Ilr.SQ Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen)
Mittwoch, lb. Februar (938
Küpreß war ein schönes Fest!
Aus der Stadt Gießen
Knibs, ich habe
Sie
Ausreden,
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s Theaters. UDcrourgermeijier i1 = n -r. "«. %
sich auch Heuer nicht nehmen lassen, | nisch" war — erstaunlich. Venedig ist überraschend
ter hatte es
Kleine Pause — gleich geht's weiter. (Aufn.: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Tanz mit Ausdauer und Hingabe.
von An
mit zu uns. Ihre Frau
mitten im Gehen stehen. „Mensch, 'ne großartige Idee! Kommen Sie rufe drüben in der Fernsprechzelle Sie müßten durcharbeiten und ..."
„Und ...?"
der bereisten Gegend bekunden. Auch in den Gemälden dieser Periode ist mit dem mittelalterlichen Prinzip der unbedingten Figurenherrschaft gebrochen. Landschaft und Mensch sind nicht mehr gesondert behandelt; als gleichwertige Gestaltungsfaktoren des unendlichen Raumes verschmelzen sie zu einer unlösbaren Einheit. Erst in seinen späten Bildern wagte Altdorfer den Schritt in die freie, von allem Figürlichen entkleidete Landschaft. Was das bedeutet,' kann nur der ermessen, der einen Blick von hier auf das Mittelalter, dem der Meister geburtsmäßig noch verbunden ist, zurückwirft.
Man sollte meinen, er sei ein dem Leben abgewandter, sich in sich selbst verspinnender Sonderling, ein weltfremder Romantiker gewesen. Nichts irriger als das. Zwar wissen wir wenig über seinen Lebensgang, doch so viel ist sicher: als Mitglied des Regensburger Rates nahm er eine angesehene soziale Stellung ein; auch als Architekt — seit 1526 war er städtischer Baumeister — hat er sich betätigt. Als er zum Bürgermeister gewählt wurde, lehnte er ab. Interessant ist die Begründung: ivcU er für den Herzog von Bayern ein Bild — di^ Alexanderschlacht — zu malen hatte, das ihm nicht erlaube, ein öffentliches, mit so viel Arbeit Verbundes Amt anzunehmen. Die Kunst fordert den ganzen Menschen für sich — das Mittelalter hätte dafür wenig Verständnis gehabt.
Bis zu seinem Tode hat Altdorfer fast ununterbrochen in Regensburg gelebt. 3m Februar des Jahres 1538 ist er — man weiß nicht, an welchem Tage — in seiner Vaterstadt gestorben.
Ernst von Niebelschütz.
Der offizielle Teil des Festes begann diesmal erheblich früher als letztes Jahr. Unter den schmetternden Klängen des Narrhalla-Marsches erfolgte der Einzug des Theaters. Oberbürgermeister R i t -
reich an Moden. Aber es gab auch andere Landschaften und Stilarten. Neben Rokoko, Renaissance und Biedermeier behauptete sich das zeitlose Phan- tasiekoftüm, neben der venezianischen Tracht die spanische so selbstverständlich wie die oberbayerische mit kurzer Wichs und Rasierpinsel am Hütchen.
Fm Foyer stand die Tombola Schöne Tombola, große Tombola. Leider zogen wir persönlich lauter Nieten. Es muß auch Nieten geben. Um so reicher die Gewinne: Bilder, Bücher, Stoffe, Freßkörbe,
Kostüme, Kostüme, Kostüme — besonders natürlich die weiblichen. Die Herren der Schöpfung hatten es sich, wie gewöhnlich, großenteils bequemer gemacht, aber eine Mütze, ein Hütchen, eine Blume waren doch allenthalben das wenigste an faschingsmäßigem Aufputz. Was übrigens alles „venezia-
Dornotizen.
Tageskalender für IHiffrood).
Stadttheater: 19.30 bis 22.15 Uhr „Clivia". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Urlaub auf Ehrenwort". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Gewitterflug zu Claudia". — Goethe-Bund und Kaufmännischer Verein: 20 Uhr, Neue Aula, Froher Vortragsabend Friedel Henze „Lachendes Leben". — Kneipp-Bewegung, Gruppe Gießen: 20 Uhr im „Bayerischen Hof" Vortrag „Herzleiden und Kreislaufstörungen". — Oberhessischer Kunstoerein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Einzelnen, der „Persönlichkeit". Eine geistesgeschichtliche Wende von unermeßlichen Folgen. Altdor- f e r muß sie, gleich vielen anderen an dieser alle Werte umwertenden Zeit, wo nicht begriffen, so doch empfunden haben. Jedenfalls ist er einer der ersten, dessen Werk Ausdruck dieses Wandels ist. Er malt kleine, meist nicht mehr für die Kirche, sondern für die häusliche Andacht oder das häusliche Behagen bestimmte Bilder, und diese Bilder wenden sich an den Kenner, den Liebhaber.
An Stoffen, die seiner Neigung für intime Ausmalung einer Situation Nahrung boten, hat es ihm nicht gefehlt. Bibel und Legende zieht er ausgiebig heran; die heiligen Geschichten werden unter seiner Hand zu reich 'ausgeschmückten, familiären Szenen von geringer Feierlichkeit, aber einer Märchenstimmung, deren Zauber sich niemand entziehen kann. Das 'religiöse Thema wird nicht selten ganz beiläufig behandelt, in dem Münchener Susannenbilde etwa, wo es nur Vorwand ist, einen phantastischen Renaissancepalast in die blaue Luft zu türmen. Bei der Geburt Mariae (in Augsburg) interessierten ibn der lustige Engelreigen und die Architektur der Kirchenhalle weit 'mehr als der Legendenvorgang, und wenn er, wie in dem Berliner Gemälde, die heilige Familie auf der Flucht nach Aegypten an einem Brunnen.Rast machen läßt, so ist es vorwiegend der Brunnen, der die Aufmerksamkeit fesselt.' Oder er bemüht die antike Mythologie, indem er Satyrn und Nymphen an einem Waldrand sich lagern läßt, der den Blick auf das ferne Gebirge öffnet. Ueberhaupt wird man immer wieder auf die Landschaft geführt, wenn man Altdorfers wahre Bedeutung erfassen will. Keiner vor ihm hat die Verselbständigung des landschaftlichen Elements im Bilde so weit getrieben, keiner den natürlichen atmosphärischen Erscheinungen am Himmel und dem Farbenspiel der Wolken eine solche Aufmerksamkeit geschenkt wie dieser Kleinmeister. Die Münchener Alexanderschlacht kann in dieser Hinsicht als ein Kabinettsstück vorweggenommener impressionistischer Malerei gelten.
Dabei ist nun freilich nicht zu übersehen, daß Altdorfers Interesse für die Landschaft im Dienste seiner besonderen Raumauffassung steht. Denn eben der Raum, der unendliche, pantheistisch empfundene Raum, im Gegensatz zu dem bühnenmäßig begrenzten der Italiener, war das entscheidende Erlebnis dieser Künstlerseele. Eine 1511 unternommene Studienfahrt donauabwärts scheint den Anstoß zu dieser neuen Art, die Natur zu sehen, gegeben zu haben. Von ihr bringt er Skizzen mit, hie bei aller noch etwas wilden Romantik ein erstaunliches Einfühlungsvermögen in den Charakter
Eine Stunde später bei Schnells. Knibs faltet begeistert die Serviette zusammen. „Also, Frau Schnell, Sie sind eine hervorragende Köchin; aller- dings, Sie verwenden auch Geld an den Haushalt.
„Aber ich bitte Sie, das war doch ein ,Reste« Essertt, Herr Knibs."
„Waaas ... Reste...?"
„Aber freilich. Geben Sie mal gut acht: Gestern hatten wir Reis mit Tomaten und Käse. Was übrig war, habe ich heute in Weißkrautwickel gefügt, gebraten und eine kleine braune Soße aus dem gedämpften Kraut mit Zwiebeln und Mehlschwitze und einem Soßenwürfel dazu bereitet Das ist das ganze Geheimnis! So könnte ich Ihnen hundert ,Reste-Esien' verraten. Es ist ein großer Fehler, einen Braten durch die ganze Woche ziehen zu wollen." m r, £
„Na", meinte Knibs, „da werden ja ,Restetage zum Fest!" L-w-
Zeitschriften.
— Das Problem der erbkranken und asozialen Familien und ihrer Behandlung ist für die rassen- hygienischen Bestrebungen des Dritten Reiches von ausschlaggebender Bedeutung. Die schwierige Frage „Wer ist' asozial?" legt allen Stellen, denen eine Entscheidung obliegt, größte Verantwortung auf. Beachtenswerte Gedanken und Vorschläge zu diesem Problem bringt Professor Dr. M. Staemmler im Februarheft der Monatsschrift „Volk und Rass e" (I. F. Lehmanns Verlag, München 15). Der bekannte Rasfenhygieniker gibt dabei an Hand einzelner Beispiele der echt asozialen Familie, der „anbrüchigen" Familie mit einem asozialen Elternteil und der bewährten Familie mit einem Außenseiter unter den Kindern wertvolle Anhaltspunkte für die Frage, wie wir uns zur Zeit im Rahmen der bestehenden Gesetze zu dem Asozialen zu stellen haben. - -
Flaschen mit und ohne Inhalt — kein Mensch kann uns verlangen, daß wir das alles aufzählen, den verschiedenen Ausschänken herrschte die
sich Mittwochs immer so vor dem Nachhausegehen? Es fällt uns allen im Büro auf"
„Ach..." Knibs wiederholt den klaftertiefen Seufzer, „es ist wegen des Restetags? Essen Sie einmal von Sonntag bis Mittwoch Rindsbraten — und am Schluß sogar noch in Mehlparnpf!"
„Nee, besten Dank, mein Lieber! Nehmen Sie es mir nicht übet, das nennt Ihre Frau Restetag?"
Knibs nickt betrübt. Schnell muß lachen, er bleibt
Ich an.
Kleine rosa Hyazinthe.
Von Margarete von Olsers.
In den Schaufenstern der Blumenläden stehen i Wunder an Hyazinthen, kräftig im Wuchs von gerader, vornehmer Haltung, die Dolden dichtvoll Blüten, die in der Spitze noch schmal und geschlos- ' sen sind. Es ist eine Farbensülle, ein Reichtum an Schönheit, rosenrot, mattblau, weiß, wie crus zartem Porzellan, in seltenem Gelb. Es gibt Blumen, denen von vornherein unser ganzes Herz gehört, es gibt auch bei Blumen so etwas wie eine Viebe aus den ersten Blick. Daß es aber auch eine tiefe Zuneigung geben kann, die allmählich aus dem Zusammenleben und aus freundlicher Fürsorge entspringt, erfuhr ich erst jetzt. Am Ende des Jahres erhielt ich zehn Hyazinthenzwiebeln zum Geschenk und nahm sie zwar dankbar und höflich, aber ohne jede Begeisterung entgegen — wenn schon, warum nicht Tulpenzwiebeln? — und versenkte sie m der Tiefe meines Kellers in dunkler Erde. Niemals hätte ich damals geglaubt, daß mir aus diesen Zwiebeln etwas erblühen könnte, so fuß an Freude, so reich an Erleben, wie ich es nun täglich ersayre, da die Töpfe mit den knospenden Blumen in Reih und Glied an meinem Fenster stehen.
Zwar kann ich mich nicht rühmen Zuchterfolge aufzuweisen wie der Gärtner, der seine Prachtexemplare verkauft. Meine Hyazinthen werden n cyt so hoch und großblumig, aber sie sind so lieblich und voller Überraschungen wie der Frühling seiosi und für keinen Preis käuflich zu haben. Die erste Vollerblühte ist von einem tiefen Rosenrot. Sie war von einer bezaubernden Ungeduld und stand eines Morgens ganz überraschend, lange vor ihren Ge- schwistern zum Leben erweckt, da. Ihre kleinen Blu- ten haben außen gewellte Blätter und einen weitzen Rand, das Rosenrot vertieft sich zur Mitte, öo stand sie unerwartet vor meinen erstaunten Wjn, wie eine Blume, der man plötzlich in der Natur xum erstenmal begegnet, wie die wilde ^Mlvthe am Berghang, lieblich und unschuldig, ein Wunder an fröhlicher Schönheit.
Bei ihrem Anblick tat sich mein Herz aus, jch verstand plötzlich das Wesen dieser Blumen, und von diesem Augenblick an liebte ich in dieser r^nen kleinen rosigen Hyazinthe alle ihres Geschlechtes. Nun kommen noch die anderen, ihre Geschwister an die Reihe, sie beeilen sich, es der Ersterbluhten nachzutun. Sie werden alle schön, die weißen, die gelben, die blauen und das enganeinanöcr geschmiegte Zwillingspärchen in Lichtrosa. Sie fom= men, und jede wird ihr eigenes Gesicht, ihre eigene
jöie kommen mit mir. Keine müssen mit, meine Frau wird sich freuen!"
Gestalt, ihren besonderen Duft, jede ihre Stimme im Chor der Frühlingsblumen haben. Aber ich kann mir nicht denken, daß sie mich mehr entzücken können, als die kleine tiefrofa mit den weißgeran- berten Blüten, diese Erstgeborene unter meinen selbstgezogenen Hyazinthen. M. v. 0.
Oer Maler Albrecht Altdorfer.
Zu feinem 4W. Todestage.
Wer aus dem Umkreise Dürers, Grünewalds und des jüngeren Holbeins in die Welt Albrecht Altdorfers tritt, wird nicht umhin können, sich anderer Maßstäbe zu bedienen. Schon das meist kleine Format der Bilder fordert dazu aus, aber auch ihr geistiger Gehalt, ihre Zielrichtung, ihr Verhältnis zu alldem, was in der Frühzeik des 16. Jahrhunderts für darstellungswürdig gehalten wurde. Nichts von der ethischen Tiefe Dürers, nichts von dem glühenden Pathos Grünewalds, der kühlen und strengen Sachlichkeit Holbeins. Die Große des Regensburger Malers — der intime Charakter von'Altdorfers Kunst verbietet uns beinah, dieses Wort zu gebrauchen — liegt in etwas anderem. Nennen wir es „Stimmung". Altdorfer war einer der ersten jener Malerpoeten, die sich berufen suhlten, mit ahnender Seele in das geheimnisvolle Weben der Natur einzudringen, ihr die eigenen Empfindungen zu leihen. Damit i)t schon gesagt, wo seine Stärke zu suchen ist: in der Landschaft.
Das ist nun freilich nicht so zu verstehen, als hätte Altdorfer keine Heiligenbilder mehr gemalt Sogar größere Altäre hat er geschossen. Sie sind heute nicht mehr beisammen sondern, soweit sie überhaupt erhalten sind, in ihre Bestandteile ausgelöst und über halb Europa verstreut. Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg in Wien, in der Stiftsgalerie zu St. Florian in Nlederoster- reich hat man Gelegenheit, diese Taseln zu bewundern; sie täuschen dort eine ^^^ondlgkett vor, die sie ursprünglich nicht hatten. Und das ist un- gemein bezeichnend für Altdorfer. Am Vorabend der Reformation lebend, wenn auch selber noch der , alten Kirche zugehörig, muß er em sicheres Gefühl . dafür gehabt haben, daß die Zeit der großen Al- : tarwerke vorbei war, daß, mit anderen Worten, das Gemeinsame an bindender Kraft verloren hatte und ■ ein Zeitalter der Vereinzelung im Kommen war, i das den Menschen mit sich alle in lallen wurde. Auch . in der Kunst. Bisher durch Jahrhunderte eine An- . qeleqenheit des alles umspannenden kein Sander- - dasein duldenden christlichen Verbandes sätet sie i sich nun auseinander und überlaßt die Teile dem
wie im Vorjahre das Fest mit einer Ansprache zu eröffnen, in der Sinn und Leitgedanken des Abends in trefflichen, von froher Faschingslaune beschwingten Worten zusammengefaßt waren, und die m dem mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Wunsche gipfelte, daß auch m Gießen die echte rheinische Fröhlichkeit eine Heimstatt finden möge. Oberbürgermeister Ritter übergab sodann dem diesjährigen Prinzen Karneval Karl Ludwig Lindt den Schlüssel der Stadt — als ein Szepter und Zeichen uneingeschränkter Oberhoheit über die närrische und faschingsfrohe Gemeinde.
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Das Theater wartete mit einem bunten Reigen von Darbietungen auf, die ganz auf Musik und Rhythmus, auf Tanz und beschwingte Laune gestimmt waren und mit dem Motto „Eine Nacht in Venedig" dem Fest sozusagen seinen speziellen Untertitel für 1938 verliehen. Irmgard Zenners Tanzgruppe brachte u. a. ein Ballett aus „Clivia", Jupp Müller sang „O du mein stolzes Venedig", E A. Waltz das Gondellied; es fangen, ferner die Damen Iachnow, Grell und Fornallaz, die Herren Waltz und Greif, der die Gäste mit dem vortrefflichen Spruch begrüßte, den wir mit Fleiß an den Anfang dieses Berichtes gestellt haben. „Wer heuer auf dem Küpreß war .. " Hoffentlich haben wir bei der Fülle sowohl der Darbietungen als auch des Saales niemanden übersehen, überhört oder vergessen ... Nach einigen launigen Begrüßungsworten von Oberbürgermeister Ritter und dem Auszüge des Theaters war der Tanzlust keine Grenze mehr gesetzt. *
Hohes Lob verdienen die Kapellen, sie waren wahrhaftig unermüdlich, und wenn wir uns nicht täuschen so hat Küpreß 1938 einen kombinierten Dauer-Rekord-Tanz gestartet, von dem wir nur bedauern, daß wir ihn nicht mit der Stoppuhr gemessen haben; es hätte sich gelohnt Alte und neue Weisen: von der „Vogelhochzeit" und vom „Guten Mond" -bis zum traditionellen NarrhallamarsH (fein Fasching ohne ihn!) — vom „Treuen Husaren', der überhaupt nicht totzukriegen ist, dis zum „Himmel der Liebe". Wer da nicht auf seine Kosten gekommen ist, hat es sich selber zuzuschreiben
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„Wer heuer auf dem Küpreß war, Der muß sagen: wunderbar!"
Wir wollen uns das schreckliche Modewort ..ganz groß" verkneifen und uns auf die Feststellung beschränken, daß Küpreß 1938, das Faschingsfest der Künstler, des Theaters und der Presse, ein schönes und, soweit wir es zu übersehen vermögen, in jeder Hinsicht wohlgelungenes Fest war, seinem Vorgänger von 1937 durchaus ebenbürtig. Es liegt natürlich nahe, nach der Weise des bekannten Liedes fortzufahren: „wieder alles voll gewest", aber wir möchten doch bitten, uns nicht böswillig mißverstehen zu wollen: mit „alles" sind keine Personen, sondern die sämtlichen Räume des Clubs gemeint, und etliche Miesmacher, die vorher orakelt hatten, es werde „gähnend leer" sein, werden sich hoffentlich an die Brust geschlagen haben beim Anblick der Küpreß-Schlange, die zwecks Vertilgung solcher Unkenrufer an die Wand gemalt war.
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A propos: an die Wand gemalt. Wand ist gar nichts, was ist eine Wand? Wände sind bemalt worden, ganze Säle, Nebensäle und Treppenaufgänge Die Gießener und die oberhessische Künstlerschaft hat sich mit sohiel Fleiß, soviel Lust und Liebe und soviel Humvr um die Ausstattung des Festes bemüht, daß wir nur wünschen können, d'est Riesenarbeit sei von allen Besuchern so gewürdigt worben, wie sie es verdient. Venezianisch war Trumpf, und es mar schlechterdings verblüffend, was alles aus diesem dankbaren Motiv heraus- geholt und mit fröhlicher Phantasie gestaltet worden ist — vom Markuslöwen bis zum Lagunenschlammbeißer. Wir haben in den Vorberichten versucht, eine Andeutung davon zu geben.
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Daß es daneben auch neuzeitliche Motive gab, versteht sich von selbst. Es gab beispielsweise eine niedliche und anzügliche Käfer-Diele, die reizend ausgestattet war und den schnöden Spitznamen „Wanzenkeller" mitnichten verdiente. Eine fabelhafte Sache war der große Saal, den der Ausstattungsstab des Theaters unter Leitung von Herrn Löffler mit Geschmack und Farbenfreudigkeit prachtvoll ausgeschmückt hatte. Besonders die großen und kleinen, bunt leuchtenden Lampions machten sich überaus festlich. Es war eine Lust, in diesem Saale zu tanzen.
ganze Nacht hindurch Hochbetrieb. Die Künstler die hinter der Theke unermüdlich und selbstlos ihres Amtes walteten, haben sich um die durstigen Gaste sehr verdient gemacht. *
Auch Festberichte müssen mal ein Ende haben, besonders wenn sie morgens zwischen 6 und 7 Uhr geschrieben werben. Wie es um biese Zett im Club aussah, vermögen wir leiber nicht zu melden. Als wir heimgingen, mar das Fest zmar schon etmas gelichtet, aber sonst noch munter in Fahrt .. So bleibt uns nur zu münschen, daß dieser Abend auch materiell seinen guten Zmeck erfüllt habe .., htn.
„Heute, großer Heftetag!"
Diese Ankündigung mirkt auf Frauen mie eine Zauberformel. Was kann man mit Resten nicht alles anfangen! Seidenreste, Spitzenreste — herrliche Möglichkeiten ergeben sich. Aus einem billigen Stoffrest kann man Kissen machen, vielleicht reicht einer, roenn man ihn geschickt mit einem anderen verarbeitet, gar zu einer Bluse. Kinderkleidchen lassen sich aus Resten arbeiten. Leinenläppchen können Decken ergeben. Irgendein Stück Chiffon oder Seide gibt ein Halstuch. Kurzum, Restetag ist für geschickte Frauen der Tag der großen Möglichkeiten! —
Aus nichts etmas zu machen, das ist die große Zauberkunst der Frauen! Gute Gelegenheiten aufspüren und mit roenig Geld zu etmas Schönem kommen, das macht viel, viel Freude!
„Heute, Restetag!" Herr Knibs sagt es mit einem Gesicht mie drei Tage Regenwetter. An diesem Mittag hat er es nicht eilig, nach Hause zu kommen. Die Perufskameraden eilen sich, er kramt immer noch an seinem Schreibtisch herum.
„Hallo, Knibs, immer noch nicht Schluß für heute mittag?"
Knibs schüttelt den Kopf. Am liebsten wäre es ihm, er konnte Überstunden machen und zu Hause anrufen, daß er in der Stadt ißt. Er weiß doch nur zu gut, der Mittwoch ist für seine Frau ein „Restetag". Er und die Kinder schützen Appetitlosigkeit vor. Der letzte Rest vom Sonntagsbraten, der Montag und Dienstag aufgewärmt war, erscheint Mitt- mochs in weißer Mehlsoße. —
„Kommen Sie, Knibs, mir haben ja den gleichen Weg." Berufskamerad Schnell steht martend vor Knibs, der sich immer noch herumdrückt.
„Also gehen mir in Gottes Namen!" Mit einem flaftertiefen Seufzer stülpt Knibs seinen Hut auf.
„Was ist denn los, Knibs, marum drücken Sie
GEGEN,
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