Nr. 115 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhefsen)
Mittwoch 18. rNaiM8
Otto Wilhelm Ritter von Rompf zum Gedächtnis.
Am 20. Mai dieses Jahres jährt es sich wieder, daß Oberleutnant Otto Wilhelm von Rompf in Frankreich den Heldentod fürs Vaterland starb. Inzwischen ist ein junges Geschlecht herangewachsen, das den Krieg nicht mehr aus eigenem Erleben kennt,.das aber in seiner nationalen Einstellung eine ganz andere Stellung zu den Taten der Vergangenheit einnimmt, als das früher der Fall war. Deshalb liegt es im Sinne unserer Tage, Männer und Taten für die Gegenwart wieder lebendig werden
Oberleutnant Ritter von Rompf t-
zu lassen, die damals mit vollem Einsatz ihres Lebens Geschichte haben machen helfen. Große Beispiele haben noch immer erzieherisch gewirkt, und unsere Erinnerung ist noch zu jung, um Männer zu vergessen, die die Anerkennung und Auszeichnung der höchsten Kommandostellen im Kriege erfahren haben.
Als Forstassessor, der fünf Jahre zu Baltatesti in Rumänien Dienst getan hatte, zog O t t o W i l h e l m Rompf mit dem 2. bayerischen Infanterie- Regiment in den ersten Mobilmachungstagen 1914 ins Feld. Er hatte bei diesem Regiment gedient und war zum Leutnant der Reserve befördert worden. Otto Wilhelm Rompf war geboren am 8. September 1883 zu Lang-Göns, als Sohn des Landwirtes und späteren Bürgermeisters Wilhelm Anton Rompf I. und seiner Ehefrau Christine, geborenen Weber. Mit zwei Brüdern wuchs er auf. Auch sie sind inzwischen gestorben, der eine als Chefarzt des Bürgerhospitals in Friedberg, der andere als Besitzer des väterlichen Gutes. Die Ahnenreihe, die bis ins 17. Jahrhundert zurückgeht, weist nur wenige Namen von Frauen auf, die von den Nachbargemeinden hereingeheiratet haben. Die Familie ist also ein alteingesessenes bäuerliches Geschlecht in Lang-Göns.
Rompf hatte in Gießen Forstwissenschaft studiert. um einen Beruf zu erwählen, der seiner Na- turoerbundenheit entsprach. Er war Mitglied der ehemaligen Landsmannschaft „Darmstadtia". Seine Kriegsbriefe, die in diesem Winter gesammelt und in einem stattlichen Erinnerungsband zeitlich ge-
ordnet worden sind, zeigen ein Charakterbild, dem man folgende Gestalt geben könnte:
Er war ein Mann mit glühender Vaterlandsliebe, so wie ihm seine engere Heimat lieb und teuer war. Zeuge dafür ist seine vorbildliche Einsatzbereitschaft in allen schwierigen Lagen in seinem über 2'/2jähri- gen Frontdienst. Von deni Umfang seiner Pflichterfüllung schreibt er begreiflicherweise seinen Eltern in der Heimat nicht sehr viel, um sie, die in ständiger Sorge um ihn leben, nicht noch mehr zu beunruhigen. Ja, von seiner am 10. März 1916 ausgeführten Heldentat, die ihm den bayerischen Militärverdienstorden und den persönlichen Adel einbrachte, erwähnt er in den Briefen jener Tage gar nichts. Aber andere, wenn auch kurze Andeutungen, lassen erkennen, wie er niemals zögerte, wenn es galt, todesmutig seine ganze Kraft einzusetzen. Von seinem Oberst muß er dazu gedrängt werden, nach einer Verwundung, die ihm das Gehen sehr erschwert, in ein Lazarett zu gehen, und er findet es selbstverständlich, daß er nach seiner Wiedergenesung sofort wieder zu seine? Kompanie geht.
Die Briefe, die nach seinem Tode an seine Eltern gerichtet worden sind, vom einfachen Soldaten bis zum höchsten Vorgesetzten, bezeugen, daß er ein tadelloser Vorgesetzter und ein von seinen Leuten heißgeliebter Führer und Freund war. Auch aus seinen Briefen geht hervor, wie sehr er an seiner Kompanie hing und wie schwer ihm die Verluste aus den Reihen 'seiner Leute wurden.
Als ein zum Idealismus erzogener Akademiker und in seinem Ehrenstandpunkt als Farbenstudent gefestigter Mann ging ihm die persönliche Ehre über alles. Nie hat er diese innere Haltung verleugnet.
Wie groß war seine Liebe zu Eltern und Geschwistern. Immer wieder sucht er die Eltern, die sich um ihn, der in ständiger Gefahr ist, sorgten, zu beruhigen und auf alle Weise die Sorge auszureden. Er versucht es mit Vernunftgründen, aber er hat auch aus dem frommen Elternhaus soviel Gottvertrauen als Erbe mit ins Leben genommen, daß er sich der göttlichen Führung in allen Lagen der Gefahr Überläßt.
So ist der Eindruck, den man von seiner Persönlichkeit erhält, der eines Mannes von tiefem Gemüt, von makelloser Gesinnung, unbeugsamem Willen und opferbereiter Pflichterfüllung, in bewegter Zeit lebend, an die Stille der Ewigkeit gebunden.
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Rompf war einer der ersten Offiziere seines Regiments — jedenfalls der erste Leutnant — der schön im September 1914 das Eiserne Kreuz erhielt. Den bayerischen Max-Josephs- Orden hat er sich durch folgende Tat erworben:
Durch eine Sprengung im Frühjahr 1916 waren nach dem Feinde zu verschiedene große Trichter entstanden, deren Besitz bei schweren und verlustreichen Kämpfen immer wieder wechselte. Als das 2. bayerische Infanterie-Regiment'am 29. 2.16 die Stellung Übernahm, war noch ein Trichter von den Franzosen besetzt, die nun aber ihrerseits eine Sprengung vornahmen, um sich so wieder in den Besitz eines weiteren, neben dem von ihnen gesprengten Trichter zu setzen. Da der Feind von den Trichterrändern Einblick in die gegnerische Stellung hatte, mußte entweder eine neue Sprengung vorgenommen oder ein überraschender Angriff auf die feindliche Stellung unternommen werden.
Als dann die Franzosen am 10.3. abends zum Angriff übergingen und in den deutschen Graben .eingedrungen waren, warf sie Rompf in einem 'erbitterten, von ihm selbst geleiteten Handgranatenkampf wieder aus der Stellung hertus und eroberte einen-vor der Stellung liegenden Stolleneingang, von dem aus die Franzosen hätten eine neue Sprengung vornehmen können. Für seine Umsicht
und Tapferkeit und das dadurch erreichte taktische Resultat bekam er die hohe Auszeichnung.
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Mit der Verleihung des Ordens ist die Führung eines Wappens verbunden, das vom bayerischen Heroldsamt entworfen und von dem damit Beliehe- neri angenommen wurde. In Rot ein goldener Wolf, eine silberne Gans raubend. Auf dem gekrönten Turnierhelm zwei wachsende, rot bekleidete Arme mit goldenen Aufschlägen, einen goldenen Lorbeerkranz emporhaltend. Helmdecken rechts: Rot-golden; links: Rot-silbern.
Statt „Rot" hat der Beliehene „Grün" gewünscht und erhalten, wahrscheinlich entsprach das mehr seinem Beruf.
Das Wappen des toten Helden.
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Der die Gans raubende Wolf soll auf St. Vada- stus Hinweisen, der einem Wolf eine Gans abgejagt hat. Die Tat geschah in der Nähe von St. Vaast.
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Am 25. 8.1916 wurde die Auszeichnung int Beisein von Generalmajor Prinz Franz von
Bayern, K. H., Hauptmann Ritter von Desloch und Leutnant Ritter von Pohl und der unmittelbaren Vorgesetzten überreicht. Zum Schluß erfolgte eine Parade vor dem neubeliehenen Ritter.
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Am 20. Mai 1917 fiel der inzwischen zum Oberleutnant beförderte Otto Wilhelm Ritter von Rompf während eines Handgranatenkampfes, tief betrauert von Vorgesetzten, Kameraden und Mannschaften. Er wurde am 23. Mai 1917 in Coucy les Eppes, zehn Kilometer östlich Laon, begraben.
Der Oberst seines Regiments, des bayerischen Regiments „Kronprinz", hat in einem ergreifenden Gedicht drei Helden aus der dritten Kompanie — darunter auch Rompf — ein bleibendes Denkmal gesetzt.
Die Drei von der Dritten.
Sagt zum Hauptmann der Major:
„Ich verlaß mich auf die Dritte;
Richtung dort des Waldes Mitte!
Vorwärts!" Und in festem Ton
Uhrig sprach: „Wir schaffens schon."
Seht ihrs dort am Waldrand blitzen?
Hei, wie stürmen unsre Schützen: .Hauptmann, Leutnant und Gefreiter:
Uhrig, Rompf und Herrenreiter.
Wißt ihrs noch, bei Cartigny:
„Links die Höhe! Vorwärts Leute, ist ja früh am Tag noch heute!" Hurra! Oben find wir schon, erstes, drittes Bataillon.
Doch um Uhrig ist's gefchehn;
um den toten Kapitän
trauert Leutnant und Gefreiter, trauert Rompf und Herrenreiter.
Wißt ihrs noch, bei Lafolie?
Schon sind wir im zweiten Graben, Wollen noch den dritten haben, Herrenreiter pirscht sich an — und da wars um ihn getan.
Wie der Rompf dies hat vernommen, find die Tränen ihm gekommen.
„War mein tüchtigster Gefreiter", sagt der Rompf, „mein Herrenreiter/
Wißt ihrs noch, am Chemin des Dames, wie der Franzmann attakieret. Weil er Stück um Stück verlieret.
Tapfer haben wir gerauft und mit Rompf den Sieg erkauft.
Drüben find vereint die Drei von der dritten Kumpanei!
Hauptmann, Leutnant und Gefteiter: Uhrig, Rompf und Herrenreiter.
Aus der Giadi Gießen.
Auch darum ...
Auch darum sollte man in Urlaub gehen — weil man eines Tages wieder heimkehrt; in die Wohnung, an die Arbeitsstätte.
Denn als man in Ferien fuhr, frohlockte man und hatte das feste Gefühl: man war die eigenen vier Wände satt geworden und den Arbeitsplatz müde. Der Zug trug fort, wohin, das war beinahe gleich. Nur weg, nur fort, nur eine Strecke zwischen das Gewohnte und das Neue legen. Das Fremde. Das Wunder.
Und das hat man dann auch genossen, am Wald, am See, im Hochgebirge, vielleicht, wenn du ein Sonderling bist, nur in einer anderen, aber fremden Stadt, vielleicht in der Heide. Es war immer schön. Man erholte sich wirklich. Man findet die Menschen anderswo entzückend... und bis es soweit ist, daß man ihre Schwächen erkennt und merkt, daß sie sich
im Grunde überall gleich bleiben... bis dahin fährt man wieder ab. Im richtigen Augenblick.
Dann rollt ein Zug wieder in der Richtung, aus der man vor ein paar Wochen gekommen. Im Abteil entdeckt man plötzlich, daß man eigentlich in den letzten Tagen schon sehr an das Daheim gedacht, an die Bilder an der Wand, die Bücher im Kasten, ja, so war es.
Und nun freut man sich wahrhaftig auf die Heimkehr und auf das, was man im Augenblick der Uebermüdung verächtlich „Trott" nannte. Siehe, nun schmeckt es wieder.
Es ist ein Glücksgefühl, die verlassene Wohnung aufzuschließen, ein wenig scheu durch die Räume zu gehen und festzustellen: Gut, es ist alles gut. Die Möbel, die Bilder, die Lampen. Spielerisch knipst man eine an. Spielerisch, o ja, gute Ausrede, trinkt man einen aus der Likörflasche, die
hat auch
Kaum haben wir den Garten und das Haus hinter uns, so haben wir auch schon die Weisheit und Erinnerung hinter uns. Im Geschäft angekommen, werden wir strenge Männer und haben die Stirn finster. Der Lehrling ist dumm, der Lehrling
Ja, auf deinen Garten bist du stolz, tru bist auch auf dich selber stolz und denkst: „Ein jeder guter Garten lobt seinen Herrn!" Und du willigst ein, sowohl der Herr des Gartens, als auch der Diener deines Gartens zu sein.
Und nun, du Lieber, gib mir einmal die Hand, laß uns lustwandeln in deinem Menschen-Garten.
Lobt der dich auch?
Preisen dich die Kräuter, rühmen dich die sauberen Wege, ehren dich die schönen Blüten? Reden die Leute Gutes von dir, schätzen sie deine Geduld, anerkennen sie deine hilfreiche Art, sprechen sie „Ja" zu dir, wenn sie dich — alles in allem — ins Auge fassen?
In deiner Familie, in deinem Geschäft und unterwegs in der Straßenbahn — wie bist du da? Und gerade da solltest du etwas sein, denn das sind Gelegenheiten, die das Leben ausmachen, dein eigenes Leben und das Leben aller. Du klagst entsetzlich, die Menschen seien so... ich weiß nicht wie! Und deine Sprüche liegen dir gut zur Hand:
„Und wenn er das nicht will, dann werde ich ihn treten!" ~ „
„Das lasse ich mir auf keinen Fall gefallen!
„Dem Burschen werde ich das besorgen!" „Bitte, Fräulein, ich war zuerst da!"
Dies alles soll nun weder geschimpft sein noch gepredigt. Schimpfen ist etwas zu billig, und predigen ist vielleicht noch billiger. Lassen wir es also eine „Betrachtung" gewesen sein, einen Hinblick auf dich, deinen Garten und dein Verhalten zur Welt. Wir gingen von dem Punkte aus: Dein Garten soll dir, um den äußersten Nutzen zu schaffen, nicht nur leckeres Obst und schöne Blumen tragen, sondern er soll dich auch lehren, Geduld und Verständnis zu haben mit dem Entwicklungsgänge und der Eigenheit und dem Zeitmaß, das allen Dingen ihrer Art nach eigen ist.
Liebe, Verständnis und Geduld (und nicht das Gegenteil davon) bringen deinen Garten vorwärts; Liebe, Verständnis und Geduld (und nicht das Gegenteil davon) bringen auch dich, deine Arbeit und deine Umwelt voran, und wer von seinem Garten dies nicht gelernt hat, der hat die beste Ecke seines Gartens überhaupt nicht beackert.»
ist nicht bei der Sache, der Lehrling hat den entsetzlichen Fehler, erst sechzehn Jahre alt zu sein, verlangt aber wird, daß er sei wie sechsundzwanzig, sechsunddreißig, sechsundvierzig.
„Ich habe es Ihnen tausendmal gesagt, aber Sie haben eben keine Gedanken im Kopf, Sie sind Überhaupt zu nichts zu gebrauchen!"
Oh, zu gebrauchen ist er schon. Es ist ein Höllenstück Arbeit und Zwang für ihn, deine Briefe richtig zu adressieren und bis Feierabend bei dir auszuharren, denn sechzehn Jahre sind sechzehn Jahre, und so wenig du dich verjüngen kannst, so wenig kann er sich mit Erfolg alt machen, vernünftig, geschäftlich... ach, laß den Jungen in Ruhe, du, der du ein Gärtner sein willst und weißt immer noch nicht: Zupfen hat keinen Zweck; mit den Fingern kann man Blüten nicht hervorzupfen!
Haft du deinen Lehrling schon einmal mit liebevoll abgestandenem, lauwarmen Wasser sorgsam und schonend begossen? Man lache nicht, weil das Gleichnis schief ist. Nicht im Traum haben wir daran gedacht, solches Wasser zum Begießen erst lau werden zu lassen, damit es milde wirke. Nein, derb haben wir losgespritzt. „Unser Emil, unser Walter, das ist ein Lümmel. Ein maulfauler, vsr- stockter, interesseloser Lümmel, aus dem wird nie was!"
Ganz besonders Schöne sagen: „Uns keiner geholfen!" Und das ist so ungeheuerlich, daß man ordentlich den Kopf schütteln möchte.
Zeitschriften.
— „Die Kun st", Monatshefte für Malerei, Plastik und Wohnkultur, 39. Jahrgang, Verlag F. Bruckmann in München, Preis vierteljährlich 7 Mark, eröffnet das Mai-Heft mit einer lebendigen Untersuchung „Ueber das künstlerische Plakat". Aus der Würdigung des Münchner Bildhauers Toni Stadler sei das letzte Werk des Künstlers: ein „Weiblicher Akt" und die im Auftrag der Stadt München geschaffene „Dogge" erwähnt. In dem Aussatz „zu meinen Bildern" erzählt der Wiener Maler Eisenmenger von seiner künstlerischen Entwicklung. Das mit der Silbernen Olympia-Medaille, Berlin 1936, ausgezeichnete Gemälde „Läufer am Ziel" sowie „Der Morgen" und „Das Liebespaar" werden den Betrachter fesseln. Der durch seine Bildnisse bekannte Düsseldorfer Maler Leo Sebastian Humer hat sich auch der Wandmalerei zugewandt. Seine Fresken „Feierabend" und „Aufbau" sind gekennzeichnet durch zeichnerische Strenge und Oeko- nomie in der Farbe. Der zweite Teil des Heftes zeigt in Innen- und Außenaufnahmen „Das Haus Stahlmann-Ohler in Remscheid" von Ludwig Lem- mer sowie „Ein Haus auf der Höhe" von dem Stuttgarter Architekten Hans Paul Schmohl. Einen Querschnitt der Jahresschau des Tischlerhandwerks in Leipzig gibt Friedrich Pütz in einem Bildartikel „Deutsches Wohnen 1938". Anregungen zur Gestaltung unseres Gartens gibt Harry Maaß, Lübeck, in einem bebilderten Aufsatz „Landschaft formt den Garten". Als Ergänzung hierzu darf die Plauderei „Ueber künstlerischen Schmuck im Garten" von dem Gartenarchitekt I. E. Schweizer angesehen werden.
Vier Myomen und ein Lehrling.
Von Felix Memkasten.
Erst war es ein Stück vom Bauplatz, bann inurbe les planiert, und dann kam der Gärtner. Er brachte Kuhdünger und Muttererde hinein, streute Torfmull, und jetzt ist es ein Garten. Es ist gar kein Garten, es ist eine Hochschule der Weisheit. Oder soll das nicht Weisheit sein, wenn man am liebsten alle Pflanzen heute schon blühen sehen möchte, und wenn man sich dann sagen muß: „Zupfen hilft nicht; hier hilft nur abwarten, vernünftig begießen und sorgsam pflegen?!"
Auch das Unkraut muß entfernt werden. Aber, ach, was ist Unkraut? Der Nachbar lacht und lacht: „Menschenskind, das waren doch junge Triebe, die Sie da abgerissen haben!" Und so lernt man erstens das Warten und zweitens das Unterscheiden, und das sind zwei große Besitztümer.
Und dann die Sorge um die vier Mahonien, die als kahle Strünke dastanden und keineswegs „aufgehen" wollten. Aber man gießt mit lauwarmem Wasser, man zupft jedes Unkräutlein im Bereich der Wurzel aus, und da — eines Tages — treibt ein Trieblein, und heute fitzen schon Blätter, die wie frischer Lack glänzen, so kräftig und schön, so richtig und lebensstark, an den Zweigstrünken, daß es... nun, daß es ein wahrer Lohn ist.
Und meine Frau sagt: „Wenn du dir das man merken wolltest!"
Ich bin nämlich ein sehr nervöser Herr. Aber ich will mir die Lehren merken, die so ein Garten zu geben hat.
So viel Mühe gibt man sich um Pflanzen. Mit den Menschen verfährt man bedeutend kürzer. Paffen sie einem nicht, so reißt man sie ohne Rücksicht heraus aus dem Umgang und wirft sie hinter sich im Bogen weg. Menschen gibt es ja viele. Und wir sind sehr schlechte Menschen-Gärtner. Geduld? Gar keine! Pflege und Hege? Gott bewahren! Was aus ihnen werden soll? Laß sie man sehen, laß sie man selber sehen, wie sie fertig werden!
Hochschulnachnchten.
Geh. Rat Professor Dr. phil. Dr. jur. h. c, Edward Schröder, der hervorragende frühere Ordinarius für Germanistik an der Universität Göttingen, wird am 18. Mai 80 Jahre alt. Schröder, 1858 in Witzenhausen geboren, wurde 1889 Professor in Marburg und lehrte von 1902 bis zu seiner Entpflichtung 1926 in Göttingen. Als vielseitiger und gelehrter Anreger wie als Erzieher und Kritiker hat er auf Generationen von Germanisten stärksten Einfluß ausgeübt. Deutsche Philologie steht bei Schröder vor dem Hintergründe deutscher Geschichte und Gesamtkultur. Seine weit verstreuten Abhandlungen auf dem Gebiet der Namenforschung werden zu seinem 80. Geburtstag in einer „Deutschen Namenkunde" zusammengefaßt. Schröders Untersuchungen haben für viele Dichtungen Zeit und Heimat festgestellt und Echtheitsfragen entschieden. Besondere Verdienste hat sich Schröder auch um die Wortforschung erworben, namentlich durch seine Tätigkeit bei der Fortführung des Grimmschen Wörterbuches und um die Betreuung der deutschen Texte des Mittelalters. Schröder ist seit 1891 Herausgeber der Zeitschrift für deutsches Altertum.
Geh. Rat Professor Dr. Alexander Westphal, der entpflichtete Ordinarius für Psychiatrie und Neurologie andrer Universität Bonn, vollendet am 18. Mai das 7 5. Lebensjahr. Geborener Berliner, wirkte er früher in feiner Vaterstadt und in Greifswald; von 1904 bis zu' feiner Entpflichtung 1928 lehrte er in Bonn. Westphal ist Mitarbeiter des Lehrbuches für Psychiatrie.
Der NSD. Dozentenbund veranstaltet vom 22. bis 24. Mai in Braunschweig eine Arbeitstagung der Dozentenbundsführer an den Technischen Hochschulen, die sich mit den brennenden Fragen auf diesem Gebiet des Hochschulwesens auseinandersetzen wird. In der Burg Dank- warderode werden die Tagungsteilnehmer durch den Ministerpräsidenten Klagges empfangen. Während der Tagung sprechen u. a. der Reichsdozentenführer, ff - Brigadefüyrer Professor Dr. Walter Schultze, sowie der Generalinspektor für dar deutsche Straßenwesen, Professor Dr.-Jng. Fritz Todt. Vom Reichserziehungsministerium wird Professor Nipper anwesend sein, der über dis Planung des technischen Studiums spricht. Am ersten Tage soll die Nachwuchsfrage behandelt werden, die gerade auf diesem Gebiet von größter aktueller Bedeutung ist. Weiterhin behandelt die Veranstaltung die Einsatzmöglichkeiten der Technischen Hochschule auf allen Gebieten unseres öffent« lichen Lebens.


