treten. Auswärtige Schüler der Gießener Schulen können auch das Groß-Konzert der Wehrmacht be» suchen unb haben ebenfalls in Uniform um 9.30 Uhr vor der Lolkshalle anzutreten. Die Einheiten melden sich bei Oberscharführer Werner Büdenbender. Bek.: Iugendfilmstunde.
Arn kommenden Sonntag, 20. Februar, findet um 10 Uhr im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, eine Iu- gendfilmstunde statt. Es wird der Film „Standschütze Bruggler" aufgeführt. Die Karten Und von den Einheiten in Sammelbestellungen auf der Verwaltungsstelle des Bannes abzuholen und kosten 0,20 Mark.
Betr.: Leisiungsbewertung der Gefolgschaften im Bann 116.
Am kommenden Sonntag, 20. Februar, finden folgende Bewertungsappelle statt:
8.30 Uhr Gefolgschaft 16/116 in Lich,
11 Uhr Gefolgschaft 11/116 in Hungen,
13 Uhr Gefolgschaft 12/116 in Inheiden.
Betr.: Arbeitsbesprechung aller Unterbann- und Gefolgschaftsführer.
Die Arbeitsbesprechung der Unterbann- und Gefolgschaftsführer des Bannes 116 findet, wie bereits bekannt, am kommenden Freitag, 18. 2., um 20.30 Uhr, auf der Banndienststelle statt.
Betr.: Arbeitsgemeinschaft der HJ.-Führer und-Führerinnen des BD2H.
Die für- kommenden Freitag, 18. Februar, vorgesehene Arbeitsgemeinschaft wird auf Freitag, 4. März, verlegt.
ÄOM.-ilntergau 116.
Dienstbefeht für den Standort Großen-Linden.
Der BDM. des Standortes Großen-Linden ist heute, 17. Februar, 20 Uhr, am Heim zum Appell angetreten.
Dienstbefeht für den Standort Leihgestern.
Der BDM. des Standortes Leihgestern ist heute, 17.2., um 20 Uhr, am Heim zum Appell ange* treten.
BOM.- u.ZM.-Llntergau 116, Gießen.
Betr.: HI.-Arbeitsgemeinschaft.
Um Irrtümer zu vermeiden, wird noch einmal durchgegeben, daß die Arbeitsgemeinschaft für M- und IM.'Gruppenführerinnen am Freitag doch stattfinüet.
Betr.: Kurs für Führerinnen-Anwarterinnen in Schloß Dehrn.
Die M.- und JM.-Führerinnen fahren am Sonntag, 20. 2., um 14.09 Uhr von Gießen ab und find um 15.43 Uhr in Eschhofen, von wo aus nach Schloß Dehrn marschiert wird.
Von der Universität Gießen.
Der frühere Rektor der Universität Gießen, Prof. Dr. Pfähler, wurde mit Wirkung vom 1. April 1938 ab auf den Lehrstuhl von Prof. Ach in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen berufen. Er gehört aber gleichzeitig auch der Philosophischen Fakultät an und nimmt hier die Aufgaben des früher von Prof. Nohl innegehabten Lehrstuhls wahr. Er vertrttt die Fächer Psychologie und Pädagogik.
Weiter wurde der Direktor der Chirurgischen Klinik der Universität Gießen Prof. Dr. med. A. W. Fischer ebenfalls mit Wirkung ab 1. April 1938 aüf den gleichen Lehrstuhl an der Universität Kiel und zum Direktor der dortigen Chirurgischen Universitätsklinik berufen. Beide werden dem Rufe folgen.
Militärische Hebung bei Gießen.
Am morgigen Freitag findet südwärts und südostwärts von Gießen eine Winterübung der Wehr- machtsteile der Standorte Gießen, Wetzlar, Butzbach, Friedberg, Büdingen und Gelnhausen statt. Die Gefechtshandlungen werden schon am frühen Morgen beginnen und sich im Laufe des Tages irn^ mer mehr entwickeln, bis sie voraussichtlich erst in den Abendstunden zum Abschluß kommen werden. Der Verlauf der Uebung verheißt den Schlachtenbummlern mancherlei interessante Ereignisse, da in den Kampfhandlungn auch die Waffenwirkung der motorisierten Truppenteile zur Geltung kommen wird.
pflüg’ mit, Kamerad!
Mehr Helfer für den Bauern! - Landarbeitslehre, eine große Forderung. — Schaffung eines Reubauerntums.
Für die Bauern und Landwirte ist die Lanb- arbeiterfrage von großer Wichtigkeit. Der Bauer und feine Familienangehörigen sind in den meisten Fällen erheblich überlastet. Der Arbeitstag ist lang, die Freizeit kurz, (£s‘ fehlt an den notroenbigeh Landarbeitern. Leider wanderte in den vergangenen Jahrzehnten ein großer Teil des bäuerlichen Nachwuchses in die Stadt ab, wandte sich der Industrie zu, im Glauben, dort bessere Lebensbedingungen zu finden. Diese Meinung erwies sich in vielen Fällen als irrig. Die Lebenshaltung des Landarbeiters ift. insbesondere im Hinblick auf die Ernährung, meist weitaus günstiger.
Die Landarbeiterfrage stellt heute ein Problem von staatspolitischer Bedeutung dar. Landarbeitermangel kann den Erfolg der Erzeugungsschlacht in Frage stellen und die Volksernährung gefährden. Die Landflucht stellt aber auch eine völkische Gefahr bar, denn durch die Abwanderung vom Lande wirb ber Blut- unb Lebensquell geschwächt, den bas Bauerntum darstellt.
Leider ist früher das fianbarbeiterproblem allzulange vom grünen Tisch aus bearbeitet worden. Der Beruf des Landarbeiters fand keine sonderliche Achtung, und zur Zeit der Systemregierung glaubte man in Arbeits- und Fürsorgeämtern, das unerfreuliche Menschenmaterial in ber Landwirtschaft unterbringen zu können. Der Jnbustriearbeiter glaubte auf ben Landarbeiter herabsehen zu können.
Unter der Führung der nationalsozialistischen Regierung wird hier ein grundsätzlicher Wandel anae- ftrebt. Schon mancher Fortschritt ist dabei erreicht worben. Der ßanbarbeiter steht heute nicht mehr abseits in der Gesamtbetrachtung des Landvolkes, sondern er gehört in Haus-, Hof- unb Tischgemein- fcbaft zum Landvolk. Einen ßanbarbeiter„ftanb" gibt es nicht, unb ihn soll es auch in Zukunft nicht geben. Der ßanbarbeiter soll aber auch bas besitzen, was man die Binbung an ben Boben nennt. Aus bem ßanbarbeiter, aus tüchtigen unb erbgefunben Menschen soll ein Neübauernturn geschaffen werben.
Die ßanbesbauernschaft in unserrn Gau, wie auch im Reiche setzt sich energisch bafür ein, daß dem ßanbarbeiter bessere ßebensbebingungen geschaffen werben. Vor allem soll durch einen großzügigen Wohnungsbau dem ßanbarbeiter unb seiner Familie eine gute Unterkunft gesichert unb damit gleichzeitig eine engere Bindung zum deutschen Boden gegeben werben. Dieses Ziel ist energisch in Angriff genommen worben. 19 000 Wohnungen in Einfamilienhäusern würben im ganzen Reichsgebiet geschaffen. Ohne Inanspruchnahme ber Förderungs- mittel würben 7000 Lanbarbeiter-Wohnungen gebaut. So ist man bemüht, bem ßanbarbeiter ein Heim zu schaffen, aus bem er mit immer neuer Arbeitskraft auf bas Felb geht. Wohl ist bie1 Bar- entlohnung bes ßanbarbeiters noch nicht in ber Höhe möglich wie in ber Inbustrie, häufig wird aber übersetzen, daß ber ßanbarbeiter nie für Wohnung ober für bas Essen befonbere Ausgaben hat, sonbern baß er in ben weitaus meisten Fällen mit kräftiger Kost von seinem Gefolgschaftsführer versorgt wird unb außerbem Deputat (Naturalentlohnung) in Form von Kartoffeln, Korn, Holz, Ge- fpannbienft für bas eventuell vorhandene eigene Stückchen Land erhält, während ber Industriearbeiter in ber Stabt für jedes Pfund Kartoffeln ben entsprechenben Preis sofort bar auf ben Tisch legen muß. Der ßanbarbeiter kann sich, sofern er ben Willen dazu t)at, Geld sparen, er kann Ein- richtungskrebite in Anspruch nehmen unb nach Jahr unb Tag sehr wohl zu einem Neubauerntum geführt werben. Hier finbet sich für ihn eine große neue Zielsetzung.
Zur Sicherung ber Lebenshaltung des Land- arbeiters sollen nach Möglichkeit langfristige Arbeitsverträge abgeschlossen werben. Als eine erfreuliche Tatsache ist zu meiben, baß in ben Iah- ren 1935/1936 20 000 bis 25 000 Saisonarbeiter in ber Landwirtschaft für Dauerarbeit übernommen
werben konnten. Zur finanziellen Sicherstellung find für ben Landarbeiter Tarife geschaffen worden, bie sich schon erheblich zu seinen Gunsten aus- gewirkt haben. Alle Bemühungen laufen darauf hinaus, ein ungerechtes Vorurteil gegen bie Land- arbeit zu entkräften.
Eine wichtige Neuerung auf bem Gebiete ber ßanbarbait stellt bie Forderung einer exakten, anerkannt guten Berufsausbildung für die Zukunft bar. Es soll nicht mehr so sein, daß in Zukunft ein junger Mensch nach der Schulentlassung auf ben Hof kommt unb nun ftänbig mit untergeordneter Arbeit beschäftigt wirb. Auch ber ßanbarbeiter soll in Hukuttst seinen Beruf richtig erlernen. Die zweijährige ßanbarbeitslehrzeit soll babei eine Grund- ausbilbung barstellen, auf die sich eine Spezialausbildung aufbauen kann. Für ben männlichen ßanbarbeiter gibt es babei eine stattliche Anzahl von Möglichkeiten, sich befonbers auszubilden: er kann Melker, Schäfer, Schweinewärter, Geflügelzüchter, landwirtschaftlicher Brenner, Milchkontrollassistent, Gärtner, Fischer, Privatforstwart usw. werben. Kaum weniger groß ist die Zahl ber Möglichkeiten für die Landarbeiterin. In bem Bemühen, auch bie Bauersfrau zu entlasten, müssen auch ßanbarbeiterinnen herangebildet werben, die gegenwärtig nur in verhältnismäßig geringer Zahl zur Verfügung stehen. Unter dielen neuen Gesichtspunkten wird mancher junge Mensch zu erwägen haben, ob er die Arbeit unter Gottes freiem Himmel, ben Umgang mit ber lebenbigen Frucht, mit bem Tier unb schließlich mit der dienstbereiten Maschine nicht ber Arbeit vorzieht, die ihn in einem Fabrikbetrieb bet einer häufig gleichgearteten Arbeit hinter immer ben gleichen Fenstern festhält.
Der ßanbbienft hat hier große Aufgaben zu erfüllen, indem er in ben jungen Menschen bie ßiebe zur bäuerlichen Arbeit, zur freien Natur und zur Heimat weckt unb ihnen so ber Dienst an ber Mutter Erbe zu einer Berufung wirb, als bie bas Bauerntum seine Aufgabe aufzufassen hat.
Am vergangenen Dienstag würbe den Vertretern ber Presse bes Rhein-Main-Gebietes durch die ßanbesbauernschaft Hessen-Nassau Gelegenheit gegeben, sich bei einer Rundfahrt durch Oberhessen mit den Angelegenheiten des ßanbarbeiters bekannt zu machen. Insbefonbere wurden landwirtschaftliche Betriebe verschiedener Größe besucht und babei auch bie-Unterbringung ber ßanbarbeiter in Augenschein genommen. So besuchte man ein Hofgut bei ß i cf) und überzeugte sich dort von ber guten Unterbringung der ledigen ßanbarbeiter unb sah auch eine vorbildliche Schweizer-
Jetzt Möbel billig kaufen im Total-Ausverkauf Möbelhaus KOOS
Marktstraße 8, 1. Stock 993a Kein Laden
Wohnung. In ßangsborf hatte man Gelegenheit, einen Dauern zu sprechen, der einen Land- arbeitslehrling halten will unb sich für dessen Ausbildung einen klaren Plan gemacht hatte. In Büches hielt man in einem kleinen bäuerlichen Betrieb Einkehr, dessen Besitzer für fernen ßanbarbeiter ein schönes Eigenheim gebaut hat. Schließlich hörte man in einem größeren landwirtschaftlichen Anwesen in D 0 n h a u s e n bei Büdingen von einem schönen patriarchalischen Verhältnis des Bauern mit feiner Landarbeiter-Gefolgschaft, sah in Mittelgründau großzügige Werkwohnungsbauten des bortigen Hofgutes und besuchte abschließend in Nieder-Florstadt einen großen Gutshof, auf dem schon feit Jahrzehnten ein sehr gutes Einvernehmen zwischen Betriebsführer unb Gefolgschaft herrscht.
Landarbeitslchre -
Grundlehre für alle landwirtschaftlichen Berufe.
Mit dem Erlaß der Grundbestimmungen für die Ausbildung in ben Berufen ber ßandwirtfchaft durch den Reichsbauernführer wurde eine Entwicklung abgeschlossen, die als Ziel die Anerkennung ber fianbarbeit als Facharbeit hat.
Es rft damit eine Forderung der Hitler-Jugend — ben schweren und verantwortungsvollen Berufen ber ßandwirtfchaft endlich ben ihnen gebührenben ehrenvollen Platz im Berufsleben zuzuerkennen — erfüllt worden.
Auf Grund der Ausbildungsbestimmungen für bie landwirtschaftlichen Berufe ist nunmehr ein Lehrvertrag geschaffen worden, ber einen wertvollen Beitrag zur Neuregelung bes Berufslebens im nationalsozialistischen Sinne darstellt.
Im ersten Teil des Vertrages für Landarbeits- lebrlinge heißt es z. B.: „Die Lanbarbeitslehre ist ein Erziehungs- und Ausbildungsverhältnis auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens und gegenseitiger Treue. Ihr Ziel ist ein beruflich tüchtiger, körperlich gesunder unb fest im Nationalsozialismus stehender Nachwuchs."
Die ßandarbeitslehre ist für alle Berufe der ßandwirtfchaft der Ausgangspunkt. Auf die zweijährige ßandarbeitslehre bauen erst alle anderen allgemeinen und Spezialberufe ber ßandwirtfchaft auf. Nach bem Bestehen ber Lehrlingsprüfung unb ber abgeschlossenen zweijährigen Landarbeitsgehilfen- zeit erlangt der Lehrling ben ßanbarbeiterbrief und ist damit ein anerkannter Facharbeiter. Es wird
sich tünftig niemand mehr ßanbarbeiter nennen dürfen, ber nicht den ßanbarbeiterbrief erhalten hat.
Für bie Ausbilbung in den Sonderberufen erfolgt nach der zweijährigen ßandarbeitslehre der Eintritt in - bie meist zweijährige Sonberberufs« lehre, wie der Lanbwirtfchaftslehre oder ber Ausbildung zum Melker, Geflügelzüchter, Tierzüchter, Schäfer u. a.
Mit ber Grundausbildung in der ßanbarbeits- Lehre soll erreicht merben, baß der später in bie Spezialberufe abgehende Nachwuchs Kenntnisse von den allgemeinen Arbeiten der ßanbwirtschaft hat unb ber Ausbilbung auf einem Teilgebiet ber ßanbwirtschaft so bie notwenbige Grunblage gegeben wirb. Damit ist die Gewähr gegeben, daß ein vielseitig ausgebilbeter Berufsnachwuchs auch für die Spezialberufe der Lanbwirtschaft heranwächst.
Oeffenllich meistbietende pachtveksteigernngen verboten.
Fwd. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — Stelle für die Preisbildung — hat angeordnet, daß bis auf weiteres mit sofortiger Wirkung bie öffentlich meiftbietenbe Verpachtung landwirtschaftlich, gärtnerisch, fifchereiwirtschaftlich ober weinbaulich genutzter Grundstücke allgemein zu unterbleiben hat. Verstöße gegen das Verbot werden geahndet.
19. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
Die Mädchen aus der Burgflraße
Noman von Hilde K Lest.
Du bist eigentlich, mein lieber Karl Viereck, ein schwächlicher Patron. Du redest gern vom Zupacken, ober tust es nicht, wenn es soweit ist. Sieh dir das kleine Mädel an, wie es tapfer an seiner Liebe festhält. Wo hat es bloß bie Kraft her? Von der ßiebe etwa? Dann muß diese ßiebe also doch niehr sein als das bißchen Pulsschlag, das du bisher zuweilen gespürt hast. „Dann, Herr Viereck, hätten wir das also noch vor uns--?"
„Was hast du vor dir?" fragte Ursel.
Viereck erschrak. „Habe ich laut gesprochen? Verzeihe, bas sollte nicht sein. Ich habe mir nur überlegt, was ßiebe ist, unb ob sie mir noch bevorsteht."
„ßiebe ist", sagte Ursel und legte die Hanb auf seinen Arm, „fahre langsamer, ich will es dir sagen, ßiebe ist, wenn man all seinen Stolz abwirft, wenn man sich bedingungslos dem andern ausliefert, auch auf, die Gefahr hm, abgeschüttelt zu werden. Ich wußte es gestern noch nicht, heute weiß ich es. Und du wirst es auch einmal wissen."
"Aber, Ursel, ich habe doch gar keinen Stolz, ben ich abschütteln müßte. Paß auf, ich trete jetzt die Bremse, dann nehme ich dich bedingungslos in die Arme, und wenn du mich abschüttelst, ist es zu spät!"
"Es wird nicht zu spät sein, denn ich werbe dich dann bitten, mir zu helfen, damit ich den anderen erringen kann. Siehst du, jetzt fährst du schon wieder schneller."
Viereck bremste mit aller Gewalt, so daß er den schleudernden Wagen wieder fangen mußte. Ursel sah ihn erschreckt an, aber die Ursache ihres Schrak- kens war schon vorbei. „Nun werfe ich all meinen männlichen Stolz über Bord", sagte er, „unb sag dir, daß ich dir helfen will, so gut ich es vermag. Das ist auch Liebe, aber es ist nicht bie von ber Art, wie sie die kleinen Mädchen sich wünschen. Nenn sie meinetwegen Freundschaft. Schieß los kleine Ursel, wo ist der böse Feind, ben ich packen soll?"
Sie hatten ben Wagen in Geltow verlassen unb schritten am Ufer ber Havel entlang zur Meierei. Auf diesem Wege erfuhr Viereck das letzte Kapitel ihrer Deichte: bah ber böse Feind Lisbeth hieß. Er
kannte Lisbeth nur vom Sehen, aber bie Vorstellung stimmte ihn heiter, baß biejes herbe, verschlossene Mäbchen sich des Assessors Mansfeld gewissermaßen bemächtigt haben sollte.
„Du lachst!" sagte Ursel betreten.
Viereck zog ihren Arm in ben feinen. „Paß auf, kleine Ursel, wir trinken jetzt in der Meierei ein mächtiges Glas Milch zu einem ungeheuren Stück Butterbrot. Das ist gefunb unb vertreibt die Rosinen aus dem Kopf, die meinen und bie beinen. Wenn du willst, laß ich bir vorn Wirt erzählen, daß eine Rike hier im Wildpark, wie anderswo auch, nie zum Hafen findet. Zum Löffelmann gehört eine Häsin, eine süße, weiche, kuschelige Häsin mit ängstlichen Augen und mißtrauischen Ohren. Eine Ursel- Häsin. Siehst du, jetzt lachst du selbst. Lach' mich aus. Kleines, morgen spätestens wirst du auch über dich lachen."
„Aber du darfit nicht mit ihm sprechen!"
„Mit Herrn Löffelmann?" Dazu hätte Viereck auch nicht bie geringste Lust gehabt. Aber er sagte ausweichenb: „Stellst du schon wieder Bebingungest? Mir scheint, der Stolz kehrt schon wieder in unser kleines Mädchen zurück."
*
"Herr!" sagte ber Iustizrat, „bas ist Menschenraub, darauf steht Paragraph ..."
„Lassen Sie bas", meinte fein Gegenüber, „ich bin nicht für Ihre Ehe verantwortlich unb kann nichts bafür, wenn dieser kleine Schwindel die einzige Möglichkeit war, Sie ohne Ihre werte Gattin zu einer Unterredung aus bem Hause zu lotsen. Ich habe mich also als Fahrer bes Senatspräsidenten Kleinmann ausgegeben, ber Sie bitten läßt, zu einer bringenden Besprechung zu kommen. Nun stimmt es zwar, daß Herr Kleinmann nichts davon weiß unb baß ich auch nicht sein Fahrer bin. Aber bafür fitzt man hier im Krollschen Garten recht gemütlich, die Musik spielt gerabe, wie Sie hören, einen Walzer aus Ihrer Iugenbzeit, unb mit mir plaubert es sich auch nicht übel, wenn ich auch von einem Dreistufenvergaser mit polierten Ansaug- kanälen mehr oerstetze als von Ihren Paragraphen. Was haben Sie also gegen biefe Situation?"
"2ch werde Sie verhaften lassen", knurrte ber Iustizrat unb trommelte babei mit ben Fingern ben Walzertakt. Dann putzte er seine Brille, faßte sein Gegenüber fester ins Auge und sagte: „Sind Sie nun eigentlich ein Erpresser oder Mitglied einer Einbrecherbande, die meine Villa unterdessen ausräumen will?"
„Der Herr Iustizrat waren wohl nie Strafver- teibiger? Sonst müßte Ihnen die kriminalistische Logik sagen, daß Einbrechern mehr gedient ist,
wenn man Ihre Frau Gemahlin aus bem Hause entfernt..."
„Unverschämtheit!"
„Im übrigen , sagte Viereck unbeirrt, „bin ich Erpresser. Ich möchte Ihre Zustimmung zu ber Verlobung Ihres, Sohnes mit Fräulein Ursula Lenz einholen.
Da lachte ber Iustizrat. „Mann, Sie leben wohl Hinterm Monde! Seit Wochen ist von nichts anderem bie Rebe als von dieser Verlobung mit einem Fräulein Lenz. Ich habe mir den Spaß schon zwanzigtausend Mark kosten lassen müssen. Und jetzt — jetzt'kommen Sie, gebärden sich wie ein Berserker und fordern, was längst gewährt ist. Komischer Mensch."
„Gemach, Herr Iustizrat! Ihr Sohn verlobt sich also mit Ursula Lenz?"
„Mag sie Ursula oder wie immer heißen, Lenz heißt sie auf jeden Fall."
„Herr Justizrat, ich habe nicht bas Vergnügen, Ihren Herrn Sohn persönlich zu kennen, aber bas Zeug zu einem Bigamisten ober gar Trigamisten scheint er mir boch nicht zu haben."
„Wie? Was? Wieso?" rief der Justizrat erschrocken.
„Wir können bas Schlimmste Noch verhüten, wenn Sie mir aufmerksam folgen wollen. Punkt eins: Kennen Sie Fräulein Lenz?"
„Jawohl! Ich habe biefes entzückende kleine Fräulein einmal im Hotel meines Sohnes gesehen7, sagte bar Iustizrat, nicht ohne mit ben Augen zu zwinkern. „Ich habe ihr bann sogar einen Blumenstrauß geschickt. Mehr kann man von einem bösen Schwiegervater aufs erste nicht erwarten."
„Bitte keine Umschweife", mahnte Viereck. „Punkt zwei: Ist biefes Fräulein Lenz, bas Sie gesehen haben, das nämliche Fräulein Lenz, das nun gemeinsam mit Ihrem Sohn di^ besagten zwanzig- taufenb Mark verwaltet?"
„Wie?" sagte ben Iustizrat entgeistert, „sollte es deren zwei geben?"
„Zwei nicht. Aber drei."
„Um Himmels willen!" entfuhr es bem alten Herrn, „wer ist dann bie britte?"
„Die britte", sagte Viereck, ohne mit der Wimper zu zucken, „ist diejenige, um deren Hand Ihr Sohn anhielt, nachdem er um ihretwillen sein Elternhaus verlassen hatte."
Der Iustizrat bedeckte fein Gesicht mit beiden Händen, er war fertig, total fertig. Viereck winkte bem Ober finb ließ, eine zweite Flasche Mosel kalt stellen, bann fuhr er unerbittlich fort: „Die Situation ist also bie: Ihr Sohn hat Fräulein Carla
Lenz heiraten wollen. Sie haben Ihre Zustimmung zu Fräulein Ursula erteilt, unb Ihre Frau Gemahlin hat aus zwanzigtausenb Märkern eine golbene Brücke gebaut, auf ber sich Ihr Sohn mit Lisbeth Lenz finden soll. Stimmt bas?
„Totaler Blöbsinn", murmelte ber Iustizrat gei- ftesabroefenb, „ich verstehe kein Wort. Ich sehe nur ein hoffnungsloses Durcheinanber."
„Das ist es auch", anerkannte Viereck, „aber es ließe sich entwirren."
„Wie?"
„Herr Iustizrat!" rief Viereck schneidig, so baß der alte Herr unwillkürlich zusammenzuckte, „haben Sie in Ihrem Hause Lu bestimmen ober nicht?"
„Ich habe ... bas heißt ..." war bie wenig überzeugenbe Antwort.
„Finben Sie, baß Fräulein Ursel die richtige Schwiegertochter für Sie ist ober nicht?"
„Sie ist es, aber ..."
„Ich sehe kein Aber. Denn erstens kann Ihr Sohn Carla gar nicht heiraten, weil sie ihn gar nicht haben will. Zweitens liebt er — wie sollte es anbers sein — Ursel, und Ursel liebt ihn. Drittens will Lisbeth nichts von ihm wissen."
„Ja, aber meine Frau ..."
„Heiratet Ihr Sohn, ober heiratet Ihre Frau? Ihre Gattin ist nur bas Opfer eines Irrtums. Sie hielt Lisbeth für Carla, so wie Sie Ursel für Carla gehalten haben. Unter beiben Irrtümern war je- boch Ihrer der bessere."
„Meine Frau irrt sich nie", sagte schüchtern ber Iustizrat.
„Das kann ich mir benken, unb hier ist auch ber heikelste Punkt, ben wir zu klären haben. Wenn Ihre Frau erfährt, baß Lisbeth gar nicht diejenige ist, welche ... bann ist bie Hölle los. Wir können jetzt aber keine Hölle gebrauchen. Da ist noch bie Sache mit Lisbeth und bem Assessor. Wir können bie beiben nicht weiter zusammen arbeiten lassen, wenn Ihr Sohn sich mit Ursel verloben soll. Er tanzt nun lange genug auf drei Hochzeiten. Das muß aufhören. Sonst werben am Enbe alle verrückt unb keiner weiß mehr, zv wem er eigentlich gehört. Es ist jetzt schon halb so weit."
-Gut", sagte ber Iustizrat, „dann muß sich mein Sohn eben aus dem Geschäft zurückziehen, und das Geld —"
„Halt!" sagte Viereck sehr bestimmt, „sprechen Sie, bitte, nicht weiter unb- benken Sie nicht zu Ende, benn es ist nutzlos. Ihr Gelb bleibt unbedingt im Macherschen Dampfkessel investiert."
„Verzeihen Sie —", entrüstete sich ber Iustizrat.
(Fortsetzung folgt.)


