ür.243 Erstes Blatt
188. Zahrgmg
Montag,ir.Gktober 1938
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vrnL und Verlag: vrShlsche UniverfitStsdruckerei R. Lange in Sietzen. Schristleitvng und Geschäftsstelle: Lchulftrahe 7
Vor einer Umbildung des britischen Kabinetts
General Dufour beklagt die schlechte Schulbildung der französischen Rekruten.
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7: Nachrich« 10 zur Werk- l 9.40: Was ): Schulfunk. Sin Hörspiel.
Eine Milliarde Dollar für Rüstungsmaßnahmen in USA
Paris, 16. Okt. (Europapreß.) Wie die Pariser Nachmittagsbätter aus Washington melden, werden die von Präsident Roosevelt angekündigten neuen Aufrüstungsmaßnahmen die Summe von über einer Milliarde Dollar verschlingen. Schon jetzt seien alle amerikanischen Rüstungskredite um 2 5 v. H. der veranschlagten Summe erhöht worden. Die neuen Kredite würden in erster Linie zum Bau von Flugzeugen verwandt werden. Die Kredite für den Ausbau der Flotte würden den Bau von zwei Schlachtschiffen und etwa 20 leichten Einheiten ermöglichen. Bel der Landarmee sei vor allem eine Erhöhung der Munitions- b e st ä n d e vorgesehen.
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Englands Kampf in Palästina
Daily Herald meldet Fallenlassen des Teilungsplanes.
L o n d o n, 17. Okt. (DRB. Funkspruch.) Aus Londoner Zeitungsberichten geht hervor, daß die englische Regierung jetzt anscheinend entschlossen ist, den Kampf der Araber in Palästina mit allen Mitteln zu unterdrücken. So meldet News Chro- nicle aus Alexandrien, der englische Generalstab in Palästina werde in der kommenden Woche einen Großangriff gegen die arabischen „Aufständischen" unternehmen. Insgesamt stünden jetzt 25 000 Mann zur Verfügung zum Kampf gegen die Araber, und zwar 17 000 Mann englische Truppen, über 2000 Polizisten und 6000 Juden. Zunächst handele es sich darum, alle von Arabern besetzten Städte zurückzuerobern. Danach würden Strafexpeditionen gegen die Dörfer unternommen, in denen sich die arabischen Aufständischen festgesetzt hätten. Der marxistische Daily Herald meldet, die englische Regierung habe heute aller Wahrscheinlichkeit nach den Plan einer Teilung von Palästina fallen gelassen. Die Kommission, die ihren Bericht Ende dieses Monats veröffentlichen werde, fei zu dem Ergebnis gekommen, daß die Teilung undurchführbar sei. Auf ihr Anraten werde sich die Regierung höchst wahrscheinlich entschließen, mindestens für zwei Jahre eine jüdische Einwanderung nach Palästina zu verhindern. Gleichzeitig scheine die Regierung jüdischen Landerwerb in Palästina unterbinden zu wollen.
en L ison nj. ungen.^ haben Zusamt, a nun eim NauwGn »enn keine llauweißen einer ge.
tsfiebet. 18; Menburg zu chr. 18.30: 9.15: Tages- r. 20: Nach- Aus Turin:
22: Nach- 2.40: Nacht-
erklärt, das Land sei bereit, beträchtliche Einschränkungen der persönlichen Freiheit hinzunehmen. Das marxistische „People" meint, die ursprünglich auf 500 Millionen Pfund berechnete Verteidigungsanleihe werde am Ende des Jahres um 400 Millionen Pfund erhöht werden müssen. Die Ausgaben für das laufende Jahr hätten den Voranschlag bereits um 700 Millionen Pfund überschritten. Die Notwendigkeit der Beschleunigung der Aufrüstung zur Füllung der jetzt entdeckten Lücken erfordere weitere 50 Millionen Pfund, die noch ungedeckt seien. „Sunday Chronicle" propagiert seine alte Lieblingsidee: ein Munitionsmini st <r i u m, für das es Churchill vorschlägt. Auch die „Times" setzt sich wieder für eine weitere englische Aufrüstung ein und erklärt, für England sei es eine unumgängliche Notwendigkeit, sich auf eine absolute Ebenbürtigkeit einzustellen, wenn die Verhandlungen zur Bereinigung der noch offen stehenden internationalen Probleme wieder ausgenommen würden.
Wahlsieg der Regierung in Neuseeland.
L o n d o n , 15. Okt. (Europapreß.) Die allgemeinen Wahlen im britischen Dominion Neuseeland haben einen vollen Erfolg der Regierung gebracht. Die Arbeiterpartei gewann mit 55 Sitzen gegenüber den Nationalisten eine Mehrheit von 30 Sitzen. Im alten Parlament hatten die Arbeiterpartei 55, die nationale Partei 19 und die Unabhängigen 6 Sitze. Der neuseeländische Ministerpräsident Michael Savage äußerte, daß das Wahlergebnis einen noch größeren Sieg darestelle als den von 1935.
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Oer europäische Gedanke USUS
Von Or. Hermann Oreyhaus
Mit gutem Recht betrachtet und würdigt das deutsche Volk die Befreiungskriege von 1813/15 in erster Linie unter dem Gesichtspunkte seiner Befreiung von dem Joch des Fremdherrn, lieber diesem unmittelbaren Erlebnis vergißt es allerdings nicht die großen europäischen Zusammenhänge, in denen sich die Befreiung abspielte. Diese traten am stärksten in Erscheinung, als nach dem ersten Waffengange sowohl die verbündeten Preußen und Russen wie auch der siegreiche Napoleon sich im Juni 1813 zu einem W affe n st i l l st a n d herbeiließen, der einmal die aüf beiden Seiten unvollkommene Rüstung vervollständigen, zum andern aber die Stellung der habsburgischen Monarchie zu den beiden kämpfenden Gruppen klären sollte. Damit wurde die europäische Frage im besonderen aufgerollt. Sie gelangte im Hochsommer 1813 zu einer schicksalhaften Entscheidung.
Napoleon I. war hochgekommen, indem er die geistigen Forderungen der Großen Revolution nach politischer Freiheit für den einzelnen wie für das ganze Volk geschickt verband mit dem französischen Bedürfnis nach „Gloire", das unter den beiden letzten Bourbonenkönigen des öfteren verletzt worden war. In beiden Punkten hatte er jedoch seit 1807 empfindliche Niederlagen erlitten und damit die gesamte europäische Oeffentlichkeit, einschließlich Frankreichs, mehr und mehr gegen sich eingenommen. Der erste betraf vor allem die Bewertung seines persönlichen Charakters. Nach Bayonne hatte Napoleon im Mai 1808 die in Streit geratenen Könige von Spanien, Vater und Sohn, gelockt, angeblich, um den Streit zu schlichten. Tatsächlich jedoch nahm er sie gefangen und behielt sie in Haft, um ungestört Spanien seinem Kampf gegen England dienstbar zu machen. Diese Tat erinnerte an die heimtückische Erschießung des Herzogs von Enghien 1804, den er mit Gewalt nach Frankreich entführt hatte. Sie erschütterte sein Ansehen so sehr, daß beispielsweise die Mutter des Zaren Alexanders I. von Rußland ihren Sohn unter Tränen beschwor, nicht zu dem für den Herbst desselben Jahres angesetzten Fürstentag nach Erfurt zu gehen, weil sie für ihn hier ein gleiches Schicksal befürchtete.
Endlich bewirkte der Verrat von Bayonne auch die innerliche AbkehrTalleyrands,der schon zuvor sein Amt als Außenminister niedergelegt hatte, weil er die Verbindung Napoleons mit Alexander nach Tilsit nicht billigte: er sah den Herrscher Frankreichs sich in der Maßlosigkeit des Diktators verlieren, und das erschien ihm als der Anfang vom Ende, an dem er nicht beteiligt fein wollte. Die Tat von Bayonne gab ihm dazu die sittliche Rechtfertigung. Er erklärte: „Wenn ein Mann von Welt Dummheiten macht, wenn er sich Freundinnen hält, wenn er seine Frau schlecht behandelt, selbst wenn er sich ' ernstlichen Unrechts gegen seine Freunds schuldig macht, so wird man ihn zweifellos darob schelten: ist er aber reich, mächtig und klug, so wird die Gesellschaft trotzdem nachsichtig gegen ihn sein. Wenn aber dieser Mann etwa beim Kartenspiel betrügt, so wird man ihn unverzüglich aus der Gesellschaft anständiger Menschen ausschließen und ihm nie verzeihen."
Nun war Talleyrand nicht der Mann, den Gang der Ereignisse seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten zu überlassen. Nachdem für ihn Navoleon in die Rolle des bedenkenlosen Diktators, ja Abenteurers, herab- aefunken war, hielt er sich für verpflichtet, an seinem Sturze mitzuarbeiten. Napoleon gab ihm selbst die Gelegenheit dazu aus dem eben genannten Fürstentag zu Erfurt. Des Korsen Ziel war hier, einmal der ganzen abendländischen Welt eine Schau seiner ungeheuren Machtfülle zu geben. Dies gelang! Der Schauspieler Talma konnte sich brüsten, vor einem Parkett von Königen seine Kunst gezeigt zu haben. Doch litt Napoleon schon unter dem Fluch der bösen Tat von Bayonne. In Spanien hatte der nationale Funke gezündet. Mit Unterstützung -der Enaländer begann hier ein Freiheitskämpf, der als Anfang der Erhebung Europas gegen den Diktator zu betrachten ist. Die Forderung der Großen Revolution nach politischer Freiheit des einzelnen wie des ganzen Volkes war allmählich Seme in aut aller Völker Europas aeworden. Ein Verstoß da« aegen mußte besonders schwer den Erben eben dieser R-volution treffen, zumal, w-nn sich damit eine Minderung des französischen Ruhmes verband.
Napoleon war sich dieser Tatsache vollkommen bewußt. Deshalb wollte er in Erfurt den Zaren Alexander dahin brinaen, eine Verpflichtung gegen das Habsburger Reich zu übernehmen, falls dieses zu einem neuen Kriege rüsten sollte. Er selbst, wollte unter allen Umständen die spanischen Schwierigkeiten bereinigen, da die aus ibnm erwachsenden Gefahren unü’berfebbar waren. Beides sollte nicht mehr gelingen. Daß Alexander sich zu keiner Ver- pflichtuna bereit fand, war zum Teil T a l l e y - rands Werk. Als dieser im Auftrage Navoleons in Erfurt mit Alexander verhandelte, versicherte er ihm: „Sire, es steht in Ihrer Macht. Europa zu retten; aber Sie werden es nur dann könn°n, wenn Sie sich weigern, Navoleon freies Sviel zu lassen. Das französische Volk ist aeßttet, fein Kaiser ist es nicht. Der Kaiser von Rußland ist gesittet, aber sein Volk ist es nicht. Deswegen sollte der Kaiser von Rußland der Verbündete des französischen Volkes sein."
Talleyrand erzielte mit diesen Worten nicht nur einen augenblicklichen Erfolg, er bereitete schon den Wiener Kongreß von 1814/15 vor, der ihm persönlich die höchsten Ehren, dem französischen Volke aber aus dem europäischen Empfinden heraus eine derartig schonende Behandlung brachte, die es selbst kaum noch erwartet hatte. Das europäische Emp-
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Paris, 17. Okt. (DNB. Funkspruch.) In der Epoque nimmt General Dufour zu angeblichen „Lücken" in der französischen Landesverteidigung Stellung. Es fehle vor allem das System der vormilitärischen Ausbildung. Der General glaubt, daß dieses Problem aber bereits in Angriff genommen.sei, und daß man die gesamte militärische Ausbildung der Jugend i n drei Abschnitte zu teilen beabsichtige:
1. In den Abschnitt von 7 bis 14 Jahren, der körperlichen und moralischen Grunderziehung,
2. in den Abschnitt von 14 bis 18 Jahren, der körperlichen und moralischen Weitererziehung in Sportoerbänden oder Kursen,
3. in den Abschnitt von 18 bis 20 Jahren, der eigentlichen militärischen Vorbereitung unter dem Kommando von Offizieren und Unteroffizieren.
Was die moralische Erziehung betreffe, so stelle* man alljährlich bei den Rekruten eine bedauernswerte nastonalgefchichtliche Unkenntnis fest. Auf dem Gebiet der körperlichen Erziehung habe die französische Hochschule noch keine -zufriedenstellende Organisation erreichen können. Von dem ganzen Problem sei also lediglich der Teil gelöst, wo d i e Armee die Verantwortung selbst trage. Die beiden anderen Abschnitte der moralischen und körperlichen Erziehung, die dem Ministerium für öffentliche Gesundheit zufallen, befänden sich erst im A n - fangsstadium.
25 v. h. der Rekruten seien im Durchschnitt im Besitz einer derart unzureichenden Grundausbildung, daß man sie im Winter abends auf die Schule schicken müsse, damit sie sich im £ e - fen. Schreiben undRechneu üben, hier stehe Frankreich am Ende des zivilisierten Europas. Frankreich sei es, das die meisten Ungebildeten zähle. Diese Unwissenheit, die von den Militärbehörden alljährlich berichtet werde, schade der Ausbildung von Spezialisten, deren die Armee mehr und mehr für ihr Material benötige. Der Hauptfehler liege in der Richtbeachtung der Gesetze der Schulpflicht.
General Dufour kommt dann weiter auf die zweite Schwäche zu sprechen, die in dem französischen Geburtenrückgang liege und zieht hier einen Vergleich mit Deuschland und Italien. Zum Schluß erklärt er, es fei offensichtlich, daß die technischen und sozialen Bedingungen der französischen Verteidigung sehr schwierig werden würden, falls nicht in Kürze eine Aenderung eintrete.
Für Verstärkung der französischen Lustflotte.
Paris, 15. Oktober. (Europapreß.) Die großen Pariser Blätter setzen ihren Feldzug für eine Verstärkung der französischen Luftflotte fort Der „Jn- tranfigeant" fordert den sofortigen Bau von 1750 Militärflugzeugen, denen alsbald eine weitere Serie von 2600 Apparaten folgen müsse. Die französische Flugzeugindustr.ie müsse sich sofort auf den Bau Kiefer mehr als 4000 Flugzeuge einstellen. — Der
„Pakis-Soir" erklärt, an der Spitze der französischen Luftflotte stehe heute in der Person des ehemaligen Kriegsfliegers, General Vuillemin, ein von dem Vertrauen aller französischen Flieger getragener Ches. General Vuillemin habe zuerst darauf gedrängt, daß vor allem Jagdflugzeuge gebaut werden müßten, da die zur Zeit verwandten Typen veraltet seien. Er habe ferner den Ankauf von 100 modernen amerikanischen Jagdflugzeug en ermöglicht, die allerdings erst Anfang 1939 geliefert werden könnten. Weiter habe er den Neubau von veralteten Flugzeugtypen untersagt und die Einräumung eines Kredites von einer Milliarde Franken für den Bau moderner Typen veranlaßt. Diese Maßnahmen könnten sich jedoch erst Anfang nächsten Jahres auswirken.
Frankreichs Außenpolitik.
„Matin" fordert Neuorientierung.
Paris, 17. Okt. (DNB. Funkspruch.) Def „Matin" schreibt, Frankreich müsse die Politik verfolgen, die seiner geographischen Lage entspreche. Geographisch sei Frankreich ein westeuropäisches Land, das sich über das Mittelmeer hinweg bis nach Afrika hin erstrecke. In Westeuropa also, im Mittelmeer und in Afrika lägen seine lebenswichtigen Interessen, seine Kraft und seine Zukunft. Alles andere seien Kombinationen größenwahnsinniger Theoretiker. Die soliden Pakte, die Frankreich verfolgen könne, seien Abkommen mit England, Belgien, Italien und Spanien, mit denen es gemeinsame Grenzen habe. Mit den anderen Ländern könne und müsse Frankreich friedliche Abkommen suchen und besonders eine wirtschaftliche Annäherung. Es dürfe aber keine Militärallianz schließen, die auf der Landkarte bereits eine Unmöglichkeit darstelle? Es dürfe auch nicht zum Gendarmen Mittel- und Osteuropas werden. Es dürfe auch nicht dieses oder jenes entfernte Volk oder Raffengemisch auf dem Balkan unterstützen. Seine Sicherheit liege nicht an der Donau, an der Weichsel ober am Bosporus, sondern längs *ber Vogesen, der Alpen, der Pyrenäen und am Atlas. Dort müsse sich auch seine Bemühung konzentrieren; dort müsse seine Sorge zu jeder Stunde liegen. Frankreich habe zwei Hauptstädte: Paris und Algier.
Oie vormilitärische Ausbildung der Lugend in Frankreich.
Oer Dominionminister Lord Stanley 1*.
Am die Nachfolge Ouff Coopers. — Ein neues Oienstpflichtministerium?
London, 16. Okt. (Europapreß.) Der britische Dorninion-Minister Lord Stanley, der erst vor wenigen Tagen von einer Reise nach Kanada zurückgekehrt war, ist in der Nacht zum Sonntag g e ° ft o r b e n. Er war bereits seit längerer Zeit leidend und hat nur ein Alter von 44 Jahren erreicht. Er war der älteste Sohn und Erbe des Lord Derby und hinterläßt eine Witwe-, eine Tochter Lord Chelseas und drei Söhne, deren ältester jetzt Erbe des Titels des Earl of Derby geworden ist. Der verstorbene Minister war in Eaton und in Oxford erzogen worden. Er nahm aktiven Anteil an der Bewegung für Volkswohlfahrt, besonders an der Jugendpflege und wurde Leiter des British-Social Hygiene Council. Er war dann im Kabinett Chamberlain Unterstaatssekretär für Indien und seit Mai 1938 Dominion-Minister.
Mit dem Ableben des Dominionministers Lord Stanley ist nach dem Rücktritt des Marine- ministers Duff-Cooper der zweite Ministerposten im Kabinett freigeworden, der neu besetzt werden muß. Da außerdem mit der Neuerrichtung eines Ministeriums für den nationalen Hilfsdienst gerechnet wird, dürfte die Ernennung von mindestens drei neuen Ministern zu erwarten sein. Manche Montagsblätter rechnen damit, daß gegebenenfalls auch ein Munitionsministerium geschaffen werden soll, wie man dies bereits im Weltkriege eingeführt hatte, sowie schließlich sogar ein M i n i st e r i u m der Handelsmarine, d. h. also Trennung von Kriegsmarine und Handelsmarine, was man bisher in England nicht kannte. Als aussichtsreichsten Kandidaten für den Ersten Lord der Admiralität als Nachfolger von Duff-Cooper nennen die Londoner Blätter den gegenwärtigen Erziehungsminister Lord Stanhope. Die meisten Zeitungen erwarten außerdem, daß Landwirtschaftsminister Morrison den Posten Lord Stanleys als Dominionminister übernehmen wird. Es gilt als sicher, daß Ministerpräsident Chamberlain eine weitergehende Umbildung des Kabinetts vornehmen wird. Sein Plan soll darin bestehen, einen „Staatsrat" aus allen Parteien zu bilden, um das riesige englische Aufrüstnngspro- gramm in Höhe von 100 Millionen Pfund (1,25 Milliarden RM.), das in der Zwischenzeit ausgearbeitet worden ist, durchzuführen. Es wird damit gerechnet, daß Chamberlain einen solchen Plan, durch den er die Unterstützung aller Parteien gewinnen will, am Mittwoch dem Kabinett vorlegen wird. Daß auch die Führer der Opposition, Sir Archibald Sinclair für die Liberalen und Major Attlee für die Arbeiterpartei, in das erweiterte Kabinett eintreten, gilt als unwahrscheinlich. Sie sollen aber .über alle beabsichtigten Schritte der Regierung vorher unterrichtet und aufgefordert werden, sich an dem von der Regierung vorgesehenen großen Werbe- feldzug für die Einführung des nationalen Hilfs- Dienstes zu beteiligen. Der König hat seine Ferienzeit in Schottland beendet und wird mit dem gesamten Hof am Dienstagmorgen wieder in London eintreffen.
Englands Aufrüstung.
London, 16. Okt. (DNB.) Je näher die Kabi- mettssitzung rückt, in der über Dringlichkeitsmaß- :nahmen der britischen Verteidigung Beschluß gefaßt werden soll, um so offener wird die Sprache Der Blätter über die angeblichen Mängel iber britischen Rüstung, die als Begründung für die starke Aufrüstung herhalten müssen. „Sunday Expreß" will wissen, daß England nur wenig mehr als ein Fünftel an moöernen Abwehrkanonen hat, die nach sachverständiger Ansicht zu einer ausreichenden Luftabwehr notwendig seien. Der Capt. Liddle H ar d behauptet, für die Verteidigung Londons seien ins- sesamt nur 100 Abwehrkanonen vorhanden gewesen. Dagegen brauche England 3000 Z,7-Zoll-Abwehrgeschütze, 2000 erstklassige Kampfiflugzeuge und 2000 Bomber. Innerhalb eines wahres könne man 5000 Abwehrgeschütze Herstellen. 'England habe in den letzten zehn Monaten des 'Weltkrieges monatlich 3000 Flugzeuge und 2700 Augzeugmotoren hergestellt. Flugzeugfabrikanten behaupteten, daß sie die sofortige Herstellung von 700 Flugzeugen pro Woche garantieren könnten.
Weiter setzen sich die Londoner Sonntagsblätter erneut für die Einrichtung einer nationalen Stammrolle und die Ernennung eines M i - ft e r 5 für den nationale n Dien ft ein, Ür den mit großer Einmütigkeit Sir John A n - 0 c r f o n genannt wird, der „starke Mann aus Bengalen", wo er als Gouverneur die terroristische Bewegung niedergeschlagen und dreimal nur mit knapper Not einem Mordanschlag entkommen fei. 2er Hinweis Sir John Simons auf eine Art Stammrolle schließe nicht notwendigerweise die Kaltstellung des Freiwilligengrundsatzes «v sich. In der Krise habe man feststellen können, 'aß die Zahl der zur Verfügung stehenden ausgebildeten Leute bis zu der Zusammenkunft in Todesberg selten über ein Fünftel des E r - orderlichen gegangen sei. Es sei dringend notwendig, daß die erforderlichen Kräfte hun- - ertpr o zen t ig zur Verfügung gestellt wer- l«n. Die Regierung füllte nicht zögern, notfalls alle tiisher angenommenen Pläne zu ändern. „Observer"
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