerpräsi- deuten Chamberlain der ganze Frogenfreis er­neut überprüft werden wird.

Großräume der Wirtschaft.

Als Großbritannien die Verträge von Ottawa schloß und darin den britischen Dominions Vor­zugszölle zubilligte, die auf ©egenfeitigfeit be­ruhen, tat es den Schritt zur geschloffenen Groß- raumwirtschaft, in der der Brite allen anderen Handelspartnern vorgeht. Wenn auch wegey der Eigenart des britischen Handels diese Großraum- wirtschaft sich nur bedingt durchsetzen fonnte, so ist der Austausch der Waren zwischen der industriellen Mutterinsel England und den Dominions doch ftärfer gestiegen als der mit anderen Ländern. Der Anteil der Empire-Länder an der englischen Ein­fuhr betrug 1931 nur 28 v. H., 1937 aber schon 40 v. H. Die Phrase von der Freiheit des Welt­handels wird hauptsächlich von der angelsächsischen Presse zur Tarnung geradezu entgegengesetzter Interessen benutzt, schillernde Seifenblasen, die über einer fraß egoistischen Politif des Höchstzollschutzes schweben.

Diesem englischen und dem sehr ähnlichen amen« fanischen Großraumgebiet gegenüber hatte bis jetzt das europäische Festland nichts Gleich­wertiges zu bieten. Die Einflüsse des die politische Hegemonie suchenden Frankreich und die beliebte Politif Englands, eine Koalition aller anderen Fest- landsmächte gegen den jeweils Stärferen zustande zu bringen, verhinderten eine naturgemäße Aus­richtung der Festlandswirtschaft. Der Banferott dieser Thesen und die Neuordnung der politischen Gestaltungen aber ziehen ganz automatisch auch eine Veränderung der handelstechnischen Struktur nach sich. Man hat sich auch in Frankreich die­sen neuen Gedanken nicht ganz versperrt. Es ist bezeichnend dafür, daß derMatin" an der sicht­barsten Stelle seines weitverbreiteten Blattes sagt, Frankreich sei geographisch ein westeuropä­isches Land, das sich über das Mittelmeer hin­weg bis nach Afrika erstrecke. Hier lägen seine wirtschaftliche Kraft und seine Zukunft. Außen­politisch wird daher die Abkehr von der bisherigen Hegemonialpolitik gepredigt. Frankreich dürfe nicht mehr der Gendarm Europas fein. Seine Kraft läge am Atlas, aber nicht an der Weichsel oder am Bosporus. Es müsse sich friedlich und wirtschaftlich zugänglich erweisen. Also: der englischen These von Ottawa wird die eines französischen Wirt­schaftsgroßraumes entgegengesetzt, zwei Tatsachen, die gut nebeneinander bestehen könnem

Der dritte Großraum, der zweite festländische, aber erstreckt sich, wie Reichswirtschaftsminister Funk am Ende seiner Balkanreise in Sofia aus­führte, von der Nordsee bis zum Schwar­zen Meer. Abseits der politischen Leidenschaften, die vor allem die Engländer dazu antrieben, ein vergebliches Störungsfeuer durch politische Kredite auf dem Balkan zu eröffnen, sind rein wirtschaftliche Erwägungen maßgebend gewesen, um diese' Groß- raumwirtschaft unter deutscher Führung entstehen zu lassen, und zwar richtet sich die Wirtschaft danach, was der einzelne Staat geben und dafür von der anderen Seite erhalten kann. Diese Austauschwirt­schaft gestaltet sich also nach rein kaufmän­nischen Grundsätzen. Dabei ist es klar, daß nicht Frankreich oder England oder die nordameri­kanische Union, sondern Deutschland dos Gebiet ist, nach dem die Balkanländer sich ausrichten. Alle Balkanstaaten mit der Türkei, Ungarn und dem Reststaat der Tschecho-Slowakei sind in erster Linie Rohstoffländer. Die Türkei liefert landwirt­schaftliche Erzeugnisse, Tabak, Baumwolle, Erze, die Balkanländer führen Getreide und Erze aus, und auch die Tschecho-Slowakei ist jetzt ein agrarisches Ueberschußgebiet. Deutschland lieferte bereits in den letzten Jahren für diese Produkte Maschinen und industrielle Fertigwaren aller Art, es half den Süd­ostländern ihre Rohstoffquellen zu erschließen. Wenn Reichswirtschaftsminister Funk auf den Warenkredit für die Türkei hinweift, so ist es klar, daß dieser Warenkredit erst ein Anfang ist. Die wirtschaftliche Verbindung mit den Südostländern liegt in deren eigenem Interesse, denn sie ist frei von imperialisti­schen Absichten und Einflüssen. Schon im letzten Jahr bezog z. B. Deutschland einschließlich Oester­reichs von Griechenland 32, Rumänien 27,2, Bul­garien 47, Ungarn 41, Jugoslawien 35 v. H. der ge­samten Ausfuhr dieser Länder, während der Anteil Englands, Frankreichs und der USA. insgesamt nur 11 bis 19 v. H. ausmacht. Die Bezüge Deutsch­lands aus dem Südosten haben sich in den letzten vier Jahren auf das Dreifache gesteigert, während der Anteil Englands, Amerikas und Frank­reichs gesunken war. Dem deutschen Bedarf an Ge­treide, Vieh, Geflügel, Holz, Baumwolle, Erzen, Tabak, Mineralöl, Trauben, Feigen und Rosinen usw. kommen die Südostländer schon geographisch entgegen. Zudem haben diese Staaten im Waren­austausch mit Deutschland nicht jenes Risiko zu tra­gen, das die Länder mit Währungs- und Konjunk­turschwankungen wie England und Frankreich na­türlich nach sich ziehen. Der Südosten braucht Ab­satzquellen zu stabilen Preisen und langfristige Ver­träge, und nur Großdeutschland kann beide Vor­teile bieten.

Wenn wir jetzt mit dem Südosten u. a. über um­fangreiche Lieferungen, üöex neue Straßenbaute«