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ar. N Erstes Blatt

188. Zahrgang

Dienstag, 17. md 1938

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Hermann Göring eröffnet den Van des Tauemkrastwerks.

Zell am See, 16. Mai. (DNB.) Generalfeld­marschall Göring hat am Montag im Kapruner Tal den ersten Spatenstich zu dem gewaltigsten Kraftwerk des Reiches, dem Tauernkraftwerk, voll­zogen. Um 10.30 Uhr trifft der Sonderzug des Generalfeldmarschalls Göring unter Mufikklän- gen der Saalfeldener Reichsbahnkapelle im Bahn­hof Zell am See ein. Nach kurzen Begrüßungs­worten des Reichsftatthalters Seyß-Jnquart und des Gauleiters Ingenieur Winter st eiger fährt der Generalfeldmarfchall zum Bauplatz. Die Fahrt nach Kaprun bietet, einzigartige Ausblicke auf die majestätische Bergwelt der Hohen Tauern. Links und rechts des Eingangs ins Kapruner Tal stehen gewaltige Bergriefen Wache. Und im Tal grüßt die romantische Ruine Kaprun. Eine scharfe Kurye, die Wagenkolonne durchfährt das schmucke Dörfchen Kaprun, und da grüßen auch schon die Fahnen des Bauplatzes.

Der Platz, an dem das künftige Betriebsgebäude des Tauernwerkes erstehen wird, befindet sich etwa 600 Meter westlich des herrlich gelegenen Ortes Kaprun am rechten Hang des weiten oberen Salzach­tales. Eine bunte Menschenmenge harrt hier seit Stunden: Bauern, Holzknechte mit Fahnen in herr­lichen Trachten, das ganze Volk des Pinzgaues. Die Zeller Trachtenmusik verkürzt den Harrenden das Warten. An der Berglehne ist eine Rednerkanzel gebaut. Unmittelbar auf diese zu läuft eine Fahnen- straße: die Spur der künftigen Druckrohrleitung. Sie wird in einer der Zentralen unten auf dem heutigen Bauplatz einmünden, die die gesamten Wasserkräfte des Kapruner Tales sammeln und sie dann weiter gleich den anderen Zentralen der großen Sammelschiene zuleiten wird. Um 11 Uhr naht die Kraftwagenkolonne des Generalfeldmar- fchalls. Unter brausenden Heilrufen entsteigt Göring dem Wagen. Staatssekretär a. D. Trendelen- bürg begrüßt ihn im Namen der reichseigenen Industrieunternehmung AG. und ihrer Tochter­gesellschaft der Alpenwerke AG. Wien. Hierauf tritt Generalfeldmarfchall Göring unter dem Jubel der Menge ans Mikrophon.

Göring spricht. '

In meiner Wiener Rede habe ich", so erklärt tzr,bereits von dem Bau des großen Wasserkraft­werkes in den Tauern gesprochen. Die Bedeutung des Wasserkraftwerkes für den wirtschaftlichen Auf» bau der Ostmark ist im Vierjahresplan bereits be­sonders unterstrichen. Die Sünden des Systems, das alles vernachlässigte, sind deshalb um so ver­werflicher, weil das Land reich ist an wert- oollenSchätzen und esnurderTatkraft bedarf, um diese zu heben.' Bei den Schätzen des Landes handelt es sich in der Hauptsache um drei Dinge: die Bodenschätze, die in Erzen oller Art in den Bergen liegen, der Holzreich­tum und die weiße Kohle durch die Wasser­kräfte. Es sind seit langem zahlreiche Projekte auf­gestellt worden zur Hebung dieses letzteren Schatzes. Alle Pläne scheiterten, weil die Regierung versagte. Sie hatte.angeblich kein Geld. Nun erweckt das große Reich auch die Ostmark wirtschaftlich mit seiner kraftvollen Energie und entflammt das ganze Volk, mit Hand anzulegen an dem Werke^ Em wichtiger Punkt hierbei ist, daß sich Technik und Schönheit harmonisch vereinen. Alles, was zweckmäßig ist, muß auch schon sein. Dieses Schöne werden wir in dem Werke zu ge­stalten wissen. Sprechen doch die mächtigen Limen eines Industriewerkes eine gewaltige Sprache, der Schönheit. So wird auch hier die starke Smsome der Arbeit brausen und jedermann sagen: Hier steht Deutstchland.

Dieses Werk wird Wohlstand in eure Taler bringen, aber auch manche Unbequemlichkeiten. Das müht ihr in kauf nehmen und Gemütlich, keit auf einige Jahre zurückstellen. Jetzt heißt es, in die Fäuste spucken und arbei- k e n! Wer das große Elend der Ostmark ge- sehen hat, der begreift eines: Nur wer hart anpackt und schuftet, kann eines Tages eine bessere Zukunft erwarten, von nichts kommt nichts. Alle, die bisher arbeitslos waren, müssen sich danach sehnen, letzt ihre Kraft anspannen zu können. Arbeitslosigkeit »st Müßiggang, Müßiggang aber bedeutet Unter- gang. Wir wollen aber nicht untergehen, son­dern aufwärtsstreben. Für jeden Mann und jede Frau gibt es nur eine Parole: A n d»e Arbeit! Wir wollen ein gewaltiges Volk, eine mächtige Nation fein. Wir sagen es allen, besonders deutlich aber jenen, die es nicht gern hören wollen: Deutsch­land über alles. Das Derk wird nicht ge­schaffen und vollendet durch Reden und Feste, sondern nur harte Arbeit allein führt zum Erfolg. Gewiß, wir feiern die Feste gern wie sie fallen, zuerst aber muß der Dreck weg- gefchafft werden. Dann erst ist die Plattform für die Lebensfreude gegeben.

Ich werde dafür sorgen, daß diese hier von Gott so herrlich gestaltete Natur nicht verunstaltet roiro. Wenn oben in den Stauseen sich die Bergwasser der Gletscher vereinigen und sich in ihnen die mächtigen Gipfel widerspiegeln, dann wird die Gegend un- veraleichlich an Schönheit gewinnen. Ein anstän­diges würdiges Leben soll dest deutschen Menschen auch hier geschaffen werden. Arbeit und Freude sollt ihr erhalten. In diesem Sinne gebe ich jetzt

den Befehl zum Beginn der Arbeit. Hier soll die Kraft zum Segen Deutschlands zum Durchbruch kommen. Bon oieser Stunde an soll die Arbeit nicht mehr ruhen, bis das Werk vollendet ist."

Die Böller krachten, die Sirenen heulten, die Feldbahn fuhr vor. Der Generalfeldmarfchall griff nach dem Spaten und begann unter dem Jubel

der Menge die Arbeit. Ein brausendes Sieg-Heil auf den Führer und die Lieder der Nation be­endeten den Baubeginn des Tauernkraftwerks. In Zell am See wurde dem Generalfeldmarfchall vom Bürgermeister im Namen des Pinzgaues und seiner Hauptstadt eine prachtvolle Mineraliensammlung überreicht.

Der erste Spatenstich sür vauten der Lnstiv'affe in Oesterreich

X

Nach den Festlichkeiten in Linz nahm Generalfeldmarschall Göring in den südlichen Vororten Wiens, in Schwechat und auf dem Kunigelberg die Spatenstiche für die neuen Baisten der Luftwaffe vor. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Oie Regierungsumbildung in England.

EirKingsleyWoodübernirvmtanSlelleLordSwintonSdasLustfahrtministerium

London, 16. Mai. (Europapreß.) Die in den letzten Tagen bereits angekündigte Umbildung der englischen Regierung ist nunmehr Tatsache gewor­den. Der Luftfahrtminister Lord Swinton und der Kolonialminister Lord S) arte d) (Ormsby-Gore) sind von ihren Aemtern zurückgetreten. Dadurch er» g-hen sich folgende Neubesetzungen:

Luftfahrtminister: Sir Kingsley Wood (seit­her Gesundheitsminister);

Kolonialminister: Malcolm Macdonald (seit­her Dominienminister);

Dominienminister: Lord Stanley (seither Un­terstaatssekretär im Indian Office);

Staatssekretär für Schottland: Oberst Colville (seither Finanzsekretär im Schatzamt);

Gesundheitsminister: E l l i o t (seither Staats­sekretär für Schottland);

Finanzsekretär im Schatzamt: Kapitän Wal­lace (bisher parlamentarischer Unterstaatssekretär im Handelsministerium);

Parlamentarischer Staatssekretär für Indien: Oberst M u i r h e a d (seither parlamentarischer Un­terstaatssekretär im Luftfahrtministerium);

Parlamentarischer Unterstaatssekretär im Luft­fahrtministerium: Kapitän 'Balfour;

Parlamentarischer Sekretär im Handelsministe­rium: Croß.

Aus Anlaß des Wechsels im Luftfahrtministerium sind zwischen Ministerpräsident Chamberlain und Luftfahrtminister Lord Swinton Briefe ausgetauscht worden. In dem Schreiben Lord Swintons wird ausgeführt, wie schwierig die Verwaltung eines mit einem großen Haushalt versehenen Mini­steriums ist, wenn sich der Leiter desselben, da er dem Lordstand angehört, nicht im Unterhaus persön­lich gegen die Angriffe der Opposition wehren kann. Lord Swinton schreibt:Ich bin zufrieden, diesen Posten zu verlassen, zumal die gegen mich gerichtete Kritik in keinem Verhältnis zu der von mir ge­leisteten Arbeit steht, cs wird einmal die Zeit kommen, wo es möglich sein wird, die von mir durchgeführten Arbeiten zu beurteilen. Was aber heute nottut, ist die DurchführungdesAuf- rüftungsprogramms und die Herstellung des öffentlichen Vertrauens." Auch der Rücktritt des Kolonialministers erfolgte aus dem gleichen Grunde, da Ormsby-Gore mit dem Tode feines Vaters Lord Harlech dessen Sitz im Oberhaus geerbt hat und daher nicht mehr im Unterhaus sprechen darf. Bekanntlich war dies auch ein Gegenstand der Kritik der Opposition bei der Ernennung von Viscount Halifax zum Staats­sekretär des Auswärtigen. Die Morgenpresse hatte angenommen, auch Lord Halifax werde durch einen Minister ersetzt, der dem Unterhaus angehöre. Aber dem-Einfluß des Ministerpräsidenten ist es zu ver­danken gewesen, so schreibt die regierungsfreund­liche Presse, daß Lord Halifax noch wenigstens bis zum Abschluß des Königsbesuches in Paris die Leitung des Außenministeriums beibehalten werde. _

Der Rücktritt Lord Swintons vom Luftfahrt­ministerium wird von der Presse begrüßt, man nimmt an, daß der neue Leiter dieses Ministeri­ums, Sir Kingsley Wood, der sich bisher

als Gesundheitsminister betätigte, große Verdienste erworben hat, einen noch intensiveren^luf- rüstungskurs verkünden wird.Daily Tele­graph" sagt, das Bild, das sich jetzt zeige, habe eine Stärkung des Kabinetts zur Folge gehabt. Das Blatt hält die Errichtung eines Beschaffungs­ministeriums zu der Aufrüstung für unbedingt notwendig.Daily Mail" schließt mit der Aufforde-

*

Sir Kingsley Wood, her neue britische Luft­fahrtminister. (Scherl-Bilderdienst.)

rung an die Regierung, nichts unversucht zu lassen, um die Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Rü­stungsbetriebe voll und ganz in den Dienst des Landes einzuspannen. DieTime s" widmet dem neuen Luftfahrtminister besondere Aufmerksamkeit, sie spricht die Hoffnung aus, daß sich die Anzahl der Kampfmaschinen ebenso vermehren möge, wie sich die Zahl der Fernsprechteilnehmer vermehrt hätte, als Sir Kingsley Wood noch das Postministerium leitete. Auch bei den anderen Veränderungen, so schreibt das Blatt, sei Ministerpräsident Chamber­lain davon ausgegangen, den richtigen Mann an den richtigen Ort zu stellen, was 'hm voll und ganz gelungen sei. So sei Malcolm Mac- Donald, 5er als Dominionminister gerade wäh­rend der englisch-irischen Verhandlungen besonde­res Geschick gezeigt hätte, sicher der geeignete Mann für das Kolonialministerium, zumal ihm Augaben, wie die Lösung der Palästinafrage, zufielen, die eine große Geduld erforderten.

Oie Schantungschlacht.

Von unserem nn.-Äerichterstatier.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Schanghai, Mai 1938.

Lini, Lincheng, Tsaochwang, Taierchrang das alles sind Namen, für den Ostasiaten sogar Be­griffe, die jedoch dem Europäer nur bei' ausrei­chender sinologischer Vorbildung geläufig werden können. Es sind Orte in der chinesischen Küsten­provinz Sch a n t u n g , Brennpunkte in einer ein­zigen großen Schlacht, die seit Wochen geschlagen wird, die immer wieder in einem Stellungskrieg zu verlaufen droht, um dann erneut von der japani­schen oder chinesischen Seite mit Einsatz frischer Truppen wieder ausgenommen zu werden. Diese Schantungschlacht kann durch solchen Einsatz zum Brennpunkt des fernöstlichen Krieges werden, kann eine Entscheidung des Krieges beschleunigen, auch herbeiführen. Darin jedenfalls liegt ihre weitfasfsnde Bedeutung.

Für viele, wenn nicht für die meisten, ist dieses Kämpfen, ist im besonderen der erhärtete chine­sische Widerstand eine Ueberraschung gewe­sen. Daß die Chinesen sich zu schlagen verstehen, haben sie bei Schanghai drei Monate lang bewie­sen, haben die Japaner, die es am besten beurtei­len können, zu wiederholten Malen anerkannt. Doch dann kam der schnelle Rückzug von Schanghai auf Nanking, kam der Fall von Nanking. Ge­wiß, militärisch-strategisch ließ sich dieser Rück­marsch erklären: die Chinesen mußten einer Um­klammerung durch die Japaner vom Westen des Taihu Sees her zu entgehen suchen. Sie mußten versuchen, nördlich des Sees den japanischen Vor­marsch wieder aufzuhalten. Doch da lag bereits Nanking, und der verbleibende Verteidigungsgürtel um die chinesische Hauptstadt war nun zu schmal geworden, als daß sie sich nun noch in einer langen Verteidigung zu behaupten vermochte.

Wie gesagt: strategisch ist das zu.erklären, doch die psychologische Wirkung auf die Trup­pen, nachdem sich die besten Divisionen bereits bei Schanghai verblutet hatten, und da es sich jetzt <m wesentlichen nur noch um zweitklassige chinesische Provinzialtruppen handelte, deren Moral denen der Nanking-Divisionen nicht gleichgesetzt werden konnte diese Wirkung war gleichbedeutend niit einem Zusammenbruch. Nur wenige haben den Chinesen damals am 13. Dezember, als Nanking fiel, noch eine Verteidigungschance gegeben. Diejenigen, die aus dem geräumten Nanking in der Reserve- Hauptstadt Hankau eintrafen, überlegten sich gro­ßenteils allen Ernstes, ob es nicht besser sei, daß man gleich weiter landeinwärts zöge, denn in drei, vier Wochen werde ja auch dieser Platz fallen.

Hankau fiel nicht. Der Historiker wird später zu untersuchen haben, ob es richtig ist, daß die Japaner damit, daß sie den Vormarsch nicht sofort über Nan­king hinaus am Pangtse fortsetzten, eine große Chance des Krieges vergaben. Das Ergebnis dieses japanischen Verbleibens in Nanking bzw. Wuhu, etwas weiter flußauf, war jedenfalls, daß die Chi­nesen Zeit genug fanden, sich zu reorganisie­ren. Aus den Resten der fronterfahrenen Divisio­nen bildeten sie neue Divisionen. Aus dem front- erfahrenen Offizierskorps bildeten sie eine neue Führung. In der Ruhe der Etappe und aus dem ungebrochenen Kampfgeist der nur wenig oder überhaupt noch nicht eingesetzten Truppen erwuchs eine neue, wieder gefestigte Moral. Die Tatsache, daß Marschall Tschiang-Kai-Schel den Gouverneur von Schantung und Kommandeur der Truppen in Schantung deswegen erschießen ließ, weil er in der Führung versagt habe, und daß er einen frü­heren politischen Gegner L i Tsung-jen, zweiter Machthaber in der Südprovinz Kwangsi, einsetzte, der dann sogleich die Zügel straff anzog, stärkte das Vertrauen der Truppen. Von einer chinesischen mi­litärischen Jntiattve an der Front allerdings war nichts zu spüren und konnte wohl auch den Gege­benheiten nach nichts gespürt werden. Denn man mußte sich damals wie heute darüber klar fein, daß allein die materielle Ueberlegenheit der japa­nischen Truppen und ihr Vertrautsein mit den mo­dernen Waffen, das sich die Chinesen natürlich noch nicht aneignen konnten, ihnen iroar nicht unbedingt eine kämpferische, aber mit Sicherheit eine militä­rische Ueberlegenheit gab.

Das Rätselraten, wann die Japaner weiter mar­schieren und welche Operationen sie einleiten wür­den, löste sich dann im Januar. Es erfolgte ein Vormarsch von Norden her durch die Provinz Schantung, und es erfolgten in dem gleichen Zeitraum Vorstöße von Süden, d. h. von Nanking her, mit dem Ziel, die japanische Nordfront und die japanische Nankingfront zu vereinigen. Um dieses Ziel geht heute noch die Schantung-Schlacht. Es ist bekannt, daß die Provinz Schantung sehr schnell zum größten Teil verloren ging. Weniger bekannt geworden ist in der Welt, daß der japanische Vormarsch von Süden her, am Hwai-Fluß zum S t i l l st a n d kam, da eine chinesische Umgebung drohte. Während des Februar und der ersten Hälfte März ist es dann nur zu kleineren Kämpfen in den beiden Kampf­abschnitten gekommen. In diese Zeit aber muß dann doch der chinesische Entschluß gefallen sein, die Vereinigung der beiden japanischen Armeen so lange mir irgend möglich zu verhindern und eine Ofiensiv-^chlacht zu liefern, die nach den ur­sprünglichen Plänen erst nach der Besetzung H s u - tschaus durch,die Japaner eröffnet werden sollte.

Hsutschau, Ziel schwerer japanischer Bombenan­griffe während der letzten Wochen, ift dasObjekt"

Schantunaschlocht. Knotenpunkt der großen, südlich des Gelben Flusses von Westen nach Osten