Ausgabe 
18.6.1938
 
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Gegen scheinheilige Kritiker.

Oer Jürsterzbischof von Salzburg weist Anwürfe der französischen presse zurück.

die österreichischen Schulden anzuerkennen, sagt aber gleichzeitig, Reichswirtschaftsrmnister Funk habe zum Ausdruck gebracht, daß Verhandlungen mit den Garantiemächten zu einer befriediaenden Ver­ständigung der beiderseitigen Interessen führen könnten. Vielleicht sei es am besten, die Rede als einen Versuch anzusehen,politische Grundsätze" und kommerzielle Praxis auf einen Nenner zu bringen. Inoffizielle Berichte in London hielten die Aus­sichten auf ein etwaiges Kompromiß jedenfalls immer noch für möglich. DerDaily Telegraph" meint u. a., Funks Erklärungen deuteten darauf hin, daß Deutschland wohl die legale Verantwortung für die österreichischen Schulden ablehne, trotzdem aber bereit sei, auf anderem Wege entgegen* Zukommen. Dieser Hinweis des Ministers werde englischerseits sicher auf Widerhall stoßen; denn niemand in England wünsche, ein Zwangsclearing einzuführen, so lange es sich noch vermeiden lasse.

Wählend viele Londoner Blätter im allgemeinen eine Erörterung des auch für England heiklen Problems derpolitischen Schulden", das vom Reichswirtschastsminifter in den Vordergrund gestellt wurde, peinlichst vermeiden, gibt derDaily Expreß" die Tatsache politischer Anleihen an Oesterreich zu. Wenn Minister Funk gesagt habe, daß Oesterreich aus politischen Gründen Anleihen gegeben wurden, um es aufzufüttern und als un­abhängigen Staat aufrechtzueichalten, so sei das größtenteils wahr.

Wien, 17. Juni. (DNB.) Der Fürsterzbischof von Salzburg, Dr. Sigismund W a i tz, schreibt in der ZeitschriftSchönere Zukunft": Es sei doch auf­fällig, daß man sich gerade in solchen Ländern am meisten Sorge macht über die Lage der katholischen Kirche in Oesterreich, wo man allen Grund hätte, sich zunächst Sorge zu machen über die Lage der Kirche im eigenen Staat. Von der großen Reihe kirchenfeindlicher Gesetze Frank­reichs zu Beginn dieses Jahrhunderts sei nur ein geringer Teil rückgängig gemacht worden. In den scharfen Kritiken an der kirchlichen Obrigkeit in Oesterreich, die aus Frankreich kommen, sei of­fensichtlich das religiöse und politische Motiv nicht immer genau getrennt. Wenn aber schon von Verantwortung vor dem christlichen Gewissen gesprochen werde, dann erhebe sich die Frage:

TB o waren diese Stimmen, als an Deutschland und Oesterreich dasungeheure Unrecht von St. Germain und 23er- sailtes geschah? Darum meldete sich diese Stimme nicht, als GJemenceau davon sprach, daß es 20 Millionen Deutsche

zuviel gebe? Daher sei denn der auher- ordenlliche Geburtenrückgang inOefter- reich gekommen, als daher, daß dem deutschen Volk im Lande Oesterreich im Friedensvertrag alle wirtschaftlichen Lebensadern durchgeschnitten worden feien.

Sei es auch nicht verwunderlich, so fragt der Fürsterzbischof weiter, daß katholische Presseorgane zu heftigen Anklagen gegen die österreichischen Bi­schöfe sich erheben, während in den gleichen Orga­nen Warnungen vor dem Bündnis mit Sowjetrußland fehlen? Wäre es nicht angezeigt, wenn sich die Kritiker der österreichischen Bischöfe mit gleicher Schärfe gegen die Sympathien französischer Kreise für Sowjetspanien wen­deten, zumal dort, wie aus autorativen Zeugnissen hervorgeht, eine Verfolgung von Religion und Kirche herrsche, die an Grausamkeit den ärgften Christenoerfolgungen nicht nachstehe. Fürsterzbischof Waitz unterstreicht zum Schluß seiner Ausführungen noch einmal den in der März-Erklärung der Bischöfe eindeuttg verkündeten Grundsatz:Gebt Gott, was Gottes, und dem Kai­ser, was des Kaisers ist."

Das Erbe des Grafen Zeppelin.

Staatssekretär Milch auf der Festsitzung der Deutschen Akademie der Lustfahrtforschung.

Berlin, 17. Juni. (DNB.) Die Deutsche Slka> demie der Luftfahrtforschung, deren Präsident der Reichsminister der Luftfahrt, Generalfeldmarschall Hermann Göring ist, hielt ihre 3. Vollsitzung ab, die dem Gedenken an die 100. Wiederkehr des Ge­burtstages des Grafen Zeppelin galt. Der Vizepräsident der Akademie, Staatssekretär der Luft­fahrt General der Flieger Milch, begrüßte mit be­sonderer Freude Graf und Gräfin von Brandenstein- Zeppelin. Die Ehrung des Grafen Zeppelin begann er mit dem Gedenken zweier Persönlichkeiten, die zu seinen treuesten Mitarbeitern gehörten: des vor wenigen Tagen verstorbenen bedeutenden Meteoro­logen Geheimrats Professor Dr. Her gesell und Dr. Dürr, des genialen Konstrukteurs, dem der Staatssekretär zum 60. Geburtstag die Glückwünsche der Akademie aussprach. General Milch bezeichnete dann den Grafen Zeppelin als eine der größten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Wenn auch die einzelnen Merkmale des Zeppelin- Lustschiffes keineswegs alle Erfindungen des Gra­fen waren, so war jedoch ihre Vereinigung in ihrer Gesamtheit eine völlige Neuschöp­fung. Bedeutender bleibt, daß er wie nur wenige es verstand, Kräfte in anderen Menschen zu roetfen, sie mit seiner Begeisterung, seinem Optimismus zu erfüllen und dabei bescheiden von sich zu sagen: Wie wenig Teil habe ich doch an dieser Arbeit". Am meisten Bewunderung ruft jedoch die Persön­lichkeit des, Grasen hervor, seine seelische K r a s t, die allen Katastrophen seiner Schisse, allen persönlichen Anfeindungen, alle Ablehnung seiner Idee durch führende Männer des Staates, der Wis­senschaft und Technik zum Trotz sich und seine Idee zum Erfolg führt. Und noch etwas ist es, was uns Deutsche immer wieder des Grafen Zeppelin gedenken

läßt: An feiner Idee ist des deutschen Volkes Einheitswille wieder einmal sinnfällig zum Ausdruck gekommen. Wie das deutsche Volk so oft in der Geschichte in schweren Zeiten sich feiner Art und seiner Kraft bewußt wurde, so erwuchs 1908 nach dem Unglück von Echterdingen über alle Lan­desgrenzen, über alle Klassen und Stände hinaus wiederum das Gefühl für die nationale Größe und Ehre.

Die Verwendbarkeit der Luftschiffe i m K r i e g e ist heute, so führte General Milch wei­ter aus, durch die Entwicklung wirksamer Gegenwaf­fen nicht mehr gegeben. Sie sind ein reines Instrument des Friedens geworden. Hier aber haben sie ihren Platz gegenüber dem immer mehr sich entwickelnden Flugzeug behauptet. Seit Echterdin­gen hat das deutsche Volk stets mit besonderer Vor­liebe, aber auch mit großem Opferwillen die stolzen Zeppelin-Luftschiffe auf ihren Fahrten verfolgt. Ein neues Echterdingen ist uns nicht erspart geblieben, unser Luftschiff Hindenburg" verbrannte in Ame­rika. Die Verwendung von Helium als T r a g g a s bedeutet nun eine günstige Lösung, um die Brandgefahr zu vermeiden.Sie wissen", so er­klärte Staatssekretär Milch,daß zur Zeit dieses Gas nur von den Vereinigten Staaten von Amerika bezogen werden kann; sie wissen aber auch, wie man sich in diesem Lande zu dieser Frage gestellt hat. Wie dem aber auch fei, die vom Führer und vom Generalfeldmarschall Göring der deutschen Luftfahrt gestellten Aufgaben werden mit fanatischer Hingabe in der Weise erfüllt werden, wie es das Interesse von Volk und Staat erfordert, und wie es des Erbes des Grafen Zeppe­lin würdig ist."

Die Hochwasserkatastrophe in China.

Wird auch der Iangtsekiang aus den Ufern treten?

Schanghai, 18. Juni. (Europapreß.) Die sich immer weiter ausdehnende Hochflut des Gel­ben Flusses in der Provinz Honan hat nun­mehr die Operationen in ganz China vollstän - dig zum Stillstand gebracht. Das japanische Oberkommando in diesem Frontabschnitt muß sich darauf beschränken, nach Möglichkeit die durch das Hochwasser gefährdeten Truppenteile und Material­bestände aus dem Gebiet herauszuführen. Die Hoff­nungen auf eine Wiederherstellung der Deiche sind nunmehr endgültig aufgegeben worden Vor dem Herbst ist mit einem Rückgang des Hochwassers nicht mehr zu rechnen. Bis dahin dürfte sich der Gelbe Fluß ein neues Bett geschaffen und das ganze Gesicht der chinesischen Landschaft verändert haben. Das überflutete Gebiet wird auf nahezu 10 000 Quadratkilometer geschätzt. Tausende von Dörfern sind in den Fluten versunken und über eine Million Menschen sind obdachlos geworden. In einigen Gegenden ernähren sich die Bewohner be­reits von Baumrinde. Japanische Flieger werfen Nahrungsmittel ab, sind aber dem unbeschreiblichen Chaos gegenüber machtlos. Zu diesem Chaos tritt noch eine wachsende Seuchengefahr.

An der Jangtse-Front haben die japa­nischen Truppen weitere Fortschritte gemacht und von Lütschau aus Tsienschan erreicht. Aber auch an dieser Front können Deichbrüche ober die Durchstechung der Deiche die japanische Offen­sive aufhalten. Die Gefahr gilt als um so größer, als die st a r f e n Regenfälle auch im Gebiet des Jangtse anhalten, und dessen Wasserspiegel ständig steigt. In ausländischen Kreisen besteht kein Zweifel mehr daran, daß die Chinesen die Deiche des Gelben Flusses vorsätzlich durchstochen haben und am Jangtse zu der gleichen Verteidigungs­maßnahme greifen werden.

Westlich des Hochwassergebietes scheinen sich keine japanischen Truppen zu befinden, denn nach chinesi­schen Meldungen ist der Eisenbahnverkehr zwischen Tschengtschau und Hankau wieder ausgenommen worden. Diese Bahnlinie war Ende voriger Woche von fliegenden japanischen Kolonnen aus weite Streifen aufgerissen worden.

Durch die Wiederherstellung der Bahnlinie ist die chinesische Heeresleitung instandgesetzt wo-den, die bei Tschengtschau stehenden Truppen nach Han­kau zurückzuziehen und bei der Verteidigung der Stadt gegen die Japaner einzusetzen.

Japan

gegen Einmischung drillerBächte

Tokio, 17. Juni. (Europapreß.) Der japanische Außenminister, General U g a f i, erklärte Presse­vertretern, Japan würde alles begrüßen, was den Frieden näherbringen könne. Japan bedauere es daher, daß gewisse Mächte der chinesischen Zentralregierung und dem Marschall Tschiang- kaischek nach wie vor ihre Unterstützung gewährten und dadurch zu einer Verlänge­rung der Feindseligkeiten beitrügen. Ein Ver­mittlungsschritt dritter Mächte seigegenwärttg nicht wünschenswert". Japans Haltung gegenüber einem solchen Schritt würde immer davon ab­hängen, aus welchen Gründen er entspringe. Der Neunmächte-Vertrag sei nach japa­nischer Auffassung veraltet und für eine Revision reif. Japan begrüße die Stärkung des Anti» kominternpaktes, die jedoch nicht bedeute, daß Japan sich einer faschistischen Regierungsform nähere, denn eine solche entspräche nicht seiner Der- fassung. Die Reibungen mit England in der chinesischen Frage würden sehr bald überwunden werden. Die Wiederher st ellung der alten Beziehungen zwischen Japan und England sei eine seiner Hauptaufgaben, er werde alles dar­ansetzen, um diese Beziehungen noch enger zu ge­stalten, als sie gewesen seien. Japan habe keine territorialen Absichten in China und werde China den Chinesen lassen.

Der Kaiser von Japan hatals Zeichen der wachsenden deutsch-japanischen Freundschaft" dem Führer einen Tisch aus Goldlack zum Geschenk gemacht.

Oie Kreistage der NSDAP.

Ein Geleitwort des Gauleiters.

72 SG. Für die Kreistage, die in den nächsten Wochen im Gau Hessen-Nassau stattfinden Und sich zu einem Höhepunkt im politischen Leben des Gaues gestalten, veröffentlicht Gauleiter Sprenger nachstehendes Geleitwort:

3n allen Kreisstädten wird die Bevölkerung des Gaues Hessen-Nassau in den kommenden Wochen zum Appell antreten. Sie wird damit unter den Fahnen des Nationalsozialismus einen ein­drucksvollen Beweis für die Macht und die Einheit der durch Adolf Killer ge­schaffenen deutschen Volksgemeinschaft er­bringen. Jeder Kreisappell ist somit ein Zeug- UisderKraftundderStärkedernatio- Ualsozialiftischen Bewegung des Kreises. Der Stolz eines jeden Volksgenossen mutz daher sein, sich für dieses Zeugnis einzusehen, um es zum Vesten innerhalb unseres Gaues werden zu lassen.

Sprenger."

Zum Geburtstage König Gustafs V.

Eine deutsch-schwedische Feierstunde in Berlin.

Berlin, 17. Juni. (DNB.) Aus Anlaß des 80. Geburtstages König Gustafs V. von Schweden veranstaltete die nordische Verbindungs- stelle gemeinsam mit der Nordischen Gesellschaft der Deutsch-Schwedischen Vereinigung im festlich geschmückten Reichstagssitzungssaal bei Kroll eine Feierstunde. Neben den Gesandten der drei skan­dinavischen Staaten und dem finnischen Gesandten sah man von deutscher Seite Reichsminister S e l d t e , Staatssekretär Reichssportführer von Tschammer und Ost en, sowie zahlreiche an­dere Vertreter des Staates, der Partei und der Wehrmacht. Auch die schwedische Kolonie war stark vertreten. Reichssportführer von Tschammer und Osten hielt als Leiter des Reichskontors Berlin der Nordischen Gesellschaft die Begrüßungs­ansprache. Das schwedische Volk, so betonte er, zählte iju den ersten Sportnationen der Erde und dürfe sich glücklich schätzen, daß an seiner Spitze ein Mann stehe, der in allen seinen fiebensäufeerungen im besten Sinne des Wortes sportlich einfach, fair und menschlich handele. Das Hoch auf den König, die schwedische Königshymne und die Nationalhymne leiteten zur Ansprache des Präsi­denten der Nordischen Verbindungsstelle, Dr. Draeger, über. Die persönlichen Eigenschaften des Königs, vor allem feine Schlichtheit, hätten >hn den Weg finden lassen, um die Brücke zwischen Königsamt und der modernen, gerade zu Anfang seiner Regierungszeit auskommenden demokratischen Bewegung zu schlagen. Der königlich schwedische Ge­sandte, Exzellenz Richert, gab einen Rückblick über die lange Regierungszeit König Gustafs, in der sich die Einstellung des schwedischen Volkes zu den nationalen Werten völlig gewandelt hat. Heute herrsche keine Zersplitterung mehr, son­dern das ganze Volk habe sich einig und bejahend Zur Behauptung seiner nationalen Werte zusam­mengefunden. Exzellenz Richert brachte mit seinen Landsleuten ein vierfaches Hurra auf Deutschland und sein Staatsoberhaupt aus.

©er nationalspanische Heeresbericht.

Salamanca, 18. Juni. (DNB. Funkspruch.) An - Castellon-Front versuchten die Bolschewisten einige Gegenangriffe, die jedoch mit schweren Ver­lusten abgewiesen wurden. Im wirksamen Gegen­stoß besetzten die nattonalspanischen Truppen die Ausgangsstellungen des Gegners bei .Castillo pe Villamafets. Im Abschnitt Alorca fielen jbnen die Höhe Perdriza und Gallotos in die Hände. Sie gleiche Angriffskolonne überquerte d e n Mijares und beherrscht die Gabelung der nach Onde führenden Straßen. Auch im Küstenabschnitt mürben die Bolschewisten bei Angriffsoersuchen ver­lustreich abgewiesen. Eiy nationalspanischer Gegen­angriff warf den Gegner bei Almazora über den Mi- zares-Fluß. Im weiteren Rückzugsgefecht wurde er überflügelt und verlor über 1000 Gefangene. Eine weitere Kolonne vereinigte sich im Perdrizas-Gebirge mit den flankierenden Abteilungen der nationalen Truppen An der Andalufien-Front konn- m Abschnitt Cordoba bei Penarroya nationale ^orstöße ebenfalls beträchtlichen Geländegewinn er* Sielen. Die Tiefe des Einbruches beträgt etwa 25 Kilometer, fo daß Penarroya jetzt schon völlig aus dem Bereich der bolschewistischen Artillerie gerückt

Unruhen in Dritisch-Guayana.

London, 17. Juni. (Europapreß.) Nach Wieder- Herstellung der Ruhe auf den westindischen Inseln sind nunmehr in Britisch-Guayana, der englischen Festlandskolonie in Südamerika, Un­ruhen ausgebrochen. Zentrum der Unruhen ist Port Mourant, wo ftreifenbe Neger Telephon­drähte und Hochspannungsleitungen durchschnitten

haben. Aus mehreren großen Zuckerplantagen kam es zu Zusammenstößen zwischen Streikenden und ihren Aufsehern. Polizeiliche Verstärkungen sind in das Unruhegebiet abgegangen.

Bleiben die britischen Truppen in Aegypten?

Kairo, 18. Juni. (Europapreß.) Der in dem englisch-ägyptischen Vertrag vorgesehene A b - transport der englischen Truppen in die Suez» Kanalzone stößt auf Schwierig­keiten, aus der Notwendigkeit, für die englischen Truppen in der Kanalzone Kasernen zu errich­ten. Die Kosten hierfür, die nach dem Vertrag Aegypten Zur Last fallen, waren auf 5 Millio­

nen Pfund (etwa 65 Millionen RM.) veranschlagt worden, werden nunmehr aber auf 12,5 Millionen Pfund geschätzt, eine für Aegypten nicht tragbare Summe. Unter diesen Umständen steht Aegypten vor der Notwendigkeit, die englischen Truppen d a Z U belassen, wo sie im Augenblick sind. Um die Truppen wenigstens aus der Hauptstadt herauszubekommen, wird nun von ägyptischer Seite der Vorschlag gemacht, in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt Kasernen für die englische Garnison Kairos zu errichten. Diese Anlage würde noch im­mer zwei Millionen Pfund (rund 25 Millionen Reichsmark) kosten. Man nimmt an, daß England diesem Vorschlag zustimmen wird.

Mächiespiel

in und um Syrien.

Durch die Presse geht die Meldung, daß Frank» reich mit der Türkei eine Vereinbarung getroffen fyabe, wonach die Türkei den Sandschak Alexan» brette und bie Oelfelder von Dschesireh erhalten soll, während Frankreich sein Mandatsgebiet an bie Küste des Mittelmeers ausbehnt, Syrien mit Da- maskus aber als souverän erklärt wirb.

Es ist fonberbar, daß über ein Mandatsgebiet in derartiger Abmachung zweier Mächte verfügt wird. Frankreich ist Inhaber des Mandates über Syrien und über die autonomen Gebiete in diesem Teile der Mittelmeerküste, aber doch nur als Beauftrag­ter der Genfer Entente. Diese hatte zur Klärung der volklichen Zusammensetzung des Sandschaks Alexandrette eine Volksabstimmung angeordnet und dazu eine besondere Kommission entsandt. Noch be­vor aber die Abstimmung durchgeführt mar, erfolgte dieLösung" der Frage durch eine Vereinbarung zwischen Paris und Ankara. Die Genfer Liga ist nicht gefragt worden, sie wird aber wohl oder übel ihren Segen dazu geben, denn bie neue Blamage ist für sie schon groß genug. Darüber hinaus ist aber ein Präzedenzfall geschaffen worben, ber die Be- hanblung der Mandatsfragen erheblich ändern kann. Man braucht nur an bie deutsche Kolonial­frage zu denken. Sie würbe von den Besitzenden bisher bamit abgetan, daß eine Aenderung der Manbctte ber Zustimmung aller beteiligten Mächte ober ber Liga selber bedürfe. Davon ist in Syrien bisher keine Rede gewesen.

Frankreichs Interesse an Syrien ist nicht neu. Seit 1860 bezeichnet es sich als Protektor der christ­lichen Kirchen dieses Landes, bas bis 1918 zur Türkei gehörte. Im Weltkrieg brang die groß- arabische Jbee auch in diese Gegenden, als Oberst Lawrence die Losung ausgab, Damaskus zu er­obern. Das Land wurde aber in Versailles den Franzosen zugeteilt und erhielt französische Be­satzung. Nachdem Frankreich dasMandat" von Genf erhalten hatte, bildete es zunächst denun­abhängigen Staat Syrien". Es folgten bald Auf­stände gegen die fremde Herrschaft, die nacheinander von den Generalen Gouraud, Weygand und ©ar- raU blutig niedergeschlagen wurden. Zuerst erhoben sich die freiheitsliebenden Drusen, bann entflammte in ganz Syrien ber Aufstand. 1924 ließ Sarrcnl die Hauptstadt Damaskus mit Artillerie beschießen, wobei mindesten 1200 Menschen getötet wurden. Der General mußte dann abtreten, und der Sena­tor de Jouvenel versuchte die Befriedung mit diplo­matischen Mitteln. Nachdem die Drusen imHauran- gebirge niedergeworfen waren, gründete er ver­schiedeneautonome" Staaten, um die Stämme von einander abzusondern und durch Teilung bes- ; ser beherrschen zu können.

Der nördliche Teil Syriens ist nicht allein von den syrischen Aradern bewohnt, sondern auch von Türken, Kurden, Drusen, Juden, Alauiten usw. Ne­ben den Mohammedanern gibt es fanatische Sekten wie die Drusen und altchristliche Kirchen wie die Jakobiten, Nestorianer, Maroniten usw. Es ist nicht ohne weiteres zu sagen, ob diese Stämme und Re­ligionen in der Mehrheit zur syrisch-arabischen oder zur türkischen Seite gezählt werden dürfen. Die Franzosen gründeten also den Staat Syrien (etwa eine Million Einwohner), dazu dieautonomen" Gebiete Libanon, Alauiten und den Drusenstaat. Eine Beruhigung hat aber auch diese Trennung nicht gebracht, 1925 wurde auch der Sandschak Alexandrette alsautonom" erklärt und erhielt Selbstverwaltung. Der Sandschak (türkische Be­zeichnung für einen größeren Verwaltungsbezirk) ist auch in wirtschaftlicher Beziehung wichtig durch den Export von Seide, Kokons, Vieh, Leder, Oliven und Seifen sowie durch das Vor­kommen von Chrom und Eisenerz in der Nähe ber Hauptstadt Alexandrette. Dieser Küstenort wurde zum Andenken an den Sieg Alexanders des Großen bei Jssos (333 v. Ztr.) gegründet und zählt etwa 20 000 Einwohner. Alexandrette, auch Isken­derun genannt, ist die bedeutendste Hafenstadt im oberen östlichen Mittelmeer und über türkisches Gebiet! mit der Bagdad- sowie mit ber Hedschas- bahn verbunden. Die größte Stadt des Sandschak ist jedoch Antiochia mit etwa 30 000 Einwoh­nern. Sie spielte sowohl historisch als Residenz der Seleuziden als auch in religiöser Hinsicht als Sitz eines Patriarchats eine Rolle und wurde im Jahre 300 v. Ztr. von Seleuzos Nicator zum Andenken an feinen Vater Antiochos gegründet.

Als 1936 Syrienunabhängig" werden sollte, erklärte die Türkei, daß Alexandrette nicht den sy­rischen Nationalisten ausgeliefert werden dürfe, weil dann die Türken, die dort die größte Zahl ber Einwohner darstellten, dem Terror ausgelie­fert sein würden. England empfahl aus irgendeinem Grunde anscheinend fürchtete es den Einfluß Italiens im östlichen Mittelmeer, den Türken entgegenzukommen. So kam der Sandschak Alexan­drette mit etwa 220 000 Einwohnern unter ein ge­mischtes französisch-türkisches Regime. Die Türkei forderte eine endgültige Regelung. So entschloß man sich in Genf unter starkem Druck, eine Volks­abstimmung einzuleiten. Durch farbige Stimmzettel (rot, weiß, blau, grün usw.) sollten die Bewohner zunächst erklären, zu welcher Nationalität sie ge­zählt sein wollen; sieben verschiedene Völker kamen in Frage. Die Abstimmung sollte unter dem Schutz französischer Waffen stattfinden. Es kam zu Aus­schreitungen und Terror-Akten, und die Türken drohten mit dem Einmarsch, um ihre Anhänger zu schützen. Da zog sich Frankreich zurück und überließ den Türken das Feld. Es heißt, daß jetzt eine Ver­tretung im Sandschak geschaffen werden soll, die den Türken 22 Stimmen, den anderen Nationen 18 Vertreter sichert. Wie man sieht, ist das Wahl­geschäft damit erheblichvereinfacht" worden. Die türkische Mehrheit wird sich bann ohne Zweifel für Ankara erklären.

/ Syrien mit Damaskus wirb bann bie feit 1936 in Aussicht gestellteSelbstänbigkeit" erhalten. (Damit wird Palästina von arabischen Staaten um­schlossen, da es seine lange Ostgrenze bisher schon mit Transjordanien gemeinsam hat und im Süden an Aegypten stößt.) Frankreich faßt die kleineren autonomen" Staaten am Libanon zusammen und fügt ihnen das Gebiet der Alauiten hinzu, das an die Mittelmeerküste heranreicht. Die französische Po- litik-hat sich darüber hinaus bereits durch Verträge bie wirtschasliche Vorherrschaft in Syrien gesichert. Mit ber Türkei soll ein Militärabkommen für den Orient geschlossen werben. Ein Teilgebiet des trau­rigen Erbes aus bem Weltkrieg wird also durch Abmachungen der Interessenten untereinanderum- organisiert", obwohl bie Genfer Liga sich als ober- fte Instanz barüber fühlte. Ob aber eine endliche Beruhigung die Folge ist, bleibt mehr als fraglich.