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Mandschurische Aoüzen.
Von unieremH. T -Berichterstatter.
(Nachdruck verboten.)
H s i n k i n g, im zQunt 1938.
,Japan hat sich in Nord-Chsna die gleichen Dfgaben gestellt, wie in Mandschukuo" — düsen recht allgemein und nichtssagend gehaltenen iZatz kann man alle Augenblicke in der Tagespresse (een, ohne daß sich aber der Zeitgenosse wohl eine klare Vorstellung von dem machen kann, was Japan bisher in der Mandschurei g e l e i st e t hat. Will man also das Geleistete auf einen ganz einfachen Renner bringen und gleichzeitig seine Absichten in Iljina umreißen, dann läßt sich das Problem in fern kurzen Satz zusammenfassen: ,Japan hat in bir Mandschurei Ordnung geschaffen und mitt diese gleiche Ordnung auch in Nordchina ein- sihren". Heute, im Zeichen der Anerkennung der Mandschurei durch Deutschland interessiert dieses Land als solches allein.
„Mandschu-Kuo" heißt wörtlich übersetzt „Reich der Mandschus", denn aus der Mandschurei fernen im 17. Jahrhundert die „Mandschus", die bemale das riesige China unterwarfen und es bis zum Jahre 1912 beherrschten. Die zu diesem Zeitpunkt in Petina residierende „Mandschu-Dynastie" wurde im gleichen Jahre von Sun-Pat-Sen und ftnen Anhängern gestürzt und die heute noch bestehende „Chinesische Republik" ausgerufen ... Amtlich heißt „Mandschu-Kuo" heute allerdings ,/Nandschu-Ti-Kuo" oder „Kaiserreich der Man- Lfchus", weil vor einigen Jahren mit japanischer Hilfe Henry Pu-Pi, der letzte kaiserliche Man- vchu-Sproß aus der Peking-Dynastie in Hsinking bm Thron des neuen mandschurischen Kaiserreichs b>stieg, wo er seitdem über die alte Stammheimat seiner Ahnen zwar „regiert", aber nicht „herrscht".
Denn die Herrscher des Landes sind die Japaner md der in Hsinking — der Landeshauptstadt — allein ausschlaggebende Mann ist der jeweilige Oberbefehlshaber der Kwantung - Armee", der gleichzeitig den Posten eines „Kaiserlich japanischen Eesandten am mandschurischen Kaiserhof bekleidet, jur Zeit ist es der General d. Inf. U e d a, dem mch die in den letzten Operationen so häufig ge- mnnte ,Ilwantung-Armee" untersteht, die die Wehrmacht der „Mandschurei" verkörpert. Ihren Barnen hat sie nach jenem Gebiet, das mit der Festung Port-Arthur und dem Hafen Dai« r> n den südlichsten Zipfel der Mandschurei bildet, Idin die Russen nach dem verlorenen russisch-japa- rischen Kriege an die Japaner abtreten mußten und d.r heute staatsrechtlich zu Japan — also nicht Jlir eigentlichen Mandschurei gehört. Die Mannschaften dieser Kwantung-Armee rekrutierten sich bisher fast ausschließlich aus Landeseinwohnern, küs heißt aus Chinesen, die von japanischen Offizieren und Unteroffizieren geführt wurden und die jetzt aus dem einfachen Grunde in einer Art „Urn- i bldung" begriffen ist, weil der chinesische Nationa- " lismus jetzt auch in der Mandschurei aufzuflackern 6?ginnt und man dieser Eingeborenen-Armee kein rechtes Vertrauen mehr schenkt.
Trotzdem ist auch heute noch diese Kwantung- 8irmee der militärisch - politische Herr der Mandschurei, während auf wirtschaft- lchem Gebiete die Südmandschurische kisenbahn die allein ausschlaggebende Rolle hielt ... ein Riesenkonzern, dem so ziemlich alles tn Werten gehört, was die Mandschurei an beweg- Ichen und unbeweglichen Dingen über, auf und tnter der Erde besitzt: also alle Bahnen, die Häfen, fce Bergwerke, die großen Fabriken, Zeitungen, । Hotels, Schulen, Klubs Museen, Pflanzungen, Bibliotheken, Versucksfarmen, wissenschaftliche Laioratorien, Krankenhäuser usw. oder mit einem i Bort: ein Polyp, der seine Arme jetzt auch nach hm besetzten Nordchina ausstreckt und der unter || mberen auch einen ausschlaggebenden Einfluß auf | l:e Gestaltung des mandschurischen Stadt- und Lanb- 1 shaftsbildes ausgeübt hat. Durch ihre Tarif- und
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Lustiges vom Theater.
Von Wilhelm von Scholz
Das Theater ist eine Fundgrube für Anekdoten, frnmer sind unter den Schauspielern besonders vitzige Köpfe gewesen, die es verstanden, bekann- , t-n Personen ein lustiges Erlebnis anzudichten, in hm sie treffend charakterisiert waren, oder die kleinen Vorkommnisse des Lebens im Wiedererzäh- hn humorvoll so zu steigern, daß echte Anekdoten daraus wurden.
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Ein altes Ehepaar hat im Theater das Spielplanheft vor sich, in dem, wie einige Jahre hindurch Mich, die Theaterzettel der ganzen Woche ver- . ti-nigt waren. Auf der Bühne ist „Faust": im Heft lesen sie den Zettel zur „Gezähmten Widerspensti- cen". Auf einmal sagt der alte Ehemann: „Na, so widerspenstig finde ich sie gar nicht!" >
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I! Einen sehr nervösen Darsteller des Marquis 5>ofa hänseln die Kollegen damit, er habe bei der iorigen Aufführung des „Don Carlos" gesagt: .Sire, geben Sie Gewerbefreiheit!" Er solle doch diesmal aufpassen! Nachdem sie „Gedankenfreiheit' inb „Gewerbefreiheit" viele Male um das Ohr des ärgerlich Abwehrenden haben schwirren lassen, dmmt die Szene. Philipp flüstert dem Posa zu: .Gedankenfreiheit!" Und schon ruft Posa, der an- iimmt, daß ihn sein Partner wieder beirren will, «it höchstem Pathos: „Sire, geben Sie (Bewerbe« hifjeit!"
Der humorvolle Dramaturg eines Theaters, zu hssen Aufgabenkreis außer dem Stückelesen auch tos Umschalten des Telephons gehörte, bekam we- rig Gehalt. Die Unzufriedenheit über eine so betrübliche Tatsache führte ihn dazu, allerhand Schabernack zu treiben. So nagelte er einmal heim- lch im benachbarten Derwaltungsbüro einen alten Limburger Käse unter die Schreibtischplatte des Kassierers und freute sich täglich mehr, wie man mit Hilfe von Bausachverständigen immer verzweifelter ii der Mauer, im Fußboden, hinter einem alten Nanuskriptenschrank, in dem Stücke seit Jahren wgelesen lagerten, und im Rohrabfluß der Wasserleitung nach der Ursache des üblen Geruches suchte.
Aber sein Hauptwirkungsmittel war das Tele- khon. Die Primadonna der Bühne stand in zarten । Beziehungen zum Intendanten. Sobald sie von der Brobe kam, pflegte sie von einem Bühnenapparat cus über die Zentrale, die der Dramaturg zu be- frrgen hatte, das Amt und dann die Nummer des
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
18./1Y.ZUNN938
Preispolitik hat die Südmandschurische Bahn überhaupt erst die Voraussetzungen für eine blühende Landwirtschaft geschaffen, die wiederum nur unter dem Schutz der Kwantung-Armee — Krieg gegen die Banditen! — gedeihen konnte, so daß das Millionenheer der chinesischen Bauernsiedler unter unvergleichlich besseren Bedingungen als im eigentlichen China lebt.
„Hat aber der Bauer Geld, bann hat es auch die ganze Welt" — in diesem Sonderfalle die mandschurischen Städte, die in weniger als einem Menschenalter die Metamorphose vom Barackenlager zur modern st en Groß st adt vollzogen haben. Gerade das phantastisch rasche Anwachsen dieser Großstädte ist das Hauptcharakteristikum der Mandschurei: Hsinking (die Landeshauptstadt),, Charbin, Mukden, Dairen — um nur die allerwichtigsten zu nennen — haben heute d i e Halb-Millionengrenze erreicht oder überschritten und sind Wirtschaftszentren, die — rein äußerlich betrachtet — genau io gut im rheinischen Industriegebiet, im englischen Kohlengebiet oder „irgendwo" in Amerika liegen könnten. Das Hauptkontingent der Bewohner all dieser zahlreichen Großstädte sind die Chinesen, von denen in den letzten 30 Jahren ebensoviele Millionen in die damals fast menschenleere Mandschurei eingewandert sind, während die Japaner mit einer Kopfstärke von vielleicht 500 000 Mann — die Mandschurei ist so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen— in der absoluten Minderheit sind. Sie treten fast ausschließlich als Offiziere, Verwaltungsbeamte, Techniker und Kaufleute in Erscheinung, während das bäuerliche japanische Element —abgesehen von einigen kostspieligen Versuchs-Siedlungen — vollständig ausfällt. Denn der Japaner ist seiner ganzen Natur nach Insulaner, der als Bauer gegen den anspruchslosen chinesischen Landarbeiter nicht aufkommt, der das Klima nicht verträgt und der sich in dieser unwirtlichen Mandschurei ebenso un
wohl fühlt, wie der städtische Japaner, der in dieser „Kolonie" in erster Linie rasch und besser verdienen will, wie auf den engen Inseln und der den Aufenthalt in der Mandschurei mehr oder minder als ein Provisorium auffaßt, wie es etwa auch der englische Kaufmann, Offizier und Beamte in Indien tut.
Außer den Japanern und Chinesen leben in der Mandschurei noch Mongolen und Koreaner und ein paar Tausend „Fremd e", unter denen hie Russen das stärkste Kontingent stellen. An zweiter Stelle stehen die Juden aus den Randstaaten, die eine starke Vermehrung durch den Zustrom aus Mitteleuropa erhalten haben, bereits sind allen Ernstes jüdische Stimmen laut geworden, die die Mandschurei als neue jüdische Heimat mit Charbin als Jerusalem und dem Sungari als Jordan zu propagieren versuchen. Denn die Mandschurei hat — falls Japan den Krieg gewinnen sollte — eine ganz außerordentliche Zukunft, für deren Gestaltung sich bereits jetzt das jüdisch- amerikanische Kapital lebhaft zu interessieren scheint.
Die Zahl der in der Mandschurei lebenden Deutschen beträgt etwa ein halbes Tausend. Die älteste Kolonie besteht in Charbin, bann folgt Mukben und an dritter Stelle Dairen — in allen drei Städten befinden sich deutsche Konsulate, Charbin und Mukden besitzen außerdem, deutsche Schulen, Klubs und andere Einrichtungen und Vereinigungen, die in Fernost das Rückgrat jeder Kolonie bilden. Erklärlicherweise haben heute die Deutschen, die zumeist Kaufleute sind, unter dem Kriege genau so zu leiten wie alle anderen auch. Von der Anerkennung der Mandschurei durch Deutschland versprechen sie sich nicht unerhebliche Vorteile. Das letzte Wort über die Mandschurei wird nicht in Hsinking, sondern auf den Schlachtfeldern Chinas gesprochen werden ...
Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil.
Briefe von einer Afrika-Reise.
Von Or. Paul Rohrbach.
ffl.fW'eia.
labora, Ende Mai 1938.
Hier in Tabora steht die größte und schönste B o m a, die zur deutschen Zeit in Ostafrika gebaut wurde. Ursprünglich bedeutet Borna eine Befestigung, und die von Tabora ist in der Tat e i n m ä ch t i ges Kastell. Später wurde das Wort auf jeden Verwaltungssitz, oft nur ein einfaches Bürogebäude übertragen. In der Borna spielt sich aller behördliche Verkehr zwischen Beamten und Eingeborenen ab, und die deutsche Borna war für den Schwarzen der Inbegriff der mit notwendiger -und heilsamer Strenge gepaarten Gerechtigkeit und Fürsorge.
Wer den Neger verstehen will, darf ihn nicht unter- und nicht überschätzen. Es gibt einen Neger- ausdruck, an dem man die innere Natur des Schwarzen förmlich ablesen kann. Für jede komplizierte europäische Erfindung, z. B. Radio ober Flugzeug, bie er nicht begreift, hat er bis zwei Worte: Kasi Uleia, b. h. eine Europasache, über bie man sich nicht den Kopf zu zerbrechen braucht. Der Europäer macht eben solche Sachen, unb bamit gut. Einigermaßen ähnlich stellte sich ja auch ber primitive Russe zur Erfinbungs- unb Organisationsgabe bes Deutschen mit ber Rebensart: Gott hat sich ben Menschen ausgebacht unb ber Deutsche ben Äffen! Bewunbernber Verzicht aufs Begreifen — gemischt mit Mangel an Sympathie.
Der Neger im allgemeinen ist roeber unintelligent noch — in bestimmtem Verstönbnis — unfähig zu moralischen Leistungen. Die Porubas in Westafrika, bie Suahelis an ber Ostküste, bie Waganba am
Victoria-See (um nur biefe zu nennen), lassen sich in formaler Hinsicht ganz europäisch schulen. So begegnet man z. B. in Lagos unb an ber Golb- küste schwarzen Rechtsanwälten unb Pastoren, bie wunberbar reben, unb in Kampala, ber Hauptstabi von Uganba, werben in einem englisch geleiteten schwarzen College bie künftigen „Minister" seiner Hoheit bes Kabaka ausgebilbet. Dieser Negerfürst darf unter dem Protektorat des Königs von England einige Hunderttausend Untertanen regieren und besteuern. Zur Königskrönung bekam er auch eine Einladung nach London — nur erging an seinen englischen Leibarzt gleichzeitig ein Wink, ihm die Reise aus Gesundheitsrücksichten (schwerer Alkoholismus!) zu widerraten.
Gewichtiger als bie formale Schulungsfähigkeit ist, daß ber Neger auch wei.ß, was Treue, heißt. Nie hätte Lettow-Vorbeck sich über vier Jahre gegen bie feinbliche Uebermadjt halten können, wenn ihm seine schwarzen Askaris nicht treu geblieben wären, obwohl sie in jebem Gefecht ihn leicht hätten verlassen können. Als er ihnen keinen Solb mehr zahlen konnte, ließ er Gutscheine auf bie zustänbige Löhnung ausgeben. Nach Kriegs- enbe verlachten die Englänber bie Askaris wegen ihres beutschen Papiers, aber bie Askaris sagten: Der General hat uns bas Gelb versprochen, er wirb uns sein Wort halten, er ist ein Deutscher! Tatsächlich würben nach Ueberroinbung ber Inflation ein Major von ber alten beutschen Schutztruppe unb ein Zahlmeister mit einigen Millionen silberner Rupienstücke nach Ostafrika geschickt unb bie Askaris würben ausbezahlt. Die Englänber gaben bamals ben beiben beutschen Herren einen Oberstleutnant mit, um ben Schein
ihrer höheren Autorität zu wahren, aber bie Schwarzen lachten unb sagten: Das ist ja nur ber Boy vom Herrn Major!
Einmal währenb bes Krieges saßen einige Askaris am Feuer unb sprachen barüber, welch eine Belohnung ihnen ber General nach bem Siege wohl geben würbe. Da sagte ber eine zu seinen Kame- raben: Er wirb zehn von uns nach Deutschland mitnehmen, und wenn er in seine Hauptstadt einreitet, werden wir hinter ihm marschieren. — Das ist echtes soldatisches Ehrgefühl.
Und doch darf man sich selbst durch solche Erfahrungen nicht zu einem falschen Urteil über ben Schwarzen verleiten lassen. Er hängt an der Person, die ihm imponiert, der er vertraut, mit ber ihn bie Disziplin unb bie Erfahrung, gerecht behaubeit zu werben, oerbinbet. Jeber Versuch, ihn für eine Sache, unabhängig von allem Persönlichen, zu begeistern .unb ihn zur Aufopferung für sie zu bringen, wäre aussichtslos. Das läge außer unb über aller Negerpsychologie. Hat es erst einmal ber falsche Mann als weißer Vorgesetzter mit bem Neger zu tun, so ist bas Dssastre
Schleussner Film
mll Garantieschein gegen Fehlbelichlung
sicher, wenn kein rechtzeitiger Wechsel vorgenommen wirb. Dann ist auch bie Disziplin im Augenblick roieber ba. Beide Erfahrungen wurden in Kamerun während des Krieges mit unserer schwarzen Truppe gemacht, die auch so tüchtig und selbstbewußt war, daß bie Leute sagten: eine Kompanie von uns ist gut für ein Regiment Feinbe!
Der Neger mag noch so intelligent unb anstellig fein — ihm fehlen brei Dinge: schöpferisches Denken, eigene unangeleitete Initiative unb das Gefühl für felbftänbige Verantwortlichkeit. Er läßt sich zu einem ausgezeichneten Chauffeur ausbilben, aber bazu hörte ich einen alten Afrikaner sagen: er wirb nie begreifen, daß eine Maschine gepflegt fein will. Man mache ben Versuch, bie weiße Oberleitung aus ben Gebieten ber heutigen schwarzen Musterzivilisation zurückzuziehen, unb man wirb in ein ober zwei Generationen basselbe erleben, wie in ben beißen „souveränen" Negerrepubliken Haiti unb Liberia. In Haiti werben hinter einem bünnen katholischen Firnis insgeheim roieber Menschenopfer gebracht, unb in Liberia mußte Dölker- bunbskontrolle eingeführt werben, weil bie Nachkommen ber bort angefiebdten befreiten amerikanischen Sklaven selber Sklavenhanbel trieben. Von einem guten Kenner Westafrikas hörten wir, baß bie schwarzen Aerzte unb Juristen, bie mit ihrem englischen Doktorbiplvm aus Lonbon zurückkommen, ihre afrikanische Seele boch so unoeränbert bebakten haben, baß sie nachts zum Djubju, bem Fetischzauber ihres Stammes, schleichen unb ben ganzen wüsten Hokuspokus mitmachen, als ob sie nie ein Universitätskolleg gehört hätten. Kasi Uleia — bie inneren Zusammenhänge unb bie innere (Brunblage europäischen Denkens finb unb bleiben bem Neger fremb.
Es gibt allerhanb Gerebe vom Erwachen ber schwarzen Rasse. Bei allen Fehlern englischer unb sonstiger Eingeborenenpolitik in Afrika ist aber nicht daran zu denken, daß die Herrschaft der Weißen in diesem Erdteil je ernstlich erschüttert werden könnte. Die Schwarzen werden nie lernen, selbst Flugzeugmotore unb Munitionsfabriken zu bauen unb sich bie Kapitalsgrunblagen für europäische Betriebe großen Stils zu schaffen. Ich habe ben Herero- unb Hottentotten-Aufstanb 1904 bis 1906 in Sübwestafrika miterlebt unb war selbst Kriegsfreiwilliger, solange es auf jeben Mann ankam. Hätten wir bamals schon ein paar Flugzeuge gehabt, so hätte ber Aufstanb keine brei Wochen gebauert. Alle europäische Technik, auch bie Kriegstechnik, hat ihre geistigen Grunblagen, unb um sich ihrer zu bemeiftern, dazu ist ber Negergeist nicht fähig. Kasi Uleia!
längst zum Mittagessen entschwebten Herrn Direktors zu verlangen. Ohne überhaupt mit bem Amt zu oerbinben, meldete sich nach kurzer Pause der Dramaturg mit verstellter Stimme: „Hier Zentralviehhof!" oder „Wach- und Schließgefellschaft", um zuletzt, wenn er genügend und in der Wut immer gesteigerte „Falsch verbunden!" gehört hatte, mit Fistelstimme zu flöten: „Hier bei Herrn Direktor K.....", gleich aber hinzuzusetzen: im Augenblick
sei es völlig unmöglich, daß ber Herr Direktor ans Telephon komme, und weiblich-schämig dazu zu lachen.
Häufiger noch als selbst Spottvogel ist der Dramaturg Zielscheibe luftigen Spottes feiner Schauspieler-Kollegen. Ein Dramaturg in Westdeutschland hatte einmal in ber Oper Stallwache: so nennt man es, wenn ein Stellvertreter bes eigentlichen Regisseurs bie verantwortungsvolle Überwachung ber Vorstellung zu besorgen hat. Der Dramaturg, ganz Mann bes Schauspiels und opernfremd, vertrat noch dazu einen ihm befreundeten Opernspielleiter, ber an bem Abenb Dienst gehabt hätte. Schon erfaßt ber Uebermut bie Sänger: Nach bem dritten Akt des „Rienzi", in dem Colonnas Leiche auf die Bühne gebracht worden ist, erscheint im Regiezimmer der Darsteller des Colonna, ber inzwischen in ber (Barberobe ein Kostüm für ein Singspiel ber Biebermeierzeit — ich glaube, es war bas „Heimchen am Herd" — probierte, in hellem Zylinber unb glockigem Gehrock unb erklärte bem in Dramenmanuskripte vertieften Dramaturgen in gereiztem Tone: „Herr Doktor, ich trete heute nicht mehr auf!"
Der Dramaturg: „Aber, mein Verehrtester, Sie werben es boch wohl nicht auf sich nehmen wollen, bie Vorstellung zu stören?!"
Der Sänger: „Gewiß nicht. Eben beshalb. In bem Kostüm, bas man mir ba gegeben hat, trete ich heute nicht auf!"
Der Dramaturg: „Aber Sie müssen, Herr N ...., wenn Ihnen bas Kostüm oonx ber Jntenbanz vorgeschrieben unb gegeben worben ist!"
Der Sänger: „Es ist unmöglich, Herr Doktor, baß ich so auftrete. Ich bin außerbem tot!"
Der Dramaturg: „Daß Sie bei einer austreu- gen Partie erschöpft finb, begreife ich sehr wohl. Aber bann müssen Sie sich eben zusammennehmen. Die Vorstellung barf keinesfalls gestört werben, ba- für trete ich ein! Kommen Sie sofort mit hinunter, ehe ber vierte Akt beginnt!"
Man kann sich bas Hallo ber herumstehenben Sänger in ben prunkvollen (Beroänbern bes im vierzehnten Jahrhunbert spielenden „Rienzi" denken, als ber Dramaturg seinen ernstlichen Willen be-
funbete, ben toten Colonna zu zwingen, sogleich im Biebermeierkostüm im „Rienzi" aufzutreten!
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Der Besitzer bes einst sehr berühmten unb vornehmen „Hotel be Roma" in Berlin — es lag in ber Charlottenstraße, ber Seitenfront ber jetzigen Staatsbibliothek gegenüber — hatte eine hübsche Tochter, die ben zweiten Bariton ber Hofoper liebte unb ihn gern heiraten wollte, wobei sie nicht ohne weiteres auf bie Zustimmung ihres Vaters rechnen konnte. Als ihr (Beliebter einmal ausnahmsweise den „Don Juan" fingen durfte, bat sie ihren Vater inständig, ins Opernhaus zu gehen, was er schließlich auch tat. Als am nächsten Morgen der Sänger bei bem großen Hotelbesitzer feinen Besuch machte und schüchtern seine Bewerbung stotterte, klopfte ihm ber künftige Schwiegervater wohlwollend auf die Schulter mit den Worten: „Na, ich will Ihnen meine Tochter geben. Sie sind kein Dan Juan!"
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Zu seinem sehr unzuverlässigen Tenor sagt der unter den häufigen Absagen bes Herrn Malfatti feibenbe Direktor bei Beginn der neuen Spielzeit: „Nun, mein Verehrter, haben Sie Ihre Indispositionen für bie kommende Saison schon getroffen?"
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Beim Bühnenagenten sitzt ein junger Musiker und weicht, als längst über seine eingereichte Oper alles Wissenswerte besprochen worden ist, nicht von der Stelle. Endlich aber erhebt er sich doch vom Stuhl und sagt zu bem freunblichen, feine Ungeduld gut verbergenden Meister des Vertnebsfaches: „Nun aber werde ich gehen müssen." Da fährt es dem Bühnenagenten heraus: „Warum, lieber junger Freund, haben Sie das nicht schon lange gesagt?"
Das Weitesten.
„Junge — Junge, so eine Pleite!" Resigniert kommt Smutje, ber Lagerkoch, angewankt. Was ist los? Nichts Gutes ahnenb blickt alles auf bas kummerfaltenburchzogene Gesicht Smutjes. „Die Nubeln — futsch — angebrannt!" ist alles, was aus ihm herauszubringen ist. „Was?" einem Geisterchor gleich, klingt bie vor Entsetzen grabes- tiefe, einstimmige Frage ber Jungen. Hin zur Küche! Beibe Horbenpötte haben am Raub ber Feuerseite einen braunschwarzen Satz. „Aus ist's", bie Meinung sämtlicher Sachverstänbiger kommt zu diesem Schluß. Was nun? Hungern ober im nahen Dorf nochmals einkaufen? Am oorl.tzten Lagertag, । ba die gemeinschaftliche Kasse entfetzliche Löcher auf-1
weist, ein fragroürbiges Beginnen. Was also tun? Heimlich schnallt bas gesamte Lager bereits bie Koppel enger. Rübe, bem Vielfraß ber Lagergemeinschaft, wirb bei bem bloßen Gebauten an bie kommende „Hungersnot" bereits schwach in ber Magengegend. Dagegen ist Heiner Romantiker und quasselt begeistert eine Unmenge von „Wurzelessen — Kalmusabenbbrot wie in Karl May ..." Das mangelnbe Verstönbnis ber anberen stimmt ihn betrübt.
Baß erstaunt sehen sich alle an, als, wie immer zur festgesetzten Zeit, bas Signal zum Essenfassen ertönt. War ein Ausweg gefunben ober ein Wunder geschehen? „Alles im Halbkreis hinsetzen!" Der begierig lauschenben Jungenschaft entwickelt Smutje einen mit Begeisterung aufgenommenen Plan. Ein Wettessen sollte steigen unb bas trotz ber an gebrannten Mittagsmahlzeit?! Schweigsame Ernüchterung tritt sofort roieber ein. Wettessen ist gut, prima sogar — womit — woher aber? Will Smutje etwa noch äppeln? Hörbar unb unmutig knurrt bei einem solchen Gebauten mancher uner- grüubliche Pimpsenmageu. Schiefe Blicke treffen Smutje bereits, als er jetzt geheimnisvoll lächelnd zum Kücheuzelt geht. Dann erscheint er, ben Arm voller Brote, gefolgt von „bienftbaren Geistern", lies Kücheu-Orbouuauzeu. Einen Riesenpott käst- _ kicher weißer Milch schleppen sie herbei.
Weitesten mit trockenem Brot unb Milch — bas war noch nicht bageweseu! Alles stopft — afles schlingt. Jeber will am meisten futtern!
„Noch eine her!" ist bas einzige, was bei biefem Essen gerebet wirb. Was ber Beste schaffte? Es waren nur elf Schnitten! Harald.
Hochschulnachrichten.
Geh. Baurat Professor Dr.-Jua. h. c. Max G u • termuih, ber em. Drbinarius für Wärmekraftmaschinen, Pumpen, Gebläse unb Kompressoren an der Technischen Hochschule Darmstadt, konnte dieser Tage seinen 8 0. Geburtstag begehen. Von feinen Arbeiten sei bas gemeinsam mit Professor Dr. Watzinger herausgegebene breibän* bige Werk über bie Dampfmaschine hervorgehobeu.
Professor Dr. Friebrich Schumann, ber frühere Drbinarius für Philosophie unb Psychologie an ber Universität Frankfurt, beging seinen 7 5. Geburtstag. Professor Schumann hat sich besonbers burch seine Arbeiten auf bem Gebiete ber Wahrnehmungspsychologie unb als Herausaeb'r ber Zeitschrift für Psychologie einen in ber Fachwelt geschätzten Namen gemacht.


