Ausgabe 
18.2.1938
 
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damit gerade der Wehrmacht erneut sein besonderes Vertrauen bewiesen. Die Soldaten der national­sozialistischen Wehrmacht sind sich dieses Vertrauens bewußt und,werden ihr Bestes daransetzen, es nie­mals zu enttäuschen, lieber diese reinen Führungs­fragen der Wehrmacht hinaus hat der Führer durch die Bildung des Geheimen Kabinetts­rats kundaetan, daß er auch in den Fragen der Außenpolitik der Wehrmacht die Rolle zubilligt, die ihr als Machtinstrument des Staates bei den Ent­scheidungen der Außenpolitik zukommt.

2m Rahmen der Maßnahmen des 4. Februar hat der Führer den Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generaloberst Hermann Göring, zum General­feldmarschall und damit zum ersten Reprä­sentanten der Wehrmacht ernannt. Mit ihr erhält ein vorbildlicher Offizier und Jagdflieger des Weltkrieges, der Inhaber der höchsten Kriegs­auszeichnung, des Pour le m^rite, den Marschall­stab, ein soldatischer Führer, der einst als Staffel- und Geschwadersührer unvergänglichen Sieges­lorbeer für Deutschland erntete, der die Luftwaffe des Dritten Reiches mit hinreißender Willenskraft schuf und heute ihre Führung in Händen hält und meistert. Er ist uns zugleich Vorbild in seiner Treue zum Führer, dem Deutschland alles verdankt und dem wir Soldaten insbesondere verdanken, daß wir ihm in der stolzen Wehrmacht des Dritten Reiches dienen und für Deutschland wirken dürfen.

Zeder Deutsche

hört die Hede des Führers.

Gemeinschaftsempfang

in Gaststätten und Filmtheatern.

Berlin, 17. Febr. (DJIB.) Die Wlrlschafls- und die Reichsfachgruppe fordert das deutsche Gast­stätten- und Beherbergungswesen auf, die Laut­sprecheranlagen herzurichten und am Sonntag, dem 20. Februar, ab 13 Uhr, die Gast­stättenräume zum Gemeinschaflsempfang zur Verfügung zu stellen, damit jeder deutsche Volksgenosse in der Lage ist, die große Rede des Führers zu hören. Der Gefolgschaft im Gaststätten- und Beherbungsgewerbe soll gleichzei­tig weitestgehend die Möglichkeit gegeben werden, die Uebertragung anzuhören. Auch die Reichs- f l l m k a m m e r ruft die deutschen Filmtheater auf, in der Zeit von 13 bis 16 Uhr in ihren Vor­führungsräumen sowohl ihrer Gefolgschaft als auch der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, die große Rede des Führers zu hören.

Neuregelung

der Kraftfahrzeugversicherung

Beitragssätze zur Haftpflichtversicherung erheblich gesenkt.

Berlin, 17. Febr. (DNB.) Der Reichskommft- sar für die Preisbildung hat für die Kraftfahrzeug­versicherung einen Einheitstarif für alle in Deutschland tätigen Versicherungsunternehmungen festgelegt. In Fühlungnahme mit der Versicherungs- Wirtschaft sind außerdem die Beitragssätze zur Haftpflichtversicherung bei allen Krafträdern und bei mehr als 80 v. H. der Per­sonenkraftwagen erheblich gesenkt worden. Kraftfahrzeughersteller, -Händler, -Reparaturanstal­ten und -Absatzfinanzierungs-Jnstitute sind von der Vermittlung von Kraftfahrzeugversicherungen aus­geschlossen. Fast alle in Deutschland tätigen Kraftfahrzeughändler (ungefähr 8000) befaßten sich bisher auch mit der Versicherungsvermittlung. Die Neuregelung ist in enger Fühlung mit der Ver- sicherungswirtschaft zustandegekommen und be­schränkt sich auf die H a f t p f l i ch t v e r s i ch e- ru n g, die auf diesem Gebiet den bei weitem wich­tigsten Versicherungszweig darstellt. Aus sozialen Gründen sind in der Neuregelung die kleineren Fahrzeuge besonders begünstigt wor­den.

Der französische Botschafter besucht den Heichsaußenminister.

Berlin, 17. Febr. (DNB.) Der französische Bot­schafter Franxois-Poncet hat heute nachmit­tag seinen e r st e n Besuch bei dem Reichsmini­ster des Auswärtigen vonRibbentrop gemacht. Bei dieser Gelegenheit wurden alle Probleme der Außenpolitik, soweit sie die beiden Län­der betreffen, besprochen.

Dr. Geyß-Inquart in Berlin.

Der neue österreichische Innenminister vom Führer empfangen.

Berlin, 17. Febr. (DRB.) Der österreichische Vundesminisier für Inneres und Sicherheilswesen, Dr. Seyß.Jnquark, ist für einen kurzen Be­such heule morgen in Berlin eingetroffev und vom Führer empfangen worden.

Der neue österreichische Innenminister Dr. Seyß- I n q u a r t ist 1892 auf der deutsch-böhmischen Sprachinsel I g l a u, geboren, wo fein Vater, ein Egerländer, ansässig war. Er begann sein juri­stisches Studium in Wien, das durch den Weltkrieg

Der österreichische Innenminister Seyß-Jnquart mit Ministerialrat ^-Gruppenführer Dr. Keppler, der den Minister am Bahnhof in Berlin begrüßte. (Scherl-Bilderdienst-M.)

unterbrochen wurde. Als Tiroler Kaiserjäger hat er an ihm mit Auszeichnung teilgenommen. Nach dem Kriege wurde er Rechtsanwalt in Wien und be­schäftigte sich lebhaft mit den volksdeutschen Pro­blemen jenseits der damaligen Parteipolitik. Als die Leitung des Oe st erreicht fch-Deutfchen Volksbundes nach dem Umbruch im Deutschen Reich eine andere Führung erforderte, trat er an seine Spitze. Seyß ist ein Mann von anerkannter Rechtlichkeit und Sachlichkeit, sein Ansehen in allen nationalen Kreisen ist in allen Krisenzeiten uner­schüttert geblieben. Als nach dem Abkommen vom 11. Juli 1936 ein Ausgleich innerpolitischer Art ein- setzen sollte, wurden die sog. Volkspolitischen Referate der Vaterländischen Front geschaffen. Dr. Seyß erhielt den Aufttag, die Heranziehung der abseits stehenden nationalen Kreise anzubah­nen, seine Stellung wurde durch die Berufung in den Staatsrat heroorgehoben. Zum Jahrestag des Abkommens vom 11. Juli 1936 hat Dr. Seyß-Jn- quart sich mit besonderem Nachdruck zu den deut­schen Gesamtzielen bekannt, als er das Wort prägte:Es gibt kein Sonderdeutschtum, sondern nur ein Deutschtum." Er ist nun berufen, das Ziel der Befriedung Oesterreichs zu fördern. Als Bundesminister des Innern und für öffentliche Sicherheit harren seiner in diesem Rahmen beson­dere Ausgaben. Der Bundeskanzler hat ihn gleich­zeitig mit der Leitung des Volkspolitischen Referats betraut. Er wird hierbei von dem ehem. großdeut­schen Bürgermeister von Innsbruck Dr. Pem - bauer als seinem Geschäftsführer unterstützt wer­den.

Die Durchführung der Amnestie.

Auch Studenten und Schüler werden einbezogen.

Wien, 17. Febr. (DNB.) Die Nachricht von der A m n e st i e wurde in den Gefängnissen von den politischen Gefangenen mit großem Jubel ausge­nommen. Die Haftentlassungen begannen bereits in den Mittagsstunden. Zahlreiche Menschen

hatten sich vor den beiden Landesgerichten ange­sammelt, darunter vor allem die Angehörigen der Häfttinge. Immer wieder kam es zu rührenden Szenen des Wiedersehens und der Freude. Insge­samt betrug" die Zahl der politischen Gefangenen in beiden Wiener Landesgerichten 510. Weiterhin ist bereits an die Polizeibehörden die Anweisung zur schnellsten Durchführung der Amnestie auch in den Polizeigefängnissen ergangen.

Der Bundesminister für Unterricht, Dr. Pern- t e r, hat eine Amnestie für alle Hoch - schüler erlassen, die wegen politischer Vergehen vor dem 15. Februar d. I. eine Disziplinarstrafe er­halten und diese «Strafe noch nicht oder nicht voll­ständig verbüßt haben. Alle Studierenden, die we­gen solcher Verfehlungen von den Hochschulen ent­lassen worden sind, werden von Beginn des Som­mersemesters an wieder zur Einschreibung bzw. zu den Prüfungen und zur Erlangung der akademischen Grade z u g e l a s s e n werden. Die im Zuge des sogenannten Schuldisziplinarverfahrens verhängten Strafen für politische Vergehen von Schülern mittlerer und niederer Lehranstalten wer­den niedergeschlagen. Noch nicht abgeschlossene Dis­ziplinarverfahren gegen Schüler werden e i n g e - stellt. Suspendierungen vom Unterricht werden unverzüglich aufgehoben.

Das Kabinett der Versöhnung.

Wiener Pressestimmen.

Wien, 17. Febr. (DNB.) Die österreichische Presse steht im Zeichen der politischen Neuordnung. ,Kabinett der Versöhnung" nennt die amtlicheWiener Zeitung" die neue Regierung. Dr. Schuschnigg habe bereitwillig die Einladung des Reichskanzlers zu einer Aussprache über den ge-

Funkzauber aus London.

Von unserer Äerliner Schristleiiung.

Der englische Rundfunk, insbesondere der Lon­doner Sender, hält es für nötig, seit geraumer Zeit aus seinen Sympathien für die Sowjets kein Hehl mehr zu machen. Das hat sich auch im Falle B u d e n k o gezeigt. Als die Moskauer Blätter mit der unerhörten Behauptung hervortraten, Budenko fei das Opfer einer faschistischen Verschwörung ge­worden, da beeilte sich der Londoner Sender, die entsprechende Taß-Meldung wortwörtlich durchzu­geben. Als dagegen die Flucht Budenkos bekannt wurde und Budenko selbst eine ausführliche Schilde­rung über die Gründe feiner Handlungsweise im Giornale d'Jtalia" bekanntgab, da ging der Lon­doner Sender über diesen Tatbestand mit zwei kühlen Sätzen hinweg. Wir müssen schon sagen, daß der britische Rundfunk hier ein geradezu unwürdiges Hörspiel treibt. Sein Verhalten paßt indessen haar­genau zu dem, was wir bei der Moskauer Presse be­obachten können, die gestern noch die angebliche Ent­führung Budenkos als einenSchurkenstreich" und einenVerbrecherakt" bezeichnete und im Auftrage des Kreml gewaltig mit dem Säbel raffelte, heute aber, da die Wahrheit über Budenko bekannt gewor­den ist, sich in tiefstes Schweigen hüllt. Bu­denko scheint plötzlich für sie nicht mehr zu existieren. Aber das kommt davon, wenn man mit Lügenmär­chen den europäischen Krieg entfesseln möchte. Bu­denkos Flucht ist zur Rettung des Friedens im Süd­osten noch rechtzeitig bekannt geworden. Denn wenn man den Worten und Andeutungen Moskaus Glau­ben schenken wollte, dcknn wak Sowjetrußland im Begriff, einen Ueberfatf auf Rumänien vorzube­reiten, um für Budenko, den man selbst um die Ecke bringen wollte, Rache zu nehmen. Und zu allem s ch w e i g t bas demokratische Europa, zu allem, was sich die Sowjets erlauben, geben die Westmächte ihren Segen. Die Zauberkünstler am britischen Rundfunk machen aus schwarz weiß, aus weiß schwarz und die armen Inselbewohner sollen so­

samten Komplex des Verhältnisses zwischen- den beiden Staaten angenommen, ein ebenso feierliches Bekenntnis zur deutschen Nation wie zum Frieden nach innen und außen. Mit dem 12. Februar sei die erste Etappe des gewiß abwechslungsreichen Versuches der Normalisierung der Be­ziehungen zwischen Deutschland und Oester­reich abgeschlossen worden.

DieReichspost" schreibt: Es ist wahrlich nichts Geringes, wozu sich Oesterreich verstanden hat. Die Umbildung der Bundesregierung unter Berufung eines Politikers, der das Vertrauen des National­sozialismus in feine nationale Gesinnung mit dem Bekenntnis zum Oesterreich der Maiverfassung und der Vaterländischen Front vereint, an die Spitze des Ministeriums für Inneres und Sicherheits­wesen, stellt ein so vertrauensvolles Ent- aegentommen von Staat zu Staat dar, für das es schwerlich ein geschichtliches Vorbild geben dürfte. Nur der Zweck, dem es dienen soll, nur das Ziel, das es erreichen helfen soll, nur die Herstellung des Friedens im Lande und die Aus­räumung aller Hindernisse, die der vollen Aus­wirkung der Juli-Verständigung bis­her im Wege standen, vermögen die Größe dieses Vertrauensbeweises zu rechtfertigen.

Die ein£ allgemeine nationale Linie befolgenden Wiener Neuesten Nachrichten" schreiben: Die Bahn sei nun frei für eine freundschaftliche, enge Zusammenarbeit in den entscheiden­den Lebensfragen des Volkes. Das bedeutendste Merkmal der neuen Regierung ist die Berufung des Staatsrates Dr. Seyß-Jnquart zum Bundes­minister für Inneres und für Sicherheitswesen. Da­durch erhält die Regierung ein neues Gesicht. Soweit man die Persönlichkeit Dr. Seyß-Jnquarts, der als erster Sprecher der nationalen Richtung im Kabinett sitzt, kennt, darf man ver­trauen, daß er die große Aufgabe, die ihm vom Schicksal aufgetragen worden ist, im Interests Oesterreichs und des gesamten deutschen Dolkeft glücklich lösen wird.

gar noch an diesen Verwandlungstrick glauben, bett bas festlänbische Publikum längst burchschaut hat.

D. S.

Sudenkos Identität einwandfrei sestgestellt.

Rom, 17. Febr. (DNB.) Iur Flucht Budenkos nach Italien veröffentlichtLavoro Fascista" fol­gende interessante Einzelheiten: Nach seiner Flucht vor den Agenten der GPU., die versucht hatten, sich seiner in Bukarest zu bemäch­tigen, hat Budenko am Donnerstag, dem 10. Fe­bruar, Rumänien verlassen. lagsbarauf überschritt er die italienische Grenze und begab sich nach Mailand, wo er die ita­lienischen Behörden um ihren Schutz bat. Das Innenministerium wurde von der Ankunft einer Person informiert, die sich als der auf so sonderbare Weise aus Bukarest verschwundene sow­jetrussische Diplomat ausgab. Da man nicht die Ge­wißheit über seine Identität hatte, ließ man einen Beamten der italienischen Gesandt­schaft in Bukarest nach Italien kommen, der den sowjetrussischen Geschäftsträger roieber er- kannte.

Auch ber römische Berichterstatter bes Pariser Journal hat sich in einer Unterredung von der Identität Budenkos überzeugt. Budenko erklärte dabei, daß er besonders glücklich sei, aus ber bol­schewistischen Hölle entkommen zu sein. Jebermann könne Budenko in seiner Wohnung in Rom auf­suchen und sich von seiner Identität überzeugen. Es unterliege nicht dem geringsten Zweifel, daß Budenko wirklich Budenko ist. Aber man verstehe, daß bie Sowjets ein Interesse baran haben versuchsweise Budenko als einen Schwindler fjinju [teilen; denn Budenko weiß ja recht viel über bie Sowjets.

Diegroßen Demokratien" im Swlepptau Moskaus.

Der Fall Budenko gibt demLavoro Fascista" zu ber Feststellung Anlaß, daß bie mit so viel Selbstgefälligkeit lebenbenDemokratien" in ihrer

Verlegenes Schweigen in Mskau und London.

presse und Rundfunk in England decken Moskaus Manöver im Fall Budenko.

Tragödie am Baikal.

von Joseph M. Vetter.

Nun waren wir nach mancherlei Irrfahrten doch am Baikal angekommen, wo wir auf Ringelrobben jagen unb ihr Leben näher studieren wollten. Der Sommer war längst vorüber. Schon als wir an den klaren, pfeilschnell fließenden Wassern der reißen­den Angara fischten, hatten bie ersten Schneestürme eingesetzt. Nun war es vollends Winter geworden.

An der.Westseite des wilden Baikal, am Fuße der riesigen Gebirgszüge, zwischen denen sich höch­stens ein verlorenes Aussatzigendorf findet, stand unser Winterzelt wie eine kleine Burg aus Cis und Schnee, durch die Berge gegen den Wind geschützt. Noch war der endlose See frei von Eis. Wir waren im November. Der.Baikal friert erst zu, wenn längst alle Flüsse und Ströme tief vereist sind, selten vor Anfang Dezember.

So lag bas Wasser in unerhörter Klarheit vor uns. Don unserer Lotka (Boot) aus konnten wir in Ufernähe viele Meter tief ben Grund betrachten, und oft genug sahen wir über dem helleren Boden die dunklen Rücken großer Fische ziehen.

Bald aber sinkt der Boden in grundlose Tiefen. Der Baikal ist ber tiefste Binnensee ber (Erbe. Bis zu 1775 Meter Tiefe yat man gemessen, unb bort unten lebt aus Urzeiten her, ba noch ber See mit bem Meere verbunden war, eine reiche Tieftee­fauna. Auch unsere Rinaelrobben sind Ueberreste aus jenen verschollenen Tagen, seltsam genug, Da der Baikal das Salz längst abgegeben hat und ein ausgesprochener Süßwassersee geworden ist.

Don feinem Fifchreichtum macht man sich kaum einen Begriff, auch kaum von der Größc ber Fische, die er in feinen unergründlichen Tiefen be­herbergt. Kein Wunder, baß ber sibirische Fischer bas Swatoje More, basHeilige Meer", in zahl- losen Liedern besingt und es wie eine leben­spendende, dabei aber doch furchtbare und drohende Gottheit verehrt.

Denn furchtbar ist der Baikal Wehe den Fischern, bie im Sommer draußen sind, wenn plötzlich auf» tretende Stürme die klaren Waftzr zu einem

kochenden Gischt verwandeln. Wehe auch den Schlit- tengespannen, die im Winter, wenn eine viele Meter starke Eisdecke sich über die endlose Fläche spannt, sich verirren oder in die oft über Nacht entstehenden klaffenden Eisspalten geraten und lautlos in ben eisigen Fluten versinken.

Man barf sich ben vereisten Baikal nicht als eine ebene Fläche vorstellen. Oft, wenn bie erste Eis­becke schon fest darüber liegt, erwacht ber See unb wirst sich wie ein gefesseltes Tier bagegen. Mit un­geheurem Donner birst bas Eis und wird in schwe­ren Schollen übereinander getürmt. Allmählich aber siegt die Winterkälte. Dann gibt es zwischen den Schollen und Blöcken Wege, von den Sibiriaken durch Fichten unb Birkenstämmchen gekennzeichnet. Der erste Schlitten, der zu einem Dorfe jenseits der weißen Wüste fährt, nimmt eine Ladung Stämme mit unb pflanzt sie in größeren Abständen ein, die nächsten Schlitten folgen in gleicher Weise, und bald ist, wenigstens.im bichter bevölkterten südlichen Baikaldistrikt, ber See abgesteckt. Jetzt weiß ber Jäger, Bauer ober Fischer: bie Birkenstraße führt nach jenem Dorf, die Fichten aber weisen ben Weg in ein anderes, unb nun beginnt ein mehr ober weniger lebhafter Verkehr.

Dann geschieht es, baß tagsüber ober nachts ber See, von innen aufgewühlt, gegen bie ungeheure Decke brückt und klaffende Risse, oft mehrere Meter breit, bie Pfade auseinanderreißen. Das gibt jeder nächtlichen Fahrt in ber bebrürfenben, schweigenden Oede dieser Eis- unb Schneewüste etwas Be­ängstigendes und unvergeßlich Schauerliches. Ich wenigstens bin ein gewisses Grauen nie losge­worben, wenn wir nächtens über ben See kamen. Ein gut Teil Schulb baran trug ein Bahnwärter, bei bem wir in ber Nähe von Listwinitschnoje ein­mal in einer entlegenen Hütte übernachteten. Er erzählte uns von einer Tragödie, von ber meines Wissens in Europa nie etwas bekannt geworden ist.

Es war im Russisch-Japanischen Kriege. Damals ging die transsibirische Bahn noch nicht um die Südspitze bes Baikal herum. Die Truppen verließen hinter Jrkuftk die Dahn und marschierten in neun Tagen um den See, bis sie die Bahn jenseits wieder erreichten.

Der Januar hatte damals starken Frost gebracht, ber Baikal war längst zugeftoren. Pioniere er­hielten ben Auftrag, eine eingleisige Bahn über das Eis zu legen, und von Anfang Februar an trug ber See auf seinem Rücken geduldig die fauchenden Lokomotiven und bie endlose Kette der Transportwagen. Die Soldaten jubelten, denn nun war ihnen der gefürchtete Marsch um ben südlichen Baikal erspart.

Gefahr gab es keine. Was hätte geschehen kön­nen? Das Eis war mehrere Meter dick und stahl­hart; in Abständen von je einem Werst standen kleine Wärterhäuschen, die, durch Telephon mit­einander verbunden, alle zwei Stunden sich melde­ten unb jede Unregelmäßigkeit Weitergaben. Doch nichts geschah. Zug auf Zug rollte vorüber.

Da blieb eines Nachts ber Telephonruf aus. Unser Bahnwärter hatte eben einen Zug burchgelassen, Infanteristen, die eng aneinandergepfercht in ihren Viehwagen schliefen.

Der Wärter klingelte zurück und meldete, daß von vorn keine Antwort mehr käme. Gut, man würde ben nächsten Zug vorläufig nicht ablassen, wahrscheinlich sei nur bie Verbindung gestört. Es werde sofort nachgeprüft werden.

Eine Stunde später kam ein Pionieroffizier mit einem Mann auf einer Dräsine. Der Wärter er­stattete Bericht. Ach was! Der Kerl werde wohl be­trunken sein. Lachend wandte sich ber Offizier ab. Balb rollte bie Dräsine roieber in bie Nacht hinein^ Vor ihr her leuchtete grell ber Kegel ihrer Azetylen­lampe.

Eine halbe Stunde verrann. War wirklich nur die Verbindung gestört? Oder sollten Wölfe bas Wärterhaus heimgesucht haben? Kaum, denn die Bestien gehen nur höchst ungern aufs Eis. (Ich selbst habe nie einen Wolf gesehen, der einen noch so fest vereisten Fluß überquert hatte.)

Endlich kam die Dräsine zurück' Der junge Pionier war kreideweiß. Seine Augen waren aufgerissen unb verstört.

Kommen Sie!" sagte er nur kurz unb befahl dem Wärter, auf bas Fahrzeug zu steigen. Der tavußte genug.

Anderntags, als bie Meldungen von drüben end­lich vorlagen, wurde bas Furchtbare Gewißheit. Zwei ber endlosen Transportzüge, voll von ver­trauenden, schlafenden Menschen, hatte der See ein- aeschluckt. Mehr als zweitausend Opfer waren ver­sunken in den eisigen, schwarzen Fluten, mit Ma­schine und Wagen, unb niemand hatte etwas von ber grauenvollen Tragöbie gehört, keinen Laut, keinen Schrei.

Als man am Nachmittage die Unglücksstelle auf­suchte, fand man bie Einbruchstelle schon roieber mit neuem Eis überzogen, zwischen bem sich bie schweren Schollen bes Brucheises in wildem Durcheinander türmten. Don ben Zügen war keine Spur mehr. Die zerrissenen unb verbogenen Schienenstränge sagten bas übrige.

Das ist ber Baikal. An hellen Sommertagen paradiesisch schön, aber tückisch und furchtbar, wenn seine Stürme kommen, sei es Sommer ober Winter.

Zeitschriften.

In der Februar-Folge bes Reichsschulung s» b rief es legt ber Hauptschriftleiter, Reichsamts­leiter Wowertes, ben Sinn unb die Notwendigkeit ber beiben Deutschland-Folgen besSchulungs­briefes" bar, bie im März burch ein Versailles-Heft, das erste Hett ber beginnenden Behandlung der ProgramnftorHerungen der NSDAP., ergänzt wer- den. Dr. Karl Ruprecht zeichnet einen Ausschnitt aus ber Lebensarbeit bes großen beutschen Volks- kundlers Wilhelm Heinrich Riehl, ber in ben Mittel- punkt seines arbeitsreichen wissenschaftlichen unb sozialpolitischen Wirkens bewußt bas Volk stellte und damit ein Vorläufer bes heutigen' oolfsoer- bunbenen nationalsozialistischen Forschens ist. Den arunblegenben Aufsatz ber Februar-Folge hat Dr. Hans Karl Leistrik geschrieben:Anderthalb Jahr­tausend Politik ohne Volk". Diese ausgezeichnete, durch Bilder unb Karten erläuterte Arbeit schildert die geschichtlichen Taftachen ber politischen Entwick­lung von ber Dölkerwanberung bis zum Zweiten Reiche, die rassische Verschlechterung unb die Roma- löifcrung bei genossenschaftlichen LebensordmmK