Ausgabe 
16.9.1938
 
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ttr.2 7 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Freitag, 16. September 1958

Oer Mlitäranwärter.

Das Reich sorgt für seine Unteroffiziere.

Das, W e h r m a ch t s f ü r s o r a e - und 23 er- sorgungsgesetz vom 26. August 1938 stellt die Fürsorge und Versorgung für alle ehemaligen Angehörigen der Wehrmacht und ihrer Hinterblie­benen gegenüber bisher bestehenden gesetzlichen Be­stimmungen ad 1. Oktober 1938 auf eine vollkom­men neue Grundlage. Im Rahmen dieser Abhand­lung sollen die in den Paragraphen 37 bis 43 des Gesetzes verankerten Bestimmungen über den Mi­litäranwärter einer Betrachtung unterzogen werden.

Bereits im Jahre 1722 wird amtlich erstmalig die Bezeichnung Militäranwärter angewendet. Sie hat also eine geschichtliche Bedeutung und bezeich­net im Gegensatz zu den Gesetzen und Verordnun­gen der Nachkriegszeit, die an Stelle des Wortes Militäranwärter das Wort Ver)orgungsanwärter schufen, den ausscheidenden Berufssoldaten mit einer aktiven Wchrdienstzeit von 12 und mehr Jah­ren, der eine Anstellung als Beamter erstrebt, wie­der in einer richtigen Form. Die Berechtigung des ausscheidenden Berufssoldaten mit 12- und mehr­jähriger Wehrdienstzeit auf Anstellung als Beamter gründet sich nicht auf einen ihm verliehenen Versor­gungsschein, sondern ausschließlich auf eine lang­jährige, ehrenvolle Wehrdienstzeit, auf seine Be­fähigung, seine Leistungen und seinen Charakter.

Gemäß § 37 des Wehrmachtssürsorge- und Ver­sorgungsgesetzes steht der Militäranwärter zum Führer und zum Reich in einem öffentlich-recht­lichen Treueverhältnis. Die Ueberführung in das Militäranwärterverhältnis ist ein Vertrauensbeweis der Staatsführung gegenüber den langdienenden Berufssoldaten. Er wird durch die Aushändigung einer Urkunde (Militäranwärter-Urkunde) begrün­det, die durch den Truppenteil bei der Entlassung aus dem aktiven Wehrdienst zu erteilen ist.

Nach Maßgabe der Bestimmungen der Anstel­lungsgrundsätze wird ber Militäranwärter in das Beamtenverhältnis überführt. Für ihn gelten auch bereits bis zum Zeitpunkt feiner planmäßigen An­stellung als Beamter die Vorschriften des Deutschen Beamtengesetzes über die Pflichten eines Beamten entsprechend. Diese Anstellungsgrundsätze werden auch das Verfahren bei der Bewerbung, Vormer­kung und Einberufung entsprechend den derzeitigen Erfordernissen regeln.

Je nach dem Ergebnis der Ausbildung an einer Fachschule der Wehrmacht und nach der Länge der aktiven Dienstzeit erhält der Militäranwärter wäh­rend der Dauer des Militäranwärteroerhältnisses Militäranwärterbezüge, die durch eine besondere Verordnung festgesetzt werden. Militär­anwärter werden, entsprechend dem Ergebnis ihrer Ausbildung an einer Fachschule der Wehrmacht bis zur Anstellung in einer planmäßigen Beamtenstelle bei den Behörden des Reichs, der Länder, der Ge­meinden, Gemeindeverbänden, der Reichsbank, der übrigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts und den Verbänden von sol­chen, den öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften und ihren Verbänden, sowie in den Betrieben der vorher genannten Stellen als Beamte auf Wider- ru: beschäftigt. Die Beschäftigung erfolgt im Aus- bildungs- ober Vorbereitungsbienst ober in ber Eigenschaft als außerplanmäßiger Beamter. Ist die Einberufung bes Militäranwärters als Beamter auf Wiberruf noch nicht möglich, so wirb er einer der vorher genannten Stellen zur Beschäftigung zu­gewiesen.

lieber die Ueberführung des Militäranwärters in die nichtplanmäßigen Beamtenstellen, einschließlich des Ausdildunas- und Vorbereitungsdienstes und in die planmäßigen Beamtenstellen der vorher ge­nannten Verwaltungen und ihre Zuweisung zur Beschäftigung wird die Verordnung über die Aus­stellung ber Militäranwärler (Anstellungsgrundsätze) nähere Bestimmungen treffen. Ist auf Grund einer Einberufung in eine Beamtenstelle ober in den Aus- bilbungs- und Vorbereitungsdienst ober für bie Zu­weisung zur Beschäftigung ein Umzug ober eine

Neue Sladttheater-MWeder stellen sich vor.

Hilde Kneip, Chargenspielerin:

Hessen, Pfalz unb Rhein-Main Haden laut Ahnen­paß an meiner Wiege Pate gestanden; unb da diese

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B

plan" zu fassen. Zwei Jahre später durfte ich durch Zufall bei einer Freilichtaufführung mitspielen; ich schrie mich zwar heiser vor Begeisterung dabei, aber es war um mich geschehen. Ich nahm Schauspiel­unterricht und ging nach Berlin. Jetzt freue ich mich auf meine Arbeit am Gießener Stadttheater!

Wiege -mich in Düsseldorf in Empfang nahm, wurde ich zuguterletzt mit echt rheinischem Schwung ins Leden geschaukelt. Das hessisch-pfälzisch-main-rhei- nische Gemisch erwies sich bald als zukünftiges Theaterblut. Trotz dieser offensichtlichen Prädestina­tion wurde mein Weg, der seltsamerweise in einem Kreislauf von den kindlichenSchauspielen" hinter ber großväterlichen Schmiebe ip Gießen bis zum Erstengagement am Gießener Staottheater führte, weitschweifig und kurvenreich. Abitur in Düsseldorf, zwei Semester Philologie in Frankfurt a. M., em artistisches Lehrjahr alswaschechte Tirolienne" kreuz und quer durch In- unb Auslanb, Westerwäl- ber Keramikmalerin unb schließlich journalistische Tätigkeit als Mitarbeiterin besMittag" in Düs­seldorf: bas sind bie wichtigsten Zwischenstationen. Dabei schlief bie Theatersehnsucht nie ein: Immer roieber gelang ein Sprung auf bie Bühne: Revue, Volksstück, Märchen; und dann im Vorjahr der be­deutsamste: Marburger Festspiele. Jetzt steht. am Ende einer ordnungsgemäßen dramatischen Aus­bildung (Lehrerin:' Frigga Braut, Düsseldorfer Schauspielhaus) das Stadttheater Gießen, als Ziel und Anfang gleich beglückend.

Margot Eickhoff, jugendliche Heldin:

Ich bin Bremerin. Meine erste Rolle mjt 14 Jah­ren warHans der Geiger", eine Schulaufführung. Obwohl ich sehr glücklich über diese reizende Rolle, war, hatte ich doch nicht den Mut, einenTheater->

Hans Schlick, erster Chargenspieler:

Wiesbaden ist meine Geburtsstadt. Schon als Knabe spiele ich am Staatstheater in Wiesbaden Kinderrollen, die mir ungeheuer viel Spaß machten.

Ich erinnere mich, daß damals die Schauspieler schon einen besonderen Eindruck auf mich machten. Als ich sechzehn Jahre alt war, erklärte ich eines Tages kategorisch, daß ich Schauspieler zu werden wünsche. Wie alles, was sich nicht so erfüllt, wie wir es uns erhoffen, bereitete mir der Hang zur Künstlerlaufbahn mancherlei Schwierigkeiten. Schließ­lich mußte meine Mutter vermittelnd eingreifen. Gegen den Willen des Vaters besuchte ich zwei Jahre die Schauspielschule. Dann endlich kam der Tag, an dem ich das erste Angebot bekam, und ber künstlerische Werbegang begann. Es folgten Engage­ments in Meiningen, Hof (Bayern), Königsberg, danach Schleswig.

Erwin Bugqe, Bah:

Mein zweites Engagement ist Gießen! Die Ver­pflichtung an dieses Theater als seriöser Baß be­deutet mehr als nur die Erfüllung meines Herzens-

Wunsches; sie ist Sieg nach langem Kampf. Es ist mir in keiner Beziehung leicht gemacht worden, während meines langjährigen Gesangstudiums in Berlin und dann an der Weimarer Hochschule für Musik. Viele Opfer, eiserner Fleiß und ein starkes Vertrauen waren notwendig im Kampf gegen in­nere und äußere Schwierigkeiten. Die Praxis in meiner längeren Tätigkeit als Konzertsänger in Ber­lin und in meinen Bühnen-Engagement am Grenz­landtheater in Zittau ließ mich erst recht den tiefen Ernst, aber auch bas beglückend Große und Schöne meines herrlichen Berufes erkennen. Glücklich unb ganz bereit mit dem, was ich kann, zu fingen, zu spielen und mitzuarbeiten, komme ich jetzt nach Gie­ßen.

(Sämtliche Aufnahmen: Archiv.)

getrennte Haushaltsführung notwendig, so werden dem Militäranwärter Urnzugskoftenvergütung und Trennungsentschädigung wie einem versetzten «Be­amten gewährt. Dasselbe gilt während der.Ausdil-, dungs- und Vorbereitungsdienstzeit Uber einer .Be­schäftigung, wenn aus bienstlichen Gründen ein Umzug ober eine getrennte Haushaltsführung not- menbig ist. Bei ben Behörben bes Reichs, ber fiänber usw. sind bie planmäßigen Beamten­stellen nach folgenber Maßgabe mit Versor - gungsanroärtern zu besetzen:

a) bes unteren Dienstes zu 100 v. H.,

b) des einfachen mittleren Dienstes mindestens zu 90 v. H.,

c) der Einheitslaufbahn mindestens zu 75 v. H., d) des gehobenen mittleren Dienstes mindestens

zu 50 v. H.

Von diesen Stellenvorbehalten sind bie Stellen

der Beamten auf Zeit, der Ehrenbeamten, der Be­amten im Polizeidienst, des Reiches und der Ge­meinden außer der Berufsfeuerwehr, sowie solche Stellen, die ihrer Art nach mit weiblichen Beamten besetzt werden müssen, ausgenommen. Für be­stimmte Beamtenlaufbahnen ist das Oberkommando der Wehrmacht im Einvernehmen mit den Reichs- miniftern bes Innern unb der Finanzen ermächtigt, allgemeine Abweichungen von den festgesetzten Stel­lenvorbehalten zu genehmigen.

Verletzt ein Militäranwärter schuldhaft die ihm obliegenden Pflichten, fo sind auf ihn die für Dienstvergehen von Beamten geltenden Vorschriften, insbesondere die Reichsdienststrafordnung, entspre­chend anzuwenden. An die Stelle ber Entfernung aus dem Beamtendienst tritt die Entfernung aus dem Militäranwärterverhältnis. Als Dienftvor- gesetzter, Einleitungsbehörde und oberste Dienst­

behörde im Sinne der Reichsdienststrafordnung gilt der Oberbefehlshaber des Wehrmachtteiles, dem der Militäranwärter bei der Entlassung aus dem akti­ven Wehrdienst angehört hat. Die Uebertraqung ber Dienststrafbefugpisse auf nachgeardnete Dienst­stellen und andere Einleitungsbehörden kann er­folgen.

Die als Beamte «uf Widerruf beschäftig­ten Militäranwärter unterliegen den für Beamte auf Widerruf geltenden Vorschriften bes allgemeinen Beamtenrechts uni) bes Dienststrafrechts. Ist gegen einen als Beamten auf Wiberruf beschäftigten Mili­täranwärter von der Beschäftigungsbehörde eine Dienststrafe verhängt worden, so kann er in seiner Eigenschaft als Militäranwärter wegen derselben Pflichtverletzung von den Dienststellen der Wehr­macht nicht noch einmal zur Rechenschaft gezogen werden. Entläßt die Beschäftigungsbehörde den Mi-

mit Müh' und Not in ber Ehe-Klasse ein

Genü-

Aussprüche stammen von Ha-Tsi, bem chinesischen

hth.

hessischer Dichtung gehört.

..Nein", sagt er unb springt cr-

abenbs ber Herr bes Hauses heim, etwas rnübe, etwas unwirsch unb stets bereit, einen kleinen Er­frischungszank vom Zaune zu brechen, bann er-

Oie Mustergatiin.

Im Leben und auf der Leinwand.

Harzer Käse leuchtet und buftet mit Rabieschen gar­niert, unb bie Mustergattin reicht die Hausjoppe

herüber. Die Mustergattin geht nicht aus. Sie winkt nicht mit dem Zaunpfahl in solchem ober ähn­lichen Dialog:Weißt bu, Emil, baß wir heute

feinsinniger Kenner der hessischen Dichtung, hat Karrillon einmalKleinstadtarzt und Weltwande- rer" genannt; ber Mann aus Waldmichelbach ist bis in fein spätes Leben hinein immer der Arzt geblie­ben, als der er begann; er praktizierte noch im Alter, und da das nicht nur in der Kleinstadt ge­schah, sondern auch im Amte eines Schistsarztes auf weiten Reisen in alle Welt, erhielt fein Wirken hier auf die natürlichste Weise den Gegenpol und das Gegengewicht: der Dichter des heimatlichen Oden­waldes hat sich, wie aus seinen Reisebüchern zu

er stolz fein kann. (Eine wiche ist übrigens Käte von Nagy in dem Film von der kleinen Frau.) Ich glaube, alles dieses durfte ohne Gefährdung der persönlichen und ehelichen Sicherheit des Autors mit der nötigen Vorsicht und eventuellen Bereitschaft alles zurückzunehmen unb nichts behauptet zu haben, gesagt werben.

Unb bamit finb die verschiedenen Musterbegriffe (Mustergattin, Mustergatte, Musterehe) wohl ge­klärt. Für die Ehemänner:

i. A.: Hans Erasmus Fischer.

Hochschulnachrichten.

Prosesior D. Dr. Friedrich Heiler, Ordinarius für vergleichende Religionsgeschichte und Religions- philofophie an der Universität Marburg, ist doh der Universität Glasgow zum Ehrendoktor er­nannt worden.

ein. Sie weiß auch, schlimmstenfalls erfaßt sie es intuitiv, wann des Holden Kragenknöpfe verschwin­den, ob sein linker Absatz etwas müder ist dis sein rechter und dergleichen. Die Mustergattin hat kein Eigenleben. Sie lebt, wie es so schön und sinnig heißt,in ihm".

Aber genau wie der Krug folange zu Wasser geht, bis er bricht, genau so lange ift die Gattin mustergültig, bis ihr eines Tages der zwar leichte, aber uralte Frühlingshut hochgeht. Und dann fällt der Eigenheimpascha aus allen Wolken, dann muß er nicht nur alle Freunde unb Bekannte um Rat interviewen, alle wissenschaftlichen unb medizinischen Werke über Psychologie und Psychiatrie wälzen, sondern muß sich plötzlich mal wieder benehmen wie ein Liebhaber. Und solches ward ihm ungewohnt.

Darum sei festgestellt, daß es nicht jedes Mannes Sache ist, eine Mustergattin zu haben. (Kleine Kröche erhalten die Liebe. Wer die Ehe als Hafen betrachtet, kann auch am Pier zerschellen. Der Klein­krieg ist das Lebenselement der Erotik. Alle drei

gend". Worin, woraus und überhaupt besteht nun eine Mustergattin? Erkennt man sie darin, daß sie täglich genau eine halbe Stunde vor dem vom Skatspielen, Kegeln, alkoholischenKonferenzen" er­müdeten Gatten äufsteht, den Kaffee kocht, ihn ge­nau temperiert, das Eikochen mit der Stoppuhr be­wacht, em Blümchen auf dcs Holden Platz stellt, die Zeitung lesebereit zurechtlegt, einen eventuellen Rollmops hurtigen Schrittes aus dem Kolonlal- warenladen holt, um sodann schweigend (damit er beim Zeitunglesen nicht gestört wird), aber mit auf­merksamem Blick seine Morgenmahlzeit überwacht? Daß sie keine törichte Frage tut, wieWieso hat

Adam KarrMon -f.

Der Dichter des Odenwaldes.

Im Alter von 85 Jahren ist Adam K a r r i 11 o n , der Odenwälder Volksdichter, in seinem Heim in Wiesbaden, wo er seit einigen Jahren lebte, g e - ft o r b e n. Karrillon wurde am 12. Mai 1853 zu Waldmichelbach im Odenwald als jüngstes von zehn Kindern eines Dorfschullehrers geboren. Der Junge sollte nach bem Wunsch ber Eltern Pfarrer werben und kam schon früh in das Bischöfliche Konvikt in Mainz. Karrillon konnte sich aber für den theolo­gischen Beruf nicht begeistern und studierte Medi­zin. Er wirkte bann etwa 50 Jahre lang als Arzt. Von 1883 bis 1917 lebte er in Weinheim an der Bergstraße. Dort entstanden feine Odenwälder Ro­maneMichael Hely" undDie Mühle zu Huster- loh", das NovellenbuchBauerngeselchtes" unb zahl­reiche anbere Werke.

*

Am 12. Mai bieses Jahres ist des Dichters zu sei­nem 85. Geburtstage an dieser Stelle ausführlich gedacht worden. Fünf Jahre zuvor, zum 80., erhiel­ten das Gymnasium in Mainz und die Schule seines Geburtsortes Waldmichelbach im Odenwald den Na­men des Dichters, dessen Schaffen zuvor schon durch die Verleihung bes Hessischen Staatspreises eine höchst ehrenbe Auszeichnung erfahren hatte. Karril- lon gehört in bie Reihe ber hessischen Heimatdichter; er hat bie Lanbschaft bes Odenwalbes in der deut­schen Literatur heimisch gemacht. Daß Karrillon es von Anfang an nicht leicht hatte, lehrt die oft be­richtete Geschichte seines ersten RomanesM i1 chael H e l y", die Karrillon (in der Gestalt des Dr. Ebenich, der auch sonst in seinen Büchern uup taucht)am Stammtisch zum foulen Hobel" zum Besten gegeben hat; es ist fein sehr ermutigender Anfang einer dichterischen Laufbahn gewesen, ober das mit eigener Hand vollzogene Brandgericht an ber sitzengebliebenen ersten Auflage hatte immerhin auch ihr Gutes: auf wunberlichen Umwegen fanb Karillön ben Weg zum Groteschen Verlag in Berlin, ber besser als jener balb bankerott gewor­bene erste bas Werk betreuen konnte, bas im Laufe eines langen unb wechseloollen Ledens, zu einer

und die Eigenart Karrillons. Neben demHely" I Augenblick erhält bie Musterhaftigkeit einen psycho- gehyren dieMühle v o n H u st e r l o h",Odo- logischen Stoß. Die Kunst, sich eine Mustergattin zu m i n a m e a unbA b a m s Großvater" vor ! erhalten, liegt darin, sich nicht merken zu lassen, allem in diesen Kreis. In ihnen erscheinen die per-. daß man die seine als eine solche empfindet. Wer fönlich-autobiographischen Züge seines Erzählertums 1 eine Mustergattin hat a propos und so, sei be- so unverkennbar wie ein angeborener Wirklichkeits-; merkt, daß gar nicht jeder Mann eine haben möchte, sinn und ein eigentümlicher, oft rauher und scharfer tue^ am besten^ so, als erreiche ^die^ Gattin gerade Humor. Das gilt auch für dieStammtisch"-Ge- :i """ v /T"

schichte und dasB a u e r n g e s e l ch t e", diesech­zehn Novellen aus dem Chattenlande".

Der verstorbene Will Scheller in Kassel, ein

ganzen Reihe von Bänden anwuchs.

Wenn man Karrillon einen Heimatbichter und hessischen Erzähler nennt, so geschieht das mit gu­tem Grunde, weil die Odenwaldlanüschaft immer Mittelpunkt, Schauplatz und Nährboden seiner wich­tigsten Bücher geblieben ist; diese Landschaft de- stimmt zu einem wesentlichen Teile den Standort i zückende Stupsnase zu

Wenn man selbst im Glashaus ber Ehe sitzt, soll wartet ihn bie Mustergattin mit ihrem liebreizend man eigentlich nicht mit noch so leichten Sternchen! sten Lächeln. Die Zigarre liegt neben bem Feuer­werfen, weil biefe Steinchen die seltsame Angewohn- zeug, die Pantoffeln stehen hineinschlüpfbereit, der heit haben, gleich einem Bumerang zurückzukommen r------......

und einen selbst zu treffen. Ein kluger Mann würde aus Gründen der persönlichen Sicherheit sagen: auf alle Fälle ist meine Frau eine Mustergattm. Wer keine Mustergattin hat, würde es sagen, um sie, sich beide, die Ehe und das gesamte Familienleben Jubiläum haben? ...

nicht zu enthüllen und auch, um die Nicht-Muster-1 schreckt auf und laßt alle Ehejubeltage blitzschnell qattin nicht zu einem Zorn zu reizen, bei dem man I an seinem vergeßlichen Hirn vorübersausen.Doch, doch immer solange unterliegt, bis man seinen Hut, Wir sind heute zum 75. Male hintereinander zu- vom Haken nimmt und hinter bzw. vor der z^ hause." So etwas tut die Mustergattin mitnichten, aeknallten Korridortür verschwindet. Wer dagegen! Sie drängelt auch nicht mit Haushaltsgeld, jagt eine .,xüfterqattin Jein eigen nennt (erkenntlich ans nicht:Möchtest du heute das Brot lieber links dem gestickten SofakifsenTrautes Heim Glückjoder rechts rum zum Abendessen gerostet?" lEine allein") wird sich hüten, ihr das unter die ent-, sehr geschickte Art, daraus hinzuweisen, datz das

- ' reiben, denn in dem gleichen I Haushaltsgeld alle ist!) Die Mustergattin richtet sich

erkennen ist, auch als Weltenbummler undmoder- , . nen Kreuzfahrer" gefühlt, Her bald über die engen! schlafen? Seit wann gibt es , . ...... .

Grenzen der heimatlichen Umwelt hinaussehen - Schießbudenteddybären?" Eine Mustergattin sagt, hätschele sie, sonst ergeht es ifyn wie jenem Ehe- lernte; aber er hat diese Heimat innerlich nie aus- auch nicht beim Frühstück:Das Märkische Museum mann in dem neuen Film-LustspielUnsere kleine

gegeben er ist immer wieder zu ihr zurückgekehrt. ! hat die Absicht, meinen Hüt für die vorgeschicht- Frau". Er wird mit drastischen Mitteln kuriert:

Hier wurzeln bie besten Kräfte seines Wesens unb I Hd)e Abteilung zu erwerben!" Eine Mustergattin morgens kocht ber Kaffee noch in der Tasse, das

seines Werkes das seit langem zum festen Bestände wartet auf Tag und Stunde, da der Mann sagt: Ei ist steinern, der abendliche Harzer eine Antiqui-

...... ' . hth.Mausi, hörst du das Rascheln meiner Reichsmär- töt, die Gattin selbst nicht zuhause, sondern beim ________ ter, komm, wir kaufen dir, was du dir wünschst." > täglichen Bridge oder mit Freundin (Vorsicht!) >m Solange wartet eine Mustergattin, und wenn sie Kino usw. Diese Seelenleben kann sich der kluge dabei goldene Hochzeit feiern muß. Kommt dann'Mann durch das sprichwörtlicheVorbauen" er- ' ' ' " sparen. Dann erst wird^er wirklich eineMuster-

gattin" haben, mit der er glücklich ist unb auf die

denn die Konferenz bis 3.30 Uhr gedauert? Warum Vvuawtuujt: jiunuireii uun uem ajmeuiuien

hast bu benn vor dem Bett anstatt im Bett ge-1 Weisen.) Hat einer aber eine, so gehe er mit ihr um auf Konferenzen wie mit einer Orchidee. Er hüte sie, pflege sie, Der-