Nr. 218 Erstes Blatt
188. Jahrgang
Samstag, 17./§onntag,18. September M8
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Kommunistischer Pöbel gegen das Gudetendeuischtum bewaffnei.
Gchreckensherrschast der kommunistischen Soldateska. — Keffeltreiben auf sudetendeutsche Amtswalter. — Angehörige von Flüchtlingen als Geiseln verschleppt.
Weiters, 17. Sept. (DNB. Funkspruch.) Flüchtlinge, die bei KaLharinaberg und Deutsch-Neudorf über den Grenzbach sprangen, bestätigen die Mitteilungen von geflüchteten Militärpflich-- Ligen aus der Gegend um Görkau über eine planmäßige Militarisierung kommunistischer Terrorbanden. Bereits am Mittwoch, besonders aber am Donnerstag und Freitag, find nach den übereinstimmenden Berichten im sudetendeutschen Gebiet von Teplitz-Schönau bis über Görkau hinaus bis nach Graslitz in einzelnen Orten unerwartet große Militärmannschafts- kraftwagen oder Lastautos erschienen, die alle Kommunisten u nfo' Sozialdemokraten tschechischer Nationalität aufspüren und davonführen. Zuerst glaubten die Su° oetendeutschen, man wolle diese Tschechen nach dem Landesinnern bringen, aber schon nach zwei bis drei Stunden kehrten die Autokolonnen zurück, und zwar mit tschechischem Militär. Nach der ersten Bestürzung erkannte die su- detendeutsche Bevölkerung, daß den Autos die kurz vorher abgeholten Kommuni st en und solche aus tschechischen Orten entstiegen, die man vollständig militärisch eingekleidet und bewaff- n e t hatte.
Die ganze Perfidie dieser planmäßigen Bewaffnung des tschechischen Blob im sudetendeutschen Bordböhmen hat sich sehr rasch praktisch ausgewirkt. Die Kommunisten gingen sofort daran, „alte Rechnungen" aus dem politischen Kampf zu begleichen. Sie verhafteten der Reihe nach alle SDP.- Angehörigen, die ihnen besonders verhaßt sind und auf der berüchtigten „schwarzen Liste" stehen. Die Fesf- genommenen werden im Wachraum verhört und sämtlich unmenschlich geschlagen und mitFuhtritten traktiert. Danach wurden die Sudetendeutschen von diesem Pöbel in Uniform ins Landesinuere verschleppt oder den Standgerichten überliefert Diese neue planmäßig dnrch- geführle Maßnahme hat dazu geführt daß nach den ersten Verhaftungen auch die Flucht solcher Sudetendeutscher einsehte, die keine Einziehung zum Militär, wohl aber die Verfolgungen der Kommunisten aus rein politischen Gründen zu fürchten haben. Auch Angehörige von Flüchtlinge', die sich für die SDP. eingesetzt hatten, sind als Geiseln fest genommen und zum Teil schon landeinwärts abgeschoben worden.
Im übrigen spielt sich diese kommunistische Soldateska der Bevölkerung gegenüber als Machthaber in undenklicher Weise auf. Die Terroristen machen die Straßen ständig mit Schießereien unsicher, halten nach Gutdünken Haussuchungen ab und beschlagnahmen nach Herzenslust. Daß Frauen und Mädchen von den bewaffneten Horden in der gemeinsten Weise beschimpft werden- wird immer häufiger berichtet. In Braunau sind fünf Panzer- autos stationiert und die tschechische Schule mit 300 bis 400 Mann des tschechischen Artillerie-Regiments 301 belegt. Die tschechische Staatspolizei ver- „anftaltete in den letzten Nächten ein wahres Kesseltreiben auf die sich verborgen haltenden Amtswalter. Auf der Ringelkoppel sind drei schwere Geschütze mit der Mündung auf das deutsche Städtchen Wünschelburg eingebaut worden. Im benachbarten Wekelsdorf sind Flugabwehr und Panzerwagen stationiert worden. In Nachod liegen Minenwerferabteilungen. Die deutschen Staatsbeamten in Braunau arbeiten unter schwerer tschechischer Bewachung und werden in den Amtsstuben w i e Gefangene behandelt. Die Gendarmeriestation wurde, wie überall, durch Militär, eingekleidete tschechische Nationalgardisten, sowie bewaffnete Kommuni st en und Sozialdemokraten verstärkt.
Eine Schande Europas.
Immer breiter wird der Strom deutscher Flüchtlinge, der sich' aus dem tschechischen „Ordnungsstaat ins Reich hinein ergießt. Bei Nacht und Nebel muffen Männer, Frauen und Kinder flüchten. Glücklich die, die eine Möglichkeit haben, das sichere reichsdeutsche Gebiet zu erreichen, well ihre Wohngemeinden entweder hart an der Grenze liegen oder von ihr nicht weit entfernt find. Anders dagegen das Los der Deutschen in den entfernter liegenden Gebieten oder jenen Gemeinden, die von dem tschechischen Militär umzingelt oder in Heereslager verwandelt sind. Sie sind das Freiwild, auf das die tschechische Soldateska Tag und Nacht Jagd macht, um blutige Ernte zu halten. Wie lange sollen diese Zustande noch dauern, sollen aus den 15 000 Menschen 150 yOU werden, soll der Strom des Elends und Unglücks überhaupt nicht mehr abreißen? Nackt und bloß kommen diese Opfer des tschechischen Terrors zu uns, alles haben sie drüben lassen müssen, aber die meisten nicht nur ihr materielles Eigentum, nein, die einen Frau und Kinder, die anderen die Mutter oder den Vater, die dritten die Geschwister. So stehen sie nun diesseits der Grenzpfähle zwar im Schutze des Reiches, aber mit angstverzerrten Gesichtern blicken
sie in chre Heimat zurück, dort, wo ihre Angehörigen geblieben sind, die man nun foltert, quält und drangsaliert, die man grauenhaft behandelt und schließlich hinmordet. Ein Ungeheuerlicher Skandal ist dieser Tschechenterror, eine Schande Europas ist er, das bei passenden Gelegenheiten die Solidarität verherrlicht, in passenden Momenten aber von ihr
keinen Gebrauch zu machen wagt oder machen will. Das Blut, das drüben vergossen wird, die Not und das Elend der Flüchtlinge und der drüben gebliebenen Sudetendeutschen ist die Schuld Europas, dieses Kontinents, der es bitter nötig hat, endlich der Gerechtigkeit ^um Siege und damit einer gequälten Menschheit zum Frieden zu verhelfen. D. S.
Flucht vor dem tschechischen Terror.
Diele tausend Sudetendeutsche sind in den letzten Tagen vor dem tschechischen Terror über die Grenze ins Reich geflüchtet. Unser Bild zeigt ein Flüchtlingslager in Brunndöbra bei Klingenthal, wo die Flüchtlinge behelfsmäßig in einer Schule untergebrqcht wurden. — (Scherl-M.)
Bilder grenzenlosen Jammers.
Vertreter der Weltpresse besuchten sudetendeutsche Flüchtlingslager.
Vei den Opfern des tschechischen Terrors.
Bereits 23 000 Flüchtlinge die Neichsgrenze überschritten.
R e i ch e n b e r g t. 23., 16. Sept. (DNB.) 32 Auslandsjournalisten aus England, Frankreich, Italien, Schweden, besuchten sudetendeutscheFlücht- lingslager im Voigtland und erlebten aus eigener Anschauung das grsfizenlose Elend der Gestüchteten. In eingehenden Gesprächen ließen sie sich die erschütternden Erlebnisse der Flüchtlinge erzählen, die immer wieder darin ausklangen, daß die tschechischen Soldaten und Polizisten zusammen mit den seit langer Zeit systematisch bewaffneten Kommunisten eine wahre Schreckensherrschaft angezettelt haben. In Reichenbach und in Plauen, wo zur Zeit 350 Frauen und Kinder sowie 800 Männer Aufnahme fanden, stammen die Flüchtlinge vor allem aus der Gegend von Schwaderbach (Aschberg-Gebiet), Habersbirk im Bezirk Reichenau und auch aus der Gegend von Eger, wo der tschechische Blutterror so viele beklagenswerte Opfer deutscher Menschen verursachte. Von den ausländu schen Journalisten besonders beachtet waren die Schilderungen eines Ortsführers der SDP aus einem nahen Grenzort, wo der sattsam bekannte Gendarm B a r t o s ch eine furchtbare Gewaltherrschaft ausübte. Allein in diesem kleinen Ort wurden fünf SDP. - Männer erschossen und vier erheblich verletzt, von denen zwei einige Stunden später starben. Nach dem Bericht eines Einwohners aus Gossengrün hat dort ein Gendarm und seine Frau (!) vom Fenster der Polizeiwache aus, auf die auf der Straße versammelten Sudetendeutschen geschossen. Nachdem es gelungen war, die tschechische Gendarmerie in das Innere der Polizeiwache zurückzudrängen, damit sie kein weiteres Unheil anrichten könne, erschien auch hier Militär und Kommunisten auf Lastkraftwagen, ausgerüstet rtiit Handgranaten sowie Panzerwagen, die wildschießend durch die inzwischen leeren Straßen fuhren.
Am Freitagabend erreichte die Zahl der Flüchtlinge, die die Reichsgrenze überschritten haben, bereits 23 000. Die aus ihrer Heimat vertriebenen Sudetendeutschcn berichten von unglaublichen Bestialitäten der tschechischen Banden. Auf tschechischer
Seite ist man jetzt dazu übergegangen, sich an den zurückgebliebenen Angehörigen der sich dem tschechischen Militärdienst entzogenen Sudetendeutschen in gemeinster Weise zu rächen. Man hat sogar die Eltern junger geflüchteter Sudetendeutscher erschossen. Nach Mitteilung der Flüchtlinge, die Freitagabend an der Fürther Senke über die Grenze gekommen sind, haben im Laufe dieses Tages mehrere solcher Erschießungen stattgefunden. Viele Flüchtlinge, die einen verschüchterten und niedergeschlagenen Eindruck machen, sind daher banger Sorge und Ungewißheit über das Schicksal ihrer Angehörigen.
Opser des Standrechts.
Bier Sudetendeutsche als Deserteure erschossen.
Eger, 17. Sept. (DNB.) In Eger fand am Freitag eine Sitzung des Standgerichts unter Vorsitz des Tschechen Dusanik statt Als zweiter Vorsitzender fungierte ein Tscheche namens Dit- telbach, als Beisitzer u. a. der Gerichtsrat Zuber aus Eger. Den Verhafteten wurde nahegelegt, Aufrufe zu unterzeichnen, die angeblich zur Beruhigung der Bevölkerung im Grenzgebiet beitragen sollen. Dafür wurden ihnen Haftvergünstigungen, gegebenenfalls sogar Freilassung in Aussicht gestellt. Bei einbrechender Dämmerung wurde im Hof der Jnfanteriekaserne in Eger eine Reihe von Salven gehört. Soldaten slowakischer Nationalität teilten mit, daß vierSudetendeutsche als Deserteure erschossen worden seien, nachdem das Militärgericht sie zum Tode verurteilt habe. Die Leichen wurden noch nachts beigesetzt.
100000 Sudetendeutsche in Amerika an Konrad Henlein.
Neuyork, 16. Sept. (DNB.) Der Bund der Sudetendeutschen in Amerika hat an Konrad Henlein nachstehendes Telegramm gerichtet: „100 000 Sudetendeutsche in Amerika hof° f e n auf die Vereinigung ihrer alten Heimat mit dem deutschen Mutterland und erklären sich fänden Anschluß an Großdeutschland. Wir bekunden Ihnen als Leiter der Geschicke unserer alten Heimat das vollste Vertrauen."
Prager Vabanquespiel.
Noch keine Woche ist vergangen, daß der Führer in seiner großen Schlußrede auf dem Nürnberger Parteikongreß die Welt nicht darüber in Zweifel gelassen hat, daß er ein zweites Palästina im Herzen Mitteleuropas nicht dulden werde. Aber die Nachrichten, die nun. Tag für Tag aus dem Sudetenland zu uns dringen, berichten leider von viel grauenhafteren Zuständen, wie wir sie je aus Palästina vernommen haben. Das Sudetendeutschtum ist zum wehrlosen« Objekt einer zügellosen tschechischen Soldateska geworden, die in engstem Zusammenwirken mit dem kommunistischen Mob einen wahren Vernichtungsfeldzug gegen die um ihr Selbstbestimmungsrecht kämpfenden Angehörigen der sudetendeutschen Volksgruppe eröffnet hat und in ihrem sadistischen Blutrausch auch vor hilflosen Greisen, Frauen und Kindern nicht haltmacht. Die Verhängung des Standrechts in den meisten sudetendeutschen Bezirken, mit dem die Prager Regierung kurzsichtig genug die Freudenkundgebungen der sudetendeutschen Bevölkerung nach der Nürnberger Rede des Führers beantwortet hat, hat dem fanatischen Deutschenhaß der tschechischen Grenzler und ihrer kommunistischen Kumpanei die Zugel schießen lassen. Die Führung der Sudetendeutschen Partei hatte dies kommen sehen und deshalb von der Regierung die Aufhebung des Standrechts, Zurückziehung der Staatspolizei und Kasernierung des Militärs verlangt. Aber die für die Erfüllung der Forderung gesetzte Frist verstrich, ohne daß man sich in Prag zu Maßnahmen entschloß, die das Schlimmste hätten verhüten können. Man gab vielmehr Polizei und Militär die Straße frei. Daß damit für die Sudetendeutsche Partei jede Möglichkeit zur Fortsetzung der Verhandlungen beseitigt war, nahm man in Prag mit in Kauf. Man wollte nicht mehr verhandeln, die Waffen sollten sprechen.
Und sie haben gesprochen! Mit Panzerwagen und Tanks wurde in Eger die Hauptleitung der Sudetendeutschen Partei gestürmt, um dort eine „Haussuchung" vorzunehmen, ein Verfahren, das in zivilisierten Ländern bislang beispiellos gewesen ist. Aber alle Begleitumstände deuten darauf hin, daß auf diesen Ehrentitel die Tschecho-Slowakei keinen Anspruch mehr macht. Alles, was deutsch spricht, ist heute dort zum Freiwild für den tschechischen Pöbel geworden, der unter Führung der „Organe der Staatsgewalt" Jagd macht auf die Amtswalter der Sudetendeutschen Partei und die deutschen Militärpflichtigen, die man festsetzen möchte, um die Sudetendeutschen ihrer Führung zu berauben und ihre Widerstandskraft zu brechen und dann im Südeten- land um so hemmungsloser rauben und plündern zu können. Und die Prager Regierung läßt dies alles nicht nur zu, sie gibt durch den Haftbefehl gegen Konrad Henlein und feine Mitarbeiter in der Führung der Sudetendeutschen Partei dem staatlich organisierten und uniformierten Strauchrittertum geradezu das Stichwort für sein verbrecherisches Vorgehen. Tausende von sudetendeutschen Flüchtlingen, die, um ihren tschechischen Peinigern zu entgehen, unter unsäglichen Mühsalen die Reichsgrenze überschritten haben, wissen kaum Faßbares an satanischen Greueln zu berichten, denen die sudetendeutsche Bevölkerung wehrlos preisgegeben ist, seit im Zeichen des Standrechts brutale Willkür und fanatischer Haß die Straße beherrschen und schon ungezählte Todesopfer gefunden haben. Und das in einem Staatswesen, das sich bislang in verblendeter Selbstüberschätzung vor aller Welt als „demokratisches Musterländle" brüsten durfte.
Heute freilich wächst sogar in Paris und London von Stunde 311 Stunde die Erkenntnis, daß es damit nie weit her gewesen sein kann, und daß nach' den entsetzlichen Ereignissen der letzten Tage der Fortbestand dieses Staatswesens in seiner bisherigen Form eine Unmöglichkeit ist, da es in seiner wichtigsten Funktion, ein geordnetes und friedliches Zusammenleben aller seiner Bewohner auf dem Boden der Gleichberechtigung zu verbürgen, kläglich versagt hat. So hat Konrad Henleins Pro- klamation nur die Gedaüken klar und unzweideutig ausgesprochen, die heute überall in den europäischen Kabinetten sowohl wie in der öffentlichen Meinung der ganzen zivilisierten Welt sich zum Licht durchringen: das tschechische Volk hat nunmehr aller Welt vor Augen geführt, daß ein Zusammenleben mit ihm in einem Staate endgültig unmöglich geworden ist. Henlein weist auf den bitteren Leidensweg seiner sudetendeutschen Volksgenossen hin, die immer wieder unter schwersten Opfern alles versucht haben, um durch einen ehrlichen und gerechten Ausgleich im tschechischen Staat ihr Dasein zu sichern, aber alle diese Versuche sind an dem unversöhnlichen Vernichtungswillen der Tschechen gescheitert. Und so steht Konrad Henlein nicht an, heute feierlich vor aller Welt zu erklären: „Wir wollen als freie deutsche Menschen leben, wir wollen wieder Friede und Arbeit in unserer Heimat, wir wollen heim ins Reich!"
Diese erschütternden Worte des Sprechers der Sudetendeutschen stehen am Ende eines Leidensweges, an dessen Anfang in diesem Staat der Friedensmacher von Versailles die 52 Toten des 4. März 1919 in ihrem Blute lagen. Damals schon hatten die Deutschen in Böhmen, die im alten habsburgischen Kaiserstaat in einem durch die Jahrhunderte


