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3^oman von Hanü von Hülsen.
Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell.
3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Er kauerte fich im Gestühl zusammen. Ihm war, als müsse er sich klein, ganz klein machen im An- gesicht des Ewigen, das vom Chor her über ihn ausgegossen wurde, wie der Geist der Pfingsten. Die Musik rauschte mit starken Schwingen über ihn weg.
Wie lange hatte er so gesessen? Eine Stunde? Die Zeit zersiel um ihn her, er fühlte nicht einmal mehr den haarfeinen Strahl, mit dem sie durch das Stundenglas rann.
Als die Orael mit einer unendlichen Klage verstummte, auf der Empore der Schatten wieder um- hcrhuschte und die niedergebrannten Kerzen loschen, stahl er sich still hinaus aus dem kleinen Gotteshaus. Aber die Musik ging mit ihm, während er auf der steinigen Straße zwischen erblindeten Häu- fern durch die Sommernacht hinabstieg zum dunklen See.
*
Der alte Pfarrer Majelli und sein sonderbarer Freund saßen in dieser Sommernacht lange am offenen Fenster, durch das der geruhige Atem des Sees und der würzige Duft der Pflanzen im Pfarrgarten hineindrang.
Majelli hatte eine bauchige Korbflasche roten Weines vom Bort gelangt und ihnen die Gläser vollgeschenkt. Kein Licht brannte, nur der Schein der Sterne beleuchtete silbrig die beiden Gesichter, das altersmilde Gelchrtcngesicht des Priesters und das derde, knochige, wie aus Lindenholz geschnitzte Antlitz seines Gegenübers mit den eingesunkenen Augen, um das grau das schon schüttere Haar wucherte.
Sie sprachen wenig, das war so chre Art: sie konnten stundenlang beieinandersitzen und nur einer des anderen Gegenwart fühlen.
Die Geschichte dieser Freundschaft zwischen dem Priester und einem Fremden aus dem Norden Deutschlands hatte das kleine Dorf durch Jahre in Aufregung versetzt und Giuseppe Majelli man- cherlei Anfeindung eingetragen. Nun aber war, da Jahr um Jahr seine Ringe am Lebensbaum an- setzte, alle Erregung längst zur Ruhe gekommen. Die Pfarrgemcinde hatte sich daran gewöhnt, daß
konnte von befriedigenden Kassenverhältnissen berichten. Die Ausführungen des Obermeisters wurden mit Zustimmung ausgenommen.
Bei der sodann durch Obermeister Lich gestellten Vertrauensfrage wurde die Abstimmung vom stell- vertretenden Obermeister Brücke! (Lang-Göns) geleitet, der bei der Auszählung feststellen konnte, daß dem bisherigen Obermeister e i n st i m m i g das Vertrauen der Klempner und Installateure des Kreises Gießen ausgesprochen wurde.
Geschäftsführer Dr. Schmidt beglückwünschte Obermeister Lich zu diesem Ergebnis und sprach dann über die Verwendung von Austauschstoffen im Klempner- und Installateur-Handwerk. Seine interessanten Ausführungen wurden mit Beifall ausgenommen. Gewerbelehrer L e i ch u m behandelte anschließend Berufsschulfragen und sprach über gemachte Erfahrungen beim Reichsberufswettkampf. Kreishandwerksmeister Stühler sprach in längeren Ausführungen über allgemeine Handwerkerfragen.
Gießener Dochenmarktpreiie.
* G i e ß e n , 16. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Feine Molkereibutter, % kg, 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück, 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 1C^, Enteneier 11 % bis 12%, Wirsing, grün, % kg, 10 bis 12, Weißkraut 12 bis 15, gelbe Rüben, neue, Bündel 20 bis 25, rote Rüben, % kg, 10 bis 12, Spinat 8 bis 15, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün, 20 bis 35, Spargel, 1. Sorte 50
bis 52, 2. Sorte 45 bis 48, 4. Sorte 20, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 40 bis 55, Zwiebeln, neue, Bündel 10 bis 15, Rhabarber, % kg, 10 bis 15, Kartoffeln, alte 5, 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, neue, % kg, 14 bis 15 Pf., Aepfel, ausländische, 60 bis 65, Kirschen 60 bis 70, Erdbeeren 55 bis 70 Pf., junge Hähne 1,10 bis 1,15 Mark, Suppenhühner —,90 bis 1,05 Mark, Tauben, das Stück, 55 bis 60 Pf., Blu- menkohl 10 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 35 bis 50, Einmachgurken 15, Oberkohlrabi 10 bis 18, Lauch 5 bis 10, Rettich, Bündel 20, das Stück 10 bis 20, Sellerie 10 bis 30, Radieschen, das Bündel, 5 bis 10 Pf.
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** Feuermelder sind blau geworden. In den letzten Tagen sind die Anlagen unserer Feuermelder in den verschiedenen Stadtteilen durch einen Neuanstrich mit dunkelblauer Farbe versehen und dadurch in Hebereinstimmung mit den neuen Anordnungen für das Feuerschutzwesen gebracht worden.
** Hundesteuer bezahlen! In diesen Tagen erhalten die Besitzer von Hunden die Steuerzettel zugestellt, die zur Zahlung der Hundesteuer auffordern. Der Oberbürgermeister veröffentlicht dazu eine Bekanntmachung, die den Zahlungspflichtigen wichtige Hinweise gibt.
** Städtische Heu ar asverst eigerungen finden am nächsten Montag in den verschiedenen Abschnitten des städtischen Wiesengeländes statt.
** Tragischer Unglücksfall beim Rangieren. Am gestrigen Mittwoch ereignete
der bisherigen Vorbereitungsarbeiten ist damit zu rechnen, daß die Tage dieses Sängcrfestes vom 8. bis 11. Juli allen Teilnehmern ein besonderes Erlebnis bringen werden.
Hilfe bei dem Nachweis
der arischen Abstammung.
EPNH. Bei dem Nachweis der arischen Abstammung geraten manche Volksgenossen, deren Dorfähren außerhalb der Grenzen des Reiches geboren sind, in große Schwierigkeiten. Vielfach sind die ausländischen Ortsbezeichnungen nicht bekannt, so daß die Anträge auf Ausstellung der Abstammungsurkunden ihr Ziel nicht erreichen. In solchen Fällen ist der Evangelische Verein für Deutsche Ansiedler und Auswanderer, Berlin C 2, Monbijou- platz, bereit, bei Beschaffung von Familienurkunden aus dem Ausland behilflich zu fein. Mit dieser Arbeit verbindet der Verein zugleich die Forschung nach Vermißten aus dem Ausland. In zahlreichen fast aussichtslosen Fällen gelang es, Ausgewanderte nach jahrelangem Schweigen mit ihren Familien- angehörigen in Verbindung zu bringen ober Verschollene wieder aufzufinden.
Rheinfahrt der Langemarckschule.
Am Dienstag veranstaltete die Langemarckschule, Oberschule für Jungen, eine von schönem Wetter begünstigte Fährt an den Rhein. Alle Lehrer und Schüler, über zweihundert Teilnehmer aus Eltern- kreisen, das Betriebspersonal und vier österreichische SA.-Männer, die augenblicklich in Lang-Göns weilen und als Gäste der Schule ringelnden waren, führen in der Frühe mit Sonderzua Kastel, von dort mit Sonderdampfer nach Rüdesheim.
Zu Füßen des Nationaldenkmals vereinte sich die Schulgemeinde zu einer packenden Feier. Ober- ftubienbireftor Angelberger umriß die unvergänglich hohe Bedeutung dieses herrlichen beut- schen Ortes für die gesamtdeutsche Geschichte, wies auf die überragende politische und wirtschaftliche Geltung des Stromes als Band zwischen deutscher West- und Ostmark hin, gedachte des tausendjährigen Ringens um den Rhein und all der Opfer, Die cs verlangte, und dankte mit der Schulgemeinde dem Führer, der in zähem, glaubensstarken Ringen diesen Kampf zu siegreichem Abschluß brachte. Der Schulchor verschönte die Feier durch Liedvorträge.
Die weitere Fahrt mit Dampfer nach Koblenz ließ unter den Klängen der rührigen Bordkapelle die ganze Fröhlichkeit wachwerden, die der Rhein zu wecken vermag. Nach einer schlichten Feier am Deutschen Eck und zwangloser Besichtigung der Stadt brachte der Sonderzug alle Teilnehmer nach Gießen zurück. Eine wohlgelungene, allen Beteiligten unvergeßliche Fahrt!
Jahreshauptversammlung der Klempner und Installateure.
Im vollbesetzten Saale des „Andres" hielt die Klempner- und Installateur-Innung ihre Jahres- Hauvtversammlung ab. Obermeister L i ch begrüßte die Berufskameraden aus Stadt und Kreis Gießeii und hieß besonders den Kreishandwerksmeister Stühler, den Geschäftsführer des Reichs- innungsverbandes, Bezirksstelle Hessen Dr. Schmidt, Frankfurt, und Gewerbelehrer Leich u m herzlich willkommen.
Dem vom Obermeister gegebenen Jahresbericht war zu entnehmen, daß sich im abgelaufenen Geschäftsjahre das Jnnungsleben in zufriedenstellendem Rahmen abspielte. 38 Jnnungs-, Bezirks- ober Hauptversammlungen wurden.abgehal- len, eine Filmvorführung und ein doppelter Tageskursus mit praktischem Lehrgang wurden durch- geführt, des weiteren (gelegentlich der Einführung der Buchführungspflicht) für Handwerker ein Buchführungslehrgang. Die restlose Zurverfügung- stellnng der Jnnungsmitalieder ermöglichte die reibungslose Durchführung Des Reichsberufswettkampfes. Der Verkehr mit vorgesetzten Dienststellen, Behörden usw. bewegte sich in guten Bahnen. Bei der Betrachtung der wirtschaftlichen Lage wurde sestgestellt, daß auch im abgelaufenen 'Geschäfts- fahr ein zufriedenstellender Arbeitsanfall zu verzeichnen war. Obermeister Lich gab dann einen Heberblick über die Finanzen der Innung und
Jugend arbeitet im Lustschutz mit!
Kundgebung und Vorführungen auf Oswaldsgarten.
Aus Oswaldsgarten fand am gestrigen Mittwochabend aus Anlaß des Jugend-Luftschutztages eine eindrucksvolle Kundgebung statt. Hitler-Jugend, BDM. und die Führer und Amtsträger des Reichsluftschutzbundes waren dazu angetreten. Zahlreiche Gaste aus dem Kreise der Partei und ihrer Gliebe- rungen, wie auch der Wehrmacht hatten sich ringe- fanden.
Bezirksgruppenführer, LS.-Hauptsührer Poppe eröffnete die Kundgebung. In seiner Ansprache wies der Redner darauf hin, wie fünf Jahre Reichs- luftfchutzbund diese Organisation zu einer Volksbewegung werden ließen, die allein 12,5 Millionen Mitglieder zähle, über 630 000 Amtsträger verfüge und in unzähligen Lehrgängen schon Millionen von Volksgenossen mit den Aufgaben des Luftschutzes vertraut gemacht habe. Im Luftschutz komme es, so führte der Bezirksgruppenfüyrer aus, auf die innere Pflichttreue eines jeden einzelnen an, auf den Selbstbehauptungswillen und auf stählerne Entschlossenheit. Auch die Jugend habe im Luftschutz eine Verpflichtung von einem Ernst und einer Tragweite, wie noch keine Jugend zuvor und zu anderer Zeit. Die Jugend für den Selbstschutz zu erfassen, sei eine dringliche Aufgabe. Die Jugend habe die Forderungen unserer Zeit auch schon begriffen. Für die Zukunft werde die Ausbildung im Selbstschutz noch intensiver vorgetrieben werden müssen. Jugendliche und Erwachsene müßten in gleicher Abwehrbereitschaft und Entschlossenheit antreten und ihre Pflicht tun auf dem Platz, auf dem zu stehen ihnen von Führer und Vaterland aufgegeben ist.
Stammführer Or. Schneider bestätigte in merügen Worten, daß sich die Jugend auch auf diesem Gebiete, im Dienste des Luftschutzes, ihrer Aufgaben bewußt sei und ihre Pflicht erfüllen werde. Im weiteren Verlaufe der Kundgebung ergriff
Kreisleiter Backhaus das Wort zu einer eindringlichen Ansprache. Er wies eingangs auf die stete Kriegshetze hin, die rings um unsere Grenzen in geradezu verbreche
rischer Weise betrieben werde. Da sei es unsere Psticht, alle Maßnahmen zu ergreifen, die Volk und Vaterland zu schützen imstande seien. Dabei gehe es nicht nur darum, die technischen Erfordernisse, die die Luftschutzarbeit mit sich bringe, zu beherrschen, vielmehr gelte es auch, sich politisch zu schulen, um ganz verstehen zu können, um was es gehe. Es gehe einfach um die Erhaltung unseres ganzen Volkes, um Die Erhaltung und Forderung unserer kulturellen Werte und unserer Wirtschaft. In weiteren Worten dankte der Kreisleiter allen Amtsträgern des Reichsluftschutzbundes für die bis- her geleistete wertvolle Arbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, daß jedermann auch für die Zukunft alle Kraft einsetzen möge, damit die Plattform geschaffen werde für das Deutsche Reich, wie es der Führer wolle und wie es über Jahrhunderte und Jahrtausende Bestand haben solle. Deshalb müßten wir alle erfüllt sein von einem unbändigen Willen zur Selbsterhaltung.
Vorführungen.
Im Anschluß an die Worte des Kreisleiters zeigten mehrere Kameradinnen des BDM. einige praktische Vorführungen, die von den vielen Teilnehmern der Kundgebung mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurden. Die Mädchen zeigten, angetan mit der Gasmaske, Marsch-, Lauf- und leichte gymnastische Hebungen, die erkennen ließen, daß die Gasmaske in feiner Weise die Bewegungsfreiheit hemmt und die Leistungsfähigkeit nicht über ein erträgliches Maß herabsetzt. Weitere Vorführungen bestanden in der Bildung einer Eimerkette und in Zielübungen nach Blechdosen, die mit dem Wasserinhalt eines Eimers getroffen werden sollten und getroffen wurden.
Nachdem die Uebertragung zweier kurzer Rund- funkansprachen aus Berlin, die aus Anlaß des fünften Jahrestages des Reichsluftschutzbundes gehalten wurden, gehört war, zeigte auch noch die Marine-Hitler-Jugend Hebungen mit der Gasmaske. Zur allgemeinen Heberrafchung unternahm es die Abteilung der MHI., unter der Gasmaske zu fingen und bewies, daß auch dies möglich ist. Sodann wurde noch ein Feuer entzündet, das mit der Einstellspritze in wenigen Minuten von der Jugend gelöscht wurde. Mit den Liedern der Nation fand die Kundgebung ihren Abschluß,
sich beim Ranglerdlenst ein schwerer Hnglücksfall, dem der 40 Jahre alte Rangierer Jost Weber aus Fronhausen (Lahn) leider zum Opfer fiel. Der bedauernswerte Mann kam zwischen die Puffer zweier Güterwagen und wurde dadurch am Unterleib zu schwer gequetscht, daß er bald nach seiner Einlieferung in die Chirurgische Klinik verstarb.
Aus der engeren Heimat.
Unfälle auf dem Lande.
Der 27 Jahre alte Schlosser Albert Leckens aus Mu scheu heim zog sich bei seiner Arbeit schwere innere Verletzungen, mutmaßlich einen Bruch der Wirbelsäule, zu. — Durch einen Unglück- lichen Sturz erlitt die Bergmannswitwe Katharine Ferber aus Waldgirmes einen Unterschenkel- bruch. — Der Metallarbeiter Ludwig Becker aus Grunin gen, der in einem Gießener Industrie- werk beschäftigt ist, wurde von einer Schleifscheibe, die sich gelost hatte, am Oberschenkel getroffen und schwer verletzt. — Durch einen Unfall an feiner Arbeitsstätte in einer Dampfziegelei zog sich der 33 Jahre alte Maurer Heinrich Weber aus Burkhardsfelden Verbrennungen im Gesicht, an Brust und Händen zu. —> Mit einer schweren Gehirnerschütterung mußte der 37 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Balser aus Leihgestern in ärztliche Behandlung gebracht werden. — Der 73 Jayre alte Landwirt Heinrich Koch aus Queck> b o r n kam, als er Vieh fütterte, unglücklich zu Fall und zog sich dabei eine erhebliche Schulter- Verletzung zu. — Durch einen Verkehrsunfall erlitt der 20 Jahre alte Installateur Karl Dem aus Großen-Linden erhebliche Prellungen an Becken, Armen und Beinen. Der junge Mann war in Gießen an der Ecke Klinikstraße-Frankfurter Straße mit seinem Motorrad gegen einen Lastkraftwagen gefahren. — Durch einen Autounfall erlitt das siebenjährige Söhnchen des Metzgers Krämer von Lollar eine schwere Gehirnerschütterung. Sämtliche Verunglückte wurden in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht.
Landkreis Gießen.
£ Wieseck, 16. Juni. Zwei hochbetagte Mitbürger unserer Gemeinde können gegenwärtig G t* 'burtstag feiern. Daniel Oswald, Wagengaffe 5, kann am morgigen Freitag feinen 87. Geburtstag begehen und Schrniederneister Georg B i e r a u wird am heutigen Donnerstag, 16. Jun? 79 Jahre alt. Beide hochbetagte Männer erfreuen fick einer außerordentlichen geistigen und körper- licyen Frische.
00 Klein-Linden, 14. Juni. An den beiden letzten Sonntagen hielt die Kriegerkameradschaft Klein-Linden auf ihren Schießständen ein Kleinkaliberpreisschießen ab. Es wurden von den Schützen je drei Schuß auf die Zwölferring, scheibe auf eine Entfernung von 50 Metern abgegeben. Nach Schluß des Preisschießens am vergangenen Sonntag nahm Schießleiter Gottfried Benderoth die Preisverteilung vor. Sie hatte folgendes Ergebnis: 1. Preis mit 35 Ringen Otto Müller; 2. mit 35 Ringen Heinrich Weber; 3. Wilhelm Volkert; 4. Gottfried Benderoth; 5. Wilhelm Erle; 6. Wilhelm Weller mit je 34 Ringen; 7. Heinrich Keudel; 8. Mausehund; 9. Paul König; 10. August Pfeifer mit je 33 Ringen. Es wurden im ganzen 17 Preise ausgegeben, der letzte Preis entfiel auf 30 Ringe.
# Allendorf (Lahn), 15. Juni. Die diesjährige rege Bautätigkeit hat eine Erweiterung des Ortsnetzes der Wasserleitung bedingt. Die Bergstraße, die nunmehr mit zwei Wohnhausneubauten an ihrer Hangseite bebaut wurde, ist dem Ortsnetz angeschlos- sen worden. Neben einer Anzahl Um- und An, bauten werden vier Wohnhausbauten ausgeführt. Es sind noch weitere Wohnhäuser zum Bau vor- geschen. Während unser Dorf nach Ende des Krie- ges 142 Wohnhäuser zählte, find in den vergangenen 20 Jahren 32 Wohnhausneubauten erstellt worden, so daß unser Dorf aus 174 Wohnhäusern besteht. Die Einwohnerzahl beträgt z. Z. annähernd 900 Personen. — Dieser Tage wurden in unserem Ort die Schafe geschoren. Der Ertrag der Wolle war in diesem Jahre, bedingt durch die erstklassigen Weideflächen, die im vergangenen Jahr
der blinde Mann, der des Sonntags und an allen Kirchenfesten droben auf dem Chor die Orgel so wunderbar erklingen ließ, ein Pagano, ein Ungläubiger war, dessen sich der gute, alte Pfarrer in seiner christlichen Güte angenommen, den er stolz vor aller Welt seinen Freund nanpte. Madre di Dio, es war sonderbar! Aber wenn es der hoch- würdige Herr Pfarrer nicht für unrecht hielt, mochte schließlich auch jeder andere im Dorf es recht heißen.
Franz Bartold, eines alten Orgelbauers Sohn aus dem Niedersächsischen, hatte mit seinem Regiment an der letzten deutsch-österreichischen Offensive zwischen Asiago und Arsiero teilgenommen, war dort schwer verwundet und durch eine Gasgranate des Augenlichtes beraubt, in die Hand der Italiener gefallen und in ein Kriegsgefangenenlazarett in der Festung Brescia gebracht worden. Dort hatte er, von Franziskanern gesund gepflegt, die Bekanntschaft des damals in seinen besten Jahren stehenden Pfarrers Giuseppe Majelli gemacht, der die fünf, hundert Kranken des Lazaretts geistlich betreute. Musik, für die sie beide — der kaum fünfundzwanzigjährige deutsche Musikstudent und der um reichlich zwei Jahrzehnte ältere Priester — im tiefsten Herzen glühten, hatte rasch eine Brücke zwischen ihnen geschlagen.
Nicht, daß sie sich je mit Worten übpr diese geheimsten Dinge verständigt hätten. Bartold aber konnte fein Wort Italienisch sprechen und der Priester kein deutsches Wort; was sie sich sagen wollten, mußte von einem jungen Assistenzarzt verdolmetscht werden, der ein paar Semester, gleich dem Kranken, in München studiert hatte.
Aber später, als Bartold das Bett und das Krankenzimmer verlassen konnte, als man ihm die Binde von den Augen nahm, und er doch das goldene Licht des Tages nicht sah, hatte Majelli für den Kriegsgefangenen, der ja keine Möglichkeit 3JJr F^cht besaß,' beim Festungskommandanten das Wenige an freier Bewegung ausgewirkt, das ihm sein zerstörter Augenstern noch ließ; er hatte ihn unter den Arm gefaßt und hinübergeführt in die alte Stadtkirche, die den Namen seines Schutz- heiligen San Francesco trägt, hatte ihn sorglich die stufen hinauf zum Chor geleitet und vor der Orgel medersitzen lassen. II nb bann hatte ber Erblinbete )o wundervoll gespielt, baß es bem im Gestühl ver- borgenen Priester schien, als lausche Morettos Heilige Margareta und Romaninis Madonna andächtig mvauj zum Chor, von bem bie Tone mit starker Gewalt bernicberbrauften.
Von diesem Tag an war Freundschaft zwischen ihnen; aus der Musik des Fremden hatte etwas
zu der Seele des Priesters gesprochen, das ihn mit starken Banden an jenen band.
Iü den langen Monaten der Gefangenschaft, die des Freundes stille Fürsorge und Fürsprache nach Möglichkeit erleichterte, lernte Bartold so viel von der Sprache des Landes, daß sie sich über Dinge unterhalten konnten, die beiden die innerste Seele ihres Lebens bedeuteten, lind als der Krieg endlich zu Ende war, hatte Majelli feinen Schützling stillschweigend mit sich genommen in seine Pfarre am Gardasee, damit er dort in der kleinen Kirche die Orgel spiele und bei ihm lebe und ihm das einzige Gluck gewahre, das die sonst so geliebte Einsamkeit des weltentlegenen Dorfes ihm versagte: den täglichen Genuß edler Musik.
Bartold hatte bas Anerbieten Majellis fast ohne Zögern angenommen.
'Wohin auch hätte er sich sonst wenden sollen? Die • Gasgranate, bie im Graben vor ihm erplo- Diene, hatte sein Leben zerstört, wenn sie ihn auch selber übrig ließ; an Fortsetzung seiner Musik- stubien, bie er vor bem Krieg, zuletzt in München, betrieben, war nicht zu benken. Seine beiben Eltern lebten nicht mehr; im letzten Kriegsjahr war auch bie Mutter gestorben, ohne bas einzige Kinb roteber- gesehen zu haben. Von den Verwandten stand keiner ihm so nahe, daß er ihm mit seinem Ge- brechen hatte zur Last fallen mögen. Aeußeren Ehrgeiz hatte seine stille, in sich gekehrte Natur nie besessen. So schwebte er, als der große Raubvogel ihn wieder aus seinen Klauen fallen ließ, sozusagen im luftleeren Raum, nirgends gebunden, nir- gends verwurzelt, außer in der Musik.
Unb baß es gerabc ein Dorf am ©arbafee war, daß fortan feine bleibenbe Statt werden sollte das erschien ihm wie ein unmittelbarer Wink des Schicksals. Denn obwohl er nie, unb auch zu Majelli nicht Darnber rebete: bas Ufer bes Gardasees war mit seinem schweren Geschick auf eine unlösbare Weise verbunden, er fühlte es jeden Tag von neuem.
Wohl konnte er, als sie mit dem Dampfer von Desenzano über den See fuhren, und das letzte Wegstück Arm in Arm zu Fuß zurücklegten, nichts von der Herrlichkeit sehen, die um ihn gebreitet lag- nicht bas glasklare Wasser, durch das man bis auf Den Grund schaut, unb Indern bie Silberfische spie- len, nicht bie gewaltigen Schneehäupter in ber Runde, noch den feinen Silberstaub über den Olivenwalbern, nicht bas Leuchten der goldenen Li. monen im dunklen Laub, noch die blaue, strotzende Ueppigkeit der Trauben im Rebengewirr; aber er bedurfte des leiblichen Auges nicht, er trug alles das in sich wie ein Unverlierbares, das mit dem
schicksalhaften Weg seines Herzens und mit allen Fasern seines inneren Daseins eng verbunden war.
.Er richtete sich in dem fühlen, weißgekalkten Zimmer des uralten Pfarrhauses zwischen metcr- dicken Wänden wie in einer Klosterzelle ein. Er de- grüßte das kleine Harmonium, das Majelli ihm aus feinem eigenen Studio hinaufschaffen ließ, wie einen alten Freund. Leicht erlernte er die Gewohnheiten der Gegend und selbst die Mundart ihrer Bewohner.
Als Handel und Wandel zwischen den Volkern mit schüchternen Kinderschritten wieder in Gang kamen, verfügte er, daß das Wenige, was die In- flatton in Deutschland von seinem väterlichen Erbe übriggelassen, ihm überwiesen wurde, damit er nicht in allen Stücken dem Freund auf der Tasche läge. Einen erklecklichen Teil davon verwendete er, um bie alte, seit langem baufällige Orgel des Dorf- kirchleins instandsetzen zu lassen; dies vor allem war es, was dem Gezischel unter den Dorffern das Maul stopfte. Und fortan war er, wfewohl ein Fremdling, der Organist und Kantor des Dorfes, der zum Hochamt die Orgel spielte und die zwei Dutzend Schulkinder ehrenamtlich im Gesang unter» wies.
So währte es nun bereits siebzehn Jahre. Der Priester war mählich weiß geworden und Bartold — Sor Francesco, wie alt unb jung im Dorf ihn nannte — war ftüher ergraut, als es wohl feinen Zähren zugestanben hätte. Hier und ba in der Ge- genb lachten bie Leute noch manchmal über ihn unb nannten ihn einen „pazzo“, also einen Narren. Aber im allgemeinen liebte man ihn um seines ssillen, immer freunblichen Wesens willen, das nie einem Menschen zu nahe trat, und einige sagten mit scheuen Worten, daß von seinem Antlitz mit den eingesunkenen Augen ein frember, unerklärlicher Schein strahlte, wie von ben Heiligenbildern ber Kirchen rings im ßanbe.
Ottenrieth vermochte sich nicht Rechenschaft zu geben, warum er von bem merkwürdigen Erlebnis in der Dorfkirche zu niemand sprach'; doch sagte ihm eine Ahnung, daß diese Scheu aus tiefen Quellen stieg. Nur gegen den Baron äußerte er sich anderntags obenhin.
„Was ist denn das für ein sonderbarer Organist in bem kleinen Nest — ich habe den Namen vergessen, es war südlich von Malcesine? Bin zufällig in die Kirche hineingeraten — sitzt ba oben einer unb spielt irgenbroas, was gar nicht richtig in die Kirche gehört — es war zu auffallend "
(Fortsetzung folgt Q


