50 Kilometer Breite wälzt sich die Flut, die die chinesische und japanische Front voneinander trennt, in südöstlicher Richtung dahin auf die Grenze von Anhwei zu. Da die Ueberschwemmung die Operationen lahmgelegt hat, ziehen die Truppen beider
Parteien in südlicher Richtung ab, nach dem Kriegs - gebiet am Südufer des Yangtfe. Hier bauen die Japaner die nach der Landung bei Anking eroberten Stellungen aus, um dann von hier aus die Offensive auf Hankau zu eröffnen.
Die Vernichtung der 43. sowjetspanischen Division.
Das französische Grenzgebiet als rote Etappe.
Salamanca, 17. Juni. (Europapreß.) In dem Heeresbericht des nationalspanischen Hauptquartiers vom Freitag heißt es: Die Kampfhandlungen gegen die Streitkräfte der 4 3. sowjetspanischen Division in den Hoch
tälern des Cinca- und Cinqueta-Flusses sind am Donnerstag mit einem großen Sieg abgeschlossen worden. Die nationalen Truppen haben die Täler von Bielsg, Parzan, Javierre und Las Borbas erobert. Die nationalspanische Flagge wird am Freitag an der Grenze gehißt werden. Der Feind, der durch das schwierige Gelände begünstigt war
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und sich aus eine große Zahl automatischer Waffen stützen konnte, wurde durch die nationalen Truppen geschlagen und in seinem Rückzug bedroht. Daraufhin ist er über die Grenze geflohen und hat eine große Anzahl von Munition, Gewehren und Kriegsmaterial aller Art im Stich gelassen. Die roten Milizen haben alle Dörfer am Cinca- Fluß zerstört und in Brand ge- st e ck t.
Bisher sind 4000 sowjetspanische Milizen a u f französischem Gebiet eingetroffen. Rach französischen Schätzungen soll es sich um insgesamt 10 000 Milizen handeln. Rach der bisherigen Uebung werden die übergetretenen Milizen befragt, ob sie sich nach dem nationalen oder nach dem roten Spanien begeben wollen. Der Pariser „Jour" veröffentlicht einen Bericht des rechtsstehenden Abgeordneten Tixier-Dignancour, der auf Grund einwandfreier Beobachtungen von Franzosen feststellt, daß schon vor der Flucht der sowjetspanischen 43. Division zahlreiche französische Dörfer in diesem Grenzgebiet von sowjetspanischen Milizen besetzt worden waren, die dort den Rückzug und den Ueber- tritt auf französisches Gebiet vorbereiteten. In der kleinen französischen Ortschaft Le Plan seien 150 Milizsoldaten untergebracht gewesen, in Fabian ebenfalls. Von diesen französischen Ortschaften aus sei die 43. Division während der letzten Kämpfe ständig mit'Lebensmitteln und Kriegs- material unterstützt worden. '300 Spanier hätten an der Ausbesserung und Verbreiterung der französischen Landstraßen gearbeitet, die nach Spanien führten, um die Materialtransporte unter besseren Bedingungen durchführen zu können. In Fabian seien die Anarchisten aus Barcelona die Herren.
Besuch im rheinisch-westfälischen Kohlenpott.
Forschung, Wirtschaft und Technik im Ruhrrevier.
Don unserem W. G.-Sonderberichterflaiier.
Milliarde Mark) wurden an der Börse mit einem Aufgeld von zwei Schilling und sechs Pence gehandelt. Die englischen Blätter sprechen von einem Erfolg der Anleihe, im Gegensatz zu dem ungünstigen Ergebnis des im April vorigen Jahres aufgelegten 1. Abschnittes von 100 Millionen Pfund, von dem zwei Drittel durch Banken und öffentliche Anstalten übernommen werden mußten.
Englands
„Angst vor der Zukunst".
Wirtschaftsminister Stanley über die Hemmnisse des internationalen Handels.
London, 16. Juni. (Europapreß.) Bei Eröffnung des 14. Wollkongresses bezeichnete der englische Wirtschaftsminister Oliver Stanley die Angst vorder Zukunft als das größte Hindernis für die Besserung des internationalen Güteraustausches. Zölle, Kontingentierungen und Devisenbeschränkungen wirkten sich gewiß auch hemmend aus, aber die in den Herzen der Menschen lebende Furcht sei für die Entwicklung von sehr viel größerer Bedeutung. „Die auf uns lastenden Wolken von Zweifeln und Befürchtungen", sagte der Minister, „ersticken die Initiative, erwürgen die Lebensfreude und zerstören den Wagemut und das Gefühl der Sicherheit, die eine unentbehrliche Voraussetzung für die Entwicklung des internationalen Handels darstellen. Es ist die Politik der englischen Regierung, trotz aller Schwierigkeiten und Mißerfolge alles, was in ihrer Macht steht, zu tun, um die Furcht auszurotten, die heute - unseren Unternehmungsgeist hemmt, unser Leben zerstört und schließlich aus der Zivilisation ein Zerrbild machen wird."
Englands Luftwaffe gegen Eingeborene.
Oppositionelle Kritik.
Landon, 16. Juni. (Europapreß.) Die Bereitschaft der englischen Regierung zur Mitarbeit an einem internationalen Abkommen für die Humanisierung des Krieges wurde uon Ministerpräsident Chamberlain vor dem Unterhause unterstrichen. Dabei erklärte Chamberlain auch, England wäre bereit, auf den Einsatz der Luftwaffe in Nordwestindien zu verzichten, wenn dies dem Zustandekommen eines solchen Abkommens förderlich sein würde. Der Ministerpräsident lehnte es jedoch ab, schon jetzt diesen Verzicht auszusprechen, nur um — wie ein Abgeordneter der Linken sagte —, „den übrigen Nationen mit gutem Beispiel voranzugehen." Chamberlain betonte, englische Flugzeuge würden in Nordwestindien einen Platz nur dann mit Bomben belegen, wenn vorher den Stämmen 24 Stunden Zeit gegeben worden sei, das Gebiet zu räumen.
Der „Daily Herold" erklärt, die von Chamberlain vorgebrachten Entschuldigungen seien nicht ausreichend. Die Kernfrage sei, daß England selbst seine Luftwaffe gegen Zivilbevölkerung einsetze. Dieses Verbrechen sei dasselbe, was England den Japanern in China, sowie den Nationaltruppen in Spanien vorwerfe. England zerstöre selber Häuser von Eingeborenen nicht allein an der Nordwestgrenze Indiens, sondern a u ch i n Süd-Arabien, wo die englischen Flugzeuge Bomben auf Eingeborene abwürfen, die die englische Herrschaft über ein Gebiet nicht anerkennen wollten, das die britische Regierung kürzlich ganz im Stillen sich einverleibt habe. Was würde Chamberlain dazu sagen, wenn man Downingstreet 10 zerstören würde? Es gäbe vom menschlichen Standpunkt aus gesehen, keinen Unterschied zwischen einem Araber, einem Inder und einem Mann aus der Downingstreet. — „News Chronicle" erklärt, Chamberlain bringe Englands Abscheu über die Bombenabwürfe in China und Spanien zum Ausdruck. Man zeige aber mit den Fingern a u f die indische Nordwest grenze und spreche von einer bezeichnenden englischen Heuchelei.
„Freiwilliger Frauendienst" als Hilfsorganisation für den Lustschuh in England.
London, 16. Juni. (DNB.) Innenminister Sir Samuel Hoare gab die Bildung einer großen Frauenorganisation im Dienste des Luftschutzes bekannt. Der Verband werde den Namen „Freiwilliger Frauendienst" führen. Vorsitzende werde die Marchioneß of Reading sein. In jeder Grafschaft und in jeder Stadt mit einer Bevölkerung von mehr als 50 000 Einwohnern sollen Zentralen geschaffen werden. Als Vertreterin Schottlands sei Lady Ruth Balfour ausersehen. Die Frauenorganisation werde Freiwillige werben für alle Arten von Luftschutzarbeiten, einschl. der Pflege von Verwundeten, der Evakuierung der Bevölkerung und des Sicherheitsdienstes in den Häusern. Aufgenommen werden Frauen im Alter von 17 bis 65 Jahren. Der Innenminister begründet die Aufstellung des neuen Verbandes mit dem Hinweis, bei der modernen Technik des Luftkrieges bestünde die ernste Gefahr eines Luftangriffes auf die Zivilbevölkerung. Man müsse alles tun, um Folgen solcher Angriffe zu verringern. Er hoffe, der Zustrom zu dem neuen Hilfsdienst werde der Welt die englische Bereitschaft zeigen, unter allen Umständen den Schutz des Landes und seiner Bevölkerung in eigene Hände zu nehmen.
Oie Lleberschwemmuugs- kaiastrophe in Ehina.
Anhaltender Regen verstärkt die Fluten.
S ch a n g h a i, 16. Juni. (DNB.) In den nächsten 48 Stunden muß es sich entscheiden, ob sich das Hochwasser des Gelben Flusses durch die große Seenkette mit dem Pangtsehochwasssser vereinigt. Alle verfügbaren japanischen Flugzeuge wurden zum Transport von Sandsäcken eingesetzt, die zu Tausenden gebündelt mit Fallschirmen den Deich- arbeitem zugeworfen werden. Die Verteidigung gegen die unablässig vordringenden Fluten des Gelben Flusses ist infolge der dauernden Regengüsse äußerst schwierig. Bisher haben . die Wassermassen 2000 Dörfer vernichtet. In etwa
Ungeheure Kohlenschätze ruhen im rheinisch-westfälischen Ruhrrevier. Seit Generationen bohrt der Mensch an den mächtigen Flözen. Nicht ohne „Erfolg". So manches Vorkommen ist. erschöpft, mindestens lohnte es sich in früheren Jahren nicht mehr, die noch vorhandenen Schätze zu heben. Man wandte sich anderen Kohlenfeldern zu, um sie abzubauen. Im Lause der Jahrzehnte hat sich aber der Begriff „Kohle" mehr und mehr gewandelt. Nicht mit Unrecht spricht man von „schwarzen Diamanten". Schon fängt man an, andere Energiespender in größerem Ausmaße zur Ent- lastung der Kohle einzuschallen, um diesen einzigartigen und noch längst nicht bis zur letzten Veredelungsmöglichkeit durchforschten Rohstoff einer anderen, besseren Verwertung als bpr Ofenfeuerung zuzuführen.
Schwarze Diamanten zerfließen zu Benzin.
So haben unsere Forscher in langjähriger, aufreibender, aber dafür um fo erfolgreicherer Arbeit Verfahren gefunden, die uns in die Lage versetzen, die Kohle zu verflüssigen und aus ihr den ür unser Wirtschaftsleben so unentbehrlichen Treibstoff zu gewinnen. Aus den Kohlenfeldern an der Ruhr gibt es bereits eine ganze Reihe von Anlagen, in die auf der einen Seite die schwarzen Diamanten hineingeschüttet werden, während an anderer Stelle das klare Benzin in die Tanks hineinflieht. Diese Großbetriebe, teils mitten im Produktionsprozeß, teils binnen kurzem fertig, find in der Tat etwas Einzigartiges. Ueberrascht steht der Laie inmitten einer dieser Anlagen, des großen Holtener Werkes der Ruhrchemie, weil er glaubte, einen äußerst komplizierten Apparat vorzufinden. Statt dessen sieht alles denkbar einfach aus. Verhältnismäßig einfach ist auch die Treibstoff- geroinnung an dieser Stätte, da hier nach dem Fischer - Tropsch- Verfahren gearbeitet wird. Ein anderes Verfahren wird von der JG.- Farbenindusttie angewandt, dessen Prozeß länger bauert. Beide Verfahren sind unabhängig voneinander entwickelt worden, ein Beweis dafür, daß wir nur Großes zu leisten vermögen, wenn die Forscherpersönlichkeit sich frei entfalten kann und aus dem natürlichen Wettbewerb heraus fruchtbare Kräfte entwickelt werden. Der edle Wettbewerb zwischen Ruhrchemie und JG.-Farben hat es auch zuwege gebracht, daß wir nicht nur in Zukunft um unsere Treibstoffversorgung unbesorgt zu sein brauchen, sondern bei der Fortsetzung der emgeschlagene^ Wege zu immer neuen Erfolgen gelangen werden. Das Fischer-Tropsch-Verfahren setzt beim Koks em, während die IG. von der Kohle ausgeht. So sieht man auch in Holten die mächtigen Einrichtungen, die aus dem Koks ein Synthesegas schaffen, das bann wieder gereinigt wird, bis sich schließlich unter Anwendung geringer Temperaturen dieses Gas jn Benzin und Dieselöl verwandelt, wobei noch Flüssiggas und Paraffin, abfällt, aus dem Fettsäure gewonnen wird. Fettsäure ist wieder die Basis für Jndustriefette, aus denen Kerzen und namentlich Seifen hergestellt werden. Menschlicher Geist und rastlose Kohlenerforschung haben es also zuwege gebracht, daß wir heute über Treibstoffe verfügen, die, um beim Fischer-Tropsch-Verfahren zu bleiben, das Edelste auf diesem Gebiete sind.
Die größten Koksöfen der Welt.
Eine der modernsten Kokereien des Ruhrreviers ist die vor den Toren Essens liegende Zenttalkokerei „Nordstern". Wie es sich immer lohnt, die Nase in das Revier hineinzustecken, so kann man es nur dankbar empfinden, auch einmal Gelegenheit gehabt zu haben, diese neuzeitliche Kokerei in Augenschein zu nehmen. 1928 wurde sie errichtet, jedoch mit erheblichen Erweiterungsmöglichkeiten. Fünf Zechen der Umgebung sind es, die hier ihre Kokskohle ab- laden. Ofen steht an Ofen, aber, wie einem stolz erklärt wird, es sind die höchsten Oefen der Welt. Das Füllen und Leeren kann indessen nicht mehr ausschließlich durch Menschenhand voll- zogen werden, wenn auch überall rußige Gestatten ihre nicht leichte Arbeit verrichten. Man verfolgt bas Auffüllen ber Oefen, bei dem es nicht ohne Qualm unb Rauch ab geht, so baß man schleunigst flüchtet und sich hinter verschlossenen Türen in Sicherheit zu bringen sucht. Aber schon auf der Kokerei gerät man auf die Spuren des Chemikers. Denn der glühenden Kahle entweichen echebliche Gasmengen, die den Ferngasleitungen zugeführt werden, so daß eines Tages das an der Ruhr erzeugte Gas mehrere hundert Kilometer weit aus irgendeinem Gaskocher wieder herauskommt und zur Berettung des Mittagessens dient. Dieses Gas ist bereits von einer ganzen Reihe sogenannter Nebenprodukte gereinigt, die aber durchaus nicht wertlos sind. Man sieht zwar nicht, wie sich die Reinigung in den verschiedenen riesigen Behältern mit ihren gewaltigen Rohrleitungen vollzieht, aber die aus dem Gas herausgeholten Produkte, wie Teer, Benzol, Schwefelwasserstoff und AmmoUiak, treten einem vor Augen.
Iyklopenkrüste auf Schienen.
Besonders interessant ist die Umwandlung des Ammoniak in ein hochwertiges Düngesalz, das sich zu Riesenbergen türmt, in die ein kräftiger Bagger unausgesetzt hineingreift, um die Mengen herauszuholen, die für den Versand fertiggemacht werden sollen. Hier haben wir die Kohle als Ausgangsstoff für <in Mittel zur Förderung des Pflanzenwuchses, ein Mittel also, das unserer Nahrungsfreiheit dient. So eine Kokerei soll aber erst in zweiter Linie Nebenprodukte schaffen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Koks für Oie Hochöfen unb für andere VerbrennunHszwecke zu erzeugen. Wenden wir uns also wieder den hochragenden Koksöfen zu, die in langer Reihe Wand an Wand stehen. Zweiunbzwanzig Stunden arbeitet jeweils ein Ofen. Dann kommt eine Maschine mit Zyklopenkräften auf Schienen herangerollt, drückt mächtige Eisenarme in die Oefen hinein und preßt die glühende Koksmafse ruckweise zur anderen Seite in einen bereitstehenden Löschzug hinein. Das sind Stahlwagen mit Löchern, die von elektrischen Triebwagen gezogen werden. Polternd, zischend, fauchend und qualmend fällt der glühende Kokskuchen in diese Wagen, die alsbald mit kräftigem Wasserstrahl bearbeitet werden. Mächtige Dampfwolken zischen auf, aber aus den roten Brocken sind nun die bekannten schwärzlich-silbergra uen Koksstücke gerootben. Sie werden über eine schräge Wand gekippt unb fallen nun langsam auf ein sich fortberoegenbes Sieb, das die Sortierung vornimmt. Nicht lange danach verlassen hochbekadene Kokszüge die Kokerei, um ihre Last irgendwelchen Hochofenbetrieben zuzuführen.
Deutsche in Australien.
Don Hans Knolhe.
Vor 100 Jahren — am 6. Juni 1838 — traten die ersten deutschen Auswanderer nach Australien, die Bauern des Dorfes Klem- z i g bei Züllichau, ihre Ausreise an.
„Sie kamen hierher und bieten uns jetzt ein Muster praktischer Kolonisation dar, das wohl unserer Nachahmung würdig ist." Mit diesen Worten schloß im Jahre 1839 ein Berichterstatter ber englischen Zeitung „The Southern Aüstralian" feine Schilberung ber ersten Sieblung deutscher Bauern in Australien, jener Bauern, die vor nunmehr 100 Jahren ihre Ausreise antraten. Welch eine verblüffende Aehnlichkeit zwischen diesem Satz unb jener fast sprichwörtlich geworbenen Formulierung aus bem Edikt Alexanbers I. von Ruß- lanb vom Februar 1804, worin er zur Anwerbung von „Teutonici, qui exempla sint", bas heißt also von „Deutschen, die ein .Beispiel geben sollen", für bie Besiedlung Sübrußlands aufgefordert wirb! Unb wenn wir in diesem Zusammenhang noch an einige andere Daten aus der deutschen Auswanderergeschichte denken wollen: An bie fernen Zeiten Geisas II. von Ungarn, der schon im Jahre 1141 deutsche Bauern von ber Mosel unb vom Rhein in das damals fast un'befiebelte Siebenbürgen holte unb dieses Land so zu einem Bollwerk europäischer Kultur machte; ober an die Edikte Maria Theresias, die nach glücklicher Beendigung der Türkenkriege nichts Besseres zu tun wußte, als die gefährdetste südöstliche Grenzprovinz ihres Reiches, bas Banat, burch die Besiedlung mit deutschen Bauern unb Handwerkern zu sichern. — Oder wenn wir hier daran erinnern dürfen, daß es bie ersten beutschen Ansiedler in P e n n s y lv a n i e n, die Einwohner von Germantown, waren, die am 18. Februar 1688 jenes berühmte Dokument verfaßten, das den ersten öffentlichen Protest gegen ben Sklavenhandel, ein Kulturbvkument also von roeittragenber Bebeutung, darstellt. Ober etwas ganz anderes: daß es beispielsweise nicht nur in Amerika, sondern auch in England deutsche Einwanderer waren, die da wie dort als erste — Papier h e r ft e 111 e n unb bamit jener kulturellen Entwicklung ben Weg bahnten, bie seit den Tagen Ulman Strohmers, des ersten deutschen Papiermüllers, in engster Verbindung mit bem Schreib- unb Druckpapier ihren Lauf nahm... Wenn wir uns an all dieses unb noch an unenb\ lief) vieles mehr, was beutsche Kolonisatoren, deutsche Siedler, deutsche Einwanderer in aller Welt geleistet haben, erinnern, bann überkommt es ben Nachdenklichen wie die Ahnung von einem notwendigen Schicksal, einer notwendigen Ausgabe, die den Bewohnern des Landes im Herzen Europas in der Vergangenheit durch Jahrhunderte hindurch zuteil geworden ist.
Teutonici, qui exempla sint... Nun, es1 gab in Australien auch andere Stimmen, die zu dem Bericht von 1839 in einem merkwürdigen Gegensatz stehen. So schreibt z. B. ein australisches Provinzblatt im Jahre 1874: „Wir hassen die Verwüstungen, die die Heuschrecken anrichten, aber der Schaden, welchen diese tun, ist nur unbedeutend gegen die Verwüstung, welche die deutschen Horden anrichten, die von Ort zu Ort wandern, alle Fruchtbarkeit aus bem Lande aussaugen, dann woanders das Verfahren wiederholen und das Land als eine Wüste hinter sich lassen." Es kann nur Neid gewesen sein. Neid und blinde Mißgunst, was ben Schreiber bieser Zeilen zu so böswilligen Verleum- bungen veranlaßt hat. Denn es war schon damals längst erwiesen und wird heute auch von den waschechtesten Australiern nicht mehr, bestritten, baß g e - n au das Gegenteil von bem, was jener Provinzschreiber behauptete, zutrifft: besonders.die australische Landwirtschaft ist durch die deutschen Bauern in Australien zu einer führenden Rolle innerhalb der Weltwirtschaft gelangt-. Unb es ist vielleicht nur wenig bekannt, daß z. B. die besten Merinos, bie Australien^ heute besitzt und deren Wolle Austtalien zur „Weltbörse" in diesem Handelsartikel gemacht hat, seinerzeit von den deutschen Ansiedlern aus Sachsen eingeführt worden sind. *
Es kann fein, daß es für manchen eine Heber» raschung ist, hier zu erfahren, daß auch in Australien deutsche Einwanderer bei ber Besiedlung des Landes eine führende Rolle gespielt haben.- Denn im allgemeinen ist wohl noch heute die Ansicht weit verbreitet, Australien sei ursprünglich ausschließlich englische Strafkolonie gewesen und also anfangs nur von aus England Deportierten besiedelt worden. Namen wie Parramatta tauchen aus dem Gedächtnis auf, Namen von Strafanstalten und Arbeitshäusern; unb eine Atmosphäre des Grauens und ber Unheimlichkeit umwittert bie erste Besiedlungszeit des fünften Erdteils.
Vielleicht liegt in den sensationellen Berichten, die über bie englisch-austr alischen Sträflingstransporte des 19. Jahrhunderts Verbreitung gefunden haben und die in ihrer erregenden unb geheimnisvollen Außergewöhnlichkeit der Phantasie allzu großen^ Spielraum ließen, die Erklärung dafür, daß man sich allmählich daran gewöhnte, seine Vorstellung von bem bamaligen Australien mit ber» artigen Berichten schlechthin zu ibentifizieren. Was darüber hinaus in Austtalien geschah, blieb demgegenüber fast verborgen, es sei denn, daß gelegentlich deutsche Briefe aus Australien ober Berichte von Reisenden jenem Phantasiebild Bilder ber Wirklichkeit an bie Seite stellten.
So lesen wir z. B. in bem Reisebuch des deutschen Schriftstellers Friedrich ©erftäcfer, ber im Jahre 1851 nach Australien fuhr, folgenden Satz, der Beschreibung einer deutschen Farm in Süd» auftralien entnommen: „... ich blieb erst ein paar Minuten ordentlich überrascht stehen. Mir war fast — als ob ich jetzt gar nicht in Australien wäre — als ob mich ein guter Genius plötzlich in Gedankenschnelle zurück zur Heimat geführt hätte, unb nun gleich — aber die verwünschten Gumbäume (b. h. Eukalypten) — ich war boch in Australien!" Unb bann am Schluß: „...bie großen Truhen mit den grünen Rosen unb gelben Vergißmeinnicht — kurz alles, war deutsch, unb wenn man in Sachsen ober Preußen eine wirkliche Bauernstube mit ber Wurzel herausgenommen, sorgfältig in Baumwolle eingepackt und nachher wieder hier ausgesetzt hätte, nicht treuer hätte sie ihren Charakter beibebalten können."
Diese begeisterte Schilderung einer fern der Hei-
PALMOLIVE
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1 Stück 304


