Ausgabe 
16.9.1938
 
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werk ist mit Geschoßeinschlägen übersät. Die Fenster find zersprungen, die Türen durch Handgranaten­würfe aus dem Rahmen gerissen. In den Zimmern sieht es aus, als ob dort Räuberbanden gehaust hätten. Es ist kein Behälter, der nicht ausgeplündert wäre. Die Möbel wurden sinnlos zerstört, Sofas und Seffel zerschnitten. Einige. Räume wurden widerlich verunreinigt.

Ggervon der Außenwelt abgeschlossen.

Umfassender und offener Meinungsaustausch aus -em Obersalzberg.

Oie Besprechung zwischen dem Führer und Chamberlain wird fortgesetzt werden.

Hof, 15. Sept. (DNB.) Deutsche Journalisten und Ausländer, die aus Eger hier eingetroffen sind, berichten, daß dort in allen Straßen Polizei- und Militärposten mit schußbereitem Gewehr standen. Die öffentlichen Gebäude waren mit Maschinenge­wehren besetzt. Polizei und Militär stürmten den ganzen Tag über durch die Stadt und machten Jagd auf Abzeichen der Sudetendeutschen Partei und auf Kleidungsstücke, aus denen etwa eine Zugehörigkeit zur Sudetendeutschen Partei zu erkennen sein konnte. Die Bevölkerung ist völlig verängstigt und wagt sich nicht mehr auf die Straße. Der Zugver­kehr ist nach den meisten Richtungen unterbro­chen, desgleichen der Omnibusoerkehr nach Asch, Marienbad und anderen Orten. Das Verlassen der Stadt ist nur unter größter Lebensgefahr möglich. Dor dem Bahnhof und in den verschiedenen Stra­ßen, ferner am Marktplatz befinden sich große Blut­lachen, die notdürftig mit Erde bestreut sind. Nach Aussagen der Bevölkerung war es infolge der Un­sicherheit des Straßenverkehrs nicht möglich, zahl­reiche Verletzte in die Krankenhäuser zu schaffen, so daß sie zunächst ohne ärztliche Hilfe in den Häu­sern untergebracht sind.

Verzweifelte Stimmung bei den Tschechen.

Soldaten der fremden Volksgruppen desertieren.

Eger, 15. Sept. (DNB.) Die Stimmung der tschechischen Bevölkerung sinkt allmählich auf den Nullpunkt, da sich immer mehr die Erkenntnis durch­setzt, daß die Regierung Benesch sich durch ihre Terrormaßnahmen vor der ganzen Welt ins U n recht gesetzt hat. Die tschechischen Grenzler und Polizeibeamten verlassen in hellen Scha­ren das sudetendeutsche Gebiet und fah­ren nach Prag. In den verschiedensten Orten der Tschecho-Slowakei ist es bereits zu Unruhen ins­besondere in der bäuerlichen Bevölkerung gekommen, die im Gegensatz zum tschechischen Groß­stadtpöbel für das. Verhalten der Regierung Benesch kein Verständnis hat. Die Regierung versucht mit allen Mitteln die Stimmung wieder emporzureißen und der Bevölkerung Mut zu neuen Terrormah­nahmen zu geben. Bezeichnend dafür ist eine Mel­dung des Prager Rundfunks:Die englischen Kriegsschiffe liegen in den Häfen zur Ausfahrt be­reit. Tausende von Franzosen liegen in der Magi- not-Linie. 3 Millionen Rotarmisten stehen taten­durstig an der Grenze der Sowjetunion."

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Die tschechische Bevölkerung hat keine Möglichkeit, die Richtigkeit dieser Behauptung/ nachzuprüfen. Darauf spekuliert auch der tschechische Rundfunk in der Hoffnung, durch derartige plumpe Drohungen den tschechischen Terroristen noch einmal den Rücken zu stärken und insbesondere auch den tschechischen Heeresformationen Mut zu machen, die in die su­detendeutschen Gebiete in Marsch gefetzt worden sind und bei denen bereits Taufende von Desertio­nen zu verzeichnen sind. Insbesondere haben An­gehörige der in der Tschecho-Slowakei lebenden fremden Volksgruppen ihre Truppenteile verlassen und sich in Sicherheit gebracht, weil sie für die Tschecho-Slowakei und gegen ihre eigenen Brüder nicht zu kämpfen beabsichtigen. So sind in Sachsen 51 tschechisch-slowakische Soldaten slowakischer Volkszugehörigkeit in geschlossener Gruppe über die Grenze getreten und haben sich deut­schen Behörden gestellt, da sie nicht auf Su­detendeutsche schießen wollten.

Kauspanik und Vankenrun in der Tscheche!.

Verdoppelung der Preise. Die Tschechenkrone fällt.

R e i ch e n b e r a (Böhmen), 15. Sept. (DNB ). Die Lage in der Tschecho-Slowakei, so insbesondere die zahlreichen militärischen Maßnahmen, haben zu einer K aufpanik derBevölkerung geführt, die sich insbesondere auf dem Lebensmittel­markt auswirkt. In erster Linie werden Fett, Konserven und Mehl gehamstert, aber auch Talg­lichte und andere Gegenstände des täglichen Be­darfs werden in großen Mengen gekauft, so daß in vielen Städten d i e Lebensmittelge­schäfte ausverkauft sind. Die Preise haben sich in wenigen Tagen verdoppelt, ein Zeichen, wie gering das Vertrauen zum Bestand des Staates und dem Wert der tschechischen Wäh­rung ist. Der Wert der Krone ist soweit ge­sunken, daß sie inoffiziell nur noch mit etwa 4 RM. für 100 Kronen gehandelt wird, während der nor­male Kurswert auf 8,59 RM. steht. Durch die Le­bensmittelverknappung und die Verteuerung ist es sowohl in Prag als auch in sonstigen tschechischen ^bieten zu zahlreichen Demonstrationen gegen Geschäftsleute und zur Demolierung von Ge­schäften gekommen.

Auch die Abhebungen bei den Prager Großbanken und ihren Filialen im Lande haben ungeahnte Ausmaße angenommen. An den Schalterräumen der Zentralen und der De­positenkassen forderten zahlreiche Konteninhaber in größter Erregung ihr Geld zurück, wurden aber a b - gewiesen. Die wenigen Bankfilialen, die Aus­zahlungen überhaupt noch vornehmen konnten, be­schrankten die Abhebung auf 2000 Tschechenkronen je Konto. Devisen sind überhaupt nicht mehr zu be­kommen. In der Nationalbank fand am Donnerstag eine Sitzung sämtlicher Direktoren der Prager Großbanken statt, die in Gefahr sind, illiquide zu werden, weil zu allem Ueberfluß die Nationalbank sich weigert, Rediskont auf Staatspapiere zu geben Aus unterrichteten Kreisen verlautet, daß die Banken beabsichtigen, ein allgemeines Morato­rium zu erklären. Im Gegensatz dazu sind die f u - detendeutschen Danken von diesem Run auf die Kassen nicht betroffen worden; sie gelten als absolut sicher und liquide.

Die amtliche Verlautbarung.

Berchtesgaden, 15. Sept (DNB.) Der Füh­rer und Reichskanzler hatte heute au f d em Obersalzberg mit dem britischen Premiermini­ster eine Besprechung, in deren Verlauf ein umfassender und offener Hleinungs- austausch über die gegenwärtige Lage stattfand. Der britische Premierminister fährt morgen nach England zurück, um sich mit dem britischen Kabinett zu beraten. In einigen Tagen findet eine neue Besprechung statt.

Ankunst in München.

M ü n ch e n , 15. Sept. (DNB.) Der britische Pre­mierminister Neville Chamberlain traf am Donnerstagmittag 12.30 Uhr auf dem Flugplatz München-Oberwiesenfeld in Begleitung von Sir Horace Wilson und Mr. William Strang ein. Er wurde im Auftrage des Führers begrüßt von Reichsminister des Auswärtigen o. Ribbentrop in Begleitung des Staatssekretärs Freiherrn v. Weizsaecker und des Chef des Protokolls, Freiherrn von Doernberg. Ferner waren zur Begrüßung erschienen der britische Botschafter Sir Neville Henderson sowie der deutsche Bot­schafter in London v. D i r k s e n. Als erster entstieg Chamberlain dem Flugzeug. Botschafter H e n d e r- s o n entbot dem Ministerpräsidenten, der die An­strengung des ersten Fluges, den er in seinem Le­ben gemacht hat, offensichtlich aufs beste überstanden hat, den ersten Gruß. Sodann hieß Reichsaußen- minister v. Ribbentrop den englischen Premier­minister willkommen. Freundlich lächelnd und in angeregter Unterhaltung verließ Chamberlain das Rollfeld, um sich zu seinem Kraftwagen zu begeben, mit dem die Fahrt zum Bahnhof angetreten wurde. Unterwegs wurde Chamberlain von der Bevölke­rung freundlich begrüßt. Im Münchener Haupt­bahnhof, der Lorbeer- und Fahnenschmuck trug, wurde der britische Premier im Fürstensalon, der mit der Hakenkreuzflagge und dem Union Jack ge­schmückt mar, von Staatsminister Gauleiter Adolf Wagner begrüßt, der den Gast sodann zusammen mit Reichsaußenminister v. Ribbentrop auf den Bahnsteig zum Sonderzug geleitete. Auf dem Bahn­steig selbst hatte sich wiederum zahlreiches Publi­kum eingefunden, das den englischen Besuch herzlich begrüßte. Kurz vor Abgang des Sonderzuges hatte sich auch noch der Reichsstatthalter in Bayern, Ge­neral Ritter v o n E p p, eingefunden. Als der Zug die Halle verließ, riefen ihm die auf dem Bahnsteig Zurückgebliebenen noch einmal herzliche Heilrufe nach.

Auf dem Obersalzberg.

Berchtesgaden, 15. Sept. (DNB.) Der bri­tische Premierminister Neville Chamberlain traf heute 16.55 Uhr im Kraftwagen des Führers, vom Grand-Hotel kommend, auf dem Berghof Ober­salzberg ein. Der Führer begrüßte seinen Gast, zu dessen Ehren eine Ehrenkompanie der Leibstandarte Adolf Hitler" angetreten war, auf der Treppe seines Hauses. Staatsminister Dr. Me i ß n e r und Major Schmundt hatten den britischen Premierminister im Auftrage des Führers in Berchtesgaden erwartet und zum Berghof geleitet. Nach der Begrüßung folgte der Premierminister einer Einladung des Führers zu einem Tee in der Halle des Berghofes.

Chamberlain von Berchtesgaden abgereist.

Berchtesgaden, 16. Sept. (DNB. Funkfpr.) Der britische Premierminister Sir Neville Cham­berlain hat Freitag vormittag gegen 9.30 Uhr mit dem Reichsminister des Auswärtigen v o n Rib­bentrop und seiner Begleitung Berchtes­gaden in Kraftwagen verlassen. Zum Abschied war im Auftrag des Führers der Chef der Präsidialkanzlei Staatsminister Dr. Meißner er­schienen. Mit dem Reichsminister des Auswärtigen gaben ferner der britische Botschafter in Berlin Sir Neville Henderson, Staatssekretär Freiherr von Weizsäcker und der Ches des Protokolls Freiherr von Dörnberg dem britischen Pre­mierminister das Geleit bis München.

Ginsth? freundschaftliches Gespräch"

Londoner Pressestimmen.

Landon, 16. Sept (DRV. Funkspruch.) Nach feiner Unterredung mit dem Führer erklärte Cham­berlain dem in Berchtesgaden weitenden diploma­tischen Korrespondenten derDaily TRattw, Wilson Broadbent: , .Es war ein sehr eund - schaftliches Gespräch. Ich kehre morgen nach London zurück, um meinen Kabinettskollegen Bericht zu erstatten. Ich hoffe, nach Deutschland zu­rückzukehren, um Herrn Hitler in naher Zu­kunft nocheinmalzu sehen. Das wird in wenigen Tagen, einer Woche oder so herum sein." Der diplo­matische Korrespondent derTimes" erklärt zu viel verbreiteten Gerüchten, augenblicklich seien die Spe­kulationen über einen größeren Meinungsaustausch zwischen den Mächten unbegründet. In der vergange­nen Woche habe D a l a d i e r über den französischen Botschafter Eortane mit Chamberlain in engster Fühlungnahme gestanden: es sei zu erwarten, daß nach der Rückkehr Chamberlains dieser Kontakt wieder ausgenommen werde.

Die gesamte Londoner Presie hebt hervor, mit welcher Herzlichkeit Chamberlain in Deutschland begrüßt worden ist. Mit Nachdruck wird hervor- gehoben, daß die Verhandlungen weiter gehen sol­len. Daily Telegraph hebt wie auch die Times her­vor, wie freundschaftlich die Aussprache zwischen Chamberlain und Hitler gewesen ist. Die liberale News Chronicls meint u. a.: Sollte Chamberlain einen Vorschlag für eine gerechte Bereinigung des tschecho-slowakifchen Problems mit sich " bringen, dann würde .seine Initiative in triumphaler Weise gerechtfertigt sein. Daily Mail erklärt, Chamber­lains unerwartet frühzeitige Rückkehr nach London

verpflichte zu der Hoffnung, daß eine friedliche Lösung der Krise möglich sei. Sie be­stätige weiterhin auch die größten Aussichten auf eine zufriedenstellende Förderung des ganzen Pro­blems. Zur Henlein-Proklamation erklärt das Blatt, jetzt schienen die Dinge endlich klar gestellt zu werden. Mit der Erklärung werde eine große Frage aufgeworfen, sie stelle endlich eine Basis dar, auf der die Staatsmänner jetzt arbeiten könnten. Auf alle Fälle sei die Forderung Henleins auf eine Rückkehr des sudetendeutschen Landes zum Reich eine Angelegenheit, die in irgend einer Weise bereinigt werden müsse, ohne Europa in einen Krieg zu stürzen. Eine Regierung bedarf der Zu­stimmung der Regierten' das sei Henlein- Forderung ein echter demokratischer Grundsatz. Sämtliche Blätter erwarten, daß das Unterhaus höchstwahrscheinlich nächste Woche zu einer außenpolitischen Debatte zusammentr.eten wird. Die Blätter betonen jedoch gleichzeitig, daß die letzte Entscheidung über die vorzeitige Einberufung des Unterhauses b e i Chamberlain liege.

Der Eindruck in Paris.

Besuch Daladiers in London angekündigt.

Paris, 16. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der dem Quai d'Orsay nahestehendePetit Pa r i s i e n" schreibt, daß es sich um einen weitgehenden und freien Meinungsaustausch gehandelt habe, scheine darauf hinzudeuten, daß beide Verhandlungspartner ihre allgemeinen Anschauungen über die Möglich­keiten eines europäischen Gleichgewichts und die Lösung des sudetendeutschen Problems in gegen­seitiger Offenheit durchgesprochen haben. Die An­kündigung einer Wiederaufnahme der Besprechun­gen sei ein günstiges Symptom. Der M a t i n" schreibt, wenn die Aussprache in Berch­tesgaden auch nur kurz gewesen fei, so sei doch von

den Verhandlungspartnern ein großes Terrain erör­tert worden. DerMatin" kündigt- dann an, daß Lon­don in den nächsten Tagen den Besuch des Minister­präsidenten D al ad i er erhalten werde, der wahr­scheinlich von Außenminister Bonnet begleitet sein werde.Figaro" schreibt, das französische Volk wisse, daß man alles versuchen müsse, um eine eu­ropäische Katastrophe zu vermeiden. Wenn es not­wendig sei, das sudetendeutsche Problem zu regeln und die europäische Lage ganz allgemein auf der Grundlage der Versöhnung zu bessern, so könne dies nur im Sinne der Wirklichkeiten erfol­gen. Es handele sich hier niemals um einen Rück­zug oder eine Erniedrigung, diese Vokabeln müßten beiseite bleiben.

Verständnis in Fialien.

Mailand, 16. Sept. (DNB Funkspruch.) Zu dem Besuch des britischen Ministerpräsidenten Chamberlain beim Führer schreibt(Sortiere della Sera", diese Geste sei mit fast einstimmiger Sym­pathie aufgenommen worden. Aber es wäre trotz­dem unklug, sie als eine wunderbringende Tat an­sehen zu wollen, die imstande wäre, den schreck­lichen Streit ohne weiteres zu schlichten, der Eu­ropa weiter am Rande des Krieges halte. Die Lage in der Tschecho-Slowakei habe sich leider weiter verschlechtert. Italien verstehe die Ge­fühle des deutschen Volkes gegenüber den unter­drückten Brüdern und erkenne weiter, das gleiche Unabhängigkeitsbestreben bei dem unter der Pra­ger Fremdherrschaft schmachtenden Polen, Ungarn und Slowaken. Jede Volksgruppe kehre zu der Nation zurück, der sie angehöre, man mache auf diese Weise die Irrtümer der Friedens- Verträge oder wenigstens einige von den zahlreichen Irrtümern gut, die diese Verträge bedauerlicher­weise zu wahrhaftigen ,Kriegsverträgen" umman­telten.

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Unser B i l d t e l e g r a m m zeigt Neville Chamberlain nach seiner Ankunft in München mit Reichsaußenminister von Ribbentrop. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Heute Kabinettssißung in London.

Lord Runriman nimmt an den Londoner Besprechungen teil.

London, 16. Sept. (DNB.) König Georg ist am Donnerstagvormittag programmäßig aus Schottland mieber nach London zurückgekehrt. So- mohl auf dem Bahnhof als auch vor dem Bucking­ham-Palast begrüßte eine große Menschenmenge den König. Lord Halifax begab sich kurz nach io Uhr in den Buckingham-Palast, um dem König über die Lage Bericht zu erstatten. König Georg empfing gegen Mittag Schatzkanzler Sir John Simon, dann den Verteidigungsminister Sir Thomas I n - scip und den Innenminister Sir Samuel Hoare. Das englische Kabinett ist für Freitagnachmittag einberufen morden. Der Premierminister mird über seine Aussprache mit d e m Führer Bericht erstatten. Auf Einladung Chamberlains fährt Lord R u n c t m a n , begleitet von Mister Ashton-Gwatkin für einige Tage nach London zurück zut Beratung mit dem Premierminister und seinen Kollegen im Zusam­menhang mit den Berchtesgadener Besprechungen. Inzmischen appelliert Lord Runciman an alle Par­

teien und Personen, sich jeder Aktion zu enthalten, melche die bestehende Lage erschwe- ren könnte, solange das Ergebnis der weiteren in naher Zukunft zwischen dem britischen Premier­minister und dem Führer beabsichtigten Besprechun­gen schwebt.

Die Presse bezeichnet die Nachricht, daß Chamber­lain sich aufs neue mit d e rn Führer treffen rverde, als höchst befriedigend. Von Anfang an fei es klar gewesen, daß ein Pro­blem von derartigen Ausmaßen nicht ohne lange Besprechungen gelöst werden könne. Aber gerade wegen der zahlreichen Schwierigkeiten sei es nicht Überraschend, daß Chamberlain nach London zu- rückkomme, um sich mit seinen Ministerkollegen aus­zusprechen. Es sei offensichtlich, daß bei einem sol­chen Problem die Ansichten im britischen Kabinett nicht immer übereinzustimmen brauchten. Es be­stehe aber Grund zur Annahme, daß auch wei­terhin Erfolge erzielt und Europas Hoff­nungen verwirklicht werden würden.

Strafanzeige gegen Henlein.

Benesch treibt die Entwicklung auf dieSPitze.

Prag, 15. Sept. (DNB.) Das politische Kabinett hielt am Donnerstag zwei Sitzungen ab, in denen wie es heißt,alle weiteren Maßnahmen zur Auf­rechterhaltung der Ruhe und Ordnung beschlossen und nach allen Richtungen hin angeorbrtet" wurden. Weiter verlautet, daßim Hinblick darauf, daß Konrad Henlein zwei Kundgebungen an die sudetendeutsche Bevölkerung über den Deutschland­sender verbreiten ließ, bas Einschreiten gegen Konrab Henlein in bieser Angelegen­heit ben zustänbigen Staatsorganen übertragen wirb". Das heißt also, baß gegen den Führer der Sudetendeutschen Strafanzeige unter Berufung, auf das berüchtigteGesetz zum Schutze der Republik" von der Staatsanwaltschaft erhoben werden wird.

Der Landespräsident von Böhmen hat im Ein­vernehmen mit dem Präsidenten des Obergerichts und dem Oberprokurator Donnerstagnachmittäg auch über die Bezirke Reichenberg, Rumburg und Schluckenau das Standrecht ver­hängen lassen. Im Amtsblatt vom 16. September wird auf der gleichen gesetzlichen Grundlage auch

die Verhängung des Standrechts in den Bezirken Komotau und Warnsdorf ausgesprochen. Somit ist bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt das Standrecht über insgefamtlö Bezirke ver­hängt worden. Die der Partei des Staatspräsiden­ten Benesch nahestehende ZeitungA Zet" verzeich­net die Nachricht, daß ein Haftbefehl gegen Konrad Henlein bereits ausgegeben worden fein soll. Auch fügt es hinzu, daß auf die gesamte Führung der Sudetendeut­schen Partei ähnliche Haftbeshle ausge­stellt worden sein sollen.

Besserung im Befinden Görings.

Berlin, 15. Sept. (DNB.) lieber das Befinden des Generalfeldmarschalls Göring wird heute > durch den behandelnden Arzt folgendes bekanntgege- ben:Die Entzündung des Unterschenkels ist weitest- gehend im Rückgang begriffen, und die zu Be­ginn der Blutvergiftung stark erhöhte Temperatur nähert sich wieder dem Normalen. Gez.: Dr. Morell."