Arbeiten der werktätigen Frauen. Sie alle, die be- telligt waren, könnten mit Stolz auf dieses Werk blicken. Mit der Aufforderung, immer für den Gedanken der Volksgemeinschaft einzustehen, schloß der Redner.
Nachdem in feierlicher Form und in Erinnerung au Bräuche unserer Vorfahren von werktätigen Frauen und Mädchen in gleicher blauer Tracht das Licht gebracht und auf die Tische gestellt worden war, nachdem die Singgruppe noch ein Lied gesungen hatte, hielt *
tt-Eturmbannführer Gtastny-Hein
die Ansprache zu dieser vorweihnachllichen Feier. Er sprach davon, daß wir nun wieder jenes Fest feierten, das schon immer unseren Vorfahren zu germanischer Zeit ein heiliges Fest der Wiederkehr des Lichtes gewesen sei, solange nicht eine fremde Weltanschauung eine Wandlung in ihrem Glauben schuf. Der germanische Glaube sei ein bäuerlicher Glaube gewesen, der sich auf Naturgesetze gegründet habe, in die nicht nur Tier und Pflanze, sondern auch der Mensch unabdingbar eingesvannt sei. Mit allen Mitteln sei der ursprüngliche Glaube unserer Vorfahren bekämpft worden, aber heute sei es nun wieder so, daß wir freien Herzens vor unseren Sonnwendfeuern stünden. Unser Volk habe Ehristta- nifierung, Freimaurertum und Bolschewismus überstanden, habe es überstanden, daß seine Feste ver- fälscht wurden. Aber nun gingen die Gedanken wieder dem Lichte zu, das schon von unseren Vorfahren als über ihrem Geschick waltend erkannt worden sei. So sei Gott — groß und unbegreifbar unserem Verstände — vom Gefühl unserer Vorfahren erfaßt worden, und folgsam lebten sie seinen Gesetzen. o
Der Führer habe unser Volk befreit. Ganz und vollkommen sei der Sieg aber erst, wenn feder deutsche Mensch zur germanischen Weltanschauung geführt sei, zu jener Haltung unserer Vorfahren, denen die Gründung der klassischen Reiche von Rom und Athen zuzuschreLen sei. Unser Volk sei aus der Letharaie einer fremden Weltanschauung gerissen, Deutschland lebe wieder für sich und nicht für einen internationalen Gedanken. Unser Volk müsse wieder zu bäuerlicher Art zurückfinden, zu bäuerlicher Härte und Kraft, auch wenn nicht jeder den Spaten in die Hand nehmen könne.
Sn feinen abschließenden Worten sprach der Red- ner davon, daß Nationalsozialismus nicht Sache einer Unterschrift, einer Mitgliedskarte oder auch lediglich des Willens fei; Nationalfozialismus müsse gelebt werden. Wer Nationalsozialist sein wolle, müsse Kämpfer sein. Mit dem Worte: Deutschland soll leben, auch wenn wir opfern müssen! klang die Ansprache aus.
Nach einem weiteren Liede, einem kleinen Spiel und einem Gedichtwort, zu Handels Largo gesprochen, übergab die
ffreiefrauetttpalferin Schaper
an den Vertreter der NSV., Pg. Ioh, die große Spende zur Weiterleitung in jene Gebiete, in denen man dieser Kleidungsstücke bedarf. Sie sprach davon, daß nicht jeder Pfeiler fein könne im Reich, wohl aber sollten diese Spenden Steinchen fein im großen Bauwerk.
Pg. Loh als Vertreter der VSV.
übernahm die Speise mit Worten des Dankes und betonte, daß diese Spende als eine Abtragung der Dankesschuld dem Führer gegenüber anzusehen sei und gleichzeitig für die deutschen Volksgenossen im Osten eine Anerkennung ihrer großen Standhaftigkeit um ihres Deutschtumswillen bedeute.
Mit dem Gedenken des Führers und mit den Liedern der Nation fand die Feier, an der viele werktätige Frauen und Mädchen, wie auch die Werk- jcharen von Bänninger und des Gießener Anzeigers teilnahmen, ihren Abschluß.
Lornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): .Kautschuk". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Verlegenheitskind". — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 20.15 Uhr Universitäts-Aula Lichtbilder Dr. Hans Bobek (Berlin) „Zentral-Kurdistan von heute. Forschungen in
Helft her Lugend einen Sieg erringen?
NSG. Hessen-Nassaus Hitler-Jugend hat ihren diesjährigen Haupteinsatz für das Winterhiljswerk des deutschen Volkes vorbereitet. Die Sammelaktion am 17. und 18. Dezember wird alle Hitlerjungen und BDRä-Mädel auf ihrem Platz finden. Sn vorderster Front des Winterkampfes stehen die Pimpfe und SungmäbeL Durch das Reichserziehungs-ministe- rium find die jungen WHW.-Sammler sowohl von den Schulaufgaben des 16. Dezember, als aud) von dem Schulbesuch am 17. Dezember befreit worden.
Den Auftakt der Großaktion, die unter dem Leitsatz: „Ruf der Sagend" in Hessen-Nassau durchgeführt wird, bildet das Hallen-Handballtumier der HS- am 15 Dezember in der Stadthalle zu Mainz zugunsten des WHW. Aus den sechs größten Standorten unseres Gaues treten die besten Handball- mannschaften der Hitler-Sugend an, um durch ihren Einsatz einen doppelten Dienst zu leisten; sswrtticher Wettkampf im Dienste des WHW.
Sn allen Standorten marschieren am 16. Dezember abends die Hitler-Jugend und das Jungvolk auf, um den Tagesbefehl des Reichsjugendführers zu hören Anschließend werden über den Reichssender Frankfurt der Führer des Gebietes Hessen- Naffau, Gebietsführer Brandt, und der Leiter der NSV., Gauamtsleiter Haug, zu der angelre- tenen Sugend über ihre Aufgabe an den beiden Sammeltagen und über die hohe Bedeutung ihres Einsatzes für die Gemeinschaft des Großdeutschen Reiches sprechen. Die Uebertra-gung beginnt um 19.30 Uhr und wird von der Spielschar des Reichssenders umrahmt.
Der 17. Dezember gehört vor allem den Pimpfen! An den Toren der Fabriken, den Ausgängen der Bürohäuser und Amtsstellen werden sie zur Mittagsstunde mit chren Büchsen und Abzeichen
stehen und jeden Volksgenossen gegen die entsprechende Spende mit dem Holzabzeuhen schmücken. Am Nachmittag beherrschen sie die Straße. Auf den freien Plätzen werden Sing- und Spielscharen die Vorübergehenden durch ihre Darbietungen interessieren und sie damit daran erinnern, daß die Sugend des Führers für das WHW. sammelt und eine Spende haben will.
Am Sonntag, 18. Dezember, erfolgt der Großeinsatz aller in der HS- erfaßten Jugendlichen. Spannschilder und Plakate werden von marschierenden Kolonnen durch die Straßen getragen und fordern zur Spende auf. Musik- und Singscharen, Fanfarenzüge, Spielmannszüge, die Sondereinheiten der Hitler-Sugend, alles ist vorbereitet, um an diesem Tag einen erfolgreichen Einsatz finden zu können. Denn die Hitlerjugend will nicht allein sammeln, sie will auch etwas leisten, um dann als Anerkennung hierfür eine Spende für das WHW. zu erhallen. Sn den Standorten wetteiferten die jungen Propagandisten, wer die besten Einfälle xur Ausgestaltung der Sammelaktion halle, und dieser Welleifer läßt noch viele Ueberraschungen gerade für diesen Tag erwarten. Freudig werden alle ihren Dienst als Sammler und Werber für das WHW. leisten. Zum Abschluß der Aktion um 17 Uhr marschieren die Hitlerjungen und Pimpfe mit Musik und Gesang durch die Straßen.
Deutsche Volksgenossen! Froh soll unsere Sagend sein und stolz sich zur Gemeinschaft bekennen! Ein großes Ziel hat sie sich für diese Straßensammlung gestellt: im Ergebnis alle bisherigen Sammlungen der HS. zu überflügeln. Die Erreichung dieses Zieles bedeutet einen Sieg für unsere Fügend. Helft darum alle durch eure Spende, daß die Sagend des Führers ihr Ziel am 17. und 18. Dezember erreicht, sie wird es euch danken!
den Hochgebirgen". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Weihnachts-Ausstellung im Turmhaus am Brand. — Weihnachtsmarkt auf Oswaldsgar- ten. — Schiklub Gießen, Snftllut für Leibesübungen, Gießen: 20 Uhr im Kunstwissenschaftlichen In- stitut, Ludwigsllaße 34, Schifilm- und Lichtbildervortrag hinein in den Schiwinter 1938/39".
».Wehrhaftigkeit, Raum und deutsches Schicksal".
lieber dieses Thema spricht auf Einladung der Gießener Hochschul-Gesellschaft am kommenden Montagabeich in der Neuen Aula der Universität Staatsminister und Rektor der Universität Heidelberg, U-Standartenführer Prof. Dr. Schmitt- Henner.
Hitler-Jugend Bann 116.
Stamm 1/116.
Am kommenden Freitag, 19.30 Uhr, findet eine Besprechung der Gefolgschaftsführer wegen der Wintersonnenwende stall. Ort: Friedrichstraße 15.
DOM.-ltntergau 116 Gießen.
BDAI.-Werk, ArbÄlsgemeinschaft „Auslandskunde".
Am heullgen Donnerstag, 15.12., treten wir um 19.45 Uhr mit 10 Pf. an der Aula der Universität zum Vorllag an.
Handwerker!
Meldet Euch mit einer gewöhnlichen Postkarte oder Anmeldekarte, die alle Dienststellen der DAF. und die Ortshandwerkswaller ausgeben, bei der Gaudienststelle „Das deutsche Handwerk", Frankfurt a. M., Bürgersllaße 69/77, zum Handwerkerwettkampf. 8183V
RS -Gemeinschaft ..Kraft durch Freude".
Betr.: Feierabendring Gießen 1938/39.
Die nächste Theatervorstellung ist am Samstag, 17. Dezember. Es wird die Oper „Fidelio" und nicht wie vorgesehen „Flachsmann als Erzieher" gespielt.
Wir machen die Feierabendringmllglieder darauf
aufmerksam, daß die 3. Rate des Feierabendringes bis spätestens Freitag, 16. Dezember, 18 Uhr, in der Geschäftsstelle, Sellersweg 60, einqelöst werden muß. 8184V
tt-Wintersonnwendfeier auf hem (Gleiberg. .
Der Standort Gießen der ff begeht seine Winter- sonnwendfeier zusammen mit der Polizei und der HS- am Mittwoch, 21. Dezember, um 22 Uhr in den Ruinen der Burg Gleiberg. An dieser Feier nehmen auch die Frauen der ff- und der Polizeimänner teil.
Die Feierstunde wird mll "Fanfaren eingelellet. Nach einem Vorspruch eines ff-Minnes folgt die Entzündung des Holzstoßes. Dabei wird gemeinsam das Lied „Flamme empor" gelungen. Die Feuerrede hält der Standortfuhrer ff, Sturmbannführer Sta st ny-Hein. Zum ©ebenfen der Toten wird ein Kranz ins Feuer geworfen. Die Wintersonn- wende ist in erster Linie den Helden von Soapa Flow, deren Tag sich jetzt zum 20. Male jährt, gewidmet. Nach einem kurzen Schweigen wird als Ueberleitung zum Entzünden der Holzfackeln das Fahnenlied der HS. gesungen. Der ff-Standortfüh- rer, ff-Sturmbannführer Sta st ny-Hein, überreicht die Fackel an den Standortführer der HI., Stammführer 1/116 Dr. Schneider. Mll dem Lied der Staffelmänner klingt die nächtliche Feier aus.
Don den Ruinen aus begeben sich alle Beteiligten zum Kameradschastsabend in der Burg, bei welcher Gelegenheit ff-Sturmbannführer Stastny-Hein den ff-Männern den Julleuchter überreichen wird.
Der Anmarsch der Formationen erfolgt um 21.15 Uhr von Krofdorf aus. Für die Frauen der ff - und der Polizeimänner wird ein Omnibus von der Stadt aus zur Verfügung stehen.
Das Treuhienstedrenzeichen verliehen
Sm Dienstzimmer des Reichsbahn-Amtmanns Bernhard Kaiser in der Bahnmeisterei I Gießen wurden durch den stellv. Amtsvorstand dieser Dienststelle, Reichsbahn-Amtmann Wittlich, die vom Führer und Reichskanzler für 40jährige Dienstzeit
verliehenen goldenen Treudienstehrenzeichen dem Reichsbahnamtmann Bernhard Kaiser und dem Brückenvorschlosser Ludwig Größer der Bahnmeisterei I Gießen feierlich überreicht. Die von dem Führer und Reichskanzler eigenhändig unterschrie- denen Besitzurkunden wurden den verdienten Männern gleichzeitig mit Glückwunschschreiben der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. unter warmer Würdigung der Dienstleistungen der beiden Subilare übergeben. Amtmann Kaiser brachte den Dank der beiden Geehrten zum Ausdruck.
Den Wehrmacht-Angestellten Max D e t r e e , Karl Hellwig und Heinrich Lotz des E.-Batl. I-R. 116 wurde vom Führer und Reichskanzler das silberne Treudienstehrenzeichen als Anerkennung für 25jährige treue Dienstzeit verliehen. Die Auszeichnungen wurden den Subilaren von dem Bataillonskommandeur, Oberflleutnant M e u t h e r, überreicht, der gleichzeitig die Glückwünsche des Oberbefehlshabers des Heeres überbrachte.
Kamerahschostsabend hes Standorts Gießen.
Der neue Kommandeur der 9. Division und Standortälteste von Gießen, Generalleutnant von A p e l l, Hatte am Millwoch zu einem Begrüßungs- abend in die schönen festlichen Räume des Osfi- ziersheims in der Zeughauskaserne eingeladen. Seiner Aufforderung waren neben vielen Herren des Offizierskorps zahlreiche Persönlichkeiten der Partei und ihrer Gliederungen, der Stadtverwaltung, der staatlichen Behörden, Männer der Wirtschaft, der Wissenschaft, Kunst und Presie gefolgt Generalleutnant v. Apell hieß seine Gäste mit herzlichen Worten willkommen und dankte ihnen für ihr so überaus zahlreiches Erscheinen, das ihm zeige, daß er mll seiner Einladung das richllge getroffen habe. Der Stadt Gießen gehe der Ruf voraus, eine Garnison zu sein, in der zwischen Bevölkerung und Soldaten, zwischen Behörden und Wehrmacht ein besonders gutes Verhältnis herrsche. Ihm, als dem neuen Divisionskommandeur und Standortältesten sei daran gelegen, diese Verbindung womöglich noch enger zu gestallen. Dazu bedürfe es vor allen Dingen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, zu der man ihn jederzeit bereit finden werde. Sollten hier oder da Schwierigkeiten aufstoßen, so sei eine offene Aussprache von Mann zu Mann die beste Art, diese aus dem Wege ju räumen. Sn diesem Sinne hoffe er auf ein gedeihliches Zusammenwirken mit allen Stellen.
Kreisleiter Backhaus dankte im Namen der Männer der Partei und chrer Gliederungen dem Divisionskommandeur für feine freundlichen Be- arüßungsworte. Er hob hervor, daß die Partei schon in der Kampfzeit die Wiederaufrichtung einer starken Wehrmacht als eine der wichtigsten Voraussetzungen für Deutschlands Großmachtstellung in der Well betrachtet habe und die Part« es sich nun, da das Ziel erreicht sei, besonders angelegen sein laste, die Beziehungen zur Wehrmacht in freundschaftlichster Weise zu pflegen. So könne auch der neue Divisionskommandeur jederzeit mit dem Willen der Partei rechnen, die Zusammenarbeit mit der Wehrmacht auf der Basis vollsten gegenfeitigen Vertrauens zu gestalten.
Oberbürgermeister Ritter erinnerte daran, daß die Bevölkerung der allen Garnisonstadt Gießen mit Recht als besonders soldatenfreundlich gelte. Auch die Stadtverwaltung tue das ihrige dazu, diesen Ruf wahrzumachen, und er könne dem neuen Divisionskommandeur versichern, daß seine Aufforderung zu verllauensvoller Zusammenarbeit bet den Herren der Stadtverwaltung auf lebhaften Widerhall stoße.
Nach diesen Begrüßungsansprachen blieben Gäste und Offizierskorps noch in angeregtem Gedankenaustausch beisammen.
Körperbehinderte Arbeitskameroden
beteiligen sich am Reichsberufswetttampf.
Ein Friedberger Arbeitskamerad, der nur einen Arm besitzt, teilt der Deutschen Arbeitsfront folgendes mit:
„Als früherer Mitarbeiter des Reichsbundes der Körperbehinderten möchte ich mich am Reichsberufswettkampf aller Schaffenden beteiligen. Durch das Flechten von zwei Kinderstühlchen, einer Bank
MWMlUWW?
Roman von Hubert Rauffe.
Copyright by Albert Langen/Georg Müller, München.
6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Die Frau Dekan war ganz Spannung.
Ach was, eins Jugendliebe? Damals in der Tanzstunde schon? Sa, sie erinnere sich, der große Backfisch, überschlank, mit den strahlenden blauen Augen. Und der Magnus sei damals eigentlich in dem Tanzkurs gewesen, aber der Fritz fei ost mit» gekommen, und auf dem Schlußball habe er mit Elisabeth die Polonäse angeführt.
Wieviel er denn älter sei, der Fritz?
Sechs Sahre älter als Elisabeth. Er sei mit dem Ulrich zur Schule gegangen, der bei Verdun gefallen sei.
Und dann sprachen sie, wie in jenen Jahren allüberall in Deutschland unendlch viele Mütter taten, von ihren gefallenen Söhnen. Sie hatten beide uvei Söhne geopfert, sie standen sich herznah in diesem Leid, sie waren — in Leid und Freud verbunden — deutsche Mütter!
Zuweilen ruderte Elisabeth auf den See hinaus. Sie trug einen geschweift en Sommerhut aus blankem Stroh. Sie faulenzte auf dem Wasser und nahm Bücher mit
Sn ihrem farbigen Kleid sah sie von wertem aus wie eine buntige Blume.
So Halle ihr die Mutter gesagt.
Wie was? Elisabeth lachte ihr klingendes Lachen.
Wie eine Blume!
Born See her bot sich das Trebbiner Gutshans recht freundlich und sogar bedeutend dem Auge dar. Die weit vorgebaute Terraste, über der, von Zwei weißgetalkten Holzpfellern getragen, ein Ballon mit der wuchernden Pracht bunfeiroter Geranien stand — dieser ganze, von wildem Wein behangene Vorbau gab dem schlichten Haus etwas ländlich Festliches.
Elisabeth brauchte mir einige Rud erschlage weit in den See hinaus zu fahren, und sie konnte auch Haus Losnitz liegen sehen. Elisabeth war immer versucht. Schloß Losnitz zu sagen. Es war etwas ganz anderes, es lag groß und majestätisch mit 1 einem weißen Eckturm auf der Höhe, etwa da, wo in Trebbin die alte graue Buche stand. Weit ins ßemb blickend, vom See zurückgezogen, an den es nur ein kleines Boots- und Badehaus vorgeschickt
halle, war es ein Adelssitz in des Wortes schönster Bedeutung.
,^Hier hab ich vor zehn Jahren auch schon herüber gesehen, damals, in der ersten, seligen, dummen Derllebcheit", dachte sie. „Und ist es heute soviel anders? Schau dir nicht die Aeugllin aus, Elisabeth Hellfahr, erste Salondame und Schwarm aller junger Mädchen und so vieler Herren dazu!"
Sie versuchte sich selbst ein meng komisch zu nehmen. Aber sie wußte genau, im Hintergrund regierte der Ernst als Wunsch und als Hoffnung.
Magnus von Beeren war acht Tage lang nach chrer gemeinsamen Hetz fahrt durch Deutschland in Losnitz geblieben, llnb in diesen acht Tagen hatte zwischen Trebbin und Losnitz ein lebhafter Verkehr wieder begonnen, der nach Magnus Rückkehr nach München langsam wieder eingeschlafen war. Sie sah chn nicht allzuoft, chren Frrtz. Aber er war genau der gleiche wie damals: groß und die anberen überragend und ernst und verschlossen und auch herrisch und überlegen und — Elisabeth lächelte vor sich hin — und dann wieder wie ein Sunge, der immer hrnausschreien möchte vor Freude und schließlich rot wird vor lauter Verlegenheit.
„Als wir uns küßten damals — wenn sie daran denkt, laufen ihr die Funken knisternd durch alle Glieder — hinter den Lorbeerbäumen auf der Terrasse — es muß im August gewesen sein, die Nacht war warm und tausend Sterne blitzten!"
Die Lorbeerbäume stehen noch auf der Losnitzer Terrasse, und wenn Elisabeth sich ein wenig Mühe gibt, glaubt sie die grünen Bäume zu erkennen.
Und sie gibt sich Mühe!
Sie sitzt in ihrem Boot auf dem blitzenden See und schaut nach Losnitz hinüber und träumt und sinnt.
4. Kapitel.
Ste Fall war in strahlender Laune.
Der Zufall, dieser Patron und Schutzherr aller Künstler, hatte ihr eine prachtvolle Rolle in den Schoß geworfen, ober richtiger: er hatte ihrem ihrer Begabung und ihrem Können eine große Chance gegeben. Eben mit dieser Rolle. Und Ite Fall hatte aus dieser Chance einen großen Erfolg gemacht.
Seltsam: Als ob ihr früher die Elisabeth im Wege gestanden wäre! Nun Elisabech fort war, erblühte der Ruhm von Ste Fall, und er erblühte im Mai.
Der Mai ist für, alle Theaterleiter ein böser Monat. Gegen den blauen Himmel, die grünen Wiesen und die goldene Sonne kämpfen Kunst und Kunsller meist vergebens. Natur und Kunst — hier fliehen sie sich wirklich.
Der Sntenbant hatte deshalb die ersten warmen Wochen einen richtigen Reißer auf den Spielplan gesetzt: „Die Tochter des Kunstreiters", und er hatte sich gleichzeitig eine bekannte Wiener Darstellerin für die Titelrolle geholt, eine scharmante Person, Die die Rolle im Wiener Volkstheater kreiert und dann über fünfzigmal gespielt hatte ... tote hieß Alma Gedon unb war sattelfest wie ein Husar. ■
Und da mit dieser Rolle alles stand und fiel, — in diesem Falle also alles stand —, so probierte man das Drum und Dran ein wenig lässig, machte lange Pausen und rauchte die unvermeidliche Zigarre in der warmen Frühlings sonne.
Und da kam also das Unglück — oder das Glück, wie Ste sagte: Alma Gedon verknackste sich drei Tage vor der Premiere auf einer Probe den Fuß, und zwar so gründlich, daß vierzehn Tage an ein Aufstehen nickt zu denken war. Es war furchtbar! Der ganze Apparat stand still. Man konnte nicht einmal einen früheren Ersola wieder in den Spielplan aufnehmen, weil Elisabeth fehlte. Der Inten- dant wurde weiß wie Kalk, als er von dem Unglück hörte, und schloß sich in sein Büro ein. Die Künsller zweifelten nicht, daß er die Nahrungsaufnahme verweigern würde. Denn man würde das Theater einfach schließen müssen: Ersatz war nicht zu haben. Diese Rolle hatte an allen deutschen Theatern außer der Gedon nicht eine Schauspielerin in ihrem Spielplan.
Damals sprach Ste Fall lange und eingehend mit der Sekretärin.
„Sie würden es wirklich wagen?" Die Sekretärin funkelle Ste mit begeisterten Augen an. Und sie wiederum wagte es, ihren Chef und Meister anzu- rufen.
„Die Fall ist größenwahnsinnig!" schrie der Inten- bant in ben Hörer zurück. „Aber sie soll kommen." Sie Fall hatte ein ausgezeichnetes Gedächtnis, sie batte außerbem in dem Stück die kleine Rolle einer Freundin zu spielen, bei der sie sich eine gewisse Kenntnis der Titelrolle, was Umfang und Leistung anging, erworben hatte.
„Wißen Sie auch, was Sie sich da zuttauen?"
„Das weiß ich genau!" nickte Ste. Es machte ihr Spaß, sich selbst zu beobachten. Das Herzklopfen ließ schnell nach. Sie war ganz ruhig und kall, wie in manchen Rollen, die sie nicht gefangen nahmm.
„Die Rolle ist schwerer als alles, was Sie l * - her gespielt haben. Sie ist auch größer. Das sind ja drei Bogen Text."
Der, Intendant rollte drohend die Augen. Ste stellte fest, daß er die völlig richtige Methode hatte. Ein Mensch, der seiner selbst nicht sicher gewesen
märe, mußte bestimmt den Mut verlieren. Er stellte ihr alle Schwierigkeiten klar vor Augen.
„Bedenken Sie, daß diese, gerade diese Rolls eigentlich zwei ganz verschiedene Menschen verlangt. Einmal ist die Tochter des Kunstteiters eine reine Gesellschaftsfigur; selbst wenn Sie das können sollten, und das traue ich Ihnen schließlich zu —, bann bleibt immer noch die zweite Hälfte biefer Rolle: das Zirkusmädel/
Ste jagte: ,Hch habe einmal Artistin werden wollen. Viele Falls sind am Zirkus, das kann ich ganz bestimmt."
„Sie haben ben Austritt im Trikot!"
„Sch kann mich ruhig im Trikot sehen lassen, Herr Intendant!
Er schnappte nach Lust.
Er sah Ite Fall durchdringend an, und er war sicherlick sehr, sehr froh, daß er jemanden fand, der — vielleicht — die Aufführung retten konnte. Wer er tat, als sei ihm ein schweres Zugestärcknis mühselig und zäh abgerungen worden.
„Na also, wenn Sie es nicht anders wollen. Ich kann es ja versuchen, und zur Not kann ich übermorgen am Vormittag die Vorstellung noch absagen. Wir probieren also heute nachmittag, und nochmals nach der Vorstellung?"
„Mit mir in der Titelrolle?" sagte Ite.
,Lum Donnerwetter — ja!"
Es wurden bann ein paar Großkampftage: Proben und wieder Proben, dazwischen abends dis laufende Vorstellung, hinterher in der Königinstraße Lernen des Textes. Schmid und Brasky halfen, gaben Stichwörter, ließen die monotonen Ic£t= Wiederholungen sich ruhig gefallen, strichen Brote und kochten aus heißer Milch, Ei und Wisky ein nährendes Getränk.
Während der Proben beschränkte sich der Intendant auf ein anspornendes „Na also". Er schien zufrieden zu sein. Sm übrigen machte der Kamps mit dem Text bis zur Generalprobe am Vormittag ein genaues Probieren unmöglich.
Es hing eigentlich alles in der Luft.
Es stand alles bei ihr, bei Ite Fall, ganz allein? Am Abend kurz vor dem Vorhangzeichen spuckte der Sntenbant sie dreimal an, drückte ihr fest die Hand: „Sie werden es schon schaffen!"
Dann saß er mit feinem Einglas in der nahen Loge bis zum Schluß. Ite spurte alle Nerven bis zum Zerreißen!
Hinterher schloß der Sntenbant sie in die Arme und_ küßte sie auf der Bühne. Der Vorhang ging darüber auf, und das Publikum, hingerissen imb rm Beifall tobend, nahm diese private Ehrung mit frenetischem Jubel auf. (Fortsetzung folgt.)


