Ausgabe 
17.5.1938
 
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arum sind die Zwiebeln knapp?

Der Zeitungsdienst des Reichsnährstands schreibt: Seit Jahresbeginn 1938 besteht eine gewisse Mangellage in der Zwiebelversor­gung. Diese hat verschiedene Ursachen. Die Welt- zwiebelernte 1937 ist verhältnismäßig gering aus­gefallen. Es haben besonders die Länder einen Ernteausfall zu verzeichnen, 5mit denen wir im Güteraustausch stehen. Die in Deutschland mit Zwie­beln angebaute Fläche 'verringerte sich im vergan­genen Jahre von 7631 auf 6458 Hektar. Wenn auch der durchschnittliche Hektarertrag von 221,4 auf 246,2 Doppelzentner stieg, betrug die deutsche Zwie­belernte dennoch nur 1,59 Millionen Doppelzentner I gegen 1,69 Millionen Doppelzentner im Erntejahr 1936/37. Die deutsche Spätzwiebelernte wurde durch geeignete Lagerung weitestmöglich gestreckt. Da je­doch einmal zu Erntebeginn keine Bestände aus- ländischer Herkünste mehr vorhanden waren und zum anderen die Frühzwiebelernte gering ausfiel, schmolz sie rasch zusammen. Durch die Umstände wurde der alljährliche erhebliche Einfuhrbedarf, der schon wegen der begrenzten Haltbarkeit der Ware notwendig ist, in diesem Frühjahr erheblich ge­steigert.

Unser Haupteinfuhrland für Zwiebeln ist Aegypten. Von 223 500 Doppelzentner, die 1936/37 eingeführt wurden, kamen 143 500 Doppel­zentner aus Aegypten. Auch in der letzten Zeit konnte uns Aegypten wenigstens den notwendigsten Bedarf liefern, allerdings auch nur zu Preisen, die ohne Herunterschleusung durch staatliche Mittel für den deutschen Markt nicht tragbar gewesen wären. Die deutschen Zwiebelpreise als Festpreise bewegen sich in vorgesehenen Bahnen und erhöhen sich all­mählich gemäß den Lagerkosten und dem natur­gegebenen Verderb. Auf dem maßgebenden eng- lischen Zwiebelmarkt dagegen trat in die­sem Jahre eine im Vergleich zu früheren Jahren abnorme Preissteigerung ein, weil die ausländische Ernte zum größten Teil durch inter­nationale jüdische Händler aufgekauft wurde. Sie kauften z. B. die gesamte hollän­dische Produktion und brachten es fertig, in sämt­lichen europäischen Ländern. P re i s st e i g e ru n - gen bis zu 400 v. H. auszuläsen.

In den letzten Zwiebelwixtschaftsjahren bewegte sich der Preis für holländische Herkunft in Hüll ständig unter den Berliner Notierungen für deutsche Ware. Diese Preisdifferenz vergrößerte sich in den vergangenen Jahren zur jeweiligen neuen Ernte hin, d. h. die ausländische Herkunft wurde im Ver­gleich zu den Berliner Preisen mit fortschreitender

Jahreszeit billiger. Im Wirtschaftsjahre 1937/38 setzte dagegen die holländische Ware in Hüll im September schon teurer als die deutsche Zwiebel ein und verteuerte sich bis Mitte Januar weiterhin sehr stark. Deutschland, der größteZwie- belabnehmer auf demWeltmarkt. mußte unter diesen Umständen starke Zurückhal­tung üben und seine Einkäufe stoppen, denn es war unmöglich, mit dem für die Zwiebeleinfuhr vorgesehenen Devisenkontingent die kalkulierte Menge Zwiebeln, die zur Schließung der deutschen Versorgungslücke in jedem Frühjahr notwendig ist, einzuführen. Um die vorhandenen Devisen nicht für eine spekulativ überteuerte Zwiebeleinfuhr aus­geben zu müssen, wurden schon in den vergangenen Monaten die deutschen Märkte nur knapp beliefert. Ohne diese Regelung hätten auch wir die Preis­steigerung mitmachen müssen.

Es wurde nun erwartet, daß mit Beginn einer bedeutenden ägyptischen Zwiebelernte die un­natürlich hohen Preise absinken würden. Durch internationale Juden ist jedoch nun auch in Aegypten der Preis um etwa 100 v. H. ge­genüber den Vorjahren hochgetrieben worden. Es ist daher richtig, keinerlei Käufe ägyptischer Zwiebeln mehr zu tätigen, da die hierfür zu ver­ausgabenden Zahlungsmittel das ägyptische Pfund entspricht dem englischen Pfund zünden Devisen gehören, die wir zur Einfuhr der wichtig­sten Rohstoffe benötigen. Wir können es uns daher nicht leisten, hierfür einen Artikel zu kaufen, der bei uns hauptsächlich als Speisewürze genossen wird Wir werden folgleich damit rechnen müssen, daß bis zum Beginn der deutschen Ernte keine Zwiebeln mehr im Handel zu haben sein werden.

Der deutsche Gartenbau ist aufgefordert worden, durch erhöhte Bereitstellung von zwiebelähnlichen Gewächsen wie Schnittlauch, Lauchzwie­beln und Porree über die Zwiebelknappheit der nächsten Wochen hinwegzuhelfen. Tatsächlich ist die Verwendung von Porree, Schnittlauch, Schalotten und Steckzwiebeln sowie der Verbrauch der beim Ausdünnen zu dichter Frühzwiebelkulturen an­fallenden Lauchzwiebeln gut geeignet, die Lücke in der Spersezwiebelversorgung zu überbrüden. Mtt Eintritt der deutschen Frühzwiebelernte in der zwei­ten Junihälfte ist dann wieder mit der Freigabe von Speisezwiebeln für den Frischmarkt zu rech­nen. Die zur Zeit noch laufenden Einfuhren wer­den der Fleisch- und Fischindustrie sowie Kranken­häusern usw. zur Verfügung gestellt.

Wie sieht es in der Wirtschaft ans?

laufenden Lunghai-Bahn und der von Norden nach Süden verlaufenden T i e n t s i n - P u k a u- (gegenüber Nanking gelegenen) Bahn. Seine ent­scheidende Bedeutung braucht kaum näher erläutert zu werden. Wenn Hsutschau in den Besitz der Japaner kommt, haben sie zunächst die Nord- Süd-Verbindung, und werden dann den Vormarsch auf die Lunghai-Bahn von Norden her, unter Einsatz der frei gewordenen Truppen, an­treten können, möglicherweise den weiteren Vor­marsch auf Sian oder Hankau oder auch beide Plätze. Hieraus erklärt sich wohl, daß die Chinesen erstmalig in diesem Kriege von sich aus eine Offen­sive einleiteten, die zu den gegenwärtigen Kämpfen führte. Die Erfolge sind wechselseitig, die schwereren Verluste bei den Chinesen. Doch die Vereinigung der japanischen Nord- und Südtruppen konnte bis­her verhindert werden.

Die Namen, die eingangs genannt wurden, wer­den Ruhmesblätter in der Tradition einzelner Truppenteile {ein. Den Beobachter aus der euro­päischen Perspektive werden die großen Schachzüge dieses Kampfes, werden die Ausgangsmöglichkeiten und die möglichen Auswirkungen der Schlacht stärker interessieren. Dabei ist auf die strategische Bedeutung Hsutschaus verwiesen worden. Man muß damit rechnen, daß die Japaner dort eines Tages einmarschieren. Doch auch das wäre zu­nächst nur eine Einzelentscheidung. Für den Aus­gang des, Krieges bedeutet diese Schlacht, daß sich der Konflikt infolge des verstärkten und ungebroche­nen Widerstandes der Chinesen noch in unabseh­bare Sänge hinziehen kann oder aber, daß sich auf neuen Kriegsschauplätzen etwa in Südchina neue strategische und politische Entwicklungen an­bahnen, die dann natürlich auch auf die Lage in Schantung zurückwirken müssen.

Vor dem Sturm auf Hsütschau

Die Japaner konzentrieren sich vor der chinesischen Mittelstellung.

Schanghai. 17. 7Nai. (Ostasiendienst des DNB. Funkspruch.) Der Angriff der Japaner auf die chinesische Mittelstellung an der Lunghai-Bahn ist nach den letzten hier eingetroffenen japanischen Front-Meldungen noch heule zu erwarten. In der vergangenen Nacht kamen die japanischen moto­risierten Einheiten bis auf 20 Kilometer an h s ü t s ch a u heran. Die japanischen hauptstreitkräfte bringen auf den hsütschau beherr­schenden Bergen bereits die schwere Artil­lerie in Stellung. Gleichzeitig wurden sämt­liche verfügbaren Bomber zu immer neuen Luftangriffen auf die Stadl und die sie umgebenden Stellungen sowie alle wichtigen mili­tärischen Objekte in ihrem Umkreis eingesetzt. Es besteht der Eindruck, als hätten die Japaner alle nur irgendwie verfügbaren Truppen herangezogen, um bei hsütschau eine Entscheidung herbeizuführen.

Im Übrigen sind weitere japanische Truppen­abteilungen damit beschäftigt, die Lunghai- Vahnlinie noch an weiteren Stellen zu zer­stören, einmal, um weitere Verstärkungen für die Chinesen auf dem Schienenwege zu unterbinden und zum anderen, UM den Chinesen den Rückzug abzuschneiden. Die Zahl der in diesem Kampf­abschnitt zufammengezogenen Chinesen wird auf 240 000 Mann geschäht. Rach vorläufig noch un- bestätigten Meldungen aus hsütschau soll ein Teil der Außenbezirke der Stadt von den chinesischen Flüchtlingen bereits in Brand gesteckt worden fein, da man den Einmarsch der Japaner in hsütschau stündlich erwarte.

Brasilien und wir.

Es ist kaum noch überraschend, daß eine gewisse Presse an der Arbeit ist, den Putsch in Bra­silien auf das deutsche Schuldkonto zu setzen. Der Ursprung dieser Kampagne liegt in den Dereinigten Staaten, wo schon vor Wochen die Lüge verbreitet wurde, Deutschland Hobe schlimme Absichten gegen die brasilische Unab­hängigkeit. In Wirklichkeit steckt hinter diesen An­griffen die jüdische Agitation, die sich der Monroe- Doktrjn bedient, um das Vorrecht der Vereinigten Staaten zur Einmischung in die Verhältnisse Süd­amerikas zu begründen. Im Hintergrund steht noch die Tatsache, daß die deutschen Baumwollkäufe in Brasilien für dieses Land einen außerordentlich wichtigen Faktor ausmachen, sehr zum Aerger der amerikanischen Baumwollerzeuger. Deutschland hat niemals politische oder wirtschaftliche Gegensätze zu der großen südamerikanischen Republik gehabt, im Gegenteil: die große Zahl deutscher Auswanderer, die in Brasilien eine Heimat gefunden hcrt, schloß ein enges Band der Freundschaft zwischen beiden Nationen. Im Interesse der deutschen Kultur erwar­ten wir allerdings, daß den deutschen Siedlern Bra­siliens, die ein wertvoller Faktor zum Aufbau des Landes geworden sind, das Recht der eigenen Schu­len gelassen wird, das ihnen bisher niemals ange­tastet wurde. Es ist Unsinn, wenn die brasilianische Presse schrieb, daß der Aufstand derJntegralisten" von Berlin aus finanziert worden sei. Wie Staats­sekretär Bohle noch jüngst in seinem Dortrage in Rom festgestellt hat, lehnt Deutschland jede Ein­mischung in die Angelegenheiten derjenigen Länder ab, in denen seine Bürger Gastrecht genießen. Die Jntegralisten sind ihrer Form nach übrigens etwas ganz, anderes als der Faschismus oder der Natio­nalsozialismus. Sie lehnen sich dem portugiesischen Vorbild an, aber auch die Tatsache, daß sie in ihrem Programm die Ausschaltung des Schul­wesens anderer Völker verlangen, stellt sie in einen Gegensatz zu den Lebensfragen der Deutschen Bra­siliens. Es ist bedauerlich, wenn in Rio de Janeiro eine gewisse Nervosität um sich gegriffen hat, die nun dazu führt, die Schuldigen an einer ganz fal­schen Stelle zu suchen. Das deutsche Volk hat allen Grund, diese Vorgänge, die einen Teil der inter­nationalen Hetzkampagne gegen den Nationalsozia­lismus bilden, mit aller Aufmerksamkeit zu ver­folgen. B. R.

Oie tschechische Antwort an Paris und London.

Prag, 17. Mai. (DNB.) Das Außenministerium hat der britischen und französischen Regierung die Antwort der Prager Regierung auf das freund­schaftliche Einschreiten der französischen und eng­lischen Gesandten vom 7. Mai notifiziert, die Tsche­choslowakei begrüßt das Interesse Englands und Frankreichs an einer Lösung der sudetendeutschen Frage. Sie wolle im Sinne der Ratschläge der Westmachte alles tun, was die Gerechtigkeit for­dere. Die Antwort weist bann auf das 'Ratio-

Vom 2. Januar bis 4. Mai 1938 find zweiund- einehalbe Milliarde Reichsschatzanweisun­gen gezeichnet worden. Das sind in vier Monaten bereits 300 Millionen mehr als im ganzen Vorjahre. Diese Erfolge sind im wesentlichen zwei Ursachen zu verdanken: Vor allem war es die politische Konsoli­dierung, die der wirtschaftlichen voranging und die zu hohen Leistungen befähigte, zum andern eine außerordentliche Konsequenz und Behutsamkeit in der Wahl der Mittel, in denen sich die deutsche Ka­pitalmacht auszeichnete. In jedem Fall wird sich, je mehr der neue Weg der Finanzierung beschritten wird, bei dem die Sonderwechsel wegfallen und die Mittel durch Ausgabe von Reichsschatzanweisungen direkt aus den Kreditmärkten aufgebracht werden, um so stärker die Summe der Gesamtoerschuldung des Reiches der Summe dieser Anleihen und Schatz­anweisungen annähern, und somit ein völliges Gleichgewicht der öffentlichen Finanzpolitik sicher­gestellt werden.

In dem jetzt vorliegend en Bericht des Werberates der d-utschen Wirtschaft über das Ergebnis der Leipziger Frühjahrsmesse 1938 werden die Vorberichte über diese bisher erfolgreichste Leip­ziger Messe durch statistische Angaben ergänzt. Wäh­rend die Ausstellerzahl von 8873 auf 9512 stieg, er­höhten sich die geschäftlichen Besucher von der bis­her höchsten Besucherzahl der vorjährigen Frühjahrs­messe 263 136 auf 304 789 (Zunahme um 15,8 v. H), darunter 33182 aus dem Auslande. Der Gesamt­umsatz der Messe betrug 543 Millionen Mark. Da­von entfielen 174 Millionen Mark auf den Aus­landsumsatz. Bedenkt man, daß bei der Messe des Jahres 1933 der Gesamtumsatz nur 110 Millionen be­trug, so wird der außerordentliche Aufschwung der deutschen Wirtschaft hier besonders deutlich. Auch die Preisgestaltung ist nach dem Berichte des Werbe­rates durchaus befriedigend gewesen, denn im Ge­samtdurchschnitt stellen rund 4/s der ausstellenden Firmen eine Abwicklung der Jnlandsgeschäfte ohne jegliche Schwierigkeiten hinsichtlich des Preises fest.

Der Allgeme i ne deutsche Bankier­tag hat in Denkschriften und Vorträgen reichlich Material geboten, die die Wandlung im Banken­system barftellen. Das Bankgewerbe hat sich orga­nisatorisch zuerst im Jahre 1901 zusammengeschlos­sen, zu einer Zeit also, in der die deutsche Wirt­schaft, insbesondere aber das Bankgewerbe, unter dem Eindruck hes sogenannten Treber-Krachs standen. Dieser Treber-Krach war ein Auswuchs des kpitalistischen Systems, wie die Scheinkonjunktur von 1927/30, die mit geborgtem Auslandskavital angekurbelt war. Der nationalsozialistische Staat hat 1933 die Führung des Bankgewerbes an sich genommen mit dem Ergebnis, daß das Bank­gewerbe gerade wegen der Strukturwandlung sich gesund entwickelt hat. Jedenfalls 'gibt es keinen Börsenkrach mehr, auch Nicht mehr den Zusammen- bruch von Banken, bei denen Dutzende von Millio­nen Mark verloren gingen. Wie sich das Bank­gewerbe seit 1933 entwickelt hat, geht bqraus her­vor, daß die Bilanzsumme aller erfaßbaren Banken von 1913 bis 1929 von 22,5 auf 29,8 Milliarden Reichsmark stieg. Nach der Bankenkrise von 1931 schrumpfte die Bilanzsumme auf 23,6 Milliarden

Mark zusammen. Aber sie hat inzwischen wieder 29 Milliarden Mark erreicht, wobei zu beachten ist, daß die Bilanzftunme von 1929 vielfach geborgtes Auslandskapital war, daß ferner ein Drittel der Bilanzsumme auf Staatsbanken und Girozentralen übergegangen ist. In dieser Entwicklung ist die Stru Umwandlung deuttich zu erkennen, ohne daß die Privatbanken als solche, sowohl Großbanken wie Kleinbanken, ihren Mttonsradius eingebußt haben. Im Gegenteil, er ist kräftiger stärker und zuverlässiger geworden. *

Die Jahrestagung des Gas-und Was­serfachs 1938 findet in den Tagen vom 29. Mai bis 2.Juni in Leipzig statt und wird mit der Feier des 100jährigen Bestehens des Städtischen Gaswerks Leipzig verbunden. Die Tagung steht un­ter dem Motto:Gesteigerter Gasanfall bedingt gesteigerte Gasverwendung", wird sich also in erster Linie mit den Möglichkeiten beschäftigen, die im Rahmen des Vi ersah resplans stark zunehmende Gas­erzeugung wirtschaftlich richttg zu verwerten. Hierzu sprechen auf der 79. Hauptversammlung des Deut­schen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern Direktor Dr. - Jng. habil. Segelten (Breslau) überGesteigerte Gasverwendung in der Industrie" Direktor Dr.-Jng. Rohland (Krefeld) überDie Gasverwendung vom Standpunkt des Industrie gasverbrauchers" und Direktor Körting (Dessau): Besserer Erfolg mit Gas in Haus und Werkstatt". Besonders aktuell ist ferner der Vortrag:Kohlen- orydentfernung und Benzolgewinnung aus dem Gas" von Direktor Müller (Dessau). Neben be- triebswirtschattlichen Fragen werden weiterhin solche der Wasserwirtschaft behandelt:Eisenbeton in der Wasserversorgung" (Oberbaurat Dr.-Jng. Marquardt (München),Das Deutsche Frauen- werk und die Wasserversorgung" (Fräulein Dr. Sprengel, Berlin),Wasserversorgungsverhält­nisse in Oesterreich" (Jng. SB e ft bauer, Wien). In der Eröffnungssitzung am 31. Mai werden der Letter der Wirtschaftsgruppe Gas- und Wasserver­sorgung, Direktor Behrens (Kiel), Oberbürger­meister Dönicke (Leipzig), Vertreter der Reichs­ministerien und der Leiter des Reichsfachamts X der DAF., Georg Körner (Berlin), Ansprachen halten.

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Auf den - internationalen Rohstoff. markten hat sich keine wesenttiche Aenderung ergeben. Es ist wohl ein Beweis für die Desorgani­sation der hoch-kapitalistischen Wirtschaft, daß sie mit den wachsenden Rohstoffvorräten nichts anderes anzufangen weiß, als die Produktton zu drosseln. Dazu gehört die Beschränkung der Anbauflächen beim Getreide, weiter staatliche Ankäufe wie bei der Baumwolle, endlich die Vernichtung großer Teile der Ernte wie beim Kaffee. Andere Mittel hat das hochkapttalisttsche System offenbar nicht zur Verfügung, um eine gerechte Verteilung zu einem gerechten Preis möglich zu machen. Freilich, in den Vereinigten Staaten hat die Zahl der regi­strierten Erwerbslosen 11,3 Millionen überschritten, was aber an die Wirklichkeit nur ungefähr heran­reicht. Auf den Metallmärkten haben Zink und Kuvfer höhere Preise erzielt, aber wohl nur des­halb, weil Produktton und Absatz streng reguliert werden.

Mexikanisches Erdöl.

Äon $. Albrecht.

Am Wochenende hat Mexiko die diploma- ttschen Beziehungen zu England abgebrochen, weil es sich durch eine scharfe englische Note, die Entschädigungsforderungen für Revolu- tionsschäden britischer Staatseigentümer stellte, verletzt fühlte. Der britischen Note vorausge. gangen war ein heftiger Notenwechsel wegen der von der mexikanischen Regierung ange« ordneten Nationalisierung, also Enteignung, ausländischer Erdölgesellschaften. Hierüber be­rietet unser Aufsatz.

Obgleich bereits sechs Wochen seit der am 18. März verfügten Enteignung der ausländischen Petroleumgesellschaften durch die mexi- konische Regierung verflossen sind, ist die dadurch geschaffene Lage heute undurchsichtiger denn je. Die Bereinigten Staaten ließen einer in freund­schaftlich mahnendem Ton abgefaßten Protestnote, in der die Hoffnung auf eine befriedigende Regelung der Entschädigungsfrage ausgesprochen wurde, Ende März die E i'n st e 11 u n g ö e r Käufe mexika­nischen Silbers folgen. Diese Maßnahme, die zweifellos als Druckmittel gedacht war, hatte einen sofortigen Fall des mexikanischen Peso-Kurses von 3,60 für den Dollar auf 4,40 zur Folge und schien anfänglich geeignet, der mexikanischen Wirtschaft schweren Schaden zuzufügen. Mexiko sah sich plötz­lich gezwungen, monatlich 5 Millionen Unzen Sil­ber, die bisher Washington zu einem Ueberpreis ge­kauft hatte, zu einem wesentlich niedrigeren Erlös auf dem freien Weltmarkt zu verkaufen. Die Ver­einigten Staaten haben aber sehr bald erkannt, daß diese silberne Waffe nicht nur nicht die gewünschte Wirkung hatte, sondern daß sie auch wie em zwei­schneidiges Schwert wirkte, da sie hauptsäch­lich die in Mexiko tätigen ameri ka nis ch e n Bergwerksunternehmen traf, die 75 v. H. des mexikanischen Silbers erzeugen. Washington kauft deshalb feit kurzem wieder das in Neuyork angebotene mexikanische Silber zum gleichen Preis wie solches anderer Herkunft. Die Regierung der Vereinigten Staaten scheint wenig geneigt zu sein, die Oelgesellschaften gegen die mexikanische Regie­rung zu unterstützen, sondern zieht es offenbar vor, weiterhin die Politik desguten Nachbarn" zu treiben.

Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten hat England eine sehr scharfe Protestnote an Mexiko gerichtet, in der besonders die Rückgabe des enteigneten Besitzes derMexican Eagle Oil Co." gefordert wird. Zwar erkennt die britische Regierung grundsätzlich das Recht zur Enteignung gegen angemessene Entschädigung an, sofern die Maßnahme im öffentlichen Interesse liegt. Aber gleichzeitig erkläxt sie, daß dieser Grundsatz nicht zur willkürlichen Enteignung berechttge und be­hauptet, daß die Enteignung der fremden Erdöl­gesellschaften einer Beschlagnahme gleichkomme, die unter dem Deckmantel der Legalität durchgeführt worden fei. Wie zu erwarten war, hat Mexiko den Protest zurückgewiesen und in seiner Antwortnote den festen Willen zur Aufrechterhaltung der Ent­eignung bekundet. Die Note weist darauf hin, daß dieMexican Eagle Oil Co." nach dem Gesetz eine mexikanische Gesellschaft ist und daß die Re­gierung nur einen allgemein anerkannten Grund­satz des internationalen Rechtes zur Anwendung gebracht hat, der souveränen und unabhängigen Staaten die Berechtigung zuerkennt, Enteignungen, die im öffentlichen Interesse liegen, gagen Z a h - lung einer angemessenen Entschädi­gung vorzunehmen. Die mexikanische Regierung habe öffentlich vor der ganzen Welt versichert so heißt es in der Antwortnote, daß sie bereit sei, für die enteigneten Unternehmen zu zahlen, und Mexiko sei nicht nur gewillt, sondern auch in der Lage, die Entschädigung zu leisten. Zu diesem Zweck hat die mexikanische Regierung bereits vor einiger Zeit die enteigneten Oelgesellschaften aufgefordert, Vertreter zu ernennen, die gemeinsam mit einer Regierungskommission die Höhe der Entschädigung festsetzen sollen.

Die betroffenen Gesellschaften sind offenbar nicht gewillt, dieser Einladung Folge zu leisten, weil sie einmal die Enteignung nicht anerkennen und ander­seits daran zweifeln,'daß die mexikanische Regie­rung gewillt und in der Lage fei, die van den Ge­schädigten geforderte Summe von 400' Millionen Dollar oder mehr als IV, Milliarden Pe­so s zu zahlen. Die enteigneten Gesellschaften ver­langen außerdem eine sofortige angemessene Abfindung und lehnen eine auf zehn Jahre ver­teilte Entschädigungszahlung ab. Präsident Carde- nas hat zwar verfügt, daß 20 v. H. des Wertes allen ausgeführten Erdöls an einen besonderen Entschädigungsfonds abgeführt werden müssen, und der Kongreß hat die Auflegung einer nationalen Befreiungsanleihe" in Höhe von 100 Millionen Pesos beschlossen, aber die derart erzielten Summen sind verhältnismäßig bescheiden im Pergleich zu dem Gesamtwert des Objektes. Die Exportabgabe kann kaum mehr als 5 Millionen Dollar im Jahr erge­ben, während die Anleihe bei dem gegenwärtigen Pesokurs mir wenig mehr als 20 Millionen Dollar darstellt.

Währerck) die mexikanische Regierung sich ange­strengt um die Beschaffung der erforderlichen Mittel und um den Verkauf des Oels bemüht, machen die großen anglo-arnerikanischen Gesellschaften alle erdenklichen Anstrengungen, den Verkauf des mexi­kanischen Erdöls auf dem Weltmarkt z u ver­hindern. Der von ihnen organisierte Boykott beschränkt sich nicht allein darauf, selbst fein mexi­kanisches Del zu kaufen und die unabhängigen 93er« triebsgesellschaften durch die Mitteilung einzuschüch« tern, daß sie den Kauf und Verkauf mexikanischen Oels als eineunfreundliche Handlung ansehen würden, sondern sie verweigern selbstverständlich auch ihre Tankschiffe, die 83 v. H. der Wetttanker- tonnage darstellen, für den Transport des mexi­kanischen Oels. Durch gleichzeitige Beeinflussung der unabhängigen Tankschiff-Reeder, von denen viele mehr ober weniger von den großen Konzernen abhängig sind, hoffen sie die mexikanische Oelausfuhr gänzlich unterbinden zu können.

Der Erfolg oder Mißerfolg Mexikos hängt in erster Linie davon ab, ob es der mexikanischen na­tionalen Petroleumoerwaltung (21. G. P.N.) oder der neugeschaffenen Petroleumexportgesellschaft (C. E. P. N.) gelingen wird, Käufer für ihr Del zu finden. An solchen fehlt es offenbar nicht und unter ihnen sind, soweit bis jetzt ersichtlich, mindestens zwei, die nicht nur den Mut, sondern auch die nötigen Hilfs­mittel, Tankschiffe und Verttiebsorganisationen be­sitzen, um dem Boykott der mächtigen Deltrufts dis Spitze bieten zu können. Die erwähnten Käufer sind ein Engländer Francis W. R i ck e tt imb ein Ameri­kaner William R. Davis.

Rickett ist jener mysteriöse Vernttttter, der mälx renb des abeMischen Ktkyes dem Ev-Deguz. etgl

nalitätenftatut hin, das d i e Gleichstel­lung aller Völker der tschechoslowakischen Republik durchführen wolle. Ueber den Inhalt die­ses Statuts sollten nach seiner Fertigstellung Ver­handlungen mit den Vertretern der Nationalitäten, insbesondere der deutschen, eingeleitet werden.

Kleine politische Nachrichten.

In Bukarest wurde die Anklageschrift gegen den Letter der aufgelösten Eisernen Garde, C o - breanu, veröffentlicht. Die Anklage lautet auf Hochverrat wegen unrechtmäßigen Besitzes ver­traulicher Staatsdokumente, auf Vergehen gegen die Sicherheit des Staates durch Beziehungen zu ausländischen Organisationen, und aus versuchten

Aufruhr, durch bewaffnete und militärähnliche Dr- ganifation der Bevölkerung. Der Prozeß vor dem Militärgericht dürfte bereits in den nächsten Tagen beginnen. Codreanu büßt gegenwärtig eine Ge­fängnisstrafe von 6 Monaten ab, wegen Beleidi­gung eines Ministers.

Der Papst hat den Titular-Erzbischof von Ancira, Monsignore Cicognani, zum apostolischen Nuntius bei der nattonalspanischen Regierung ernannt. Gleichzeitig hat die nattonalspanische Re­gierung Don Jos6 Maria de Yanguas y Messia zum Botschafter beim Heiligen Stuhl ernannt. Beide Ernennungen werden als Anerken­nung der nationalspanischen Regierung durch den Vatikan betrachtet.