Ausgabe 
15.11.1938
 
Einzelbild herunterladen

Ur. 268 Erstes Statt

188. Jahrgang

Dienstag, 15. November 1958

krlchetni tftgltd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die 3Uuftriert» Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle MonalS'Sezugsprets.

Mtt 4 Beilagen RM. 1.9b Ohne Illusttierte e 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Zernfprechanfchlüffe

anter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten- Anzeiger Gietzev

Postscheckkonto:

Kranlfnrt am Main 11688

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühlsche Univerfitatrdruckerei R. Lange in Sieben. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Dormittag»

Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen oon 22 mm Brette 7 Rpf., für Text* anzergen von70mm Brette 50 Rps..Platzvorschrist nach vorh. Dereinbg 25°/e mehr.

Lrmähtgte Grundpreise:

Stellen--, Vereins», gemein* nützige Anzeigen sowie ein* Ipaltige Gelegenheitsanzei* gen 5 Npf., Familienanzei* gen, Bäder.,Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

Oie deutsche Auffassung -er Iu-enfrage.

Reinliche Scheidung zwischen Oeuischen und Juden. Or. Goebbels über die Voraussetzungen für ein besseres Derhälinis zwischen Deutschland und England.

Berlin, 14. Nov. (DNB.) Dr. Goebbels ge­währte dem Sonderkorrespondenten des eng­lischen Reuterbüros, Gordon Joung, eine Unter­redung, in der er u. a. erklärte:Das, was sich in den letzten Tagen hier in Berlin abgespielt hat, sind nur Reaktionen auf eine Infektion, die sich in den deutschen Volkskörper einschleichen wollte, meiner Ansicht nach nicht nur in den deutschen, sondern in den aller Völker in Europa und weit über Europa hinaus, Reaktionen auf eine Infektion, mit der wir Deutschen uns auseinandergesetzt haben und weiterhin auseinandersetzen müssen. Ob andere das tun, was insbesondere England in der Juden­frage tut oder läßt, ist für uns nicht von Belang und von keinerlei Einfluß auf unsere Haltung. Ebenso ist es nicht Englands Sache, tote wir in Deutschland die Judenfrage lösen werden."

Auf die Frage, wie die Abgabe von einer Milliarde Reichsmark Praktisch durchge­führt werde, antwortete der Minister:Lie wird in Form einer Abgabe eingezogen. Das jüdischeBermögen inDeutschland beträgt, wenn ich recht orientiert bin, etwa 8 Milliar­den Reichsmark. Eine Reihe von weiteren Maßnahmen sind für die nächste Zeit zu er­warten. Im wesentlichen bewegen sie sich in wirtschaftlicher Hinsicht, und zwar dahin­gehend, daß wir die Juden aus dem offenen wirtschaftlichen Leben entfernen wollen, damit es nicht wieder Zusammenstöße gibt, wie sie in dieser Woche vorgekommen sind. Jedesmal, wenn in der Judenfrage eine akute Situation entsteht, hält sich das deutsche Volk an den, den es fassen kann. Es ist unmöglich, daß in einem nationalsozialistischen Staat, der antisemitisch eingestellt ist, ganze Straßen­züge von jüdischen Geschäften besetzt sind. Diese Geschäfte werden allmählich in arischen

Besitz übergcführt.

Zum Teil erstrecken sich die Gesetze auch auf das kulturelle Gebiet. Wir wollen die Juden nicht kulturell vernichten. Sie sollen ihre eigene Kultur pflegen. Es gibt in Deutschland einen jüdischen Kulturbund, der in Berlin Theater, Varietes usw. betreibt und über Konzertsäle und eigene Orchester verfügt. Er war vor drei Tagen ge­schlossen worden. Ich habe ihn wieder geöffnet. Mit anderen Worten: Wir wollen eine ganz reinliche Scheidung zwischen Deutschen' und Juden. Den Juden ist auch ein eigenes Winter­hilfswerk gestattet worden. A)ie reichen Juden können Unterstützungen für die armen Juden geben, wir nehmen selbst keinen Pfennig von diesem Geld. Im übrigen ist man sich in der Welt im unklaren darüber, wie reich die Juden in Deutschland noch sind. Das zeigen die ganzen Reihen jüdischer Geschäfte am Kurfürstendamm, in der Friedrich­straße u. a."

Mr. Joung ft eilte dann die Frage, ob diese Gesetze das jüdische Problem in Deutschland endgültig lösen würden. Die Antwort lautete: DaS hängt vom Judentum selbst ab; davon, ob die Juden die Stellung im öffent­lichen Leben einzunehmen gewillt sind, die wir ihnen zubilligen, nämlich die Stellung einer fremden Rasse, von der wir wissen, daß sie dem deutschen Botte ablehnend gegen­übersteht. Versuchen sie wieder, durch die Maschen des neuen Gesetzes hindurchzuschlüp- feu, so wird eS neue Gesetze geben, damit neue Demonstrationen vermieden werden.

Eine andere Mglichkeit besteht nicht".

Zur Frage, ob sich die neuen, Gesetze auch auf britische, ame.ikanische und andere fremde Juden beziehen, gab der Minister folgende Erklärung ab: Britische, amerikanische und Juden anderer Natio­nalität sind für uns Angehörige der britischen, ameri­kanischen oder anderen Nationalität. Darüber, ob sie Briten sind, haben wir nicht zu entscheiden, sondern das britische Volk selbst. Also können sich auch 'diese Gesetze nicht auf Juden anderer Nationalität beziehen. Sie gelten für uns als Ausländer.

Reichsminister Dr. Goebbels betonte u. a., daß keine Absicht bestehe, die Juden in bestimmte Stadtviertel zusammenzuzwängen. Aber es seien natürlich Maßnahmen zu erwarten, um dem un­möglichen Zustand ein Ende zu machen, daß Juden­familien mit zwei bis drei Köpfen Villen mit 20 bis 30 Zimmern bewohnen, während angemessener Wohnraum für deutsche Volksgenossen noch fehle. Die Juden könnten ihre Geschäfte verkaufen, von chren Renten leben oder sich nutzbringender Arbeit zuwenden. Es werde aber im Augenblick, in dem die Juden weiterhin provozieren und die Lage ver­schärfen, auch diese Tätigkeit eingeschränkt werden müssen.Ich kann nur dringend betonen", so er­klärte der Minister,daß die ausländischenJuden, die jetzt gegen Deutschland eine Riesenkampagne entfesseln, ihren Rassegenossen im Reich einen denk­bar schlechten Dienst erweisen. Ich betone, daß wir unsere Maßnahmen nicht aus einem Rachegefühl treffen, sondern daß das eine Frage der Zweck­mäßigkeit ist.

Auf eine Frage, ob denn die JudenDeutsch- land verlassen könnten, da man ihnen doch die Pässe abgenommen habe, stellte der Minister fest, daß dies den Tatsachen nicht entspreche. Soweit es doch geschehen

sei, würden die Pässe wieder auSgehändigt. Deutschland habe nur ein Interesse daran, daß die Juden aus dem Lande gehen. Sie dürf­ten einen gewissen Prozentsatz ihres Ver­mögens mitnehmen, natürlich im Rahmen des deutschen Devisenvorrats. Auf auslän­disches Kapital und ausländische Unterneh­men in Deutschland würden die Maßnahmen gegen die Juden selbstverständlich nicht an­gewandt werden.

Mr. Joung wies dann auf Veröffentlichungen der deutschen Presse hin, daß Kritiken an den anti­jüdischen Demonstrationen durch einzelne Personen in England in Deutschland besonderen Widerspruch finden, weil die Art und Weise, in der England die Lage in Palästina behandele, ebenfalls Kritik herausfordere.Sind Sie der Ansicht, Herr Reichs­minister, daß diese beiden Fälle parallel lausen?" Dr. Goebbels bejahte diese Frage und fügte hinzu, er würde es begrüßen, wenn die englische Publi­zistik innerdeutschen Vorgängen gegenüber genau so fair und zurückhaltend wäre, wie die deutsche Publizistik es innerenglischen Vorgängen gegenüber sei und bei kritischen Anlässen öfter unter Beweis gestellt habe. Was insbesondere die Behauptung der Auslandspreise von einemBürgerkrieg" in

Deutschland betrifft, so muß ich feststellen: Von Bürgerkrieg könne gar keine Rede sein. Ein 80-Millio- nen-Volk erhebe sich gegen die Provokationen von 600000 Juden. Das sei kein Bürgerkrieg, sondern die Auseinandersetzung eines Volkes mit seinen Parasiten.

Die letzte Frage des Reuterkvrrespondentcn lau­tete:Glauben Sie persönlich an die Möglichkeit besserer Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien?" Reichsminister Dr. Goebbels versicherte:Ja, das glaube ich und wünsche ich. Dafür müssen aber bestimmte Voraus­setzungen geschaffen werden. Wichtiger noch als die politischen sind die Voraussetzungen psycho­logischer Art. England muß sich ein für allemal darüber klar sein, daß wir ein gleichberechtigter Partner sind, nicht mehr die Nation vom November 1918. Wenn aber die Welt weiter in der Mentalität von Compiegne und Versailles lebt, kann es keine guten Beziehungen geben weder mit -dem Volk noch vor allem mit den verantwortlichen Führern, die aus dem Volk hervorgegangen sind. Deutschland ist manchmal gerade in psychologischer Hinsicht schwer verletzt worden. Wenn das geändert würde, dann wäre damit für eine deutsch-englische Ver­ständigung sehr viel getan."

lichkeit annimmt, daß sie längst emigriert sind. Wider Erwarten hielten sich die besser situierten, ver­snobten, stark assimilierten, weltstädtischen euro­päischen Juden vom Besuch der jüdischen Veran­staltungen fern. Sie gingen lieber in ein deutsches Kulturinstitut. Dagegen ist mit der neuen Anord­nung endlich eingeschritten worden. Das Ausland habe bisher von der Arbeit jüdischer Kulturorgani­sationen nur in ganz wenigen Fällen Notiz nehmen wollen. Man wolle nicht zugeben, daß es innerhalb des nationalsozialistischen. Deutschlands ein täglich spielendes jüdisches Theater gebe, in dem sich jeden Abend die Juden versammeln könnten und sich dort palästinensische oder ostjüdische Produkte, jüdische Dramatiker und Sonstiges aus ihrem Leben ansehen könnten.Selbstverständlich genehmigen wir", so untersttich Hinkel,in den jüdischen Programm­folgen keine Werke deutscher Meister, wie Wagner, Beethoven, Mozart. Ebenso im Schau­spiel. Die Juden können aber aus dem Ausland alles an klassischen oder modernen Stücken holen, was nichts mit der deutschen Kunst zu tun hat. Es existieren heute noch in Deutschland jüdische Zei­tungen und Zeitschriften, die aber ausschließlich vost Juden bezogen werden können und selbstver­ständlich auch nicht öffentlich verkauft werden. Diesen ist alles erlaubt, was nur jüdische Fragen, besonders was die Auswanderung in jeder Weise pro­pagiert und Möglichkeiten füh die Juden aufzeigt, in andere Länder zu gehen. Selbstverständlich ist dieser jüdischen Presse nicht gestattet, daß sie sich um deutsche Fragen kümmert. Auch einer Reihe von Verlagen in Deutschland, die sich in volljüdi­schem Besitz befanden, ist genehmigt worden, Bücher jüdischer Autoren über jüdische Fragen, jüdische Novellensammlungen, Talmud-Hebersetzungen usw. herauszubringen; die meisten dieser altbekannten jüdischen Verlage hatten nicht zu klagen. Ebenso sind jüdische Buchhandlungen in den meisten Großstädten genehmigt worden, die natürlich eben­falls schon äußerlich alsJüdische Buchhandlung" zu erkennen sind. Auch zu gesellschaftlichen Veran­staltungen, zu Tanzveranstaltungen und ähnlichem könnten die Juden in bestimmten Lokalen sich zusammenfinden.

Kein Jude mehr

auf deutschen Hochschulen.

Berlin, 14. Nov. (DNB.) Der Reichsminister' für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat schon seit langem Juden nur in ganz beschränktem Umfange zum Studium an den deutschen Hochschulen zugelassen. Ein in Vor­bereitung befindlicher Gesetzentwurf sieht vor, daß künftig kein Jude mehr zum Studium an deutschen Hochschulen zugelassen wird. Die auf Grund der ruchlosen Freveltat des'Klüden Grünspan ent­standene Empörung des deutschen Volkes erforderte eine sofortige Maßnahme, da es nicht mehr länger deutschen Studenten zugemutet werden kann, in den Hochschulen und ihren Einrichtungen mit Juden zu­sammenzuarbeiten. Reichsminister Rust hat daher durch telegraphische Weisung an die Rek­toren der deutschen Hochschulen ungeordnet, daß den Juden die Teilnahme an Vorlesungen und Hebungen sowie das Betreten der Hochschulen untersagt wird.

Restlose Entfernung

der Juden aus deutschen Schulen.

Berlin, 14. Nov. (DNB.) Nach der ruchloses Mordtat von Paris kann es keinem deutschen Lehrer und keiner deutschen Lehrerin mehr zugemutet wer* ben, atz jüdische Schulkinder Unterricht zu erteilen. Auch versteht es sich oon selbst, daß es für deutsche Schüler und Schülerinnen unerträglich ist, mit Ju­den in einem Klassenraum zu sitzen. Die Rassen- trennung im Schulwesen ist zwar in den letzten Jah­ren im allgemeinen bereits durch ge­führt, doch ist ein Restbestand jüdischer Schüler auf den deutschen Schulen übriggeblieben, dem der gemeinsame Schulbesuch mit deutschen Jungen und Mädeln nunmehr nicht weiter gestattet werden kann. Vorbehaltlich weiterer gesetzlicher Regelung hat daher Reichserziehungsminister Rust mit so­fortiger Wirkung^ folgende Anordnung erlassen: Ju, den.ist der Besuch deutscher Schulen nicht gestattet. Sie dürfen nur jüdische Sckulen besuchen. Soweit es noch nicht geschehen sein sollte, sind alle zur Zeit eine deutsche Schule besuchenden jüdischen Schüler und Schülerinnen sofort zu entlassen. Wer jüdisch ist, be­stimmt § 5 der Ersten Verordnung vom 14.11.1935 zum Reichsbürgergesetz (RGBl. I S. 1333). Diese Regelung erstreckt sich auf alle mir unterstellter» Schulen einschließlich der Pflichtschulen.

Oes Führers Dank

an die französischen Aerzie.

Berlin, 14. Nov. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler, als Schirmherr des Deutschen Roten Kreuzes- hat den französischen Aerzten Pro­fessor Dr. Baumgartner und Dr. Paul als Zeichen seines Dankes für ihre von großer mensch­licher Teilnahme erfüllten Bemühungen um den durch Meuchelmord tödlich verletzten Gesandschaftsrat vom Rath die Erste Klasse des Ehren­zeichens des Deutschen Roten Kreuzes verliehen. Die Heberreichung der Auszeichnungen erfolgte durch den deutfchen^Botschafter in Paris.

Franz Sioehr t-

Berlin, 15. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der F üch r e r sandte an die Witwe des verstorbenen alten nationalsozialistischen Kämpfers, des Ober* bürgermeisters v o n^ Sch n e i d e rn ü h l^ Franz S t o e h r, folgendes Beileidstelegramm: Nehmen Sie zu dem schmerzlichen Verlust, der Sie durch den Tod Ihres Mannes, meines alten Mit-

kulturelles Eigenleben der laben in Deutschland.

Oie Arbeit des Reichsverbandes jüdischer Kulturbünde.

Berlin, 14. Nov. (DNB.) Der Abteilungsleiter im Propagandaministerium, Hinkel, erklärte der Presse in Ergänzung der Anordnungen von Dr. Goebbels, die den Juden die Teilnahme an öffent­lichen kulturellen Veranstaltungen verbietet, der nationalsozialistische Staat hat bereits im Sommer 1933 den damals aus dem deutschen Kunstleben, insbesondere aus dem deutschen Theater- und Musik­leben ausgeschiedenen Juden zugestanden, sich in einer eigenen Kulturorganisation zur Pflege des eigenen jüdischen Kulturlebens zusammen­zufinden. So ist bereits im Juli 1933 in der Reichs­hauptstadt der Jüdische Kulturbund gegründet worden. Vom 15. Oktober 1933 an spielte in der Reichshauptstadt ein rein jüdisches Theater vor ausschließlich jüdischem Publikum. Die Juden bekamen ein Theatergebäude zur. Verfügung ge­

stellt, in dem sie mit jüdischen Künstlern Opern, Operetten und Schauspiele aufführten. Auch) be­tätigte sich die Ortsgruppe des Jüdischen Kultur­bundes im Musikleben. In den nächsten Monaten bildeten sich solche Ortsverbände in den übrigen' Großstädten. Im Reichsverband sind 184000 voll­jüdische Mitglieder erfaßt worden. Die Organisation ist bisher nur einmal auf vier Wochen verboten ge­wesen, nämlich nach der Ermordung Gustloffs. Sonst hat sie in den vergangenen fünf.Jahren voll­kommen ungestört gearbeitet.

In der Winterspielzeit 1936/37 fanden im dama­ligen Reichsgebiet 2211 Veranstaltungen statt, Theater, Konzerte, Vorträge, Kleinkunstveranstal­tungen, Unterhaltungsabende u. a. Im Reichsver­band jüdischer Kulturbünde ist ein großer Teil jener Juden tätig, von denen sogar die deutsche Oeffent-

Barbarische Methoden in Palästina.

Englands Vernichtungskampf gegen die Araber.

Neue Häusersprengungen.

Jerusalem, 14. Nov. (DNB.) In Gaza wurden von britischem INilitar 8 Häuserin die Cuff gesprengt als Strafmaßnahme für die Beschießung von zwei Soldaten. Heber die Stadt wurde außerdem das Ausgehverbot ver­hängt. Das Dorf Quasiel unweit von Nazareth wurde von britischem Utilitär durchsucht. Als die Truppen abzogen, fielen einige Schüsse, die die Soldaten erwiderten. Angeblich gab es dabei meh­rere Verletzte. Im Bezirk von Samaria wurden Durchsuchungen in den Dörfern Attara und Jammaia von britischen Truppen vorgenommen. Dabei wurde ein Araber auf der Flucht verletzt. Sechs Araber wurden festgenommen. In B e i s a n explodierte eine Bombe in einem Araberhaus, jedoch kam niemand zu Schaden. In Haifa ging ein jüdi­sches Geschäftshaus in Flammen auf.

*

Immer wieder kommen solche und ähnliche Nach­richten über den furchtbaren Dernichtungsfeldzug, den die britischen Behörden mit brutaler Herzlosig­keit gegen die arabische Freiheitsbewegung führen, zu uns nach Europa. Wenn sich bislang weite Kreise in ihrer Kritik weitgehende Zurückhaltung auferlegten, weil sie sich nicht in frerndeAn - gelegenheiten einmischen wollten, ist nun doch die Stunde gekommen, wo es sich nicht um­gehen läßt, das Augenmerk der zivilisierten Welt auf jenen barbarischen Vernichtungskampf zu len­ken, den britischen Imperialismus und internatio­nale Bodenspekulation gegen den Lebenswillen eines freiheitsliebenden Volkes führen. Das ist um so mehr angebracht, als die englische Pressepropa­ganda jedesmal ein furchtbares Gezeter erhebt, so­bald die zu ihrem völkischen Bewußtsein erwachten Nationen Europas sich von ein paar jüdischen Schmarotzern befreien, während dieselbe Presse es offenbar für ganz natürlich hält, wenn in Palä­stina ganze Dörfer in die Luft gesprengt werden und Frauen und Kinder dabei zugrunde gehen, nur weil ein freiheitsliebendes Volk sich in seiner Exi­stenz auf das schwerste bedroht fühlt. So wurden in nur vier Monaten nach einer amtlichen Verlaut­barung mehr csis 1000 Araber hingemetzelt, davon im Oktober allein 449. Was aber in Palästina an Vergeltungsmaßnahmen", Strafaktionen, Todes­urteilen, Häusersprengungen von den britischen

Mandatsbehörden unternommen wird, um ein seit vielen Jahrhunderten im Besitz der Araber befind­liches Land den Juden auszuliefern, ist der Gipfel brutaler Kolvnisativnsmethvden, in denen die Eng­länder ja schon immer Meister waren. Wir brau­chen nur an die Kämpfe gegen die Waziris an der indischen Nordwestgren^e zu erinnern und an den Burenkrieg, in dem unschuldige Mütter und Kinder in Konzentrationslagern in einer allen menschlichen Gesetzen hohnsprechenden Weise behandelt wurden. Die gleichen Blätter, die alle diese zynischen Ver­brechen an menschlicher Kultur und Moral mit Stillschweigen oder Achselzucken übergehen, ent» blöden sich nicht, gegen Deutschland eine wüste Gräuelhetze zu entfesseln, weil das deutsche Volk zur Abwehr eines feigen Meuchelmordes eine durchaus gerechtfertigte und sich in humanen Grenzen hal­tende Aktion gegen die Juden innerhalb seines eige­nen Gebietes eingeleitet hat. Dies Ablenkungs­manöver ist nichts als eine bodenlose Heu­chelei. Aber es verfängt heute nicht mehr, denn in der ganzen Welt gibt es trotz der infamen Gräuelhetze englischer und amerikanischer Blätter noch genug urteilsfähige Menschen, die wissen, daß Englands Kolonialgeschichte mit einem Strom von Blut geschrieben wurde, was sich auch durch ein noch so lautes Geschrei über die Maßnahmen gegen die Juden in Deutschland nicht aus der Welt schaf­fen läßt.

Arabische Bedingungen für die Londoner Konferenz.

Kairo, 14. Nov. (Europapreß.) Der in Syrien lebende G r o ß m u f t i von Jerusalem erblickt in der von England verlangten Ausschließung der sämt­lichen arabischen Führer von der Londoner Konfe­renz einen neuen Versuch, die arabische Bewegung in Palästina ihrer Führung zu berauben. England versuche damit auch, diese Bewegung zum Zusammenbruch zu bringen. Weiter wird in arabi­schen Kreisen betont, England glaube, mit Hilfe ihm freundlich gesinnter Araber, wie des Emirs von Transjordanien, seine Absichten verwirklichen zu können, das werde jedoch ebenso fehlschlagen, wie der seinerzeitig Versuch einer Zerschlagung des Arabischen Komitees. Die arabische Führung sei da­gegen bereit, mit London auf der Grundlage der in Kairo auf dem Panislamitischen Kongreß be- fchlossenen Mindestforderungen zu verhandeln.