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irSG. „Kraft durch Freude", kreis Gießen, Theatervorstellung.
Samstag, den 19. Februar 1938, Beginn 20 Uhr, kdF.-rNiete, Gruppe I (10. Vorstellung)
„Lady Windermeres Facher".
Komödie in 4 Akten von Oskar Wilde.
Eintrittskarten zu —.90 und 1.— R2TL sind in der Verkaufsstelle Seltersweg 60 und bei den Be- triebswarten erhältlich.
Omnibusfahrten.
Am Sonntag, dem 20. Februar 1938, findet eine Omnibusfahrt nach dem hoherodskopf statt. Fahrkarten zum Preise von 2,40 R2V. sind erhältlich Seltersweg 60.
Am 28. Februar 1938 fahren Omnibusse zum Rosenmontagszug nach Mainz. Fahrpreis beträgt 4,40 RR1. Anmeldungen Seltersweg 60. 1014D
Stadttheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute, 19.30 Uhr, findet die erste Wiederholung von „Clivia", Operette von Nico Dostal, statt. Musikalische Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Karl- Ludwig Lindt. Tänze Irmgard Zenner. Mittwoch- Miete, 20. Vorstellung. Ende 22.30 Uhr.
Gastspiel von Mary Wigman im Stadttheater.
Am Donnerstag, 17. Februar, 20 Uhr, findet ein einmaliges Tanzg ast spiel von Mary Wigman statt. Das Programm bringt u. a. Tänze aus der „Spanischen Suite", aus dem Zyklus „Opfer" usw. Am Flügel: Hanns Hafting. Außer Miete!
Hitler-Zugend Bann 116 Gießen
Betr.: Arbeitstagung aller Unterbannführer und Gefolgschaftsführer am kommenden Freitag, 18. 2.
Am kommenden Freitag, 18. Februar, findet um 20.30 Uhr auf der Dienststelle des Vannes 116 eine wichtige Arbeitstagung aller Unterbannführer und Gefolgschaftsführer statt. Entschuldigungen werden keine angenommen.
HZ., Bann und Zungbann 116.
Am Sonntag, 20. Febr., findet um 10 Uhr im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, als erste Jugendfilmstunde die Aufführung des Filmes „Standschüße Bruggler" statt. Die Karten sind von den Einheiten in Sammelbestellungen bei der Verwaltungsstelle abzuholen und kosten —.20 RM.
BOM-Untergau 116.
Dienstbefehl für den Standort Lich!
Der gesamte Standort Lich tritt heute, Mittwoch, 16. 2., um 20 Uhr, am Heim zum Appell durch die Untergauführerin an. Die Schaftsführerinnen sind bereits um 19.45 Uhr angetreten.
BOM- u. ZM.-Unrerg^u 116, Gießen.
Betr.: Groß-Konzert der Wehrmacht.
Zu dem am 19. 2., morgens 10 Uhr, stattfindenden Groh-Konzert der Wehrmacht treten alle gemeldeten Mädel- und Jungmädel des Standortes Gießen Punkt 9 Uhr in der Gartenstraße am Lud- roigsplatz in Kluft an. Auswärtige Schülerinnen der Gießener Schillen können auch in Kluft mit antreten.
Betr.: Arbeitsgemeinschaft der f)3.
Am Freitag, 18. Februar, findet im MHI.-Heim um 8.30 Uhr abends die Arbeitsgemeinschaft über „Zucht und Ordnung" statt.
Betr.: Jugendfilmstunde.
Die Karten für die am 20. Februar, morgens um 10.30 Uhr, stattfindende Jugendfilmstunde „Standschütze Bruggler" zu 0,20 Mark müssen bis spätestens Donnerstag, 17., am Untergau abgerechnet werden. Die zahlenmäßige Meldung muß spätestens abends von den Gießener M - und IM.-Gruppen, sowie Dienstag von 17, 18 und 19/116 am Untergau vorliegen.
ehrmacht für das WHW
Tag der
3.
4.
der
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6.
6.
7.
8.
Lotterieglück auf dem Küpreß-Fest
7.
Am gestrigen Dienstagabend besuchte auch ein
2. Uebermitteln einer Meldung durch
n pt sck iVde^e Nack r Mitt el Meldung -Grauer Glücksmann" de'r Reichswinterhilfe-Lotterie «nb X?“b Do “'@0^0^ naTsulJn. anberon Ißoltogenoifen Glück zu bringen Unb b» tont Oier Funkstelle, übermittelt noch Gegenstelle
1.
2.
preisausgaben der Llniversität!
„Schädigung und Regeneration der Menisken im Kniegelenk". .
Aus dem Gebiet der veterinarmedizlnilchen Fakultät: „Vergleichende Untersuchung der Blutgefah- versorgung bei Nieren der Haustiere und deren Bedeutung für die Nierenfunktion".
Aus dem Gebiet der philosophischen Fakultät: „Das Siedlungsgebiet im westlichen Vogelsberg nach Boden, Klima und Besitzverhältnissen betrachtet'.
Voraussetzung für die Bewerbung unter II ist, daß die zu 1. Genannten mindestens im Jahre 1938 oder im Wintersemester 1938/39 an der Universität im Amte stehen, für die zu 2. Genannten, daß sie ihre Studien zu einem erheblichen Teil an der Universität Gießen gemacht haben.
Die Preisarbeiten müssen in deutscher Sprache geschrieben sein und dürfen nur einen Verfasser haben. Die Arbeiten sind nach Wahl der Verfasser entweder unter Nennung des Verfassers, oder in der für die Bewerbung um die staatlichen Preisarbeiten
üblichen Form vor dem 15. Februar 1939 beim Universitäts-Sekretariat einzureichen. Frühere Studierende haben dabei den Nachweis zu liefern, daß die Voraussetzungen der Bewerbung erfüllt sind.
Ueber die Zuerkennung der Preise entscheidet die Pflegschaft auf Grund von Gutachten der Fakultäten. Die Urteile werben bei der feierlichen Rektoratsübergabe am 1. April 1939 verkündet. Die eingereichten Arbeiten bleiben Eigentum der Verfasser.
Die Preise betragen: für die Gruppe I je 300 RM., für die Gruppe II je 600 Reichsmark.
taufte nämlich einem Küpreß-Besucher ein Los, auf das der nette Gewinn von hundert Mark entfiel.
erhoben.
Zeit: 9.30 Uhr, 10.30 Uhr, 12 Uhr.
5. Volksbelustigung, Kinderreiten, Krümperwagenrundfahrten und Kleinkaliberschießen.
Von der Pressestelle der Ludwigs-Universität Gießen wird uns mitgeteilt:
Aus dem Zinsertrag der Osann-Beulwitz- Stiftung der Universität Gießen werden Reise- sl i p e n d i e n für Studierende und andere wissenschaftlich-gebildete Bewerber aller Fakultäten vergeben. Die Bewerber müssen eine von der Pflegschaft ausgeschriebene Aufgabe bearbeitet und dafür den Preis erhalten haben. Die Preisaufgaben für das Jahr 19 3 8/39 find folgende:
I. Für Studierende, die im Jahre 1938 oder im Winter 1938/39 mindestens ein Semester an der Universität Gießen immatrikuliert sind:
Aus dem Gebiet der theologischen Fakultät: „Es ist zu untersuchen, wie sich die Lehre von den letzten Dingen (Eschatologie) zum modernen Weltbild verhält."
Aus dem Gebiet der j u r i st i s ch e n Fakultät: „Es wird gewünscht eine Aufnahme, Beschreibung und rechtsgeschichtliche Würdigung der Rechtsaltertümer in Öberhessen und Starkenburg. Die Aufnahme usw. kann sich auf eines der genannten Gebiete oder auf bestimmte Gruppen von Gegenständen und Erscheinungen beschränken."
Aus dem Gebiet der medizinischen Fakultät: 1. „Prüfung kleinster Joddosen bis zur
von 9 bis 12 Ahr.
Durch eine Schützenkompanie Kleinkaliberschießen mit Gewehr 98 auf den Kleinkaliberschieh- ftänben.
Durch eine MG -Kompanie Vorführungen eines zweispännigen Zuges im Exerzieren, formalen Instellunggehen auf dem Kasernenhof.
ferne — Rödgen.
Zeit: 11 bis 11.20 Uhr. Zwei Unteroffifiiere erklären den Zuschauern den Vorgang.
Zuschauer: Aufstellung hinter dem Stall Batterie.
1. Eine Batterie fährt in Feuerstellung Nähe Handgranatenwurfstand, Schußrichtung Eule.ikopf, im Trabe ein. Voraus im Trabe und Galopp Batterietrupp, 6 Reiter und Kabelpferdführer, Leitung legend. „600 Strich Salve!" (Manöoerkartusche).
Einlage: Gasbeschuß auf Feuerstellung, dargestellt durch Knallkörper. — „Gas? Ganze Batterie 300 Strich 2 Gruppen!" „Gasmasken ab!" „Halt Stellungswechsel!" — Batterie fährt aus Richtung Eulenkopf auf Landstraße Artillerie-Ka-
homöopathischen Verdünnung auf den Stoffwechsel." 2. „Der Papillarkörper der menschlichen Haut."
Aus dem Gebiet der veterinärmedizinischen Fakultät: „Entwicklung„unb Jnfektions- weg bes Hakenwurms beim Schaf."
Aus bem Gebiet ber philosophischen Fakultät: 1. „Die Stellung ber deutschen Herrscher zur deutschen Sprache." 2. „Das Nachleben von Lucans „Pharsalia" in der englischen Literatur." 3. „Zur Biologie der Baumrinden bewohnenden Pilze des deutschen Waldes sind neue Beiträge zu liefern." 4. „Das Klimg des Westerwaldes."
II. Für andere wissenschaftlich gebildete Bewerber, und zwar:
1. Dozenten der Universität Gießen, soweit sie nicht ordentliche ober planmäßige außer- orbentliche Professoren sind, die wissenschaftlichen Beamten der Universitäts-Bib.liothek, die Assistenten der Universität, soweit sie nicht Studierende sind, die Lektoren und Repetenten:
2. Frühere Studierende der Univer- sitätGießen:
Aus dem Gebiet der theologischen Fakultät: „Verkündigung, Gemeinde und Lehre".
Aus dem Gebiet ber medizinischen Fakultät:
(JHL Sehersweg Nr. 67
3(jiO Telephon Nr. 3170
eparaturen .hs/i?
Wehrmacht, der in diesem Jahre unter bem Stichwort „Wehrkreis IX im Dienste des WHW." stehl, bittet der Standortälteste, Generalleutnant O ß - wald, alle Volksgenossen von Gießen und Umgebung aus Stadt und Land, im Interesse der guten Sache wieder recht gebefreudig zu sein und die geplanten, durch Anschlag und in den Zeitungen bekanntgegebenen Veranstaltungen des Standorts Gießen am 19. und 20. Februar 1938 durch zahlreichen Besuch zu unterstützen.
Grvßwnzert am Samstagabend
Die Vorbereitungen unserer Gießener Garnison zum „Tag der Wehrmacht für das WH W." lenken immer stärker die Aufmerksamkeit aller Volksgenossen auf sich. Als erste große Veranstaltung findet amSamstagabendinderVolks- halle, um 20 Uhr beginnend, ein Groß-Kon- zert von vier Musikkorps und vier Spielmanns- zügen statt. Damit den Besuchern dieses Konzerts der Aufenthalt in der Dolkshalle trotz der winterlichen Temperatur angenehm fein wird, soll die Volkshalle vom morgigen Donnerstag früh ab ununterbrochen Tag und Nacht bis Samstag abend geheizt werden, damit in der Halle wohltuende Wärme die Besucher umfängt. Man kann also auch nach dieser Richtung hin den Besuch des Konzerts nur empfehlen.
Mimische Vorführungen am Sonntag.
Für den Sonntag sind folgende militärische Vorführungen vor den Besuchern geplant:
Infanlerie-Regimenk 116 (Berg- und Waldkaferne)
Appell an die Bevölkerung in Stadt und Land!
Anläßlich des bevorstehenden Sammeltages
Durch 13./116 Vorführung eines bespannten l. JG.-Zuges im Exerzieren, formalen Instellunggehen und Schießen auf bem Kasernenhof.
Durch 14./116: a) kraftfahrsportliche Vorführungen; b) Vorführung eines Pak-Zuges (mot. Zug) im Exerzieren, Fahren und Instellunggehen; c) Kleinkaliberschießen mit P.-Kanonen.
Durch Regiments-Reiter-Zug Ins.-Regt. 116: Vorführung einer Reitabteilung in der offenen Reitbahn Bergkaserne, anschließend Gelegenheit zum Reiten für Kinder der Besucher.
Durch Regiments - Nachrichten - Zug: In der Bergkaserne Vorführung der Arbeit eines Tornister-Funktrupps.
Kleinkaliberschießen für Besucher (außer Kinder) auf sämtlichen Kleinkaliber-Schleßstanden der Kasernen.
Kinderreiten bei allen bespannten und berittenen Einheiten. _
Rundfahrten durch die Kasernen mit Krumper- fahrten und Kraftfahrzeugen.
Artillerie-Kaserne.
Dem glücklichen Gewinner wurden die hundert Emmchen sofort bar ausgezahlt, damit er auf keinen Fall Mangel an „Munition" habe. Es lohnt sich also immer wieder, den „Grauen Glücksmännern" Lose abzukaufen, die viel Freude bereiten.
DHL auf Wanoerung.
Dom VHC. Gießen wird uns berichtet: Die nach unserem Wanderplan für den 20. Februar festgelegte Wanderung haben wir bereits am vergangenen Sonntag durchgeführt, um unseren Mitgliedern # am kommenden Sonntag Gelegenheit zu geben, sich die Uebertragung ber Reichstagssitzung anzuhören.
Die Wanderung stand diesmal unter dem Motto, wie es in einem unserer schönen Wanderlieder heißt: „Wenn die Winterstürme toben, bleiben wir auch nicht zu Haus; solchen Wanderer muß man loben, den nicht schrecket Wettergraus".
Das bewiesen die 50 Teilnehmer, die sich am Ausgangspunkt ein gefunden hatten. Don ber Straßenunterführung Ederstraße gingen wir auf bem Weg, welcher nach Wißmar führt, ber Lahn entlang nach der Babenburg. Scharfer Wind stellte sich uns entgegen, dem wir aber trotzten, und Belohnung fanden die Wanderer an bem Anblick des zu unserer Linken sich dahinziehenben Höhenrückens mit Burg Gleiberg unb Wettenberg. Wir folgten von ber Babenburg der Markierung „Rund um Gießen" — rote Ringe —, überquerten die Straße nach Lollar unb gelangten durch den im schönsten Winterklevde liegenden Hangelstein nach ber „Ludwigsburg", wo wir ausgiebig Mittagsrast hielten. Weiter ging's dann auf der Straße nach Trohe, wo uns in bem weiten Wiesecktal der Wind tüchtig um die Ohren brauste. Wir durchschritten den kleinen Ort in Richtung Rödgen und hatten auf der Anhöhe hinter dem Dorf einen prachtvollen Rundblick auf die schneebedeckten Fluren mit bem im Hintergrund sich mächtig erhebenden Dünsberg. An einer mehr als tausendjährigen Eiche, die von einer Bank umgeben ist, machten wir kurz Halt. Man erzählt.
am Zaun. Bon dort Meldeläufer nach Ausgangs- sprechstelle. Zeit: 11.30 bis 12.00 Uhr.
3. Reiten der Remonteabteilung der 8. Battr. in Bahn 8./9. Battr.’ Zeit: 12.00 bis 12.15 Uhr.
4. Führung durch bie Kaserne: Es wird gezeigt: Stall, Reitbahn, Batterie-Block einer Batterie, bie durch die Vorführungen nicht beansprucht werden. Eintrittsgeld wird an der Kasernenwache
Oie Mädchen ans der Bu» gstraße.
Vornan von Hilde K Lest.
18. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Sie irren sich bestimmt nicht?" wollte Lisbeth wissen. Sie hatte sich wieder gefaßt unb lächelte stillvergnügt vor sich hin.
„Nee, ba gibt's keinen Irrtum, aus reiner Menschenfreundlichkeit ist die Olle nicht unter die Dampfkesselfabrikanten gegangen, zumindest nicht aus Menschenfreundlichkeit für uns."
„Die Arme!" sagte Lisbeth, „mir schwant, daß sie das Opfer eines fürchterlichen Irrtums geworden ist, weil der Affesfor nie den Mund austut und weil sie ja auch niemanden ausreden läßt."
„'n Irrtum soll das sein?"
„Klar. Es gibt nur diese eine Möglichkeit, eine schreckliche Möglichkeit. Sie hält mich für Carla oder Carla für Lisbeth, wie man's nimmt. Sie glaubt einfach, ich fei diejenige, die sich ihr Sohn in den Kopf gesetzt hat. Und nun muß ich also das zweitemal in den sauren Apfel beißen und sie auf« klären. Denn ich kann Ihres Dampfkessels wegen doch nicht den Assessor heiraten, unb er wirb vielleicht auch nicht roilb darauf fein."
„So", fagte Frau Hedwig trocken, „Sie laufen also so schnell wie möglich dahin, damit die Justizrätin ihre 20 000 Mark wieder zurückzieht. Damit uns, Gott behüte, nicht geholfen wird ..."
, „Frau Macher, wollen Sie von mir verlangen ..."
„Verlangen? Nichts zu verlangen, nur ... zu bitten."
„Wir können doch die Juftizrätin nicht anlügen?"
„Wer hat sie angelogen? Haben Sie ihr gesagt, daß Sie ohne den Assessor nicht leben können? Haben wir etwa gesagt: Frau Justizrätin, her mit den 20 000 Mark, sonst geht uns Lisbeth bircftemang in bie Spree? Nee, wir finb gar nicht zu Wort gekommen. Unb überhaupt — wir brauchen boch gar nichts zu wissen. Sind wir verpflichtet, das bißchen Grips im Kopf zu haben und die Zusammenhänge zu ahnen?"
„Gut", sagte Lisbeth, „ich weiß von nichts. Aber das eine wiederhole ich Ihnen nun erst recht: mit bem Geld will ich nichts zu tun haben. Mögen die Juftizrätin und ihr Sohn mit dem Geld machen, was sie wollen. Ich lasse die Finger davon. Sonst —
sonst käme ich mir doch ein wenig wie eine Betrügerin vor ..."
Als Dr. Mansfeld kam, hielt sie ihm einen ausführlichen Vortrag über die gefährliche Lage des Unternehmens. Als er aber wissen wollte, wo denn nun die Hebel anzusetzen feien, zuckte sie nur bie Achseln. „Mit Geld umgehen, mein lieber Doktor, das kann ich nicht. Wo unb wann sollte ich es gelernt haben?" Und sie beeilte sich, unter irgendeinem Vorwand das Weite zu suchen.
*
An Mutter Lenzens Tafelrunde herrschte Gewitter- ftimmung. Der Assessor hatte sich entschuldigen lassen, er sei mit Arbeit überlastet. Lisbeth bemühte sich, zu erklären, daß es für ihn wirklich schwer sei, sich mit einer so völlig fremden Materie vertraut zu machen. Sie fand dabei aber nur die aufmerksame Zuhörerschaft ber ältlichen Fräuleins, bie immer roieber in den Ruf ausbrachen — „nein, wie sich doch der Herr Doktor um alles bemüht, was zum Haufe Lenz gehört!"
Ursel würgte tapfer an ihrem Essen und konnte boch nicht verhindern, daß sie einen roten Kopf bekam, als vom Assessor die Rede war. Jedes Wort, das Lisbeth unbefangen über ihn sprach, war ihr ein Stich ins Herz. Sie konnte sich nicht erklären, wo bie Schwester diese Verstellungskünste her hatte. Und Carla saß wie ein unbeteiligter, unbekannter Gast am Tisch. Niemand sollte merken, daß die Zurückhaltung des Assessors, der es so offenkundig mied, mit ihr zusammenzutreffen, eine schwere Kränkung für sie bedeutete. Sie zog mit abweisenden Blicken strenge Schranken um sich, und jeder, den die Blicke trafen, hütete sich, das Wort an sie zu richten. Sogar die ältlichen Fräuleins verstummten schließlich. Und Mutter Lenz bemühte sich vergeblich, Gespräche über belanglose Dinge anzufangen. Sie sah fassungslos von einem zum andern, von Lisbeth auf Carla, von Carla auf Ursel, und wenn sie auch die Zusammenhänge nicht ahnen konnte, so sagte ihr doch das mütterliche Herz, daß das mit dem Assessor so nicht wei- tcrgingc. Sie beschloß, ein ernstes Wörtlein mit ihm zu reden.
Vorerst aber trat ein Ereignis ein, das den „Fall Mansfeld" in den Hintergrund treten ließ. Ein neuer Gast ward gemeldet, und Frau Lenz ging hinaus, ihn zu begrüßen. Als sie wiederkam, hatte ihr Gesicht einen verstörten Ausdruck, unb sie warf einen flehenden Blick auf Carla, ehe sie den Gast, der hinter ihr in die Stube trat, bekannt machte.
„Darf ich den Herrschaften einen neuen Gast vorstellen — Herr Professor Mollwitz aus Stockholm!"
Die anwesenden Herren rückten ein wenig an ihren Stühlen, die ältlichen Fräuleins bohrten neu
gierige Blicke in den Ankömmling, und so konnten sie den Blitz nicht bemerken, ber, wütend und Schweigen befehlend, aus Carlas Augen auf Mollwitz abgefchos- fen wurde. Der Professor hatte gerade den Mund aufgetan, und todsicher hatte er, zu Carla gewandt, sagen wollen, wie entzückend er es finde, sie hier wieder zu treffen. Aber jetzt klappte der Mund wieder zu und formte sich nur zu einem höflichen Lächeln. Mutter Lenz dirigierte ihn geschickt auf einen freien Platz zwischen den ältlichen Fräuleins, und so war fürs erste eine Katastrophe vermieden.
Aber der Professor mußte, da er zu spät zum Essen gekommen war, schließlich auch als letzter gehen, und man mußte nun wohl oder übel seine Erklärung in Kauf nehmen. Sie war entwaffnend durch ihre Offenheit. Carla hatte irgendeine Ausrede erwartet, — nichts von all dem trat ein.
„Fräulein Carla", sagte er in dozierendem Ton, „ist böse geworden auf mich und hat genommen nach Hause einen schlechten Eindruck von einem Mann, der sich lieber sollte beschäftigen mit alten Statuen und nicht mit jungen Damen. Ich habe lange überlegt,'wie ich das gutmachen soll. Ich habe beschlossen, zu sein wieder Professor, wenn ich nichts tauge als Umgang für junge Damen. Um zu zeigen, daß ich nun wieder Professor bin, nur Professor, bitte ich, hierher kommen zu dürfen einige Tage, um zu zeigen, daß ich vermag mich gut zu führen wie alle Herren Kollegen, die vor mir die Ehre gehabt haben, bei Frau Mutter Lenz zu speisen. Darf ich?"
„Bei mir ist jeder Gast willkommen", sagte Mutter Lenz. Und sie überlegte, ob das nun Frechheit sei ober wirklich das etwas schrullige Bemühen eines Mannes, ber bartun will, daß er den Korb, den er bekommen hat, überstehen kann. Da hörte sie Carla sagen:
„Wozu die Erklärungen, Herr Professor? Wir waren immer offen zueinander, ich habe nie erwartet, daß sie sich vor mir verstecken würden. Ich tue es ja auch nicht!" Dabei reichte sie ihm die Hand und zeigte ein so liebenswürdiges Lächeln, daß Mutter Lenz fassungslos den Kopf schüttelte. Dieses Mädel, die Carla, hatte sich wahrhaft in einer unfaßbaren Weise in ber Gewalt!
Wenn aber ben Professor Carlas Liebenswürdigkeit nicht überraschte, so überraschte ihn ganz gewiß der Zusammenprall mit einem jungen Mann, der just zur Haustür hereinwollte, als Mollwitz hinaus- ftrebte. Dieser junge Mann hieß Karl Viereck, und sein Ausruf: „Sie hier?!" kam ihm aus dem Herzen.
„3ft das so erstaunlich?" fragte der Professor kampfeslustig. Aber Herrn Viereck stand nicht der Sinn danach, den Krieg fortzusetzen, unb er sagte:
I „Mich wunbert gar nichts mehr."
„Ich nehme Sie beim Wort!" erroiberte ber Professor.
„Gut", sagte Viereck belustigt, „ich verpflichte mich, mich über nichts zu munbern, was Sie unb Fräulein Carla betrifft."
Der Professor legte den Kopf schief zur Seite und blinzelte Viereck forschend an.
Dann stürmte Viereck die Treppen hinauf, klingelte bei ber Flurnachbarin ber Mutter Lenz unb bat bie überraschte Dame, ihm Fräulein Ursel herauszu- rufen. Es hanble sich um eine Ueberrafchung für die anderen Damen Lenz, daher bie Heimlichkeit. Ursel kam, unb bie Nachbarin zog sich diskret zurück.
„Ich wollte fragen", flüsterte Viereck, „ob Sie mit dem gestrigen Abend zufrieden waren. Wenn man schon ein Mädel schweren Herzens bei einem anderen absetzen muß ..."
„Fragen Sie lieber nicht", sagte Ursel unb sah ihn forschenb an. Wußte dieser treue Kamerad um ihren Schmerz, hatte er sie gestern etwa beobachtet? Sein Gesicht war voll ehrlicher Anteilnahme. Er war ganz gewiß ber einzige Mensch, bem sie ihr Herz aus- schütten konnte.
„Nicht hier ..sagte sie, „hier haben die Wände Ohren."
Viereck las alles, was ungesagt blieb, in ihrem traurigen Gesichtchen.
„So habe ich mir das auch gar nicht vorgestellt, ich habe einen Wagen mitgebracht, und wir könnten — du unb ich — „erinnerst bu dich, wir haben uns'geftern bu gesagt —"
„Komm —", sagte Ursel.
„Wohin?" fragte Viereck, als sie schon beim Brandenburger Tor waren.
„Hinaus! Weit hinaus! So weit du willst."
Viereck träumte von einer Fahrt durchs grüne Thüringen, von fränkischen Spielzeugstädtchen, von einem vergessenen Klostergarten im Schwarzwald und einer stillen Nacht voll duftender Süße. Aber die Wirklichkeit lag näher, unb er empfand keinen Schmerz bei bem Gebauten, daß das Mädel, das heute an feiner Seite saß, gewiß anderes im Sinne hatte als diesen Traum. Er prüfte sich sorgsam, während der Wagen über die Avus flog. Wie kam es, daß Wünschen und Verzichten in ihm so nahe beieinander lagen? Hatte er sich Carla Lenz in jener Nacht im Klostergarten nicht beinahe mit Haut und Haaren verschrieben, und war er wenige Minuten später nicht doch wieder ohne Herzklopfen seines Weges gegangen? Wünschte er nicht den Assessor zum Teufel, bem Ursel nun nachtrauerte, unb war er nicht doch bereit, die beiden zusammenzubringen, wenn es irgendwie ging? (Fortsetzung folgt)


