Wende zum 17. Jahrhundert hin vollzogen hatten, zur instrumentalbegleiteten Melodie und zur rezita- tivischen Deklamationskunst hin, die mit dem Entstehen der Oper um diese Zeit in Zusammenhang steht. Zweimal war er in Italien und hat dort Einflüsse in sich ausgenommen, sie aber dann in einer dem deutschen Wesen und seinem hohen persönlichen Bildungsstande, entsprechenden Art innerlich verarbeitet und, im Rahmen seiner Zeit gesehen, zu höchsten Ausdruckswerten erhoben. Die Klangpracht seines Chorsatzes ist ganz aus den Vokalen heraus geboren und, obwohl der Herbheit nicht entbehrend, von einer inneren Ausgeglichenheit und anziehenden Frische. Das bezeugte sein „Ehre sei dem Vater" in dem wahlberechtigten Ausgleich der Anwendung homophoner und polyphoner Ausdrucksmittel. Der Sopan spann hier den Bogen über dem „Amen" geschwungen heraus. Die deklamatorischen Gegensätze könnten aber bei Schütz noch viel stärkere Intensivierung vertragen.
Zn dem Dialog „O hilf, Christe, Gottes Sohn" gaben Sopran und Tenor (Maria N e b e l i n g , Lic. Friedrich Laun) in Ausgleich und Abstimmung aufeinander mit schlichter Hingegebenheit „ein Dankopfer".
Ganz besonders aber waren die „Sieben Worte" der Karfreitagsstimmung angemessen. Dieses Werk gehört mit zu dem Stärksten, was uns Heinrich Schütz hinterlassen hat. Es zeigt uns den Meister in der vielseitigsten Mannigfaltigkeit der Stilmomente. So läßt er die Evangelistenpartie teils zwischen einzelnen Stimmen wechseln, teils nimmt er wieder den Brauch der motettischen Passion auf, durch die Quartettbesetzuna. Nach der von den Italienern überkommenen Art stürzt er die Berichte der Ein - zelrollen durch den Basso continuo. Aus diesem Rahmen hebt er die Worte des Heilandes heraus und verklärt sie durch den Streicherklang. Wie er aber die einzelnen Aussprüche in der melodischen Deklamation zu größter Ausdruckskraft erhebt, überrascht geradezu angesichts der Tatsache, daß hier ein Neuland durch Heinrich Schütz erschlossen wurde. Feinsinnig rahmt er durch den Chor das Ganze ein, die (Stimmung des Betrachtens im Introitus aufschließend und im Schlußteil die Eindrücke ausschwingen lassend. Den inneren Rahmen für die biblische Handlung bildet ein instrumentales Zwischenspiel, eine Symphonia, nach dem Eingangschor und vor dem Schlußchor.
Dieses so reife Werk wurde auch hier durch die Aufführung zu einem Quell inneren Erlebens dank der Ausgeglichenheit des Chors, \t>er andächtigen Versunkenheit des Evangelistentenors (Friedrich Saun) und der äußerst ausdrucksstarken Wiedergabe der Worte Jesu durch Ernst Fleischhauer (Bah). An die vielen Helfer (Jutta Adam, Alt, Maria N e b e l i n g, Sopran, Horst U n d e u t s ch , Baß, August Rein, Violine, Georg Scheuermann, Viola, Wilh. Röll, Viola, Ernst Schneider Cello, Wilhelm Amberg, Kontrabaß, Hilde Koch, Orgel), gaben jeder au seinem Teile mit Innerlichkeit ihrem Bemühen das Gelingen.
Zu Beginn dieser Feier spielte mit sauberer Technik Joh. Nebeling, der auch die Leitung des Chores geführt hatte, die Variationen über den Passionschoral „Sei gegrüßet, Jesus gütig", die stellenweise bei anderer Registrierung noch mehr an Klarheit des Thematischen gewonnen hätten. Wie weit sich die akustischen Verhältnisse des Raumes ausgewirkt hatten, entzieht sich der Kenntnis des Referenten.
Die Arie des Simon von Kyrene aus der Mat- thäuspafsion „Komm, süßes Kreuz" wurde durch Ernst Fleischhauer (Baß) mit bestem Wollen gestaltet; ihn unterstützte dabei trefflich Ernst Schneider (DioloN-Cello), der das Cellosolo mit feiner musikalischer Gliederung spielte. — Eine Weihestunde, die den kirchlichen Feiertag mit dem Lichte des Musikalischen vertiefte und verklärte.
Dr. Hermann Hering.
Gießener Dochenniarktpreite.
* Gießen, 16. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, vollfrisch, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, Wirsing, % kg (gelb) 5 bis 10, (grün) 15 bis 18, Weißkraut 12, Rotkraut 14 bis 15, gelbe
Ostern im „Faust".
Von Dr. Zohanneö Güniher.
Wenn Ostern da ist, dann nimmt der Deutsche Goethes „Faust" zur Hand, und die Bühnen spielen Goethes „Faust". Dies Werk gehört zum deutschen Osterfeste, es ist ins Volksbewußtsein übergegangen: der Anfangsakt des ersten Faustteils, also bis zur Schülerszene und darüber hinaus zu den Worten: „Ich gratuliere dir zum neuen Lebenslauf", spielt zur Osterzeit. Obwohl ein Dichter ja eigentlich gar nicht inhaltliche Vorkenntnisse voraussetzen darf, so wissen wir doch, wenn der Vorhang aufgeht, mit der naiven Bereitwilligkeit und Vertrautheit des Mysterienspiel-Zuschauers: es ist Osterzeit. Fausts Famulus muß es wenigstens — um der dramaturgischen Gepflogenheit willen — einfließen lassen: „...morgen, als am ersten Ostertage"; aber im Grunde genommen setzt das Spiel unsere Oster- Einstimmung, unsere Oster-Erwartung voraus, und wir wundern uns nicht, nein, es kommt als Erfüllung über uns, wenn aus der nahen Kirche der Ostergefang in Fausts enges, dumpfes Studierzimmer dringt und ihn vom Selbstmorde zurückhält.
Dieser Ostergefang ist übrigens ein Anfangszustand des mittelalterlichen Mysterientheaters in der Kirche: es ist der Wechselchor, die Keimzelle des Dramas. Erst im Lauf der Jahrzehnte haben sich aus den Chorteilen Einzelgesänge, Einzelsprecher, Einzelhandelnde entwickelt. Hier, in der Faust- dichtung, herrscht noch der erste Zustand: Die Engel am Grabe verkünden dem Chore der Jünger und dem Chore der Frauen, Jesus Christus sei auferstanden. Im Einklang mit den alten Worten und doch in reifer Weiterbildung hat Goethe hier herrlich malende Ausdrücke gefunden; sie drängen zur Vertonung, und es ist verständlich, daß es Goethe, als er sich mit dem Gedanken einer musikalischen Untermalung und Begleitung des „Faust" abzu- geben begann und darüber mit Zelter, später mit Eberwein in Ideenaustausch stand, vor allem an einer passenden, eindringlichen Vertonung der Oster- gesang-Texte gelegen war. Faust ist ja ein Magier, ist ja jenseitig gerichtet, ist nur ein gewaltiger Steigerer des Diesseittgen, so muß die Osterbot- schaft auf dem Wege der Musik, mit sinnlich werbender und doch andächtig gepflegter Kraft also, zu ihm bringen.
Aber Faust wird ja von den Ostersttmmen nicht eigentlich religiös erfaßt und umgestimmt. Er selber bekennt es: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube", und aus den dann folgenden Worten geht hervor, daß ihn die Erinnerung „vom
Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Unterkohlrabi 8, Feldsalat, Vio 8 bis 10, Tomaten, % kg 40 bis 50, Zwiebeln 18, Meerrettich 35 bis 50, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Rhabarber 20 bis 25, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, Aepfel, % kg 15 bis 40 Pf., Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 30 bis 50, Salat 10 bis 25, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 10 bis 15 Pf.
** Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen: 3. April: Heinrich Becker, ohne Beruf, 64 Jahre alt, Neuenweg 6; 5. April: Karoline Schmidt, geb. Müller, o. B., 76 Jähre alt, Bahnhofstraße 64; 6. April: Emilie Stürze!, geb. Thierfeld, 83 Jahre alt, o. B., Crednerstraße 23; 7. April: Elise Eisenbach, geb. Keil, o. B., 69 Jahre alt, Ebel- straße 18; 10. April: Elisabeth Geldbach, geb. Eimer, o. B., 69 Jahre alt, Stephanstraße 37; 10. April: Minna Wolf, geb. Weil, o. B., 57 Jahre alt. Stephan-
letzten, ernsten Schritt zurückhält". Der Ostergesang weckt seine Erinnerung an die Kinderzeit, an die Osterfeiern in seiner Jugendzeit — aber auch damals scheint Ostern für ihn schon mehr ein Fest irdischen Ueberschwangs als eine Besinnung aus religiöse Güter bedeutet zu haben. Dies paßt ja zu der gewaltigen Natursehnsucht Fausts, die immer wieder im Laufe der Dichtung auftaucht, freilich keine rechte Erfüllung findet, sondern gebunden, ja vermauert bleibt durch Fausts tragischen Hang zum Studieren, zur individualistischen Ueberhebung. Immerhin: die Jugenderinneruna hat ihren Zauber auf den lebensmüden Faust auch ausgeübt, ja, um den härteren Ausdruck zu wiederholen, den Faust später Mephisto gegenüber braucht, der Gesang hat „den Rest von kindlichem Gefühle mit Anklang froher Zeit betrogen" (im Zusammenhang damit spricht er> ja auch seinen Fluch über den Glauben aus), die Träne quillt nun, und die Erde hat ihn wieder. Faust ist wiedergeboren, ist wieder zum Lebenswege bereit — dies mag eine Art von Auferstehung, ein Ostern sein.
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Der „Osterspaziergang" zeigt, wie fröhlich weltlich, wie unbekümmert kreaturhaft in Goethes „Faust"-Dichtung das Osterfest aufgefaßt ist. „Der alte Winter, in seiner Schwäche, zog sich in rauhe Berge zurück. Von dorther sendet er, fliehend, nur ohnmächtige Schauer körnigen Eises in Streifen über die grünende Flur" — da haben wir auch ein Bild alter, uralt-kultischer Spielfreude erhalten, der Sieg des Frühlings, das „Winter-Austreiben", erste dramatische Ansätze! Faust sucht die stumpfen Sinne seines Famulus zu öffnen für die Schönheiten der aus Winterstarrheit erwachenden Frühlingsnatur, für die noch abwartende, kindhaft leere, nur erst vom zarten Licht und Allerersten Grün überhauchte Welt. Die Verse ,,... vom Eise befreit sind Strom und Bäche" und die folgenden alle, untermischt dann von den spaßhaft verschiedensten (Stimmen der ländlichen und städtischen Frühlingsgäste, die „selber auferstan n sind", bis hin zu der wundervoll gemalten S mmung ,,... betrachte, wie in Abendsonne-Glut die grün-umgebenen Hütten schimmern! ..." sind „aesprochene Dekorationen", die keine Bühnendarstellung aufwiegen kann.
Goethe liebte den Frühling Im April 1781 schrieb er an Lavater: „Die nächsten Wochen des Frühlings sind mir sehr gesegnet. Jeden Morgen empfängt mich eine neue Blume und Knospe. Die stille, reine, immer wiederkehrende, leidenlose Vegetatton tröffet mich oft über der Menschen Not, über ihre moralischen und noch mehr über ihre physischen liebet"
straße 27; 11. April: Philipp Rahm, Zugführer i. R., 72 Jahre all, Friedrichstraße 10; 9. April: Elisabeth Rothermel, geb. Sahm, o. B., 62 Jahre alt, Wernerwall 5; 10. April: Lina Görlach, Lehrerin, 45 Jahre alt, Bergstraße 25; 11. April: Walter Gehringer, 2 Jahre alt, Hindenburgwall 23; 11. April: Marie Schmoll, geb. Gösele, o. B., 62 Jahre alt, Asterweg 69.
** D i e Gewerbeschule Gießen beginnt ihr Sommersemester am 2. Mai.
** Preußisch-Süddeutsche Staats- lotterte. Die Ziehung der 1. Klasse der neuen (51./277.) Lotterie findet am 22. und 23. April statt.
NSG. 1 0 0,— RM. für das beste Rezept. An dem Preisausschreiben der Gaustelle des Deutschen Frauenwerkes und der Landesbauernschaft Hessen-Nassau beteiligten sich eine große Zahl Volks- genoffinnen unseres Gaues. Fast 2000 Arbeiten wurden eingereicht, die selbstverständlich nicht so schnell zu bearbeiten sind. Die Einsenderinnen müssen sich daher noch etwas gedulden. Das Ergebnis des Preisausschreibens kann erst Anfang Mai mitgeteilt werden.
„Die fromme Lüge."
Gloria-Palast.
Es ist eine in der Produktion nicht selten zu beobachtende Erscheinung, daß ein erfolgreicher Film andere nach sich zieht, die gewissermaßen nach demselben Rezept gemacht sind, auf einer stofflich, regie- mäßig, darstellerisch ähnlichen Linie liegen: das gilt, wie uns scheint, auch für die Filme mit Pola Negri, die letzten jedenfalls, die bei uns zu sehen waren. Mit „Mazurka" fing es an, dann folgten „Moskau — Schanghai" und „Tango Notturno"; „Madame Bovary" lag außerhalb dieser Reihe, während „Die fromme Lüge" die mit „Mazurka" begonnene Linie fortsetzt oder abschlietzt; von einer Entwicklung kann man wohl nicht sprechen, weil dieser Film, bei manchen stofflichen Anklängen, darstellerisch begrenzter und weniger ergiebig wirkt. Die Negri spielt auch hier eine jener Mutter- und Künstlerinnenrollen, von denen die in „Mazurka" einen nicht wieder erreichten Höhepunkt bildete. (Das Drehbuch schrieben diesmal Philipp Lothar M a y r i n g und H. G. Petersen nach einem Stück von Hadrian Maria Netto und H. v. Putt tarn e r.) Die berühmte Sängerin Carmen Casini hat einen unehelichen Sohn, den sie abgöttisch liebt und sträflich verwöhnt. Dieser Cecil ist ein leichtsinniger Bengel, der außer Autofahren nichts gelernt hat und vom (Selbe seiner Mutter lebt. (Der Zuschauer ist ordentlich erleichtert, wenn der Bursche endlich die seit langem fällige Ohrfeige bezieht.) Das Geld wird auch eines Tages alle, und als der Junge bei einem Autorennen stürzt, zieht sich die Casini in der Aufregung, in Sturm und Regen eine Erkältung zu und verliert ihre Stimme. Als Cecil im Spiel eine hohe Summe verloren hat, unterschreibt seine Mutter einen Vertrag, auf t/en sie die fehlende Summe als Vorschuß nimmt, obwohl sie den Vertrag nicht einhalten kann. Sie wird aus Liebe zu ihrem Sohn bewußt zur Betrügerin und muß zum Dank dafür erleben, daß Cecil sich von ihr abwendet. Da greift, als eine Katastrophe schon unabwendbar scheint, Cecils Vater ein, und ihm gelingt es in der Tat, die seit langem gelösten Beziehungen zur Casini neu zu festigen und die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen, indem er einen wohltuenden Einfluß auf den falsch erzogenen, lebensuntüchtigen Jungen auszuüben verspricht. Wesentlicher als die romanhaft konstruierte Fabel erscheint die darstellerische Leistung: Pola Negri bewahrt mit Takt und klug beherrschtem Gefühl die von gefährlichen Sentiments bebrohfe Rolle der Casini vor dem Abgleiten, und obwohl ihr die Figur nicht die starten dra-
Osterbranchtmn im Rhein-Main-Gebiet.
Von Dr. Carl G. Cornelius. ‘
Ostern, die Feier der Wiedererweckung des Lebens, des Sommersieges über die wachstumfeindlichen Winterkräfte, ist ein tief im Brauchtum unserer nordischen Ahnen wurzelndes Fest. Weihe der Erde und des Wassers, Kult des Lichtes und des Feuers, Segnung der aus dem Ei kommenden Fruchtbarkeit reihten sich schon bei dem indogermanischen Urvolk um die Person der Frühlingsgöttin Ostara, und diese Züge trotzten im Lebensraum des deutschen Bauerntums über den Ansturm der Jahrtausende oft kaum verändert bis auf den heutigen Tag.
Im Rhein-Main-Gebiet sind hauptsächlich die Bräuche um das Osterwasser und das Oster-Ei noch üblich, während die Osterfeuer, denen einst das Kloster Lorsch zum Opfer fiel, bei uns im Rückgang begriffen sind ober sich zeitlich verlagert haben. Das Schöpfen von Osterwasser dagegen aus den lebensfrisch plätschernden Bächen unserer Heimat wird an vielen Orten noch heute geübt, so im Hütten- berg in Groß-Rechtenbach, ober bei Gießen in Großen-Buseck und in vielen Dörfern des Hinterlandes. Dor (Sonnenaufgang soll das Osterwasser geschöpft werden, und strengste Stille muß dabei herrschen, wenn es Heilkraft besitzen soll. Schön und tief empfunden ist dafür die Erklärung aus der germanischen Sagenwelt, die
die Wassertropfen als die Tränen ansieht, die von den Felsen und Steinen geweint wurden, als Baldur, der Götter Gütigster starb. Deshalb lindern die in ehrfurchtsvollem Schweigen empfangenen gottgeweihten Tränen auch der Menschen Leiden, und besonders die der Augen. Bis zum kommenden Jahr heben an vielen Orten die Bauern dieses Wasser in verschlossenen Steinkrügen im Keller auf, während die Mädchen sich gleich am Bach oder an der Quelle mit dem in bestimmter Richtung geschöpften Naß waschen, wovon die Haut rein und schön werden soll.
Die vielfältigsten Bräuche jedoch ranken sich in der Osterzeit um das Ei, aus dem ja die Geburt neuen Lebens in unmittelbarster Form augenfällig wird. Aus dem arischen Persien der vorchristlichen Zeit ist das Eierschenken beim Frühlingsfest ebenso bezeugt, wie aus Gräberfunden für die Germanen des dritten Jahrhunderts. In den verschiedensten Formen zeigt sich dieses Brauchtum, und auch das Bemalen der Eier ist aus germanischer Zeit überliefert, wo es mit Labkraut geschah. Beachtenswert ist endlich die Verbindung des Eierschenkens mit den z. B. in der Schwalm zu Ostern geübten „Mädchenversteigerungen", die ebenfalls auf den ewigen Sinn der Wiedergeburt allen Lebens hinweift.
Aus Der engeren Heimat.
Hauptversammlung
des Vorschußvereins Grünberg.
+ Grünberg, 15. April. Am Donnerstagnachmittag fand im Hotel „Wilder Mann" die ordentliche Hauptversammlung des Vorschußvereins statt. Vorstandsmitglied Müller erstattete den Geschäftsbericht für das Jahr 1937, das 75. Geschäftsjahr, und gab ausführliche Erläuterungen zu den einzelnen Posten der Bilanz. Die Zahlen des Geschäftsberichtes teigen in den wichtigsten Posten das Bild einer erfreulichen Entwicklung. So stieg der Umsatz nach einer Reihe von Jahren zum ersten Male wieder über die 10-Mil- lionen-Grenze; er betrug 10 234 710 Mark gegenüber 9 486 390 Mark im Vorjahre. Die Bilanzsumme erhöhte sich um gund 140 000 Mark auf 937 766 Mark, die flüssigen Mittel um 133 000 Mark auf 344 300 Mark. Die Spareinlagen und Gelder in lausender Rechnung stiegen von 603 920 Mark auf 696 453 Mark, die ausgeliehenen und angelegten Gelder von 772 158 Mark auf 904 860 Mark, die Rücklagen von 108 886 Mark auf 150 510 Mark. Die Mitgliederzahl stieg von 439 auf 447. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Fabrikant Heinrich Schmidt II., verlas die Berichte über die Revision und Depotprüfung der Kaffe durch den
Verband, die keine Beanstandungen enthielten. Der Jahresabschluß wurde genehmigt und Vorstand und Auffichtsrat Entlastung erteilt. Ebenso wurde die Verteilung des Reingewinnes von 5415,95 Mark in der vorgeschlagenen Weise gutgeheißen. Danach gelangen, wie im Vorjahre, wiederum 5 v. H. Dividende auf die berechtigten Guthaben mit 3796,95 Mark zur Auszahlung, während 1619 Mark den Rücklagen zugeschrieben werden. Die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder des Uuffichtsrates Karl Büttel, Heinrich Christian Schmidt und Julius D o n - E i f f wurden wieder gewählt.
Schotten schafft sich einen Ratskeller.
LPD. Schotten, 15. April. Das Erdgeschoß des ftäbtebaulid) reizvollen Schottener Rathauses, das visher keine zweckdienliche Verwendung hatte, will die Stadtverwaltung nun zu einem würdigen Ratskeller gestalten, der auch als Versammlungs- und Empfangsraum bei festlichen Anlässen benutzt werden kann. Das wuchtige Eichengebälk der schönen altertümlichen Halle soll durch gute Erzeugnisse der heimischen Handwerkskunst im Sinne einer gediegenen Raumordnung bei der Einrichtung der repräsentativen Gemernschaftsstätte Verwendung finben.
Landkreis Gießen.
£ Wieseck, 14. April. Die am Mittwochabend in der Gastwirtschaft Döringer abgehaltene Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Konsumvereins wies einen mäßigen Besuch auf. Der Vorsitzende des Auffichtsrates, Dau- p e r t, erstattete den Geschäftsbericht, dem wir Nach- stehendes entnehmen: Der Warenumsatz weist einen erfreulichen Zuwachs von 14 000 Mark auf und betrug im Berichtsjahr 209 000 Mark. Die Gesamtentwicklung des Vereins ist gut. So wurde im letz- ten Jahr das Anwesen der Verkaufsstelle I käuflich erworben und konnte ein Teil des Kaufpreises sofort aus laufenden Mitteln aufgebracht werden. Ferner konnte ein Reingewinn von 6000 Mark erzielt wer- den, trotzdem die Feier des 50jähriaen Bestehens aus den laufenden Einnahmen gedeckt wurde. Die Reserven, einschl. der beiden Anwesen, weisen eine Höhe von nahezu 50 000 Mark auf, sodaß man nur von einem gesunden Unternehmen sprechen kann. Von dem Reingewinn werden 3 v. H. Dividende an die Mitglieder ausbezahlt, während der Rest den
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Reserven zugeschrieben wird. Dem Vorstand und Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt. Der Mitgliederstand Ende des Jahres beträgt 618. Dem Ausschluß von fünf Mitgliedern stimmte die Generalversammlung zu. Zum Schluß dankte Herr Dau- p e r t den Mitarbeitern für ihre Arbeit, die diesen Erfolg ermöglichte. Nach der geschäftlichen ^Aussprache blieb man noch ein Stunde in Gemütlichkeit beisammen.
* Lollar, 16. April. Am kommenden Dienstag, 19. April, vollendet unsere Mitbürgerin Frau! Elisabethe Erdmann, geb. Simon, in geistiger und körperlicher Frische ihr 8 0. Lebensjahr. (Seit 50 Jahren gehört die hochbetagte Frau zum treuen Leserkreis des Gießener Anzeigers. Wir beglückwünschen!
ch L i ch , 15. April. Zur Freüde von alt und jung haben sich unsere Störche wieder eingefunden und ihr (Sommerquartier auf dem Dach der Ma- rienstistskirche bezogen. — Am Dienstag wurde die elektrische Uhr am Bahnhofsgebäude ihrer Bestimmung übergeben. Die Neuerung wird allgemein begrüßt.
Kreis Alsfeld.
A Alsfeld, 14. April. Eine rührige Tätigkeit entfaltet der hiesige Schachverein „Alexander Fritz". Nachdem seine Mannschaft kürzlich gegen den Marburger Schachverein in Gießen gespielt hatte, wird in der zweiten Hälfte des Monats Mai ein weiteres Turnier gegen Marburg, voraussichtlich in Neustadt, zum Austrag kommen. Im Laufe des Monats Juni wird wiederum das Bad Salzfchlirfer Schachturnier stattfinden, wobei Alsfeld den im Vorjahre errungenen Wanderpreis, einen Pokal, gegen Fulda und Hersfeld zu verteidigen hat. Im August wird dann das „Meister- Fritz-Gedächtnis-Turnier" zum Austrag kommen.
Krankenhausbauprojekt in Wetzlar.
LPD. Wetzlar, 15. April. In einer Sitzung der Ratsherren wurde von Bürgermeister Kindermann auch die Ausführung eines Krankenhausbauprojektes in den Vordergrund gestellt. Das neue Krankenhaus soll auf 220 Betten eingerichtet werden. Die Gesamtkosten werden auf rund zwei Millionen Mark geschätzt. Die Vorarbeiten für den Bau sollen im Laufe dieses Jahres soweit erfolgen, daß der Neubau im nächsten , Frühjahr in Angriff genommen werden kann.
4218 Studierende in Marburg.
Marburg, 14. April. (LPD.) Das Sommersemester an der Philipps-Universität hat seinen Anfang genommen. Diesmal haben sich 1218 Studierende, 961 Männer und 257 Frauen, eintragen lassen. Dazu treten noch einige Dutzend Gasthörer. Die Studienfächer verteilen sich im diesmaligen Sommersemester wie folgt: Theologie 124 Männer und 9 Frauen, Rechts- und
malischen Möglichkeiten gibt, wie sie die erwähnten früheren Filme boten, wird man die noch immer großen und sehr geschickt verwalteten Mittel einer reifen Darstellungskunst nach Gebühr würdigen. Unter der effektvoll pointierenden Regie von Nunzio Malasomma vereinigt sich um die Negri herum ein flüssig zusammenspielendes, sauber abgestimmtes Ensemble. Den Cecil gibt ein bisher unbekannter Darsteller namens Hermann Braun, sehr jugendlich, unbekümmert und unerfahren, genau der Typ, der hier gemeint war, äußerlich ein wenig an Gustav Fröhlich erinnernd. Ausgezeichnet: Harald Paulsen als ahnungslos betriebsamer Manager, Hans Leibelt und Herbert Hübner (man kennt ihn aus dem „Herrscher") in der Rolle des Vaters. Suse Graf gibt Cecils junge Verlobte mit einer hübschen kleinen Szene im Auto, Hansi Arnstaedt mit wienerischem Humor und Gemüt die Frau Latour, die getreue, mütterlich besorgte Garderobiere der Casini. — (Terra.)
*
Im Beiprogramm sieht man einen Kulturfilm aus der Verkehrsfliegerei, die Ufa-Wochenschau und einen Vorspann („Musketier Meier III.")
' Hans Thyriot.
Keilschriften
— „Aus der Natur" (Der Naturforscher), Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. — Die altbewährte Zeitschrift bringt unter neuem Namen im April-Heft eine Reihe wichtiger Aufsätze: Professor Dr. E. Hennig schildert seine Ein- drücke über Naturmensch und Umwelt in Ostafrika. In einem durch prachtvolle Aufnahmen unterstützten Aufsatz erzählt der Wildhüter Andrea Rauch, Pon- trefina, von feinen Erfahrungen über die Wiedereinbürgerung des Steinbocks in den Alpen. Die Aufnahmen hierzu wurden in freier Wild bahn gemacht. Forstmeister R. Herber bringt intime Beobachtungen vom scheuen Schwarzspecht. G. Warnecke zeigt schöne Aufnahmen von Schmetterlingen in Ruhestellung. Dr. G. v. Frankenberg erzählt von unserem wunderlichsten Käfer, dem Zimmerbock. Dr. Th. Ph. Haas berichtet von einer tierfangenden Pflanze. Auch hier wurden prachtvolle Bilder beigegeben. Wer möchte in diesem Sommer nicht in die deutsch-österreichischen Alpen fahren? Professor Dr. Walther Schoenichen, Direktor der Reichsstelle für Naturschutz, Berlin, schreibt über den Naturschutzpark in den Hohen Tauern.


