Kriegsgräberförsorge im Steife Gießen.
Verkehr, auch in sog. stillen Straßen, wo es auch durchweg die meisten Straßenlaternen mit roter „Leibbinde" gibt.
vorerst keine Aenderung
im Reiseverkehr nach Oesterreich.
Zur Behebung von Zweifeln wird amtlich darauf hingewiesen, daß die bisherigen Bestimmungen über den Reiseverkehr nach Oesterreich nicht außer Kraft getreten sind. U. a. gelten die devisenrechtlichen Bestimmungen des Gesetzes über den Reiseverkehr mit Oesterreich vom 24. August 1936 weiter, wonach Pässe von Reichsangehörigen mit Wohnsitz oder ständigem Aufenthalt im übrigen Reichsgebiet für Reisen nach und durch Oesterreich nur gültig sind, wenn sie den Zusatzoermerk: „Gültig auch für Reisen nach und durch Oesterreich" enthalten. Reisende, die ohne diesen Zusatzvermerk nach Oesterreich ausreisen wollen, werden zurückgewiesen. Von den Volksgenossen muß erwartet werden, daß sie sich bei dem Entschluß, nach Oesterreich zu reisen, die größte Zurückhaltung auferlegen in dem Bewußtsein, daß die notwendigen amtlichen Ueber- leitungsmaßnahmen unter keinen Umständen gestört werden dürfen. Reisende, die ohne Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen die Grenze zu überschreiten versuchen, werden in jedem Falle zurückgewiesen.
** Militärische Beförderungen. Der Führer und Reichskanzler hat mit Wirkung vom 1. März die Majore Ma a ck, Kommandeur des II. Ball. JR. 116, und M e u t h e r , Kommandeur des E.-Batls. JR. 116, zu Oberstleutnanten befördert.
NSG. Wer wird ins Jungvolk ausgenommen? Ausgenommen werden alle Jungen des Jahrgangs 1927, soweit ihre Aufnahme nicht schon im Vorjahr erfolgte,. und alle Jungen des Jahrgangs 1928, sofern sie zwischen dem 1. Januar und 1. Juli 1928 geboren sind.
** Kriegskameradschaft Gießen. Rach Erledigung der Tagesordnung der Hauptversammlung hielt Pg. Studienrat Adolf Fischer, SA.-Sturmführer, in der Versammlung am 10. März einen Vortrag über „125 Jahre Eisernes Kreuz", der, am Stiftungstage des Kriegsordens vom Propagandawart gehalten, einen tiefen Eindruck hinterließ.
** D i e Vereinigung für Begräbnis- Hilfe Gießen hielt im „Burghof" ihre Jahreshauptversammlung ab. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Kaufmann Bender, hob den Wert der gemeinnütziges Einrichtung hervor. Durch die Auszahlung von mehr als 16 000 RM. im abgelaufenen Jahr konnte nicht nur vielen Angehörigen eine wesentliche Erleichterung in schweren Stunden bereitet, sondern auch der Öffentlichkeit gegenüber ein guter Dienst geleistet werden. Nachdem der Vorsitzende, Schreinermeister A. T r ä n k n e r, auf die Entwicklung der Vereinigung hingewiesen hatte, erstattete Rechner K. Becker den Geschäfts- und Kassenbericht, dem u. a. zu entnehmen war, daß die Vereinigung sich nach der Krise in den letzten -Jahren, in die sie unverschuldet geriet, erholt hat und ihren Vermögensbestand wieder erhöhen konnte. Sie steht unter Reichsaufsicht, wirkt auf gesunder Grundlage und konnte wieder weite Volkskreise zur Vorsorge für den Sterbefall veranlassen. 54 Beihilfen im Durchschnittsbetrag von 300 RM. gelangten zur Auszahlung. Einnahmen und Ausgaben und die Angabe des Vermögens bestätigten eine geordnete Geschäftsführung. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Schriftführer Heinrich Jödt ergänzte die Angaben durch die Ziffern für die Mitgliederbewegung, die stabil geblieben sind. Die Vereinigung zählt rund 1490 Mitglieder. Zu Beginn des Geschäftsjahres 1938 konnten wiederum je 300 RM. bei neun Sterbefällen ausgezahlt werden. Er verlas dann die Namen der 54 im vergangenen Jahre verstorbenen Mitglieder, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Nachdem Aufsichtsratsvorsitzender Bender darauf hingewiesen hatte, daß Aufsichtsrat und Vereins- füstrung in bisheriger Zusammensetzung bestehen bleiben, und nachdem noch Werbe- und Organisationsmaßnahmen besprochen waren, wurde die Versammlung geschlossen.
Der Kreisgruppenrat Gießen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsoroe beschäftigte sich in einer Sitzung am gestrigen Dienstagnachmittag mit dem Rechnungs- und Mitgliederstand der Kreisgruppe am Jahresschluß 1937.
Aus der Uebersicht über die Vermögenslage war ersichtlich, daß die Kreisgruppe Gießen zu Beginn des Jahres.1937 rund 16 700 RM. Vermögen besaß, das durch Beitragszahlungen der Einzel- und der korporativen Mitglieder, sowie der Zinsen des Kapitals im Verlaufe des Jahres 1937 auf rund 18 200 RM. anwuchs. Dieses Vermögen bildet den Grundstock zu einem Plane, der auf die Ueber- nahme eines Patenfriedhofes durch die Kreisgruppe Gießen gerichtet ist. Der geeignete Zeitpunkt dazu ist jetzt noch nicht gekommen, jedoch werden von der finanziellen Seite her fortlaufend alle Möglichkeiten benutzt, um die Grundlage für dieses Werk der Kameradentreue weiter zu stärken.
Eine bedeutsame Hilfe nach dieser Richtung hin ist die Erwerbung der Mitgliedschaft durch alle Volksgenossen. Die, Kreisgruppe Gießen hat gegen-
Für den Bereich des Arbeitsgebietes des Versorgungsamtes Gießen, das die oberhessischen Kreise und die Kreise Wetzlar, Dillenburg, Limburg und den Westerwald umfaßt, fand im „Burghof" in Gießen eine Arbeitstagung der NS.-Kriegsopfer- verforgung Gau Hessen-Nassau statt, an der die Kameradschaftsführer und deren Stellvertreter teil’ nahmen.
Gauobmann und Gauamtsleiter SA.-Brigade- führer Dippel (Frankfurt a. M.) begrüßte die Kameraden und stellte sich ihnen als neuer Gauobmann und Gauamtsleiter vor. Er kennzeichnete kurz die großen Aufgaben, die den deutschen Frontsoldaten und den Kriegsopfern gestellt sind, und ging dann auf die Leistungen und Fortschritte in der Versorgung und Fürsorge und in der Arbeitsbeschaffung ein, durch die der nationalfozialistische Staat einen Teil der Dankesschuld an die Kriegsopfer und die Hinterbliebenen abzustatten bemüht sei.
Der Referent für Arbeitsbeschaffung bei der Gaudienststelle, Dr. Meißner (Frankfurt a. M.), sprach dann über die Bemühungen zur Eingliederung der Kriegsbeschädigten in den Arbeitsprozeß und hob hervor, daß dank des Verständnisses bei den Behörden und bei der Privatwirtschaft der größte Teil der Kriegsbeschädigten in Arbeit gebracht werden konnte. Die 'Bemühungen würden fortgesetzt werden, um auch den letzten Kameraden an einen seinen Leistungen entsprechenden Arbeitsplatz zu bringen.
Im Rahmen ihrer Berufsförderungsarbeit veranstaltete die Kreisgruppe Gießen der Wirtschasts- gruppe Einzelhandel am gestrigen Dienstag im Cafe Leib unter dem Vorsitz von Kaufmann Schulte einen weiteren Vortragsabend.
Der Dozent für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Frankfurt a. M., Professor Dr. Rude r g, sprach über „2)ie Selbsthilfe des Einzelhandels durch Leistungssteigerung im Betrieb" und gab viele praktische Anregungen. In den Mittelpunkt seiner Darlegungen stellte der Redner Betrachtungen über die Verstopfung der Verlustquellen im Einzelhandelsgeschäft, also die Anpassung der Kosten an den Umsatz. In Zusammenarbeit mit seinen aufmerksamen Zuhörern machte der Vortragende verständlich, wie auch das Geschäftsleben gewissen Gesetzmäßigkeiten unterworfen ist, die der Kaufmann für seine Branche und sein Geschäft genau erkennen muß, um daraus die nötigen Schlüsse für seine Dispositionen, für die Rentabilität und die Maßnahmen zur. Hebung seines Umsatzes treffen zu können. Der Redner zeigte, wie sich in den einzelnen Branchen die Zusammenballung des Geschäftsverkehrs zu verschiedenen Tages-
wärtig leider noch einen geringen Bestand an Einzelmitgliedern, so daß nach dieser Richtung hin für viele Volksgenossen noch eine Dankespflicht gegenüber den Gefallenen des Krieges zu erfüllen bleibt. Mögen also alle Volksgenossen in Stadt und Land Mitglied der Kreisgruppe Gießen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge werden! Erfreulicherweise haben von den 78 Gemeinden des Kreises Gießen bis jetzt rund 70 die korporative Mitgliedschaft errborben, mit dem Beitritt der restlichen Gemeinden rechnet die Kreisgruppe. Daneben besteht aber noch für manche anderen öffentlich- rechtlichen Korporationen die Möglichkeit, das hohe ideelle Ziel des Volksbundes durch die Erwerbung der korporativen Mitgliedschaft erstreben zu helfen.
Der bisherige Rechner der Kreisgruppe, Bankbeamter Weber, konnte wegen anderweitiger starker Inanspruchnahme dieses Amt nicht weiter versehen. Ihm wurde für seine bisherige Mitarbeit herzlicher Dank ausgesprochen. Als sein Nachfolger übernahm Bürodirektor i. R. Fabian das Amt des Rechners der Kreisgruppe.
Gaukasfenwalter Weber (Frankfurt a. M.) behandelte organisatorische J^affenfragen.
Der Leiter der Betreuungsstelle des Gaues, Kam. Bonhard (Gießen), erörterte die Verbesserungen der Leistungen und Fortschritte der Versorgung Und Fürsorge unter Hervorhebung der in Kürze zu erwartenden weiteren Fortschritte. In den Vordergrund stellte er die Richtlinien für die Bearbeitung der neuen Rentenanträge, die Aenderung über die Heilbehandlung der Hinterbliebenen, die Neuordnung der Ausgleichszulagen und die Zusatzrenten, die Auslegung der Kann- und Rechtsansprüche und die Aufhebung der Versorgungsgerichte.
Abschließend wies Gauobmann SA.-Brigadeführer Dippel auf die Wege zur Pflege der Kameradschaft^ innerhalb der einzelnen Gruppen hin und regte'zu zahlreichem Besuch der ab 27. März statt- findenden Ausstellung „Die Front" in Frankfurt am Main an. Weiter forderte er zu zahlreicher Teilnahme an der gemeinsam mit der NSG. „KdF." durchzuführenden Fahrt nach Pfronten vom 1. bis 12. August auf, die eine Gemeinschaftsfahrt der NSKOÄ. des Gaues darstellt.
Im Anschluß an die Vorträge sand eine rege Aussprache statt, durch die' eine R^ihe von Fragen, insbesondere auf versorgungsrechtuchem Gebiet, geklärt werden konnte.
Gauobmann Dippel schloß dann die Arbeits
stunden, Wochentagen oder Monaten erkennen läßt und wie sich saisonmäßig bedingte und auch konjunkturelle Schwankungen feststellen lassen, die der Kaufmann kennen muß, um nicht durch ihr Ausbleiben überrascht zu werden. Die Kenntnis ihrer Ausmaße ist erforderlich für den Einkauf, und die Unterschiede zwischen dem Rhythmus des Einkaufes und des Umsatzes sind die Grundlagen für die betriebswirtschaftlichen Dispositionen. Dieser Rhythmus des Umsatzes wirkt sich auf eine unzureichende Ausnützung der Arbeitskraft, des Raumes und des Kapitals aus. Früher hat man mit Rabatten, Geschenken und Zugaben eine Verteilung des Ge- schäftsoekkehrs auf die ganze Geschäftszeit versucht. An Beispielen zeigte der Redner die Bestrebungen des Einzelhandels, dem Lehrlauf in der unzureichenden Ausnützung der Arbeitskraft zu begegnen. Bisher war es nicht möglich, die Einkaufszeit zu andern, weil der Käufer sich an keine andere Einkaufszeit anpaßt. Darum muß er auch bereit sein, die dadurch entstehenden unnötigen Unkosten zu tragen. Ein Drittel der Umsatzwerte sind Kosten des Betriebes, die vom Käufer getragen werden müssen. Die Errechnung der Kosten ist eine wesentliche Vor
aussetzung für den Erfolg des Kaufmannes. An Hand von zahlenmäßigen Unterlagen gab der Vortragende Anregungen zur richtigen Errechnung der Kosten und zeigte, wie die Preise die Kosten zu« rückerstatten müssen und wie jeder unberechtigt Verkauf unter den Vollkosten nicht nur den Betrieb schädigt, sondern auch zu einer Störung de, Marktes führen kann. Da die fixen Kosten im Einzelhandel überwiegen, muß sich der Betrieb bei abnehmendem Umsatz dagegen wehren. Das kann durch planmäßige Beschäftigung des Personals, Erhöhung des Lagerumschlags, günstige Beeinflussung der Mieten und durch planmäßige Werbung erfolgen. Notwendig fit dazu lausende Setriebsübet« wachung durch ein geordnetes Rechnungswesen und durch die Mitarbeit beim Betriebsvergleich Aufgabe des Einzelhändlers muß es sein, sich Gedanken über diese Dinge zu machen, die seinem Geschäft nur dienlich sein werden und die, mit dem Blick auf das Ganze gesehen, mithelfen an einer gesunden Bedarfsdeckungswirtschaft des Volkes.
Hessisches Gondergenchi.
Der schon 27mal vorbestrafte I. Baptist Oedin ° ger aus Mainz erhielt von dem Fürsorgeamt in Gießen einen Fahrtzuschuß, nachdem er dem Amt oorgespiegelt hatte, er brauche dieses Geld, um eine Arbeitsstelle aufsuchen zu können. Das Geld verwandte er jedoch dann für sich. Bei der Stellung des Gesuches trug der Angeklagte das Hoheitsabzeichen, obwohl er niemals hierzu die Berechtigung hatte. Der Angeklagte verließ dann Gießen und betrog kurze Zeit später in Zella-Mehlis einen alten Mann um seine letzten Ersparnisse. Der Angeklagte leugnete, das Hoheitsabzeichen getragen zu haben und behauptete, er habe nur ein dem Parteiabzeichen ähnliches Abzeichen anstecken gehabt. Durch die Beweisaufnahme wurde er aber der ihm zur Last gelegten strafbaren Handlungen überführt. Das Gericht verurteilte ihn wegen Vergehens gegen das Heimtückengesetz in Tateinheit mit Untreue und Betrug zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren und einer Geldstrafe, und erkannte ihm für fünf Jahre die bürgerlichen Ehrenrechte ab.
Der ebenfalls schon 20mal vorbestrafte August Kullmann aus Ober-Mockstadt betrieb verbotenen Eierhandel. Um diesen besser durchführen zu können, trug der Angeklagte hierbei das Hoheitsabzeichen, obwohl auch er hierzu keinerlei Berechtigung befaß. Der Angeklagte behauptete zwar, er sei bereits 1932 in die Partei eingetreten; doch konnte er hierfür keinen Beweis erbringen, und auch die Ermittlungen des Gerichts konnten keine Mitgliedschaft feststellen. Da der Angeklagte früher angegeben hatte, er sei 1033 wieder aus der Partei ausgetreten, hätte er wissen müssen, daß er auf keinen Fall berechtigt war, noch heute das Hoheitsabzeichen zu tragen. Das Gericht verurteilte ihn daher wegen Vergehens gegen das Heimtückengesetz zu einer Ge» fangnisftrafe von drei Monaten.
Große Strafkammer Gießen.
Der schon ISmat vorbestrafte E. Sch. aus Watzenborn-Steinberg hatte sich am Dienstag wieder vor der Großen Strafkammer wegen Betrugs zu verantworten. Sch. war als Vertreter tätig. Um Kaufverträge abschließen zu können, stellte er bei Interessenten unwahre, den Ruf schädigende Behauptungen über eine andere Firma auf und nutzte die Leichtgläubigkeit der Leute aus, indem er sie bewog, Käufe mit dieser Firma rückgängig zu machen und die gleiche Ware von ihm zu beziehen. Das Gericht verurteilte Sch. unter Zubilligung mildernder Umstände wegen Betrugs im zweiten Rückfall und unlauteren Wettbewerbs zu einer Gefängnis- ftrafe von einem Jahr unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre, und sprach gleichzeitig ein dreijähriges Berufsausübungsverbot aus.
Der H. B. aus Unter-Schmitten, der als Gemeinderechner dieses Ortes tätig war, hatte nach und nach etwa 1000 RM. aus der Gemeindekasse für sich verwendet. Um das hierdurch entstandene Defizit zu verheimlichen und die Unrichtigkeit der Buchführung zu verdecken, ließ er sich von dem II. aus Unter» Schmitten einen Scheck in Höhe der veruntreuten
Arbeitstagung der AS.-Kriegsopserversorgung.
tagung in üblicher Weise.
Einzelhandel und Leistungssteigerung im Betriebe
Abenteuer in Parts.
Vornan von Hans Hlrthammer.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
9. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten!)
11.'
Heinz Stadler saß in einem Klubsessel in der Halle des Hotel „Esplanade", las ben „Soir" und wartete auf den Geschäftsführer.
Ein kleiner, rundlicher Herr kam die breite Freitreppe herab, blickte sich suchend in der Halle um und trat dann auf den Sitzenden zu. „Sie wollten mich sprechen?"
„Sie sind der Geschäftsführer?"
„Gewiß, Berthol ist mein Name. Mit wem habe ich das Vergnügen und womit kann ich dienen?"
„Ich bitte Sie, einen Augenblick Platz zu nehmen. Das Hotel ist wohl zur Zeit nicht übermäßig be-
„Nun, man ist zufrieden!" sagte Berthol, während er sich zögernd niederließ. „Ich nehme aber nicht an, daß die Beantwortung dieser Frage alles ist, was Sie von mir wünschen. Das hätte nämlich auch der Portier erledigen können."
Stadler lächelte. „Nein, ich wollte von Ihnen hören, ob Sie im Verlauf der nächsten halben Stunde nicht mehrere Herren erwarten. Es soll da, wie ich erfahre, eine Besprechung stattfinden."
..Sie sind richtig informiert. Um zehn Uhr findet eine Zusammenkunft des Klubs der Briefmarkensammler statt, eine kleine, sehr exklusive Gesellschaft."
„Das werden die Herren sein, die ich suche. In welchem Ihrer Räume soll die Zusammenkunft vor sich gehen?"
„Es hat keinen Zweck, mein Herr, sich darnach zu erkundigen. Die Herren haben sich jede Störung ausdrücklich verbeten. Sie müssen wissen — es werden da sehr kostbare Marken ausgetauscht."
„Oh, ich bin ganz genau im Bilde!" entgegnete Stadler mit einem grimmigen Lächeln. „Und ich habe keineswegs die Absicht, die Herrschaften zu stören. Ich wollte — ah, eine Idee! Sie werden mir einen Kellnerfrack ausborgen und mir für die Dauer der Zusammenkunst die Bedienung dieser Gäste übertragen."
Herrn Berthols Miene wurde abweisend. „Mein Herr, was denken Sie! Sehr merkwürdige Wünsche! Ich habe Lust, Sie der Polizei zu übergeben."
„Nicht nötig, Monsieur, sind wir selber!" Er zog einen Ausweis der Pariser Kriminalpolizei aus der Brusttasche und überreichte ihn dem Geschäftsführer.
„Sie werden sich ungefähr zusammenreimen können, warum es sich handelt. Im übrigen kann ich Ihnen mein Wort geben, daß die Erledigung meiner Aufgabe ohne jedes Aufsehen vor sich gehen wird."
Herr Berthol drehte in großer Verlegenheit an seinem gepflegten Schnurrbart. „Eh, wenn die Sache sich so verhält — entschuldigen Sie, Monsieur, ich stehe selbstverständlich zu Ihrer Verfügung. Wollen Sie mir in mein Geschäftszimmer folgen?"
Die Herren erhoben sich und schlenderten dem Hintergrund der Halle zu.
Stadler war sich darüber klar, daß er gegen die Bande im Augenblick noch nichts unternehmen konnte. Noch fehlte jeder Beweis. Vielleicht waren es tatsächlich harmlose Briefmarkensammler.
Er konnte vorläufig nichts weiter tun, als zu beobachten. Beweise zu sammeln, den Spuren nach- zugehen unfr die Leute, wenn es die Juwelenräuber waren, nicht mehr aus den Augen zu verlieren. . Kaum hatte Herr Berthol die Tür seines Zimmers hinter dem unerwünschten Besucher geschlossen, da stürzte er mit allen Zeichen der Aufregung auf ihn zu. „Sind es denn ... Verbrecher?" flüsterte er mit heiserer Stimme. „Entsetzlich! In meinem anständigen Hause! Ah, ich werde ihnen den Zutritt verwehren, ich werde--"
„Sie werden sich hübsch ruhig verhalten! — Darf ich Sie jetzt um einen Kellnerfrack bitten? Außerdem wäre es vielleicht vorteilhaft, wenn ich dem Personal vorgestellt würde, damit es hernach keine Mißverständnisse gibt."
„Aber bitte, selbstverständlich, ganz wie Sie wünschen, Herr Kommissar?" Er eilte an den Schreibtisch, nahm den Hörer des Haustelephons zur Hand und rief die Beschließerin an.
Wenige Minuten später kam ein Boy, mit einer vollständigen Kellnerausstattung beladen, angeflitzt.
„Ich werde Sie setzt für einen Augenblick allein lassen, damit Sie sich gleich hier umziehen können. Wenn Sie fertig sind, werde ich Sie in den Betrieb einführen "
»Eine Frage noch, Herr Berthol! Sind Sie der Eigentümer des ,Esplanade'?"
„Nein, leider nicht!" seufzte der Geschäftsführer. „Das Hotel gehört einem großen Konzern an, der faft sämtliche Pariser Hotels von Rang beherrscht. Ich habe aber als Geschäftsführer ziemlich weit- reidienbe Vollmacht."
„Sehr schon! — Wenn Sie mich nun allein lassen mochten--!"
llnb Heinz Stadler verwandelte sich in einen fabel- haften Kellner. Sogar Herr Berthol, der' doch in diesen Dingen sich nicht so leicht beeindrucken ließ, konnte sich ein bewunderndes „Ah!" nicht verkneifen.
„Wie wäre es", fragte er mit einem verführeri
schen Lächeln, während er Stadler durch die Räume führte, „könnten Sie sich nicht entschließen, für längere Zett in meine Dienste zu treten?"
„Aha, Sie erhoffen sich davon eine bedeutsame Belebung Ihres Geschäftes? — Es ließe sich darüber reden, nur fürchte ich, daß Ihnen meine Gehalts- forberung zu hoch fein wird. Denn ich würde mich zu einem Berufswechsel natürlich nur bann entschließen können, wenn eine Verbesserung meines Einkommens damit verbunden wäre. Als Kriminalkommissar beziehe ich im Monat--"
Nachdem Herr Berthol die Zahl gehört hatte, begann er rasch von etwas anderem zu sprechen: „Wie fabelhaft es diese Verbrecher verstehen, in der Maske von Ehrenmännern aufzutreten! Die Herren waren schon des öfteren hier. Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, daß sie etwas anderes fein konnten, als harmlose Briefmarkensammler."
„Bitte, fällen Sie kein vorschnelles Urteil! Ich sagte Ihnen doch schon, daß ich meiner Sache noch nicht sicher fei."
„Oh, Monsieur, ich weiß Bescheid. Wenn Ihr Verdacht nicht sehr begründet wäre, würden Sie feine solchen Vorbereitungen treffen." —
Die drei Kellner vom „Esplanade" musterten den neuen Kollegen mit unverhohlenem Mißtrauen. Wahrscheinlich zerbrachen sie sich vergeblich darüber ben Kopf, was diese Neuanstellung bezwecken sollte, da sie selber kaum ausreichend beschäftigt waren.
Freundlichere Aufnahme sand Heinz Stadler bei ben Zimmermäbchen. Sie verglichen ben jungen, schlanken, fröhlichen Mann mit bem griesgrämigen Kleeblatt, mit bem sie bisher ausschließlich hatten zu- Jammenarbeiten müssen.
Am meisten aber schien der Boy von dem Zuwachs begeistert. Der Boy war ein kleiner, temperamentvoller Italiener, dessen übermütige Späße bei seinen dickbäuchigen Chefs wenig Verständnis gefunden hatten.
Im übrigen gewann Heinz Stadler bald die Erkenntnis, daß die Glorie des „Esplanade" etwas fadenscheinig war. Einem mehr als oberflächlichen Beobachter konnte es nicht entgegen, baß ba unb dort die Tapeten eingerissen, die Möbel verschrammt unb bie Fußböden abgetreten waren.
Als Heinz mit Herrn Berthol in die Haste zu rückkam, traten gerade einige Gäste durch die (Eingangs- tür. Sie waren gut gekleidet unb unterhielten sich angeregt.
„Das sind sie!" flüsterte Berthol, unb er war dabei so aufgeregt, daß ihm Heinz in aller Eile einen Verweis erteilen mußte. Sie verderben mir meinen ganzen Plan, wenn Sie in ben Herren einen Verdacht erwecken."
Berthol riß sich zusammen und trat mit feinem gewinnendsten Lächeln auf bie Näherkommenben zu.
„Ah, guten Tag, meine Herren! Sehr erfreut, Sie zu sehen! — Hallo, Charles, helfen Sie den Herrschaften beim Ablegen! — Ich nehme an, baß Sie sich gleich in bas Klubzimmer begeben wollen?"
„Oh, damit eilt es nicht!" entgegnete einer der Gäste, ein hagerer, noch sehr junger Mensch, der in seinen! ganzen Auftreten etwas unfreundlich Herrisches an sich hatte unb vermutlich als Anführer ber Banbe anzusehen war. „Wir sind noch nicht vollzählig. Schlage vor, daß wir erst mal hier unser Zelt aufschlagen und uns einen Apöritif genehmigen "
Sein Plan fand Zustimmung.
Als Heinz mit den schmalen, hohen Gläsern an den Tisch trat, an bem die Gesellschaft sich nieber- gelassen batte, brehte ber junge Mann mit einer lässigen Bewegung den Kopf zu ihm. ,^)at nicht ein Herr aus Brüssel nach uns gefragt?"
„Bis jetzt nicht, Monsieur!" erwiderte Heinz, während er die Gläser auf den Tisch stellte. Dabei fiel sein Blick auf die linke Hand des jungen Mannes. Sie war durch einen straff sitzenden Lederhandschuh verhüllt.
Stadlers Herz machte einen kleinen Freuden- forung. Sieh mal an! dachte er. Unser „süßer Paule", ber kleine Schelm! Da hat Heinzchen ja roieher mal richtig getippt!
.-Wünschen die Herrschaften vielleicht ein kleines Frühstück einzunehmen?" Seine Stimme war melodisch wie bie einer Nachtigall.
12.
Gerda Bosch saß in ihrem Zimmer, untätig, in einer schmerzenden Spannung. Sie wartete auf bie Rückkehr von Heinz Stäbler.
Sie hatte gebabet unb sich bann zum Schlafen hin- gelegt. Als sie bann erwacht war, völlig erfrischt, und sich zum Mittagessen angezoaen hatte, erfuhr sie. daß Heinz Stadler ein langes Gespräch mit Berlin geführt batte unb bann toeggegangen war.
„Ibnb wann wollte er zurück fein?"
„Darüber sagte er nichts!" lächelte Madame Pluchard. „Aber er hat einen Brief für Sie zurück- gelassen."
Es waren nur ein paar Zeilen:
"Ich habe erfahren, baß es vielleicht nicht ganz zwecklos wäre, bem Hotel ,Esplcmabe' einen Besuch abzustatten. Lassen Sie sich nicht vom Mittagessen abhalten, wenn ich nicht rechtzeitig zurück sein sollte. Mabaille Plucharb hat mir versprochen, einen ganz befonberen Beweis ihrer Kochkunst zu erbringen. Lassen Sie sich's also gut schmecken!
Sbr H. S."
(Fortsetzung folgt.)


