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Berliner Tiergartenmelodie 1938
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Kunst und Wissenschaft
sich,
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der volkstüm-
5. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten!)
dende Freude am Theaterspiel an Darstellung seiner Menschen und
das frohe H. B.
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£( vorher messen iiüine ihre Krä etier, wie im D Siniradjf'S brä-Cinben 1.
Georg Kolbes Frankfurter Veethoven-Denkmal.
Die Stadt Frankfurt a. M. hat, wie schon kurz gemeldet, Professor Georg Kolbe, dem Goeche. preisträger des Jahres 1935, den Auftrag zur Errichtung eines monumentalen Beethovendenk- mal 5 erteilt. Den Entwurf zu diesem Denkmal hat Kolbe 1927 geschaffen. Es handelt sich um eive bewegte Gruppe von drei Figuren: die ins Sinn- bildliche gehobene Jdealgestalt Beethovens, von zwei Genien begleitet. Der Kunsthistoriker Wilhelm Pinder sagt hierüber in seinem kürzlich erschienenen Buch über Kolbe: „Ja, selbst das Beechoven- denkmal von 1927, das noch immer nicht nach außen getreten ist — es ist Beethoven, aber es ist nicht der Musiker Ludwig van Beethoven, der sterblich war, sondern es ist der unsterbliche Beethoven", und Rudolf G. Binding spricht von dem Entwurf als dem „Denkmal der welterobernden deutschen Seele selbst" und sagt, daß die Zeit da sei, daß dieses Denkmal „vor dieses Bolt hingestellt werde". Die Stadt Frankfurt ist gewillt, diese große Aufgabe zu erfüllen.
Ehrung des Asienforschers Wilhelm Filchner.
Im Rahmen des zür Zeit in München stattfinden- den Gaustudententages München-Oberbayern 1938 wurde eine wissenschaftliche Tagung abgehalten, in
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Herr. Und es mache ihm ein wirkliches Vergnügen, sich zur Verfügung zu stellen.
Renata versprach, es auszurichten, zweifelte aber, ob die Eltern ein Angebot annehmen würden, das ihn denn doch wohl zu fehr belaste. Verlockend fei es natürlich!
„Also, ich bitte, mein gnädiges Fräulein, machen Sie sich selber zu meinem Fürsprecher, ich bin überzeugt, ich kann keinen besseren finden. Ich versichere Ihnen, es ist der reinste Egoismus von mir — Pardon für meine Offenheit, aber es ist wirklich langweilig, allein die Kilometer zu fressen — ich habe es auf der Reise hierher erfahren. Jedenfalls wäre es unbedingt viel reizvoller, wenn ich Sie neben mir am Steuer hätte —"
x Als Renata hinaufgegangen war, sagte der Baron:
„Sie kommen wie ein Deus ex machina! Gerade heute hat Signora Tudesco durch meine Vermittlung mit einem Unternehmer in Riva wegen eines Autos verhandelt — aber er war ihr wohl zu teuer. Ich glaubs schon, die Herrschaften müssen sich wohl etwas einrichten, so eine Oberstenpension ist nichts Ueberwältigendes. — Wenn Sie Glück haben, nimmt man Sie beim Wort!"
„Soll mich nur freuen!"
„Mich weniger, Verehrtester! Denn dann stehen mir mit einem Male vier Zimmer leer — mitten in der Saison!"
„Meins reservieren Sie mir, Baron. Ich komme wieder. Nur für drei, vier, fünf Tage — wenn überhaupt. Das Mädel ist verteufelt apart!"
„Ja, ja, ja, ja! Aber — rühr mich nicht an!"
Ottenrieth erwiderte nichts. Verstimmt ging er bald hinauf. Ihm war, als ob der zynische Gedanke des Barons einen Schmutzspritzer aus alles geworfen hätte, was fein Herz erfüllte — mit Glück und Unruhe zugleich.
Am nächsten Tage war der kleine Ort um die malerische Bucht völlig verändert.
Als Ottenrieth für seine Verhältnisse früh, nämlich um neun Uhr, erwachte, hörte er ein starkes, gleichmäßiges Rauschen. Er sprang aus dem Bett, stieß die Fensterläden auf und sah die Welt in Silbergrau.
Gewaltiger Regen stürzte hernieder, seit den Nachtstunden schon, zum ersten Male in vielen Hochsommerwochen. Die schier verdorrten Terrassen der Wein- und Olioengärten tranken gierig die Flut. Das Ende des Sees nach Süden hin ver- jchwamm. Riesigen Wattebäuschen gleich hing
Lauert nicht an jeder Straßenkreuzung für alle Menschen eine große Gefahr? Jeder kennt sie — jeder fürchtet sie! Klares Sehen schützt Dich vor Unfall Sprechen Sie wegen einer .guten Brille* mit
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deren Verlauf der berühmte Asienforscher und Kul- turpreisträger 1937 Professor Wilhelm Filchner feierlich zum Dr. - Jng. ehrenhalber der Technischen Hochschule München ernannt wurde.
Deutscher Erfolg
Im Internationalen Amateurfilmwettbewerb.
Im internationalen Filmkongreß in Wien, der zusammen mit dem internationalen Wettbewerb um den besten Amateurfilm durchgeführt wurde, konnte wiederum Deutschland den er st en Platz unter den beteiligten Nationen erringen. Mit vier eingereichten Filmen erhielt der Bund deutscher Filmamateure zwei erste und zwei dritte Preise. An zweiter Stelle unter den Nationen steht Frankreich, auf dem dritten Platz folgt Schweden. Den Preis der Internationalen Amateurverbände für den besten Film des Gesamtwettbewerbes -erhielt Polen. Der Kongreß übertrug das Generalsekretariat der Internationalen Vereinigung der Amateursilmoerbände auf zwei Jahre dem Bund deutscher Filmamateure mit dem Sitz des Sekretariats in Berlin.
Studienfahrt des Internationalen Kinderschutz- kongresfes.
Die Teilnehmer an dem Internationalen Kinderschutzkongreß, der in Frankfurt tagte, unternehmen gegenwärtig Studienfahrten durch Deutschland. Auf dieser Fahrt kam die vorwiegend aus Deutschen, Franzosen und Belgiern bestehende Gruppe über Lindenfels i. O., wo sie aus der Betreuung des Gaues Hessen-Nassau entlassen wurde, in den Gau Baden. Der erste Besuch galt dem NSV.-Kindererholungsheim Sandtorf bei Mannheim. In Mannheim wurde das Frauenseminar für soziale Frauenberufe der NSV. und die Jugendherberge besichtigt.
lieber die Reichsautobahn zu den Salzburger Festspielen.
Wer in diesem Sommer die Salzburger Festspiele besucht, wird Gelegenheit haben, durch ein« Fahrt mit den Kraftomnibussen der Deutschen Reichsbahn zwischen München und Salzburg, Bad Reichenhall oder Berchtesgaden die Reichsauto- bahnen aus eigener Anschauung kennenzulernen. Die Fahrten beginnen im allgemeinen an den Fernbahnhöfen der Reichsbahn und sind nicht teurer als Eisenbahnfahrten in der 3. Wagenklasse Eilzug.
Vornan von Hans von Hülsen.
Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell.
„Da treffen Sie den Nagel auf den Kopf, Herr Jndusttiedlrektor! Und was bekomme ich also, wenn ich Ihr fürstliches Inkognito respektiere?" ^„Sie haben natürlich jede Wahl, mein gnädiges
Der Baron, beflissen wie immer, rückte zwei von den hochlehnigen venezianischen Sesseln heran, die in der Halle umherstanden. Man könnte vielleicht einen Schwarzen trinken? Und eine Zigarette rau- chen — bitte schön? Die Signorina rauche nicht? Wohl wegen der Stimme?
Sie saßen zusammen in einer Ecke unter der großen Kopie des Segantini (Leutstetten erzählte, daß Segantini aus. dem nahen Arco stamme), durch die offenen Fenster kamen die Düfte des Gartens und vermischten sich mit dem starken Duft, der von den kleinen Tassen aufstieg. Sie redeten von Wien, das ja für sie alle drei eine Art Generalnenner bildete. Von dem Wien aus der schönen Zeit vor dem Krieg, das Ottenriech und Leutstetten als junge Burschen, aber die Signorina natürlich gar nicht kennengelernt hatte — der Baron wurde geradezu sentimental, wenn er davon erzählte.
Vorsichtig erkundigte sich Ottenrieth nach Renatas Eltern, bedauerte die körperliche Hinfälligkeit des Vaters und bat sie sogar, auszurichten, daß der Steyer immer gern zur Verfügung stehe, wenn der Herr Oberst einmal die Eintönigkeit seiner Tage durch eine Spazierfahrt unterbrechen wolle.
Renata lächelte freimütig. Gerade heute habe man davon gesprochen, ein Auto für die Rückreise zu nehmen, weil dem Leidenden die Eisenbahn allzu unbequem sei. ,
„Für die Rückreise?" fragte Ottenrieth und gab sich Mühe, seine Betroffenheit zu verbergen.
Ja, für die Rückreise. Denn man reife in wenigen Tagen nach Hause. Nach San Bartolomeo.
Oh, wie schade! Und wo liege denn dies San Bartolomeo?
Auf dem Wege nach Genua, hoch im Apennin. Dort besäßen die Eltern ein altes Landhaus, noch aus der Zeit der Doria, mit meterdicken Mauern, mitten in Kastanienwäldern gelegen — dort sei es kühl.
Ottenriech sagte rasch, daß er sein Angebot auch für diesen, ja freilich bettüblichen Fall aufrechterhalte. Wenn die Herrschaften sich seinen Fahr- fünften anvertrauen wollten? Er habe ohnehin die Absicht gehabt, an den hiesigen Aufenthalt, der nun also so bald seinen Reiz verlieren solle, noch einen kleinen Rivierabummel anzuschließen. Bis im Oktober im „Theater an der Wien" die Proben zu jeiner neuen Operette anfingen, sei er jein eigener
Eines Nachmittags zwischen Tee und Nachtmahl, als Ottenriech, unterm Lorbeergebüsch des Gartens verborgen, im Liegestuhl die Zeitung las — das ganze Haus war leer von Gästen, wie immer um diese Stunde — horchte er tief betroffen auf. Aus einem der Fenster im oberen Stockwerk klang Gesang, eine volle, fdjöne Altstimme fang in deutscher Sprache ein ihm wohlbekanntes Lied von Richard StrSutz. Das konnte niemand anders fein als sie. Beklommen lauschte er, wie sie alle Strophen durchsang. Schön war das! Und noch lange sann er dem Gesang nach, als sie geendet hatte, unruhig- glücklich genoß fein Herz den unter dem vorabendlichen Himmel verschwellenden Klang. Ihm war, als habe sich ein Fenster geöffnet und ihn einen Blick in ihre Welt tun lassen.
2ln diesem Abend lernte er sie kennen.
Sie stand im Gespräch mit Leutstetten in der Halle, als er von der Straße hereintrat; zwischen den Fingern hielt sie eine Ansichtskarte: sie mochte sich nach irgend etwas erkundigt haben. Leutstetten ueß chn nicht vorbei, stellte ihn mit einer leichten Handbewegung vor, wie er es mit allen Gästen tat.
Sie redete ihn in geläufigem Deutsch an:
„Der Baron hat mir gesagt, daß Sie die Grille haben, für einen Industriellen gelten zu wollen. Sie werden mich recht schön bitten müssen, wenn ich gute Miene zum bösen Spiel machen soll. Denn ich weiß es besser."
„Um Gottes willen!" machte Ottenriech. „Es kam mir doch gleich so vor, als ob wir uns schon irgendwo begegnet sein müssen. In Wien vielleicht? Aber ich bringe es nicht zusammen, so sehr ich auch grüble."
„Grübeln Sie?" lachte sie. „Das ist aber tödlich! Nun, ich will Ihnen helfen. Es war bei einem Konzert der Philharmoniker im Großen Konzert- Haussaal, in einer Pause. Sie wurden Frau Armbruster vorgestellt, mit der ich dort war."
„Tatsächlich, Sie haben recht. Daß ich es ver- gejfen konnte. Jetzt fällt mir alles wieder ein, es war der Abend mit Gigli, Ihrem großen Landsmann. Rate ich recht, daß Sie in Wien Ge ang studieren)," -----------1
berliner Vries.
Wie Neuyork seine „Brodway-Melodie" hat, so hat Berlin jetzt seine „Tiergarten-Melodie". Zwar hat sich diese Tiergartenmelodie noch nicht zu einem Film verdichtet, wohl aber findet sie am 18. Juni ihren Niederschlag in einem Sommer- fest, das — wie alljährlich — im ,^)aus der deutschen Presse" alles vereinigen wird, was irgendwie zur Zeitung gehört. Selbstverständlich auch die eifrigen Leser und die schönen Leserinnen! Wie sollte es auch sonst zu jener höchst vergnüglichen Tanznacht „Tiergartenmelodie 1938" kommen, von der die launigen Ankündigungen so geheimnisvoll und vielversprechend zu berichten wissen. Wiederum haben die Berliner Pressezeichner das Haus der Prelle in ein kunterbuntes Gewand gekleidet, um der Aktualität dieses Sommers gerecht zu werden. Und aktuell, das muß man schon sagen, ist diese Tiergartenmelodie 1938! Klingt es doch zur Zeit im Tiergarten längs der Charlottenburger Chaussee, der künftigen Ost-West-Achse, in allen Tönen und mächtigen Akkorden auf, angefangen von dem fröhlichen Vogelgezwitscher am Goldfischteich um 4 Uhr morgens, wenn sich die Sonne erhebt, über das Klick-klack der unzähligen Spitzhacken hinweg bis hin zum Stampfen und Dröhnen der gewaltigen Rammen, die der unterirdischen Wegekreuzung und der städtischen U-Bahn das Bett bereiten und die mit des Basses Grundgewalt das hohe Lied der Arbeit begleiten. Mithin: der Ton ist da, es fehtt nur der Film, der allein imstande märe, ein Bild von der gewaltigen Neugestaltung des Berliner Tiergartens zu geben.
*
Was die Berliner jetzt am meisten in den Tiergarten treibt, das find die Vorgänge in der Siegesallee, deren Marmor-Denkmäler Stück für Stück abgetragen werden, um der Nord-Süd- Achfe Platz zu machen. Von dieser Siegesallee kann man ähnlich wie Schiller vom Generalissimus Wallenstein sagen: „Von der Parteien Haß und Gunst verwirrt, schwankt ihr Charakterbild in der Geschichte." Dem einen ist die Siegesallee eine unerschöpfliche Fundgrube beißenden Spottes, dem Anderen sichtbarer Ausdruck der stolzen Geschichte Brandenburg-Preußens und damit des Deutschen Reiches. Diese Hochachtung vor dem historischen ßrbe hat auch dazu geführt, die Denkmäler der Siegesallee, die ihre Entstehung einem Erlaß Wilhelm II. vom 27.1.1895 verdankt, nicht etwa stillschweigend verchwinden zu lassen, wie manche düsteren Blickes voraussagten, sondern sie in einer der schönsten Tiergartenalleen, die vom GroßenStern nach Süd-Osten abzweigt, wiederaufzustellen. Am Anfang dieser neuen Siegesallee, die mit Albrecht dem Bär (1134—1170), dem ersten Markgrafen von Brandenburg, beginnen und mit dem greisen Kaiser Wilhelm I. enden wird, sollen auch hie Denkmäler Bismarcks, Moltkes und Roons, die ebenfalls von ihrem jetzigen Standort auf dem Königsplatz weichen müssen, neu errichtet werden. So wird an dieser »Stelle des Tiergartens zusammen mit der Siegessäule ein Denkmalshain des Zweiten Reiches die Erinnerung an die ruhmreiche Vergangenheit wachhalten.
Sehr reizvoll ist es nun, diesem „Abtransport" der Markgrafen, Kurfürsten und Könige beizuwohnen, die selbst recht unterschiedlich ihrem „Zug nach Westen" zuzusehen scheinen. So fühlt sich Friedrich der Große anscheinend seit Tagen recht ungemütlich auf seinem Postament, das infolge der baulichen Veränderungen hart an der neuen Fahrbahn steht, auf der das Heer der Kraftwagen und Autobusse Unaufhörlich und völlig respektlos einherbraust. Fast sieht es so aus, als ob Fridericus im nächsten Augenblick feinen Krückstock drohend erheben würde. Im Gegensatz zu chm schaut der Große Kurfürst lehr zufrieden und durchaus mit allem einverstanden dem Treiben des Bautumults zu. War er es doch, der zu feiner Zeit ebenfalls Berlin neugeftab tote, indem er (unter vielem anderem) zu Ehren feiner Gemahlin die Dorotheenftadt aus dem Erdboden wachsen ließ und zu diesem Zweck getrost ein Stück Tiergarten opferte. Gänzlich unbeteiligt unö gelangweilt sieht Otto der Faule auf das große
Geschehen unter chm. Er ist zu faul, um darüber nachzudenken. Hart an der riefenhohen Ramme, die am 14. Juni an dieser Stelle mit ihrem ersten Rammstoß das Signal „Fanget an!" gegeben hat, steht das Denkmal des Königs Friedrich Wilhelm II. (1786 bis 1797). Ihm geht es just „an den Kragen", denn von einem hohen Balkengerüst legt sich ein Flaschenzug, um feine rundliche Figur, um ihn vorn Sockel zu nehmen. Aber wie sieht diese Denkmalsfigur aus! lieber und über ist sie mit Gips beschmiert. Auch die Hände und Finger sehen aus wie die eines Bäckers, der Teig knetet. Bald erfährt man, warum die Denkmäler derart „einbaL jamiert" werden: um alle vorspringenden Teile der Marmorfiguren beim Abtransport und Wiederaufbau zu schützen. *
Angesichts der Riesenabbrüche von Häusern, Straßen und Stadtvierteln in Berlin fragt man sich immer wieder: was wird aus diesen „Ruinen?" Wo bleiben die Berge von Altmaterial, die sich Tag für Tag, ja Stunde für Stunde in ungeheuren Ausmaßen anhäufen? Es versteht sich von felbft, daß man sie nicht auf den Kehrichthaufen wirst. Aber wie gelingt es, diese Steinhaufen und Schuttmassen in kürzester Frist zu beseitigen? Nun, es finden sich genügend Abnehmer für dieses durchaus noch wertvolle Baumaterial. Scharen von „Abputzer" sind dabei, die Ziegelsteine von dem noch anhaftenden Kalk zu befreien; andere Scharen verladen diese Millionen von Steinen, die ihrer Billigkeit wegen hochgeschätzt sind, besonders die „Halbsteine", die an Siedler sogar kostenlos gegen die Verpflichtung des Abtransports abgegeben werden. Daß nicht ein Kilogramm der wertvollen Metalle wie Kupfer, Messing, Zink, Blei, verlorengeht, dafür sorgen die öffentlichen Metall-
ßes Gewölk an den Felswänden. Donner grollte, bald fern, bald nah. Zwei Gewitter waren zu« fammengetrofren, zogen hierhin und dorthin und fanden aus Dem tiefen Kessel zwischen Rocchetta und Monte Baldo nicht hinaus. Auf den Steinplatten der Uferpromenade sprangen die großen Regentropfen. Der Lungolago vor den kleinen Cafts, Photo- und Andenkenhandlungen war aus- gestorben, selten nur, daß ein Italiener mit dem landesüblichen Regenschirm sich zeigte. Von den Fremden war nichts zu sehen, die Barken, auf denen sie sich sonst um diese Stunde in Scharen vergnügten, lagen mit zusammengerollten Segeln im kleinen Hafenbecken, über dessen Steinmole der Gischt des erregten Sees in weißen Fetzen geflogen kam.
Schönes Schauspiel! Aber langweiliger Tag!
Ottenrieth kleidete sich gemächlich an — nichts hatte heute Eile — und ging in das Frühstückszimmer hinunter, wo er sich allein fand, da alle anderen Gäste schon gefrühstückt hatten.
Er empfing nachgesandte Post und las sie zer- streut; seine Gedanken waren ganz bei dem, was ihm, wofern das Schicksal gnädig war, bevorstand: eine tagelange Autofahrt an der Seite der schönen Renata Tudesco.
Der Baron, nach seiner Art müßig umherschlen- dernd, setzte sich eine Weile zu ihm und tröstete ihn über das Wetter: es sei nichts von Bedeutung, das Barometer stehe gut, es werde bald vorübergehen, man kenne das hierzulande — und für die Gärten und die ganze Vegetation fei es ja eine Wohltat. Ottenrieth nickte zu alledem, es interessierte ihn durchaus nicht, feine Gedanken waren ganz mit dem einen Gegenstand beschäftigt.
Zum Frühstück erschienen die Tudesco nicht im Speisesaal, roo man heute, des Wetters wegen, essen mußte. Dem Obersten, so erklärte Leutstetten an mehreren Tischen, ging es nicht gut, er hatte sich auf dem Zimmer servieren lassen, und Frau und Tochter leisteten ihm Gesellschaft.
Ottenrieth war enttäuscht. Der Tag erschien ihm nun noch grauer und langweiliger. Wenn er Pech hatte, bekam er heute Renata überhaupt nicht zu
Er hielt sich nach Tisch in der Halle auf, blätterte in den Zeitschriften und Prospekten, die dort auslagen, überlegte, was er mit sich beginnen sollte. Solch ein Tag legte einen vollkommen lahm. Er hatte ein paar Bücher im Koffer. Er konnte auch Briese schreiben. Aber damit waren die Möalicb- ketten bereits erschöpft.
(Fortsetzung folgtr)
lich-sittliche Kern. Der klassische Vollender der Wiener Posse, Ferdinand Raimund, holte sich seine Gestalten aus dem Volke und formte, ein Shakespeare der Vorstadt, das bleibende Antlitz des Volksstückes. Wenn die fünfte Reichs-Theaterfest- woche besonders die Leistung des Theaters der Ostmark für das gesamtdeutsche Kulturschaffen Herausstellen will, so konnte keine glücklichere Lösung getroffen werden als mit einer Aufführung des „Verschwenders". Wenn dem Wiener Theater heute auch kein Girardi mehr zur Verfügung steht — fein letzter Nachfolger Willi T h a l l e r ist jetzt zu alt, um den Valentin zu spielen — so kommt doch Hermann Thimig der Tradition der Wiener Dolks- schauspieler sehr nahe. Der von ihm verkörperte Valentin war nahezu vollendet. In der ganz ausgezeichneten, von Herbert W a n i e k inszenierten Aufführung müssen noch die Roserl der Frau Seidler, der Flottwell Hennings, der Bettler H o e b l i n g s, der Chevalier Dumont von Otto Treßler genannt werden. Auch diese Vorstellung wurde — wie die der anderen Abende — mit stärkstem Beifall geschlossen.
Glanzvoller „Figaro" an der Diener Burg.
Der fünfte Tag der Reichstheater-Fe st - w o ch e brachte „Die Hochzeit des Figaro" von Mozart in der Wiener Hofburg. Im wunderbaren Rokokosaal verschmolzen Musik und Darstellung zu einer Einheit, wie sie schöner kaum gedacht werden kann. Unter der meisterhaften Leitung von Generalmusikdirektor Dr. Karl Boehm brachte die Wiener Staatsoper eine vollendete Aufführung heraus, deren Höhepunkte stürmischen Beifall fanden. Alfred I e r g e r als Graf Almaviva, die ae- sangllch ausgezeichnete Marie R e i n i n g als Gräfin Rosina, die temperamentvolle Margherita P e r • ras als Susanne und der von der Staatsoper Dresden gastierende^ schauspielerisch hervorragende Paul Schäffler trugen die glanzvolle Aufführung.
sind auch die großen, schweren Holzbalken, da sie völlig ausgetrocknet sind. Und endlich finden auch die Türen, Fenster, Oefen, Treppenstufen und Treppengeländer leichten Absatz. Die Fensterscheiben und Spiegelscheiben der Läden sind bereits vor dem Abbruch herausgenommen und verkauft, wie auch die zu Hunderten „frei" werdenden Küchen- und Bade-Einrichtungen. So kommt nichts um, sondern findet irgendwo draußen in Berlin oder aber auch im Reich wieder neue Verwendung und straft das Mephisto-Wort: „Jedes Ding, das besteht, ist wert, daß es zugrunde geht!", Lügen, weil auch aus diesen „Ruinen", die in Wirklichkeit ja gar keine Ruinen sind, alsbald wieder neues Leben erblüht.
Inmitten dieses (Betriebes von Unruhe, Lärm und melodienreicher Arbeit, das dem Berlin der Gegenwart den Stempel unaufhörlichen Wechsels aufdrückt, sieht man nicht selten an den Straßenecken oder auf den Plätzen, die zu den „Bereichen" der Neugestaltung Berlins erklärt wurden, Maler und Malerinnen vor ihrer Staffelei fitzen, um schnell noch dieses oder jenes Motiv des dahinsinkenden Berlins auf die Leinewcmd zu bannen. Hier ist es ein reizvoller Durchblick durch alte Häuserreihen oder winklige Gassen; da ein altes Fachwerkhaus unter hohen, jahrhundertealten Bäumen; dort eine Windung der alten Spree, deren düstere Melancholie alsbald einer weiten, lachenden Uferfläche Platz machen wird. Nach diesen Bildern, sei es in Del, sei es in Aquarell, herrscht eine große Nachfrage, denn selbst die geschickteste Photomontage vermag nicht die Romantik des historischen Berlins wiederzugeben, wie das Bild eines Künstlers oder einer Künstlerin, das in sich ein Stück wehmutsvoller Abschiedsstimmung trägt. Dennoch aber ist Berlin nicht etwa „rührselig gestimmt, denn es weiß, daß aus der „Residenzstadt Berlin" wie ein Phönix aus der Asche die glanzvolle Weltstadt und Hauptstadt des Dritten Reiches erstehen wird. Und so zeigt Berlin eine glückliche und frohe Miene und darf, indem es die Worte des Ministers Esser, des Präsidenten des Reichsfremdenverkehrsverbandes, " ' Reich zurufen:
Oer Tag der Deutschen Kunst 1938.
Vom 8. bis 10. Juli wird München, die Hauptstadt der Bewegung und £ie Stadt der deutschen Kunst, ein Bekenntnis zur Kunst ablegen, wie es in der Geschichte seinesgleichen nicht hat. Ganz Deutschland ist in München, das in diesen Tagen einen großartigen Schmuck tragen wird, zu Gast. Dor den Vertretern der Presse sprach der stellver- ttetende Gauleiter Nippold über den Sinn des diesjährigen Tages der deutschen Kunst. Er soll als die Fortsetzung und Krönung aus den vorhergegangenen Festen hervorwachsen. In seinem Mittelpunkt wird der g r o ß e F e st z u g stehen, der 2000 Jahre deutscher Kultur den Hunderttausenden, die die Straßen Münchens säumen, vor Augen führen wird. Wieder werden die Hauptveranstal- tungen umrahmt von den Tagungen der in der Reichskammer der bildenden Künste zusammengeschlossenen Künstler und von Darbietungen der Schwesterkünste Musik und Theater. Dje großen Volksfeste werden wieder zum .Ausdruck bringen, daß ein Volk der Arbeit auch ein Anrecht auf Freude hat. Gaupropagandaleiter Wenzel führte an Hand von farbigen Zeichnungen die Gestaltung des Festzuges sowie die Entwürfe zur festlichen Ausschmückung des Stadtbildes vor. Zum erstenmal wird in Gestalt eines Festzuges, der 500 Reiter, 2000 Frauen und 2500 Männer zu Fuß neben zahlreichen Wagen umfassen wird, eine jahrtau- lenbalte Kulturüberlieferung vor die Augen der Nation treten.
Wiener Burgtheater im Zeichen des Dolksstückes.
Der vierte Abend der Reichstheaterfest- w o ch e war mit der Aufführung von Ferdinand Raimunds „Verschwender" im Burgtheater dem Wiener Volksstück gewidmet. Reizvoll an diesem Werke bleibt die in ihm sichtbar roer-
«tohiitj unter St,n Bräuntet felloiWr! J.w Mn Wn worben, ।
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densenkungen im Weichbild Berlins auszufüllen, abwandelt, allen Volksgenossen im um schlechte Landwege zu befestigen oder nasse „Reist in das glückliche — reift Stellen im Gelände trockenzulegen. Sehr begehrt s Berlin!"
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