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Nr. 242 Erstes Blatt

188. Jahrgang

Samstag, 15./5onntag,lb. Oktober 1938

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Frankfurt am Main no86

Sietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Deutschland und der Güdosten ergänzen sich.

Ein natürlicher Wirischastsraum mit größten Entwicklungsmöglichkeiten. Keine einseitige Abhängigkeit sondern Verstärkung des Warenaustauschs durch neue Methoden.

Reichsminister Funk über das Ergebnis seiner Südost-Reise. Ein neuer wirkschaftspolitischer Impuls.

Sofia, 15. Oft. (DNB.) Reichsminister Funk machte vor der Presse Ausführungen über seine in Sofia zum Abschluß gebrachte Südostreise. Der Minister führte aus:Meine Reise hat nicht den Zweck, den Südosten in eine irgendwie geartete Abhängigkeit von Deutschland zu bringen. Die Methoden, die ich bei allen Stellen in Vorschlag gebracht habe, sind derart, daß nur d i e bereits bestehenden wirtschaft­lichen Verhältnisse durch eben diese Me­thoden voll ausgenutzt werden können. So wie sich der deutsche Warenaustausch mit dem Süd­osten jetzt abspielt, wird niemals eine ein­seitige Abhängigkeit des Südo^stens entstehen, denn die deutsche Wirtschaft und die Südostwirtschaft ergänzen sich einander auf das glücklichste. Eine Abhängigkeit der Wirt­schaften der Balkanstaaten von fremden Wirtschaf­ten kann nur dann entstehen, wenn wirtschaftliche Beziehungen hergestellt werden würden, deneiv die natürlichen Voraussetzungen fehlen.

Es ist nicht wegzuleugnen, daß von der Aordsee bis zum S ch w a r z e n 2N e e r ein natürlicher Wirtschaftsraum besteht, in welchem viele nationale Wirtschaf­ten Platz haben. Die Ideen, die ich den ein­zelnen Regierungen unterbreitet habe, beruhen darauf, daß in allen Staaten noch uner- schlofsene wirtschaftliche Mög­lichkeiten vorhanden sind. Deutschland wird nun helfen, diese noch nicht erschlossenen Bodenschätze und Bodenerzeugnisse zu e n t - wickeln und zu heben. Auf diese Weise wird der Südoslen eine größere Kauf­kraft und einen höheren Lebens stau- d a r d erhalten. Er wird von Deutschland mehr kaufen können als bisher, und um­gekehrt wird Deutschland ein noch größerer Kunde des Südosiens werden. Deutschland wird, da die Möglichkeiten einer Produktionssteigerung vielfach beschränkt sind, a u f dem Wege von Warenkrediten dem Süd- osten helfen. Ein deutscher Kredit ist der Tür- k e i bereits in Höhe von' 150 Millionen Reichs­mark bewilligt worden. Es ist dies nicht eitle Ver­schuldung des Landes im althergebrachten Sinne, denn Deutschland wird dafür mehr Waren aus der Türkei einführen als bisher. Im Gegensatz zu diesen Warenkrediten stehen De­visenoerschuldungen, da sie zu deflationistischen Maßnahmen führen, wodurch sich die Wirtschafts­lage eines Staates , verschlechtern muß. An dieser Methode können aber die Staaten kein Interesse habm. Ich habe bei allen Regierungen außer­ordentliche Bereitschaft gefunden, aus meine Vor­schläge einzugehen.

Man muß berücksichligen, daß außerdem ein tra f ü r I i d) e s Verkehrsband zwischen Deutschland und Südosteuropa durch die Donau gegeben ist. Wien, wird unter Berücksichtigung dieser Voraussetzung zu einem der ersten Warenumschlagsplähe aus- grbaut werden. Durch den R h e i n - M a i n - Donau - Kanal wird eine gleichermaßen natürliche Verkehrsstraße von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer geschaffen werden. Sie wird die Länder des Südostens in noch grö­ßerem Maße verkehrstechnisch erschließen, als dies bisher der Fall gewesen ist.

Wir wollen bei allem jedoch nicht den Han­del anderer Staaten verdrängen. Die neue Handelsstraße wird dann im Gegenteil auch den Handel des Südostens mit dem anderer weft- tinS norüeuropäischer Staaten steigern. Wir wol­len aber auch gewisse große Vorhaben, die für ganz Südosteuropa von Vorteil sein kön­nen, durchführen. Dabei denken wir einmal an die bereits erwähnten und im Ausbau begriffenen Wasserwege, dann aber auch an E i s e n b a h n-, Post- und Telephonverbindungen. Schließlich ist infolge der Ereignisse in der Tschecho-Slowakei eine veränderte Lage entstanden. Die Tschecho-Slowakei ist nicht mehr als reiner Industriestaat anzusprechen, sondern muß sich agrarpolitisch um st eilen. Die wirtschaftlichen Folgen aus der veränderten Lage werden mir Anlaß geben, mich bei meiner Rück­kehr in der Hauptsache damit zu beschäftigen.

Im übrigen bin ich der Meinung, daß durch diese großen politischen Ereignisse die W e/l t - Wirtschaft einen neuen Impu l s ersah- ren wird, denn nur bei einer guten Politik kann *3 eine gute und gesunde Wirtschaft geben. Die Afaehenden wirtschaftlichen Zerstörungen, die die Knse der Jahre 1931/32 anrichtete, lassen sich mit nen alten Methoden nicht mehr be­heben. Jeder Staat muß in sich selbst ge­sund werden. Rur dann wird sich ein'neues Wirtschaftsleben herauslnstallifieren, wobei in un­

gleich stärkerem Maße der Warenaustausch und die Ergänzungswirtschaften gegenüber politischen Krediten und Währungsoperationen in den Vor­dergrund treten werden. In dem Verhältnis Deutschlands zu den Südoststaaten sind alle Vor­aussetzungen für eine sämtliche Teile zufrieden­stellende Entwicklung gegeben. Da ich der lieber« zeugung bin, daß ich die Entwicklung in dieser Richtung vorangetrieben habe, bin ich mit meiner Reise zufrieden."

Bulgarien Großlieferant Deutschlands.

Irn Jahre 1936 war Äeutschland an der bulga­rischen Gesamteinfuhr in Höhe von 3,2 Milliarden Lewa (1 Lewa = 3 Rpf.) mit fast zwei. Milliarden beteiligt und an der Ausfuhr aus Bulgarien in der Gesamthöhe von 3,9 Milliarden Lewa mit 1,9 Milliarden. Da Bulgarien auch im starken Maß von dem früheren Oesterreich und dem Sudetenland Waren bezog und umge­kehrt auch in diese jetzt in das Reich rückgeglieder­

München, 14. Off. (DNB.) Der Führer empfing heute in Gegenwart des Reichsaußen­ministers v. Ribbentrop den lfchecho-stowaki- schen Außenminister Ehvatkovsky. Der tsche- cho-slowakische Außenminister gab dem Führer die Versicherung ab, daß die Tschecho-Slowakei eine loyale Haltung Deutschland gegen­über einnehmen werde, wovon der Führer mit Befriedigung Kenntnis nahm. Der Führer drückte dem tschecho-slowakischen Außenminister sein Be­dauern darüber aus, daß in der Frage der ungarischen Minderheiten noch keine Lösung gefunden sei. Er sprach die Hoffnung aus, daß es gelingen möge, auch in dieser Frfftze baldigst eine befriedigende Lösung zu finden.

Von der beflissenen und Ohr zweckvollen Nervosi­tät, die in gewissen westeuropäischen Kreisen durch Förderung einer Gefahrenpsychose und Beschleuni­gung der Aufrüstung unterhalten wird, heben sich erfreulicherweise eine Reihe von Merkmalen der Befriedung ab. So hat zunächst der Beschluß des Internationalen Ausschusses, wonach sich Volksab­stimmungen in den tschechisch-deutschen Randgebie­ten als überflüssig erweisen, die begrüßenswerte Folge, daß man schon in einigen Wochen die end­gültige Festlegung der deutsch-tschechischen Grenze erwarten darf. Auch dieser Vorgang ist nur ein wei- weiterer Beweis dafür, daß die von Adolf Hitler verfolgte und in der Viererbesprechung vom 29. Sep­tember sanktionierte Politik die einzig richtige war und vor allem auch überaus praktisch ist. Wir haben schon unmittelbar im Anschluß an das Münchener Abkommen darauf hingewiesen, daß seine Auswir­kungen sich in absehbarer Zeit auch im weiteren Umkreis bemerkbar machen würden. Die Entwick­lung hat diese Erwartung bisher vollauf bestätigt.

Ein weiteres Zeichen ist das unverkennbare Be­streben der tschechischen Regierung nach einer ver­nünftigen Revisions- und Friedenspolitik. Das drückt sich nicht nur in den Pressestimmen aus, die eindeutig eine ersprießliche Zusammenarbeit mit Deutschland fordern, um so mehr als die Finanz­lage der Tschechei infolge der beiden noch unbe­zahlten Mobilmachungen die Wiederherstellung möglichst umfangreicher wirtschaftlicher Beziehungen zu Deutschland dringend verlangt. Aber darüber hinaus spricht eine anscheinend doch recht weit­gehende innere Einkehr in Prag auch aus solchen Tatsachen wie dem merklichen Abrücken vom Kom­munismus, ferner aus der beginnenden Ueberprü- fung der Judenfrage, aus der Selbstauflösung der Freimaurer-Organisationen. Von deutscher Seite ist ja wiederholt betont worden, daß man nach end­gültiger Regelung der Grenzfrage keinerlei Hinde­rungsgrund für den Ausbau der beiderseitigen Be­ziehungen sieht. In Prag scheint man ernstlich be­reit zu sein, dieser großzügigen Verständigungsbe­reitschaft Deutschlands schon aus Gründen der Ver­nunft entgegenzukommen. Da auch die tschechisch- ungarische Frage entweder ohne oder mit noch­maliger Einschaltung einer Diermächtebesprechung in absehbarer Zeit gelöst werden dürfte, so rückt damit auch die Möglichkeit einer späteren Garantie Deutschlands für die neuen tschechischen Grenzen entsprechend den Münchener Abmachungen unter den bekannten Voraussetzungen in größere Nähe.

Die alte Außenpolitik der Tschecho-Slowakei ist gescheitert, weil der Benesch-Kurs es zwanzig Jahre lang versäumt hatte, auch nur den leisesten Versuch einer Verständigung mit dem großen deutschen Nachbarn zu machen und sich stattdessen als Hilfs­volk für die zwischen Paris und Moskau mit deut- licher Spitze gegen das deutsche Reich gebildete | Front einfpannen ließ. So muß die Tschecho-Slo-

ten Gebiete lieferte, ist der prozentuale Anteil Großdeutschlands an dem bulgarischen Außenhandel noch erheblich gestiegen. Trotzoem ergeben sich noch große Möglichkeiten einer weiteren Vertiefung der gegenseitigen Beziehungen. Bulgarien erzeugt neben Tabak und Rosenöl vor allem Mais und Weizen. Aber Bulgarien ist ein Land der kleinen und mittleren Bauern. Es ist also hervorragend für die Entwicklung land- und gartenwirt- jchastlicher Sondererzeugnisse geeig­net, die pflegliche Behandlung verlangen. Sein star­ker D b ft b a u deutet schon in diese Richtung und heute trifft man in allen deutschen Jndustriegegen- den auf bulgarische Trauben und bulgarische Äepfel. Der bulgarische Weinbau hat vor einigen Jah­ren eine Krise infolge der bekannten Schädlinge der Weinreben durchgemacht, erholt sich aber dank der rentablen Ausfuhrmöglichkeiten nach Deutschland sehr rasch. Wenig bekannt ist, daß auch Anbauver- juche mit Reis und Baumwolle in Südbul- garien unternommen wurden; im Vordergrund steht aber heute die kräftige Entwicklung des Oel- frucht- Anbaues und die Kultivierung der S o j a- Bohne.

roafei heute eine völlig neue außenpoli­tische Orientierung suchen, sie muß sich da­bei darüber klar sein, daß jede antideutsche Tendenz von vornherein ein auf gegenseitiger Achtung ge­gründetes Zusammenleben mit dem deutschen Nach­barn unmöglich machen würde. Der Besuch des, neuen tschecho-slowakischen Außenministers beim Führer und Reichskanzler darf wohl als Anzeichen dafür genommen werden, daß man in Prag sich entschlossen hat, einen neuen Weg zu suchen.

Die Tschecho-Slowakei als Bundesstaat.

Prag, 14. Oft. (DNB.) Die Prager Regierung hat eine Kommission von Verfassungsfachleuten ein­gesetzt, die die verfassungsrechtliche Lage des Staates überprüfen und neue Vorschläge machen soll. Die Kommission ist zu der Ansicht gelangt, daß infolge des Rücktritts des Präsidenten der Republik und der Gebietsabtretungen, durch die eine Reihe von Abgeordneten des Parlaments ihren ganzen Wahl­kreis oder einen Teil verloren haben, die beschleu­nigte Ausarbeitung einer neuen Verfassung und einer neuen Wahlordnung notwendig ist. Nach der neuen Verfassung wird so viel steht bereits fest die Tschecho-Slowakei ein Bundes st aat sein. Diese Tatsache allein bedingt zahlreiche Aenderungen in der bisherigen Verfassung.

Die Frage der Präsidentenwahl soll im engen Einvernehmen mit den politischen Führern der Slowakei und der Karpatho-Ukraine erfolgen. Die Vorsitzenden der Regierungsparteien haben sich be­reits darüber geeinigt, daß nur ein einziger Kandidat aufgestellt und einstimmig gewählt werden soll. Hingegen ist weder über die Person des neuen Präsidenten der Republik noch über den Wahltermin eine Entscheidung gefallen. Man nimmt an, daß die Wahl erst nach dem vollendeten Umbau der Verfassung erfolgen wird.

EinGtaatssekretariatfür Volksdeutsche in preßburg.

Preßburg, 14. Oft. (DNB.) Der slowakische Ministerrat hat beschlossen, für die Interessen der deutschenVolksgruppe in der Slowakei ein Staatssekretariat zu errichten. Mit der Leitung wurde der Führer der Deutschen Partei, Abg. Kar­masin, betraut. Auch für die ungarische Volksgruppe wird ein Staatssekretariat ge­schaffen werden. Staatssekretär Karmasin besuchte bereits den neuernannten slowakischen Schulminister Sernal und legte ihm eine Reihe von Dor­sch l ä g e n für die Regelung der Kultur- und Schul- autono'mie der Deutschen in der Slowakei vor. Minister Cernak sagte weitgehendes Entgegenkom­men zu. Auf Antrag des Staatssekretärs Karmasin wurden für das Gebiet der Slowakei von der neuen slowakischen Regierung Adolf HitlersM e i n Kampf" und folgende fünf reichsdeutsche Zeitungen freigegeben: derVölkische Be­obachter", dieMünchener -Neuesten Nachrichten", dieBerliner Börsenzeitung", dieFrankfurter Zei­tung" und dieNeue Freie Presse". Außerdem wurden zwei polnische Zeitungen und die bisher verbotenen italienischen Zeitungen zugelassen.

Von den Pariser Zeitungen wird hervorgehobem daß die deutsch-tschechischen Beziehu gen nach dem beiderseitigen Verzicht auf Volks­abstimmungen in den bisher umstrittenen Gebieten in eine neue Phase der freundschaftlichen Zusam­menarbeit eingetreten seien. Jetzt, wo die Tschecho- Slowakei Opfer gebracht habe, so schreibt der Paris Soir", verstehe sie sich mit Deutschland am leichtesten. Das sei natürlich und eine politische und wirtschaftliche Notwendigkeit,

Der Angriff im Süden.

Während das kleine Europa in den letzten Wo- chen auf dem schmalen Brett zwischen Krieg und Frieden balancierte, ist die Welt draußen nicht still­gestanden, wenn sie auch wohl einen Augenblick den Atem angehalten haben mag in der Erwartung der Rückwirkungen, die eine europäische Katastrophe auch auf die von uns aus gesehen peripherischen Probleme haben mußte. Fast hatten wir über un­seren Sorgen im eigenen Hause vergessen, daß im Fernen Osten ein halber Erdteil in Flammen steht, daß auf den Schlachtfeldern Mittelchinas nun schon feit länger als einem Jahr mit wachsender Erbitte­rung und mit Einsatz immer größerer Machtmittel um den Führungsanspruch in der ganzen östlichen Welt gerungen wird und daß es scheint, als ob Ent­scheidungen heranreifen würden, die auch die bis­lang nur im Hintergrund des chinesischen Kriegs, theaters agierenden Mächte vor neue und schwer­wiegende Entschlüsse stellen könnten. Marschall Tschiangkaischek, der nach wie vor die Seele des chinesischen Widerstands gegen Japans Forde­rung nach Zusammenarbeit der beiden ostasiatischen Mächte unter japanischer Führung ist, hatte aus den mörderischen Schlachten um Schanghai zwar nur wenige seiner modern bewaffneten und geschulten Kerntruppen retten können, aber es war ihm ge­lungen, in der Weiten Kriegsphase die Japaner in zermürbenden Skellungskämpfen so lange hinzu- halten, bis aus eilig zusammengeholten Prooinzial- armeen wieder eine schlagkräftige Truppe bereit« stand, die nun den Japanern den Vormarsch längs der Lunghai-Bahn nach Westen zu und von Peking und Tientsin her durchs die Provinzen Hope und Schantung nach Süden' aufs äußerste erschwerte. Wenn auch erst nach vollen drei Monaten harter Kämpfe die Schlüsselstellung an der Lunghai-Bahn bei Sutschau nicht länger zu halten war, so konnte sich Tschiangkaischek doch der völligen Umfassung und Vernichtung rechtzeitig entziehen und weiter nach Westen auf Hankau ausweichen. Die Japaner stießen zwar schnell und energisch nach, um Hankau von Norden anzugreifen, aber die riesigen lieber- schwemmungen im Flußgebiet des Hoangho setzten diesen Operationen bald ein Ziel und zwangen die Japaner, den Angriff auf Hankau vorerst frontal durch den Vormarsch am Iangtsekiang entlang an­zusetzen. Das war ein überaus mühseliges und zeit­raubendes Unternehmen, das die ganzen Sommer­monate in Anspruch genommen hat und bei den immer länger werdenden und von chinesischen Frei­schärlern ständig beunruhigten Nachschublinien von Japan außerordentliche Kraftaufwendungen verlangt hat, die was ja ein Kennzeichen der japanischen Kriegführung in China überhaupt ist immer nur tropfenweise, ruckweise nach langen Pausen der Sammlung und Beobachtung geleistet wurden.

Japan ist ja nur sehr langsam und zögernd an die Ausweitung diesesZwischenfalles" zum offe­nen Konflikt und schließlich zum großen Festlands­krieg mit Millionenarmeen auf beiden Seiten her- angegangen. hatte offenbar gehofft, sein Ziel einer Ausschaltung der antijapanischen Strömung und einer Sicherung seiner Vormachtstellung in Nordchina durch Anwendung militärischer Druck­mittel schneller zu erreichen. Stattdessen hatte die japanische Aktion den noch zögernden Tschiangkai­schek, der das chinesische Volk weder militärisch noch organisatorisch für einen Entscheidungsgang mit der modernen japanischen Weltmacht für hin­reichend gerüstet hielt, unter dem wachsenden Druck der zum Kampf gegen Japan drängenden südchine­sischen Radikalen zum äußersten Widerstand ge­zwungen, wollte er sich nicht die Führung des chine­sischen Volkes aus der Hand winden lassen. In Tokio hat man wohl lange den Widerstandswillen und die an den Schwierigkeiten und Mißerfolgen wachsende Widerstandskraft der Chinesen unter­schätzt. Man wollte und konnte sich auch nicht ganz entblößen und alles auf die chinesische Karte setzen, mußte vielmehr stets ein Auge haben auf die Hal­tung der übrigen an allen Dingen des pazifischen Raums höchst interessierten Mächte, von denen be­sonders die Sowjetunion seit Beginn des Konflikts stets auf der Lauer lag, um bei passender Gelegen­heit den Japanern Schwierigkeiten zu machen, wie ja überhaupt man in Tokio geneigt ist, den Wider­stand der Chinesen, namentlich der Regierung Tschiangkaischek und der sie beherrschenden Kuo­mintang, der chinesischen Einheitspartei, gegen den Wunsch auf Zusammenarbeit mit China dem bol­schewistischen Einfluß zuzuschreiben. So hat die ja­panische Regierung sich nur zögernd entschlossen, mehr und mehr Streitkräfte auf dem Festland zu binden. Die riesige Ausdehnung des Kriegsschau­platzes und die mit dem Vorrücken der japanischen Truppen ins Innere der Landes wachsenden Nach­schubschwierigkeiten für ein modernes Heer brach­ten die Gefahr einer Verzettelung der Kräfte mit sich, zumal auch die ungeheuer ausgedehnte Etappe mit immer wieder überall aufflackernden Banden­kämpfen, Sabotageakten und Rachetaten, selbst in den Millionenstädten Peking und Schanghai, starke japanische Truppenmassen im Hinterland band. Erst die im Sommer großzügig eingeleitete Operation gegen Hankau ließ eine wenn auch oft vielleicht nur sehr lose zusammenhängende einheitliche Frontlinie erkennen. Sie umfaßte die Stadt Han­kau in einem weiten Bogen von mehr als 1200 Kilometern vom Hoangho und der Lunghai-Bahn im Norden über Kiukiang am Iangtsekiang im Osten bis zur Westspitze des Po-jangsees und Nan- tschang. Da der Vormarsch am Iangtsekiang ent­lang, wie schon erwähnt, auf außerordentliche Schwierigkeiten stieß die Japaner mußten eine chinesische Flußsperre nach der anderen mühsam er­obern so mußte den japanischen Heerführern vor allem daran gelegen sein, die chinesische Ver­teidigung der Stadt, die den Vorteil der inneren

Oer tschecho slowakische Außenminister beim Führer.