Ausgabe 
18.2.1938
 
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Rr. 41 Erster Blatt

188. Jahrgang

Zreitag, 18. Zebruar 1958

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Die Sudetendeutschen fordern ihre verfassungsmäßigen Rechte. Oer Kampf für innerstaatliche Gleichberechtigung.

3m Wettlauf mit der. Zeit.

Ein Wort zur Berliner Antoschau.

Paris, London und Neuyork das waren noch vor zehn Jahren die Städte, auf deren Aus­stellungen sich das Weltinteresse für den A u t o- m o b i l b a u ausschließlich konzentrierte. Die Ber­liner Veranstaltungen stellte man damals nicht in Rechnung, sie wurden von den Vertretern der aus­ländischen Industrie und des internationalen Han- tels kaum beachtet. Wenn in den kommenden Wo­chen die Hunderttausende aus allen Gauen des Reiches nach Berlin kommen, durch die riesigen hallen am Kaiserdamm wandern und die Leistun- ocn der deutschen Kraftfahrzeugindustrie bestaunen, Sann ist solche Erinnerung doch recht nützlich. Denn mit den Massen der Schaulustigen und künftigen Lutobesitzer gehen auch die ausländischen Fachleute von Stand zu Stand, prüfen und begutachten jedes Stück, um zu vergleichen, zu kau- fen oder daheim zu berichten.

Die Berliner Autoschau kann als ein Musterbei­spiel dafür gelten, wie allein durch den geballten Einsatz aller Energien und Arbeitskräfte die ma- ierielle und rohstoffbedingte Unterlegenheit in einem bestimmten Wirtschaftszweig nicht nur aufgeholt, sondern in eine klare Ueberlegenheit verwandelt werden kann. Opfermut, Begeisterung und Verant- wortHigsfreude haben es zuwege gebracht, daß das deutsche Kraftfahrwssen trotz aller gegebenen Schwierigkeiten in den vergangenen fünf Jahren diesen Auftrieb erlebte, der tatsächlich als das Wun­der der Motorisierung zu bezeichnen ist.

Die deutsche Automobilindustrie, die Jahrzehnte hindurch unter den schwersten Bedingungen und ohne staatliche Förderung ihren Weg machen mußte, stellt nunmehr einen ausschlaggebenden Faktor un­seres gesamten Wirtschaftslebens dar, sie ist zur Schlüsselindustrie, zu einem der größten Auftraggeber für deutsche Arbeiter, Kaufleute, For­scher und Ingenieure herangewachsen. Sie behaup­tet unter den autoerzeugenden Ländern der Erde neben USA. und England einen sicheren dritten Platz (Automobilproduktion 1937 in den Vereinig­ten Staaten 4 454 000 Wagen, in England 500 000 Nagen, in Deutschland 359 000 Wagen, in Frank­reich 201 000 Wagen, in Kanada 175 000 Wagen, in Italien 57 000 Wagen). Außerdem hat die deut­sche Automobilindustrie die unbestrittene Führung in manchen technischen Einzelheiten sowie im Kraft­fahrsport und hat sich auch in. die Spitzengruppe der autoexportierenden Länder vorgearbeitet. Wenn erst einmal der Volkswagen in Serien heraus- fnmmt, dann wird er nicht nur auf den deutschen Straßen und Autobahnen laufen, sondern gewiß auch in all den Ländern, deren Wirtschaftskraft bisher nicht ausreichte, um das Kraftverkehrswesen 'bis zu dem gewünschten Grade auszubauen. Schon 1937 betrug der Wert der deutschen Automobilaus- suhr 168 Millionen Mark, was gegenüber 1936 eine Zunahme um 73 o. H. bedeutet.

Das deutsche Auto hat heute im Wettlauf mit der Zeit und mit dem allgemeinen technischen Fortschritt einen starken Vorsprung gewonnen, nachdem es lange J.ahre hindurch fm Rennen weit zurücklag. Die große Frage ist nun, ob es diesen Sieg zu einem Dauererfolg zu gestalten vermag, d. h. ob das ungeheure Tempo der Motorisierung in den ersten Äufbaujahren beibehalten werden kann oder ob nicht, wie allzu gescheite Leute befürchten, bald jener Sättigungspunkt erreicht ist, der zwangsläu­fig zu einer Verlangsamung und schließlich wieder zu einer Rückwärtsbewegung im Autobau führen muß. Das Institut für Konjunkturforschung ist vor etwa einem Jahre auf Grund der Einkommens­staffelung und der Berufsgliederung des deutschen Volkes zu der Auffassung gelangt, daß unter den heutigen Umständen ein Personenwagen- bestand von 1,6 Millionen erreichbar fei. Da zur Zeit nur 1,1 Millionen Wagen im Betrieb sind, könnten demnach außer dem laufen­den Ersatzbedarf noch weitere 500000 Autos in Deutschland zusätzlich angeschafft wer­den. Solche Berechnungen sind natürlich immer problematischer Natur. Schon 1934 erklärte der Führer in seiner Rede zur Automobilausstellung, daß mindestens noch weiteren zwei Millionen Volksgenossen die Anschaffung eines Kraftwagens ermöglicht werden könnte. Diese unterschiedliche Einschätzung des Kraftwagenbedarfs ober bedeutet keinen Widerspruch, wenn man in Betracht zieht, daß die Untersuchung des Konjunk- ürinftituts auf den gegenwärtigen Einkommens- rnd Preisverhältnissen aufbaute und alle jene psy- ' «alogischen, politischen und sozialen Faktoren cußeracht ließ, die im nationalsozialistischen Staat erfahrungsgemäß den allerstärksten Einfluß auf einzelne Wirtschaftszweige ausüben.

Es ist doch ganz klar, daß bei einer weiteren Ge­sundung der allgemeinen wirtschaftlichen Verhält- tiffe auch der Anreiz, einen Kraftwagen zu besitzen, immer mehr zunehmen wird. Die Erkenntnis vom Ißert und Nutzen des Autos dringt in immer wei­tere Kreise und Berufsschichten. Der Drang, größere Bäume schnell und ohne Fahrplanbindung zu über- Dinben, sowie der Wunsch, Zeit und Arbeitskraft zu Gunsten wichtigerer Aufgaben zu ersparen, können lurch kein Verkehrsmittel besser befriedigt werden cls durch einen leistungsfähigen und dauerhaften Kraftwagen.

Allerdings gibt es noch verschiedene Probleme, teren Lösung eine unbedingte Voraussetzung für len weiteren Anstieg der M'otorwirtschaft ist.'Man lenke an die Vereinfachung der Fabrikationsmetho­den, an die notwendige Herabsetzung der Unter-- tcltungstoften, an die Organisierung des Straßen- rerkehrs, an den Kampf gegen den Unfall, an den »eiteren Ausbau der Treibstoff und Reifen spa­renden Autobahnen, an die Selbstversorgung mit

Prag, 18. Februar. (DNB.) Die Sudeten- deutsche Partei hatte am Vorabend des Jah­restages der Regierungsoersprechungen an die sudetendeutschen Splitterparteien in das Deutsche Haus zu Prag eine Versammlung einberufen, die einen Massenbesuch aufwies. Der Abgeordnete Dr. Neuwirth erklärte, die letzten 20 Jahre hätten bewiesen, daß die tschechoslowakische Verfassung ihrem Wesen nach unerfüllt geblie­ben ist. De? 18. Februar habe an dem Zustand der Entrechtung und Unterdrückung der Sudetendeut­schen nichts geändert. Konrad Henlein habe vor drei Jahren die Hand -zur Verständigung ehr­lich geboten. Der Preis, für den die Staatsbejahung der Sudetendeutschen zu haben ist, ist nur die A u s- gestaltung dieses Staates zu einem wirklichen Nationalitätenstaat. Man müsse endlich auf tschechischer Seite die wirkliche Ge­gebenheit anerkennen. Ferner darauf verzichten, das Problem durch das Spiel mit einer kleiner Oppor­tunitätsgruppe und dem brutalen Einsatz staatlicher Machtmittel lösen zu wollen. Die einzige politische Realität auf deutscher Seite fei die Sudetendeutsche Partei und sonst niemand. Sie fei der unzerstörbare politische Ausdruck des Willens der fudetendeutschen Volksgruppe. Die Sudetendeutschen kämpften um die unveräußerlichen Rechte und um das unversehrte Gefüge ihrer Volksgruppe.

Das Mitglied des Führungsrates der Sudetendeut- fchen Partei, Dr. Sebekowfky, erklärte, die neue Dokumentenveröffentlichung über die Frie­densverhandlungen im Jahre 1918 und 1919 be­wiesen, daß den Sudetendeutschen damals keines­wegs die Rolke einer Minderheit im Staate zugedacht war. Die rechtlich in Gel­tung befindlichen Versprechungen gegenüber der Friedenskonferenz müßten eingehalten werden. Die Tschechoslowakei sei durch die Verfas­sungsurkunde verpflichtet, das Selbstbe­stimmungsrecht der Völker innerhalb des Staates

Außenpolitische Kritik im britischen OberhMs.

Englands Verpflichtungen aus dem Bündnis mit Frankreich.

London, 17. F^br. (DNB.) Jrn Oberhaus wies Lord Arnold auf die Gefahren hin, die darin lägen, daß die britische Politik auf der Genfer Liga und gewissen Verpflichtungen gegen­über Frankreich und Belgien beruhe. Das bedeute also in der Praxis, daß es ein eng­lisch-französisches Bündnis gäbe. Dies werde bestätigt durch die Gegenseitigen Verpflich­tungen beider Länder, einander Beistand zu leisten, wenn eines von ihnen angeariffen würde. Das sei eine außerordentlich schwere Bin,dung Großbritanniens, besonders im Hinblick auf Frankreichs Ostbü n d n i s. Diese Bündnisse feien die allergrößte Gefahr für Groß­britannien. Es sei erstaunlich, daß die gegenwärtige britische Außenpolitik weiter auf den Genfer Satzun­gen beruhe, wenn man die Mißerfolge von Genf bei fast jeder ergriffenen Aktion betrachte. Es werde immer klarer, daß der Artikel 16 der Satzun­gen nicht funktioniere und daß es Zeit fei, anzu­erkennen, daß die auf Gewalt begründete Genfer Entente nicht funktionieren würde. Es gebe keine Herrschaft des Rechtes zwischen den Völkern, da der Versailler Vertrag erzwungen worden sei und viele seiner Bestimmungen ungerecht und nicht zu verteidigen seien. Jedes Volk würde die meisten seiner Bestimmungen gebrochen haben. Die Zeit werde kommen, wo man erkennen werde, daß Verträge nur gehalten würden, wenn sie gerecht feien.

Das Britische Reich und die Bereinigten Staaten besäßen zwei Drittel der Mine- ralreichtümer der Welt. Sei das fair? Die große Ungleichheit im Reichtum der Gebiete der Welt habe mehr als irgend etwas anderes mit der internationalen Unruhe zu tun. Es müsse unerträglich für die Deutschen feiif, wenn man ihnen erkläre, daß sie nicht dafür geeignet feien, Kolonien zu be­sitzen, daß es aber wohl bei Frankreich, Belgien und anderen Staaten der Fall fei. Es bestehe kein Grund für die Behauptung, daß die Be­handlung der Eingeborenen durch Frankreich und Belgien besser gewesen fei als

Kautschuk und Benzin aus heimischem Rohstoff, an die Vermehrung der 'Kundendienststellen, an die Reform des Versicherungswesens und schließlich an die technischen Verbesserungen im Autobau selbst.

So dürfen wir über die Zukunft des deutschen Kraftfahrwesens gewiß beruhigt sein. Der Sätti­gungspunkt der Motorisierung liegt noch in weiter Ferne, und wenn er einmü erreicht sein sollte, so wird uns auch daraus kein Schaden erwachsen,

anzuerkennen. Durch Verweigerung der Rechts­fähigkeit an die nichttfchechischen Volksgruppen werde das innerstaatliche Selbstbestimmungsrecht verletzt. Die Tschechoslowakei sei verpflichtet, durch Anerkennung des Sudetendeutschtums als Körper­schaft des öffentlichen Rechtes, diese Gleichberech­tigung innerstaatlich vorzustellen. Auch von diesem Standpunkt aus seien die von der Sudeiendeutschen Partei eingebrachten Volksschutzgesetzesanträge ge­rechtfertigt.

Sudetendeutscher Abgeordneter von Marxisten niedergeschlagen.

Prag, 17. Febr.,(DNB.) In Karlsbad fand eine öffentliche Versammlung der deutschen Sozial­demokraten statt. Das Thema lauteteVier Jahre Sudetendeutsche Partei". Als der Abgeordnete der Sudetendeutschen Partei, Wolin er, das Ver­sammlungslokal betrat, wurde er am Eingang von einem roten Strolch mitdernGurnrniknüppel niedergeschlagen. In der Nähe befand sich ein Polizist, der aber nicht einschri11. Darauf­hin entstand eine große Schlägerei. Der rote An­greifer wurde nicht sichergestellt und die Versamm­lung nicht aufgelöst. Abgeordneter Wollner wurde mit dem Rettungsauto ins Krankenhaus gebracht, wo eine Gehirnerschütterung festgestellt wurde. Gegen diese Vorfälle protestierte der Abgeord­nete K u n d t beim Prager Innenministerium und verlangte, daß die Versammlung wegen der Vorfälle a u f g e l ö ft werde, um die Ruhe und Ordnung sicherzustellen. Das Innenministerium teilte dem Ab­geordneten mit, ein Grund zur Auflösung der Ver­sammlung bestehe nicht,da sich der Vorfall eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlung und nicht im Versammlungsraum selbst zugetragen habe". Die Polizei habe die Ordnung und Ruhe wiederher­gestellt; es sei angeordnet worden, daß der Täter sichergestellt werde.

durch Deutschland. Großbritannien habe in der Angelegenheit der deutschen Kolonien eine be­sondere Verantwortung. Obwohl es ein Viertel der Welt besitze, habe es die m ei ft en der deutschen Kolonien erhalten. Großbritannien solle daher in dieser Frage d i e Initiative ergreifen, und zwar jetzt. Das große Laster der britischen Politik bestehe in der Tendenz zum Verzögern und die Dinge treiben zu lassen. Hitler habe ein Angebot nach dem ande­ren gemacht. Aber nichts Wirksames habe man aus irgend eines dieser Angebote hin getan, mit Ausnahme des englisch-deutschen Flotten­vertrages. Frankreich habe die Angebote ver­kleinert und sie lächerlich gemacht. Ls sei aber noch an der Zeit, die Angelegen­heit der deutschen Kolonien zu regeln. Wenn es eine Regelung in der Kolonialfrage gebe und eine Regelung mit Deutschland, so würden sich die Aussichten für Europa bedeutend verbessern.

Arnold verlangte dann weiter, daß die ganze Frage der englisch-französischen Be­ziehungen einer Revision unterzogen^ würde. Die beste Politik für Großbritannien würde die völlige Freiheit von allen kontinen­talen Verwicklungen sein. Die britische Politik bewege sich zwar von Genf fort, aber viel zu langsam. Großbritannien solle seine Außen­politik rechtzeitig revidieren.

Der Sprecher der Opposition im Oberhaus Lord Sn eil wünschte, Deutschland gerecht behandelt und in die. ihm gebührende -Position in Europa versetzt zu sehen. Er wolle Deutschland wieder als Kolonialmacht sehen. England müsse, so weit es könne, einen eigenen Beitrag liefern, um die deutschen Beschwerden abzustellen. Freilich habe England das Recht zu erwarten, daß Deutschland ebenso wie England zur Lösung der Probleme bei­trage. Lord Allen o f Hurtwood meinte, das Kolonialproblem könne man nicht dadurch lösen, daß man Kolonieneinfach wie Karten weitergebe", Die Kolonialfrage könne in diesem Stadium nurals Teil einer Allgemeinregelung angesehen werden". Lord Halifax, der für die Regierung sprach, meinte, der Premierminister habe bereits in der Erklärung nach dem franzö­sischen Ministerbesuch klargemacht, daß man die Fragen energisch prüfen werde. England sei bereit, für die Weltbefriedung einen Beitrag zu liefern.

denn dann bürgen die Ersatzbeschaffung, der inter­nationale Wettbewerb und der fortlaufende tech­nische Leistungskampf für eine neue ungestörte Ent­wicklung. Wir Deutschen werden im Wettlauf mit der Zeit immer die Ersten sein, wenn wir nur dem Beispiel d e s Führers folgen, des­sen persönlichem Einsatz ganz allein «-'.ch das Wunder der deutschen Motorisierung zu danken ist.

H. Evers.

Esistan derzeit, dieKvlonialsrage zu regeln

England hat etwas wiedergutzumachen.

Oie Wehrmacht nach dem 4. Februar.

Von Major von Wedel.

Berlin, 17. Febr. (DNB.) In der Zeit­schriftDie Wehrmacht" kennzeichnet Major von Wedel vom Oberkommando der Wehr­macht die Bedeutung der Entscheidung des Füh­rers vom 4. Februar für die deutsche Wehr­macht wie folgt: *

Wenige Tage nach der Vollendung des 5. Jahres der nationalsozialistischen Revolution hat der Füh­rer mit der ihm eigenen Entschlußkraft Entscheidun­gen getroffen, die das geschichtliche Werden der Na­tion tief beeinflussen. Er hat mit seinen Erlassen vom 4. Februar traft seiner Rechte als Staatsober­haupt die Entwicklung um einen weiteren, großen Schritt vorwärtsge't rieben. Für den Bereich der Wehrmacht sind die getroffenen Maßnahmen eine logische Fortentwicklung des Wer­dens und der staatspolitischen. Entwicklung der Wehrmacht im Dritten Reich.

Betrachtet man die Entwicklung beY obersten Wehrmachtsführung in der ganzen Welt, so ist überall d e r Drang zur Konzentra­tion, zur straffsten Zusammenfassung der Befehls­gewalten zu erkennen. In Italien trat unter Führung des Duce dieses Bestreben am stärksten zutage, aber auch in demokratisch regier- ten Staaten ist eine durchaus gleichartige Ent­wicklung zu beobachten. Auch Frankreich hat ja erst kürzlich einen entscheidenden Schritt in dieser Richtung getan, indem es den Kriegsminister zum Verteidigungsminister, den Chef des .Generalstabes des Heeres, General Gamelin, zum Chef des Generalstabes der Wehrmacht möchte.

In der Nachkriegszeit lag in Deutschland die oberste Kommandogewalt in den Händen des Reichspräsidenten. Ihm zur Seite stand zur politischen und parlamentarischen Vertretung der Reichswehrmini st er, die längste Zeit über aus dem Kreise der Politiker kommend, also e i n Nichtsoldat. Die eigentliche Befehlsgewalt übten der Chef der Heeresleitung für das Heer, der Chef der Marineleitung für die Ma­rine aus. Beide waren mit ihren Stäben im Reichswehrministerium unter dem Reichswehr­minister zusammengefaßt. Es ist einleuchtend, daß ein autoritärer Staat mit diesem auf par­lamentarische Verhältnisse zugeschnittenen Füh­rungsapparat nicht arbeiten konnte und daß ander- anderseits eine Staatsführung, die wehrpolitischen Gedankengängen von vornherein uneingeschränkt Geltung verschaffen wollte, mit dieser Spitzenorga­nisation brechen mußte. Adolf Hitler hat die nötigen Konsequenzen bei der Machtergreifung sofort ge­zogen.

Die wesentlichste Neuerung war die Einschaltung einer Kommandostelle, der alle Wehrmachts­teile unterstellt wurden. Der neue Reichs- kriegsminister wurde gleichzeitig Oberbe­fehlshaber der Wehrmacht. Der Reichs­präsident blieb aber letzte Instanz, Oberster Befehls­haber. Nach dem Tode des greifen Feldmarschall- Reichspräsidenten trat der Fahrer voll in dessen Rechte. Seit dem 2. August 1934 ist Adolf Hitler Oberster Befehlshaber der Wehrmacht. Unter ihm leitete in den verflossenen fünf Jahren der Reichs­kriegsminister als Oberbefehlshaber den Aufbau der neuen Wehrmacht. Die neuaufgestellte Luftwaffe wurde ihm als dritter Wehrmachtsteil unterstellt. Das Oberkommando der Luftwaffe bildete mit bett zivilen Stellen bef Luftfahrt das neue Reichs- l u f t f a h r tm i n i st e r i um.

Innerhalb des Reichskriegsministeriums nun hat sich in den letzten Jahren insofern eine Wandlung vollzogen, als sich aus dem Arbeitsstab des Reichs­wehrministers, der vor der Machtergreifung im wesentlichen ein politisches Arbeitsgebiet hatte, ein Kommando st ab des Reichskriegsmini- sters mit Führungsaufgaben heraus­bildete. Noch immer aber blieben Wehrmachtsamt, Oberkommando des Heeres und Oberkommando der Kriegsmarine zusammengefaßt im Reichskriegsmini­sterium. Es ist klar, daß ein solches Gebilde mit der Zeit ein Organifations m o n st r u m werden mußte. Organische Entwicklung mußte diesen Zustand eines Tages überwinden.

Dieser Tag ist jetzt gekommen. Die durch die Entwicklung bedingte Oraanisation des bisherigen Reichskriegsministeriums ist nunmehr geändert. So wie die drei Wehrmachtsteile für ihren Befehls­bereich im Oberkommando des Heeres, der Kriegs­marine und de» Luftwaffe über eigene Kommando­behörden verfügen, ist als Kommandobe­hörde der Gesamtwehrmacht das Ober­kommando der Wehrmacht ein-iesetzt. W^nn das Reichskriegsministerium mit den anderen Reichs­ministerien gleichgeschaltet, ist Fragen der La/ides- Derteibigung ber Reichskriegsminister Primus in4er pares war, so ist jetzt das Oberkommando der Wehrmacht durch die unmittelbare Unter­stellung als militärischer, Stab unter dem Führer nach seinem Willen für die einheitliche Vor­bereitung der Reichsverteidigung auf allen Gebieten verantwortlich. Der erste Berater des Führers in diesen Tagen, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, hat logischer­weife den Rang eines Rstchsministers erhalten. Aus staatsrechtlichen Gründen ist der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht nebenbei mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichskriegsmini­sters betraut.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß neben der organisatorischen Vereinfachung und Klärung d i e gesamte Wehrmacht dem Führer per­sönlich nähergerückt ist. Er ist letzt ohne Zwischeninstanz Oberbefehlshaber. Der Führer hat