Gedenkappell bei der'
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ehrmacht.
Am gestrigen Mittwochmittag fand in der Bergkaserne ein Gedenkappell anläßlich des dritten Jahrestages der Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit statt. Das I. Bataillon des Infanterie-Regiments 116 trat im großen offenen Viereck auf dem Kasernenhof mit dem Musikkorps zur Feier an.
Nach der Meldung schritt der Bataillonskommandeur, Major Wiese, die Front ab, während die Soldaten das Gewehr präsentierten. Sodann hielt er eine kurze Ansprache, in der er die geschichtliche Bedeutung des Tages umriß. Er erinnerte zunächst an die Begründung des neuen deutschen Volksheeres durch unseren Führer Adolf Eitler und die Verkündung der deutschen Wehrhoheit in den Märztagen vor drei Jahren. Dann schilderte er kurz die beispiellose Entwicklung unserer Wehrmacht in diesen drei Jahren, in denen das deutsche Volksheer zu einer starken Waffe herangewachsen ist. Er sprach ferner über die volle Wiederherstellung der deutschen Souveränität durch die Verlegung deutscher Truppen in das Rheinland im März 1936.
In seinen weiteren Darlegungen griff Major Wiese dann weiter zurück in die deutsche Ge
schichte und erinnerte besonders an das große Ereignis der Erhebung Preußens aus napoleonischer Knechtschaft durch den Beginn der Befreiungskriege im Jahre 1813, also vor 125 Jahren. Ferner hörten seine Soldaten von ihm noch von dem Beginn der großen Durchbruchsschlacht an der Westfront des Weltkrieges im März 1918, also vor nunmehr 20 Jahren, jener Schlacht, der der Waffenersolg nicht versagt blieb, deren Gewinn aber durch den Verrat volksfremder Kräfte illusorisch gemacht wurde.
In kurzen Worten lenkte der Batarllons- kommandeur die Gedanken seiner Soldaten außerdem auf die jüngsten weltpolitischen Ereignisse und den Einmarsch deutscher Truppen in das zum Reich heimgekehrte Oesterreich hin. Mit dec Aufforderung zu unverbrüchlicher Treue und steter Bereitschaft zur Aufopferung für Volk und Vaterland, und mit dem „Sieg-Heil!" auf Deutschland und seinen Führer Adolf Hitler, den Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, fand die Ansprache ihren Abschluß.
Unter präsentiertem Gewehr erklangen sodann die Nationalhymnen. Damit fand der Appell sein Ende.
Frühlingsblüten für das WHW.
Neue Kunstwerke der Odenwälder Elfenbeinschnitzereien.
NSG. Für die sechste Reichsstraßensommlung des WHW., die Ende März stattfindet, werden viele Millionen von Abzeichen in den Schnitzereien in Erbach im Odenwald hergestellt. Es sind in diesem Jahre Kleeblatt, Teerose, runde Rose, Apfelblüte, Schneeglöckchen, Veilchen, Vergißmeinnicht und Stiefmütterchen in drei verschiedenen Farben.
Es ist zu einer schönen Gewohnheit geworden, daß bei der letzten Reichsstraßensammlung jedes Winterhilfswerkes die kleinen Kunstwerke aus unseren heimischen Schnitzerwerkstätten verkauft werden. Denken wir noch an das Edelweiß des Jahres 1935, an die Narzisse des Jahres 1936 und an die Margueriten des vergangenen Jahres. Jedes dieser Abzeichen ist nicht nur ein geschmackvolles, künstlerisches Werk, sondern es finden mit dieser Arbeit auch Hunderte von Familien unseres Gaues in den arbeitsarmen Wintermonaten Derdienstmöglich- keiten. Die Abzeichen dieses Jahres werden zum größten Teil von den Elfenbeinschnitzereien der weltberühmten Schnitzerstadt Erbach hergestellt. An der Herstellung sind außerdem die Kammfabriken in Ober-Ramstadt und Betriebe in Württemberg, Baden und Bayern beteiligt. Wie in den vergangenen Jahren, werden die Abzeichen wieder aus Kunstharz hergestellt.
Wenn man überlegt, daß allein die Arbeitsgemeinschaft des Odenwälder Elfenbeinhandwerks in Erbach rund 1200 Schnitzer und Hilfskräfte in 120 Schnitzereien und Drehereien für Wochen mit der Herstellung dieser Abzeichen beschäftigt, so kann man sich ein Bild von der außerordentlichen wirt
schaftlichen Bedeutung der Herstellung dieser Abzeichen für unseren Gau machen.
Vom Rohmaterial bis zu dem fertigen WHW.- Abzeichen sind mannigfache Handgriffe und viele Arbeitsgänge zu erledigen, die an das künstlerische Empfinden und die Fertigkeit der Schnitzer große Anforderungen stellen. Das Rohmaterial, hochwertiges deutsches Kunstharz, kommt in profilierten Stangen von 40 Zentimeter Länge zunächst zu den Drechslerbetrieben, wo von diesen Stangen Blättchen in der Stärke des Abzeichens abgeschnitten werden. Diese Blättchen lassen schon die groben Umrisse der Blüten erkennen. In diese Blättchen wird mit kleinen Hilfsmaschinen der Kelch eingedreht. Dann werden die Blütenblätter ausgefräst. Der Schnitzer gibt mit seiner Künstlerhand an einer kleinen Fräsmaschine der Blüte ihre endgültige Form. Nachdem die Löcher für die Anstecknadel eingebohrt sind, wird jede einzelne Blüte vom Staub, der beim Fräsen entstanden ist, gereinigt und von Mädchen bemalt. Später werden ebenfalls von Frauen und Mädchen — vielfach in Heimarbeit — die Anstecknadeln eingedreht, und erst nach diesen vielen Arbeitsgängen liegen die bunten Abzeichen vor, die auch bei dieser Sammlung wieder ihren großen Erfolg haben werden.
Die Abzeichen werden, in Schachteln zu 100 Stück und zu 1000 Stück verpackt, vom Ort ihrer Herstellung an die Kreisamtsleitungen der NSV. verschickt. Don da nehmen sie ihren Weg in die Hand jedes einzelnen Volksgenossen, der sich bei der letzten Reichsstraßensammlung des WHW. des Winters 1937/38 damit schmücken wird.
riger ist es im Winter und im Frühjahr. Und doch ist es bei einiger Kenntnis der Dinge ohne weiteres, d. h. auch ohne einen besonders großen Geldbeutel möglich, sich die Ergänzungsstofse mit der Nahrung auch in dieser Zeit in ausreichender Menge zuzuführen. Da ist z. B das Sauerkraut ein guter Helfer. Man darf nur nicht den Fehler begehen, es stundenlang zu kochen. Einen Salat aus rohem Sauerkraut, mit etwas Oel und saurer Milch, eventuell noch mit einem geriebenen Apfel oder mit Wacholderbeeren gewürzt, wird der größte Feinschmecker nicht verschmähen. Ebenso schmackhaft sind Salate aus unseren heimischen Wurzel- und Knollengemüsen. Auch die Kartoffel sei in diesem Zusammenhang erwähnt, sie muß nur, ebenso wie die Gemüse, möglichst schonend zubereitet werden. Dazu gehört, daß sie nicht tags zuvor schon geschält wird und im Wasser liegen bleibt. Pellkartoffeln in so viel Wasser gekocht, daß es verdunstet ist, wenn sie gar sind, oder in einem Dämpfeinsatz oder -topf gargemacht, sollten in jedem Falle geschälten Kartoffeln vorgezogen werden.
Damit dienen mir nicht nur unserer Gesundheit, sondern wir Helsen mit bei dem Kampf um den vermeidbaren Verlust und Verderb an unseren Nahrungsgütern. Mit ein wenig Ueberlegung wird es jeder Hausfrau möglich fein, ihre Familie auch im Frühjahr so zweckmäßig zu ernähren,, daß sie frisch und leistungsfähig bleibt und daß die Frühjahrsmüdigkeit in ihren Grenzen gehalten wird. Gr. Aufmarsch der ehern. 116er in Gießen.
Das Infanterie-Regiment 116 veranstaltet anläßlich des diesjährigen 125jährigen Bestehens des ruhmreichen Regiments in der Zeit vom 18. bis 20. Juni in Gießen ein Treffen aller ehemaligen Angehörigen des Regiments, einschließlich dessen Kriegsformationen, des Res.-Jnf-Regts. 116, des Landwehr-Jnf.-Regts 116, des Jnf.-Regts. 186, der Ref.-Jnf.-Regtr. 222 und 254, der Jnf.-Regtr. 390 und 418, ferner der ehemaligen Angehörigen der Erg.-Batl. Gießen und 53.
Der Ruf des Regiments zur Teilnahme ergeht schon heute, um bei der sicher zu erwartenden Massenbeteiligung eine reibungslose Durchführung der vorgesehenen Großveranstaltungen zu ermöglichen. An die Einheiten der RS.-Kriegsopserversorgung, der Regimentsvereine, des Soldaten- und Kyff- häuserburck)es richtet das Regiment die Bitte, schon bei den nächsten Zusammenkünften ihre Angehörigen auf diese Tage besonders aufmerksam zu machen. Anmeldungen zur Teilnahme können schon jetzt beim Infanterie-Regiment 116 in Gießen erfolgen. Desgleichen ist das Regiment für Ueüermitt- lung besonderer Wünsche und Anregungen dank- bar*
Das Regiment hat bereits tatkräftig mit den Vorbereitungen begonnen. U. a. gelangt „Wallensteins Lager" zur Aufführung.
Also: Losungswort für den 18. bis 20. Juni für alle ehemaligen Angehörigen der Regimenter: „Auf zum Regimentstreffen in Gießen!"
provinziattagung
der Evangelischen Frauenhilfen.
Am Dienstag trafen sich in Gießen die Evangelischen Frauenhilfen von Oberhesfen zu ihrer Frühjahrstagung. Der Besuch war außerordentlich stark.
Am Vormittag fand im Markussaale eine Vor- ständebesprechung statt, die von der seitherigen Landesleiterin, Frau Heraeus (Offenbach a. M.) geleitet wurde. Nach einer Andacht, die der Landes- aeschästsführer, Pfarrer Röhricht (Darmstadt), hielt, belichtete Frau Ohly vom Hessischen Haupt- oerband über ihre Arbeit im verflossenen Winter in den angeschlossenen Frauenhilfen. Eine rege Aussprache schloß sich an.
Am Nachmittag sand im Cafe Leib die Hauptversammlung statt. Der Landesgeschäftsführer, Pfarrer Röhricht, erstattete den Jahresbericht, lieber die Kassenverhältnisse berichtete der Rechner, Pfarrer Behringer (Darmstadt). Von besonderem Interesse waren die Mitteilungen über das neu hergerichtete Erholungsheim in Nieder-Ramstadt. Im Mittelpunkt der Hauptversammlung stand ein Vortrag von Frl. Dr. Nopitsch (Nürnberg) über die Arbeit des Evangelischen Mütterdienstes. Frau Heraeus dankte der Rednerin für ihre Aussicht
rungen und stellte dann der Versammlung die neue Landesleiterin des Verbandes, Frau Dr. Schmidt (Darmstadt), vor.
Gietzener Dochenmarktpreiie.
* G i e ß e n, 17. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12H, Klasse B 12, Klasse C 11*4, Klasse D 10%, Wirsing, % kg 10 bis 14, Weißkraut 9 bis 10, Rotkraut 14, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 18, Grünkohl 15, Rosenkohl 15 bis 35, Feldsalat, Vio 8 bis 10, Tomaten, % kg 45 bis 50, Zwiebeln 12 bis 14, Meerrettich 30 bis 55, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Kartoffeln, % kg 5, 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mk., Aepfel, % kg 15 bis 25 Pf., Suppenhühner 1 Mark, Blumenkohl, das Stück 35 bis 50 Pf., Salat 10 bis 25, Endivien 8 bis 20, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 20 Pf.
** Arbeitsjubiläum bei der Stadt. Am heutigen Tage kann der bei dem Städtischen Elektrizitätswerk beschäftigte Zählerprüfer Wilhelm Pfeiffer auf eine fünftindzwanzigjährige Tätigkeit im Dienste der Stadt Gießen zurückblicken. Der Jubilar ist bei dem Prüfamt des Elektrizitätswerkes tätig und hat Prüfungen an den kompliziertesten Geräten und Instrumenten vorzunehmen. Zu diesen wichtigen Arbeiten gehört große Sachkenntnis und Gewissenhaftigkeit, da von dem Funktionieren der Instrumente sehr viel für das Werk abhängt. Herr Pfeiffer versieht seinen Dienst als Vorarbeiter und ist Vertreter des Prüfmeisters. Im Kreise seiner Arbeitskameraden wurde der Jubilar geehrt und ihm ein Glückwunschschreiben des Oberbürgermeisters überreicht.
** Klebgürtel müssen entfernt werden! In einer Bekanntmachung der Stadtverwaltung wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Obstbaumbesitzer nunmehr die zur Bekämpfung des Frostspanners an den Obstbäumen angebrachten Klebgürtel zu entfernen und zu verbrennen haben.
Von der Arbeitsfront der Frau.
gfs. Wieseck, 16. März. In unserer Frauen- schäft fand die feierliche Verpflichtung von 180 neuen Mitgliedern für das Deutsche Frauen- w e r k statt. Der Saal war für diese Feierstunde festlich mit Fahnen und Blumen geschmückt. Die Leiterin Frau M ö b u s begrüßte die Anwesenden. Nach gemeinsamem Lied sprach Ortsgruppenleiter Pg. Euler über die Aufgaben der Frau im Dritten Reich. Nach einem Vortrag des Gedichtes .Kameradschaft" von H. Annacker verpflichtete die Leiterin die Frauen durch Handschlag auf den Führer.
gfs. Reiskirchen, 16. März. Ein schöner Abschlußabend beendete hier den Lehrgang in Gesundheitslehre und häuslicher Krankenpflege, den der Reichsmütterdienst unter Leitung von Schwester Josefine Englert durchführte. Die Mitglieder der Frauenschaft waren anwesend, ebenso Zellenleiter Roth und Bürgermeister Launspach, die beide ihrer Befriedigung über diesen Kurs Ausdruck gaben. Der erste Teil des Abends brachte eine Ansprache der Leiterin des Lehrgangs über die Aufgaben des Reichsmütterdienstes. Gedichte und Lieder erhöhten die Feierstimmung. Im gemütlichen Teil gaben die Teilnehmerinnen immer wieder ihrem Dank an Schwester Josefine Ausdruck, die keine Mühe gescheut hatte, ihr Wissen und ihre Erfahrung den Schülerinnen zu übermitteln.
gfs. Lauter, 16. März, lieber die Aufgaben der Frau in der Volkswirtschaft sprach in unserer Frauenschaft Frau Schäfer aus Gießen. Die Rednerin machte die Frauen besonders darauf aufmerksam, beim Kuchenbacken für die kommenden Festtage zu Ostern sparsam mit den vorhandenen Lebensrnitteln umzugehen, einheimische Erzeugnisse
soll man nicht vernachlässigen. Der häufig krasse Witterungswechsel macht nicht abgehärtete Naturen leicht anfällig. Deshalb beuge man rechtzeitig vor und wende sofort bei den ersten Anzeichen wie Frösteln, beginnendem Husten, Schnupfen und Heiserkeit folgendes Rezept an:
„Je einen Eßlöffel Klosterfrau-Meliffengent und Zucker in einer Tasse gut umrühren, kochendes Wasser hinzugießen und zwei dieser Porttonen möglichst heiß vor dem Schlafengehen trinken (Kinder halb so stark). Zur Nachkur nehme man noch einige Tage die halbe Menge".
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zu bevorzugen und die Reste praktisch zu verwerten. Die Frauen folgten den klaren Ausführungen mit großem Interesse.
gfs. Weickartshain, 16. März. Unseren Ausländsdeutschen war der Abend in der Frauen- schast gewidmet. Fräulein Schwabe aus Klein- Linden sprach über das Deutschtum in Brasilien. Sie verstand es, das lebhafte Interesse aller Zuhörer zu wecken; besonders das JV. und die IM. folgten den fesselnden Schilderungen mit reger Anteilnahme. Der Abend war sehr gut besucht.
gfs. Stockhausen, 16. März. Die Abteilung Volkswirtschaft — Hauswirtschaft im Deutschen Frauenwerk veranstaltete hier einen Fischkochabend, den Fräulein C h r i st aus Gießen leitete. Es waren eine Menge abwechslungsreicher Gerichte aus dem Seefisch hergestellt worden, deren Zubereitung erklärt und gezeigt wurde. Die Frauen waren mit Eifer dabei und nahmen voller Anerkennung die Kostproben.
gfs. Gambach, 16. März. In unserer Gemeinde begann der Reichsmütter dien st einen Säuglingspflegekurs, an dem 45 Frauen und Mädchen teilnahmen. Die Abteilungsleiterin des Kreises Wetter, Schwester Emely (Böbbers, wird diesen Lehrgang leiten.
Zuchthäusler im Nebel entwichen.
LPD. Friedberg, 16. März. Zwei Gefangene des Zuchthauses Marienfchloß in Rockenberg waren mit Auhenarbeiten am Dorfrand beschäftigt. Ein Häftling benutzte das neblige Wetter zur Flucht und entkam über die Felder. Die sofort aufgenommene Verfolgung verlief ergebnislos.
Abenteuer in Paris.
Vornan von Hans Hirthammer.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Die Erwähnung des Hotels „Esplanade" hatte sie stutzig gemacht. Woher wußte er davon? Willy wollte doch auch--Aber sie war ganz sicher, daß
sie ihrem Reisebegleiter nichts davon gesagt hatte.
Gerda schüttelte beunruhigt den Kopf. Sie fühlte sich von Geheimnissen umgeben Und konnte nichts tun.
Wer war dieser Heinz Stadler? War er wirklich der harmlose Studierende, für den er sich ausgab? Sie zweifelte immer mehr daran.
Madame Pluchard klopfte an die Tür. „Wollen Mademoiselle nicht zu Tisch kommen?"
Gerda erhob sich und folgte der Wirtin in das Speisezimmer.
Es war ein mäßig großer Raum mit dem Blick auf die Straße.
„Hier, Mademoiselle, ich habe den Fenstertisch für Sie reserviert. Es ist Herrn Stadlers Stammtisch." „Herr Stadler scheint ein häufiger Gast Ihres Hauses zu sein. Ich wußte gar nicht, daß er öfter nach Paris kommt."
Madame Pluchard machte ein erstauntes Gesicht. „Das wußten Sie nicht? Aber... es ist doch naheliegend, da sein Beruf--"
„Welcher Beruf?"
Die Besitzerin der „Drei Milchfrauen" geriet in große Verlegenheit. „Oh, verzeihen Sie, Mademoiselle, aber ... wenn Monsieur Stadler Ihnen seinen Beruf nicht genannt hat, dann ... oh, ich weiß wirklich nicht, ob ich fein Geheimnis--"
„Aber nein, Madame, lassen Sie nur! Ich will mich selbstverständlich nicht in Herrn Stadlers Geheimnisse drängen."
„Ich bin überzeugt, daß er Ihnen gerne Auskunft geben wird, wenn Sie ihn fragen werden."
Gerdas Erscheinen war unter den Gästen nicht unbemerkt geblieben. An mehreren Tischen drehte man sich nach ihr um und musterte sie mit neugierigen, aber keineswegs unfreundlichen Blicken.
Gerda hätte sich recht behaglich gefühlt, wenn nicht die Angst um die beiden Männer in ihr gewesen wäre. Don Willy Ruland war immer noch kein Lebenszeichen gekommen, und auch Stadler schien sich mehr zu verspäten, als man ohne Beunruhigung hinnehmen konnte.
Sie begann zu essen, und obwohl die Speisen
tatsächlich hervorragend zubereitet waren, hatte sie keinen Appetit und würgte Bissen um Bissen hinunter.
Sie war kaum fertig geworden, da stand ein junger Mann vom Nebentisch auf und trat lächelnd auf sie zu. „Gestatten Sie, mein Fräulein, ich höre, daß Sie mit Herrn Stadler nach Paris gekommen sind! Ich bin ein guter Freund von ihm, Armand Larusse, Maler und Dichter in einer Person. Störe ich, wenn ich Ihnen ein wenig Gesellschaft leiste?"
„Nicht im geringsten!" lachte Gerda, die von der rischen und ungezwungenen Art des jungen Mannes angenehm berührt war.
Armand Larusse hatte einen ausgesprochen südländischen Typ. Das Haar war tiefschwarz und leicht gewellt, und die dunklen, feurig glänzenden Augen konnten einem jungen Mädchen sicher ge- ährlich werden.
„Sie sind mit Heinz befreundet?" fragte er in einem Ton, als sei es selbstverständlich, darauf eine Antwort zu erhalten.
„Keineswegs! Wir haben uns erst während der Reise kennengelernt. Außerdem bin ich bereits verlobt. Sie dürfen also unbesorgt sein, ich werde Ihnen den Freund nicht abspenstig machen."
„Eine sehr beruhigende Nachricht! Darf ich Ihnen eine Zigarette anbieten?"
Sie nahm dankend an, und als die blauen Rauchwolken über dem Tisch schwebten, begann Armand feine Fragen fortzusetzen. „Wo steckt er denn jetzt? Ich finde es nicht schön von ihm, gleich am ersten Tag seines Aufenthaltes seine Freunde zu versetzen. Man sieht ihn so selten."
„Herr Stadler sagte mir, daß er hier seine Studien zum Abschluß bringen möchte. Sie kennen sich wohl von der Akademie her?"
Armand lachte belustigt auf. „Ah, so ein Gauner! Jedem erzählt er etwas anderes. Mich wollte er einmal glauben machen, daß er als Filmregisseur tätig sei. Wenn man ihn nicht genau kennen würde, könnte man sich alles mögliche denken."
„Wie meinen Sie bas?"
„Nun, er treibt sich bald hier, bald dort herum, hat immer Geld, ohne daß er irgendeinem Beruf nachginge, — wäre es nicht naheliegend, ihn für einen Hochstapler ober etwas ähnliches zu halten?"
„Um Gottes willen. Sie erschrecken mich!"
„Keine Sorge, Mademoiselle, ich lege die Hand für ihn ins Feuer." Q
3n diesem Augenblick wurde die Tür aufgerissen, Heinz Stadler stürzte herein, warf einen raschen Blick über die Anwesenden und eilte auf den Tisch zu, an dem Gerda saß. Er sah schrecklich aus. Sein
Haar war zerrauft, der Kragen hatte sich ver- choben, sein linker Aermel und Teile seiner Hose Daren von Staubflecken verschmutzt. Außerdem teckte er in einem merkwürdigen, frackähnlichen Anzug, er sah wie ein Kellner aus.
Gerda war aufgesprungen. „Herr Stadler, mein Gott, was ist geschehen? Sprechen Sie doch!"
„Nichts ist geschehen! Madame Pluchard, rasch ein paar Bissen zu essen! Irgend etwas, aber ganz schnell! Armand, fein, daß ich dich antreffe! Wie geht es dir? Haben uns ja lange nicht mehr gesehen! Was macht die Kunst?"
„Habe gerade Lust, jetzt von der Kunst zu sprechen! Allen Ernstes, Heinz, willst du uns wirklich nicht sagen, was los ist?"
„Nichts, zum Teufel noch mal! Laß die dumme Fragerei! Ich habe Hunger. Ah, da kommen ja schon die Herrlichkeiten!"
Madame Pluchard hatte die Schüssel noch gar nicht richtig auf den Tisch gestellt, da fiel Heinz bereits über den Inhalt her; man hätte angesichts seines Heißhungers tatsächlich annehmen können, daß sein Magen schon seit mehreren Tagen auf das gröblichste vernachlässigt worden sei.
Er kam aber nicht weit mit dem Essen, denn schon nach wenigen Minuten öffnete sich die Tür abermals. Diesmal jedoch waren es zwei Polizisten, die da unvermutet auftauchten. Sie blieben nahe der Tür stehen, hielten die Hand an der Pistolentasche und schauten sich prüfend im Zimmer um.
Es entstand ein unbeschreiblicher Tumult. Verschiedene Gäste sprangen von den Stühlen auf, andere stießen erregte Rufe aus, alles aber wartete in großer Spannung, was das Erscheinen der Polizei zu bedeuten habe.
Nun hatten die Polizisten Heinz Stadler entdeckt, und ihre Gesichter bekamen etwas Entschlossenes. Mit raschen Schritten strebten sie auf den Fenstertisch zu.
Aber Heinz war flinker als sie. Er sprang auf. „Ich komme abends auf deine Bude, wenn sie mich nicht vorher schnappen!" flüsterte er Armand zu. Dann sprang er auf den Stuhl, vom Stuhl auf den Tisch, nun ein entschlossener Satz — er hatte durch das offene Fenster die Straße erreicht. Die verdutzten Gäste sahen noch, wie er auf ein eben haltendes Auto zustürzte, wie der Besitzer des Wagens urplötzlich auf dem Straßenbord landete — und schon saß Heinz im Wagen und sauste von bannen.
„Verflucht!" zischte einer der Polizisten und steckte seine Pistole wieder in die Gürteltasche. „Wieder entwischt!"
„Warum verfolgen Sie den Mann?" stotterte Armand Larusse mit bleichem Gesicht.
Der zweite Polizist strich seinen Schnurrbart zurecht, der während der anstrengenden Verfolgung etwas in Unordnung geraten war. „Das ist ein ganz gerissener Hochstapler, hinter dem wir schon seit drei Monaten her sind. Diesmal hätten wir ihn beinahe erwischt."
„Laß nur, Pierre! Wir fassen ihn schon noch."
13.
Die Gäste des „Esplanade" hatten ihren Aperitif ausgetrunken und erhoben sich nun, um das Klub- zimmer aufzusuchen.
„Wo bloß Loonde so lange bleibt?" begann Otto Czibulka, anscheinend der Häuptling dieser ehrenwerten Gesellschaft. „Er hatte uns doch seine Ankunft bestimmt zugesagt!" Otto Czibulka war ein etwas untersetzter, vierschrötiger Bursche, dem man cs ohne weiteres glaubte, daß er nicht gerade der Heilsarmee angehörte.
„Weiß der Teufel! Mir will sein Fernbleiben gar nicht gefallen. Vielleicht hat er Verdacht geschöpft und hetzt uns womöglich die Polente an den Hals." Es war Paul Sacher, der diese Antwort gab, im Vergleich zu Czibulta ein sehr harmlos aussehender junger Mann, der sich seines flachsblonden Haares nicht wenig schämte.
„Ach, Unsinn!" widersprach Czibulka. „Im übrigen möchte ich dir raten, deine Offenbarungen nicht so laut in die Welt zu schreien. Der Kellner kann jedes Wort hören."
„Vorausgesetzt, daß er Deutsch versteht, was ich bezweifeln möchte." Er wandte sich an Heinz, der eben den Tisch abräumte. „Sie können uns dann ein anständiges Frühstück ins Klubzimmer bringen." Er bediente sich, scheinbar aus Versehen, der deutschen Sprache.
Heinz zuckte verlegen die Schultern. „Oh, excu- sez, monsieur! Je ne comprends pas.“
„Na also!" triumphierte Paul Sacher. Siehst du wohl? Keine Silbe hat er verstanden." Er wiederholte den Auftrag auf Französisch.
„Gewiß, für jeden Herrn ein Frühstück! Wünschen Sie Toast mit Schinken oder mit Ei?"
„Ist uns vollkommen egal!" rief Czibulka und streckte die Beine von sich. „Na, bringen Sie mit Schinken! Uebrigens — führen Sie noch das gute deutsche Bier, das uns beim letztenmal vorgesetzt wurde? Es war wirklich ausgezeichnet."
„Naturellement, Monsieur!“ Jedem Herrn eilt Glas Bier, n’est-ce pas?"
(Fortsetzung folgt.)


