Nr.63 Drittes Blatt
Mittwoch lb. März M8
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Aus der Stadt Gießen.
Arbeitsknick und Lebensalter.
Keinem wird es mehr einfallen, gegen den Sport zu Felde zu ziehen, wissen wir doch im Gegensatz zu früheren Zeiten nur zu gut, welchen fördernden Einfluß der Sport auf Körper, Geist und Seele ausübt. Und so wird auch keiner etwas einzuwen-- den haben, wenn in einer ärztlichen Zeitschrift die Einführung von wöchentlich zwei Pflichtstunden Leibesübungen für alle dazu geeigneten Volksgenossen und Volksgenossinnen nach der Entlassung aus der Schule, aus dem Arbeitsdienst und aus dem Wehrdienst gefordert wurde.
Wenn aber bei dieser Forderung ausgeführt wird, daß durch eine derartige sportliche Betätigung der „Arbeitsknick" beim schaffenden Menschen nicht mit 40 Jähren, sondern erst mit 60 Jahren oder noch später aufträte, so müssen wir, die wir „über die 40 hinaus" sind, doch fragen: wo ist denn unser Arbeitsknick? Gewiß werden viele an Lebensjahren jüngere Volksgenossen bei einem 3000-Meter-Lauf eher am Zielband sein, als wir. Ist aber deshalb die Arbeit von uns „älteren" Schaffenden auf der ganzen Linie geknickt? Sie ist es keineswegs!
Wer aufmerksam in unsere Zeit hineinhorcht, weih, daß man seit geraumer Zeit dabei ist, das Märchen vorn geknickten Vierziger zu zerstören. Selbstverständlich gibt es Schaffende, deren Beruf bestimmte körperliche Leistungen verlangt, die mit den Jahren abnchmen, obwohl man auch den grau- bärtigen „Umziehmann" kennt, der noch mit mehr als vierzig Jahren seine Arbeit „auf die leichte Achsel" nimmt. Aber von diesen „Körperberufen" abgesehen, pflegt bei der überwiegenden Zahl der Schaffenden das Weniger an Körperkraft durch ein Mehr an seelischer und geistiger Kraft ersetzt zu werden. Es soll hier weder von der größeren Lebenserfahrung der „Aelteren", noch von der Weisheit des Alters'die Rede fein, weil dies wiederum ein Kapitel für sich ist; hier soll nur dieses gesagt werden; wenn den „Menschen über 40" immer wieder erzählt wird, daß sie ihren „Arbeitsknick" weg haben, so glauben sie es zuletzt wirklich, während doch alle Erscheinungen, die wie ein Arbeitsknick aussehen mögen, in Wirklichkeit nichts anderes sind als Unkenntnis und Gedankenfehler einer Zeit, die sich in den Lebensaltern nicht zurechtfinden konnte.
Denn darauf kommt es an! Der Franzose Voltaire hat einmal gesagt: „Wer nicht die Geistesart seines Alters hat, der hat all das Unglück seines Alters!" Wer also als „Ueberoierziger" die Geistes- art feines Alters hat, der wird nicht unglücklich, verzweifelt und — geknickt sein, sondern seine Arbeit noch wie vor gut machen, wenn auch vielleicht auf feine Art. Gerade in unserer Zeit haben wir alle Ursache, einer pessimistischen Knickstimmung entgegenzutreten, wo wir der vollen Arbeitskraft der älteren Volksgenossen dringend bedürfen.
Allerdings, und darin muß der" Forderung der ärztlichen Zeitschrift recht gegeben werden, hat aus diesem Grunde auch jeder Aeltere die Pflicht, feine Kräfte durch sportliche Hebung für seinen Dienst am Volk zu — erhalten. TL
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Stadttheater: 19.30 bis 22.15 Uhr „Wilhelm Tell". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Das indische Grabmal". — Lichtspiele, Bahnhofstraße: „Die Fledermaus". — Oderhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Sladttheaier Gießen.
Heute, 19.§0 Uhr, erste Wiederholung der Neueinstudierung „Wilhelm Teil", Schauspiel in 14 Bildern von Friedrich von Schiller. Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim. Bühnenbilder Karl Löffler. Mitwirkende: das gesamte Personal des Stadttheaters. Mittwoch-Miete, 24. Vorstellung. Ende 22.15 Uhr.
Freitag, 18. März, Anfang 20, Ende 22.45 Uhr, zum letzten Male: „Der Verzicht", Schauspiel von
^-Führer im Schulungslager auf dem Gleiberg.
In den Tagen vom 11. bis 13. März weilten die Führer der 83. ^-Standarte imSchulungslager auf dem Gleiberg, um dort die Ausrichtung für die Jahresarbeit in ihren Einheiten zu erfahren und daneben auch praktischen Dienst zu leisten. Am Lager nahmen die Kameraden aus dem Bereich der 83. ^-Standarte, vom Untermain, von Fulda und Lahn, teil.
Zu Beginn des Lehrgangs begrüßte der Führer der 83. ^-Standarte, ^-Sturmbannführer Müller (Gießen), die Lehrgangsteilnehmer und den Führer des ^-Abschnitts XXX (Kassel), ^-Oberführer Brasack, der mit seinen engeren Mitarbeitern anwesend war.
Jrn Verlauf des Lehrganges vermittelten einzelne Referenten des ^-Oberabschnttts Fulda - Werra (Arolsen) den ^-Führern wertvollste Gedanken. Besonders wurden die Aufgaben der ff klar Umrissen. Zu ihren ersten Aufgaben zählt die Schutzstaffel die Sicherung des Dritten Reiches nach innen; so wurde natürlich der Verbreiterung des Wissens über „die Feinde des Nationalsozialismus" größter Wert beigelegt.
In engster Kameradschaft fand am Samstagabend eine Feierstunde statt, in deren Mittelpunkt die weltgeschichtlichen Ereignisse der nationalsozialistischen Erhebung in Oesterreich standen. Stolz und freudig gedachte man des Reichsführers Yi und jener Kameraden der ^-Verbände, die Seite an Seite mit der Wehrmacht in Oesterreich einmarschierten und so unmittelbare Zeugen der großen Ereignisse waren.
Der Sonntagmorgen brachte, nachdem man sich noch einmal dem Frühsport gewidmet hatte, wieder eine Fülle der Arbeit. Am frühen Nachmittag gab der Führer der 83. ^-Standarte eine kurze Zusammenfassung dessen, was der Lehrgang gebracht hatte.
In heißer Dankbarkeit gedachte man des Führers Adolf Hitler. Unter dem Gesang des Treuettedes der wurde die Fahne eingeholt.
Dann wurden die ^-Führer in ihre Standorte entlassen. Mik kräftigem Händedruck trennten sich die Kameraden nach den Stunden dieser Wochenendschulung, die ihnen reiche Anregungen vermittelte.
Meldepflicht für MeschulentlaffenenÄgendlichen
NSG. Der Vierjahresplan verlangt den Einsatz aller Kräfte, auch der Jugendlichen, die jetzt aus der Schule entlassen werden. Um einen Ueberblick darüber zu gewinnen, wie groß die Zahl dieser Schulentlassenen ist, haben sich alle Jungen und Mädchen, die Ostern 1938 aus der Schule.entlassen werden, bei ihrem zuständigen Arbeitsamt zu melden. Die Meldung erfolgt auf einem oorgeschriebe- nen Formblatt. Dieses Formblatt erhalten diejenigen Jugendlichen, deren Entlassung erst in den nächsten Wochen stattfindet, die sich also zur Zeit noch in der Schule befinden, durch ihre Lehrer in der Schule. Die Jugendlichen, die schon aus der Schule entlassen sind — das sind vor allem die Abiturienten und Abiturientinnen — erhalten das Formblatt von ihrem zuständigen Arbeitsamt.
Die Meldung gilt für alle Jugend
lichen, gleichviel, ob sie aus der Volksschule, der Mittelschule oder der Höheren Schule entlassen werden. Die Meldung hat innerhalb zwei Woche n nach Abgang von der Schule zu erfolgen.
Jugendliche, Jungen und Mädchen, die schon in früheren Jahren, und zwar vom 1. Januar 1934 ab, aus einer Volks-, Mittel- ober Höheren Schule entlassen worden sind, und die noch keine Lehroder Arbeitsstelle haben, oder sich noch nicht in einer Berufsausbildung befinden, haben sich ebenfalls, soweit sie noch keine 21 Jahre sind, beim Arbeitsamt zu melden. Auch für diese Meldung ist ein Formblatt vorgeschrieben, das von den Arbeitsämtern ausgegeben wird. Diese Jugendlichen müssen sich b i s zum 1. April 19 3 8 beim Arbeitsamt melden.
Ilse Zander. Spielleitung Walter Schmidt. Freitag- Miete, 24. Vorstellung.
Samstag, 19. März, Anfang 20, Ende 22 Uhr, KdF.-Miete, Gruppe I (12. Vorstellung) „Parkstraße 13", Kriminalstück von Axel Jvers. Spielleitung Hans Geißler. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen.
Sonntag, 20. März, Anfang 11.30, Ende 12.30 Uhr, 11. Morgenveranstaltung „Maja von Rabenau tanzt", am Flügel: Meinhart Becker. — Von 19 bis 22.15 Uhr „Clivia", Operette von Nico Dostal, musikalische Leitung Heinz Markwardt. Spielleitung Karl-Ludwig Lindt. 'Tänze: Irmgard Zenner. Außer Miete.
Bis zum Sonntag wird geflaggt.
DNB. Der Reichs- und Preußische Minister des Innern gibt folgendes bekannt: Aus Anlaß der Vereinigung Deutsch-Oesterreichs mit dem Reich flaggen öie staatlichen und kommunalen Verwaltungen und Betriebe, die sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts und die öffentlichen Schulen im ganzen Reich ab sofort bis einschließlich Sonntag, 20. März 1938, Vollmaft. Die Bevölkerung wird gebeten, in gleicher Weise zu flaggen.
Heute alle deutschen Schulen geschloffen
DNB. Reichsminister R u st hat aus Anlaß der Rückkehr des Führers nach Abschluß des geschichtlichen Ereignisses der Eingliederung Oesterreichs in das Deutsche Reich für Mittwoch, 16. März, für alle Schulen des Reiches schulfrei angeordnet.
(||DieWfiMrbcitofroin
NSG. .»Kraft durch Freude", Kreis Gießen.
Vortrag von Professor Dr. Schmitthenner.
Am Freitag, 18. d. M., spricht in Gießen im Cafe Leib der badische Staatsminister Pg. Professor Dr. Schmitthenner über 1665V
„Wehrhaftigkeit und Weltanschauung".
Dieser Vortrag will darlegen, wie das geschichtliche Schicksal der Deutschen durch die bisherige deutsche Wehrhaftigkeit, die keineswegs eine nur aufbauende Kraft war, sondern auch zerstörende Elemente in sich trug, gestaltet worden ist. Er führt den Beweis, daß wir Deutschen im Nationalsozialismus die Kraft gewonnen haben, die unsere Wehrhaftigkeit vollkommen gestaltet, sie mit der politischen Friedenswilligkeit verbindet und dadurch unser geschichtliches Schicksal glücklicher formt als in der Vergangenheit.
Der Vortrag wird durch instruktive Lichtbilder erläutert.
Die Eintrittskarten kosten im Vorverkauf 30 Pf., an der Abendkaffe 50 Pf.
„parkstrahe 13.“
Als nächste Vorstellung im Stadttheater Gießen bringen* wir das Kriminalstück von Axel Jvers „P a r k st r a ß e 13".
Eintrittspreise 90 Pf. und 1,— Mark.
WHW. Ortsführung Gießen-Süd.
Am Mittwoch, 16., Donnerstag, 17., und Freis tag, 18. März, findet im Bereiche der Ortsgruppe Gießen-Süd die Pfundsammlung durch die NS.-- Frauenschaft statt. Es wird während der Dauer des WHW. 1937/38 nicht nur bei den Mitgliedern des Lebensmittel-Opferringes, sondern bei allen Volksgenossen die Pfundsammlung durchgeführt. Als Spenden find vorwiegend Mehl, Hülsenfrüchte, Graupen, Nudeln, Zucker, Grieß, Wurstwaren und Konserven erwünscht. Selbstverständlich werden auch alle anderen Pfundspenden entgegengenommen. Die Einwohnerschaft wird gebeten, die Spenden bereitzuhalten.
Oer Tag der Wiederherstellung der Wehrhoheit.
Der heutige Tag der Wiederherstellung der Wehrhoheit wird innerhalb des Heeres wie folgt begangen: 1. Feierliche Flaggenparade; 2. Beflaggung der Dienstgebäude der Wehrmacht; 3. Vormittags-Appelle mit kurzen Ansprachen der Truppenkommandeure. In diesen Ansprachen ist außer auf die Bedeutung der Wiederherstellung der Wehrhoheit auf die 125. Wiederkehr der Erhebung Preußens und auf die 20. Wiederkehr der großen Schlacht in,Frankreich hinzuweisen. Die Appelle schließen mit dem Sieg-Heil auf Deutschland und den Führer, den Obersten Befehlshaber der Wehrmacht.
Bezirksverwaltungsgericht Gießen.
Am Samstag, 19. März, 8130 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, Landgraf-Philipp-Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Bezirksverwaltungsgerichts Gießen statt mit folgender Tagesordnung:
1. Klage des Heinrich Baumann in Gießen
gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom!
RUHL Sehersweg Nr. 67 gl
adlO Telephon Nr. 3170 I
eparaturen l897D g|
10. Dezember 1937 wegen Versagung des Wander- gewerdescheins für Kj. 1938.
2. Klage des Bezirksfürsorgeverbandes Stadt Marburg gegen den Bezirksfürforgeverband Kreis Friedberg wegen Erstattung von Fürsorgekosten für Anna Vogt und deren Kind Helga.
3. Klage des Max Walldorf in Gießen gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 17. Januar 1938 wegen Versagung des Wandergewerbescheins für Kj. 1938.
Ehrung eines ölten Handwerksmeisters
Am Freitag, 11. März, feierte — wie uns gestern von der Kreishandwerkerschaft Gießen mitgeteilt wurde — der Schmiedemeister Christian Albach, Hattettrod, seinen 75. Geburtstag und fein 50jäh- riges Meisterjubiläum. Im Auftrage der Hessischen Handwerkskammer Darmstadt überreichte aus diesem Anlaß Kreishandwerksmeister St ü hier dem Jubilar mit anerkennenden Worten und herzlichen Glückwünschen den Ehrenmeisterbrief und ernannte ihn im Auftrage der Handwerkskammer zum Ehrenmeister des hessischen Handwerks.
Straßenlampen mit roter „Leibbinde".
NSG. Nach der neuen Reichsstraßenverkehrsordnung müssen alle Fahrzeuge, also auch die Kraftfahrzeuge, in der Dunkelheit hinreichend beleuchtet sein. Wer sein Fahrzeug nachts auf der Straße unter einer Straßenlaterne stehen läßt, muß sich vorher vergewissern, ob die Laterne auch die ganze Nacht hindurch brennen bleibt. Es gibt in jeder Stadt eine Reihe von Straßenlaternen, die nicht die ganze Nacht hindurch brennen. Diese Straßenlaternen werden jetzt eine rote Binde auf weißem Grund erhalten. Wer unter diesen Laternen parken will, muß also zu gegebener Zeit für Beleuchtung sorgen. Unbeleuchtete Fahrzeuge gefährden d-en
Der kleine Globus und das grüne Rasenstück.
Von Karl Bröger.
Aus meinem Schreibtisch steht ein Globus, ein kleiner bescheidener Erdglobus.
Dazwischen gefällt es mir, den Globus zu drehen und die Gedanken auf eine Weltreise zu senden.
Was für ein winziger Fleck ist doch Europa auf dem Globus! Mit halber Hand ist der ganze Erdteil zu verdecken. Und wie sieht er aus! Bunte Stoffreste, keiner besonders groß, die meisten lächerlich klein, von Kinderhand aneinander genäht! Ein geflickter Kontinent und doch die eine Herzkammer dieser wunderlich verworrenen Menschenwelt!
Der Globus steht vor dem einzigen Fenster meines Arbeitszimmers.
Dieses Fenster geht ins Freie und hat ein Rasenstück zum Hintergrund, einen Lappen Grün von jener eindringlichen Stimmung, die aus dem Gegensatz zu grauen, staubigen Straßen und Öden Steinmauern entspringt.
Wenn ich aus dem Fenster schaue, läuft der Blick stets über den Globus durch das farblose Glas auf jenes Rasenstück.
Der Globus ist in die Fläche dieses Rasenstückes eingelassen und steigt daraus empor als seltsam farbige, zugleich fremde und vertraute Blüte.
Lange, graue Wochen hat das Rasenstück tot und grau gelegen. Trübe Lachen standen darüber, mißfarbener Schnee schmolz darauf, und achtlos gingen Füße darüber hin.
Winter herrschte mit Sturm und unleidlichem Wetter, jagte jeden kleinen Halm in die Erde und verhüllte die Sonne mit dunklen, schleppenden Wolkengewändern.
Drehte ich den Globus rechts oder links um die Achse: dahinter stand immer dieser trostlos traurige, lebentötende Winter.
Nun sind die ersten sonnigen Tage da.
Das Rasenstück, bisher braun und schmutzig, hat ■ fast über Nacht einen grünen Schein bekommen.
Die ersten Gräser schieben sich zögernd ins Licht, noch dünn auf der Fläche verstreut, Vorposten des Frühlings, denen erst noch die Masse des Grüns folgen soll.
Ich blicke über meinen Globus.
Woher der heimliche Glanz, von dem er leuchtet?
Wie ein zarter und zager Heiligenschein legt sich
das schüchterne Grün des Rasenstückes um das Rund der Kontinente.
Und in mir steigt Dank auf gegen die ewig wirkende Kraft des Lebens, das keinen Tod duldet, nicht im Kleinsten und nicht im Größten.
Meine Finger streicheln über die Wölbung des Globus und bleiben auf einem rotbraunen Fleck haften.
Deutschland.
Es wird wieder Frühling.
Alles — Leid und Luft — trägt sich leichter, wenn Sonne scheint.
Eben tritt die junge Sonne machtvoll durch das Fenster herein und strömt eine Flut von Licht über das Rasenstück.
Im Globus spiegelt sich der Glanz wider, so hell und funkelnd, daß ich die ganze Welt in Licht getaucht sehe.
Und ich glaube, Brüder, an Auferstehung.
„Das indische Grabmal."
Gloria-Palast.
Vor vierzehn Tagen haben wir hier den ersten Teil besprochen, den „Tiger von Eschnapur"; das „Indische Grabmal" bringt die Fortsetzung der dort abbrechenden, abenteuerlich bewegten Handlung. Die Vorlage bildete wieder, neben Tatsachenberichten aus Indien, der gleichnamige Roman der Thea von Harbou, und auch dieselbe Autorengemeinschaft — Arthur Pohl, Hans K l a e h r und der Regisseur Richard Eichberg — war an der Abfassung des Drehbuches beteiligt. Der Eindruck des Ganzen deckt sich im wesentlichen mit dem des ersten Teiles: man empfindet die gemeinsame Herkunft, die gleichen Arbeitsmethoden, die nämliche Wirkungsweise. Wie beim „Tiger" liegen die eigentlichen Werte (für das Empfinden des Betrachters) weniger in der Handlung an sich als in den rein bildhaft aufzunehmenden Partien, die wie Ausschnitte aus einem Kulturfilm oder einer Reiferepor- tage aus Indien anmuten; und wieder empfindet man es wohltuend, daß der Spielleiter E i ch b e r g die ihm zur Verfügung gestellten außerordentlichen Mittel dazu verwandt hat, seinen Schauplatz an Ort und Stelle aufzunehmen, also keine phantasievollen Atelierlandschaften, sondern echtes, wirkliches Indien zu photographieren: das geschieht auf eine großzügig-prunkvolle Weise — auch der zweite Teil ist im gleichen Maße wie der erste ein pompöser Ausstattungsfilm —, und der Kameramann Hans Schneeberger darf als einer der wichtigsten
Helfer in Eichbergs großem Regiestäbe genannt werden. Was die Handlung angeht, so ist zu sagen, daß sie erst gegen Ende die Dramatik, das Tempo und die sensationellen Wirkungen gewinnt, mit denen der erste Teil gleich von Anfang an verschwenderisch einsetzte. Immerhin ergeben sich auch für das „Grabmal" noch dankbare Motive genug: die Jagd nach der mit ihrem Geliebten geflohenen ehemaligen Maharani von Eschnapur geht hier auf indischem Boden weiter. Der deutsche Architekt Fürbringer errichtet für den Maharadscha das Grabmal, in dem der Fürst die ungetreue Maharani aus Rache lebendig einmauern lassen will. Indessen der Maharadscha Fürbringers Braut die Wunder Indiens zeigt, wiegelt Ramigani die Fürsten gegen den Maharadscha auf, um ihn zu stürzen, und an feiner Stelle in Eschnapur zu herrschen; er hat auch die Maharani in seine Gewalt gebracht, um sie als Kaufpreis im Kampfe um die Macht einzusetzen. Gegen Ende überstürzen sich die Ereignisse; Fürbringer wird gefangen und wieder befreit, ein wilder Kampf mit den Horden der aufständischen Berg- " flämme entbrennt, Sprengung und Überschwemmung spielen eine ähnliche Rolle wie im ersten Teile der Brand des Kristallpalastes. Die Maharani, noch einmal zu tanzen gezwungen, kann zwar den Maharadscha vor drohender Gefahr warnen, wird aber in der Palastrevolte erschossen, während Ramigani in erbittertem Zweikampf mit Fürbringer ums Leben kommt. Das Grabmal wird vollendet werden, — aber nicht als grausames Gefängnis für die lebende, sondern als Ruhestätte und Denkmal für die tote Tänzerin Sitha, die einstige Maharani von Eschnapur: dies ist jedenfalls dem Programmheft zu entnehmen; ob der Zusammenhang hier und in manchen anderen Einzelheiten dem Beschauer ohne die Inhaltsangabe, nur aus der Bild folge, völlig klar geworden ist, wagen wir nicht zu entscheiden. — Die darstellerische Besetzung ist in allen wesentlichen Posten die gleiche wie im ersten Teil. Gustav D i e ß l als Demidoff hat hier allerdings eine weit weniger aktive Rolle als dort; dagegen steht Alexander (Solling als der gefährlich-intrigante Prinz Ramigani mit finsterer Eindringlichkeit wieder im Vordergrund-e der Ereignisse. La Jana stellt wieder ihre geschmeidig durchgearbeitete,-tänzerische Erscheinung zur Schau. Hans S t ü w e als Fürbringer darf diesmal — besonders gegen Ende — aus seiner Reserve herausgehen und mit temperamentvoller Entschlossenheit in den Kampf eingreifen, während Kitty Iantzens Rolle kaum nennenswerte Entfaltungsmöglichkeiten bietet Fritz van Dongen ist der stattlich-würdige Maharadscha; Theo Lin- g e n hat inzwischen mit einem riesigen Elefanten
und einem zutraulichen Affen Freundschaft geschlossen und hat überdies eine aufregende,, für den Gang der Handlung recht wesentliche Episode, als bärtiger indischer Handelsmann abenteuerlich vermummt. — (Tobis.)
*
Der Film scheint, soweit man aus dem gestrigen Besuch schließen darf, eine ungewöhnliche Anziehungskraft auszuüben. — Im Beiprogramm sahen wir die Ufa-Wochenschau und einen interessanten Kulturfilm „Sterne auf Erden", aus der Edelsteinindustrie Jdar-Oberstein.
Hans Thyriot.
Auf der Jagd nach seltenen Vögeln.
Einer der bekanntesten und erfolgreichsten Vogelfänger der Welt ist der Engländer W. Frost, der 40 Jahre lang alle Teile der Welt bereist hat, um seltene und neue Vogelarten' zu entdecken und einzufangen. Fünfundvierzigmal ist er in Ostindien gewesen, von wo er Tausende von Vögeln heimgebracht und an die Zoologischen Gärten und die Vogelhändler der ganzen Welt verkauft hat. „Der Vogelfang ist ein aufregender Beruf", sagt er, „manchmal habe ich viele Tage verbracht, um ein seltenes Exemplar zu bekommen und es dann doch um den Bruchteil eines Meters verfehlt. Ein andermal erbeutete ich an einem einzigen Tage 50 kostbare Tiere. Aber es ist heute nicht mehr das, was es früher war. In meiner Jugend brachen wir in Ostindien für eine Expedition von 8 Wochen auf mit 20 bis 40 eingeborenen Trägern, schweren Lasten von Ausrüstung und Lebensmitteln, und das ganze Unternehmen kostete gegen 800 Pfund. Heutzutage gibt es einen Flugdienst, der einen überall hinbringt, wo man es irgend wünscht, und einen auch wieder abholt, und die ganze Sache kann man für weniger als 100 Pfund haben. Aber nicht genug damit, ein kleines Flugzeug überkreist einen regelmäßig und sieht nach, ob man nicht vielleicht irgendwelche Hilfe braucht, und es bringt auch frische Milch und Brot — auf Bestellung. Während der 40 Jahre meiner Sammeltätigkeit haben oft junge Leute mir gesagt, wie sehr sie mich beneiden, und wieviel sie darum geben würden, an meiner Stelle zu sein. Ich kann ihnen immer nur antworten, daß niemand sie hindern kann, es auszu- führen, wenn sie wirklich wollen." W. Frost hat aus Ostindien ungefähr 150 verschiedene Arten heimgebracht, darunter einen Riesenkönigsfischer, Sonnenvögel, Blaukehlchen und Papageien aller Art, auch einen Papagei, der wie eine Kreuzung zwischen einem Papagei und einem Geier aussieht.


