Kür -en Bücheriisch.
Reue Wötterbücher.
— Trübners Deutsches Wörterbuch. Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft für deutsche Wortforschung herausgegeben von Alfred Götze. Siebente Lieferung: Geifer—Geschmack. (Band II, Lieferung 2.) Preis RM. 1,—. Verlag Walter de Gruyter & Co., Berlin, 1938. — (129) — Die früher schon angekündigte Beschleunigung in der Herausgabe der einzelnen Lieferungen des Trübnerfchen Wörterbuches macht sich erfreulich bemerkbar; sie wurde, wie der Herausgeber im Vorwort zur siebenten Lieferung berichtet, dadurch erreicht, daß die Verfasser der Wortaeschichten auch der Oeffentlich- keit gegenüber die Verantwortung tragen, wodurch der Herausgeber wesentlich entlastet wird. Für den dritten Halbband (G bis I) hat Professor Wolfgang Stammler die Durchsicht und Redaktion übernommen. Die Mitarbeiter an der neuen Lieferung sind überwiegend dieselben, die wir schon als Verfasser der bereits vorliegenden Wortgeschichten kennen. Von den teilweise recht umfänglichen Artikeln möchten wir diesmal die folgenden yervorheben: Geige; Geist; gelb; Geld; gemein; Gemüt; Genie; genießen; Genosse; genug; gerecht; Gericht; geschehen; Geschichte und Geschlecht. Hans Thyriot
— DerSprach-Brockhaus, Deutsches Bildwörterbuch für jedermann. 1524 Spalten Text mit über 5400 Abbildungen und Übersichten. Zweite verbesserte Auflage. Ganzleinen 5 Mark. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. — (58) — Der Sprach-Brockhaus hat in der kurzen Zeit seit seinem ersten Erscheinen eine besondere Stellung unter den deutschen Wörterbüchern eingenommen. Er verdankt dies nicht zuletzt der neuartigen Verwendung des „sprechenden Bildes", das uns in allen Fällen schnelle und sichere Auskunft gibt, wenn wir einen Gegenstand nur vom Ansehen kennen oder seinen Namen vergessen haben: was ist der Widerrist des Pferdes, die Sohlbank am Fenster, ein Klüver, ein Kül? Dazu kommt, daß er eine Anzahl Sonderwerke in sich vereinigt: eine Rechtschreibung, eine Sprachlehre, ein Stilwörterbuch, ein Herkunftswörterbuch, ein Mundartenwörterbuch. Die neue Auflage bietet gegenüber der ersten weitere Vorzüge: die Herkunftsangaben wurden vermehrt, bei den Mundarten ist jetzt die Mundart genauer bezeichnet, das Rechtschreibebuch weiter vervollkommnet.
Deutsches Recht.
— Dr. G. K. Schmelzeisen: Deutsches Recht. Einführung in die Rechtswissenschaft. In Leinen gebunden 4,50 Mark. Verlag von Quelle und Meyer in Leipzig. — (146) — Die deutsche Rechtswissenschaft arbeitet daran, das deutsche Recht nach neuen Gesichtspunkten auszurichten. Wenn auch die Neuordnung noch nicht völlig abgeschlossen ist, so sind doch schon die grundsätzlichen Fragen geklärt. So erschien es an der Zeit, ein zusammenfassendes Lehrbuch des neuen ' deutschen Rechts zu schaffen. Schmelzeisen gibt einen lieber« blick über das Ganze, indem er den Grundgedanken der deutschen Rechtswissenschaft nachgeht, ihre wichtigsten Wege verfolgt, ihre bedeutendsten Fragen vor Augen führt und zeigt, wie rechtswissenschaftliches Denken sie zu beantworten sucht. In dem ersten Teil „Deutsche Rechtsanschauung" werden die weltanschaulichen Grundlagen des deutschen Rechts behandelt. Sodann verfolgt Verfasser die „Deutsche Rechtsentwicklung". In dem dritten Teil, „Deutsche Rechtsentfaltung", wird der Blick auf die verschiedenen Rechtsgebiete (Volk und Reich — Verwaltung — Familie und Erbe — Gemeinrecht — Stände usw.) gelenkt und festgestellt, wie sich das Recht zu den unmittelbaren Lebensfragen verhält.
— Professor D r. E. Molitor: Deutsches Arbeitsrecht mit Einschluß der Grundzüge der Sozialversicherung. Gebunden 3,60 Mark. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — (44) — In der Sammlung „Hochschulwissen in Einzeldarstellungen", einer neuen Reihe von Studentenlehrbüchern, bietet das Buch von Molitor eine Darstellung des Arbeitsrechts, wie es durch den Nationalsozialismus ausgestaltet worden ist, aber bisher wissenschaftlich noch nicht im Zusammenhang behandelt ist. Die knappe, doch auch für den Nichtjuristen leicht verständliche Dar- stelluna macht das Buch für jeden geeignet, der als Betrieosführer, als Vertrauensratsmitglied oder Mitglied der Deutschen Arbeitsfront mit dem Arbeitsrecht in Berüyrung kommt und sich über die tieferen Zusammenhänge der ihm entgegentretenden Vorgänge des Lebens näher unterrichten möchte. Auch über die Sozialversicherung wird eine kurze Uebersicht gegeben. Die Schrifttumsangaben und die sorgfältigen Zusammenstellungen der gesetzlichen Bestimmungen am Ein- aang eines jeden Abschnittes geben jedem weitere Anhaltspunkte.
Deutsche Erzähler.
— August Scholtis: Schlesischer Totentanz. Erzählungen. 120Seiten mit sieben Zeichnungen von K. I. B l i s ch. Batistleinen 2,80 RM. Schwarzhäupter-Verlag, Leipüg. — (119) — August Scholtis, aus dem Hultschiner Ländchen stammend, ist der Dichter der schlesischen Grenze und chres bei allem Sprachgemisch deutschen Volkstums. Er kennt den oberschlesischen Menschen und sein Land aus feiner früheren Arbeit als Maurer und als Angestellter in Güteroerwaltungen, Gene- ralüirektionen, Banken, Fabriken und Stadtverwaltungen. In den hier vereinigten Erzählungen läßt chn die starke Sehnsucht des Städters nach seiner dörflichen Heimat das Mystische und Dämonische, das das Leben des zwiespältigen Grenzlän- ders beherrscht, aufspüren und gestalten. Mehrere Erzählungen aus dem „Schlesischen Totentanz" wurden von der „neuen linie" und von den „Schlesischen Monatsheften" mit ersten Preisen ausgezeichnet.
— Margarete Windthorst: Die Lichtboten. Ein Geschichtenkreis. Grotes Aussaat- Bücher, Band 18. Biegsam gebunden 2 RM. G. Grote Verlag. Berlin 1938. — (112) — Von Margarete Windthorst erschien voriges Jahr der westfälische Bauernroman „Die Sieben am Sandbach", der als ein echtes, außerhalb der Konjunkturjägerei stehendes Dichtwerk anerkannt wurde. In dem Geschichtenkreis „Die Lichtboten" begegnen wir dem gleichen Menschenschlag, erleben wir dieselbe Landschaft. Wie „Lichtboten" in das Leben dieser Men
schen eintreten und es als gute Geister begleiten, zeigen uns diese lebensvollen Bilder gesunden Bauerntums. Wie aufrechte Männer und tapfere Frauen ihrem Geschick begegnen und es zwingen, das ist in jeder dieser sieben Geschichten in drängendem Handlungsablauf geformt.
— Walter Persich: Der Elfenbein- transport. Abenteuer in aller Welt. Mit einem bunten Vollbild und 20 Federzeichnungen von Kurt S ch ö l l k o p f. 152 Seiten. Halbleinen 2,20 Mark. Verlag A. Anton & Co., Leipzig. — (99) — „Der Elfenbeintransport" ist insofern eine ungewöhnliche Neuerscheinung, als der Autor sich gleicherweise an den reiferen Jugendlichen wie an den Erwachsenen wendet und in kurzen, spannenden, aber immer auf dem Boden der Tatsachen spielenden Erzählungen ein Spiegelbill) der bunten Welt liefert. Ob er den Leser durch Chinas geheimnisvolle Zustände geleitet, mit ihm im Pullmanwagen durch den amerikanischen Westen saust oder ihn ein Erdbeben in Formosa miterleben läßt, ob er mit ihm einen Ritt durch die Pußta unternimmt, wie sie heute ist, oder die Geschichte eines Schachbrettes erzählt,
auf welchem Napoleon vor der Schlacht bei Waterloo eine Partie verlor, immer zeichnet er in knappen Strichen das Wesentliche auf eine interessante Art.
— Josef Hofmiller: Von Dichtern, Malern und Wirtshäusern. „Kleine Bücherei" des Verlages Albert Langen-Georg Müller in München. — (109) — Zu dem Bayern-Büchlein des bedeutenden deutschen Essayisten Josef Hofmiller, das vielen ein guter Freund und Begleiter geworden ist, gesellt sich mit diesem neuen Hofmiller- Bändchen ein Werk von besonderem Reiz. Denn diese bunte Auswahl von Aufsätzen zeigt aufs neue die überraschende Vielseitigkeit eines Mannes, der über , einen Bildungsreichtum seltenen Grades verfügt. Ob er in diesen nachgelassenen Blättern voller Ehrfurcht seinen Blick auf Wilhelm Busch oder Hans Thoma richtet, ob er von frohen Wanderfahrten und der Schönheit alter deutscher Wirtshäuser erzählt, ober ob er schließlich während des Krieges'als einflußloser Warner in einer geschichtlich denkwürdigen Bettachtung seine Stimme erhebt: immer steht er als ein ganzer Mann vor uns.
Durch Deutschland und die weite Welt.
— Kasimir Edschmid: Auto-Reise- b u ch. 15 Serienreifen durch deutsche Flußtäler und Gebirge. Mit 15 zweifarbigen Wegekarten und 24 ganzseitigen Bildern. Preis in Seinen geb. 5,60 Reichsmark. Verlag L. C. Wittich in Darmstadt. — (151) — Wer einmal ohne Vorbereitung im Auto Rhein oder Mosel entlanggefahren ist oder Schwarzwald und Pfalz durchkreuzt hat, kennt das Gefühl des Bedauerns, mit dem man dann die Denkmäler der Vergangenheit an den Ufern und auf den Höhen liegen sieht, ohne daß man etwas von ihrer Geschichte weiß und ohne daß man ihre Namen kennt. An dieser Stelle möchte das Auto- Reisebuch einsetzen. .Kasimir Edschmid hat den Versuch gemacht, Städte, Dörfer, Flüsse, Berge, Menschen, Industrieanlagen, Kirchen, Schlösser und e>ecn vom Standpunkt des Automobilisten aus zu beschreiben. Edschmid fährt als Wagenlenker, sieht als Dichter und erklärt als Kenner. — Da die Orientierung des Autoreifenden geschwind und präzis erfolgen muß, ist die Darstellung sachlich, knapp und gefragt, ohne dabei außer acht zu lassen, was der Landschaft ihre Anmut und den Städten ihren Wert verleiht. Jedermann kann im Besitz dieses Buches die Flußtäler (Rhein, Main, Neckar, Mosel, Weser, Saale, Elbe, Lahn, Taubergrund) und Berglandschaften (Schwarzwald, Eifel, Taunus, Odenwald, Pfalz) mit seinem Wagen durchstreifen. Die großzügig angelegten Strecken der Reichsautobahn führen leicht an diese einzelnen Bezirke heran, die landschaftlich besonders schön und historisch überaus reich sind, und die der Verfasser mit Liebe in allen Winkeln zeigt. Das Buch will den Unzähligen, die durch das Reisen im Auto nicht nur den Reiz größerer Geschwindigkeit, sondern auch eine neue Art des Sehens kennengelernt haben, eine Vertiefung und Abrundung ihrer Eindrücke vermitteln. Es soll all denen dienen, die den Wunsch haben, ihre Autoferien nicht nur heiter, sondern auch nutzbringend und mit wirklicher Bereicherung zu verbringen.
— Max Junge: Papageien und Eisberge. Meine Erlebnisse in den patagonischen Kordilleren. Im Deutschen Verlag, Berlin. Mit 16 Bildern. Preis in Ganzleinen gebunden 3,80 RM. — (29) — Wir kennen den einer feit Generationen in Chile ansässigen deutschen Familie entstammenden Verfasser schon aus seinem Buch „Durch Urwald und Pampa" als einen Mann, der bei der Schilderung feiner Forschungsreisen im westlichen, Patagonien nicht an der Oberfläche haften bleibt, sondern uns
teilnehmen läßt nicht nur an dem verlockend schillernden Abenteuer, an dem Reiz des Vordringens in unerforschtes Land, sondern auch an seiner Arbeit und an seinen Sorgen als Leiter einer chilenischen Regierungsexpedition, die notgedrungen auch mit minderwertigem Menschenmaterial durchzukommen versuchen muß. So lieft man in einem äußerst dramatischen Kapitel des neuen Buches von einer Rebellion im Urwaldlager, einer Situation, die einen ganzen Kerl erforderte, um die vom Goldrausch Besessenen wieder zur Vernunft zu bringen. Aber Junge vergißt über solche persönlichen Erlebnisse nicht, den Zauber der subtropischen Urwaldlandschaft mit ihren erstaunlichen Gegensätzen in seiner ganzen Pracht vor uns zu entrollen. Ein faßt vergessenes Land am Ende der Welt tut sich auf, wir spüren die ungebändigte Urgewalt der Naturkräfte und sind ergriffen von der Großartigkeit einer unberührten Landschaft, die noch aus der Urgeschichte des Erdballs zu uns herüberzuragen scheint. Fr. W. Lange.
— Profesfor Dr. Georg Wegener: Das deutsche Kolonialreich. „Wie es entstand, wie es war, wie es verloren ging." Mit zahlreichen Abbildungen. Preis RM. 4,50. Akademische Verlagsgesellschaft Athencrion m. b. H., Potsdam. Das Buch ist hervorgegangen aus Vorlesungen an der Berliner Wirtschaftshochschule. Der Verfasser, der als namhaster Geograph und Welt- reisender besonders berufen war, hat es verstanden, den Stoff so lebendig zu gestalten, daß drei Jahrzehnte deutscher Kolonialarbeit sich 'als ein Heldenlied von deutschem Wagemut und deutscher Zähigkeit dem Leser einprägen. Entstehung, Beschaffenheit uNd Verlust der Kolonien sind die drei großen geschichtlichen Abschnitte, innerhalb deren Wegener den Leser von der Erklärung der Formen deutscher Kolonisation und dem Wirken Deutschlands im Entdeckungszeitalter an über die afrikanische Gründung des Großen Kurfürsten, Kolonialpolitik und den Erwerb der Kolonien im neuen Kaiserreich, über eine eingehende Schilderung der einzelnen deutschen Kolonialgebiete bis zu ihrer heldenhaften Verteidigung im Weltkrieg und ihrem Raub im Versailler Diktat führt. Hier belegen nüchterne Zahlen und Tatsachenberichte den wirtschaftlichen Wert und die Schönheit unserer Kolonien. Die Lüge von der kolonialen Unfähigkeit der Deutschen zerfällt in ein Nichts, die deutsche Welt in Uebersee war als Betätigungsfeld für überschüssige Menschenkräft unseres Vaterlandes in einer hoffnungsvollen Entwicklung wertvollster Nationalbesitz.
Von Kunst und Könstlem.
— Herbert Günther: Künstlerische Doppel begab Ungen. 163 Seiten. Mit 125 meist erftveröffentlichten Abbildungen nach Werken deutschsprachiger Künstler vom 16. bis ins 20. Jahrhundert. Im Ernst Heimeran Verlag in München. — (101)— Ein überaus anregendes und aufschlußreiches Buch: man muß sich wundern, daß bisher noch niemand auf den Gedanken gekommen ist, das reiche Material zu sammeln und zu sichten und bar- zustellen, und man muß Herbert Günther Dank dafür wissen, daß er sich dieser Arbeit unterzogen hat; es geschah, wie man sich schnell überzeugen kann, mit großer Gründlichkeit und Belesenheit, auch unter Berücksichtigung der mancherlei Gesichtspunkte und Sonderprobleme, welche sich aus einer Beschäftigung mit dem eigentümlichen und, wie Günther betont, vorzugsweise deutschen Phänomen der Doppelbegabung auf künstlerischem Gebiete ergeben. Es handelt sich also hier um die in der Literatur- und Kunstgeschichte meist nur flüchtig gewürdigte ober ganz übersehene Erscheinung, daß sich Maler als Dichter, Dichter als Maler oder Komponisten, Architekten als Bildhauer, Schauspieler als Zeichner betätigen; es gibt da die verschiedensten Spielarten und Kombinationen, und die Erscheinung ist viel verbreiteter, als man anzunehmen geneigt ist. Das lehrt schon ein flüchtiger Blick in dieses Buch. Goethe und E. T. A. Hoffmann werden vermutlich dem Gebildeten sofort einfallen, wenn er auf gefordert wird, Beispiele solcher Doppelbegabung anzuführen; wie groß und wie verzweigt der Kreis der hierher gehörigen Erscheinungen tatsächlich ist, wird man gewahr, wenn man sich in die lange Folge kleiner biographischer Abrisse vertieft, die den Hauptinhalt ausmachen und das reiche und seltene Bildmaterial begleiten und erläutern, das hier großenteils zum ersten Male zugänglich gemacht wird. Da finden wir die Brentanos und Wilhelm Busch, Dauthendey, Max Eyth und Grimmelshausen, den Struwelpeter-Hoffmann und Gottfried Keller, Hermann Löns und den Prinzen Louis Ferdinand, Mörike und Morgenstern, Nietzsche und Raabe, Schiller, Schlüter und Schumann, Veit Stoß undRichardWagner: das ist nur einebunte und zusammenhanglose Auswahl, die zeigen mag, welche Fülle von Stoff hier verarbeitet und ausgeschöpft wurde. Unsere Leser wird der Hinweis auf Georg Büchner und auf Carl Maria von Weder besonders interessieren, von dem wir erfahren, daß er als Gelegenheitserzeugnis für den Dresdener Liederkreis die humoristische Novelle „Der Schlammbeißer" geschrieben hat. Ueberhaupt enthalten die Texte eine dankenswerte Menge von Hinweisen und Literaturangaben. — Einem im Vorwort in Aussicht ge
stellten zweiten Bande, der die Zeitgenossen behandeln soll, sieht man nach* der vorlieaenden Sammlung mit Vergnügen entgegen. Hans Thyriot.
— Pompejanische Wandbilder. Zehn farbige Tafeln und zehn Abbildungen im Text. Eingeleitet von Amedeo M a i u r i, Generalintendant der Ausgrabungen in Herkulaneum und Pompeji. RM. 2,80. Die silbernen Bücher, Woldemar Klein, Bersin. —(149)— Den früher von uns besprochenen kunstgeschichtlichen Monographien in der bekannten Reihe der silbernen Bücher fügt sich mit den „Pompejanischen Wandgemälden" eine höchst reizvolle Neuerscheinung an. In der kleinen Auswahl der vorzüglich roiebergege'benen Gemälde erschließt sich dem Betrachter ein Teilgebiet alter Kunst, das den meisten kaum oder überhaupt nicht bekannt fein wird, manchem aber auch eine seit langem gehegte Vorstellung von diesen Dingen auf eine vermutlich überraschende Weise berichtigen wird. Die mit liebevollem Verständnis geschriebene Einleitung des Generalintendanten Maiuri macht darauf aufmerksam, daß mit den Ergebnissen einer durch fast zweihundert Jahre sich hinziehenden Ausgrabungstätigkeit (die noch in den letzten Jahren wertvolle Schätze zutage förderte) unsere Kenntnis vom Gesamtbilde der alten Kunst auf eine entscheidende Weise bereichert wurde: war die Heber« lieferung antiker Malerei an sich schon — im Vergleich zur Architektur und Plastik dieser Epoche — unverhältnismäßig gering, so „beruht unser Wissen von antiker, griechisch-römischer Malerei im wesentlichen auf der Kenntnis der Wandbilder aus Herkulaneum und Pompeji". Den wenigsten unter uns werden sie wahrscheinlich aus eigener Anschauung gegenwärtig sein. Der vorliegende Band vermittelt einen ausgezeichneten Eindruck. Hier ist eine Malerei, die nicht nur an sich, rein ästhetisch betrachtet, von ungemeiner Anziehungskraft ist, sondern auch kulturhistorisch und religionsgeschichtlich wichtige Aufschlüsse liefert. Den Kunsthistoriker mag in erster Linie das bereits von Winckelrnann angerührte Problem des Verhältnisses dieser Wandgemälde zu den griechischen Ur- und Vorbildern beschäftigen; der fachlich minder beschwerte Betrachter wird erfreut sein, aus der Anschauung dieser Blätter einen Begriff von den Motiokreisen wie von der stilisti- schen Haltung dieser antiken Kunstübung zu gewinnen. von der (vielfach überraschend zarten und feinfühligen) Farbgebung, von der Behandlung des menschlichen uno des tierischen Körpers, von der Komposition im allgemeinen und von der sehr in- tersssanten Auseinandersetzung mit den Fragen der Raumaufteilung und der Perspektive im besondern.
Hans Thyriot.
Politik und Geschichte.
— GeneralWeygand: Ist Frankreich stark genug? (La France est-elle defendue?) Preis kartoniert 1,80 RM. Verlag Gerhard Stelling, Oldenburg i. O. —- (104) — Frankreichs ehemaliger Generalstabschef, einer der engsten Vertrauten des Marschalls Fach, teilt mit diesem eine von tiefstem Mißtrauen geleitete unwandelbare Feindschaft gegen Deutschland. Die Wiedererstarkung des deutschen Nachbarrt, die die Abrüstungsbestimmungen des Versailler Diktcsts nicht hatten verhindern können, ist für Weygand die Quelle aller Sorgen, und die inner- politische Entwicklung in Frankreich scheint ihm nicht geeignet, diese Sorgen zu zerstreuen. So ist dies klar und sachlich geschriebene Büchlein ein Aufruf an die für Frankreichs Landesverteidigung Verantwortlichen. Uns Deutschen gibt es einen fesselnden Einblick in die Grundauffassungen französischer Offizierskreise über die wehrpolitische Lage Europas, die erst durch die Wiederaufrüstung Deutschlands ihr Gleichgewicht wiedergefunden hat. Besonders interessant ist die überaus skeptische Beurteilung, die dec Zustand der Roten Armee in dem Puch Weygands erfährt. Und mit Genugtuung werden wir weiter feftstellen, mit welch hoher Achtung der General von den Qualitäten der deutschen Wehrmacht spricht und wehrpolitische Forderungen stellt, die bei uns zumeist schon verwirklicht sind. Eine sehr prägnante Porträtskizze Weygands ist dem Büchlein vorangestellt.
Fr. w. Lange.
— Iwan Solonewitsch: Die Verlorenen, eine Chronik namenlosen Leidens. II. Teil. Flucht aus dem Sowjetparadies. 1934. Essener Verlagsanstalt in Essen. Preis 5,80 RM., in Ganzleinen gebunden. — (97) — Trotz der jahrelangen Inflation an Literatur über Sowjetrußland ist es schwer, sich ein klares, sachliches Bild von den tatsächlichen Verhältnissen in der Sowjetunion zu machen, denn selten ist einem Manne, der als Russe unter Russen Jahre hindurch in der Hölle Stalins gelebt hat, Gelegenheit gegeben, seine Erfahrungen im Ausland zu Papier zu bringen. Daß Stalins Rache auch jenseits der Sowjetgrenzen ihre Werkzeuge zu gebrauchen weiß, hat der Verfasser dieses Buches selbst in wahrhaft erschütternder Weise erfahren müssen. Seine Frau wurde vor kurzem in Sofia das Opfer einer ihm zugedachten Höllenmaschine der GPU. Der zweite Band dieses trotz seiner fast nüchternen Sprache auf-' rüttelnden Erlebnisbuches schildert das trostlose Dahinvegetieren von Hunderttausenden russischen Bürgern, Bauern, Gelehrten, Technikern, die in den Zwangsarbeitslagern der Sowjets der Willkür einiger roten Bonzen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert sind. Das Buch erscheint uns deshalb besonders wertvoll und lehrreich, weil es wie wenige vor ihm uns einen Blick tun läßt in die geistige Verfassung des russischen Volkes nach zwanzig Jahren bolschewistischer Menschheitsbeglückung und uns Aufschlüsse gibt über die Prinzipien des Stalinschen Terrorregimes. Nach der Lektüre dieses Buches kennt jeder die grauenhafte Oede des Sowjetparadieses. * Fr. W. Lange.
Fröhliche Kinderstube.
— Fröhliche Kinderstube. Ein Buch für Mutter Und Kind zum Spielen und Feiern. Von Ruth Zechlin. Zeichnungen: Maria Maillard. Herausgegeben vom Deutschen Frauenwerk / Reichsmütterdienst. Geb. 3 Mark. Kart. 2 Mark. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin, 1938. — (148) — Für die Allerjüngsten gibt es Fingerspiele, einfache' Reime, luftige Neckoerslein, Fabeltiere entstehen aus Taschentüchern. Anregungen zum Geschichtenerzählen, Wiegenlieder und Kinderlieder folgen. Das Kleinkind und das Schulkind werden ihrem Fassungsvermögen nach beschäftigt; eine reiche Auswahl für Spiele am Familientisch, bei denen schon die Kleinen mittun können, bis zu schwierigen Schreibspielen u. ä. wird gegeben. Weiter findet man treffliche Ratschläge zum Basteln, zur Herstellung eigenen Spielzeugs und kleiner Geschenke aus wertlosem Material.
— „D i e S) ä 51 e i n im Wald e." Ein lustiges farbenfrohes Hasenbilderbuch von Elisabeth B a ü • mann mit Versen von Friedrich Zöbigker. Mit 14 vierfarbigen Vollbildern. Für 4—7jährige. Kart. 1,80 RM Buchverlags-AG. Bern. — (125.) — Tief im Wald, wo die hohen Tannen stehen und nur selten ein Kind sich hin verirrt, steht das Haus der siebenköpfigen Osterhasenfamilie. Von ihren mannigfachen Freuden und Sorgen erzählt in luftigen Versen und Bildern dies neue Osterhasenbilderbuch.
— „Rübezah l." Märchenbilderbuch von Fritz Baumgarten. 7 Erzählungen. Mit 8 vierfarbi» gen Vollbildern. Für 5—8jährige. Kart. 1,50 RM., Halbleinen 1,80 RM. A. Anton & Co., Leipzig. — (127.) — Wer kennt ihn nicht, den Alten vom Riesengebirge, den mächtigen Berggeist, der die Geiz- Hälse, Wucherer und Bösewichte durch allerlei Schabernack und Possen bestraft, aber den vom Schicksal Verfolgten ein großherziger Helfer ist und der zumeist gerade dann erscheint, wenn man ihn am vZenigsten erwartet? Diesen köstlichen Schatz alten Volksgutes auch den Jüngsten erschlossen zu haben, darf als ein Verdienst Baumgartens bezeichnet werden.
— „Rübezahl bringt G l ü ck." Eine Erzählung für junge Mädchen von Toni Sarin g. Mit einem bunten Vollbild und 14 Federzeichnungen von Georg K i r ch b a ch. 208 Seiten. Halbleinen 2,70 RM. Verlag A. Anton & Co., Leipzig. — (124) — Die flott geschriebene Erzählung zeigt eint Schar junger Mädchen, die teils ihr Abitur machen, teils fiändjahrhelferin sind oder bereits im Beruf stehen. Sie stehen alle zielbewußt im fiebert, packen ihre Aufgaben ernst und tatkräftig an und wissen sich durchzüsetzen. Auf einer Riefengebirgswanderung in den Herbstferien finden, sie sich zusammen. Frohe Ueberrafd)ungen und ernste Vorkommnisse bewirken, daß die Wanderkameradschast immsr enger wird.
— „Kopf hoch — M o ni k a!" Eine Erzählung für junge Mädchen von Else Jung. Mit einem bunten Vollbild und 15 Federzeichnungen von Georg K i r ch b a ch. 200 Seiten. Halbleinen 2,70 RM. Verlag 21. Anton & Co., Leipzig. — (123.) — Monika ist ein frische;, junges Mädel, das auf einem ostpreußischen Landgut aufwächst und mit leidenschaftlicher Liebe an der väterlichen Scholle hängt. Mit wachen Au.^en schaut sie um sich und erweist sich trotz ihrer Jugend allen Schwierigkeiten gegenüber als ein ganzer Kerl. Immer beb alt sie den Kopf oben, glaubt an das Leben, und das Leben gibt ihr reckt. So geht ein Zug heiterer Lebensbejahung durch diese Erzählung, in der es nicht an humorvollen Szenen fehlt.


