Werdendes Leben im Zeitraffer.
Das schlagende Herz im Eäugetierkeim. — Eine deutsche Iorschungsstette für wissenschaftliche Kinematographie.
Im Zoologischen Institut der Universität Frankfurt befindet sich drei Treppen hoch in wenigen Zimmern ein ganzes Filmlaboratorium. Es ist kein Filmatelier, in dem Liebesszenen gedreht werden, sondern ein Aufnahmeraum für die kleinsten Lebenseinheiten, die es im Organismus gibt, für die Zellen. Hier wird das Wunder des Lebens, das Geheimnis des Werdens und die Entwicklung der Zellteilung gefilmt.. Dozent Dr. Willi Kuhl hat in vieljähriger angestrengter Arbeit kinemato- graphische Apparaturen entwickelt und konstruiert, die es ihm ermöglichen, die Befruchtung einer Zelle des Säugers, ihre Teilung und ihr weiteres Wachstum bis zum achten Tage, also bis zum wirklich schon lebenden Wesen mit einem schlagenden Herzen zu filmen. Wenn man heute vor der verwirrenden Fülle der komplizierten Apparate steht, dann kann man ungefähr ermessen, welches Wissen Voraussetzung und welche unendliche Mühe erforderlich sind, bis ein solcher Film zustande gekommen ist.
Wenn wir vom wissenschaftlichen Film sprechen, müssen wir uns in die Erinnerung zurückrufen, daß der Film, das bewegliche Bild überhaupt aus der Wissenschaft stammt. Ein Physiker war es, der die Photographie erfunden hat. Für die Wissenschaft aber gewann die Photographie erst eigentliche Bedeutung, als die Momentphotographie entdeckt war. Damit war es möglich geworden, Vorgänge in der Natur mit Hilfe des laufenden Bildes photographisch festzuhalten. Für die Anwendung der Kinematographie in der Forschung war dann die Erfindung der verlangsamten und beschleunigten Aufnahme, des Zeitraffers und der Zeitlupe von entscheidender Bedeutung. In der biologischen Forschung spielen unmer'klich langsam fortschreitende Vorgänge eine ebenso große Rolle wie sehr schnelle, die dem Auge kaum mehr wahrnehmbar sind.
Oer wiffenschastliche Film als Entdecker
Der Schöpfer und Begründer der Frankfurter .Filmforschungsstelle Dr. Kuhl setzte sich als Aufgabe, die feineren Bewegungsvorgänge in der Zelle während der Entwicklung bei Wirbeltieren zu klären. Mit Hilfe des Mikro-Zeitraffer- Films war es möglich, Strukturen und Bewegungen zu sehen, die für das subjektiv beobachtende Auge unsichtbar blieben. Während die lebende Zelle für das menschliche Auge scheinbar in Ruhe ist, enthüllte der Zeitrafferfilm, daß das Protoplasma keine Ruhe kennt, und daß sich die Granula meist in sehr komplizierter Bewegung befinden. Hier wird der Zeitrafierfilm wichtigstes Mittel der Forschung. Es konnten beim Studium der Zellteilung, dieses wunderbarsten Vorganges in der Natur, den wir selbst am Körper ständig erleben, aber nicht wahrnehmen, wesentliche neue Erkenntnisse gewonnen werden. So wurden im Film zum erstenmal aus der Entwicklung des Säugetierkeimes gezeigt: die Ausstoßung des Richtungskörpers, das Wandern dieses Richtungskörpers auf der Eioberfläche, die Befruchtung im engeren Sinne, d. h. die Vereinigung des männlichen und weiblichen Dorkerns mit nachfolgender erster Teilung, das'Trophoblaststadium sowie das Auskriechen des Trophoblasten zwecks Einbettung in die Wand der Gebärmutter und schließlich der Keim mit schlagendem Herzen am siebenten Tag. Da zwischen den einzelnen Phasen der Zellteilung 10 bis 12 Stunden liegen, ist im Film natürlich eine sehr starke Raffung der Zeit notwendig. Zum Vergleich gelang es, zum erstenmal auch das menschliche Ei im Film zu zeigen. Dr. Kuhl begnügte sich nicht mit dem Film als Laufbild, er konstruierte einen Apparat, der es ihm ermöglichte, jedes einzelne Bild auszuwerten. Der dokumentarische Wert jedes einzelnen Teilbildchens, das ohne subjektive Beeinflussung von der Kamera ausgenommen wurde, weist den Weg zur wissenschaftlichen Teilbild-Analyse, wie Dr. Kuhl diese Art der Auswertung von Forschungsfilmen genannt hat. Die neue Apparatur für die Teilbild-Analyse
ermöglicht eine messende Untersuchung jedes einzelnen Teilbildes auf zeichnerischem wie auch auf photographischem Wege. Die Teilbilder können übereinander gebracht werden, so daß zum Beispiel eine Entfernungsmessung bei Mikro-Bewegungen möglich ist. Bei dieser Teilbild-Analyse kommen Ergebnisse zu Tage, die das Laufbild nicht erkennen läßt.
Kinematographie
als Universitäts-Studienfach.
Die Anerkennung der Pionierarbeit Dr. Kuhls seitens der Regierung blieb nicht aus. Zum erstenmal in der Welt wurde wissenschaftliche Kinematographie zu einem Universitäts-Studienfach erhoben und Dr. Kuhl erhielt den ersten Lehrauftrag. Er hat bereits eine ganze Reihe von Hörerinnen und Hörern gefunden, mit denen er gewissermaßen eine studentische „Filmarbeitsgemeinschaft" bildet. Die Filme, die aus dem Frankfurter Forschungslaboratorium hervorgegangen sind, werden wie wissenschaftliche Publikationen gewertet. Bisher wurden eine Reihe entwicklungsgeschichtlicher Bildfolgen hergestellt, die sich vor allem mit der Entwicklung des Säugetiereies beschäftigten. Ein Film hat, wie schon erwähnt, sogar das menschliche Ei im Bild festgehalten. Drei dieser Forschungsfilme wurden in etwas erweiterter Fassung als „Hochschulunterrichtsfilme" anerkannt. Das Frankfurter Filmforschungslaboratorium setzte sich auch im Rahmen des Vierjahresplanes ein und drehte in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung einen Kulturfilm über Schändlingsbekämpfung, in dem die wichtigsten tierischen Krankheitsüberträger und Schädlinge gezeigt werden.
Das Mäuse-Ei wird gefilmt.
Die weiße Maus, die so oft bei wissenschaftlichen Experimenten als Versuchstier dient, muß
auch hier als Filmstar mitwirken, vielmehr nicht die Maus, sondern nur ein einziges winzig kleines Exemplar ihrer Eier. Die Maus wird zunächst in Narkose versetzt und dann wird auf absolut sterilem Wege ein Ei operativ entfernt. Bei keiner Operation muß mit soviel Vorsichtsmaßregeln (Maske, Handschuhe usw.) gearbeitet werden, wie gerade hier, weil bei Der geringsten Infektion, das Ei nicht lebensfähig bleibt. Die größte Schwierigkeit besteht nun darin, das Ei außerhalb des Körpers lebensfähig zu erhalten. Das Züchtungsmittel, in das das Ei nach der Operation eingesetzt wird, ist natürlich schon vorbereitet. Meist wird ein Blutplasma dazu verwandt. Das winzig kleine Ei kommt nun mit dem Züchtungsmittel auf eine in der Mitte ein wenig ausgehöhlte Glasscheibe, die mit einem zweiten flachen Glasplättchen luftdicht abgeschlossen wird. Dieses Gläschen kommt unter das Mikroskop, und alles zusammen wandert, da ja die Körperwärme erhalten bzw. ersetzt werden muß, in einen Brutschrank, lieber dem Heizschrank ist der Filmapparat montiert, und nun beginnen die Aufnahmen. Zunächst zwei Aufnahmen pro Minute, mit fortschreitender Entwicklung des Eies mehr. Durch eine besondere Vorrichtung kann man die Entwicklung des Eies auch während der Filmaufnahme ständig beobachten. Und nun muß man es dem Glück und dem Zufall überlassen, daß die Eiteilung auch gelingt. Bis zu 48 Stunden wird ununterbrochen gedreht. Während dieser Zeit muß der wissenschaftliche „Kameramann" die Entwicklung des Eies ständig beobachten. Ist der Film gelungen, dann sind wieder neue Erkenntnisse über die ersten Lebensvorgänge gewonnen. So hat der Film der Wissenschaft eine Lebensbeobachtung in einem Stadium des Lebens verwirklicht, wo sie bisher nicht möglich war.
Der Film wird heute von der Wissenschaft, von der er ausgegangen ist, wieder zurückerobert. Er ist ein unschätzbares Lehrmittel der Biologie geworden. Denn jeder Forschungsfilm bietet die dokumentarische Festlegung eines einmaligen Vorganges, und man kann ohne Ueber- treibung sagen, daß der Mikro-Zeitraffer-Filrn immer etwas Neues zu Tage fördert.
Adolph Meuer.
Belastungsprobenach dem Brückenschlag
Bei einer Hebung deutscher Pioniere wurde die Geschwindigkeit geprüft, mit der schwere Militärfahrzeuge, wie Panzerkampfwagen und Zugmaschinen, über eine geschlagene Brücke fahren können. Unser Bild zeigt den Augenblick, in dem Panzerkampfwagen zunächst langsam anrollen, wobei festgestellt wird, wieviel Strich die Pontons der Fähre ins Wasser gedrückt werden. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
I
<" M
V?
W
Der Festungswerkmeifter.
Eine neue Laufbahn im Heer.
DNB. Das Heer richtet eine neue Laufbahn ein, die für viele von Interesse sein dürfte. Es handelt sich um Personal, welches zur Betreuung von Festungswerken benötigt wird. Die Laufbahn des Festungswerk-Personals ist eine Unteroffizier-Laufbahn. Dieses ergänzt sich aus aktiven ober ehemaligen Soldaten der Wehrmacht (Heer, Marine oder Luftwaffe), die mindestens eine zweijährige Dienstzeit haben und Unterführer-Anwärter oder Unteroffizier find. Die Bewerber werden nach endgültiger Uebernahme in diese Laufbahn innerhalb einer zwölfjährigen Dienstzeit bis zum Festungswerk-Oberfeldwebel und nach vollendeter zwölfjähriger Dienstzeit zum Festungswerkmeister befördert. Die Dienstzeit der Festungswerkmeister darf bis zum vollendeten 30. Dienstjahr verlängert werden. Daran anschließend gilt ihre Dienstzeit um ein weiteres Jahr verlängert, wenn nicht spätestens drei Monate vor Ablauf der Weilerverpflichtung die Absicht der Entlassung bekanntgegeben oder die Entlassung selbst beantragt wird.
Die Festungswerkmeister beziehen Besoldung nach Besoldungsordnung C, Besoldungsgruppe 11, Stufe 1 bis 5. Sie können nach zehnjähriger Dienstzeit als Festungswerkmeister zum Festungsoberwerkmeister befördert werden, wenn hervorragende Dienstleistungen diese Beförderungen rechtfertigen, und erhalten als solche die Besoldung nach Besoldungsordnung C, Besoldungsgruppe 11, Stufe h bis 7. Die Dienstzeit der Festungsoberwerkmeister kann ebenfalls bis zum 30. Dienftjahr unter den gleichen Bedingungen wie die der Festungswerk- meister verlängert werden. Das Festungspersvnal wohnt in heereseigenen Wohnungen.
Als Bewerber kommen in Frage: Heerestaugliche, die eine mindestens einjährige, möglichst zweijährige, Gesellentätigkeit als Maschinenbauer ober -schlosser im Kraftmaschinenbau, in ber Kraftfahr- zeuginstanbsetzung ober im Elektro-Maschinenbau ober als Elektro-Installateur ober als Elektromechaniker nachweisen können. Die Ausbilbung erfolgt kostenlos bei einer Heeresfachfchule in einem achi- zehnmonatigem Lehrgang, der durch eine Prüfung abgeschlossen wirb. Vom Bestehen der Prüfung hängt die Uebernahme in die Laufbahn ab.
Nähere Auskünfte erteilen die Wehrbezirkskommandos, Wehrmeldeämter und die Fürforgeoffiziere. Meldungen können sofort erfolgen.
Rundfunkprogramm
Donnerstag, 18. August.
5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Nachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk. Volksliedsingen. 11.45: Volk und Wirtschaft. Keine Arbeit unter Tariflohn. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Musikalische Kurzweil. 15: Für unsere Kinder. „Dornröschen war ein schönes Kind .. 16: Nachmittagskonzert. — Dos Mikrofon unterwegs —. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19: Allerlei vom Sport der Woche. 19.10: „Seemannsgarm" Heiteres von Max Leitz. 20: Nachrichten. 20.15: Unser singendes, klingendes Frankfurt. 22: Nachrichten. 22.20: Unsere Kolonien. 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24: Nachtkonzert I. 2 bis 3: Nachtkonzert II.
Freilag, 19. August.
5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30 Bäderkonzert. 9.40: Mutter turnt und spielt mit dem Kind: Großreinemachen im Puppen- haus. 10: Schulfunk: Meer gib Land! 10.30: Im Aufwind. Bericht von der Reichsmodellbauschule für Segelflugzeuge in Lauenburg an der Elbe. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: O, holde Frau Mufika. 15: Kleines Konzert. 16: Nachmittagskonzert. Das Mikrophon unterwegs. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19: „Schwarze Katze übern Weg". Eine Sendung vom Aberglauben. 20: Nachrichten. 20.15: Die blauen Dragoner, sie reiten. 21.15: Kammermusik. 22: Nachrichten. 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24: Nachtkonzert I. 2 bis 3: Nachtkonzert II.
Spanische Kinder.
Von Anni Oiedrich.
Die Rasseneigenheit des spanischen Volkes ergibt sich aus der vielseitigen Erbanlage seines romanischen, arabischen und germanischen Blutes. Welcher Unterschied zwischen einem spanischen und einem deutschen Kindl Wir sehen diese Verschiedenheit deutlich, wenn wir z. B. die Kindergestalten unseres deutschen Meisters Schiestl mit denen Murillos vergleichen.
Das zarte Gemüt, die feine Seele, das weiche Herz sind Eigenheiten deutscher Kinder. Das spanische Kind ist wie wildes Zigeunerblut, ungezügelt, ganz naturhaft in seinen starken Trieben. Wo das deutsche Kind in scheuer Verschlossenheit kaum seine Anhänglichkeit zeigt, verschwendet das spanische stürmische Liebe, und ist doch gleichzeitig zum gröbsten Ungehorsam fähig. Flammend lodern aus den großen schwarzen Kinderaugen Haß und Liebe. Das dunkle Krausköpfchen fetzt seinen Willen durch, sei es durch Schmeicheln und Bitten, sei es durch die ihm natürliche zornige Auflehnung, durch Schreien und Toben, Kratzen, und Treten. Die durchschnittliche spanische Erziehung verstärkt noch, was an Fehlern im Erbgut vorhanden ist. Wie wenig weiß und lernt das spanische Kind von Gehorsam und Unterordnung! Auf Schokolade und Versprechungen beruht die Erziehungskunst der spanischen Mutter. Das Kind lebt feine Kindheit, feine Jugend, sein ganzes Leben como le da la gana, wie es ihm Luft und Laune eingeben Caprichoso (launenhaft) ist eines der meistgebrauch- ten spanischen Worte. Nicht Gesetz und Wille, sondern Lust und Laune bestimmen das Leben. Das Handeln des spanischen Kindes ist ausschließlich von den Gefühlen des Augenblicks beherrscht. Seine Begeisterungsfähigkeit steigert sich unerhört, schlägt aber oft ebenso schnell ins Gegenteil um. Weiß die Lehrerin das Begeifterungsvermögen des Kindes zu entfachen, so kann sie dem Zögling bei feiner meist großen Intelligenz das Doppelte des Lehrstoffs vermitteln, den ein gleichaltriges deutsches Kind in derselben Zeit meistert. Doch der Unterricht muß bildhaft und stark wechselnd fein; manchmal ermüdet bei einem Stoff das Kind schon nach wenigen Minuten. Mir war es möglich, spanischen Kindern von acht und neun Jahren in anderthalb Jahren die deutsche Sprache zu lehren, so daß sie etwa 3000 Wörter fließend beherrschten Sie schrieben in deutscher und lateinischer Schrift deutsche Märchen und Nacherzählungen von drei und vier Heftseiten mit nur acht bis neun Fehlern! Das spanische Kind erfaßt mit seinem
ausgesprochenen Sprachtalent spielend die Fremdsprachen, sowie es beginnt, in dieser Sprache zu denken. Ich beobachtete, daß die Kinder, wenn wir uns im Zahlenkreis von 1 bis 1000 in den vier Rechnungsarten bewegten, in deutschen Zahlen dachten und rechneten.
Und nun das Spiel der kleinen Spanier! Viel Lärm, viel Krach, viel Laufen und Raufen — da kommen selbst unsre schlimmsten Wildfänge und Raufbolde nicht mit! Viele Kinderspiele sind den unsrigen gleich, sie genießen internationales Recht: Puppen und Puppenhaus, Springseil, Marmeln, Karten- und Würfelspiele. Die Jungen spielen mit Gewehr und Wurfschleuder.
In Spanien gibt es keine Schulpflicht. Unter der südlichen Landbevölkerung finden wir noch heute bei der Jugend 30 bis 40 v. H. Analphabeten. Der größte Ehrgeiz der Mädchen ist es, schöne Handarbeiten anzufertigen, darin bringen sie es zu wirklichen Kunstwerken. Schon im Alter von zehn und zwölf Jahren beginnen sie für die Brautaussteuer zu schaffen, die dann acht Tage vor der Hochzeit den kritischen Blicken der Freunde und Bekannten des Hauses bargeboten wird.
Spanierkinder sind wild und triebhaft, aber auch stolz und edel! Sie sind wie Steppenfohlen, denen noch der erste,Zügel angelegt werden muß; wie wuchernde junge Pflanzen aus üppigem Urwald, die einer starken unb liebenden Hand bedürfen, um sie zu schneiden und zu binden. Dann können sie Kämpfer, Charaktere und Helden werden, diese Kinder mit ihren starken Anlagen und ihrem heißen Blut.
Idyllische Zustande.
Aus den Kinderjahren des Sports.
Angesichts der heutigen Entwicklung unseres Sportlebens kann man es sich kaum vorftellen, daß es nur wenig über 40 Jahre her ist, feit zwei ganz neue Sportzweige, Leichtathletik und Fußballspiel, bei uns langsam Fuß zu fassen begannen. Wie es dabei zuging, zeigten einige Zeugnisse von damals, die Max O st r o p in „Westermanns Monatsheften" zufammenstellt. Wir geben einige dieser Berichte wieder.
Johannes Runge, einer unserer ersten Mittelstreckenläufer von Bedeutung und Olympiakämpfer von 1904, wollte in feiner Heimatstadt Braunschweig im Jahre 1896 für einen 1500-Meter-Lauf trainieren. „Interessant war mein Training zu diesem Laus", erzählte er. „Mit meinem Bruder
maß ich mir mit dem Schneiderbandmaß einen Bindfaden von 25 Meter Länge ab, zog in unseren Bürgerpark und steckte mir dort eine Strecke von 1500 Meter ab, eine nette Arbeit. Abends wurde trainiert, d h. eine abgeschnittene alte Hose, ein Hemd und lange Strümpfe wurden untergezogen, in einem Gebüsch wurden die Kleider abgelegt, und dann ging’s los. Erster Versuch: 5 Minuten 26 Sekunden und vierzehn Tage Muskelkater. Beim zweiten Training wurde ich vom Parkwächter geschnappt und mußte wegen Erregung öffentlichen Aerger- nisses — man denke, in kurzer Hose und Hemd abends im Park! — drei Mark Strafe zahlen. Sportlicher Erfolg: 4 Minuten 58 Sekunden.
*
Das Fußballspiel eroberte sich die Jugend ziemlich schnell. Aber es gab einen lebhaften Widerstand der Lehrerschaft gegen dieses Spiel, das mit den Belangen der Schule für unvereinbar gehalten wurde. Noch im „Handbuch der Ballspiele" des Altonaer Schulywnns Dr. H. Schnell von 1900 wird verlangt, daß eine Spielvereinigung an einer Schule sich nicht einseitig der Pflege etwa des Fußballspiels zur Aufgabe stellen dürfe, denn das führe stets zum Sport, der nicht in die Schule gehöre. Bei den Wettspielen der einzelnen Vereine ging es recht gemütlich zu. Als 1893 der Berliner C. Nordstern von dem Berliner FC. Vineta zu einem Spiel in Moabit herausgefordert wurde, war Vineta zur bestimmten Zeit nicht auf dem Platz zu sehen. „Einige Herren sagten, sie wären nach Grünewald", heißt es in dem Bericht. „Ob nun die Herren gedacht haben, wir kommen gar nicht? Es ist doch recht häßlich von dem betreffenden Klub, daß er uns von seiner Grune- wald-Partie nichts hat zu wissen gegeben." Trotzdem war Nordstern nachsichtig und forderte Vineta zu einem neuen Spiel heraus. Der Weißenseer FC. Alexandria dagegen schrieb bei gleicher Veranlassung energisch: „Sollte genannter Klub nicht erscheinen, so erklären wir denselben hiermit für besiegt." Und als der FC. Isabella schon nach 25 Minuten vier Tore im Kasten hatte, wurde es ihm zu bunt, und der Spielführer brach einfach das Spiel ab, — „um weitere Goals zu vermeiden".
*
Etwas älter war bei uns der Schwimmsport. Mit welchen Vorstellungen er anfing, zeigt eine Stelle aus dem „Handbuch für Schwimmlehrer" von einem Hauptmann Hoderlein, das 1852 erschien und folgendes mitteilt: „Um der Jugend vorzüglich ein richtiges Bild des Frofchfchwimmens zu geben, fange der Lehrer ein solches Tier, blase es mittels eines Röhrchens oder Federkiels auf, jedoch nicht zum
Zerplatzen, fetze es dann in eine große mit Wasser gefüllte Mulde, so wird dasselbe, da es wegen der Luft nicht untergehen kann, den Schülern viel Belehrung gewähren."
Als um die Jahrhundertwende das Tennis- spielin weiteren Kreisen eingeführt wurde, machte die passende Spielkleidung besonderes Kopfzerbrechen. In einem Lehrbuch von 1900 wird den Herren gnä- bigft gestattet, das behindernde Jackett, so es die Witterung erlaube, abzulegen, unb wer imstanbe wäre, sich ohne Hosenträger nur mit Gurt zu helfen, bem gestatteten es ästhetische Rücksichten, auch ben Binber unb ben Kragen abzulegen. Daß bie Damen häufig im Korsett spielten, zeigt folgenbe Warnung: „Ein Korsett sollte beim Spielen am besten überhaupt nicht getragen werben, zu starkes Schnüren kann ge- rabezu ben Tob herbeiführen. Das Kleib sollte mit seinem Saume nicht unter bas Fußgelenk hinabreichen, um ein Laufen, nicht bloß ein Tippeln zu ermöglichen. Ein Hut kann auch getragen werben, bei zu breitem Raube ist er jeboch leicht beim Schlagen im Wege, auch hat bie Besitzerin bann zuviel bamit zu tun, ihn beim Laufen ober bei roinbigem Wetter festzuhalten." Offiziere spielten noch in ben neunziger Jahren in voller Uniform, nur bie Waf^ burfte abgelegt werben.
Oer Film als Sprachlehrer.
Wie ber Tonfilm in größerem Umfange für ben Unterricht in ben Sprachen verwenbet werben kann, würbe auf einer Tagung in Conbon von Dr. Harolb E. Palmer gezeigt. Der Sprachlehrer, so führte er aus, muß sich viel mit Dingen abmühen, bie ber Tonfilm ebenso gut für ihn leisten könnte. An bem Film könnten geübte Phonetiker die Schwierigkeiten, die der Lernende bei einer neuen Sprache zu überwinden hat, genau demonstrieren. Mit einem Bruchteil der Kosten, die die Micky-Maus-Filme verursachen, konnte eine Serie von Filmen hergestellt werden, auf denen die Stellung und die Bewegung der Sprachorgane genau gezeigt wird. Es wurde sehr lehrreich sein, wenn man einige Sekunden lang die Formung des Luftstroms durch Mund und Nase, während die Worte einer fremden Sprache gesprochen werden, vorführen würde. Die Sachverständigen der Phonetik in de^r ganzen Welt setzen eine Lebensarbeit daran, Apparate zu konstruieren, zu messen und aufzuzeichnen, und sie schreiben Bücher, bie immer abstrakt bleiben müssen, währenb sie bieselbe Leistung in kurzer Zeit in ber Zusammenarbeit mit Schauspielern unb Kameraleuten besser ausführen Eönnteneti


