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Ur. 218 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Aineiaer für Gberheffen)

17./18. September 1938

Junge deutsche Nation.

Vier Querköpfe.

Erinnerungen an das Sommerlager.

K^lheinz hatte bisher noch nie gezeigt, daß er großen Wert auf sein Aeußeres legte. Das drückte sich am deutlichsten in seiner Uniform aus, die, wie Hein bestätigte, ein getreues Spiegelbild seiner selbst war. Nicht etwa, daß sie schmutzig oder noch öreckig war vom Geländedienst, nein, aber sie saß immer unordentlich, und immer fehlten ein paar Kleinigkeiten. Sauber war sein Braunhemd, auch die kurze Hose und die Strümpfe; die Schuhe waren meistens stumpf. Er selbst, das hatte er Willi im Vertrauen mal gesagt, habe sich die Schuhe noch nie geputzt.

Das macht meine Schwester", hatte Karlheinz gesagt, und Willi gab zur Antwort:Aus Mitleid sicher, damit du nicht zu sehr auffällst?"

Das wäre ja an sich alles nicht so schlimm ge­wesen, wenn, ja wenn nicht noch eine große Por­tion Leichtsinn bei Karlheinz hinzugekommen wäre. Wir sind alle keine Musterknaben, und wollen auch keine sein. Aber man muß wissen, wie tieit man gehen darf. Man muß wissen, was es heißt, einem Befehl zu folgen, oder, wie es Karlheinz mit drei anderen tat, den Gehorsam zu verweigern.

Es wird keinem im Lager eineExtrawurst" ge­braten. Im Lager essen alle das gleiche, schlafen alle auf Stroh und frieren olle zusammen, wenn die Decken nicht kameradschaftlich geteilt werden. Da machen auch alle den gleichen Dienst mit. Zu nörgeln gab's bei uns im Ostseelager gar nichts!

Der Frühsport mit dem Waschen in der See war, wie Hein sich ausdrückte, eine prima Sache, und der andere Dienst im Lager, Sport, und Spiel oder das Baden am Strand brachten ihinter leb­hafte Abwechslung.

Alles war in bester Ordnung, und jeder brauchte nur ein bißchen Disziplin aufzubringen, damit das Antreten zum Frühsport, zur Flaggenparade oder zur Schulung recht schnell ging. Es klappte auch inmer tadellos, bis auf die vier. Einer von ihnen, larunter auch Karlheinz, kam immer in letzter Mi­nute, kam dann, wenn alles schon angetreten Ivar...

Beim Sportdienst kam Heinz zum drittenmal zu pät, und was noch schlimmer war, er hatte seinen Trainingsanzug an, während die Turnhose zum Sport am Strand befohlen war.

Du mußt doch immer auffallen", sagte der Ab- !?ilungsführer.Ab", winkte er.Nachher bei mir Treiben! Karlheinz hatte am nächsten Tag zweimal Strafdienst in der Küche mitzumachen und war ichwer verbittert.

Also herhören", verkündete Helmut.Morgen feigt die ganztägige Fahrt durch den Darß! Wie □r wißt, ist der Darß Naturschutzgebiet, und ich 'vffe, daß ihr euch entsprechend verhaltet!"

Am anderen . Morgen bekommen wir um fünf Uhr Urooiant, Brot für einen Tag und Tee in die Feld­saschen. Singend marschierten wir durch Prerow, ler Himmel war durch dunkle Wolken verdeckt, nvb es sah sehr nach Regen aus. Der erste Platz­ten überraschte uns dann auch auf einem schrna- bn Waldweg im Darß.

Au verdammt, wenn ich doch nur meine Trai- Iriingsjatfe mitgenommen hätte!" jammerte ein klei- i?r Stoppen.Und daß sie sich vollgesaugt iitte", höhnte Willi grinsend und stellte sich mitten >1 f den Weg.Die Bäume halten sowieso nichts : i»!"

Es war auch wirklich toll. Hinter uns kamen noch nei Gruppen. Der Abteilungsführer überlegt, lht im Regen auf und ab.Es hat keinen Zweck, :ß wir zurückmarschieren", sage ich ihm.U ;cr Mittagessen wird doch -erst am Abend fertig und inn die Blamage, wenn wir bei Sonnenschein, der -stimmt noch kommen wird, ins Lager zurück- immen!"

Das gab den Rest.Gut", sagte Helmut und äff das Aufbruchssignal.Wir marschieren weiter um Darßer Leuchtturm und dann zur Jagdhütte orings. Du kümmerst dich um die zwei hinteren Iruppen." Ich blieb zurück und ließ die verregneten äimeraben auf dem weichen Weg vorbeizichen.

Wir marschieren weiter!" sage ich.Bei dem Letter?"Bei den Wegen?"Sicher, es m.rb auch noch schön werden!" munterte ich auf.

hiÄ "K der letzten Gruppe bekam ich bann r^n9 Dom Zeiten Zeltführer.Vier Jungen yaven sich gewetgert, bei dem Wetter weiterzumar- schteren. 0

,,©o, und?"Ich fjabe ihnen den Befehl ge­geben, wetterzumarschieren. Habe sie darauf auf­merksam gemacht, daß sie Befehlsverweigerung be­gehen, wenn sie- nicht mitkommen!"

ySo! Und der Anstifter?"War Horst. Bei dem Regenwetter", sagte er,marschieren wir nicht! Ste wollten es vor dem Lagerführer verantworten."

Ich habe den Vorfall dem Abteilungsführer be- rtchtet. Das Wetter besserte sich bald wieder, und als wir am Leuchtturm ankommen, knallte die Sonne um die Mittagszeit so heiß, daß die Hemden trocken wurden und die Zeltmannschaften im Schat- ten großer Bäume ihr Mittagbrot verzehrten. Vom Leuchtturm aus konnten wir weit über den Darß blicken und sahen in weiter Ferne den Badestrand vor unserem Zeltlager, hinter dem in Dunst und Bäumen liegenden Prerow.

Die Geschichte von den vier Meuterern hatte sich inzwischen herumgesprochen.Mensch, werden die

Wochenlang waren die Marscheinheiten der Hitler- Jugend mit den Bannfahnen aus dem ganzen Reich unterwegs, und ihnen folgten in diesem Jahr Ka­meramänner und Tonmeister mit ihren Geräten. Der Reichsjugendführer selbst hat die Anregung dazu gegeben, einen Normaltonfilm vom Adolf- Hitler-Marsch zu drehen, und die Jugend hat diese Aufgabe mit Stolz übernommen. Zum erstenmal wird hier ein Film entstehen, an dem ausschließlich Mitarbeiter der Reichsjugendfüh­rung mitwirken. Drehbuchverfasser, Kameraleute, der Dialogregisseur, Komponist und Schnittmeister, sie alle kommen aus den Reihen der Hitler-Jugend. Der Film vom Adolf-Hitler-Marsch wird die erste filmische Gemeinschaftsarbeit der deutschen Jugend sein. Die Jugend will aber keinen dokumentarischen Film schaffen und sich nicht mit dem Registrieren der Ereignisse begnügen, son­dern die Idee des gewaltigen B^kenntnismarsches mit filmischen Mitteln gestalten.

40000 Filmmeter.

Die Mitarbeiter an dem Film sind sich der Schwierigkeit der Aufgabe vollkommen bewußt. Sie wissen, daß sie an den Verlauf des Marsches gebun­den sind, daß sie ihre Szenen nicht wie im Atelier beliebig wiederholen können, und daß das Wetter alle ihre Pläne zunichte machen kann. 40 000 Meter Film müssen ausgenommen werden, um aus beim Material die 2000 bis 3000 Meter eines abrndfüllen- ben Filmes, herausschneiben zu können. Ein Stab von zehn Kameraleuten begleitete bie einzelnen Marschkolonnen, um die schönsten Erlebnisse des Marsches auf bem Filmstreifen festz uh alten. Jebe dieser Filmtruppen ist mit allen technischen Hilfs­mitteln ausgerüstet. Als Tonapparatur wirb zum erstenmal bei einem normalen Tonfilm bie von ber Klangfilm herausgebrachte, leicht transportable Minicorb"-Apparatur verwendet.

Ebenso wird die Verwertung des Filmes, der im Auftrag der Reichsjugendführung von derDeut­schen Filmgesellschaft"' hergestellt wird, völlig neuartig fein. Nach einer öffentlichen Ur­aufführung am Anfang des kommenden Jahres wird ber Film in ben Jugendfilmstunden ber HI., von ben Gaufilmstellen ber Partei unb in ben staatspolitischen Schulfilmpflichtoeranstaltungen ge­zeigt werben. Aber auch schon währenb ber Schnitt­arbeit wirb ber Film bei ben biesjährigenReich s- filmtagen ber H I." in einer geschlossenen Vorführung im Ausschnitt gezeigt.

Eine Gemeinschaftsarbeit

Die Vorarbeiten zu dem Film, ber ben vorläufi­gen TitelMarschtritt Deutschland" erhielt, haben schon Ende Mat begonnen. Als erstes Werk ber Ge­meinschaftsarbeit entstaub das Drehbuch, das

Dampf haben! Bei schönem Wetter werden sie ins Lager kommen."

Mr haben den Anschluß an die Kolonne ver­loren", sagten die vier bem Lagerführer. Unb am Abenb kam ber wahre Sachverhalt, als mir ins Zeltlager zurückkehrten, heraus. Beim Verteilen ber Poff würben die vier herausgerufen.

,^hr habt" sagte der Lagerführer,einen Be­fehl verweigert und mich belogen. Es ist ganz klar, daß dies ein Verstoß gegen die Lagergemeinschaft ist. Ich schließe euch hiermit von der Lagergemein­schaft aus. Keiner wird mit euch bis zum Ende des Lagers sprechen, und ihr werdet entsprechenden Strafdienst bekommen!"

Drei Tage vor Schluß des Lagers kamen die vier zum Abteilungsführer und baten um Entschul­digung. Die Tage waren für sie hart gewesen.

Der Abteilungsführer sprach mit dem Lager­führer. Am Abend wurden sie wieder in ihre Zelte ausgenommen und die Sache war vergessen. Am andern Tag nähte sich Karlheinz sein HJ.-Abzeichen am Braunhemd fest, und seine Schuhe waren zum Appell immer tadellos geputzt. H. Z.

allein schon erkennen läßt, wie vielseitig bie Gestal­tungsmöglichkeiten bieses Filmes finb. Während bie Bewohner ber Stäbte unb Dörfer, burch die bie Marscheinheiten kommen, immer nur kleine Epi- fobert unb bie Jungen selbst ein Vielfaches bavon er­leben, soll durch den Film einmal die Erlebnisse aller Marscheinheiten aus bem ganzen Reich zu­sammengetragen werben. Alle deutschen Munbanen werben ba gesprochen, unb bie schönsten Landschaf- ten vom Meer bis zu ben Alpen,, kleine winkelige Städtchen mit fröhlichen Menschen unb gewaltige Industrieanlagen ergeben ein getreues Spiegelbild der deutschen Gaue und ihrer Menschen. Dabei wirb der Rhythmus des Marsches immer wieder zu spü­ren sein, und das Lied vom Adolf-Hitler- Marsch wird um ganzen Film klingen.

Wochenlang unterwegs.

UeberalJ marschierten die Fahnenträger der Ju­gend. Sonne lachte über ihnen, und Regen machte ihnen den Weg schwer. Und überall zogLn mit ihnen die Kameramänner. Bald hatten stch die Jungen daran gewöhnt, und der Kamerad an der Kamera konnte unbemerkt Szenen auf den Filmstreifen ban­nen: Da will ein Junge einen Apfel vom Baum reißen. Stundenlang marschiert die Einheit nun schon, und immer unter Apfelbäumen; aber es ist ihnen streng verboten, Obst zu pflücken. Diesen Kamps des Jungen mit sich selbst hat auch der Ka­meramann gesehen und festgehalten. Dann ziehen die Jungen wieder im Regen dahin, und Kilometer um, Kilometer wird abgezählt. Dazwischen kommen Rasttage, an denen die Jungen für ihr Leistungs­abzeichen trainieren. Van Dorf zu Dorf marschieren die Jungen, und immer wieder erleben sie die Liebe des Volkes. Quartiereltern wollen ihre Jungen nicht mehr weglassen; sie überhäufen sie mit Geschönten. Oft müssen die Jungen Pakete mit der Post nach Hause schicken, da sie kein Platz mehr im Tornister haben.

Aus einer Fülle von Erlebnissen müssen bie Ka­meraleute auswählen. Ihre Arbeit war nicht leicht. Von Zeit kamen bie Mitarbeiter zu einer Bespre­chung zusammen. Da wurden bie Filmstreifen, bie sofort nach ber Aufnahme an bie Kopieranstalt ge­schickt würben, vorgeführt, ber neue Drehplan fest­gelegt, unb roieber ging es ans Werk.

Der Abolf-Hitler-Marsch ist beenbet. Die Haupt­arbeit am Film aber beginnt erst jetzt. Aus ber Fülle des Materials muß bas Charakteristische unb Interessante ausgeiöählt und bie Reihenfolge ber einzelnen Szenen und Schnittstücke festgelegt wer­ben. Der Film wird dann im Rohschnitt einem namhaften Regisseur vorgeführt, ber mit bem Film­schaffen ber Jugend eng verbunden ist, unb in ge­meinsamer Arbeit wirb so ber Film seine endgültige Form erhalten. S. Hartwanger.

Der Arve.

Nun hatte unsere Schar also Zuwachs bekommen. Schorsch, ein untersetztesMünchner Kindl", wurde bei uns eingereiht. Es paßte uns gar nicht, daß ein Neuer kam. Außerbem hatten wir gehört, daß bie Bayern einen furchtbar hartenDicktopf" hätten Unsere Meinung faßteHeini" mit folgenden Wor- ten zusammen:Mensch, der kommt doch bei uns janid) uff de Bretta. Der kann in Jrunewold sehen, Pilze schießen und Rehe pflücken, aber nich in unsere Schar kommen."

Die erste Fährt, die wir mit Schorsch zusammen machten, war gleich die Großfahrt. Als einige Zeit zuvor gefragt wurde, wer alles mitkäme, meldete sich derNeue" zu allererst. Das mißfiel uns sehr. Wir waren gewohnt, an jeder neuen Sache erst ein bißchen herumzumeckern, ehe wir uns bazu ent- schieben.

Es war aber auch zum Verzweifeln; denn es konnte kommen, was wollte, Alarm oder sonstige Scherze, er war immer einer der ersten. Obwohl wir im Raufball nur das eine Ziel hatten, besagten Knaben tüchtig zu verrollen, holten wir uns immer blutige Nasen. Hatte man wirklich einmal etwas bei ihm gesunden, was äußerst selten vorkam, so wurde er sofortüber den Acker" geschickt. Aber auch der gröbste Schliff machte ihm nichts aus. Mit einem kleinen hochmütigen Zug um bie fest zu­sammengepreßten Lippen trat er roieber in die Reihe, als ob nichts aeschehen wäre. Er war wirk­lich ein Pfunds-Pimpf!

So kam das Sommerlager heran. Vom Bahn­hof aus hatten wir noch ungefähr drei Stunden in glühender Sonne zu tippeln. Kein Wunder, daß ba verschiedene schlapp machen wollten. Wortlos, als ob nichts b-abei wäre, schnappte sich Schorsch die beiden Tornister seiner Nebenmänner und stampfte nun mit drei Affen beladen weiter. Zu unserem stillen Aerger bemerkten wir, daß der Neue" immer mehr Eindruck machte.

Dann kam das Entscheidende: Es wurde ein großes Sportfest im Lager abgehalten, zu dem auch die Bevölkerung der Umgegend geladen war. Unser Fähnlein ging mit den größten Siegesaussichten in ben 3000-Meter-Lauf. Wir hatten Helmuth und Schorsch gemeldet. Der erste war der Favorit des Rennens, Schorsch hatten wir nur aus Verlegenheit gemeldet, ha wir zwei Mann stellen mußten. Bald fällt der Startschuß, und ab geht die Post. Die er­sten Runden legt das Feld, geschloffen zurück. Dann aber löst sich Helmuth vom Feld und hat bald bie Spitze allein inne. Größer und größer wird fein Vorsprung, nur fein größter Gegner, der Lange von der Gefolgschaft 3, kann ihm einigermaßen folgen. Es war ganz groß, zu sehen, wie unser Mann 'im­mer mehr Vorsprung herausholte.

Doch, was war das? Als er gerade in die vor- MJtc Runde gehen will, vermindert er das Tempo und wirft sich lang ins Gras. Unser Helmuth, ber moralische Sieger, mußte wegen eines ganz ge­wöhnlichen Wabenkrampfes ausgeben. Wir, bie Ge­folgschaft 2, ließen nun bie Köpfe hängen und blie­sen Trübsal. Plötzlich bemerken wir, wie unser Schorsch, ber bis dahin im Mittelfelb lag, Boden gewinnt. Zwar hat ber Führende noch einen gro- hen Vorsprung, aber unser Mann kommt näher. Als es in bie letzte Runde geht, ist alles aufgesprun- gen, und ein Schrei erfüllt bie Luft:Schorsch, Mineh??" Die Entfernung zwischen bem Langen ber Gefolgschaft 3 und unserem Mann wird immer für» 3er, und es ist nur noch eine halbe Runde zu lausen.

Da beginnt Schorsch feinen Endspurt. Es ist be­geisternd, zu sehen, wie er sich Meter um Meter heranschiebt. Längst brüllen wir von ber Gefolg- fchaft 2 nicht mehr allein, sondern Freund und Feind und selbst die Bevölkerung schreit, schreit und schreit Und nun geschieht das Wunder: drei Meter vor bem Ziel kämpft Schorsch seinen Gegner nieder unb zer­reißt mit Brustbreite als Sieger bas Zielbanb.

Unsere Schar ist die erste, die ihm als Sieger gratuliert. Jetzt weiß er genau, daß er für immer in die Kameradschaft unserer Schar ausgenommen worben ist, und seine Augen leuchten. Den schönsten Lohn ieboch bekam er von unserem Bannführer. Drei Worte waren es/nur, bie er sprach, doch bie batten es in sich:Gratuliere, Kameradschafts, f u h r e r Schorsch!" Marschner.

Ö3. gestaltet einen Film.

Mit Kamera und Tongerät auf dem Adolf-Hitter-Marfch.

Sm Tag im Landsr w.

NSG. Leichter Morgennebel liegt noch über ben Liesen unb Feldern. Die ersten Sonnenstrahlen ics Tages gleißen silbern über bie hügelige Land- ftciffc Noch liegt ringsum alles im tiefsten Frie­da. Dor bem mächtigen alten Schloß, däs nun dpn feit fünf Jahren Landjahrlager ist, geht ber Listen feinen vorgeschriebenen Gang .. auf unb

Der blanke Spaten blitzt in der Sonne.

plötzlich gellt ein Hornsignal durch bie morgenb- 14 e Stille: Wecken! Ein Blick auf die Uhr in iei Wachstube genau 6 Uhr. Kurz barauf schrillt iie Pfeife des Führers vom Dienst burch ben $au", unb Va knapp brci Minuten stehen bie tabert Jungen der Lagerbesatzung zum Frühsport W1 bem Hof angetreten. Nach einem Walblauf ^'schwindet bie letzte Mübigkeit aus ben Knochen, ni> bereiferns Dienst" kann beginnen Wa- öm, Betten- unb Spinbebau, Stubenreinigung tnb Hausbienst. Lange Zeit bleibt freilich nicht, im den Strohsack in eine eckige Form zu bringen

ben Bezugplättbrettartig glatt zu streicheln , schon roieber erklingt ber schrille Ton der wfe, bie sich im Lager nicht gerabe- einer großen iebtheit erfreut, unb alles flitzt blitzartig an fein wi, in ber stillen Hoffnung, baß beim Appell 'Hf vergessene Falte im Bettbezug bem gestrengen M des Führers vom Dienst (F. v. D.) entgeht, ästens trügt diese Hoffnung und dann, ja, dann «iegt das Bett auseinander".

,2er Appell ist vorbei. Die Jungen treten auf den. J°l zum Flaggengruß an.. Der F. v. D. meldet > rpi Lagerführer die Mannschaft, unb feierlich geht .bem KommanboHeißt Flagge!" bas Banner

Mast empor. Hell schmettern bie Fanfaren in tn Morgen ...

.Noch bem Kaffee,, für ben es auch Milchsuppen marschiert ein Zug zum Arbeitsdienst: Garten-i ®^it, Hausbienst, Werkarbeit unb Bauernbienst, j

währenb ber anbere Zug in den großen Ta ges- raum zur Schulung einrückt.

Pünktlich auf bie Sekunbe wird ber Dienstplan j eingehalten. Um 12 Uhr steht alles wieder zum großen Sauberkeitsappell angetreten. Der Blick des , F. v. D. geht unerbittlich über jeden Einzelnen. Das Auge schweift vom Scheitel über Ohren, Hals, Fingernägel bis zu ben Schuhen, unb ein offener Knopf trägt bemSünder" bie Warnung vor einer schweren Lungenentzündung" ein. Nach bem Mit­tagessen unb ber anschließenden Freizeit geht es zum Sport, bem beliebtesten Dienst des Tages! Boxen unb Kampfspiele wechseln mit Leichtathletik unb Geländebienst ab. Die Bewegung in ber frischen Luft macht hungrig, unb freubig rückt bie Mann­schaft roieber zum Kaffee ins Lager ein. Jeder ißt, bis er orbentlich satt ist, denn ber Dienstplan kün­digt einen großen Gepäckmarsch an, zu dem eine gebiegene Grundlage" erwünscht scheint. Aber auch dieser Marsch endet wieder im 'Lager, wo nun in feierlicher Form die Lagerfahne eingeholt wird. Der eigentliche Dienst des Tages ist beendet. Nach dem Abendessen kommt bie Lagermannschaft noch einmal zur lustigen Abendrunde zusammen. Einezünftige" Lagerkapelle sorgt für musikalische Unterhaltung, bie durch heitere Vorträge und fröhliche Lieber unter­brochen wirb.

DieLocke" bes Hornisten beenbet am frühen Abenb bie fröhliche Stunde. Ungern hören sie in ihrem luftigen Spiel auf, aber früh müssen sie roie­ber ausstehen. Schnell rennen bie Jungen nochmals in ben Waschraum unb nach grünblicher Reinigung verschwinbet alles insämtliche Buntkarierten". Die neue Wache wirdvergattert" unb ber Zapfenstreich kündet bie nächtliche Ruhe.

Wieber hallt nur noch ber Schritt bes Postens durch bie Stille ber Nacht. Balb liegt alles im lie­fen qefunben Schlaf, ber bie Jungen stärkt für die Arbeit, bie sie für ihr Volk unb Daterlanb er­füllen.

Der Flieger.

Paul unb Karl gingen spazieren. Sie erzählten sich von diesem und jenem. Unter anderem auch vom Fliegen.

Weißt du, ich möchte gern fliegen", sagte Paul.

Ach!" meinte Karl.Fliegen ist nicht schön." Wieso?" fragte Paul.Hast bu etwa Angst?" Das hat gar nichts mit Angst zu tun, Knabe. Wenn einer so fliegt, baß einem babei beinahe bie Knochen kaputt gegangen wären, dann hat man schon für eine Weile genug."

Hast bu benn schon einmal in einer Kiste drin gesessen?" fragte Paul von neuem.

Unb ob!" Karl schien keine schönen Erinnerungen zu haben; denn er verzog sein Gesicht zu einer Gri­masse.

Du warst tatsächlich schon einmal in einer Kiste?" Paul wollte es kaum glauben.

Ich sagte doch bereits, baß ich in einer Kiste ge­sessen habe unb bann geflogen bin."

Mensch, hast du ein Glück! Bist du wenigstens hoch geflogen?"

Wieso hoch?" wollte Karl wissen.

Ich meine, wieviel tausend Meter bu mit deiner Kiste in bie Luft geflogen bist!?" erklärte Paul näher.

Hoch bin ich nicht geflogen, fonbern runter", sagte Karl.

Natürlich, als bu schon oben warst", meinte Paul.

Wieso oben? Ich war niemals oben! Wenigstens nicht in ber Luft", sagte Karl.

Du mußt boch aber oben gewesen sein, als bu runter geflogen bist!?"

3a, ja! Natürlich", meinte Karl,drei Treppen hoch!"

Drei Treppen hoch?" Paul glaubte, Karl sei ohne Verstand.

Stimmt! Ich war bei der Kolonialwarenhandlung Wilhelm Krause beschäftigt. Oben im dritten Stock auf bem Boben bes Hauses ftanb eine leere Kiste,

in ber ich mittags pennte. Eines Tages überraschte mich ber Chef, holte mich heraus unb schlug mir eine runter! Ich verlor bas Gleichgewicht unb stürzte bie Treppen hinunter. Ich flog ..."

Au!" fagte Paul. digü.

Eierkuchen...

Kinber, ich habe eine Ueberraschung für euch'" fagte unser Smutje, unb seine Augen leuchteten vor Freube.

Es gibt heute noch Eierkuchen!" trompetete Smutje m die sternenklare Nacht.

Donnerwetter!" riefen wir.

Wo hast du benn bie Eier her?" fragte Wilhelm.

Die habe ich von einem Bauern geschenkt be­kommen, auch Speck und Butter!" antwortete Smutje unb reckte sich stolz in bie Höhe.

Und das Mehl?^' war meine Frage.

Das habe ich drüben in der Scheune gefunden! Auch das' hat mir der Bauer gegeben, als ich ihn darum bat", sagte Smutje und verschwand. Bald vernahmen wir ein Bruzzeln, das uns angenehm in den Ohren klang.

Wilhelm gab inzwischen einige Lieder auf feiner Gitarre zum besten. Plötzlich hielt er inne und schnupperte in der Luft herum.

Das stinkt ja so verdächtig", bemerkte er nach einer Weile.

Der Smutje wird doch nicht den Eierkuchen haben anbrennen lassen?" Wilhelm sprang auf und rannte zum Smutje. Wir hinter drein.

Vor feiner Pfanne stand Smutje mit bedeppertem Gesicht und jammerte:Ich weiß nicht, was mit dem Mehl los ist!"

Gib mal die Tüte her!" forderte Wilhelm. Als Smutje sie gebracht hatte, kostete Wilhelm von ihrem Inhalt. Kaum hatte er ihn im Munde, als er auch schon sein Gesicht verzog und im hohen Bog«n spuckte.

Gips!" sagte Wilhelm lakonisch und sah den Smutje strafend an ...