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haben sich bereits 400 Teilnehmer aus 15 Ländern angemeldet. Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs Hot die Schirmherrschaft des Kongresses übernommen, als Vertreter der Reichstheaterkam­mer wird Reichstulturwalter ^-Oberführer $ i n kel an dem Kongreß teilnehmen. Richt allein Be­rufskünstler, sondern auch sehr viele Amateure werden zu dem Kongreß nach Frankfurt kommen. Es ist oft seltsam, aus welch verschiedenen Berufen die Amateurzauberkünstler kommen. Da finden sich Juristen, Industrielle, kaufmännische Angestellte, hohe Militärs, Musiker und andere Berufe. Die großen Tricks so erzählt uns der künstlerische Leiter des Kongresses, Rudolf Rieth sind alle von Amateuren erdacht , worden. Denn so fügt er erläuternd hinzu, die Amateure haben viel mehr Zeit, einen Trick zu erdenken und auszuarbeiten als die Berufskünstler. Und so kann man ost genug den etwas seltsamen Dorgong verfolgen, daß ein Berufszauberkünstler von einem Amateur einen Trick kauft. Unter den Amateurzauberkünstlern, die nach Frankfurt kommen, ist auch der bekannte Kom­ponist Hermann Zilcher. Der 1912 gegründete Magische Zirkel ist die einzig zugelassene und aner. kannte Vereinigung zur Pflege und Förderung der modernen Zauberkunst in Deutschland. Er umfaßt vier korporativ angeschlossene ausländische Vereine mit etwa 700 aktiven Amateur- und Berufszauber, fünftlem. Jedes Mitglied des Magischen Zirkels muß vor der Aufnahme eine Pr ü fu n g ablegen und ist nach Erwerbung der Mitgliedschaft ver­pflichtet, sämtliche Tricks geheim zu hal- t e n. Das ist das oberste Gesetz des Magischen Zirkels; alle Geheimnisse der Zauberkunst sind der Außenwelt gegenüber geheimzuhalten. Im Geheim­nis liegt allein schon der größte Zauber.

Um den .Ring des Magischen Zirkels".

Im Mittelpunkt des Programms des 26. Inter­nationalen Kongresses steht der Wettkampf um denRing d e s M a g i s ch e n Z i r k e l s". Dieser Ring wird auf dem diesjährigen Kongreß zum dritten Male an den besten Zauberkünstler ver­liehen. Der erste, der ihn 1936 errang, war Alfred Keßler. 1937 auf dem Kongreß in Berlin holte ihn sich Marvelli, einer der bekanntesten Zau­berkünstler mit den besten Zigaretten-Tricks. In diesem Jahre wird er nun zum dritten Male in einem freien Wettstreit der Leistungen vergeben. Außerdem werden noch zwei weitere Preise auf dem diesjährigen Kongreß zum Austrag kommen: ein zweiter Preis, der von dem Schirmherrn des Kon­gresses, Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs 'gestiftet ist, und ein dritter Preis, eine Stiftung des Präsidenten des Magischen Zirkels Helmut Schreiber, der für den geheimnisvollsten Trick gegeben wird. Das Preisrichterkollegium besteht aus dem Vorsitzenden Dr. T e u m e r , einem Berufs­künstler, einem Amateur, einem Laien aus dem Publikum und zwei Beisitzern. Ausgetragen wird der Wettbewerb in der Festoorstellung und der Reuheiten-Ausstellung. Die festliche Eröffnung des Kongresses findet am 17. September statt.

«Hebeimnisvolle Zaubergeräte.

Don besonderer Bedeutung wird für die Mit­glieder des Magischen Zirkels das Magische Seminar sein. Die Leitung des Magischen Se­minars hat Dr. T e u m e r. Selbstverständlich ist das Maische Seminar streng geheim und nur den Mitgliedern des Magischen Zirkels und ausländi­scher Vereinigungen zugänglich. In diesem Magi­schen Seminar werden nue unbekannte Tricks er­klärt, zum Teil in allen Einzelheiten im Film gezeigt. Während der Dauer des Kongresses findet eine Magische Messe statt, in der, ebenfalls nur an dis Mitglieder des Zirkels, Zauberapparate und sonstige Geräte der Zauberei verkauft werden. Hier kann man alle magischen Neuheiten bewun­dern, den neuen Talerfang-Kühler, die verbesserte Wunderglocke, den Jdeal-Tuchrevolver, die Astral- Uhr, die Wandernde Flasche oder die Kartensonne und alle anderen geheimnisvollen Zaubergeräte. Auf dem seltsamsten aller Kongresse in Frankfurt wird man diese geheimnisvollen Zaubexgeräte nicht nur kaufen können, sondern wird mit Staunen und Bewunderung sehen, wie sie von den Zauber­künstlern aller Welt meisterhaft gehandhabt wer­den. r.

Aus her Stadt Gießen.

Begegnung mit leichten Geschöpfen.

Wir gingen um eine Straßenecke ins Freie. Plötz­lich sahen wir am Himmel Drachen stehen. Da hin­gen die goldgelben und süßrosa Fließpapiere um leichte Lättchen im ganzen Gewimmel umher, sie kurvten sich langsam hoch, sie trugen Schwänze aus Papier, um das Gleichgewicht zu halten.

Während wir schmunzelnd den munteren Vögeln zusahen, brauste plötzlich, ruhig und gewaltig, eine Verkehrsmaschine der Luft hoch über all dem hin­weg. Und man dachte im gleichen Augenblick an die eigene Jugend. Denn als wir Buben waren und Drachen bauten, da bauten Lilienthal und Farman und bauten die Gebrüder Wright andere und grö­ßere Drachen. Jene Maschinen, die über bie Felder hoppelten und manchmal nur hundert Meter weit flogen. Aber sie waren der wahrhafte Beginn der Lufteroberung.

Wir aber, während wir mit Kordeln und Drachen über die Sieder zogen, träumten von den Flug­maschinen, die so gewaltige Wasserwüsten wie den Aermelkanal hinter sich brachten und so ungeheure Höhen wie achthundert Meter erklommen. Mußte nicht mit der Eroberung der Luft und der plan­mäßigen Selbstverständlichkeit der Verkehrsfliegcrei die kindliche Freude am Drachensteigen nachlassen?

Aber siehst du, da gingen wir dahin und die Kinder ließen Drachen steigen, wie einstmals. Schöne, stattliche, farbige Seidentiere, knisternd und bunt. Dann sahen wir ein kleines Mädchen sprin-- gen. Es hatte auch einen Drachen. Den rührendsten und primitivsten aus unserer eigenen Kindheit. Ein Blatt aus dem Schulheft, rechts gefaltet, links ge­faltet, ein Stück Nähfaden am einen Ende befestigt. Siehe, es flog auch. Die Augen des Mädchens leuchteten. So wenig Papier kann so großes Glück bedeuten.

Der Kinder Spiele sind unvergänglich. r. k.

Sornoiizen

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Diskretion Ehren­sache." Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Ver­wehte Spuren."

BOM.-llntergau 116 Gießen.

Dienstbefehl l

Am kommenden Sonntag, 18. September, treten alle Führerinnen, einschließlich Schäftführerinnen, Sportwartinnen, Geldverwalterinnen und Sozial- warttnnen des Kreises Friedberg zur Uebernahme durch die neue Untergauführerin. und zwecks Neu­einteilung der Gruppen um 10 Uhr an der Unter» gaudienststelle des bisherigen Untergäues in Bad- Nauheim, Moltkeftraße, an. Ende der Tagung gegen 13 Uhr.

Keine bevorstehende Einführung der Kalkulationspflicht im Handwerk.

Fwd. Der Reichskommissar für die Preisbildung teilt mit: Entgegen privaten Mitteilungen, die in letzter Zeit auch ihren Weg in die Presse gefunden haben, wird die Einführung der Kalkulationspflicht im Handwerk, insbesondere auch im Bauhandwerk, zur Zeit nicht erwogen. Im Interesse höherer Wirtschaftlichkeit ist es allerdings sehr erwünscht, wenn das Kalkulations« und Rechnungswesen auch im Handwerk Fortschritte macht. Eine solche Ent­wicklung setzt jedoch eine umfangreiche Vorberei- tungs- und Erziehungsarbeit voraus, die keines­wegs durch Verordnungen ersetzt werden kann. Die Einführung der Kalkulationspflicht würde auch dem Erlaß des Reichswirtschaftsministers vom 11. No­vember 1936 widersprechen, mit dem gleichfalls die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit im Handwerk ange­strebt wurde. Unrichtige Meldungen über eine be­vorstehende Einführung der Kalkulationspflicht sind dagegen nur geeignet, Verwirrung zu stiften und die schon sehr bemerkenswerten Ansätze zur selbstän­digen Entwicklung eines geordneten Rechnungs­wesens und einer richtigen Kostenerfassung im Handwerk zu stören.

Gießener Dochenmarktprette.

G i e ß e n, 15. Sept. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Vt kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse C 11)4, ausländische Kühlhauseier 11 bis 12%, Wirsing, % kg 8 bis 10, Weißkraut 8, Rot­kraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Karotten 10, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 30, gelb 30, Tomaten 20 his 35, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 45 bis 60, Rha­barber 12, Kürbis 6 bis 8, Pilze 30 bis 50, Kar­toffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,30 bis 4 Mark, Aepfel, % kg 25 bis 45 Pf., Falläpfel 15, Birnen 25 bis 40, Brombeeren 40 bis 55, Preisel­beeren 40, Hauszwetschen 23, Edelzwetschen 40 Pf., junge Hähne 1,10 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 30, Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 2 bis 6, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15, Ra­dieschen, das Bündel 10 bis 12 Pf.

** Arbeitsjubiläum Am heutigen Tage feiert der Arbeiter Karl Heinrich D öII aus Linden- struth bei den Gailschen Tonwerken in Gießen fein 25jähriges Arbeitsjubiläum. Herr D ö 11 ist in die­sem Betriebe seit seinem Eintritt als Werksttmmer* mann beschäftigt. Er hat sich während dieser Zeit die Zufriedenheit und Achtung der Betriebsführung erworben, und 'mit allen Mitarbeitern pflegt er gute Kameradschaft. Durch die Firma und seine Arbeits-. kameraden wird der Jubilar an seinem Ehrentage entsprechend gefeiert werden.

** Verein der Aquarien- und Terra- rienfreunbe gegründet. Dieser Tage wurde in Gießen ein Verein der Aquarien- und Terrarien- freunde gegründet. Der junge Verein wird am kom­menden Samstag mit einer Versammlung an die Öffentlichkeit treten. Der Gauvorsitzende des (Baues 18 im Reichsverband deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde, Willy Ullrich, Frankfurt a. M., wird über Ziele und Zwecke des Reichsverbandes sprechen. Außerdem sollen zwei Filme gezeigt werden.

Mfirafl durch Freude" in den Minier1038/39

Erweitertes Programm für Stadt und Land.

Die NS.-GerneinschastKraft durch Freude" in der Deutschen Arbeitsfront, die es sich seit über fünf Jahren mit großem Erfolg zur Aufgabe ge­macht hat, alle schaffenden Volksgenossen zu leben­digem Anteil am gesamten deutschen Kulturleben zu führen, hat auch für den Winter 1938/39 vor, diese Arbeit zielbewußt fartzuftihren. Um einen breiteren Kreis unserer Bevölkerung mit den Ab­sichten und dem Veranstaltungs-Programm vertraut zu machen, hat Kreiswart Pg. Dopheide (Gie­ßen) die Vertreter der Presse im Kreis Wetterau mit dem Vorhaben der Kreiswaltung Wetterau der NSG. ,Kraft durch Freude" bekannt gemacht. Da­bei ließ sich die Erkenntnis gewinnen, daß das Programm für den Winter 1938/39 sowohl für die Stadt als auch für das Land eine erhebliche Aus­weitung erfahren hat. Durch die Zusammenlegung der Kreise Gießen und Friedberg zumKreis Wetterau" hat sich für die Kreiswaltung eine außerordentliche Vermehrung der Aufgaben er­geben.' 155 Orte gilt es zu betreuen, dazu 537 Be­triebe mit je über 5 Mann Gefolgschaft, darunter 220 Betriebe mit über je 20 Mann Gefolgschaft.

Die bevorstehende Winterarbeit soll im Rahmen von sog.Feierabendringen" geleistet wer­den, denen möglichst viele Volksgenossen angehören sollen. Die bisherigen reinenTheaterringe" kom­men in Fortfall. Diese Feierabendringe sollen ins­besondere in den Städten Gießen, Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach stark ausgebaut werden. Veranstaltungen für die Stadt Gießen

Für die Stadt Gießen ist im Rahmen des Feierabendrings eine stattliche Anzahl verschieden­artigster Veranstaltungen vorgesehen. Das Theater wird zwölf Vorstellungen bieten, und zwar auf das Winterhalbjahr gleichmäßig verteilt folgende Aufführungen:Der süßeste Schwindel der Welt", Sommernachtstraum",Der Frontgockel",Rigo- letto",Flachsmann als Erzieher",Die Tänzerin Fanny Elßler",Fidelio",Das Weib des An­dern",Die lustige Witwe",Lauter Lügen",Die andere Seite" undDer Rosenkavalier". Ferner sind zwei große bunte Abende, zwei Konzerte, ein Gastspiel der Kuban-Kosaken und eine Revue Wiener Spielzeugschachtel" (mehrtägiges Gastspiel) vorgesehen.

Dazu kommen noch einige Veranstaltungen aus Anlaß der Gaukulturwoche und des Jah­restages der NSG. »Kraft durch Freude". Die G a ukulturwo ch e (23. bis 30. Oktober) bringt den Dichterabend Bruno Brehm, eine sudeten­deutsche Morgenfeier und als Festaufführung Shake­spearesSommernachtstraum".

Zum Jahrestag der NSG.Kraft durch F r e u d e " ist als FestaufführungRiga- letto" gedacht, der unmittelbar der Rechenschafts­bericht des Kreiswarts Pg. D o p h e i d e (Gießen) über die Jahresarbeit vorausgehen wird. Für

Anfang Oktober ist die Abhaltung eines Oktober- f e st e s in der Volkshalle vorgesehen.

Selbstverständlich sind für die Städte Butz­bach, Bad-Nauheim und Friedberg ebenfalls umfangreiche Programme ausgearbeitet. Die dabei vorgesehenen Theater-Aufführungen wer­den vom Rhein-Mäinischen Künstler-Theater be- stritten.

Beste Unterhaltung auch für die ländliche Bevölkerung. Alle Sorgfalt wird auch der Programmgestaltung für die ländliche Bevölkerung gewidmet. Theater, Film, Bunte Abende und Dorfgemeinschastsabende, insgesamt 150 Veranstaltungen sind vorgesehen. Hierbei wirken eine Theatergruppe, Wehrmächte- kapellen, ein Gau^VarteteLache mit uns!", ein lustiges Wochenend-Kabarett sowie Künstler des Gießener Stadttheaters mit. Für die Volksgemem« schaftsabende werden auch dieKdF."- Volkstums»

Hein«

aruppenAlten-Bufecker Spielschar",Spielschar Wißmar", SingscharGoldkehlchen" Ober-Rosbach, die Musikschar Nieder-Rosbach und die Tanzgruppe Ober-Rosbach eingesetzt. Die NSG. ,Kraft durch Freude" wird außerdem bei der Durchführung größerer und alter heimatlicher Veranstaltungen. Mitwirken, so z. B. beim (Brünberger Gallusmartt sowie beim Friedberger Herbstmarkt. Das Pro­gramm für die Staat Grün berg liegt noch nicht in allen Teilen fest. Lediglich vier Theater- aussührungen (durch das Rhein-Mainische Künstler- Theater) können gegenwärtig genannt werden. Es werden gegeben:Viel Lärm um Nichts",Der Weibsteusel",Spatzen in Gottes Hand" und Was den Damen gefällt. Für Bad-Nauheim, sind u. a. zwei größere und bedeutende Veranstal­tungen vorgesehen: ein Konzert des NS-Reichs- Symphonie-Orchesters und ein Gastspiel desRo­mantischen Balletts".

Eigener Dortragsdienst im Dollsbildungswerk.

Für die Bereicherung des Allgemeinwissens aller Kreise der Bevölkerung, auch auf dem Lande, soll wiederum dasVolksbildungswerk" sorgen. Zu die­sem Zweck wurde ein eigener Kreisvo rtrags- dienst organisiert, der in 16 Orten des Kreises

Kannst duzunilk, Sore?

Roman von Hedda Lindner.

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35.

15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Die schöne Carola bekam ihn zu spüren. Wenn sie geglaubt hatte, als schuldlos geschiedene Frau ohne die läftige Beigabe eines ungeliebten Mannes ihr angenehmes Leben fortsetzen zu können, so wurde sie bitter enttäuscht. Da Gerald nicht über eigenes Vermögen verfügte, Verträge über feine Stellung nicht vorhanden und er außerdem bei seinem Onkel tief in Schulden war, konnte er sie nicht alimentieren. Carola sah sich also eines Tages gezwungen, das Carlton in Berlin, wo sie die Er- lebigung der Scheidung mit Modeschauen, Tanztees und ähnlichen Zerstreuungen äbzuwarten gedachte, wegen gänzlichen Versiegens der Geldquellen mit dem Elternhaus zu vertauschen, wobei ihr Vater, ein sehr rechtlicher Mann, ihr so deutlich seine Mei- nung sagte, daß das kleine Hausmädchen nachher behauptete, er habe sie geschlagen.

Jedenfalls gab es ein großes Hin und Her der Rechtsanwälte, und schließlich setzte ihr der alte Freiherr eine Rente aus, die nicht einmal dem entsprach, was sie sonst für Hüte, Parfüms und Handschuhe auszugeben pflegte. Sie blieb einst­weilen bei ihren Eltern, von der Mutter wie immer maßlos verwöhnt, vom Vater geduldet, und über­legte, wie sie sich am raschesten wieder die Mittel zu ihrer früheren Lebenshaltung verschaffen könnte.

Die Voruntersuchung erstreckte sich über einen Zeitraum von fast sieben Monaten. Es waren schwerwiegende Indizien, die gegen Gerald sprachen. Er hatte nachweislich von seinem Onkel einen höhe- ren Geldbetrag verlangt, der ihm verweigert wurde, wobei es zu einer heftigen Auseinandersetzung ge­kommen war. Drei Tage darauf war der alte Frei­herr in die Stadt gefahren, um auf einer Bank verschiedenes zu erledigen-, dort mußte er etwas sehr unangenehmes erfahren haben: denn er befahl in großer Aufregung feinem Chauffeur, sofort nach Rehwaldau umzukehren, was ursprünglich nicht im Programm gestanden hatte.

Es bedurfte keiner langen Untersuchung, um fest­zustellen, daß der Bank ein Scheck vorgelegt worden war über den gleichen Bettag, den Gerald von seinem Onkel verlangt hatte. Der Scheck trug Fried­rich Clemens' Unterschrift und wurde anstandslos

honoriert; der Name des Ueberbringers auf der anderen Seite war unleserlich und unbekannt. Man entsann sich feiner dunkel als eines älteren Herrn mit Vollbart und Brille. Anscheinend eine ziemlich primitive Maskierung, die nur Erfolg hatte, weil niemand argwöhnisch war. Der alte Baron zahlte häufiger große Beträge durch Scheck.

Der Scheck nun war gefälscht, und der Unter» uchungsrichter folgerte so: Friedrich Clemens hatte einen Neffen wegen dieser Fälschung zur Rede ge- tellt und ihm mit Enterbung gedroht. Das konnte ür Gerald als Motto ausreichen, ihn durch Nieder» chießen daran zu verhindern. Gerald bestritt zwar nicht nur den Schuß, sondern auch die Fälschung auf das entschiedenste, aber er war der einzige, dem das Scheckbuch zugänglich war.

Für ihn sprach andererseits, daß diese Fälschung außerordentlich töricht war; denn er mußte damit rechnen, daß sein Onkel sie schon bei der nächsten Bankabrechnung feftstellen würde.

Das ist richtig", gaben seine Gegner zu,es sei denn, er rechnete damals schon damit, seinen Onkel vorher auszuschalten."

Dann müßte die Anklage auf Mordversuch lauten", sagte der Staatsanwalt, und nicht auf Totschlagsoersuch."

Als Geralds Onkel einigermaßen wiederhergestellt war, trat er also mit aller Energie für seinen Neffen ein. Das blieb gewiß nicht ohne Eindruck, aber auch da erhoben sich gegnerische Stimmen, die zum Ausdruck brachten, daß diesem alten Aristo­kraten vor allem daran läge/ seinen Namen rein» Anhalten, und daß er in diesem Bestreben auch den schuldigen Neffen decken würde.

So ging es eine ganze Zeit mit dem Für und Wider. Der Bruchteil einer Sekunde entschied die Sache.

Der Förster Schröder war damals zum Bericht gekommen und stand grabe am Fuß der Treppe in der großen fialle, als der Schuß fiel. Die Schrecksekunde war bei dem Forstmann nur sehr kurz, und er jagte in großen Sprüngen die Treppe hinauf. Oben stieß er auf Gerald, der von der anderen Seite des langgestreckten Flures herbei- aeftürmt kam, und sie rannten zusammen in das Arbeitszimmer.

Hätte Gerald den Schuß abgegeben, so hätte er von der Tür des Arbeitszimmers bis zur Treppe mindestens ebensoviel Zeit gebraucht wie der För­ster, um die Stufen zu nehmen. Er war aber von rechts gekommen, aus der Richtung seines Zim­mers, das auf dieser anderen Seite lag.

Nun fragte sich folgendes: konnte er den Schuß abgeben, den Korridor hinunterrennen, an der Treppe vorbei; dann kehrtmachen und wieder zu­rück in der gleichen Zeit, die Schröder brauchte, um die Stufen hochzujagen?

Der Untersuchungsrichter Dr. Goltz var ein äußerst gewissenhafter Mann. Beim Lokaltermin mußte der Förster unendliche Male die Treppe hinaufstürmen, während er mit der Stoppuhr dabei stand. Es handelte sich um Sekunden, aber es er­wies sich immer wieder, daß auch bei größter Schnelligkeit Gerald mindestens einen Meter vor der Treppe hätte stehen müssen, als er mit dem Förster zusammentraf, während er noch gut drei­viertel Meter hinter der Treppemnünbung war, was Schröber bereit war, auf seinen Eid zu neh­men. Er entsann sich trotz der Aufregung genau, daß er erst den Kopf nach rechts gedreht hatte, als er Gerald sah, und dann mit ihm nach links weiter­gelaufen war.

Dr. Goltz stand nach Beendigung des Lokalter­mins in der Halle und war tm Begriff, aufzubre­chen, als der Chauffeur zwei wundervolle persische Windhunde hereinführte, die sich sogleich vor den Kamin lagerten, ohne den Fremden zu beachten.

Dr. Goltz war ein großer Hundeliebhaber.Das sind ja Sakulis", sagte er interessiert.Eine seltene Rasse hier in Deutschland."

Die verstorbene Baronin züchtete sie, es waren ihre Lieblingshunde, und darum werden sie weiter gehalten."

Dr. Goltz kam näher.Das kann ich verstehen. Ein paar Prachtexemplare", sagte er bewundernd.

Ja, es sind schöne Tiere, darum waren wir auch sehr in Sorge, daß sie uns eingingen."

Ach! Wohl Staupe, sie scheinen noch jung zu sein?"

Staupe gerade nicht", antwortete der Chauffeur zögernd, dann entschlossen:Es sind die Hunde des jungen Barons, der führt die Zucht weiter. Und wie er weg war, haben sie wochenlang nicht fressen wollen."

So hängen sie an ihrem Herrn? Windhunde gelten doch im allgemeinen nicht als besonders treu?

Diese wohl. Und an dem jungen Herrn hängen alle Tiere, auch die auf dem Hof", lautete die ieb» haste Antwort.Wenn der Tierarzt kommt, muß er immer dabei sein, damit er besser untersuchen kann. Es ist besser, wir gehen. Die Hunde haben schon gemerkt, daß wir von ihm sprechen."

Tatsächlich, beide Hunde hatten die Köpfe ge­

hoben und sahen Dr. Goltz mit großen, forschenden, Augen an. Und es war merkwürdig: immer, roenn; er von jetzt an auf Grund der Indizien daß ber Schuß aus Geralds Pistole gekommen war, belüftete: ihn ebenso wie das unerklärliche Verschwinden dieses Waffe sich zu der Ueberzeugung durchattbeitem wollte, daß er der Täter sei, dann kamen die vor- wurfsvollen Hundeaugen dazwischen, und es schien ihm gänzlich unmöglich, daß ein Mensch, den all« Tiere so liebten, ein heimtückischer Meuchelmörder sein sollte. Und als schließlich die Untersuchung ein* gestellt wurde, ohne daß es zur Eröffnung des Der* fahrens kam, war es selbstverständlich nur aus dem Grunde, weil die genaue Zeitberechnung ergebens hatte, daß Gerald Hilger diesen Schuß nicht ab" gefeuert haben konnte. Aber ein ganz klein bißchen: mar es doch auch, weil die Tiere von RehwaDa^ so eindringlich für ihren Herrn plädiert hatten.

Man begnügte sich vorläufig mit der Erklärung, daß möglicherweise ein Landstreicher sich ein* geschlichen habe, der dann in der allgemeinen Aus» regung entkommen sei, eine Erklärung, deren Faden* scheinigkeit allen klar war, am me'iften den Behör­den. Man legte die Angelegenheit in das Faö> der unaufgeklärten Fälle, und Gerald war frei.

Er hätte fein gewohntes Leben wieder aufnehmen können. Ganz Rehwaldau war bereit, ihn diese Zeit vergessen zu lassen. Ganz Rehwaldau? Nur eine nicht, die eine einzige, die Sinn und Jnhatt seines Da­seins gewesen war. Das Kränkende einer solchen Verhaftung hätte Gerald überwunden, ebenso wie die Untersuchungshaft selbst; denn er war keines­wegs ein Schwächling. An dem Verrat der geliebten Frau brach er innerlich zusammen.

Er bestand daraus, nach Ostafrika zu geben, W° der Bruder feiner Mutter eine KaffeepflanzunA hatte, und Friedrich Clemens mußte ihn ziehen lassen. Seine Mahnung an die Pflichten gegen Reh" waldau tat Gerald mit dem Hinweis ab, daߣ Günther von Pdtry noch ein Erbe da sei, dennoaH gab der alte Clemens nie die Hoffnung auf, ba® Gerald zurückkomrnen würde. Er mußte nur Zeit haben, um sein seelisches Gleichgewicht wieder zu finden, und darum war es vielleicht das beste, wenn, er erst einmal ganz herauskam aus dieser Um­gebung. Onkel imb Nesse schieden in Harmonie, feine Frau sah er nicht wieder.

Er fuhr zunächst in die Schweiz, weil er dir Wartezeit, bis alles für die Ausreise geregelt war, in einem fremden Land besser ertragen konnte.

In dieser seelischen Verfassung traf er aus Dore» 'Fortsetzung folgt!)