Tiroler Bauern erzählen...
Sonderberichterstatter.
die Preise unzulänglich waren. Auch mit der Holzarbeit war es die langen Jahre hindurch meist sehr schlecht bestellt, was nicht nur eine erhebliche Minderung des Einkommens, sondern auch eine wesentliche Vergrößerung der Arbeitslosigkeit zur Folge hatte. Viel wäre noch über die äußerst mangelhafte Instandhaltung der Straßen und Wege, über die nicht ausgeführten, jedoch sehr notwendigen Kultioierungsaroeiten und ähnliches mehr zu sagen, doch schauen wir uns einmal nur die Wohnungen und Höfe der Bergbauern von Tirol selbst an. Einst die Zierde des Tiroler Alpenlandes, sind viele von ihnen infolge der mangelnden Betriebsmittel immer mehr baufällig geworden und werden von den Bewohnern nunmehr auf das notdürftigste unterhalten; das waren die Früchte der so viel gepriesenen vaterländischen „Selbstständigkeitspolitik" — „und wir", so versicherten uns zahlreiche Bauern, „haben diesen furchtbaren Zuständen zuschauen müssen, wie es da draußen im Reich von Tag zu Tag aufwärts gegangen ist; uns wurde vom Juden der Boden abgegaunert, während er in Deutschland jedem Bauern durch das Erbhofgesetz für immer verbleibt. In Wirklichkeit ist es ständig schlechter geworden. Keiner hat gewußt, wie lange er es noch aushalten könnte. Da war es nicht verwunderlich, daß so viele gute deutsche Bauern von Oesterreich ausgewandert sind."
Das und vieles andere noch dazu haben uns die Tiroler Bauern berichtet auf ihren hochgelegenen Berghöfen. Der Führer ist ihre letzte Hoffnung geblieben, auf ihn setzen sie ihr ganzes Vertrauen und wollen zu ihm stehen in einem freien Großdeutschland, für das ihre Väter so oft gekämpft haben. In der gleichen Zeit aber, während wir uns mit den Bauern über all diese Fragen unterhalten, arbeiten die Burschen und Mädel in allen deutsch- österreichischen Dörfern an den Vorbereitungen zu jener großen Kundgebung, die nunmehr eine neue Zeit für Deutsch-Oesterreich einleitet.
Siegfriedstellung gegen Westen.
Oer Gauleiter über die Landesplanung im Bhein-Main-Gebiet.
Das neue Kabinett Blum vor der Kammer
Oie Opposition kritisiert scharf die Liebe für den Kommunismus.
im RheinMain-Gebiet gegenüber dem Reichsdurchschnitt von 30,4 v. H. weniger als ein Viertel der Bevölkerung auf die Großstädte entfällt. Frankfurt hat seinen von altersher begründeten, natürlichen Mittelpunkt im wirt- schasts- und verkehrspolitischen Leden auch in der neuen Zeit bewiesen. In ihm treffen sich die Haupt- Verkehrswege des neuen Reiches, die Autobahnen und die Fluglinien des Flug- und Luftschiffhafens Rhein-Main. Alle wichtigen Derkehrsftraßen von Rhein, Vogelsberg, Spessart, Rhön und Taunus lausen in Frankfurt als dem Herzen des Gaugebietes zusammen. Es ist außerdem Eisenbahnknotenpunkt und bedeutende Stadt an der Wasserstraße des Mains.
Aus alledem wird ersichtlich, so schloß Gauleiter Sprenger, wie unmöglich es ist, die Struktur des Rhein-Main^Gebietes aus einer anderen Perspektive als der des natürlichen Krastzentrums sehen zu wollen, das die Stadt Frankfurt nun einmal darstellt. Bis in die entferntesten Gegenden des Vogelsberges und des Westerwaldes, Rheinhessens und Odenwaldes erstreckt sich die fruchtbare Wechselwirkung, in der sich Großstadt und Hinterland ergänzen, und es wäre unverantwortlick, an dieser konkreten Tatsache gerade in der Planung vorübergehen zu wollen. Was in Jahrhunderten organische Form gefunden hat, was auf Grund sachlicher Erfordernisse an verkehrsmäßigen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen entstanden ist, läßt sich so wenig übersehen, wie es sich etwa beseitigen ließe.
Anschließend gab Landeskulturrat Reich einen großen Ueberblick über die Maßnahmen, die seit 1933 unter dem Einfluß des Gauleiters im Rhein- Main-Gebiet zur Ueberwindung der wirtschaftlichen Notlage ergriffen wurden und entwickelte dann die landwirtschaftliche Verwertung der Abwässer der Städte Frankfurt a. M. und Offenbach im Rodgau. Für 59 Gemarkungen mit 60 000 Hektar Fläche wurden die Feldbereinigungsverfahren zum Zwecke der Verwertung der Abwässer eingeleitet. Das Gesamtbauvorhaben ist in zwei Bauabschnitte eingeteilt. Der erste Bauabschnitt dient dem Ausbau und der Regulierung der Hauptvorfluter und Entwässerungsgräben für 27 Gemeinden mit 14 000 Hektar. Der zweite Bauabschnitt umfaßt die Anlage der Rieselgräben, Rieselfelder und Folgeeinrichtungen für 32 Gemeinden mit 16 000 Hektar. Noch im Frühjahr 1938 kann begonnen werden und im Herbst 1941 wird das Gesamtprojekt durchgeführt sein. Durch das nationalsozialistische Me- liorations- und Siedlungsprogramm in Hessen werden bis 1944 = 163 000 Hektar verbessert sein.
auf Veranlassung von Reichsminister Dr. Goebbels im Laufe der nächsten Tage etwa 20 000 Rundfunkgeräte im Werte von 850 000 Mark — vor allem Volksempfänger — in Oesterreich zur Verteilung gelangen. Die Apparate werden not- leidenden österreichischen Gemeinden und alten, verdienten nationalsozialistischen Kämpfern zur Verfügung gestellt. Durch diese tatkräftige Hilfe ist ein weiterer Schritt getan, die politische Willensbitdung im jüngsten Land des Deutschen Reiches im Sinne des Nationalsozialismus mit den Mitteln des Rundfunks weiterhin auszurichten und zu festigen.
Die Wiener Landschaft.
Dieser Tage lasen wir wieder von der weichen Wiener Landschaft. Der Schreiber dieser Zeilen hat immerhin einige Monate in Wien gelebt und ist mit großer Liebe morgens oder abends oft vom Hermannskogl über den Kahlenberg bis zum Leopoldsberg gewandert. Aber „weich" schien ihm die Landschaft nicht zu sein. Die nächste Umgebung ist lieblich und anmutig. Sicherlich. Aber die zu den Füßen liegende große Stadt mit ihren vielen Türmen und Kuppeln, die Geschichte erzählen, belebt eine empfängliche Phantasie und wirkt vielleicht sogar großartig. Wenn das Auge an einem klaren Morgen der Donau, die — in der Nähe gesehen — allerdings mehr lehmig als himmelblau ist, zu folgen sucht, so führt ihr Band doch in eine große, große Weite. Von fernher, schattenhaft, tauchen die letzten Ausläufer der Karpathen, die vor Preßburg an die Donau herantreten, aus dem Dunst der großen Ebene auf. Wer je nach Süddeutschland gekommen ist, wird sich nur schwer des Gefühles erwehrt haben, daß er sich jetzt einer Grenze nähert. Nicht nur einer polittfchen Grenze. Der Eindruck ist viel stärker. Das Blau des Himmels ist stärker. In der Luft liegt ein sonderbares Flimmern. Die Fensterläden tauchen auf, die in West- und Norddeutschland fehlen. Die Kleinigkeiten des Lebens und der Umgangsformen find anders. Das Grenzgefühl wird zum Gefühl, an einer Scheide zu stehen. Und irgendwie haucht eine fremde Welt uns an. Es ist nur ein Hauch, aber dieser Hauch ist da. Und genau so geht es dem empfänglichen Menschen, der über Wien hinweg in die Ebene sieht, wo die Donau ihren Weg durch die Weite Ungarns nimmt und dem Schwarzen Meer zusttömt. Fast 3000 Kilometer lang ist ihr Lauf von ihrer badischen Schwarzwaldheimat bis ins Schwarze Meer, das die Küsten Rumäniens, Rußlands, der Türkei und Bulgariens umspült. Ein Blick in solche Weite ist monumental. Wer fteilich mrr ein verschleiertes Auge für einen solchen Blick hat und nur nach der nächsten „Heurigen-Schänke" in Grinzing strebt, wird vielleicht dort eine weiche Landschaft finden. Aber das ist eine ganz andere Landschaft. Und diese „weiche" Landschaft ist — Gott sei Dank — keine ausschließlich Wiener Angelegenheit. B. R.
Die landwirtschaftliche prodnktionsreserveinOefterreich
Verschiedene Aeußerungen beschäfttgen sich mit der Ernährungslage in Oesterreich. Daß die Land- wirtschaft, besonders in den Gebirgsgegenden, keinen leichten Stand hat, ist unbestritten. Die schlechte Rentabilität des Landbaues hat zu einem immer stärker werdenden Rückgang der Anbauflächen und der Erttäge geführt. Es wird, wie auch der Minister für Landwirtschaft, Ingenieur Reinthaler, ausführte, wesenttich darauf ankommen, die Nutzfläche wieder zu steigern. Gegenwärtig hat das Deutsche Reich in seinem bisherigen Umfange 43 Hektar Nutzfläche für je hundert Einwohner zur Verfügung, im bisherigen Oesterreich waren es 65 Hektar ftir das Hundert der Bevölkerung. Es besteht also eine erhebliche Produktionsreserve. Trotz der geringeren Durchschnittsfläche im Deutschen Reiche wurden hier 81 v. H. des Eigenbedarfs an landwirtschaftlichen Erzeugnissen gedeckt, während die größere Anteilsfläche in Oesterreich nur 76 v. H. des Bedarfs erzeugte. Es ist also klar, daß die Landwirtschaft in Oesterreich wieder rentabel gemacht werden muß, damit eine intensivere Bauwirtschaft möglich wird. Der Gauleiter von Tirol hat davon gesprochen, daß sich die Erttäge dort um 40 v. H. steigern ließen. Wenn gesagt wird, daß Oesterreich einen verhältnismäßig größeren Einfuhrbedarf an landwirtschaftlichen Pnärnkten hat als das visherige Deutsche Reich, so ist das nichts Naturgegebenes .sondern ein Zustand, der durch Planmäßigkeit und verständnisvolle Förderung überwunden werden kann. Interessant ist auch, daß im bisherigen Reichsgebiet 4 v. H. der Fläche in Mooren und Oedland besteht, während in Oesterreich 10 v. H. als Oedland bezeichnet werden. Der Reichsarbeitsdienst ist dabei, einen erheblichen Teil der Moorländereien in fruchtbares Land zu verwandeln und dadurch diejenigen Ländereien zu ersetzen, die durch Autobahnen, Flugplätze oder neue Fabrikanlagen der bisherigen Nutzung verloren gingen.
Eine Million für die Studenten der deutschen Ostmark.
Berlin, 17. März. (DNB.) Reichserziehungs- mimster R u st hat das Reichs st udentenwerk ermächtiat, feine Einrichtungen sofort auf d i e deutschen Hochschulen des österreichischen Landes auszudehnen und hierfür den Bettag von 1 Million Mark aufzuwenden. — Dieser Bettag soll in vier Aufbaujahren dazu angesetzt werden, daß an den deutschen Hochschulen in Oesterreich die sozialpolitischen Aufgaben des Deutschen Studententums, die Förderung der nationalsozialistischen österreichischen Studenten, die Maßnahmen des studenttschen Gesundheitsdienstes, die wirtschaftlichen Einrichtungen der Speisungen, Heime und Häuser sowie die Leistungen des akademischen Berufsberatungsdienstes uno er züglichinAngriff genommen werden.
Wien nun die älteste reichsdeutsche llniversität.
Berlin, 17. März. (DNB.) Der Rektor der Universität Heidelberg, Professor Krieck, hat an den Rektor der Universität Wien ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt: Die Universität Heidelberg, bisher älteste Universität au reichsdeutschem Boden, übergibt den Vorort der reichsdeutschen Universitäten hiermit an die Universität Wien als die nunmehr älteste reichsdeutsche Universität. Im Bruderbund geeint, marschieren wir zum selben Ziel. Es lebe Großdeutschland. — Die Heidelberger Ruprecht-Karls-Univer- fttät wurde 1386 gegründet, die Universität Wien 136=
Don unserem IdR.-
Jnnsbruck, 15.März. Unbeschreiblicher Jubel herrscht in diesen Tagen in allen Städten Deutsch- Oesterreichs. Mit einer Begeisterung ohnegleichen werden alle Nachrichten aufgenommen, die der Bevölkerung Kunde geben von der Entwicklung des großen deutschen Einigungswerkes. Grenzenlose Freude über die geschichtliche Tat des Führers herrscht aber auch unter der deutsch-öfter- reichischen Landbevölkerung, deren Los unter dem sogenannten vaterländischen Regime be- onders drückend war. Wir haben diesen hohen Tag deutscher Geschichte denn auch zusammen mit dem deutsch-österreichischen Landvolk erlebt, waren Zeugen dieser Erhebung inmitten des Tiroler Bauernoolkes, das uns einst den großen Freiheitshelden Andreas Hofer schenkte.
Auf dem Dorfplatz, in den Gasthöfen, in den Berghöfen, kurzum überall, wo wir Tiroler Bauern, ob alt, ob jung, antrafen — es gab nur eine einzige Stimme des Dankes an den Führer und ein Bekenntnis zum großen deutschen Vaterland. „Woll, woll", sagte ein Jnntaler Bauer zu uns, „wir haben ja alle gewußt, daß uns der Hitler nit verlassen wird!" Und er hat sie nicht verlassen, der Führer! In ihrer größten Not und ihrem furchtbarsten Elend, wie uns ein Bauer im Stubaital eindringlichst schilderte; er zählt uns nämlich eine große Anzahl von Höfen in Oesterreich auf, die infolge der entsetzlichen Verschuldung der Besitzer unter d e n Hammer gekommen ind, um dann vielfach in das Eigentum jüdischer Großunternehmer überzugehen. Die Verschuldung zahlreicher Bauern ist überdies in vielen anderen Fällen fo groß, daß sich der einzelne nicht einmal bas Allernotwendigste zum Leben anschaffen kann.
„Ganz schrecklich ist es halt auch mit dem ch l echten Absatz", meinte der Bauer und berichtete davon, daß die Viehzucht immer mehr zurückging, da teils überhaupt kein Vieh abgesetzt werden konnte, zum anderen' aber
NSG. Am Mittwoch, 16. März, fand unter dem Vorsitz von Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger die erste Sitzung des Beirates der Landesplanungsgemeinschaft Rhein- Main statt. Der Gauleiter erklärte: Es stand fest, daß die überlieferte Gliederung des deutschen Raumes und ihre Zerrissenheit keinen Maßstab für eine in die Zukunft gerichtete Neuordnung geben konnte. Es handelte sich also darum, den Gesamttaum des Deutschen Reiches nach ewigen und unveränderlichen Grundsätzen einer nach der nationalsozialistischen Wirtschaftsauffassung und Weltanschauung ausgerichteten Bettachtung zu unterwerfen. Dieses Stte- ben fand schon vor der Machtübernahme seinen lebendigen Ausdruck in der Bildung der politischen Gaue der NSDAP., die großenteils ohne Rücksicht auf die damals bestehenden staatlichen Grenzen erfolgte. Die NSDAP, hat damit in ihrer Gaueinteilung über die Verwirrungen lautlicher Wechselfälle hinaus stammesmäßig, kulturell und wirtschaftlich zusammengehörende Lanhschaften zusammengeführt.
Das Rhein-Wain-Gebiet ist mehr als eine schöne Landschaft und ein Raum von verkehrs- nnd wirtschastspolitischer Bedeutung. Es ist heute wie seit Jahrhunderten zugleich nationale Siegfried st ellnng gegen den nahen De st en und die offene Tür zwischen Nord und Süd und Ost und West. Die Waln- linie galt in der Vergangenheit als die verwundbarste Stelle der Reichsein- h e i t und neben der nationalen Ausgabe ihrer Beseitigung können alle übrigen Planungsaufgaben innerhalb des Rheln-Wain- Gebieles nur von sekundärer Bedeutung sein, da die Ueberwindung der INainlinie Voraussetzung und Ziel jeder wirklich umfassenden Raumordnung ist. Es ist das geschichtliche Verdienst der nationalsozialistischen Bewegung, daß es ihr gelang, gegen alle reaktionären und partikularistischen Bestrebungen eine Wunde am deutschen Volkskörper zu heilen, die bisher als unheilbar galt.
Die Bevölkerung des Rhein-Main-Gebietes be- ttug bei der letzten Volkszählung 3 067 000 Einwohner, das find 197 Menschen auf den Quadratkilometer. Die wirtschaftliche Sttuktur des Rhein- Main-Gebietes stellt in feiner organischen Aufgliederung gewissermaßen einen Jdealtyp bar, was insbesondere für die Verteilung ber Bevölkerung auf die Großstädte und das flache Land gilt, da
Paris, 17. März. (DNB.) In der Regierungserklärung, die Ministerpräsident Blum in der Kammer verlas, heißt es: Das Interesse des Landes hätte gefordert, daß die Regierungskrise durch die Bildung einer starken neuen Regierung gelöst worden wäre, die alle republikanischen Kräfte der Nation um die von ihr gewählte Mehrheit gesammelt hätte. Diese Anstrengung war vergeblich. Daraufhin ist die jetzige Regierung gebildet worden, aus denselben politischen Elementen, wie die erste Regierung Blum. Die neue Regierung beruft sich, wie schon die erste, auf die Volks- frontberoegung, der die Mehrheit des Landes ihr Derttauen gegeben hat und weiter gibt. Doch ist die Regierung entschlossen, keine Gelegenheit außer Acht zu lassen, um die Mehrheit herum die notwendige Sammlung der französischen Einheit zu fördern.
Außenpolitisch heißt es bann, daß „es keine Friedensinitiative gebe, die Frankreich nicht zu ergreifen oder anzunehmen entschlossen wäre". Frankreich wolle aber auch seine volle Unabhängigkeit und seine lebenswichtigen Interessen wahren, die Sicherheit feiner Grenzen und seiner Verbindungswege. Es wolle voll und Sanz die Verpflichtungen achten, die es mit feiner nterfchrift versehen habe. „Aber wir werden für unser Teil niemals zulassen, daß diese beiden jungen Strömungen miteinander unvereinbar wären, und wir werden, um sie miteinander in Einklang zu bringen, bis zur äußersten menschenmöglichen An
strengung gehen." Frankreich müsse seine Militärmacht noch weiter steigern. Zusätzliche Rüstungsprogramme würden unverzüglich ins Werk gesetzt werben und nichts werde unterlassen werden, um die materiellen Erzeugung s- mittel z u steigern. Wir werben uns bemühen, Bünbnisse Freundschaften und Sympathien zu unterhalten ober enger zu gestalten, in denen Frankreich sowohl einen Grunb des Ver- ttauens zu sich selbst als auch ein Friedensunter- pfand für bie Welt erblickt. „Ein Friede in Ehre und Freiheit sei stets die Regel für Frankreich gewesen. Die Annäherung aller friedlichen Kräfte der Welt für die kollektive Sicherheit ist weiter Frankreichs Ziel."
Die Finanzprobleme müßten heutzutage unter demselben Gesichtswinkel ins Auge gefaßt werden wie die diplomattscheu und militärischen Probleme. Die Anstrengungen zur Sanierung des Haushaltes dürften nicht in Frage gestellt werden. Die Regierung werde auf allen Gebieten an der Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichts arbeiten.
Ministerpräsident Blum schilderte die Schwierigkeiten, die sich seiner ursprünglich beabsichttgten Regierungsumbildung entgegengestellt hatten, und wies auf die Weigerung Der Rechtsopposition hin, sich an einem nationalen Kabinett zu beteiligen, in dem auch die Kommunisten vertreten seien. Man erkläre, daß es sich um eine Partei handele, die dem Ausland gehorche» Es
handele sich aber, wenn es so sei, um eine befreundete Regierung. Man möge den Kampf zwischen „Demokratie und Diktatur" nicht in einen Kampf zwischen dem Kommunismus und Antikommunismus umstellen. Wenn man das tue, stärke man nur den antikommunistischen Block, der schon an und für sich in Europa zu stark sei.
Die Rede des Ministerpräsidenten fand sehr geteilte Aufnahme. Der ehemalige Ministerpräsident Fl and in verlas im Namen der Opposition, der alle Gruppen der Mitte und der Rechten mit Aus- nähme der „Volksdemokraten" angehören, eine Er- Körung, in der klipp und klar festgestellt wird, daß die Formel von der „nationalen Sammlung" nicht annehmbar sei. Die Kommunisten forderten die Ausgabe ber Nichteinmischung in Spanien und bie freie Waffenausfuhr an die Bolschewisten. Die Opposition betrachtete biese Forderungen als bie größte Gefahr für b en Frieden. Als weiterer Punkt wirb ber Angriff ber Kommunisten gegen andere Staaten angeführt, mit denen bie Opposition normale Beziehungen Herstellen wolle, sowie schließlich die A b h ä n a i g - feit von ber Komintern. Die Opposition mache ihre Zustimmung zur Zusammenarbeit aller französischen Parteien von ber Uebereinstimmung über alle wichtigen innen» und außenpolitischen Fragen abhängig. Nur bann würde sie bereit sein, für den Frieden, für bie Verteidigung der französischen Machtstellung in ber Welt und die Gesun- bung ber nationalen Wirtschaft zusammenzuarbeiten. Der rechtseingestellte Abgeordnete Fernand ßaurant erklärte, daß eine nationale Säuberung mit eine Partei, bie ihre Befehle aus Moskau erhalte, unmöglich sei, auch nicht im Falle eines Krieges unb erst recht nicht innerhalb einer Regierung, bereu Aufgabe angeblich darin bestehen soll, ben Krieg zu vermeiden.
Die Kammer nahm bann bie von ber Regierung unter Stellung der Vertrauensfrage beanttagte Vertagung der Aussprache über bie allgemeine Politik mit 369 gegen 196 Stimmen bei etwa 50 Stimmenthaltungen an. Sie beschloß, die Behandlung der außenpolitischen Anfragen gemäß dem Wunsche ber Regierung am nächsten Dienstag vorzunehmen.
Enttäuschunginderpariserpreffe
Paris, 18. März. (DNB. Funkspruch.) Viele Frühblätter berichten, daß die Regierungserklärung im Senat, wo sie ber Kriegsminister unb stellv. Ministerpräsident Dalabier verlas, eine mehr als eisige Aufnahme gefunben habe. „Echo de Paris" verweist darauf, daß Löon Blum ttotz feines Appells zur Einigung nur seine Volksfront- Mehrheit in der Kammer auf sich habe vereinigen können. Der Oppositionsführer Flandin habe ' als Bedingungen klar umriffen: keine Kommunisten, kein zweideutiges Programm! In den Wandelgängen des Senats nehme man, so sagt das Blatt, die Regierungserklärung als Sammelsurium : einer Herausforderung. Man rechne in Kürze mit der Regierungserklärung eines neuen Kabinetts.
„Matin" sagt, die Volksfront sei tot. Ihr kurzes Wiederaufleben werbe nicht von langer Dauer fein. Das Problem ber nationalen Sammlung bleibe bestehen. Man müsse es auf neuer Orunblage erneut versuchen. Das Blatt empfiehlt als Uebergangslofung ein Kabinett aus wenigen unumstrittenen Persönlichkeiten. — Die „Epoque" sagt, Millionen Franzosen sähen das Vaterland in Gefahr und hofften, daß die Stunde endlich geschlagen habe, in der bas große Werk der nationalen Wieberaufrichtung vollendet werbe. Es hanble sich jetzt um Tob ober Leben ber Nation.
4,5 Milliarden
für weitere Aufrüstung gebilligt.
Paris. Ib.Rlärz. (DNB.) Auf Vorschlag des Ministers für die Landesverteidigung hat der Ministerrat folgende Rüstungsausgaben genehmigt: 3465 Millionen für die Luftwaffe. 400 Millionen für die Kriegsmarine und 600 Millionen Franken für das Landheer. — Auf Antrag des Haushaltsministers hat der Rat beschlossen, bereits heute in der Kammer einen Gesetzentwurf zur Eröffnung von Krediten für die Durchführung eines außergewöhnlichen Landesverieidi- gungsprogramms einzubringen. Der Kolonial- minlster ist ermächtigt worden, gewisse Ausgaben zu bewilligen, um die Truppenbestände in I n d o ch i n a aufzufüllen.
LOprozentige Verstärkung der UGA.-Ztotte.
Washington, 18. März. (DNB. Funkspruch.) Das amerikanische Abgeordnetenhaus sprach sich am Donnerstag über die Flottenvorlage aus. Ein Anttag des demokratischen Abgeordneten Ran- dolph, aus der 1,12 Dollar Milliarden-Vorlage die Bestimmung zu streichen, die den Bau dreier neuer Schlachtschiffe vorsieht, wurde mit 98 gegen 63 Stimmen abgelehnt. Das Abgeordnetenhaus nahm grundsätzlich den ersten Teil der Flottenoorlage an, der eine 2 0- prozentige Verstärkung durch ben Bau von 46 neuen Kriegsschiffen, 22 Hilfsschiffen und 950 Marineflugzeugen empfiehlt. Der demokratische Mehrheitsführer Rayburn erklärte, möglicherweise werde der Kongreß noch in diesem Jahre ersucht werden, einem noch größeren Rüstungsprogramm zuzustimmen.
polnische Note an Litauen.
Warschau, 18. März. (DNB. Funkspruch.) Die polnische Regierung hat am Donnerstagabend Litauen eine Note zu gehen lassen, in ber bie zur Klärung ber heiklen Lage notroenbigen Bedingungen bargelegt werden. Die vorbeugenden militärischen Maßnahmen, die von polnischer Seite in ben letzten Tagen ergriffen worden sein sollen, sollen nach den vorliegenden Informationen z. T. bereits wieder rückgängig gemacht worden fein. Die von polnischer Seite an bie litauische Regierung gestellten Forderungen scheinen zwei Hauptpunkte zu enthalten: bie bedingungslose Anerkennung des territorialen Status quo unb die uneingeschränkte Aufnahme normaler zwischenstaatlicher Beziehungen zwischen Litauen und Polen in Gestalt beiderseitiger diplomatischer Vertretungen, des Eisenbahnverkehrs, des Post-, Telegraphen- unb Grenz- verkchrs.


