und
besuchte dann eine Reihe von Verletzten hielt mit Amtswaltern der SDP. Eger und dem Egerland Besprechungen ab. späten Rachmittag verlieh Konrad Henlein Stadt Eger wieder in unbekannter Richtung.
und aus Am die
haben beute sudetendeutsche Ortsgruppen Kreise besuch).
Die Ratten verlassen das Schiff.
Tschechische Minister verschieben ihr Vermögen nach der Schweiz.
Eger, 17. Sept. (DNB.) Das deutsche K o n s u - l a t in Eger versuchte zahlreiche Male vergeblich, eine telephonische Verbindung milder deutschen Gesandtschaft in Prag oder mit dem Auswärtigen Amt in Berlin zu erhalten. Das Fernamt erklärte, die Gesandtschaft sei nicht erreichbar, da sie sich nicht melde und die Leitung nach Berlin sei auf deutschem Gebiet gestört. Beide Behauptungen sind unwahr. Die Telephonzentrale der Gesandtschaft ist Tag und Nacht besetzt und es lagen f e i- nerlei Störungen vor. Ebenso hat es auf deutschem Gebiet niemals Telephonstörungen gegeben. Auch von deutscher Seite war das deutsche Konsulat in Eger mit Blitzgesprächen nicht zu erreichen. Das Fernamt in Eger erklärte den deutschen Stellen in Berlin, daß das Konsulat s i ch nicht m e [j) e, obwohl Tag und Nacht das Telephon besetzt war. Es handelt sich hier ganz Zweifel«, los um eine systematische Unterbindung
setzten Stelle. Die Tschecho-Slowakei hat damit zu Methoden gegriffen, die im diplomatischen Leben der Völker einzigartig dastehen, offenbar um zu verhindern, daß die Wahrheit über die Vorgänge in Eger in Deutschland bekannt werde.
schäft die Nachricht eingeschlagen, daß der Eisen- bahnminister Bechyne, ein tschechischer Sozialdemokrat, und der Justizmirrister Derer, der der gleichen P-artei angehört, ihre gesamten Vermögenswerte auf Schweizer Ban- ken überwiesen haben. Auf einer Versammlung der Bankangestellten wurde mitgeteilt, daß auch zahlreiche a n d e r e ' Regierungs- Mitglieder und führende Parlamentarier ihr Vermögen bereits ins Ausland geschafft hätten. Wegen der verstärkten Abhebungen bei den Banken ist die Auszahlungsböhe auf 3000 bis — in besonders begründeten Fällen — 5000 tschechische Kronen festgesetzt worden, wäh- rend außerhalb von Prag fast ausschließlich statt 2000 nur noch 1000 tschechische Kronen pro Kopf zur Auszahlung gelangen. Die Großbanken, die bereits in Gefahr waren, illiquide zu werden, sind durch Zurverfügungstellung größerer Barmittel zu diesen Auszahlungen in der Annahme noch einmal instand gesetzt worden, daß es durch scharfe Regie- rungsmaßnahmen gelingen werde, die umfangrei-
Von der Haupt siel le der Sudetendeutschen Partei, die inzwischen ihren Sih. wenn auch getarnt, wieder nach Eger verlegt hat, und in den nächsten Tagen in einen anderen Ort des sudetendeutschen Gebietes verlegen wird, wird darauf hingewiesen, daß der tschechische Rundfunk die sudetendeutsche Gefolgschaft durch die Behauptung unsicher zu machen versucht, die Führer des Sudetendeutschtums seien in das Deutsche, Reich geflüchtet. Demgegenüber wird festgestellt, daß sich fast die gesamte Führung der SDP. auch weiterhin auf sudetendeutschem Gebiete befindet, wenn auch ihre Aufenthaltsorte aus erklärlichen Gründen nicht öffentlich angegeben werden können. So hat schon am Freitag z. V. der Stellvertreter Konrad Henleins, Abg. Frank, das Gebiet von Falkenau und E h o d a u besucht und dort mit verschiedenen Stellen der Sudetendeutschen Partei Füblung genommen. Auch andere Abacordnete und Senatoren
chen Abhebungen, die bis zu 40 v. H. der Guthaben betragen hatten, obzustoppen.
Ein Bata-Oirektor
soll die Stimmung heben.
Prag, 17. Sept. (DNB. Funkspruch.) Don be- sonderer Seite erfährt das DNB.: Die Prager Re- gierung hat ein Agitationskomitee errietet das die spezielle Aufgabe haben wird, d i e Stimmung in der Tschechoslowakei zu heben und für Vertretung der tschechischen Interessen i n der Auslandspresse zu sorgen. Zum Leiter des Büros wurde unter Ernennung zum Minister der Bata-Direktor V a v r e ck a, früher einmal Gesandter in Wien, ernannt. Insbesondere hat Dao- recka sich der Aufgabe zu unterziehen, dem wanken- den Kabinett und der gefährdeten Stellung Beneschs einen Rückhalt zu verschaffen. Die Neueinrichtung beweist die Fortsetzung einer Politik, welche versucht, den verheerenden Eindruck ihrer Staats- mahnahmen durch Worte, die das Gegenteil besagen, zu kompensieren.
Olplomattsche Verbindung lahmgeleg».
Tschechische Soldateska provoziert Zwischenfall mit deutschen Diplomaten.
Die Sudetendeulsche Pariei aufgelöst.
Steckbrief gegen Henlein. - Die sudetendeutschen Führer weiter im Lande. - Trotz Waffenverbot» Bewaffnung de» tschechischen Mobs.
klebt und lediglich Polizei- und Militärpatrouillen stehen bleiben, um ihn zu lesen.
Auf die Meldung, daß aus Prag eine Gruppe von ausländischen Korrespondenten nach Eger kommen werde, wurden plötzlich sämtliche Militärposten eingezogen. Auch die Maschinengewehre verschwanden von den Straßen. Gleichzeitig gingen Gendarmerie-Patrouillen von Ladengeschäft zu Ladengeschäft und erklärten den Besitzern, daß sie die Geschäfte sofort zu öffnen hätten, widrigenfalls sie verhaftet würden. Offenbar soll durch die verlogenen Maßnahmen nach dem Muster der bekannten sowjetrussischen Fremdenführungen den ausländischen Korrespondenten das Bild einer ruhigen Stadt vorgetäuscht werdem Am Nachmittag bemerkte man zwei Journalisten von ausländischem Typ, die von Gendarmen begleitet wurden und die Schaufenster von zwei jüdisch-tschechischen Geschäften photographierten, die bei den Zusammenstößen zertrümmert worden sind. Am Nachmittag wurden zahlreiche Geschäftsinhaber darauf aufmerksam gemacht, daß das Schließen der Geschäfte vor 19 Uhr verboten sei und schwere Strafen im Gefolge haben würde. Mehrere Geschäfte, deren Inhaber flüchten mußten, wurden von der Polizei erbrochen, geöffnet und provisorisch tschechische Verkäufer in die Geschäfte gestellt.
wies weiter darauf hin, daß die Tschecho-Slowakei sich bis zum Augenblick noch als „demokratischer Staat" betrachte. Daher hätten Beschlüsse der Regierung keine Gesetzeskraft: vor allem müßte die Auflösung der SDP. ohne Rechts- ,..... .
Wirksamkeit sein. Abg. Kundt erklärte, daß er es für der Verständigung zwischen der Gesandtschaft und seine Pflicht halte, die Interessen der 3V- Millionen der Außenstelle in Eger und ihrer Berliner vorge- Deutschen, die im geschlossenen tschechischen Sprachgebiet wohnen, solange wahrzunehmen, bis ihn Gewalt daran hindere. Die Arbeit werde ihm von der
mit wachsender Erbitterung geführten NationaNtäten- kampf Haß und Vernichtungswillen der Tschechen zu spüren bekommen hatten, ihre ganze Hoffnung auf das von Wilson pomphaft verkündete Selbstbestimmungsrecht der Völker gesetzt, wurden aber sehr schnell eines anderen belehrt, als im November 1918 tschechische Truppen im Sudetenland eine Schreckensherrschaft etablierten. In letzter Stunde forderten die Sudetendeutschen am 13. Dezember 1918 in aller Form eine Volksabstimmung über die politische Zukunft ihres Siedlungsgebietes und bekannten sich, als die Entente ihnen diese auf die Einflüsterungen von Masaryk und Benesch verweigerte, um aus der Tschecho-Slowakei einen Sturmbock gegen Deutschland zu machen, in gewaltigen Massenkundgebungen vor aller Welt einmütig zu ihrem Deutschtum. Damals, an jenem 4. März 1919, fielen die ersten Blutzeugen des Selbstbestimmungswillens der Sudetendeutschen unter den Kugeln einer blindwütigen tschechischen Soldateska.
Heute weiß die Welt, daß ein starkes Deutsches Reich es nicht zulassen wird, daß vor seinen Grenzen 3Vr Millionen Menschen deutschen Blutes mit den verbrecherischsten Mitteln brutalster Unterdrückungspolitik um ihr Recht der freien Selbstbestimmung gebracht und in ein Staatswesen gezwungen werden, in dem ihnen das Leben zur Hölle gemacht worden ist. Darüber hat der Führer nicht den geringsten Zweifel gelassen, und daß er überall in der Welt — mit Ausnahme von Prag — sehr wohl verstanden worden ist, beweist, wie jetzt in der Diskussion der sudetendeutschen Frage, eine freie, durch internationale Kontrolle gesicherte Volksabstimmung der in der Tschecho-Slowakei zwangsweise zusammengeschlossenen Nationalitäten immer mehr als der gangbarste Weg aus der Krisis, in den Vordergrund tritt. Mussolinis offener Brief an Lord Runciman war in dieser Debatte ein rechtes Wort zur rechten Stunde. Schonungslos deckt er die Schuld der Pariser Friedensmacher auf, die mit der Tschecho-Slowakei einen künstlichen Staat geschaffen haben, der seit seiner Entstehung die Elemente seiner Schwäche und seiner Auslösung in sich trug, weil die in ihm durch Zwang vereinigten Nationalitäten nur von einer Kraft beseelt sind, aus ihm herauszukommen, und sobald der Zwang wegfiele, den Staat zum Aus- einanderfall bringen müßten. Mussolini sagt es deutlich, daß ein Krieg um die Erhaltung dieses „fiktiven und monströsen Staates" den Einsatz nicht lohnen würde, auch für England nicht, und daß es darum gehe, zu erkennen, daß die Zeit der Kompromisse vorbei sei. Mit dem klaren Blick für politische Realitäten, der den Duce, wie alle großen Staatsmänner, immer ausgezeichnet hat, schlägt er eine Volksabstimmung unter internationaler Kontrolle vor, wie sie sich bereits bei der Saarabstimmung bewährt hat. Ein für den europäischen Frieden stets bedrohlicher Unruheherd würde beseitigt und ein wirklicher Tschechenstaat geschaffen, in dem die Tschechen auf ihre Fasson selig werden könnten, ohne fremde Volksgruppen zu drangsalieren, die nichts mit ihnen zu tun haben wollen.
Wir sind sicher, daß die Anregungen Mussolinis die größte Beachtung gefunden haben werden überall dort, wo man sich um eine wirkliche Lösung bemüht. Denn die Diskussion kann nicht mehr lange in der Theorie steckenbleiben. Die Prager Regierung, in völliger Verkennung der politischen Situation, in die sie sich hineinmanövriert hat, verrennt sich zusehends in eine nackte Gewaltpolitik und treibt damit eine Entwicklung auf die Spitze, die eine schnelle und klare.Entscheidung gebieterisch fordert. Das ist auch offenbar dem englischen Kabinett deutlich geworden und der britische Premierminister Neville Chamberlain, der schon durch sein entschlossenes Verlassen des intransigenten Eden- Kurses und den Osterakkord mit dem italienischen Imperium der Neuordnung Europas einen Dienst geleistet hat und dabei ebenso viel Zivilcourage wie Vorurteilslosigkeit bewiesen hat, hat unter Verzicht auf alle konventionellen Förmlichkeiten von heute auf morgen eine persönliche Aussprache mit dem Führer und Reichskanzler herbei- geführt, die nach der amtlichen Verlautbarung einen „umfassenden und offenen Meinungsaustausch über die gegenwärtige Lage" gebracht hat und in einigen Tagen fortgesetzt werden soll. Wenn also, wie wir hoffen dürfen, durch diese Begegnung auf dem Ober» salzberg, über die sich auch der französische Ministerpräsident D a I a b i e r durchaus positiv geäußert hat, die Erörterungen über die zuverlässigsten Methoden einer grundsätzlichen Lösung ddr sudetendeutschen Frage in Gang kommt — sie kann nach allem Vorangegangenem ja nur in der Gewährung des freien Selbstbestimmungsrechts liegen — so darf doch in keinem Augenblick übersehen werden, welche unmittelbare Gefahr die Prager Katastrophen- politiker mit dem von ihnen entfesselten schrankenlosen Vernichtungsfeldzug gegen das Sudetendeutsch' tum heraufbeschworen haben. Auch die wieder überall aus den Grenzgebieten gemeldeten militärischen Vorbereitungen deuten darauf hin, daß man in Prag offenbar völlig den Kopf verloren hat oder törichterweise glaubt, nur noch durch die verbrecherische Anzettelung einer allgemeinen Katastrophe nach Moskauer Muster die Partie retten zu können. Die Welt weiß seit der Führerrede in Nürnberg, daß Deutschland diesem Vabanquespiel politischer Bankrotteure in Prag nicht ruhig zuschauen wird.
Dr. Fr. W. Lange.
Steigende Unzufriedenheit in praa.
Dresden, 17. Sept. (DNB.) Der nach Prag entsandte Sonderberichterstatter' der Dresdener Nachrichten berichtet: Die Dolksstimmung in Prag und im tschechischen Gebiet ist auch am Freitag weiter abgesunken und außerordentlich nervös. Ganz besonders groß ist die Unzufriedenheit wegen der Verknappung der wichtigsten Lebensrnittel und der Verdoppelung der Preise, so daß die Arbeiterschaft mit ihren Löhnen nicht einmal mehr die nötigen Lebensrnittel zu kaufen in der Lage ist. UeberaU stehen große Gruppen debattierender Menschen zusammen und besprechen die Lage und die Zukunftsaussichten. Man erzählt sich ganz offen und mit genauen Angaben, in welchem Maße sich besonders die Prager Juden mit Lebensrnitteln eingedeckt hätten, während das Volk hungern müsse.
Wie eine Bombe hat in der tschechischen Arbeiter»
Die Angst vor der Wahrheit.
Die ausländische Presse meldet aus Prag, daß die tschechischen Bauern ihre Verwandten auffordern, zu ihnen auf das Land hinauszukommen und die „Prager Gefahrenzone" zu verlassen. Die Meldung sagt alles. Dem Tschechen ist unwohl in seiner Haut. Nur der Unterschied der'Temperamente wirkt sich verschieden aus: Der eine wird mit seiner gedrückten Stimmung im Stillen fertig und der an- dere macht Radau. Aber in einem sind sich heute alle Tschechen gleich: hinter ihnen steht das leibhaftige böse Gewissen. Sie wissen, daß sie Kriegsgewinnler sind, daß sie ihrem Staat einer Konjunktur, einem Zufall und nicht dem eigenen Verdienst verdanken. Davon macht auch die tschechische Regierung keine Ausnahme und eben darum schwingt sie mit dieser Heftigkeit Flinte und Säbel. Die chauvinistische „Narodni Politika" hat den Besuch Chamberlains beim Führer auf der ersten Seite gebracht: das Blatt wurde beschlagnahmt. Der Brie Mussolinis an Runceman wird entweder gar nicht gebracht oder als Fälschung bezeichnet. Das tschechische Volk sieht die Umwelt nur als Luftspiegelung einer Regierung, die die Wahrheit fürchtet Trotzdem bricht der Angstinstinkt jäh durch. Die Hamsterwut hat sich zu Ladenstürmereien gesteigert, die Staatspapiere werden angeboten wie saures Bier, die Banken sind belagert. B. R.
Generalstreik im Sudelenland.
Polizei erzwingt in Eger die Oeffnung der Ladengeschäste. — Ausländischen Journalisten soll das Bild einer friedlichen Stadt vorgetäuscht werden.
Regierung äußerst erschwert: es sei ihm z. B. bis heute noch nicht einmal eine telephonische Verbindung mit feiner Frau und feinen drei Kindern gestattet worden. „Ich denke nicht daran, Prag zu verlassen, sondern verbleibe, was auch immer die tschecho-slowakische Regierung beschließen möge." Kundt erklärte dann, daß Europa sich von 'ber Rechtsunwirksamkeit der Beschlüsse der Prager Regierung werde überzeugen müssen. Es gehe jetzt allerdings auch nicht darum, ob Parteien bestehen oder nicht bestehen, sondern es gehe darum, ob den Menschen, denen Recht gebührt, auch Recht zuteil wird.
Konrod Henlein in Eser.
Eger, 17. Sept (DRV.) Konrad Henlein stattete gestern in den frühen Rachmittagsstunden incognito der Stadt Eger einen Besuch ab. Er würde dabei von zwei Abgeordneten der SDP. begleitet. Ls gelang Konrad Henlein trotz der scharfen Bewachung der Stadt auf Rebenwegen unerkannt in das Stadtinnere zu gelangen. Er besichtigte zunächst von außen die noch von der Polizei besetzten Hotels Delzl und Victoria, den letzten hauptsih der SDP.,
Wie der „Völkische Beobachter" aus Eger meldet, hat sich die tschechische Sodateska eine neue freche Herausforderung geleistet. Auf einer Autofahrt von Prag nach Eger, auf der sich der Vertreter des V. B. in Begleitung der beiden Mitglieder der deutschen Gesandtschaft in Prag, des Presseattaches Dr. Gregory und des Attaches Betz, befand, wurde der Wagen von einer tschechischen Feldwache angehalten und d i e deutsche Hoheitsfahne unter wüsten Beschimpfungen abgerissen, obwohl das Auto als Diplomatenmagen gekennzeichnet war und die beiden Mitglieder der Gesandtschaft sofort ihre Ausweise vorwiesen.
Wachsende Besorgnis in London.
Unter dem Eindruck der letzten Ereignisse.
London, 17. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Blätter verfolgen-die letzten Ereignisse in der Tschecho-Slowakei mit Besorgnis. Die meisten Morgenblätter berichten meistens in Prager Meldungen, daß die Tschechen sich einem Volksentscheid mit allen Mitteln „widersetzen" würden. „Daily Mail" veröffentlicht eine Unterredung Ward Prices mit dem stellvertretenden Führer der Sudetendeutschen Partei, Frank. Dieser habe erklärt, daß die Dinge im Sudetenlande nicht schlimmer aussehen konnten, als augenblicklich. Nach den Schießereien in Eger könne man die Zahl der Toten überhaupt nicht einmal abschätzen. Er habe die Nacht vom Dienstag zu Mittwoch im Hotel Viktoria in Eger in Konferenz mit Ashton- G w a t k i n verbracht. 12 Stunden später hätten die Tschechen mit Panzerwagen und Maschinengewehren gegen das Hotel Sturm gelaufen und hätten sogar ein Feldgeschütz eingesetzt. Er habe das Gebäude als letzter verlassen und zehn Minuten später lag es in Schutt und Asche. Es sei ihm aber gelungen, nach Asch zu entkommen. Mittlerweile sei aber ein Haftbefehl gegen ihn und die anderen Führer der Sudetendeutschen erlaßen worden. Bis gestern sei er zusammen mit Henlein in Asch geblieben. Würden ihn die Tschechen gefunden haben, würde er, ebenso wie alle anderen Führer der Sudetendeutschen, keine Rettung mehr gefunden haben. Gestern aber sei es ihnen gelungen, ungesehen über d i e Grenze nach Deutschland zu gelangen. Sie seien herübergekommen genau an derselben Stelle, über die während des Krieges der damalige Hochverräter Benesch floh, um dann jene Agitation unter den Alliierten zu entfachen, die schließlich zu der Bildung der tschecho-slowakischen Republik führte. Um den Unruhen ein Ende zu machen, könne nur eines getan werden, und das müsse auch sofort geschehen, nämlich die Zurückziehung der tschechischen Polizei und des tschechischen Militärs aus dem gesamten sudetendeutschen Lande.
Das Interesse der Blätter dreht sich um die Frage, was zwischen Hitler und Chamberlain besprochen worden ist. „Times" erklärt, aus dem Verhalten der deutschen Oeffentlichkejt gegenüber Chamberlain gehe offensichtlich hervor, daß man deutscherseits von Herzen der Friedensmission Chamberleins Erfolg wünsche. Die Furcht, daß Benesch und sein Kabinett versuchen könnten, eine sich anbahnende Einigung über den Haufen zu werfen und die Westmächte vor vollendete Tatsachen zu stellen, zieht sich durch alle Kommentare. Sie ist um so stärker, als alle Prager Berichterstatter melden, daß die tschechoslowakische Regierung sich eindeutig gegen jede Volksabstimmung und gegen jede Grenzregulierung ausgesprochen habe. Wenn der Grundton aller KoM' mentare daher im allgemeinen pessimistisch ist. so ist dies anscheinend vor allem auf eine ausgesprochene Angst vor übereilten Beschlüssen Präsident De- neschs zurückzuführen. Die „Times" erinnert Prag daran, daß die tschecho-slowakische Regierung von jeher hinter der Entwicklung hergehinkt sei und stets alle Gelegenheiten zur Befriedung des Landes verpaßt habe. Wenn die Prager Regierung vor zehn Iabren den Sudetendeutschen nur einen Teil der Zugeständnisse gemacht
Eger, 16. Sept. (DNB.) Nachdem in Mährisch-Schlesien und Ostböhmen schon am Donnerstag fast die gesamte deutsche Arbeiterschaft aus Protest gegen die tschechischen Unterdrückungsmaßnahmen und gegen die rigorosen Reservistenem- ziehungen in den General st veik getreten waren, ist nunmehr am Freitag auch in Eger und Nord- und Westböhmen der General- treik erklärt worden. In den meisten Betrieben wird nicht gearbeitet. Ebenso sind die meisten Ge- chäfte geschlossen, weil trotz aller Zusicherungen auch in der Nacht zum Freitag es wiederum zu wilden Panik schießereien des tschechi- ch e n Militärs gekommen ist, das offenbar auf diese Weise die Bevölkerung einschüchtern und mürbe machen will. Weiterhin wurden in der gesamten Stadt Leibesvisitationen, Haussuchungen und Verhaftungen vorgenommen, das Militär versieht mit aufgepflanzten Seitengewehr in der ganzen Stadt Streifendienst.
Die Polizei hat e i n en Aufruf an die Bevölkerung veröffentlicht, der in erstek Linie auf die nach Eger gekommenen Ausländer wirken oll, und der widerrechtlich mit der Unterschrift des deutschen Bürgermeisters versehen wurde. In dem Aufruf wird feftgefteüt, daß alles ruhig fei und die Bevölkerung in erster Linie die Geschäfte wieder öffnen solle, denn es bestehe kein Grund zu Be- ürchtungen. Es wirkt wie ein Hohn, daß dieser Aufruf in den menschenleeren Straßen
Prag, 16. SepL (DRV.) Amtlich wird verlautbart: „Auf Beschluß der tschecho-slowakischen Regierung wurde die Sudetendeutsche Partei aufgetö st. Gegen andere umstürzlerische Organisationen wurde bereits früher durch die zuständigen Behörden vorgegangen." Wie die klerikale „Lidove Listy" meldet, wurde in der Rächt zum Freitag vom RNnisterrat beschlossen, die Schuhorganisation der Sudetendeut- chen Partei, die die nach dem 21.2Hai vom Innenministerium bewilligt worden war, auf- ; ulösen. Die Staatsanwaltschaft in Eger hat einen Steckbrief gegen Konrad Henlein erlassen und diesen Steckbrief im Zirkularwege allen Kriminalzentralen der Welt zugeführt. Das Gerücht, daß Konrad Henlein und seine 2Uif- arbeiter auf Grund des gegen sie erlassenen Haftbefehls von den Tschechen fe st genommen worden seien, ist vollständig erfunden. Konrad Henlein ist nicht verhaftet.
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Eine Verordnung der Landesbehörde in Prag hat zum Ziel, die Sudetendeutschen völlig hilflos dem bewaffneten Mob zu überantworten. Die Verordnung verlangt unter Androhung drakonischer Strafen, daß alle Waffen oder waffenähnlichen Instrumente einer Exekutive ausgeliefert werden, die schon längst als Gefahr der öffentlichen Sicherheit anzusehen ist. Die Verordnung bestätigt überdies, daß tschechisches und kommunistisches Gesindel eben von jener Exekutive aufs fchwerste bewaffnet und mit Maschinengewehren ausgerüstet werden: denn diese Leute werden von der Waffenablieferung ausdrücklich befreit. Dagegen sollen in allen sudetendeutschen Bezirken selbst jene Sudetendeutschen gemaßregelt werden, die- sich im Besitz verrosteter Jagdflinten befinden. Aus den sudetendeutschen Straßen und Plätzen tobt unter § dem Schutz des Standrechtes ein sich in wilden Ausschreitungen gebärdender Pöbel. Die Sudetendeutschen aber sollen selbst in ihren Wohnungen ungeschützt sein, wenn bewaffnetes Gesindel und tschechische Soldateska Hausfriedensbrüche ohne Zahl und fchänd- l'*e fflreueltaten verüben.
DieAuflysunsverfassvnaswidrig
Die sudetendeutschen Abgeordneten bleiben in Prag.
Prag, 17. Sept. (DNB.) Die marxistische und tschechische Presse hat die unverschämte Verleumdung verbreitet, daß die in Prag verbliebenen sudetendeutschen Abgeordneten Kundt, Dr. Neuwirth und Dr. Beters geflohen feien. Dem Vertreter eines deutschen Blattes'erklärte Abg. Kundt am Freitagabend, ebenso wie die Abgeordneten Dr. Peters und Dr. Neuwirth, daß er unter gar keinen Umständen daran dächte, Prag zu verlassen. Die Auflösung der Sudetendeut- schen Partei habe keine gesetzliche Grundlage, da das Parieien-Auflösungsgesetz am 31. Dezember 1937 abgelaufen sei und seine Verlängerung im verfassungsrechtlichen Ausschuß des Parlaments verhindert worden fei. Abg. Kundt


