marks strategische Lage en der Südfront gegenüber den drei Zugängen zur Ostsee. Und nicht einmal zwischen Schweden und Finnland ist es bisher zu einer Verständigung in der beide Staaten ziemlich gleich stark berührenden Frage der Befestigung der Älandsinsel gekommen.
Es scheint fast, als sei gelegentlich auch hier die öffentliche Meinung weiter in der Erkenntnis der Tatsachen vorgedrungen als die maßgebenden poli« tischen Stellen. Jedenfalls ist es unverkennbar, daß in der gesamten skandinavischen Sozialdemokratie die Willigkeit zu einer Verbesserung der eigenen Wehrhaftigkeit deutlich gestiegen ist. Die Einsicht breitet sich aus, daß bei militärischen Verwicklungen in der Zukunft die strategischen Grenzen etwa Dänemarks nicht nur, am Sund und den beiden Belten liegen, sondern ebenso gut zwischen Murmansk und Karelien oder bei den Alandsinseln, daß es aber an einem gemeinsamen Verteidigungsplan der nordischen Länder fehlt, und daß vor allen Dingen mit den vorhandenen Heeres stärken und R ü st u n g s b^e st ä n ü e n an die erfolgreiche Verteidigung der eigenen Neutralität nicht zu denken ist.
Nur mit dem Platzgreifen dieser Erkenntnis ist es zu erklären, daß beispielsweise die dänische Polizei zwar Mitglieder des Verbandes der nationalen Jugend wegen der Teilnahme an einer Felddienstübung verhaftet, daß die Schuldigen aber mit einer höchst bescheidenen Geldstrafe wegen verbotenen Uniformtragens daoongekommen und daß das Echo in der Oeffentlichkeit — auch in der sozialdemokratischen Presse! — erstaunlich ruhig war. Noch vor einem Jahr wäre dies ein Anlaß zur größten Erregung gewesen, und auch die Polizei wäre kaum so milde verfahren. Es baynt sich also eine neue E i n st e l l u n g an. Wie lange sie brauchen wird, um die Oberhand zu ergreifen, und ob der Weg da- zu über eine innerpolitische Umorientierung der skandinavischen Völker führen wird, das sind vorläufig noch unbeantwortete Fragen.
Francos Vormarsch dauert an.
Salamanca, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Wie der nationalspanische Heeresbericht meldet, wurde an der Teruel-Front im Abschnitt Mosaueruela ein feindlicher Gegenangriff unter starken Verlusten für die Roten mühelos ab- gewiesen. Die nationalen Truppen konnten darüber hinaus ihren Vormarsch fortsetzen und die Kapelle San Antonio, sowie die Ortschaft Mosaueruela erobern. Der Feind verlor über 300 Tote. 214 Sowjetspanier wurden gefangengenommen und zahlreiche Waffen und Munition erbeutet. Im Ab- schnitt Corbalan sind vier weitere Stellungen erobert worden.
Der Heeresberickterstatter des nationalen Hauptquartiers schreibt, daß die Truppen General Francos trotz des strömenden Regens hervorragenden Angriffsgeist behalten. In der eroberten Kapelle San Antonio, die über 1500 Meter hoch liegt, hatte sich der Feind besonders stark verschanzt und diese Stellung zum Schlüsselpunkt der ganzen Verteidigungslinie ausgebaut. Der Angriff gestaltete sieh hier um so schwieriger, weil eine Unterstützung durcy Artillerie und Flugzeuge infolge des Nebels unmöglich war. Die Navarra-Divisionen stürmten mit Handgranaten und dem Ruf „Diva Espana!" die besetzten Steilhänge hinauf und vertrieben den Feind im Nahkampf, Mann gegen Mann, aus der wichtigen Bergstellung.
Im Anschnitt Carbalan haben die national- spanischen Truppen einen vollen Sieg davongetragen. Die militärische Operation wurde mit dem Vorstoß auf die sehr starke bolschewistische Stellung gleichzeitig als Flankenangriff von Teruel und von C e d r i l l a s ausgehend, durchgeführt. Nach zähem Kampf gelang die Vereinigung beider nationalspanischer Truppenkörper, die das zwischen sich liegende Gros der bolschewistischen Verte idi g u n g sstellu n g mit ihrem zehnfachen Grabensystem zermalmten. Die feindlichen Verluste find außerordentlich hoch. Sämtliche Gräben wurden mit Toten angefüllt vorgefunden. Zahlenangaben können jedoch noch nicht gemacht werden.
Das Gingen
an der Lunghai-Bahn.
Tokio, 18. Mai. (Ostasiendienst des DNB- Funtspruchs.) Nach den letzten Frontberichten und Beurteilungen aus japanischen Kreisen begann sich die chinesische Armee unter hinhaltendem Widerstand aus dem Abschnitt der Lunghai- Bahn südlich und östlich von Hs ü tschau nach Osten und SUdosten zurückzuziehen. Mit dem erwarteten Durchbruchsversuch in südwestlicher Richtung gegen die Bqhnlinien Peking—Han kau ist vorläufig nicht zu rechnen, da sich die von Westen und Südwestcn über Hsütschau angesetzte japanische Offensive, die mit einem starken Widerstand des zahlenmäßig überlegenen Gegners zu rechnen hatte, allmählich in Einzelaktionen auflöst, in deren Verlauf die Einnahme des langumkämpften Hsütschau zu erwarten ist. Es bleibt weiter die Frage offen, ob sich die chinesische Armee südlich der Lungyai-Bahn und östlich der Tientsin—Tunkau-Bahn erneut stellen wird, oder ob sie unter Umgehung des japanischen rechten Flügels im Durchbruch in südwestlicher Richtung nach H a n k a u zu gelangen versucht. Man hält es daher für möglich, daß neue Entscheidungen im Raum nördlich und nordöstlich von Nanking bevorstehen.
Hsütschau unter schwerstem Feuer
Rückzug der Chinesen nach Südosten.
Schanghai, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die japanische Artillerie, die nach Erstürmung der chinesischen Befestigungen auf den We st bergen dort aufgefahrcn war, belegt die Stadtmauern von Hsütschau und die Stadt selbst mit schwerstem Feuer, um sie sturmreif zu schießen. Die Japaner rechnen damit, daß die Stadt erstineinigenTagen fallen wird. Nach Fliegermeldungen liegen auf der gesamten Strecke der Lunghm-Bahn 70 chinesische Transportzüge. Gleichzeitig wird der Abmarsch starker chinesischer Kräfte von Hsütschau aus in südöstlich-er Richtung gemeldet.
Oer brasilianische Botschafter im Auswärtigen Amt.
Berlin, 17. Mai. (DNB.) Der brasilianische Botschafter hat heute im A u s w artig e n A m t einen Besuch abgestattet und eine eingehende Unterredung über die Vorgänge der letzten Zeit in Brasilien gehabt, soweit sie die deutschen Interessen besonders berühre"
Das Programm des neuen belgischen Kabinetts.
Spaak fordert Reform der Demokratie. — Eine gesicherte Mehrheit.
Brüssel, 17. Mai. (DNB.) Der neue belgische Ministerpräsident Spaak gab vor der Kammer die Regierungserklärung ab. Spaak erklärte, daß d i e Demokratie reformiert werden müsse. Die öffentliche Meinung erwarte eine st a r k e Regierung, die mutig ihre Verantwortung übernehme.. Belgien sehe sich dem Problem gegenüber, seine taatlichen Einrichtungen zu erneuern. Für die Regierung müsse eine gewisse Stabilität ge- chaffen werden, die zu einem energischen Vorgehen unerläßlich sei. Für das Parlament müßten bessere Arbeitsmethoden geschaffen werden. Für die Presse, die in letzter Zeit gewisse Mißbräuche gezeigt habe, müßten die gesetzlichen Bestimmungen abgeändert werden. Diese Reform werde möglicherweise eine Revision der Verfassung mit sich bringen. Die Regierung wünsche, daß die Sprachengesetze loyal eingehalten werden. Die Regierung verpflichte sich, das Gleichgewicht des Haushaltes unter allen 'Umständen herzustellen. Die Regierung werde die Parole: „Es muß gearbeitet werden" auf ihr Banner schreiben. Man werde zunächst die unerläßlichen öffentlichen Arbeiten berücksichtigen, insbesondere den Bau von Straßen, Schulen und Krankenhäusern, ferner die Entwicklung des Schiffsbaues und der Fischerei, die Modernisierung der Eisenbahnen und die Organisation der Luftdbwehr. Auf dem Wege von Anleihen und durch andere Mittel könnten die hierfür nötigen Beträge aufgebracht werden. Die Regierung werde außenpolitisch den Grundsätzen treu bleiben, die die vorhergehende Regierung einaehalten habe. Dasselbe treffe für die Militär- und Kolonialpolitik zu. Die neue Regierung betrachte sich als eine Regierung der nationalen Einigung, der Verteidi- auna der belgischen Einrichtungen und des wirtschaftlichen Wiederaufstiegs.
Die Regierungserklärung wurde von der Mehrzahl aller Abgeordneten mit Beifall ausgenommen.
Die Liberalen und die Sozialdemokraten beschlossen, der Regierung das Vertrauen 3U geben. Bei der katholischen Fraktion wurde mit 33 gegen 2 Stimmen und 13 Stimmenthaltungen ebenfalls das Vertrauen für das Kabinett Spaak ausgesprochen. Die meisten Mitglieder des konservativen Flützels der katholischen Fraktton enthielten sich der (Stimme. Durch die Entscheidungen der drei Regierungsparteien ist die Stellung des Kabinetts Spaak endgültig gesichert. Im Senat kam es zu einem größeren Zwischenfall, als Spaak seine Regierungserklärung auf Französisch verlesen wollte. Der nationalflämische Senator van D i e r e n forderte, daß die Erklärung z u • erst in flämischer Sprache verlesen werden solle. Die Mehrheit des Senats sprach sich jedoch gegen dieses Verlangen aus. Die gesamte nationalflämische Fraktion verließ daraufhin den Sitzungssaal und blieb dem Vorttag der Regierungserklärung fern.
Der neue Ministerpräsident.
Belgiens neuer Ministerpräsident Spaak ist 1899 geboren und mit feinen 39 Jahren der 'jüngfte Premier Europas. Es ist gewissermaßen politisch und auch literarisch vorbelastet. Sein Vater war ein bekannter flämischer Schriftsteller, dessen meistgespieltes Stück den Titel „Kaatje" führt; feine Mutter ist sozialdemokratische Senatorin, Tochter des früheren fortschrittlichen Liberalen Paul Janson und Schwester des bisherigen belgischen Ministerpräsidenten Paul Emil Janson, der also Onkel seines Nachfolgers ist. Der jetzige belgische Ministerpräsident hat vor 15 Jahren auf dem linken Flügel der belgischen Sozialdemokratie begonnen, ist aber unter dem Eindruck des Versagens Moskaus und des Entstehens der Volksfrontbewegungen auf den rechten Flügel gerückt und gilt als Führer der „nationalen Sozialdemokraten" Belgiens.
Der Ministerwechsel in London
Keine Spannung zwischen Chamberlain und Halifax.
London, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" stellt fest, daß entgegen kürzlichen Gerüchten feine Spannung zwischen Chamberlain und Lord Halifax während dessen Anwesenheit in Genf entstanden sei. Es sei wahr, daß Chamberlain mit dem Außenminister währeird dessen Genfer Aufenthaltes in enger Fühlung gestanden und darauf gedrängt habe, daß jeder nur mögliche Schritt getan werde, um die schnelle Erledigung der aus der Tagung der Liga stehenden Punkte zu sichern. Halifax habe Chamberlain offen über die Schwierigkeiten berichtet, auf die die britische Abordnung in Genf gestoßen fei. Es habe sich dabei eher um einen Austausch van Informationen, als um Ansichten gehandelt. Auf jeden Fall seien Anzeichen einer Unstimmigkeit nicht vorhanden.
Die Blätter veröffentlichen einen Briefwechsel zwischen Ministerpräsident Chamberlain und Lord Weir, einem engen Mitarbeiter des aus dem Kabinett ausgeschiedenen bisherigen Luftfahrt- Ministers Lord Swinton. Lord Weir teilte Chamberlain mit, er sehe sich infolge der Veränderungen im Luftfahrtministerium gezwungen, um seine Entlassung nachzukommen. Der politische Mitarbeiter des „Daily Expreß" sieht, wie die an« deren Morgenblätter Lord Nuffield als wahrscheinlichen Nachfolger Lord Weirs an.
Ein Teil der Morgenpresse berichtet, daß die erste Amtshandlung des neuen Luftfahrtministers Sir Kingsley-Wood die sofortige Aufnahme von Besprechungen mit der Schwerindu- ft r i e und die Bildung eines Sachverständigen-Aus-
fchusses gewesen sei. Letzterer solle eine Beschleunigung der Produktion herbeiführen.
England stapelt aus.
Nach Weizen und Futter folgt jetzt . das Cisen.
London, 18. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Englische Jndustriekreise rechnen, dem „Daily Expreß" zufolge, damit, daß die Regierung demnächst einen Plan für die Aufstapelung von Roheisen zur Stahlerzeugung in Notzeiten bekannt gibt. Die Jnduftriewerke an der No xdo st k liste wurden von Der Regierung aufgefördert, künftig keinen Hochofen mehr auszublasen, selbst wenn laufende Aufträge nicht vorlägen. Nach dem Blatt sollen die Lagervorräte an Roheisen Don’gur Zeit 600 000 Tonnen auf 1 Million Tonnen er- höht werden. Bekanntlich hatte der Schatzkanzler im Unterhaus mitgeteilt, daß die englische Regierung schon Weizen, Waalöl und Futter auf. gekauft und für Notzeiten eingelagert habe. Jetzt folgt das Eisen.
Zrland-Abkomkien auch vom Oberhaus angenommen.
London, 17. Mai. (DNB.) Das Oberhaus hat heute in dritter Lesung das englisch-irische Abkommen einstimmig angenommen. Nachdem jetzt Ober- wie Unterhaus den Vertrag ratifiziert haben, wird er noch heute abend dem König zur Bewilligung übermittelt werden.
Vormacht im arabischen Raum.
Von unserem (5. K.-Korrespondenien.
Kairo, Mai 1938.
In den Tagen, da der türkische Außenminister Rüschdi Arras in Kairo weilte und die ägyptisch-türkische Verbrüderung feierte, ist in der ara» bischen Presse Aegyptens aller Schattierungen immer wieder herausgestellt worden, wie es nun Aufgabe des Landes am Nil fei, eine führende Rolle in der Politik des Nahen Ostens zu spielen und jene Vormachtstellung im arabischen Völkerkreis zu erringen, die dank des wirtschaftlichen Sckwerge- wichts Aegypten zukomme. Der Wille müsse nicht westwärts, nicht nach Europa, ausgerichtet sein — so schrieb ein großes Kairoer Abendblatt — denn in dieser Ausrichtung der Kräfte könne Kairo stets nur geduldetes Anhängsel Europas sein. Es gelte, das Antlitz der Nation gen Osten auszurichten.
Vormacht im arabischen Raum werden — wie sehr dieser politische und wirtschaftliche Grundsatz des neuen Aegyptens im Bezirk des Geistigen, des Kulturellen schon verwirklicht ist, wird häufig übersehen. Im Bereich des Religiösen ist Aegyptens Stellung als Zentrale gesichert durch die „A y z a r", jene alte muselmanisch-theologische Hochschule, die auf bald tausendjähriges Bestehen zurückblicken kann. Aus ihr werden die Scheits und Ulemans in die Moscheen der gesgmien islamischen Welt entlassen und arbeiten überall in dem Geist, den man ihnen in den Hallen der Kairoer Ahzar ins Blut geimpft hat. Von den 15 000 Studenten, die an die- [er Hochschule studieren, geht ein großer Teil in die islamischen Länder jenseits der ägyptischen Grenzen und kommt aus diesen. Wenn die dominierende Stellung Aegyptens im religiösen Bezirk der iflamh- schon Welt noch eindeutiger Dokument werden soll, bann zweifellos durch jene Pläne, die mit einem ägyptischen Kalifat spielen, als dessen Kandidat der junge König gilt, und die gerade von Den Kreisen Der Ahzar, vor allem von ihrem im Stillen arbeitenden Leiter, dem Scheikh e I Maraghi genährt werden.
Aber auch jenseits Des streng religiösen Bezirks, im Kulturellen schlechthin, ist die Vormachtstellung Aegyptens größer als man allgemein annimmt. Aegyptens arabische Presse ist Die beste Der gan- Zen arabischen Welt. Kairos bhdeutendstes Blatt, die „Al A h r a m" (Die Pyramide), mit eigenen Vertretern in aller Wett, versendet fast die Hälfte feiner Auflage über die ägyptischen Grenzen hinweg in die arabische Nachbarschaft und wird bis zur iranischen < Grenze hin ebenso gelejen, wie in Marokko, wenn sie Dort nicht durch die französischen Behörden ver
boten ist. Auch viele arabische Lokalzeitungen in Syrien und im Irak leben weitgehend von dem Nachrichten- und Artikelmaterial, das sie Den großen ägyptischen Zeitungen, vor allem Der „Ahram" entnehmen.
Aehnlich wie mtt den Zeitungen ist es mit den Büchern. Wer im arabischen Kulturgebiet und Sprachraum seinen Wissensdurst mit arabischen Mitteln befriedigen will, ist wiederum auf Die ägyptische Produktion angewiesen, weil Kairo Die einzige Stadt ist, Die etwas wie „arabische Verleger" kennt. Der arabische Buchhandel, sowohl in schöngeistiger, als vor allem in historischer und theologisch-religiöser Sparte, wird fast ausschließlich gespeist von Kairo her. Und wer arabisch lesen will, muß zwangsweise zum ägyptischen Buch greifen.
Beim Film ist es nicht anders. Der Film in arabischer Sprache, Der sich seinen Markt im arabischen Sprachraum zunehmenD und überraschend schnell erobert — fei er synchronisiert, fei er in eigener ProDuktion hergestellt —, stammt aus ägyptischen Ateliers und wird von den städtischen Massen mit einem schwer vorstellbaren Heißhunger begehrt. Das Gebiet Der arabischen Schallplatte wirD zwar nicht Durch ägyptische ProDuktion beherrscht — Das arabische Schallplat- tengeschäft liegt weitgehend in deutschen Händen! — aber Die Deutschen Produktionsgesellschaf- ten greifen zurück auf vornehmlich ägyptische Künstler unD Sprecher, und so Dominiert auch auf Dem Gebiet der Schallplatte indirekt bas LanD am Nil. Der ägyptische R u n D f u n k in ara» bischer Sprache hat sich im arabischen Raum eine DominierenDe Stellung erkämpft, und die in arabisch funkenden englischen oder italienischen Sender reichen an seinen Einfluß und Hörerkreis bei weitem nicht heran. Besonders Die Freitagprogramme Der ägyptischen Sender sind stark begehrt, Denn Die besten Koran-Pezitatoren unD Kommentatoren, Die die Ahzar zur Verfügung hat, stehen an diesem Tage im Kairoer Funkhaus vor dem Mikrophon.
So ist, kulturell gesehen, Aegypten tatsächlich heute schon Zentrum Des arabischen Sprachgebiets unD hat feit langem Den Anspruch verwirklicht, Den es nun im Bereich des wirtschaftlichen unD politischen Lebens zu verwirklichen sucht, nachDem Der staatlichen Souveränität die Fesseln genommen wurden. Denn das Land am Nil ist das einzige, das den geistigen Verbrauch des einzelnen intellektuellen Arabers, wie Der Massen, an geistigen Gütern be> frieDigt, so er „arabisch" befriebigt werden soll.
Amerikas Flottenrüstung.
Washington, 18. Mal. (DNB.) Präsiden? Roosevelt hat am Dienstag die Flotten- aufrüftungsüorlage unterzeichnet, die den Betrag von 1,1 Milliarben Dollar während des nächsten Jahrzehnts vorsieht. Das Marineministerium hat Die sofortige Bewilligung von etwa 12 Millionen Dollars empfohlen, um in aller Kürze bas Bauprogramm zu beginnen, bas bis Flottentonnage um 20 v. H. erhöhen wirb.
Das FlottenaufrMungsgesetz ergänzt das in bem ordentlichen 546 Millionen Dollars betragenben Marinehaushalt vorgesehene Bauprogramm für bas am 1. Juli beginnende Rechnungsjahr und billigt den Bau von insgesamt 46 Kriegs- und 26 Hilfsschiffen sowie von 9 5 0 Flugzeugen. Das Programm umfaßt die Bauten von drei weiteren Schlachtschiffen, zwei Flugzeugträgern und eines Luftschiffes. Die Bewilligungen für die Schiffsbauten im Rahmen des Aufrüstungsgesetzes müssen im Kongreß von Fall zu Fall angefordert werden.
Stalin „liquidiert" weiter.
Moskau, 18. Mai. (DNB.) Seit Anfang Mai hier hartnäckig umlaufenbe Gerüchte, monadj ber fteünertretenbe Vorsitzende des Dolkskommissaren- rates der Sowjetunion Kossior verhaftet worden sei, scheinen sich zu bestätigen. Kossior, Der bereits am 1. Mai bei Der ParaDe auf bem Roten Platz vermißt mürbe, war zugleich Vorsitzender ber Kommission für Sowjetkontrolle und Mitglied des sogenannten „Politbüros" ber bolschewistischen Partei. In letzter Zeit erwähnt bie Sowjetpresse in ben einzelnen Räterepubliken täglich sämtliche Mitglie- ber bes politischen Büros, wobei jeboch Kossior mit keinem Wort mehr erwähnt wird. Derartige Anzeichen pflegen bei ben hiesigen Verhältnissen un* trüglich zu fein. Mit Kossior, ber ber Abstammung nach ukrainischer Pole ist, verschwindet wieder ein „alter Bolschewist", ber bis in bie letzte Zelt hinein oberste Parteiämter bekleidete. Noch im Januar d. I. wurde Kostior, ber bis dahin zehn Jahre lang Generalsekretär der bolschewistischen Partei ber Ukraine gewesen war, bas Präsidium ber Sowjetkontrollkommission unb ber stellvertretende Vorsitz des Dolkskommisiarenrates übertragen. Im übrigen wird dem Fall Kossior deshalb besondere.Bedeutung beigelegt, als damit zum ersten Male eine Persönlichkeit von ber „Säuberungsaktion" ergriffen wirb, bie bem allerengften Umkreis Stalins angehörte.
Das Schicksal Kossiors sollen bem Vernehmen nach auch ber Volkskommissar für Land wirtschaft Eiche und Der Chef Des Amtes für Agitation beim Zentralkomitee ber Kommunistischen Partei, Steffi, teilen.
Die Tas chkenter Zeitung „Prawba Wostoka" melbet, daß eine neue konterrevolutionäre Gruppe von Funktionären ber Sowjetrepublik Usbekistan burch bas Militärtribunal ber Republik abgeurteilt worden sei. 15 Personen wurden zum Tode verurteilt, weil sie sich antibolschewistisch betätigt unb Sdjäblingsarheit geleistet hätten. Letztere habe Dem Sowjetstaat Millionenverluste zugefügt.
Ein weiterer umfangreicher Schauprozeß fand nach einem Bericht Der Zeitung „Sowjetskaja Sibir" in S t a l i n s k (im Gebiet Nowosibirsk) statt. Dort ftanD eine Gruppe von Bergwerksingenieuren unb Bergleuten vor Gericht, ber in bekannter Weise bie notorischen Mißstänbe des sibirischen Bergbaues, vor allem zahllose Katastrophen, Verschleiß Der Grubenanlagen, Vergasung der Schächte, Brände usw. als böswillige Sabotageakte zur Last gelegt wurden. Die Anttage behauptete, Die angeblichen Verbrecher hätten im Auftrage eines trotzkistifeyen Zentrums gehandelt unb in Den Kohlenbergwerken von Stalinft zahlreiche Katastrophen unD Havarien organisiert, die vielen Bergleuten Das Leben kosteten. Die'Angeklagten sollen ferner absichtlich Den Transport ber Kohle unter Tage lahmgelegt, burch Vergasung der Schächte bie Bergleute vergiftet und auf diese Weise bie Kohlenförderung sabotiert Haven. Das Militärtribunal bes Nowosibirsker Gebietes verurteilte alle neun Angeklagten zum Tode.
Ministerbesuch im Lande Oesterreich.
Wien, 17. Mai. (DNB.) Reichsminister Dr. Frick traf am Dienstag in den frühen Nach- Mittagsstunden in Innsbruck ein. Der Minister be» fichtigte am Nachmittag bie Stadt unb hatte bann eine Besprechung, an Der Gauleiter unb Landes- hauptmann Christoph teilnahm. Der Minister unterrichtete sich über Die wirtschaftliche Lage unb bie Verhältnisse in ber Selbstverwaltung Tirols unb besprach jene Maßnahmen, bie zur Gesundung beitragen konnten.
Der Reichsminister der Finanzen Graf Schwerin von Krosigk besichtigte am Montag in Linz bas Hüttengelände ber Hermann-Göring- Werke unb begab sich bann über Steyr nach Eisenerz, um bort ben Erzberg unb Die steierische Eiseninbustrie in Augenschein zu nehmen. Von Eisenerz begibt sich ber Minister nach Wien.
Reichsarbeitsminister Seldte sprach Dienstag abend auf Einladung des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins und ber übrigen Spitzen- verbänbe ber Bauwirtschaft und bes Wohnungswesens in Wien über Die Sieblungs- und Wohnungspolitik der Reichsregierung.
Hohe Regierungsbeamte verunglück).
ITtinifferiakat Dr. Wilke f.
Wien, 17. Mai. (DNB.) Heute um 18 Uhr verunglückte ein Kraftwagen, in dem sich Staatssekretär im Reichsjustizministerium Dr. Schlegelberger unb Ministerialrat im preu- tischen Justizministerium Dr. Wilke befanden, auf ber Grazer Bunbesstraße. Bei der Ortschaft Erlaa, wenige Kilometer vor Wien, überquerte ein Kraftrabfahrer bei einer Straßenkreuzung mit übermäßiger Geschwindigkeit bie Bunbesstraße. Der Lenker bes Kraftwagens versuchte auszuweichen, riß sein Fahrzeug herum unb fuhr dabei gegen eine Tankstelle. Ministerialrat Dr. Wilke würbe o schwer verletzt, baß er am Abend verstarb. Staatssekretär Dr. Schlegelberger wurde mit einem Schienbeinbruch unb vermutlich inneren Verletzungen in Das Franz-Joseph-Spital gebracht.
Zuchthaus für jüdische Kommunisten.
Warschau, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Nach echstägiger DerhanDlung würbe in ber südostgalizischen Stadt Kolomea ein Prozeß gegen dreizehn Kommunisten abgeschlossen. Elf der Angeklagten waren bezeichnenderweise wieder Juden, bzw. Jüdinnen. Sie erhielten als Strafen bis zu sieben Jahren Zuchthaus. De»


