Ausgabe 
18.6.1938
 
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Das Regiment 116 im Weltkrieg

Don Ernst Hölzel, Major d. ZR. im Znf.-Dgt. 116.

den Generals vom 28. August liest, in dem es heißt:

Nach sieben schweren Großkampftagen warf heute

Gießener Vrauhaus-Mer

Hervorragende Qualität

Gondererzeugnis: Gießener Brauhaus-Cdel-Vils Das Bier des Kenners

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sie dem Stoß aus, indem sie in der größten, plan­mäßig vorbereiteten und durchgeführten Rückwärts-

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Als kreisleiker des Kreises Wetlerau heiße ich die aus allen Teilen Deutschlands hierher gekommenen ehemaligen Angehörigen des Infanterie-Regis. 116 und seiner Kriegsformationen auf das herzlichste willkommen. Ich freue mich, daß sich jeder Kame­rad noch zu seinem alten Regiment hingezogen fühlt, und daß die Bande der Kameradschaft, die im Frieden und im Kriege auf das Innigste ge­knüpft wurden, über alle Jahre des Riedergangs hinweg nicht zerrissen worden sind. Diese traditio­nelle Verbundenheit, Treue und Kameradschaft möge im neuen Groh-Deutschen Reich in diesen Tagen der 125jährigen Gründungsfeier des alten stolzen Regiments 116 wieder einmal zu einem großen inneren Erlebnis für jeden einzelnen wer­den. In diesen Tagen möge es aber auch jedem klar werden, und darauf kann besonders der stolz fein, der neben seiner soldatischen Pflicht auch immer seine Pflicht als politischer Soldat erfüllt hat, daß wir es einzig und allein dem Führer und seiner Bewegung zu danken haben, wenn Deutschland heute wieder groß und stark und mächtig geworden ist, und wenn unsere stolze Wehrmacht wieder das Deutsche Reich zu schützen vermag.

In diesem Sinne herzlich willkommen, Kame­raden, mit einem kräftigen Sieg-Heil auf unseren Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht.

Backhaus. Kreisleiter.

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Als Standortältester von Gießen und Divisions­kommandeur des im Herbst 1936 neu erstandenen Jnfanterie-Regiments 116 begrüße ich aufs herz­lichste alle ehemaligen 116er, die aus Treue und Anhänglichkeit zu ihrem alten Regiment herbei­geeilt sind, um mit ihm den Tag der Wiederkehr seines 125jährigen Bestehens feierlich zu begehen.

Wöge das innige Band, das feit sieben Jahr­zehnten das Regiment 116 mit dem Standort Gie­ßen und seiner Bevölkerung umschließt, durch diese Wiedersehensfeier aufs neue gefestigt werden, und möge das Jubiläumsfest dazu beitragen, daß die ehrenvolle, mit Blut und Eisen geschriebene Ge­schichte des Regiments fortlebt bis in alle Zukunft.

An den stolzen Erinnerungen, an der hohen Tra­dition des Regiments sollen sich aber nicht nur die Alten, die unter seiner Fahne gedient und gekämpft haben, aufrichten, sondern aus ihr soll vor ollem die Generation Kraft schöpfen, die im neuen Reich unter neuen Fahnen die Ueberlieferung des alten Heeres zu pflegen berufen ist:Die junge deutsche Wehrmacht."

Wöge so der 125jährige Stiftungstag für uns alle sowohl ein Erinnerungskag, als vor allem auch ein Ansporn sein, im Sinne dieser hehren Ueber­lieferung unsere Pflicht bis zum Aeußersten zu er­füllen für

Führer. Volk und Vaterland.

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Generalleutnant und Divisionskommandeur.

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Grüße an das Infanierie-Regiment 116 und seine Kriegsformationen.

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in verbesserter Form Allgemeingut geworben, aber mit Stolz nennt sich biß 12. Komp, ben Vater bes Gedankens. Auch Verbesserungen in ber Ausrüstung, wie ein zerlegbarer Spaten, der ein Jahr lang durch bie Jnfanterie-Schießschule erprobt würbe; in der Bekleibung, wie Schnürschuhe und Wickelgama­schen, Einführung einer leichten wollenen Haus­jacke, Wegfall bes Tornisters ufib an seiner Stelle ein Aluminium-Traggerüst mit weitem Rucksack usw., wurden unter Oberst v. Lindenau durch die 12. Komp, auf ihre Brauchbarkeit geprüft, heute sind sie zum großen Teil in ber neuen Armee ein- ge führt. Die Nachfolger bes Oberst v. Lindenau, dem heute noch seine Schüler und das waren wir Offiziere durchweg das dankbarste Andenken bewahren, die Obersten v. Müller und v. Trotta gen. Treyden, verstanden es, das Regiment auf ber erreichten höhe zu halten. Unter ber Führung des

Letztgenannten fanb vom 7. bis 10. Juni 1913 die Feier des 100jährigen Bestehens bes Regiments in glänzendster Weise statt. Wer diese Tage miterlebt hat, wirb sie nie vergessen.

Noch war Frieden, aber ber Krieg schwebte schon in ber Luft, ber 1911 nur mit knapper Not ver- mieben worden war. Leiber, muß map heute sagen, denn er wäre anders ausgegangen, wie ber Welt­krieg, für ben zu Hetzen unb zu rüsten unsere Feinde nun noch drei Jahre Zeit gewannen. Aber die Wogen ber Begeisterung unb Die Treueschwüre, bie in ben Tagen bes 100jährigen Jubiläums von alt unb jung gezeigt und geleistet würben, waren bie Grunblage, auf ber bas Regiment 1914 in den nun wirklich ausgebrochenen unb aufgezwungenen Krieg hinauszog, waren ber Ruf der Treue bis zum Tob. Unb er ift gehalten worben, vier Jahre hindurch vom jüngsten Musketier bis zum Reaiments-Kom- manbeür. Das zeigen die großen Opfer, zu denen auch der letzte Friebens-Kommandeur, Oberst Schirn- melfennig, gehörte. Ehre ihrem Anbenken!

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zugskärnpfen, um bann zur Besatzung berBruns Hilde-Stellung", des Brückenkopfes von St. Quen­tin, zu gehören. Die Bedeutung dieser Stellung er­hellt aus einem Befehl ber 25. Division, »n bem es heißt:Die Division steht unb fällt mit ber Stabt St. Quentin". Sie hat sie gehalten, unb wir haben bie schöne Stabt sterben sehen. Die Kämpfe am Waisenhaus, der Römerstraße und Cepy-Fe, vor ber Sübvorstäbt unb bem Bohnbamm wissen von ben Anstrengungen bes Feinbes zu erzählen, ber immer wieber bie Wegnahme St. Quentins ver­suchte.

Jnbessen hatten im Norben bie riesenhaften An­griffe bes Englänbers begonnen, bie bas Ziel hat- ten, bie beutfchen Flanbernstellungen östlich von Ppern zu burchbrechen unb vorzustoßen in ben Rücken unserer U-Boot - Basis bei Dftenbe. (Be­wältig war ber Verbrauch an Menschen unb Ma­terial auch auf beutscher Seite. Am 21. September erwarteten Lastkraftwagen bas anrollenbe Regi-

zu Ende ging, rollte das Regiment Verbun ent­gegen, ausersehen zum Einsatz beim Angriff der 5. Armee auf die Maasfeste. Die Erstürmung bes bollwerkartig ausgebauten Beaumont unb ber Fosses-Wald-Schlucht am 24. Februar unb des Louvemont-Rückens find besondere Ruhmestaten in jenen harten unb verlustreichen Kämpfen, von denen ein Armeebefehl des deutschen Kronprinzen vom 20. März sagt:Wo Hessen schlagen, hält kein Franzmann stand". Kurz nur war die Ruhe, und bann lagen bie 116er im unb vor dem Fort Douaumont und im Caillette-Wald, die sich zu Brennpunkten des Kampfes um Verdun entwickel­ten. Wohin aber das Regiment gestellt wurde, ftanb es feinen Mann.

Wie ein Paradies mutete nach jenen Wochen in Feuer, Nässe und Kälte die Stellung bei Cerny und ber Bovelle-Ferme am Chemin des Dames an, gekennzeichnet durch Minenkrieg in und über ber Erbe und gewaltsame Erkundungen. Doch schon seit Julibeginn drang von Norden her das Grollen der Somme-Schlacht herein, unb halb hieß es im Regi­mentDie Somme ruft". Am 12. September griff ber Feind dort bei Bouchavesnes an und trieb einen Keil in die deutschen Linien. Am 13. tpurbe bas Regiment hier hineingeworfen in den Strudel ber Materialschlacht. Neber 14 Tage ftanb es ba, wo der Kampf am heißesten war, und kein Fuß­breit Boden ging verloren, ja es ging selbst von der Abwehr zum Angriff über. Jener 20. Sep­tember aber reihte sich bem Tag von Le Quesnoy an Helbentum unb Tragik an.

Zwischen Maas unb Mosel bei St. Mihiel sam­melte es neue Kräfte, um bann währenb bes Spät­herbstes und Winters erneut im Sommegebiet, diesmal südlich von Pöronne, eingesetzt zu werden. War es vorher ein Kampf mit ben Waffen bes Feinbes gewesen, so ging es jetzt um ein Ringen

. _ w . gekleibete und von einem Kampf in den anderen

mit Wetter, Wasser unb Schlamm, von dem sich gehetzte deutsche Solbat gegen bie Uebermacht an nur der einen Begriff machen kann, ber selbst ba. Menschen unb Material jeder Art zu wehren suchte, bei war. Die Namen Matchölepot unb Hyencourt bie bie halbe Welt gegen ihn in Bewegung setzte, haben beswegen keinen guten Klang im Regiment. Selbst in bieser verlustreichen Abwehr kam in Diesen Winter benutzte ber Gegner zu Angriffs- Gegenstoß unb Gegenangriff ber alte Geist immer Vorbereitungen, um in Gegend Noyon unb Roye wieber zum Durchbruch. Wie ein Lichtblick aus unb weiter im Norben ben Keil anzuareifen, als schweren, buntlen Tagen mutet es ben Solbaten ber bie beutsche Linie nach Westen vorsprang. Als an, wenn er ben Tagesbefehl bes Kommanbieren- bie Oberste Heeresleitung bie Absicht erkannte, wich ! ~

nun folgenden Jahre des Regiments sind eng mit bem neuen Chef verbunden, ber bei jeber Gelegen­heit ihm fein Wohlwollen bewies unb es wieberholt in feiner Garnison Gießen aufsuchte unb besichtigte.

Am 12. März 1892 starb Großherzog Ludwig IV., ber hochverehrte Führer ber hessischen Division im Kriege 1870/71. Ihm folgte sein Sohn Ernst Lud­wig, ber von allen Landestinbern unvergessene unb ' geliebte letzte hessische Großherzog. Am 1. Oktober 1893 wurde anläßlich der Heeresvermehrung auch beim Regiment ein 1V. Bataillon zu zwei Kompa­nien (13. unb 14.) aufgestellt, aber bereits am 1. April 1897 wieber zur Bildung des neuen Infanterie-Regiments 168 nach Butzbach abgegeben. Am 24. Januar 1898 verlieh ber Kaiser dem Regi­ment gestickte Fcchnenbänder, und am 8. Februar dieses Wahres kam die Nachricht, daß ihm als Aus­zeichnung Haarbüsche zum Helme verliehen worben seien. Das waren zwei stolze Ereignisse im dama­ligen Friedensleben des Regiments, das am 1. Avril 1899 mit ber gesamten hessischen Division in das neugebilbete XVIII. Armeekorps Frankfurt a. M. übertrat.

Die im Laufe bes Frühjahrs 1900 ausgebrochenen Unruhen in China, wo unser Botschafter ermordet worben war, gaben Veranlassung, europäische Trup­pen, barunter"auch beutsche, dorthin zu senden. Es wurde eine Division Freiwilliger aufgestellt. Vom Regiment meldeten sich so viele, daß nur 7 Offiziere, 4 Unteroffiziere unb 86 Mann Verwendung finden konnten, die größtenteils in der Kompanie des HauptmMu»s Bartsch vom Regiment zusammen­blieben unb sich in dem Gefecht bei Tse-King-Kuan am 28. Oktober besonders auszeichneten.

Die nun folgenden Jahre zeigen eine gewaltige Entwicklung des Regiments in allen Dienstzweigen. Nahm es schon als Chef-Regiment des Kaisers eine besondere Stellung in der Armee ein, so wurde diese noch erhöht durch die großartigen Schieß- leistungen, die fast regelmäßig Jahr für Jahr den Kaiserpreis in das Regiment brachten. Bereits 1899 hatte die 3. Komp. (Hptm. v. Schlemmer) damit den Anfang gemacht, 1901 folgte die 2. Komp. (Hptm. Loerbrocks), 1902 die 8. Komp. (Hptm. Krause), die im ganzen dreimal siegreich war, dann 1904 die 12. Komp. (Hptm. Mohr) und dann die Leib-Komp. (Hvtm. Stephan), die zweimal den Kaiserpreis im gefechtsmäßigen Schießen der Leibregimenter und damit die heihbegehrtegoldene Schnur" errang. Sämtliche als Preis ausgesetzte Büsten fielen so ins Regiment und befinden sich heute noch im Offiziersheim. Eine Reihe hervorragender Regi­ments-Kommandeure, ich nenne nur den Oberst v. Madai, v. Dewitz unb v. Lindenau, sorgten da­für, daß das Regiment nicht nur auf feiner Höhe blieb, sondern sich immer weiter vervollkommnete. Besonders unter dem Oberst v. Lindenau, der lange Zeit im Generalstab gewesen war, erreichte das Regiment den Höhepunkt seines Ansehens und der Förderung seiner Ausbildung auf allen Gebieten. Freilich, Arbeit gab es in Hülle unb Fülle, und wer ba glaubt, die alten 116er hätten weniger zu leisten gehabt, als heute bie jungen, ber befindet sich in einem großen Irrtum. Nur beschränkte sich die damalige Ausbildung auf weit weniger Zweige, die gesamten neuen Waffen und Geräte waren ja noch völlig unbekannt, der Dienst war lange nicht so vierseitig unb anregend wie heute, aber eines ist feeiben Zeiten gemeinsam, die straffe Erziehung und Disziplin und die Einimpfung des herrlichen An­griffsgeistes, der 1914/18 sich bewährte und die stolzesten Erfolge erzielte.

Bessnbers interessant waren die Monate, in denen Oberst v. Lindenau zur Beratung über das neue Exerzier-Reglement kommandiert war und das Regiment dazu bestimmt wurde, dessen neue Formen auszuprobieren unb einzuüben. Aber die Arbeit lohnte sich. Das Regiment hatte die Aus­zeichnung, dem Obersten Kriegsherrn das neue Reglement in seinen Einzelteilen auf dem Trieb als erstes in der Armee vorzuführen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch zum ersten Male durch die 12. Komp, der sogenannteRobbensprung", ein Vorschieben der Schützenlinie im Liegen ohne Feuer­unterbrechung, gezeigt, der aus den Erfahrungen des Buren-Krieges entnommen war. Heute ist er

..... abend die 25. Großh. Hess. Jnf.-Division mit dem bewegung des ganzen Krieges die Linien in bie sog. Garbe-Grenabier-Regiment Kaiser Franz aus eige- Siegfrieb-Stellung zurücknahm. Dom 16. März bis s nem Entschluß bie Englänber in glänzenbem Gegen- zum 2. April ftanb das Regiment in jenen Rück- stoß von ber Höhe nörblich Harbecourt, aus Harbe-

Stellungskrieg kündete sich an. Am 31. Oktober in ben Kampf um das von der Nachbardivision ver­lorene Le Quesnoy en Santerre als Korpsreserve hineingeworfen, erlebte es seinenschwarzen Tag", zugleich dasLangernarck der Gießener ©tubenten- schaft". Diese Landschaft in der Picardie aber sollte bem Regiment zur zweiten Heimat werben. Der Name ßiancourt kann aus seiner Geschichte nicht gestrichen werben. Bis zum Oktober 1915 lagen die 116er hier im Grabenkrieg in einer Stellung, die sie mit außerordentlichem Fleiß selbst ausgebaut hatten. Nur das III. Bataillon würbe am 28. Sep­tember herausgezogen unb als Teil eines zusammen­gesetzten Regiments von Frankenberg an der Arras- Front eingesetzt, wo der Engländer in Massen­angriffen hoffte, die deutsche Front brechen zu können. Während dieses Einsatzes, der bis zum 23. Dezember währte, hat das Bataillon seinem Regiment volle Ehre gemacht. Die übrigen Ba­taillone aber wurden bereits für größere Aufgaben hinter der Front ausgebildet. Als der Januar 1916

ment, um es sofort hineinzutragen in den Hexen­kessel des Großkampfes. Hier an der Straße von Ppern nach Menin, wo diese die beherrschenden Höhen von Geluvelt schneidet, bewährte sich alte chattische Treue. In drei Großangriffen rannte der Engländer während dieses Einsatzes gegen die Trichter an, in denen er alles zermalmt ober zer­mürbt glaubte von seinem Trommelfeuer. Vergeb­lich! Wenn ber Heeresbericht vom 5. Oktober mel­den konnte:Das Helbentum ber beutfchen Trup­pen in Flanbern wirb burch nichts übertroffen", so kann das Regiment 116 feinen Anteil an diesem Ruhme für sich in Anspruch nehmen. Jedenfalls übergab die hessische Division am 10. Oktober ihre Stellung so, wie sie sie übernommen hatte.

Kurz nur waren die Ruhetage an der belgisch- holländischen Grenze. Und dann setzte in den schlammgefüllten Trichtern von Pafchendaele, für den Engländer bas Symbol schwerster Verluste, ein Kampf gegen Mensch unb Wetter in gleicher Weise ein. Was der einzelne Mann vor Pafchendaele oder Becelaere in Regen, Schnee, Schlamm und Nebel ohne jeden Unterstand ertragen hat, zäh unb ver­bissen, das ist ein Heldenlied besonderer Art.

Das letzte Kriegsjahr kam heran. Am 13. FebruaL wurde das Regiment in der Gegend von Maubeuge allsgelaben. Wenn seither jede Ruhezeit hazu diente, um eine neue Abwehrtaktik zu üben, so hörte unb las man jetzt nur noch einen Uebungszweck: An­griff! Große Dinge schienen sich vorzubereiten, unb als die vier Wochen herum waren, da wußte auch ber letzte Mann:Wir greifen an!" Endlich! Nach­dem man solange nur,gelernt hatte, sich zusammen­trommeln zu lassen unb dann mit bem letzten Ma^ schinengewehr, dem letzten Gewehr, ber letzten Handgranate den Feind doch noch zu Boden zu zwingen! Westlich von Bellicourt, zwischen Hargi- court unb Villeret war die hessische Division als Sturmbock der 2. Armee bestimmt, aus der Sieg­fried-Stellung heraus die englischen Linien zu neh­men unb dann als (Blieb ber großen Front, bie nun auf einmal von Arras bis La Fere in Be­wegung kommen sollte, vorzustvßen bis zum Durch­bruch. Es waren anbere Kämpfer als bie von An- loy, aber es war deren Geist, der auch nach all' ben schweren Tagen des Kampfes, ber Not, ber Ent­behrung nicht untergegangen war unb nun bie' Männer vom 21. März 1918 beseelte, die von Tag zu Tag tiefer hineinstießen in bie feinblichen Stel­lungen unb bem Englänber die größte Niederlage bereiten halfen, die es in feiner Geschichte gibt. Es war nicht die Schuld des braven Frontsoldaten, wenn ihm anaesicyts von Amiens der Enderfolg versagt blieb. Am 20. April schieb das Regiment wieber aus bem Verbanb ber 2. Armee. Auch bie 6. hatte an ber Lys mit Erfolg angegriffen, aber bann nicht zu brechenden Widerstand gefunden. Hier lag das Regiment vom 25. Avril bis zum 16. Mai in Stellungen flandrischen Gepräges, um bann im Kohlengebiet von D»uai Ruhequartiere zu beziehen. Denn neue Dinge, ein Großangriff gegen die englischen Nordstellungen, bereiteten sich vor. Noch einmal folgte ein kurzer Einsatz am Lys-Kanal für eine grippekranke Division unb bann bie letzte Ruhe im Krieg in Vorstäbten von Lille, von wo bereits Erkundungskommanbos in ben neuen An« ariffsabfchnitt vorgeschickt würben. Zuversicht er­füllte bi< Truppe, bereu Kameraben indes im Süden zum zweiten Male die Marne sahen. Da leitete ber 8. August die große Katastrophe ein, bie alle Angriffspläne Husammenbrechen ließ. Dort, wo bas Regiment im April zwischen Moreuil unb Albert ben Gegenstoß bes Feinbes aufgefangen hatte,' überrannte ber Gegner mit feinen Tankge- fchwabern bie beutfchen Linien. Altbekannte Namen aus der Somme-Schlacht und der Frühjahrsfchlacht tauchten wieder auf, als bie Division dorthin ge­worfen wurde. Es ist unmöglich, in diesem Rahmen barzustellen, wie ber Kampf um eineHauptwider- ftanbslinie" nach ber anberen verlief und mit wel­cher Verzweiflung sich ber schlecht ernährte, schlecht

Hundert Jahre Geschichte unseres stolzen Regi­ments waren bahingegangen, Tausenbe hatten auf seine Fahnen ben Eib hingebenber Treue bis zum Tobe abgelegt, als plötzlich und unvermittelt es galt, Wort und Schwur zur Wirklichkeit werben zu lassen, und ein Abschnitt seiner Geschichte anhvb, ber alles verblassen ließ, was bis dahin gewesen war. Nur in ganz großen Zügen wirb es in dem gegebenen Rahmen möglich fein, die übet vier­jährige Kriegsgeschichte bes Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm an uns oorüberziehen zu lassen. Es ist bas Kämpfen, Siegen, ßeiben unb Sterben eines Regiments, bem bas schwere Schicksal be« schieden war, nur an der Westfront kämpfen zu bürfen.

Nach Westen führte sein Weg, als es am Abenb des 7. August 1914 Gießen verließ. Am 18. August war ber Aufmarsch ber 4. Armee beendet, deren Verband das XVIII. Armeekorps mit der 25. (Hess.) Infanterie-Division angehörte, und ber Vormarsch bes Regiments aus Luxemburg heraus setzte ein. Aus belgischem Boden erlebte es am 22. August im Rahmen ber Schlacht von Neufchateau feine Feuertaufe. Dieser Tag von Anloy aber war mehr als dies, er war ber größte Ruhmestag bes Regi­ments zugleich während des ganzen Krieges. Je mehr eine aus verschiedenen Grünben in gleicher Weise von Freund und Feind geförderte Geschichts­schreibung gerade in den letzten Jahren die Vor­gänge und den Kräfteeinsatz auf beiden Seiten klarer erkennen läßt, um so Heller erstrahlt der Ruhmesglanz unseres Regiments, von bem Her­mann Kaiser, der verdienstvolle Geschichtsschreiber ber Kämpfe bei Bertrix, Maissin und Anloy, schreibt:Es gereicht dem Regiment 116 zum höch­sten Ruhm, daß es ihm beschieden gewesen ist, gleich in der ersten Schlacht bes großen Krieges bie schwerste Probe zu bestehen, die einem Infanterie- Regiment gestellt werben kann: gegenüber einer vielfachen 1 Uebermacht im Angriff sich zu be­haupten". Der Verlust von 43 Offizieren unb 1011 Unteroffizieren und Mannschaften, von keinem Großkampftag der Folgejahre mehr erreicht, spricht eine berebte Sprache unb läßt Anloy zum Symbol für den Geist des Regiments werben. Weiter ging es zur Maas, an ber ber weichende Gegner sich erneut zu stellen suchte. Er wurde bei Raucourt am 28. August wiederum geworfen. Die Marne war bas nächste Ziel. Am 7. September würbe der Uebergang über Den Rhein-Marne-Kanal erzwun­gen. Der Widerstand des Feindes versteifte sich, um erneut gebrochen zu werden. Nur wenige Regi­menter der alten deutschen Armee dürften in ihrer Geschichte ein ähnliches Ereignis wie den nächtlichen Ueberfall auf Maurupt, ohne einen Schuß, nur mit der blanken Waffe durchgeführt, aufweifen können. Mit jedem Tage wuchs in dem deutschen Infanteristen das Gefühl, dem Franzosen überlegen zu sein. So mußte es ihm ein Rätsel bleiben, wes­wegen es auf einmal rückwärts unb nordwärts ging. In gewaltigen Märschen rückte das XVIII. Armeekorps hinter der Front nach Norden. Bei Reims, wo westfälische Truppen in schweren Ab­wehrkämpfen standen, wurde das Regiment vom 16. bis 21. September eingesetzt. Aber sein Ziel lag noch weiter im Norden, wo der Franzose ver­suchte, ben deutschen rechten Flügel zu umfassen. Westlich und südwestlich von St. Quentin bei Roye und Nesle geboten ihm die Hessen in Kampfgemein­schaft mit bayerischen und lothringischen Regimen­tern ein Halt. Die Namen Gruny, Crömery, Fresnoy unb Parvillers erinnern an jene Kämpfe. Hier aber begann auch die Front zu erstarren, der

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