man zu leeren vergaß, ehe man abreiste, er schmeckt, gut, gut, alles schmeckt.
Man ist wieder daheim. Um dieses Gefühl zu erleben — auch deshalb. sollte man in Urlaub fahren. r- k.
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
DAF.-Taguna der Betriebsberufswalter 15.30 Uhr im „Burghof". — NSDAP.. Ortsgruppe Gie- ßen-Ost: 20.30 Uhr Führerschulung im Singsaal der Langernarck-Schule, Ludwigstraße. — Stadttheater: 19.30 bis 21.30 Uhr „Ein Glas Wasser". — Lichtspielhaus (Seltersweg): „Frau Sylvelin". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Es leuchten die Sterne". — Wettbewerb HJ.-Heim, Gießen: 16 bis 18 Uhr Ausstellung der Entwürfe in der Volkshalle (Empore). — Maienblasen ab 19 Uhr vom Turm der Stadtkirche. ,
Stadtthealer Gießen.
.heute abend Wiederholung des großen Lustspielerfolges „Ein Glas Master", nach Scribe von Otto Stockhausen. Spielleitung Hans Geißler, Bühnenbild: Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 32. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Beginn 19.30 Uhr, Ende 21.30 Uhr.
Landschaftsbund Volkstum und Heimat.
Uns wird geschrieben: Welcher Heimatfreund möchte nicht einmal unter sachkundiger Führung eine Wanderung durch das Naturschutzgebiet Hangelstein mitmachen? Der Landschaftsbund bietet dazu am kommenden Sonntag Gelegenheit. Die Führung hat freundlicherweise Prof. Dr. Funk übernommen. An Himmelfahrt veranstaltet der Landschaftsbund seinen beliebten großen Ausflug, der dieses Mal nach Sichertshausen — Heidenkönigsgrab — Staufenberg führt.
RS.'Gemeinfchasi „fitaff durch Freude". Theatervorstellung.
Samstag, den 21.2ttai 1938. 20 Uhr.
kdA.-Vliete Gruppe H (letzte Vorstellung der Spielzeit) „Versprich mir nichts"
Komödie von Charlotte Rihmann.
Karlen im freien Verkauf zum Preise von —.90 und 1,— R21L sind in der Kartenverkaufsstelle Gießen, Seltersweg 60, erhältlich. 3410V
BOM.- u. ZM.-Untergau 116, (Sieben. An alle Teilnehmerinnen der hessen-Vassau-Fahrt.
Wir machen letztmalig darauf aufmerksam, daß die Teilnehmerinnengebühr für die Hessen-Nassau- Fahrt vom 2. bis 9. Juni in höhe von 10.— NM. umgehend auf der Verwaltungsstelle des Untergaues eingezahlt werden muß. Das gleiche gilt auch für die Fahrtanmeldungen.
*
*♦ Frühere Briefkastenleerun g. Vom Postamt wird uns mitgeteilt: Seit 16. Mai ist die Briefkastenleerung von 17.00 Uhr ab gegenüber der seitherigen Zeit um eine halbe Stunde vorverlegt worden. Die auf den Briefkästen befindlichen Angaben über die Leerungszeiten werden im Laufe der Woche berichtigt werden.
*♦ Maienblasen. Am heutigen Mittwoch, um 19 Uhr findet das Maienblajen vom Turm der S t a d t k i r ch e mit folgenden Darbietungen statt: 1. Choral: „O Gott, du frommer Gott", Meiningen 1693 (Johann Heermann): 2. „Abschied vom Walde": 3. ..Der Lindenbaum", Fr. Schubert.
** Sterbe fälle i n Gießen. Es verstarben in Gießen: 1. Mai: Anna Maria Hamel, geb. Seu- fert, o. B., 73 Jahre alt, Bleichstraße 7; Karl Weller, Eisenbahn-Sekretär i. R., 76 J„ Zu den Mühlen 12. 2.: Katharine Schwarz, o. B., 92 I., Licher Straße 74. 5.: Aenne Jülfs, Sängerin, 33 I., Schulstraße 3; Clothilde Schirmer, geb. Ohly, o. L., 75 I., Marburger Straße 15; Katharina Gans, geb. Wagner, o. B-, 83 I., Licher Straße 74. 6.: Heinrich Claus, o. B., 62 I., Licher Straße 74; Ute Rohrbach, 2 Monate alte, Werncrwall 47.
Oer Gleiberg-Verein hält Rückschau.
S000-M.-Svende der oberhessischen Industrie.
Im neuhergestellten Kaisersaal auf Burg Gleiberg hielt am Samstagnachmittag der Gleiberg- verein unter dem Vorsitz von Direktor Menten (Kinzenbach) seine diesjährige Generalversammlung ab,x die mit einem Gedenken für die Verstorbenen einaeleftet wurde. Der dienstlich verhinderte 1. Vorsitzende Kreisdirektor Dr. Lotz hatte seine Grüße und Wünsche übermittelt. Direktor Menten begrüßte zunächst die Gäste und die Mitglieder.
In seinem Geschäftsbericht gab dann der um die Burg verdiente Lehrer Praß (Krofdorf) einleitend einen Ueberblick über die Arbeiten des Gleibergvereins zur Erneuerung der Burg während des ersten Jahrhundert seines Bestehens. Erst mit dem Jahre 1933 sind ganz erhebliche Fortschritte festzustellen, so daß der Verein mit Stolz auf die Erfolge der letzten 5 Jahre zurückblicken kann. Das Jubiläumsjahr bedeutet zugleich einen gewissen Abschluß der baulichen Erneuerungen und der Finanzgebarung des Vereins' Mit dem Ausbau des Albertus'Baues und mit der Errichtung des Schulungslagers haben die langwierigen und umfangreichen baulichen Arbeiten ihre Krönung erfahren. Im Jubiläumsjahr hat der Verein das Bewußtsein, durch die Bereitstellung des ganzen Flügels der Bura für den Dienst an der nationalsozialistischen Weltanschauung ganze Arbeit geleistet zu haben. Dafür spricht die Zahl der Uebernach- tungen. Mehr als 5000 Volksgenossen haben auf dem Gleiberg das Rüstzeug für den Dienst am neuen Staat erhalten.
Im Jublläumsjahr ist der Verein durch die finanziellen Opfer und durch eine Reihe von Spenden von seinen Geldforgen befreit worden. Noch vor zwei Jahren hatte er eine ansehnliche Schuld. Nun ist ihm dank der Vermittlung des 1. Vorsitzenden, Kreisdirektors Dr. Lotz,
vom Zweckverband der oberheffifchen Industrie eine Geldspende von 5000 Mark zugegangen. Diese Summe soll für größere Ausbauarbeiten ausgespart werden. Im letzten Jahre sind der Kaifersaal und das Luxemburg-Zimmer mit ihren Vorzimmern stilgerecht renoviert worden. Durch die tatkräftige Hilfe des Oberbauinspektors Mohr (Gießen) und durch die Mitarbeit des Malers Presber (Wiesbaden), der reiche Erfahrung in Burgrenovierungen hat, haben diese Räume ein schönes, zweckentsprechendes Kleid erhalten. Die Uebernachtungen im Schulungslager waren zahlreicher als im Vorjahr. Insgesamt wurden 12 Schulungslager abgehalten, die von der ff, der DAF., dem Luffichutzbund, der HI., der Marine- SA., der SA. und dem BDM. durchgeführt wurden.
Weite Kreise der Bevölkerung aus Rodheim an der Bieber, Atzbach, Heuchelheim, Kinzenbach, Launsbach und Krofdorf-Gleiberg haben den Verein aus Anlaß seines Jubiläums mit Spenden in Höhe von 350 Mark bedacht, wovon Krofdorf- Gleiberg allein 150 Mark, aufgebracht hat. Von Privatpersonen sind insgesamt 350 Mark eingegangen. Die Stadt Gießen hat dem Verein einen
Sonderzuschuß von 600 Mark überwiesen. Dazu kommt die erwähnte Spende der oberhessischen Industrie. Der Verein zählt etwa 320 Mitglieder. Der Bericht schloß mit einem Appell an alle Heimatfreunde,
die heirnatburg und damit den Verein als Mitglieder oder als Vurgbefucher zu unterstützen.
Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, daß durch das Entgegenkommen von Bürgermeister Schmidt (Krofdorf-Gleiberg) die Anfahrtsstraße von Krofdorf zur Burg instandgefetzt werden konnte.
Aus dem Kassenbericht, den gleichfalls Lehrer Praß erstattete, gingen günstige Kassenverhält- nisse hervor. Das Land Hessen, der Kreis Gießen und die Stadt Wetzlar haben je 150 Mark, der Kreis Wetzlar 200 Mark laufende Zufchuffe ge- währt. Den Einnahmen von rund 9212 Mark standen entsprechende Ausgaben, darunter rund 2500 Mark für laufende Unterhaltunasarbeiten und für die Erneuerung des Mobilars, sowie ein Guthaben gegenüber. Der Voranschlag für 1938 sieht u. a. 1700 Mark für neue Bauarbeiten vor. Lehrer Praß wurde Entlastung erteilt und herzlicher Dank für seine Mühewaltung ausgesprochen.
Bauoberinfpektor Mohr (Gießen) berichtete hieraus über die erforderlichen Arbeiten im laufenden Jahre, die in erster Linie der Erneuerung der Burgmauern dienen, wofür allein 400 Marr notwendig sind. Für Erneuerung des Estrichs, der Gebäude, Ausbesserungen am Philippsturrn, die Unterhaltung der Dächer, die Türöffnung am Burghelm der Oberburg, die Ausbesserung des Geländers in der Ruine und für die des Balkons, dem Wilhelm- Altan, für die Umgestaltung des Ausschankes im Burghof und die Erneuerung des Mobilars, kleinere Arbeiten im Flur und für die Ausbesserung der Decke in der Bauernstube werden insgesamt etwa 1600 Mark für alle Arbeiten zusammen rund 2000 Mark Kosten erforderlich.
Direktor M e n k e n dankte Bauoberinspektor Mohr für die Mühewaltung und würdigte dessen selbstlose Dienste während mehr als 35 Jahren, für die Bauoberinfpektor Mohr zum Ehrenmitglied des Gleibergvereins auf Lebenszeit er» nannt wurde. Dazu sprach ihm die Versammlung beste Glückwünsche aus.
Abschließend wurde das G l e i b e r g s e st, das wieder zum Heimatfest der näheren und weiteren Umgebung des Gleibergs ausgeftaltet werden soll, auf Sonntag, 17. Juli, festgesetzt.
In der Aussprache gab Bürgermeister Schmidt dem Wunsche nach Unterbringung der Feuerwehrspritze Ausdruck. Hierfür soll im Einvernehmen mit Bauoberinspektor Mohr ein geeigneter Raum be» schafft werden. Weiter wurde darauf hingewiesen, daß die Post bei größeren Veranstaltungen den Omnibus Gießen—Krofdorf bis zur Linde unterhalb der Burg durchführen möge.
Rektor i. R. Müller überbrachte die Grüße der Heimatvereinigung Schiffenberg.
7.: Ria Schneider, geb. Lehr, o. B„ 48 I., Jahn- straße 53. 8.; Julie Meuser, geb. Kleuser, o. B., 73 I-, Wernerwall 1. 9.: Wilhelm Herr, Buchdrucks- reibesitzer, 60 I., Walltorstraße 77; Werner Faust, 23 Tage alt, Rodheimer Straße 51. 10.:
Ludwig Größer, Lackierer, 51 I., Steinstraße 67; Theodor Kerl, 3 I., Asterweg 61. 12.: Max Rüger, Hausmeister, Licher Straße 74. 13.: Frieda Hintze, geb. Milatz, o. B., 52 I., Schwarzlachweg 35. 14.: Katharine Simon, geb. Bollmann, o. B>, 53 I., Crednerstraße 19; Lina Lein, o. B., 79 I., Licher Straße 74. 16.: Wilhelm Konrad Grau, Reichsbahn- Werkmeister i. R., 68 I., Liebigstraße 89.
Große Strafkammer Gießen.
Gestern hatte sich der A. S. aus Essen vor der Großen Strafkammer wegen Sittlichkeitsverbrechens zu verantworten. Der Angeklagte, der auf einem Gut beschäftigt ist, hatte dort im vorigen Jahr ein
damals 11 Jahre altes Mädchen unsittlich berührt. In der gestrigen Hauptverhandlung, Die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, war der Angeklagte geständig. Mit Rücksicht hierauf billigte ihm die Kammer mildernde Umstände zu und erkannte auf sieben Monate Gefängnis.
Sodann wurde, ebenfalls unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, die Berufung des W. K. aus Frank- furt a. M., der vom Schöffengericht Meßen im März dieses Jahres wegen Abtreibung bzw. Beihilfe hierzu drei Monate Gefängnis erhalten hatte, verhandelt. Der Angeklagte hatte mit einem Mädchen aus der hiesigen Gegend, die in der gleichen Angelegenheit bereits rechtskräftig verurteilt ist, ein Verhältnis, das nicht ohne Folgen blieb. Auf Drängen des Mädchens schickte er ihr mehrmals chemische Mittel, die allerdings unwirksam waren. In der gestrigen Hauptoerhandlung begründete der Angeklagte seine Berufung damit, er habe von vornherein gewußt, daß die Präparate unschädlich
seien, und er habe die Tat nür begangen, um ba.5 Mädchen zu beruhigen. Mit dieser Einlassung fand er jedoch keinen Glauben, so daß er zum Schluß feine Berufung auf das Strafmaß beschränkte und Einstellung auf Grund der Amnestie beantragte. Auch hierzu konnte sich die Kammer bet einem derartigen Delikt nicht verstehen. Immerhin wandelte sie die Strafe mit Rücksicht darauf, daß das Mädchen der treibende Teil war, in eine Geldstrafe von 250 Mark an Stelle einer an sich pen. wirkten Gefängnisstrafe von sechs Wochen um.
Aus der engeren Heimat.
Theaterabend in Dad-Nauheim.
* Bad«Nauhe1m, 18.Mai. Am morgigen Donnerstag, 19. Mai, wird im Großen Bühnensaal des Kurhauses Mozarts „Entführung aus dem Serail" aufgeführt. Dabei wirken Solisten der Staatsoper Berlin, ferner die Kammersängerin Margherita P e r r a s von der Staatsoper .Wien, Helge Roswaenge und andere weltbekannte Künstler mit. Die Aufführung bedeutet für unsere Badestadt einen künstlerischen und gesellschaftlichen Höhepunkt der Saison.
Festvorbereitung
bei der S.-V. „Gärilia", Lich.
Ueberall in der Stadt Lich macht sich immer mehr das an Pfingsten stattfindende Fest der Sängervereinigung „Cäcilia" bemerkbar. Keberhaft wird an der Fertigstellung verschiedener Straßenzüge, wie Bahnhofstraße, Klrchgassö usw., gearbeitet, an vielen Häusern stehen die Gerüste der Weißbinder, um in letzter Minute dem Straßenbild noch ein. sauberes Aussehen zu geben. Die Arbeiten am Neeb-Gedenkstein auf dem Platz
RUHL Seltersweg Nr. 67
ad io Telephon Nr. 3170 I
eparaturen ibstd W
vor der Post gehen flott voran, so daß auch hier die Gewähr einer rechtzeitigen Fertigstellung gegeben ist. Bei den Ausschüssen, wie Wohnungsausschuß, Empfangsausschuß, Bau- und Ausschmük- kungsauSschuß, Festwagenausschuß, Finanzausschuß und nicht zuletzt gefchästsführender Ausschuß, häuft sich durch die tägnch einlaufenden Anmeldungen die Arbeit von Tag zu Tag, sind doch bis jetzt annähernd 30 Vereine mit rund 1500 Sängern gemeldet, von denen für einige Hundert auch Nachtquartiere beschafft werden nrüssen. Die Hauptvorbereitungen für den unter dem Motto: „Das deutsche Lied" stehenden Festzug am 2. Pfingstfeier- tag mit über 10 Festwagen sind ebenfalls getroffen, so daß auch dieses Mal der Festzug seine Anziehungskraft nicht verfehlen 'wird.
Goldene Konfirmation.
)( Lich, 16. Mai. In unserer Kirche fand gestern zum ersten Male die Feier einer goldenen Konfirmation statt. Nach einem Beichtgottes- dienst im Gemeindesaal zogen die Jubelkonfirmanden, die von nah und fern erschienen waren, unter Führung des Geistlichen, empfangen von den fest- lichen Klängen der Orgel, in die geschmückte Kirche ein und nahmen auf den Ehrenplätzen im Frauen- ftuhl Platz. Der Gottesdienst wurde von dem Kirchenchor unter Leitung von Chormeister und Or- gant ft Stein und Dem Frauenchor unter der Stabführung von Frl. Hilde Junker kirchenmusikalisch und festtich umrahmt. Nach der Eingangs- liturgie sprach der Geistliche auf Wunsch der goldenen Konfirmanden über dasselbe Textwort, das einst vor 50 Jahren den Konfirmationstag ant 21. Mai 1888 geweiht hatte: „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben". Anschließend nahmen die Feiernden am hl. Abendmahl teil. Nach dem Gottesdienst gedachten sie am Ehrenmal und auf dem Friedhof der Heimgegangenen Kameraden und Kameradinnen, sowie der verstorbenen Geistlichen und Lehrer. Am Nachmittag vereinigte -eine Kaffeetafel im Parkhotel die mit dem golbenen Sträußchen geschmückten 23 Männer und Frauen mit ihren Angehörigen und
Fäden hin und her.
Vornan von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35
25. Fortsetzung. (Nachdruck verbotenI)
Aber statt nun aufzuspringen und Monika zu begrüßen, bleibt Kahl ruhig liegen. Er stützt nur ein wenig seinen Oberkörper auf, kneift die Augen zusammen und schaut Monika kopfschüttelnd an.
„Liegt fich's gut, da auf dem Boden, Herr Doktor?" fragt Monika spöttisch und fühlt dabei, wie ihr Gesicht rot und röter wird.
Aber darauf gibt Kahl gar feine Antwort. Sondern er pfeift leise durch die Zähne, stützt feinen Oberkörper noch etwas höher auf und sagt langsam: „Wenn Sie radfahren, während er bei Ihnen zu Hause Kaffee trinkt, dann habt ihr euch in den Haaren gehabt. Stimmt's?"
Monika schraubt verlegen an ihrer Klingel herum. „Nein, cs stimmt leider nicht."
Robert von Kahl reißt erschrocken die Augen auf: „Es stimmt nicht? O Gott, dann ist noch viel Schlimmeres passiert!"
Und als litte es ihn jetzt doch nicht länger am Boden, springt er hastig auf und stürzt zu Monika hin, um ihre schmale Hand zwischen seinen großen langen Händen heftig zu pressen. „Haben Sie ihm vielleicht einen Korb gegeben, Fräulein Monika? Du lieber Himmel, dann geht er uns glatt ein, wie ein Kaktus ohne Licht und Sonne. Aber übrigens: Guten Tag, guten Tag, Fräulein Monika, vor lauter Aufregung vergaß ich ganz, guten Tag zu jagen. Und bitte, bitte, sagen Sie mir: Wo steckt Lenzsch? Hat er sich schon in den Stadtgraben gestürzt? Oder wenn er noch wohlbehalten bei Ihnen zu Hause sitzt, warum fahren Sie Rad, wenn Lenzsch Kaffee trinkt? Und wieso.. "
Monika zieht halb ärgerlich, halb amüsiert ihre Hand aus der seinen. „Wollen Sie mir nicht lieber sagen, warum Sie da so komisch am Boden gelegen haben? Und schauen Sie sich an, wie Sie aussehen!"
Kahl schaut gehorsam, aber äußerst uninteressiert an seinem erdbeklebten Mantel herunter: „Ich? Am Boden? Ach so, ja. Aber das ist ganz uninteressant. Ich wollte nur ein Schneeglöckchen knipsen, Nahaufnahme, wissen Sie. Doch setzt mag ich gar nicht mehr, und erst muß ich wissen, warum Sie rad- fahren, während Lenzsch ..."
Monika klingelt, was nur die Radklingel hergibt.
so daß Kahl erschrocken zu reden aufhört und respektvoll zwei Schritt von dem Rad und seiner Besitzerin zurücktritt. Dann macht er eine stehende Gebärde: Aufhören, verehrtes Fräulein Monika, bitte, aufhören. Das ist ja fürchterlich! Mir fällt ja bei dem Lärm mein ganzes bißchen Gehirn auseinander.
Monika hält lachend inne. „Wollen Sie also nicht wieder von Lenzsch anfangen?"
„Nein, das heißt — wüßte ich doch wenigstens, wo er im Augenblick ist!"
„Also gut, bei uns zu Hause sitzt er. Ganz wohlbehalten und — sehr vergnügt. Wir haben nämlich noch eine Dame zu Besuch."
„Aha! Eine nette Dame, ja? Sehen Sie! Und deshalb ..."
Abeb Monika lehnt diesen Verdacht großartig ab. „Gar nichts: deshalb! Es ist nämlich eine ganz alte Dame, die wir zu Besuch haben, eine Freundin von Papa, und nur weil sie aus Berlin kommt und Lenzsch doch so sehr von Berlin schwärmt und darum ..."
Sie verstummt, und Kahl lächelt verstohlen. Kein Wort glaubt er ihr, fein Wort.
Laut sagt er: „Ach so. Und da ist cs Ihnen zu langweilig geworden. Weil Sie doch Berlin nur ganz flüchtig kennen. Ja, das versteh' ich. Nur wundert es mich, daß ausgerechnet Lenzsch von Berlin schwärmt. Er ist doch sonst so ein langweiliger Bursche."
Er schielt zu Monika hin, die ihre Vorderradbremse auf und nieder drückt. Fährt sie nicht auf?
Nein, sie fährt nicht auf.
„Ja, er ist ziemlich langweilig^', sagt sie gelassen. Und nach einer kleinen Pause: „Aber wollen Sie jetzt nicht endlich Ihr Schneeglöckchen knipsen?"
Der lange Robert von Kahl schaut auf Monika nieder, als sähe er sie zum erstenmal. Was ist denn nur mit dem Mädel? Kommt es ihm nur so vor, oder ist ihr Gesicht wirklich ein bißchen älter und reifer geworden? Und woher plötzlich diese Ge- lassenhelt? Und der Blick zu ihm hin — gar nicht mehr so kindlich, spröde wie früher. Da ist doch irgend etwas vorgegangen. Aber was? Und wann denn nur? Es find doch schließlich feine vier Wochen her, daß er sie zuletzt gesehen hat.
Aber vielleicht hat er sie eben nur niemals richtig gesehen. Das gibt es ja, daß man über einen Menschen jahrelang, monatelang hinwegsieht, und ganz plötzlich, aus beinahe geheimnisvollem Anlaß heraus, entdeckt man auf einmal sein Gesicht, sein Wesen, alles. Als ob man plötzlich einen Schlüssel dafür in die Hand gedrückt bekommen hätte.
Eine Weile stehen die beiden nun stumm voreinander, jedes mit seinen eigenen Gedanken beschäf- tigt und so ein bißchen unsicher und verlegen.
„Wissen Sie was", sagt Robert von Kahl dann und greift entschlossen nach dem Rad, „wissen Sie was, ich verzichte auf meine Schneeglöckchen-Nahaufnahme und begleite Sie statt dessen ein Stück. Darf ich?"
Monika hebt den Kopf und streift den langen Doktor mit einem flüchtigen Blick und schaut dann den Waldweg entlang, als wüßte sie nicht so recht, ob...
„Darf ich?" fragt Kahl deshalb noch einmal und beugt sich Dabei ein roenia nach vorn, wie große Leute' es oftmals unwillkürlich tun, wenn sie kleineren ins Gesicht sehen wollen.
Da nickt Monika entschlossen. Ja, er Darf. Und er Darf sogar noch mehr, als nur ein Stück mit» gehen. Er darf mit nach Hause kommen, zum Kaffeetrinken! Hat er Lust?
Jetzt ist es an Kahl, ratlos Den Waldweg entlangzuschauen. Unwillkürlich stellt er sich das genauer vor: Er geht neben Monika her durch den Wald. Ganz Eigelstein sieht ihn neben Monika her- gehen. Er tritt in Das Hammerdachsche Haus, und alle wundern sich, wieso er mit Monika daherkommt, Die doch bisher immer Lenzsch feiner Begleitung vorgezogen hat. Dann fitzt er da, und Lenzsch bombardiert ihn mit wütenden Blicken...
Dies letztere gibt dann den Ausschlag: daß Lenzsch ihn mit wütenden Blicken bombardiert. Obgleich »doch eigentlich wissen sollte, daß ihn, Kahl, ädchen Monika, um nicht zu sagen: das Kind Monika, gar nicht interessiert, nie interessiert hat. Nein, den Spaß darf man sich nicht entgehen lassen, daß Lenzsch einen mit wütenden Blicken bomb ar» diert, und eigentlich sollte man daraufhin sogar ein bißchen mit der kleinen Monika flirten.
Die „kleine" Monika hat inzwischen ähnliche Ge- danken gehabt.
Warte nur, Lenzsch, hat sie gedacht, warte nur, jetzt wirst du dein blaues Wunder an mir erleben, und du wirft deine Marga Montwill vor Schreck stehenlassen wie eine falt gewordene Tasse Kaffee. Ihr alle werdet euer tiefblaues Wunder an mir erleben, alle!
„Gehen wir also!" sagt Kahl in ihre Gedanken hinein, und seine Stimme klingt, als habe er vor- geschlagen, zum Jahrmarktsrummel au gehen.
Und auch Monika sagt, indem sie ihr Rad wendet, mit gänzlich veränderter Stimme: „Ja, gehen wir also.'^
Und sie gehen.
Sie gehen unD schweigen lange Zeit. ,
Merkwürdig, denkf Monika und betrachtet die großen Stiefel, die neben ihr hermarschieren, noch nie bin ich mit diesem Doktor von Kahl allein gegangen. Und wenn er mit Lenzsch zu uns kam, oder wenn ich ihn irgendwo in Der Stadt traf, dann hat er immer nur Dummes Zeug gerodet, Späße gemacht, geschwatzt. Dabei hat er doch ein ganz ernstes Gesicht, beinahe ein trauriges. Warum habe ich Das aber vorher nie bemerkt? Und —> warum redet Kahl Denn jetzt fein Dummes Zeug?
Merkwürdig, denkt Kahl und schaut auf Monikas Hände, Die das Rad führen, merkwürdig, noch nie bin ich mit diesem Mädchen allein gewesen. Und wenn ich sie mit Lenzsch zusammen traf oder sprach, so halben mir Dummes Zeug geschwatzt. Warum eigentlich? Sie hat doch gar fein Dummes Gesicht, und übrigens herrliche Augen, ungeweckte zwar, aber so tiefe und klare Augen. Wer weiß, vielleicht ist es unrecht, über sie hinzusehen wie über etwas Unfertiges, Unreifes. Vielleicht...
Und vorsichtig tastend fängt Robert von Kahl auf einmal an, von Dingen zu reden, Die wir mit dem Ausdruck „persönlich" bezeichnen. Von seinem Elternhaus in Königsberg, von seinem heißer- käntpften Studium, den Stunden, Die er geben mußte, um Die Studiumsgelder aufzubringen, von feiner kranken alten Mutter, Die er mit ernähren muß, von feiner jüngeren Schwester, Die irgendwo draußen in Südamerika ziemlich traurig verheiratet ist, von feinen ersten Stellen als Assistenzarzt und von vielem anderen. Und Die Stille Des vorfrühlingshaften Waldes macht. Daß Dies alles gar nicht unangebracht, gar nicht zu vertraulich, gar nicht zu aufdringlich klingt, sondern fast selbstverständlich und schlicht und einfach, ein gutes Wort von Mensch zu Mensch, nichts weiter.
Und Monika, mit gesenktem Kopf, hört zu. Manchmal stellt sie eine Frage, manchmal streift sie rn.it raschem, forschendem Blick Den Sprechenden an ihrer Seite, dann senkt sie Den Kopf wiedex. Und je länger Robert von Kahl spricht, um so ruhiger wird Monika. Es gelingt ihr zum Beispiel ohne Anstrengung, zehn Minuten lang jeden Gedanken an Lenzsch auszusckalten. Es gelingt ihr auch, nicht mehr an sich selbst, an Marga Montwill und den Kaffeetisch zu Hause zu denken, sondern statt dessen an das, was Kahl sagt, nur an das.
„Aber vielleicht langweile ick Sie mit alledem, was ich da erzähle", sagt Kahl Dann plötzlich und besinnt sich erschrocken, daß Dies Mädchen noch vor einer halben Stunde in seinen Augen cm Kind war, mit Dem man nur Späße treiben kann.
(Fortsetzung folgt)


