stadt unb anderen sudetendeutschen Ortschaften ein. Abgehärmt und nur notdürftig be- kleidet stehen sie do. Die tschechische Soldateska hatte gemeinsam mit der Kommune geradezu eine M e n s ch e n j a g d auf sie inszeniert, tagelang waren sie in den Wäldern umhergeirrt, wo sie sich oft mit den Händen eingraben mußten, um von den bestialischen Häschern nicht entdeckt zu werden, die blindlings auf alles schossen, was ihnen vor die Flinte kam.
2Ml Entsetzen berichten die Flüchtlinge über das Los der in der Heimat Zurückgebliebenen, ihrer Frauen und Kinder, die der Willkür des rasenden Untermenschentums preisgegeben find. „Hängt sie auf!“, so hatte man ihnen tagelang nachgeschrien und bie Bäume gezeigt, an denen sie hängen würden. Bei Vernehmungen war den Zudetendeutschen hohngrlnsend angedroht worden, daß man mit „ihren Schädeln die Straßen Prags pflastern werde". Tschechenweiber sind mit Pi st ölen ausge- r ü st e t worden und halten auf offener Straße ihre Schießübungen ab. In Albrechtsdorf wur- den hierbei zwei Sudetendeutsche, die lediglich vor ihre Häuser getreten waren, e r - schossen. In den letzten Tagen erhielten die Kommunisten in Postpaketen weitere Munition zugestellt und gehen jetzt mit vorgehaltenem Revolver durch die Ortschaften, um die Zurückgebliebenen zu fragen, wie sie „zur Republik stehen". Wer nicht antwortet, wird rücksichtslos niedergeknallt. Die Tschechen drohen damit, weitere Fluchtversuche der gehetzten Sudetendeutschen -adurch Ju verhindern, daß sie d i e Wälder in Brand st ecken würden, eine Wahnsinnstat, die dem blindwütigen,' fanatischen haß des entmenschten tschechischen Mobs ohne weitere zugetraut werden kann.
Erschütternde Berichte über die brutalen Göwalt- maßnahmen, denen die Bevölkerung in Weipert ausgesetzt war, gaben geflüchtete Sudetendeutsche im^ Flüchtlingslager Augustusburg. Die Flüchtlinge, die rinen völlig erschöpften Eindruck machten, schilderten, wie sie seit Togen der unausgesetzten Bedrohung durch tschechisches Militär und Gendarmerie ausaesetzt waren. Tschechische Grenzbeamte hatten Maschinengewehre in Stellung gebracht und eingekleidete Kommunisten zum „Entsatz" herbei- gerufen, deren Vorgehen jeder Beschreibung spottet. Zahllose Sudetendeutsche wurden aus den Häusern und Gaststätten gezerrt, zusammengetrieben und vor den Bajonetten hergejagt. Mit den Worten: „Jetzt haben wir ja Geiseln, nun könnt ihr machen, was ihr wollt", versteckte sich der tschechische Mob feige hinter den wehrlosen Gefangenen und ging in ihrer Deckung gegen die Bevölkerung vor. Den Geiseln war Erschießen ange-- droht für den Fall, daß sie Fluchtversuche unternehmen würden. Einigen gelang es aber doch, über die nahe Grenze zu entkommen.
In den späten Abendstunden des Donnerstag wurden bereits über 9000 Flücht- t i n g e gezählt, die der entfesselte tschechische Mob von Haus und Hof vertrieben hat. Was diese völlig verstörten Menschen über ihre Leiden und über die furchtbaren Verbrechen des verrohten tschechischen Pöbels erzäh
len. bestätigt die Tatsache, daß die Prager Regierung nicht mehr Herr der Situation ist und daß der tschechische Staat durch die Ermöglichung und Duldung dieser bestialischen Menschenquälereien das Recht verwirkt hat. unter die zivilisierten Staaten gerechnet zu werden. Was sich in diesen Tagen in den sudetendeutschen Landen unter den Augen der Prager Machthaber ereignet, ist eine Kulturschande des 20. Iahrhunderts. Die Gemeinschaft der europäischen Kulturstaaten darf diese Zustände nicht mehr länger dulden.
Oie epidemische Kinderlähmung.
Berlin, 15. Sept. (DNB.) Der Präsident des Reichsgesundheitsamts, Professor Dr. Reiter, erläuterte vor der Presse die Erscheinung der epidemischen Kinderlähmung, ihre Ausbreitung und Bekämpfung. Den Ausführungen Professor Reiters entnehmen wir folgendes:
Die epidemische Kinderlähmung tritt von Jahr zu Jahr verschieden gehäuft auf. Charakteristisch ist dabei, daß die Zahl der Krankheitsfälle nach der Erreichung ihres Höhepunkts iiuben folgenden Jahren sehr stark zurückgeht, unF dann in Wellen, deren örtliche Ausdehnung außerordentlich wechselt, später wieder zurückzukehren. Um aber eine ganze Bevölkerung zu durchseuchen, genügt die Zahl der Kinderlähmungserkrankungen auch in Epidemiezeiten nicht, denn die Kinderlähmung ist immer eine verhältnismäßig seltene Krankheit. Dies zeigt ein Vergleich mit anderen Kinderkrankheiten. Im Jahre 1937 betrug im Deutschen Reich die Zahl der Kinderlähmungsfälle 2723, dagegen bi£ Zahl der Diphtheriefälle 146 733. Hieraus folgt, daß der größte Teil der Kinde r entweder für die Ansteckung mit dem Kinderlähmungserreger nicht empfänglich ist oder mindestens auf diese Ansteckung nicht in der Weise reagiert, daß die typische, mit Lähmungen verbundene Erkrankung entsteht. Tatsächlich treten vielfach nur uncharakteristische, etwa grippeähnliche Krankheitszeichen auf, die weit häufiger sind, als die schweren Derlaufsformen der Krankheit.
Daß die räumlichen Abstände zwischen den Kinderlähmungswellen in zwei aufeinanderfolgenden Jahren oft groß sind, hängt damit zusammen, daß die Kinderlähmung nur während weniger Monate des Jahres herrscht, also tine Saisonkrankheit ist. Der Anstieg ihrer Erkr'ankungszahlen fällt regelmäßig in den Juli, August und September, vom Oktober ab folgt ein rascher Rückgang. In den Monaten Januar bis Juni treten überhaupt nur vereinzelte Fälle der Krankheit auf. Mit dem Ende der jahreszeitlichen Welle verschwindet in dem befallenen Bezirk in der Regel die Krankheit fast völlig und es ist dann ungewiß, wo sie im nächsten Sommer wieder auftreten wird. Wahrscheinlich wird sie dann die in den Vorjahren am stärksten beteiligten Bezirke nicht wieder befallen.
Die Erforschung der zahlreichen noch ungelösten Fragen über das Wesen und die Bekämpfung s m ö g l i ch k e i t der Kinderlähmung hat in der letzten Zelt einen neuen starken Antrieb erhalten. In der Therapie dieser Krankheit wird ein neuer Behandlungsplan an den Kinderlähmungs
kranken in Berliner Krankenhäusern nach einheitlichen Gesichtspunkten durchgeführt. Aehnliche Behandlungsmaßnahmen sind auch in Hamburg getroffen worden. Beim Institut „Robert Koch" wird durch experimentelle Forschung die Wirkungsweise und der Schutzwert des zur Bekämpfung angewandten Serums untersucht. Eine ebenfalls experimentelle Forschungsaufgabe sind die Versuche, den Erreger (das Virus) der Kinderlähmung näher zu untersuchen. Auch hier werden Paralleluntersuchungen in Hamburg durchgeführt. Die Arbeiten sind nach einheitlichem Plan ausgenommen worden. Ihre Ergebnisse, von denen wir eine Bereicherung der Bekämpfungsmöglichkeiten erwarten dürfen, werden bereits in den nächsten Jahren vorliegen.
< Die Lustsperrgebiete im Westen.
Berlin, 15. Sept. (DNB.) Zum Schutze der an der Westgrenze eingerichteten Luftsperrgebiete Aachen, Trier, Pfalz und Baden werden vom 20. September an Polizeiflugzeuge des Reichsluftaufsichtsdienstes eingesetzt Durch Patrouillenflüge sichern die schnellen und besonders bewaffneten,' in den Sperrgebieten stationierten Spezialflugzeuge den Luftraum. Hellgrüner Anstrich von Rumpf und Tragflächen kennzeichnen die Polizeiflugzeuge, die an beiden Seiten des Seitensteuers die Reichsdienstflagge tragen und am Rumpfe in weißer Farbe hinter dem Hoheitszeichen die Buchstaben „Pol" mit anschließender Nummer führen. Wie seit Jahren andere inner- und außereuropäische Staaten ihre Grenzen, vor allem ihre Luftsperrgebiete durch Polizeiflugzeuge schützen, so ermöglicht es da^ Befreiungswerk des Führers heute,' den deutschen Luftraum auch im Friere e n mit dem notwendigen Nachdruck zu schützen. Wird der Aufforderung zur Landung keine Folge geleistet, so wird das Flugzeug unter Feuer genommen und nötigenfalls zum Absturz gebracht. Die Warnung des Flugzeugs erfolgt durch Leuchtspurmunition. Die Flugzeuge müssen auf dem kürzesten Wege landen, nach Möglichkeit auf dem nächstgelegenen F4 u g p l a tz außerhalb des Sperrgebietes.
Kleine politische Nachrichten.
Zur Beseitgung vckn Härten, die sich aus dem Arbeitsausfall durch schlechte Witterung im Winter 1938/39 für die bei den Bauten der öffentlichen Hand beschäftigten Arbeiter ergeben, ist vom Reichsarbeitsminister der mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichstreuhänders der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen beauftragte Oberregierungsrat Dr. Schmetter zum Sondertreuhänder der Arbeit bestellt worden. Er soll eine Regelung im Wege eines Reichs- tarifordnung vornehmen.
*
Das bulgarische Königspaar, das einige Wochen auf Einladung des englischen Königs aus Schloß Balmoral in Schottland weilte, hat London verlassen, um sich über Paris wieder in seine Heimat zu begeben.
Zeitschriften.
— Im Rahmen ihrer dem Ausland und dem Verständnis seiner Eigenarten gewidmeten Beiträge bringt die neue Nmnmer der „II l ust ri r t e n
Zeitung Leipzig" eine Abhandlung über Ka- nada, einen fesselnden Bildbericht „Polizei in der Wüste" über das ägyptische Kamelreiterkorps und mehrere Beiträge über Jugoslawien. — „Landschaft in Eisen" heißt ein Beitrag, der den Reichswerken „Hermann Göring" gewidmet ist und deren Bedeutung in Bild und Wort umreißt. Die farbige Beilage' gibt ein Gemälde „Der Eifelbauer und sein Land" von Josef Steib (der auch in Gießen ausstellte) wieder.
Oer gestrandete Walfisch.
In einer Entfernung von 80 Kilometer von der See strandete ein Walfisch im Schlamm des Flusses Trent in der englischen Grafschaft Lincolnshire, und nachdem er vergebliche Anstrengungen gemacht hatte, von seinem Ausflug in das Innere des Landes zur offenen See zurückzukehren, wurde er von den Bewohnern der Gegend getötet. Er war etwa acht Meter lang und wog 3,5 Tonnen. Mit der Flut war er vom Humber, in den der Trent mündet, Hereingekommen und dann'den Fluß hinaufgefchwommen. Seit vielen Jahren hatten die Bewohner der Gegend ein derartiges Schauspiel nicht gesehen und strömten nun in Scharen zusammen. Man sah bald, daß das große Tier verloren war. Als der Walfisch sich zum Humber zurückwenden wollte, ragte er etwa 1,50 Meter aus dem Wasser. Dann trat Ebbe ein, und er blieb hilflos liegen, konnte nur heftig um sich spritzen. Eine Anzahl Leute tarn, und ein Mann feuerte 16 Schüsse fisch getötet war
Wetterbericht
Die am Donnerstag auf dem. Festland eingedrun- genen arktischen Kaltluftmassen haben zum Aufbau eines Hochdruckgebiets geführt. In dessen Bereich setzte Aufheiterung ein, die in der Nacht zum Freitag die Temperaturen bis in Gefrierpunktnähe absinken ließ. Vereinzelt trat bereits der erste Frost ein. Bei England ist ein neuer Wirbel im Entstehen, der auch für uns keine längere Beständigkeit erwarten läßt.
Vorhersage für Samstag: Nach meist noch klarer und recht kalter Nacht wieder Uebergang zu unbeständigem Wetter. Späterhin auch Regen. Tagsüber wieder etwas wärmer. Winde aus Süd bis West.
Lufttemperaturen am 15. September: mittags 12,7 Grad Celsius, abends 6,8 Grad; am 16. September: morgens 0,4 Grad. Maximum 15,8 Grad, Minimum heute nacht 0,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. September: abends 12,5 Grad; am 16. September: morgens 8,4 Grad. — Sonnenscheindauer 2,1 Grad.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum« schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigenTeil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theoder Kümmel. 2).21. VIII. 38: 8916. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.
im Boot heran, .b. ehe der Wal-
5952D
Diese Nacht entschlief mein lieber Mann, Universitätsprofessor i. R.
Walter Kinkel
unerwartet infolge eines Herzschlages.
Im Namen der Hinterbliebenen:
Helene Kinkel.
Gießen, Dinslaken, Wiesbaden, am 15. September 1938.
Die Bestattungsfeier ip der Kapelle des Neuen Friedhofes findet statt am Samstag, dem 17. September, vormittags 11.30 Uhr.
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