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16.7.1938
 
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16./17.3ulil938

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. |64 Drittes Blatt

vor»

Wenn der Schrankenbaum sich senkt

ein

vielleicht

B.

die ein

Zwei hinter Gisela" von Hans Hirthammer

Dem Auge das Beste!

Lassen Sie sich beraten von

Optiker Jlia&nus

dem Optiker Ihres Vertrauens / Seltersweg 33 / Kassenlieferant.

glas Westdeutschlands ziert:

Segnet Gott dir Trunk und Bissen, hältst du sauber dein Gewissen, wirst du auf dem Ruhekissen sanften Schlafes Trost nicht missen." Genügsamkeit und neidlose Freude verraten Worte, die mit der Jahreszahl 1741 Pfeifenfutteral zierten:

Ich liebe, was fein ist, wenn es auch nicht mein ist und mein auch nicht werden kann, so hab ich doch mein Gefallen dran." Schönen Gemeinsinn zeigt der Vers, mit dem Armenstock" zur Spende einlädt?

Eine Gutthai, die bei Zeit geschicht,

Radegast suchte nach einem sicher verschließbaren Aufbewahrungsort. Die Schublade des Tisches er­schien ihm geeignet, er brachte die Schriftstücke dort unter. Doch dann mochte ihm einfallen, daß Frau Stadelmann vielleicht einen zweiten Schlüssel zu dieser Schublade besaß. Er nahm die Mappen wie­der heraus, barg sie in seinem großen Koffer, schloß ihn sorgfältig ab und verstaute ihn über den Kleiderschrank.

Dann goß er Wasser in die Waschschüssel und wusch sich den Reisestaub von Gesicht und Händen.

Als er sich einen frischen Kragen umgelegt und sich das Haar sorgfältig gekämmt hatte, zündete er sich eine Zigarette an und trat an das Fenster.

Auf dem Hof war beim besten Willen nichts Besonderes zu sehen. Trotzdem starrte Walter Radegast unentwegt hinab, während er Zug um Zug den Rauch der Zigarette tief in sich einsog.

Run war also der erste entscheidende Schritt getan. Es gab kein Zurück mehr. Roch heute, gleich nachher, wird man diese Frau Malick aufsuchen, wird ihr die ganze Sache vortragen. Und wenn man zu einer Pereindarung mit ihr gelangte, dann nahmen die Dinge unaufhaltsam ihren Lauf.

Wenn aber die Malick ihre Unterstützung ver­weigerte? Zum Teufel, dann mußten eben andere Möglichkeiten gefunden werden. Man hatte den Beruf, die Stellung auf gegeben, man hatte alles auf diese eine Karte gesetzt, nun hieß es eben mit aller Entschlossenheit sich in das Ziel verbeißen.

Sie wird schon mit sich reden lassen, diese Frau Dorothea Malick. Schlimmstenfalls hatte man ge­wisse Tatsachen in der Hand, um einen sanften Druck auf die Dame ausüben zu können.

Walter Radegast drückte die Zigarette aus, schlüpfte in den Mantel, letzte seinen Hut auf und verließ die Pension.

Eine knappe Stunde später stand - er vor einem Haus in der Reanderstraße, wohin er sich schließlich durchgefragt hatte. Er mußte drei Treppen empor­steigen, bis er die Wohnung von Frau Malick

Er war überrascht, ja beinahe bestürzt, als ihm Frau Malick gegenüberstand. Er hatte sichdie Malick" als eine nicht mehr sehr junge, robuste Person vorgestellt und fand eine ungewöhnlich hübsche, sehr elegant gekleidete junge Dame vor. Seine Sicherheit geriet bedenklich ins Wanken, er war nahe daran, eine Entschuldigung zu stammeln und unverrichteter Dinge das Wette zu suchen.

Herr Radegast, wenn ich recht verstanden habe?" Sie musterte flüchtig seinen Mantel.Was verschafft mir das Vergnügen?"

Ort: der Bahnübergang in der Frankfurter Straße. Es ist früh am Nachmittag. Der Fuß­gängerverkehr ist rege im Gange. Auf der Fahrbahn flitzen die Kraftwagen und Motorräder in beiden Richtungen rasch vorüber. Einige Radfahrer, ein Pferdefuhrwerk und zwei Männer mit Handwagen winden sich durch den Trubel hindurch. Kurzum: es herrscht der Hochbetrieb im Verkehr, den wir alle täglich öfter an dieser Stelle beobachten können.

Nun tritt der Schrankenwärter der Reichsbahn aus seiner Bude. Ein kurzer Blick nach rechts und nach links, dann richtet sich das Auge mit beson­derer Spannung hin zur Strecke von Grünberg her. Mit kräftiger Hand faßt der Mann die Kurbelgriffe der Schrankenbäume. Langsam beginnen sich die beiden mächtigen Sperrbäume zu senken. In diesem Augenblick entsteht wie so oft am Tage auf dem Fußweg und auf der Fahrbahn eine Hetzjagd. Jeder versucht, noch, vor dem erwarteten Zug die andere Seite zu gewinnen. Ein Glück, daß der Zug noch ein ansehnliches Stück entfernt ist. Denn.aus­gerechnet einer von den Zwergen des Fährverkehrs, ein kleiner Handwagenzieher, hat den unvernünf­tigen Ehrgeiz, noch unter der fast schon geschlossenen Schranke hindurchzuschlüpfen. Der Schrankenwärter ruft ihm nachdrücklich ein warnendes Wort zu, er läßt ihm aber doch noch da der Mann sich mit­samt seinem Karren schon auf den Schienen be­findet die Möglichkeit, unter dem tm letzten Augenblick noch festgeftellten jenseitigen Schranken­baum hiüdurchzukommen. Kaum ist der Mann hin­über und der Schrankenbaum nun geschlossen, da brauft auch schon in flotter Fährt der Zug über den Straßenübergang. Parallel mit dem Hand­wagenkutscher ereignet sich die gleiche Hetzjagd auf dem Fußgänger-Ueberweg. Auch hier geht, dank der sorgfältigen Aufmerksamkeit des Schranken­wärters, alles gut ab.

' Dieser glückliche Ablauf kann wohl stets überall da als Regel angenommen werden, wo der Schran­kenwärter an dem Bahnübergang selbst Dienst tut und alle Vorgänge genau überblicken kann. Anders ist es bei Bahnübergängen an der Peripherie der Stadt ober im freien Feld, die nicht mit einem | Schrankenwärter besetzt sind, sondern von dem näch-

Unser neuer Vornan.

Nachdem wir in der letzten Nummer des Gießener Anzeigers den Abdruck des RomansDie Liebes­fuge vom Gardasee" von Hans von Hülsen be­endet haben, beginnen wir in der heute erscheinen­den Ausgabe unseres Blattes mit der Veröffent­lichung eines neuen großen Romanwerkes, von dem wir uns einen nicht minder starken und einhelligen Erfolg in allen Schichten unserer Leserschaft in Stadt und Land versprechen dürfen. Der Roman heißt

in der Mitte eine genügend breite Fahrbahn Händen fein. Die Fertigstellung der Verbreiterungs­arbeiten soll mit möglichster Beschleunigung er-

Aus Der Stadt Gießen.

Humorvolle Bauernweisheit.

Der Bauer würzt seine Philosophie, die aus kern- haster Weltanschauung erwächst, gern mit einem Körnlein Humor. Er hat seine Freude daran, in aller Beschaulichkeit Gedanken zu drechseln und ent­hält diese seine Meinung überGott und die Welt" auch andern nicht vor. So finden wir in der deut­schen Bauernkunst an Haus und Gerät manchen Spruch und zwar, wie es dem Angehörigen desVolkes der Dichter und Denker geziemt, vor­wiegend in Reimen und manches Kernwort, das mahnend zur Selbstbesinnung und zur besinnlichen Betrachtung Fremder einlädt. So stand z. B. auf einem Milchtopf, der hoffentlich noch nicht in Scherben ging:

Es segne Gott zu jeder Stund', was ein- und ausgeht deinem Mund, jedweden Tropfen Milch im Topf, viel' gute Gedanken und Spruch' im Kopf!" Uebrigens, recht sozial-einsichtig ist da wir gerade von Scherben sprachen dieser alte Teller­spruch:Die Schüssel ist aus Erd' gemacht; wenn sie zerbricht, der Töpfer lacht." Auf einem anderen Eßgeschirr war zu lesen:Wer nicht traut, hat selbstne böse Haut." Wirklichmoralphilosophisch" im besten Sinne und guter deutscher Denkart ent­sprechend ist dieser Spruch, der ein ländliches Wein-

Verbreiterung der unteren Kaiserallee

Brunnenanlage an der Ecke Licher Straße-Kaiserallee entsteht.

Der Fremde zögerte. Er blickte blinzelnd an dem Haus empor. Es war ein altes Gebäude, dessen Verputz längst der Erneuerung bedurft hätte.

Endlich schien der Mann sich zu einem Entschluß durchgerungen zu haben. Er betrat das Haus und stieg die Treppe empor. Im ersten Stock zeigte ihyi ein weiteres Schild, daß er vor der Tür der Pension Staüelmann" angelangt war.

Er stellte den Koffer ab unb klingelte.

Schlürfende Schritte wurden vernehmbar, und bann erschien eine Frau auf der Schwelle, die den Eindruck erweckte, als sei sie eben erst aus, dem Bett gestiegen. Außerdem schien sie mit einem rheumatischen Leiden behaftet, denn sie hielt den unfrisierten Kops ständig schief.

Sie musterte den Fremden mit mißtrauischen Blicken, jedoch mochte das ansehnliche Gepäck ihre Bedenken zerstreuen.

Ein Einzelzimmer, vermute ich. Kommen Sie!

Der Fremde folgte ihr willenlos und fand sich schließlich in einem halbdunklen Raum, dessen ein­ziges Fenster auf einen engen Hof hinaussah. Die Einrichtung mar altmodisch, keineswegs üppig, aber in einem leidlich sauberen Zustand.

Sie sind von auswärts?"

Ich komme aus Breslau!"

Ach, aus Breslau! Das Zimmer kostet eine Mark fünfzig pro Nacht. Ohne Frühstück. Wenn Sie für einen ganzen Monat ab schließen, macht es dreißig Mark, zahlbar im voraus."

Der Fremde nickte und stellte fein Gepäck ab. Schön, für einen Monat also. Es kann auch fein, daß ich länger bleibe. Ich habe geschäftlich in Berlin zu tun. Kann ich die Miete gleich entrichten.

Frau Stadelmann tauchte endlich auf.Gewiß, fehr freundlich! Ich schreibe Ihnen sofort die Quittung aus. Wie ist Ihr werter Name?

Radegast! Walter Radegast!"

Sehr schön, Herr Radegast! Wenn Sie übrigens mit voller Pension--?" ,

Nein, danke!" wehrte Radegast ab.Ich versorge mich selbst!"

Wie Sie wünschen!" , r .. .

Als Frau Stadslmann das Geld für die Miete an sich genommen und das Zimmer verlassen hatte, begann Walter Radegast in großer Eile [einen Koffer auszupacken. Er verstaute seine Havstlig- keiten im Kleiderschrank und in den Schubfächern des Waschtisches.

Der Inhalt der Aktenmappe schien besonders wertvoll zu sein. Er bestand aus mehreren blauen Pappumschlägen, sogenannten Schnellheftern Die wichtige Dokumente und Schriftstücke zu enthalten schienen.

folgen.

Bei dieser Gelegenheit will die Stadtverwaltung jetzt schon auch eine Verbreiterung des Bürger st ei g es vor dem Gebäude des Gaswerkes und dem Haufe der *i*1 3 Standarte an der Ecke Gartenftraße-Hinben- burgwall dadurch vornehmen lassen, daß vor beiden Gebäuden die Vorgärten beseitigt werden. Man wird also durch diese Verbreiterung auch für den dortigen Brennpunkt des Verkehrs günstigere Ueberfichtsverhältniffe erhalten.

Gleichzeitig soll die schon seit längerer Zeit pro­jektierte Brunnenanlage auf der Ge- ländespitze an der Gabelung Kaiser- all e - L i ch e r Straße geschaffen werden. Für dieses Projekt hat die Stadtverwaltung im März einen Wettbewerb zur Erlangung von geeigneten Entwürfen einer Brunnenanlage durch geführt. Mit der nunmehr beginnenden baulichen Neugestaltung wird dem seit einigen Monaten an dieser Stelle be­stehenden wenig Erfreulichen Straßenbild ein Ende bereitet. Der jetzige Reklamestand mit der Uhr wird im Zuge der Neugestaltung an die Ecke des Grund­stücks an der Kaiserallee zurückversetzt, so daß der Uhrturm künftighin seinen Platz ein Stück hinter der Brunnenanlage haben wird. Der große Gitter­mast der Stromleitung, der das Bild der Brunnen- anlage Jtören würde, wird in Zukunft fortfallen.

sten Posten aus bedient werden. Wenn an einem vlchen Uebergang leichtfertige Menschen trotz der geschlossenen Schranke sich auf dem Bahnkörper be­finden, so liegt die Möglichkeit eines Unglücks natürlich sehr nahe. Aber auch an Strahenüber- gängen, die mit Schrankenwärterposten besetzt sind, kann ein Unglück im Handumdrehen passieren, wenn der Passant sich zu dicht an den odjrantenbaum stellt oder wenn er infolge seines Leichtsinns sich in der letzten Sekunde noch innerhalb des cck- gefperrten Raumes zwischen dem Schienenstrang und der Schranke befindet, ein Fall, der in der Regel nicht etwa eine Unachtsamkeit oder ein Ver­schulden des Schrankenwärters bedeutet, sondern vor allem auf den sträflichen Leichtsinn und auf die unsinnige Minutenjagd allzu hasttger Passanten allein zurückgeführt werden muß.

Mark, Suppenhühner,90 bis 1,05 Mark, Wirsing, grün, 10 bis 15 Pf., Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 30, gelbe Rüben, das Bündel 10 bis 12%, % kg 20, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün, 30 bis 55, Erbsen 18 bis 25, To­maten 25 bis 50, Zwiebeln, das Bündel 10 bis 15, % kg 15 bis 18, Rhabarber 10 bis 15, Pilze 45 bis 50, Kartoffeln, alte, 5, 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, neue, % kg, 8% bis 9 Pf., 5 kg 85 bis 90, Pfirsiche 45 bis 50, Himbeeren 45 bis 50, Dörr­obst 40, Kirschen 60 bis 70, Stachelbeeren 25 bis 45, Johannisbeeren 35 bis 40, Erdbeeren 50 bis 65, Blumenkohl, das Stück, 10 bis 50, Salat 5 bis 10, Salatgurken 30 bis 70, Einmachgurken 5 bis 8, Ober­kohlrabi 5 bis 8, Suppengrün 5, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 5 bis 10 Pf.

*

** E i n Fünfundachtzigjähriger. Am kommenden Montag, 18. Juli, kann der Lokomotiv­führer i. R. Georg Ott, Hinter der. Westanlage 15 ' wohnhaft, in körperlicher und geistiger Frische seinen 85. Geburtstag feiern. ,

Ich war bis vor wenigen Tagen beim Notar Kindlmann in Breslau angestellt."

Ah!" Frau Malick hab überrascht und etwas beunruhigt den Kopf.Dann handelt es sich wohl um diesen gräßlichen Prozeß, der mir schon so viele schlaflose Nächte--"

Ich besitze eine Abschrift der gegnerischen Akten und kann Ihnen vielleicht einige wertvolle Rat- schlüge geben, aber eigentlich komme ich in einer persönlichen Angelegenheit."

Frau Malick vollführte eine unnachahmlich liebens­würdige Handbewegung.Treten Sie dock näher, Herr Radegast! Wollen Sie nicht ablegen? '

Nichts tat Walter Radegast lieber.

Das schlanke junge Mädchen, das ihm vorhin die Tür geöffnet hatte, nahm ihm den Mantel ab. Da­bei warf es einen heimlichen Blick auf Frau Doro­thea.Herr Kagereit wird bald kommen!"

Führen Sie ihn ins Musikzimmer! Er soll warten!" , , .

Herr Kagereit mußte sehr lange warten. Er spielte sämtliche Schallplatten von Frau Dorothea durch, verbrauchte eine Unmenge von Nadeln und ver­qualmte aus Rache sämtliche Zigaretten, die er im Notenschrank gefunden hatte.

2.

Sie sind ein ganz durchtriebener Halunke!" lachte Dorothea Malick, während sie den Scheck ausschrieb. Fürs erste wird der Betrag genügen. Sie müssen ja überhaupt erst sehen, ob diese junge Dame noch frei ist und Lust hat, sich mit Ihnen einzulassen. Wie hieß sie gleich?" r. __

Gisela Mertens! Ein hübscher Name, finden 6te nicht?" r

Wenn die Kleine sich aber nun als ausgewachsene Vogelscheuche entpuppt?"

Das wird mich nicht abhalten. Immerhin wollen wir den Teufel nicht an die Wand malen."

Ich höre ja bald von Ihnen. Und kneifen Sie mir morgen- abend nicht aus! Es ist nur vorteil­haft, wenn ich Ihnen einen gewissen großstädtischen Schliff beibringe. Kagereit wird mit dabei fern, von dem können Sie allerhand lernen!"

Ich bin Ihnen aufrichtig dankbar!" sagte Walter Radegast, während er sich von der Zofe in den Mantel helfen ließ.

Frau Dorothea duldete großmütig, daß er nnt feinen Lippen ihren Handrücken berührte.

Es mar ein sehr verwandelter, sehr selbstbewußter Herr Radegast, der nun, einen Schlager vor sich hinpfeifend, die Treppe hinabschunkelte. Der Scheck knisterte angenehm in seiner Brusttasche.

(Fortsetzung folgt!)

bieselb' ist doppelt ausgericht't."

Am Ehrenplatz im Bauernhaus stand, als man dort noch keine Sparbücher kannte, die Sparbüchse, die zu mancher Überlegfamen Reimerei herausfor­dert. Auf -einer ist zu lesen:

Diel Zehren und Gasten

leert Keller unb Kasten."

Ebenso beachtlich ist das Derslein eines anderen Spartopfes:

Dor dummem Zehren und böslichem Sparen mög uns der liebe Herrgott bewahren."

Ein süddeutsches Gasthaus trägt diese Inschrift: Ein solcher Gast ist viel wert, der sein Geld mit Lust verzehrt, keinen Streit und Händel macht und aufs Zahlen ist bedacht."

Besonders beliebt ist in vergangenen Jahrhun­derten eine Inschrift an der Straßenseite des Hauses gewesen, wie z. B. diese von der sächsischcköhmischen Grenze aus dem Jahre 1704:

Ich habe nächst Gott gebaut ein neues Haus, und wenn er will, so muß ich und alle hinaus. Gott behüte diesen Ort und ganzes Land

und wende von uns ab Unglück und Brand!" Schnurrig wirkt die folgende niederdeutsche Haus- inschrift:

O Gott bewahre dieses Haus,

daß Doctor und Afkaten bleiben raus."

Kernig und deutsch ist die folgende Giebelanschrift: Tu recht, steh fest, kehr dich nicht dran, wenn dich auch tadelt manch ein Mann; der muh noch kommen auf die Wett, der tut, was jedem Norm gefällt."

Zum Schluffe noch eine Grabinschrift, die ja oft bewußt aber unbewußt humorvoll ist. Sie stammt aus alemannischen Gauen unb schmückt den Grabstein eines Lehrers unb Organisten:

Hier schläft nach langer Arbeit sanft genug, ber Schüler, Orgel, Weib unb Kinder schlug,"

In ber nächsten Woche wirb die Stadtverwaltung mit den Vorarbeiten zur Verbreiterung der unteren Kaiserallee zwischen Mo'ltke- straße und Lubwigs platz beginnen lasten. Es handelt sich bei dieser Arbeit, -roie wir früher schon berichteten, um die Schaffung günstigerer Ver­hältnisse für den von der oberen Kaiserallee und von der Reichsautobahn her durch die Licher Straße kommenden bzw. durch beide Straßen nach aus­wärts führenden erheblich stärkeren Fährverkehr, für den die Fahrbahn in der jetzigen Breite bei weitem nicht mehr genügt Eine Reihe von Grunb- ftütfsanliegern hat in verständnisvoller Welse die dringende Notwendigkeit dieser Maßnahme aner­kannt und sich bereitwillig den Belangen der All­gemeinheit dadurch gefügt, daß sie schon nach kurzer Verhandlung sich bereit erklärten, bas Vorgarten- gelänbe für bie Zwecke ber Straßenverbreiterung an bie Stabt abzutreten; soweit von anderen Grundstückseigentümern der gleiche Entschluß bis jetzt noch nicht vorliegt, darf man wohl hoffen, daß auch hier das berechtigte Interesse der Allgemeinheit die gebotene verständnisvolle Würdigung fihöet. Die Verbreiterung zwischen der Mottkestraße unb dem Ludwigsplatz wird.derart geschehen, daß etwa das jetzige Dorgartengelände auf beiden Seiten künf­tighin Bürgersteig wird und die jetzigen Bürger­steige in die Fahrbahn einbezogen werden, so daß auch die Bäume auf beiden Seiten in Fortfall kom­men. Dadurch wird in Zukunft in dieser Straßen­strecke beiderseits ein ausreichender Bürgersteig und

und ist genau so fesselnd und temperamentvoll ge­schrieben roie Die früher bei uns erschienenen Romane des begabten jungen AutorsAbenteuer in Pa­ris" unbSkanbal um Doktor Vanbergruen", an bie sich viele Leser gewiß noch mit Vergnügen erin­nern werben.Zwei hinter Gisela" ist ein Liebes­roman unb ein Kriminalroman zugleich, lebenbig ' unb fpannenb, humorvoll unb dramatisch erzählt, mit vielen Steigerungen unb Überraschungen im Lause der organisch aufgebauten unb schnell fort­schreitenden Handlung. Der Liebeshandel und ber Kriminalfall sind auf eine so geschickte und aben­teuerliche Weise miteinander verbunden, daß man von der ersten bis zur letzten Fortsetzung von den Begebenheiten in Atem gehalten wird. Wir sind überzeugt, daß alle unsere Leserinnen und Leser' diesen neuen Roman mit wirklichem Vergnügen und ständig wachsender Anteilnahme verfolgen werden.

Der Schlußappell unserer Pimpfe.

Am nächsten Montag, um 10.30 Uhr, findet zu Beginn der Hessen-Nassau-Fahrt des Jungbannes 116 der große Schlußappell aller 840 Fahrtteilneh­mer auf dem Platz vor der Alten Klinik statt. Die Bevölkerung und die Ettern werden herzlich dazu eingeladen. Der Svnderzug, ber die Teilnehmer, in ben Unterlahnkreis bringt, roirh um 11.35 Uhr ab- fahren.

Gietzener Wochenmarktpreiie.

* Gießen, 16. Juli. Auf bem heutigen Wochen- marft kosteten: Feine Molkereibutter, % kg, 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, bas Stück, 4 bis 9, Eier, beutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, Enteneier 11% bis 12%, Tau­ben 50 bis 60 Pf., junge Hähne, % kg, 1,10 bis 1,15

Zwei hinter Gisela

Vornan von Hans Hirthammer.

Urheberrechtschutz Verlag Oskar Meister, Werdau/Sa.

Nachbruck verboten.

1.

Er kam mit dem Personenzug um neun Uhr siebzehn auf bem Bahnhof Friebrichstrahe an. Sem Gepäck bestanb aus einem großen Reisekoffer aus Vulkanfiber, einer kleineren Hanbtasche unb einer ledernen, schwarzen Aktenmappe, die ziemlich ab­genützt war.

Die ganze Strecke von Breslau her hatte er in einem Buch gelesen. Nun steckte er es in bie Akten­mappe, nahm den Kneifer ab, raffte fein Gepäck an sich unb haftete aus dem Zug.

Eine Weile ftanb er, fremb, wie verloren, in­mitten ber Menschen, bie ben Bahnsteig bevölkerten. Das Drohnen der Stadtbahnzüge, das Zischen der LokomDtiven, das Gedränge der Reisenden, bie dem Ausgang zustrebten, all dies schien ihm ungewohnt zu sein. Es verwirrte ihn, seine Augen glitten ängst­lich durch den weiten Raum.

Ein Gepäckträger sah ihn stehen und bot ihm seine Dienste an. Der Fremde wehrte beinahe heftig ab, nahm sein Gepäck noch fester an sich und setzte sich aufgeschreckt in Bewegung.

Er kam hinaus auf die Straße und wurde sogleich, ob er wollte oder nicht, mit fortgenssen vom Mrbel des Verkehrs, der sich roie ein brausender Strom durch die Friedrichstraße wälzte.

Er trieb dahin, willenlos, ohnmächtig, bis es ihm mit großer Anstrengung gelang, sich in eine stillere Seitenstraße zu retten.

Aufatmend blieb er stehen, sein Blick hatte etwas Gehetztes, Unstetes, und wer ihn so sah, in dem von der langen Reise oerfnüUten Ulster, mit seinem form­losen Filzhut, der mochte vermuten, daß mit dem Manne nicht alles in Ordnung war.

Der Fremde, der sich allem Anschein nach zum erstenmal in Berlin befand, setzte seinen Weg fort, während er sorgfältig die Häuser musterte, an denen er vorüberging.

Nach etwa fünf Minuten blieb" er wieder stehen. Sein Blick war auf ein Türschild gefallen, das ferne Aufmerksamkeit erregte.

Pension Stadelmann" ftanb da, in eine große Messingtafel eingraviert. Unb baneben hing eine Papptafel:Stets billige Einzelzimmer frei!"

Dorrwiiren.

Tageskalender für Samstag.

Gloria-Palast (Settersweg):Scotland Yard greift ein".

Tageskalender für Sonntag.

Gloria-Palast (Settersweg):Scotland Yard greift ein". __

Im eigenen Interesse aller Passanten ber Bahn­übergänge ganz gleich ob Fußgänger, Kraft­fahrer, Stäbler ober Hanbroagenzieher sei hier wieder einmal bie dringende Mahnung ausge­sprochen, beim Passieren der Bahnübergänge nicht leichtfinnig zu sein. Hier sollte sich jedermann die Richtlinien zu eigen machen, bie auch bei den Dienst­stellen der Reichsbahn gelten: Wenti ber Schrankenbaum s i ch senkt, hat jebes Betreten des Uebergangs zu unter­bleiben. Erst wenn die Schranke wie­her geöffnet ist,kann ber Uebergang paffiert werben. Wer danach handelt, wird auf bem Bcchnübergang keine Gefahr laufen. Er roirb verschont werben von bem Schicksal, baß er bas Opfer eines Unglücksfalles roirb, nur weil er eine Minute Zeit ersparen wollte!