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Nationale Truppen bedrohen Kataiomen

Weiterer Vormarsch an der Aragon-Front. - Die Stadt Laspe besetzt.

Salamanca, 16. März. <vmr. Funkjpruch.j Wie der nationale Heeresbericht meldet, erreichten die nationalen Truppen auf dem weiteren Vor­marsch das linke Ufer des Guadalope- Aluffes südlich von Alcaniz. Sie besetzten meh­rere neue Ortschaften, westlich Laspe wurden das

Huesca

Saragossa

Valencia

Fuentes de Ebro

\ V »Alfambra

Teruel

Zwischen Fuentes de Ebro und Alfambra haben die nationalspanischen Truppen die Front durchbrochen. Unsere Kurte veranschaulicht den ungefähren Verlauf der Front vor Beginn der^Offensive. (Scherl-M.) Dorf Lhiprana am (Ebro-Ufer, ferner die Bahn­station, der Friedhof, das Kloster, sowie Teile der Stadt Laspe genommen. Der Vormarsch geht wei­ter. Auch die auf dem rechten Flügel operierenden Truppen konnten dem Gegner schwere Verluste bei­bringen und eine große Zahl von Gefangenen machen. 3m Luftkampf wurden vier bolschewistische Apparate abgeschosfen. Der Frontberichterstatler stellt fest, datz die Einnahme von Laspe, einer Stadt mit 20 000 Einwohnern am Ebro Halbwegs zwischen Zaragoza und Tarragona der größte Erfolg fei, um so mehr, als Laspe als E i n - falls tor nach Katalonien angesehen wer- den kann.

Panikstimmung l'nSowjelfvamen

Die Anarchisten bekommen Oberwasser.

Paris, 16. März. (DNB. Funkspruch.) Die heikle militärische und innenpolitische Lage in Rot- spanien wird von der französischen Frühpresse stark beachtet. Die Blätter berichten aus Portugal ein­gehend über die drohenden politischen Wirren in Barcelona und die Erschütte­rung der spanischen Front.Matin" meldet zahl­reiche Verhaftungen. Man rechne in kurzer Zeit mit schweren Unruhen. Die beiden anarchistischen Gewerk sch aftsverbände rührten sich immer mehr. Die militärische Lage Sowjetspaniens werde von dem Mangel an Sol­daten und der geringen Begeisterung für den per­sönlichen Einsatz an der Front stark beeinflußt. Die Durchführung des Mobilisierungsbefehls für den 1940 fälligen Jahrgang fei mit großen Schwierig­keiten verbunden. An manchen Stellen fei die Massenflucht der Einberufenen so groß gewesen, daß man 2000 Mann der so­genannten Stoßbrigade einsetzen mußte, die sogar mit Maschinengewehren auf die Flüch­tenden schoß. Dem Madrider Sonder- t r i b u n a l fürGerüchtemacher", dessenUrteile" spätestens innerhalb 48 Stunden vollstreckt werden müssen, wurden am Dienstag 20 Personen

zugeführt, gegen die sämtlich T o d e s st r a f e be­antragt wurde. Durch Maueranschlag sind alle Pförtner angewiesen worden, bei Fliegeralarm den Haus - und den Boden schlüssel andre GPU. - Streifen abzuliefern, um Ver­suchen, das bolschewistische Joch abzuschütteln, durch militärische Besetzung der Dächer zu begegnen. Selbst die berüchtigte MegäreLa Pastonarra hat sich zu der öffentlichen Festellung bequemen muhen, daß dieSaboteure" der Republik in erschreckendem Maße zugenommen hätten. ...

Ein Teil der Presse berichtet, daß fast sämtliche Eisenbahnlinien u n d Verkehrswege in Katalonien für M i l i t ä r t r a n s p o r t e re- erv i e r t sind. Die Personenzüge aus Frankreich nach Barcelona verkehren nicht mehr aus der Haupt­linie, deren Benutzung ausschließlich der rotspani- schen Armee vorbehalten sei, sondern auf der langen und kurvenreichen Strecke an der Küste, dagegen hielten sich die Materialtransporte in den Ostpyre­näen Die Durchgangsstraße ist kilometerlang von Lastkraftwagen, insbesondere von Brennstoff-Tank­wagen verstopft.Journal" undPetit Parisien berichten, daß die vor kurzer Zeit erfolgte Ueber- fliegung französischen Hoheitsgebietes durch rotspa­nische Flugzeuge der Durchführung und Deckung von vier Materialtransporten aus Frankreich nach Sow­jetspanien gegolten habe. Nach einer Meldung der Epoque" aus Toulon soll ein Teil des französi­schen Mittelmeergefchwaders den Befehl zum Auslaufen an die spanische Küste schalten haben.

DasOeuvre" gibt Aufrufe des Pariser Gewerk­schaftsverbandes fowie der Angestellten-Syndikate wieder, in denen die französische Regierung aufge­fordert wird,die französisch-spanische Grenze zu öffnen und das Ende der Nichteinmischungs- Politik zu erklären". Andere Zeitungen jedoch ver­sichern, daß Frankreich der Nichteinmischungspolltik weiter treu bleiben werde. DieEpoque" schreibt, daß verschiedene Mitglieder der Republikani-

Wien, 15. März. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler beförderte heute den hochverdienten General der Infanterie von Rundstett, Ober­befehlshaber des Gruppenkommandos 1 in Berlin, und den Oberbefehlshaber der VIII. Armee, General der Infanterie von Bock, zu Generalober­st e n. Letzterem sprach der Führer die Beförderung persönlich kurz vor der großen Parade in..Wien aus unter besonders anerkennenden Worten für die Leistungen der ihm unterstellten Truppen.

Der Führer und Reichskanzler hat mit Wirkung vom 1. März 1938 ferner befördert:

Im Heer. Zu Generalleutnanten: Die Generalmajore Heinrici, Kdr. der 16. Dio; Berg­mann, Kdr. der 27. Dio.; Jacob, Inspekteur der Ostbefestigungen; Hartmann, Kdr. der 7. Din.; Barck- hausen, Art.-Kdr. 24; Hansen, Kdr. der 25. Dm.; Schubert, Kdr. der 12. Dio.; von Vietinghoff ge­nannt Scheel, Inspekteur der Panzertruppe und für Heeresmotorisierung.

Zu Generalmajoren die Obersten: Behlen­dorff, Art.-Mr. 31; Stud, d. Generalstabes, Leiter des Beschaffungswesens im Heeres - Waffenamt: Mattenklott, Kdr. der Heeresdienststelle 8; von So­denstern, Chef des Generalstabes des VI. A.-K.; von Berg, Art.-Kdr. 15; Sixt von Armin, Chef des Generalstabes des XII. A.-K.; Bieler, Chef des Ge­neralstabes des II. A.-K.; Loch, Art.-Mr. 32; Ott, Kdr. des JR. 1; Dennexlrin, Höh. Pionieroffz. 2; Keitel, d. Generalstabes, Chef des Heeres-Perfonal- amtes; Beuttel, Leiter der Heeres-Feldzeugverwal- tung XIII; Model, Abt.-Chef im Generalstabe des Heeres; Suttner, Kdr. des JR. 56; von Kleist, Kdt. von Hannover; Kuntzen, d. Generalstabes, zur Verf.

schon Vereinigung sich in das französische Außenministerium begeben haben, um dort die Ablehnung ihrer Gruppe gegen jede Einmischung mitzuteilen. Sie hätten hier erfahren, daß die französische Regierung weder an eine Intervention noch an eine Oeffnung der Grenzen dächte. Auf jeden Fall sei es auch z u s p ä t, um den Zusammenbruch der roten Front in Spanien zu verhindern.Petit Parisien" sagt, die Lage Sowjetspaniens werde von Tag zu Tag ernster. Die nationalen Truppen drän­gen an der Aragon-Front in Richtung Mittelmeer mit größter Schnelligkeit vor. Man dürfe sich nicht verhehlen, daß die Lage in Kürze verzwei­felt werden könne. Die seit Beginn des spanischen Konfliktes in Frankreich erfolgte Nichteinmischungs- politik mache es aber auch weiterhin Frankreich zur Pflicht, angesichts dieser Ereignisse eine absolute Zurückhaltung zu bewahren.

Genickschüsse in Moskau.

Die Hinrichtung der Sowjetspitzen vollzogen

Moskau, 16. März. (DNB.) Soeben wird amt­lich mitgeteilt, daß d i e H i n r i ch t u n g der 18 im Moskauer Prozeß zum Tode verurteilten ehemaligen Sowjetgewaltigen vollzogen worden ist. Unter den Hingerichteten befinden sich der frühere kom­munistische Partei- und Kominternführer Bucharin, die früheren Volkskommissare Rykow, Jagoda, Ro- sengolz, Iwanow, Tschernow, Grinko, die stellver­tretenden Volkskommissare Krestinski, Selenski und Subarow, die Parteisekretäre Jkramow und Scha- rangowitsch, der Präsident des Usbekischen Volks- kommissarenrates Chodschajew, der Sekretär Jago­das Bulanow, der Sekretär Kuybischews Maximow, der Sekretär des Schriftstellers Gorki, Krjutschkow, und die Aerzte Lewin und Kasakow. Es erweist sich also, daß auch Rosengolz unter den Hingerichteten ist, der offenbar auf ein Gnadengesuch verzichtet hatte. Damit hat der Moskauer Prozeß, wie nicht anders zu erwar­ten war, einen blutigen Abschluß gefunden. Wieder sind historische Abenteurer in ihr Sowjetparadies eingegangen.

d. Ob. d. H.; Gallenkamp, Art.-Kdr. 16; Kirchner, Kdr. des Schützen-Regts. 1; Fischer von Weikers- thal, Chef des Generalstabes des V. A.-K.; Fell­giebel, d. Generalstabes, Inspekteur der Nachrichten­truppen, zugleich mit Wahrnehmung der Geschäfte des Inspekteurs der Wehrmachtsnachrichtenverbin­dung beauftragt.

Zu Obersten: die Oberstleutnante: Höhne im Infanterie-Regiment 90; Diplom-Ingenieur Phi­lipps, Kdr. d. Pz. Regt. 11; Bartcky im JR. 96; Jrmisch im Pz. Regt. 8; von Scheele, Kdr. d. Lehr­gruppe A an d. Kriegsschule Hannover; Licht, Kdr. d Lehrgru. C a. d. Kriegsschule Dresden; von der Linde, Kdr. d. Pz. Abw. Truppen IX; Weidling, Kdr. d. Art. Regt. 75; Edelmann im Oberkdo. des Heeres; Scheller d. Generalstabes, Abt. Chef im Oberkdo. d. Wehrmacht; Abt, Kdr. d. N-achr. Trup­pen IX; Geschwandtner, Kdr. d. Art. Regt. 5; Rit­tau im JR. 7; Lütkenhaus im JR. 23; Schmidt im JR. 58; von Zangen im JR. 51; Butze im St. d. Gen. Kdo. d. VI. AK.; von Mallinckrodt, Kdt. d. Tr. Ueb. Pl. Jüterbog; Buschenhagen, Kdr. d. JR. 5; Stahr a. d. Heeres-Waffenm.-Schule; Frießner, Chef d. Stabes d. Inspektion d. Kriegsschulen; Wirtz, Kdr. d. Pi. Btl. 10; Juppe, Abt. Chef im Oberkdo. d. Wehrm.; Berthold, im Gen. St. des VIII. AK.; Boie im JR. 11; Meltzer, Kdr. 9* Nachr. Abt. 2; Stammer im JR. 7; Jaschke, Chef d. St. d. Inspektion d. Inf.; Szelinski im JR. 84; Nieter, Nachr. Gerät-Jnspiz. 2; Angern, Kdr. d. Kav. R. 9.

Zu Obersten (E): die Oberstleutnante (E): Bippardt, Kdr. d. Wehrbez. Breslau II; Aulicke, Kdr. d. Wehrbez. Köln III; Meyer im Stabe d. Gen. Kdos. VIII. AK.; Esser, Kdr. d. Wehrbez. Ham­burg IV; Weiß im Stabe d. Gen. Kdos. I. AK.;

Saenger, Kdr. d. Wehrbez. Berlin VI; Schmoeckel im Oberkdo. d. Heeres; Freiherr Varnbüler von und zu Hemmingen, Kdr. d. Wehrbez. Rottweiler; Gerok, Kdr. d. Wehrbez. Karlsruhe (Baden).

In der Luftwaffe: Den Charakter als General der Flieger erhält der Generalleutnant von Cochenhaufen an der Luftkriegsakademie. Befördert werden: zu Generalleutnanten: die Ge­neralmajore: Wenninger, Luftattache bei der deut­schen Botschaft in London; Hirschauer, Höherer Kommandeur der Flakartillerie 3; Leutzsch, Höherer Kommandeur der Flakartillerie 4; Quade, Kom­mandeur der Höheren Luftwaffenschule; zu Ge­ne r a l m a j o r e n : die Obersten: Gohrau, Abtei- lungschef im Reichsluftfahrtministerium; Sommer, Abteilungschef im Reichsluftfahrtmlnistenum; den Charakter als Generalmajor erhält der Oberst von Römer. Befördert werden: zu Obersten: die Oberstleutnante: Becker, Scheurlen, Weese; zu Obersten (E): die Oberstleutnante (E): Knoche, Eyser, Drechsler, Hartog, Dr. Kirchner; zu Oberst­ärzten: die Oberfeldärzte: Dr. Neumuller, Luft- kreisarzt 2; Dr. Blaul, Lustkreisarzt 5.

Aus aller Welt.

Geheimrat Dr. h. c. Adolf Haeufer f.

In Frankfurt a. M. ist nach längerem Leiden Geh. Reg.-Rat Dr. h. c. Adolf Haeuser ge­storben. Am 26. November o. I. hatte er seinen 80. Geburtstag begehen können. Geh.-Rat.Haeuser, ein gebürtiger Weilburger, hatte seine juristische Studien im wesentlichen in Marburg absolviert. 1889 trat er bei den Höchster Farbwerken ein, deren Vorstandsmitglied er 1904 wurde. Seit 1916 be­kleidete er das Amt des Generaldirektors der Farb­werke bis zur Fusion der in Interessengemeinschaft stehenden chemischen Firmen zur JG.-Farben, deren Verwaltungsrat er seitdem als erster stellvertreten­der Vorsitzender angehörte. In der Oeffentlichkeit ist Geheimrat Haeuser vielfach hervorgetreten durch seine Tätigkeit auf gewerberechtlichem, sozialem und wirtschaftlich-technischem Gebiet. Er hat bestimmen­den Einfluß bei der Ausarbeitung der Gesetzent­würfe in diesem Bereich, insbesondere der Patent­gesetzgebung und des Warenzeichengesetzes sowie bei anderen wichtigen, die Industrie betreffenden Fragen ausgeübt. Auch gehörte er lange Jahre dem Provinziallandtag in Kassel, der Handelskammer, dem früheren Preußischen Abgeordnetenhaus, dem Reichsrat, der Landesversicherungsanstalt für Hes­sen-Nassau, dem Bezirks-Eisenbahnrat in Frank­furt usw. an. Als sich in der Nachkriegszeit der Universitätsbund Marburg zwecks Erhaltung der Universität gründete, trat Geh.-Rat Haeuser an dessen Spitze und leitete ihn mit größter Umsicht und Tatkraft.

Filchner in Bad Homburg.

Der deutsche Nationalpreisträger Dr. Wilhelm Filchner traf zu einem längeren Erholungs­aufenthalt in Bad Hornburg ein, in dessen Kur­park bereits 1930 ein Brunnen zu Ehren des gro­ßen Forschers errichtet wurde.

An der Bergstraße blühen die Mandelbäume.

Die ersten Frühlingsboten haben an der Berg­straße ihre Knospen entfaltet. Nur wenige sonnige Tage waren notwendig, um die Mandelbäume zum Blühen zu bringen. Auch am Südhang des Heiligen Bergs bei Heidelberg stehen neben den Forsythien die Mandelbäumchen in der ersten Blüte.

Verheerende Wirbelstürme in USA.

Große Teile der Bundesstaaten Alabama, Missis­sippi, Tennessee, Arkansas, Missouri und Illinois wurden von Wirbel stürmen heimg-esucht, die beträchtlichen Schaden anrichteten. Hunderte von Wohnhäusern und zahlreiche andere Gebäude, dar­unter Kirchen und Schulhäuser, wurden zerstört. Telegraphen- und Telephonverbindungen sind unter­brochen. Bisher wurden zehn Leichen ge­borgen, ftooon sieben allein in Bellville (Illinois). Viele Personen wurden verletzt.

Zwölf Tote

bei einem Zugzusammenfloß auf Sizilien.

Ein schweres Verkehrsunglück ereignete sich in der Nähe von Catania auf Sizilien, wo ein Schnelltriebwagen in voller Fahrt durch falsche Weichenstellung auf einen Güterzug stieß. Dabei kamen zwölf Fahrgäste ums Leben. Vier trugen mehr oder weniger schwere Verletzungen davon.

Umfangreiche Vesördernngen in der Wehrmacht

Nie Generale von Rundstett und von Bock zu Generalobersten befördert.

Wien, die Wehr im Osten.

Don der deutschen Sendung der österreichischen Hauptstadt.

Don Hans Sturm.

Wenn man vom Stephansdom den Blick hin­gleiten läßt über die Helle Ebene des weiten Wiener Beckens, dann versteht man, schon von der Boden- gestaltung her, warum römische Legionäre gerade hier ein befestigtes Standlager errichtet haben, aus dem sich eine Siedlung entwickelte. Wo die Donau die Mauer zwischen Westen und Osten durchbricht und das Marchtal den Weg vom Norden zum Süden ebnet, nur hier konnte Wien aufblühen und werden, was es geworden ist: Stapel- und Umschlageplatz zwischen Abend- und Morgenland.

Als im sechsten Jahrhundert das oströmische Kaiserreich unter der Regierung Justinians einen ungeahnten Aufschwung nahm, erhielt auch die Donausiedlung Größere Bedeutung. Byzanz hatte die verlorene Westhälfte des Imperiums erneuert und konnte nun fein Augenmerk vom Westen zum Osten richten, wo es neue Betätigunasmöglichkeiten fand; jetzt wuchs Wiens Bedeutung für das Abend­land, als Treffpunkt der germanischen Völker mit den Römern und Slawen, und (wegen seiner ge­schützten Lage) als sichere Bastion gegen fremde Kriegshorden.

Seit dem Beginn der deutschen Geschichte hat sich der Südosten in engem Zusammenhang mit der Entstehung des deutschen Staatswesens entwickelt, aber er war nicht nur nehmender, sondern auch gebender Teil für das Deutschtum. Hier wur­den die germanischen Stämme, durch die griechisch- römische Antike und das Christentum gewandelt, zu Deutschen, zu einem neuen Volk, in dem die Stimme des Blutes immer wieder, zumal in Augen­blicken der Bedrängnis, aufwacht.

Karl der Große erkannte die Wichtigkeit des Donaulandes und. veranlaßte, daß um das Jahr 800 Wien zur Residenz der Markgrafen der Ost­mark erhoben wurde. Auf seinem Kriegszug gegen die Avaren, die er bis hinter die Raab zurück­drängte, würbe die Sprache in dem fränkisch­germanischen Heere Karls zum erstenmal als deutsch" bezeichnet. Dem Frankenkaiser ist auch die Vereinigung des Landes unter der Enns (Austria) mit Deutschland zu danken; er bestellte einen Reichsherold, der in Wien seinen Sitz hatte und regelmäßige Berichte senden mußte.

Unter den Babenbergern, einem alten deutschen

Fürstengeschlecht, kam Wien zu blühendem Wohl­stand; seine Bedeutung für den Handel zwischen Europa und Asien wuchs ständig, auch die geistigen Güter wurden nicht vergessen. Unter Friedrich dem Streitbaren, mit dessen Tode die Linie der Baben­berger erlosch, wurde Wien im Jahre 1237 Freie Reichsstadt. Die Befestigungen wurden er­weitert und erneuert, breitere Straßen angelegt und weit vor den Stadttoren Türme und Bastionen gebaut; damals erhielt die Donaustadt den Namen einerdeutschen Wehr im Ost e n", den sie sich noch in heißen Kämpfen verdienen mußte.

Schicksalsvoll wurde für Oesterreich das Haus Habsburg, das mit Rudolf von Habsburg zu herrschen begann. Ferdinand I. erhob nach seiner Thronbesteigung im Jahre 1531 Wien zur Resi­denz der Römischen Kaiser Deutscher Nation. In Gesinnung und Bildung wurde er durch die Macht des deutschen Südostens bestimmt und träumte den Traum eines mitteleuropäischen Reiches, allerdings in einer lauteren Form, die nicht zu verwirklichen gewesen wäre. Gerade er mußte die erste große Belagerung Wiens (1529) erleben, ihn hatte das Geschick ausersehen, den Feind des Abendlandes, die Türken, durch die Grenzfeste Wien abzuwehren.

Um die geschichtliche Bedeutung der Türkenkriege deutlich zu machen, muß man sie in die großen Auseinandersetzungen zwischen dem Abendland und den aus Asien hereinbrechenden Völkern einordnen. Die Horden der Hunnen sind bis Nordfrankreich, die Mauren bis Südfrankreich vorgedrungen, die Avaren wurden in den Sudetenländern, die Sar- maten in Süddeutschland geschlagen, der Mongolen­sturm wurde in Schlesien (bei Liegnitz) gebrochen, die Türkengefahr jedoch drohte jahrhundertelang in breitester Front vom Mittelländischen Meer bis weit in den deutschen Südostraum hinein.

Die Türken, Abkömmlinge turanischer Wüsten­stämme, hatten im dreizehnten Jahrhundert das griechische Kleinasien unterworfen und waren von dort nach Persien, über den Balkan in die mittel­ländische Inselwelt und in das untere Donauland eingedrungen; 1521 eroberten sie Belgrad und machten sich fünf Jahre später Ungarn tribut­pflichtig. Die Eroberungslust des mächttgen Sultans Soli man wurde noch gefördert durch die Un­

einigkeit der deutschen Stämme. Die Zeit schien ihm günstig; war Wien in seiner Hand, wäre ihm der Westen untertan. Während sein Heer mit einem Riesentroß donauaufwärts zog, waren von den Reichs- und Erblandständen in letzter Stunde, vor allem unter dem Eindruck der Worte Luthers, daß Alt- und Neugläubige gleichermaßen in solcher Not zu Hilfe an den Kaiser verpflichtet seien,eilende Hilfen" geschickt worden; auch ein Reichsheer von etwa 60 000 Mann zog im Oktober nach Wien, das am 26. September von den Türken vollends ein­geschlossen war. 200 000 Janitscharen waren in sech­zehn Lagern zu 30 000 Zelten halbmondförmig, auf die Donau gestützt, von Schwechat bis Nußdorf verteilt. An der Stelle des heutigen Wiener Zentral­friedhofes stand das von 12 000 Janitscharen be­wachte, von der grünen Fahne des Propheten überragte riesige Zelt des Sultans. 400 Kanonen, Feldschlangen und Singerinnen, donnerten gegen die Stadt, d - von 20 000 Landsknechten verteidigt wurde, gefii t von Graf Niklas vom Salm, dem Urbild eines damaligen Feldobristen. Schon standen die Janitscharen in den zerstörten Wiener Vorstädten sturmbereit, da erschienen auf den um­liegenden Höhen Abteilungen von Entsatztruppen, und eine starke Vorhut kündigte das Reichsheer an. Die Türken versuchten dort, wo die Festungs­mauern bedenkliche Lücken zeigten, zu stürmen, wurden aber von den starrenden Spießen der Ver­teidigung zurückgehalten. Nach dem erfolglosen Sturm am 14. Oktober 1529, an dem Graf Sa-lm von einem stürzenden Steinblock tödlich verwundet wurde, gab Soliman mit einem Verlust von rund 30 000 Mann die Belagerung auf und ließ noch in derselben Nacht die Zelte abbrechen. Drei Jahre später versuchten die Türken zum zweitenmal Wien zu belagern, wurden jedoch schon vor den Mauern der kleinen ungarischen Grenzstadt Güns ent­scheidend geschlagen.

Dreizehn Jahre später fiel Ofen und kurze Zeit daruf ganz Ungarn in die Hände der Türken. Wien selbst blieb auf viele Jahrzehnte hinaus verschont; erst im Jahre 1664 zog der Großwesir Achmed K ö p r ü I ü gegen die Donaustadt, wurde aber bei Mogersdorf St. Gotthard an der Raab zurückge­schlagen. Sein Nachfolger Kara Mustapha wollte nicht nur die verhaßte Grenzfeste einnehmen, sondern auch Statthalter von Wien werden. Das Haus Oesterreichs wandte sich an den Papst Inno­zenz III., der im März 1683 eine Allianz zwischen dem Kaiser, Venedig und Polen zusammenbrachte; auch die meisten deutschen Reichsfürsten sagten Waffenfolge zu. Im Mai war ein Heer von 40 000 Mann unter der Führung des Herzogs Karl von Lothringen in der Nähe Wiens bereit,

dem anrückenden Feind den Weg zu verlegen. Am 7. Juli erschien die türkische Vorhut bei Petronell, worauf der Hof flüchtete; am 13. Juli gingen die Wiener Vorstädte, wie 1529, in Flammen auf, zwei Tage später war die Stadt in großem Bogen von St. Max bis Nußdorf eingeschlossen von 150 000 Janitscharen. Karl von Lothringen wartete auf die Entsatztruppen und verhinderte nach Möglichkeit die Verbindung der Türken mit ihren Hilfsvölkern. Kara Mustapha griff die Stadt nicht in der ganzen Breite an, sondern beschränkte sich auf bestimmte Teile, z. B. auf die Burg- und Löbelbastei und das Burgravelin. Am 12. August setzten die An­griffe stärker ein, die Lage in der Stadt wurde schwieriger, die Vorräte gingen zu Ende, viele von den Besatzungstruppen (11 000 Soldaten und 5000 Bürger) waren tot ober krank, Seuchen drohten. Der Kommandant Rüdiger Graf Starhem- b e r g und der Bürgermeister von Liebenberg feuerten immer wieder die Kämpfenden an und waren überall, wo es galt, zu ermuntern, zu helfen ober einzuspringen. In der Nacht vom 11. 3um 12. September flammten auf den Höhen des Kahlenberges die Feuerzeichen des großen Entsatz­heeres auf. In der Morgenfrühe stiegen die Kaiser­lichen nach einem gemeinsamen Gebet in die Ebene. In zwölfstündigem Kampf neigte sich der Sieg dem Christenheer zu. In wilder Flucht ließen die Türken Waffen, Geschütze, kostbares Gerät, Zelte und viele Gefangene zurück. Am Abend läuteten alle Glocken der Kirchen über der befreiten Stadt.

Diese heldenhafte Stadt ist einmalig in der Ge­schichte des südostdeutschen Stammes in Oesterreich und erhält einen besonderen Glanz dadurch, daß in der notvollen Stunde der Entscheidung, als dic Kraft des einen Stammes allein zu erliegen droht, alle deutschen Gaue sich zusammentun, um den Südosten vor dem Untergang zu bewahren. Die Abwehr des Türkensturms vor Wiens Toren war eine Entlastung des Ostens, die gleichzeitig eine Schwächung des welschen Druckes im Westen ver­anlaßte; und es ist kein bloßer Zufall, daß der siegreiche Prinz Eugen ein überragender Kämpfer fürs Reich wurde und Wien zur Wahl- Heimat machte.

Jahrhunderte kamen und gingen, Gestalten stiegen auf und schwanden, Schatten standen dazwischen und verblaßten wieder, Wien blieb Umschlagsplatz für materielle und geistige Güter, und damals wie heute liegt über ihm ein weiches, aber bestimmen­des Fluidum, in dem sich alle Stimmen einen. Die Stadt, die Aderlaß und Blutwechsel erfuhr wie keine andere, wird bleiben eine deutsche Wehr im Bewußtsein ihrer deutschen Sendung!