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Oer Abbruch der Verhandlungen.

Eine Erklärung der SDP. stellt die Schuld Prags eindeutig fest.

gehend ergänzt, daß die österreichische Frage sich in drei Monaten und die tschechische Frage im Laufe des Sommers 19 3 8 ft eilen werde. Die Reife Chamberlains müsse mit Freude unter- strichen werden. Vielleicht trete man nun in eine konstruktive Zeit ein. Flandin fordert dann völlige militärische Zurückhaltung Frankreichs und leugnet das moralische Recht zu gegenteiligen Maß­nahmen, da Frankreich nicht angegriffen sei.

Auch die Dominions begrüßen die unmittelbare Aussprache.

London, 15. Sept. (DRV. Funkspruch.) Nicht nur in England, sondern auch in den Dominions des englischen Weltreiches hat die überraschende Nachricht von Chamberlains Zusammentreffen mit dem Führer ein tiefes Aufatmen zur Folge gehabt. So erklärte der kanadische Ministerpräsident, die ganze kanadische Nation begrüße das Vorgehen Chamberlains und heiße es gut. Unmittelbare per­sönliche Fühlungnahmen feien die wirksam st en Mittel, um Spannungen und Mißver- ständnifse zu beseitigen. Auch der augen­blicklich in Genf weilende irische Ministerpräsident de D a l e r a erklärte, Chamberlains Methode sei die richtige. Nur in Prag wird der Schritt Chamberlains mit Mißtrauen und 23 e,r legenheit ausgenommen, fürchtet man doch, daß die unmittelbare Fühlungnahme des englischen Staatsmannes mit dem Führer einen Strich ziehen könnte durch die Pläne gewisser tschechischer Cliquen.

Der Gedanke

der Volksabstimmung.

Wachsendes Interesse in Paris und London

London, 15. Sept. (DNB.) Funkspruch.) Neben der Reise Chamberlains erörtern die Londoner Mor­genblätter weiterhin die tschecho-slowakische Frage ausführlich. Dabei tritt immer mehr derGedanke einer Volksabstimmung der Sudetendeut­schen auf. Sehr hervorgehoben werden Pariser Presfestimmen, die die Ansicht vertreten, daß man sich in Frankreich für einen Volksent­scheid im Sudetenlande erklärt habe. ImDaily Expreß" heißt es, Frankreich würde sogar eine Vereinigung der sudetendeutschen Ge­biete mit Deutschlandgestatten". Auch Daily Herold" schreibt, in Paris erörtere man jetzt ernstlich die Frage eines Volksentscheides. In vielen Kreisen habe man den Eindruck, daß eszunächst" schwierig sein würde, grundsätzlich den Gedanken eines Volksentscheides obzulehnen. Lediglich die liberaleNews Chronicle" wendet sich verzweifelt gegen den Gedanken eines Volksentscheides. Auch der Daily Telegraph" befaßt sich im Leitartikel mit der Frage eines Volksentscheides, versucht aber, seinen Lesern um jeden Preis klarzumachen, Hen­leins Taktik bestände in Verzögerungen und Ver­schiebungen; die sudetendeutschen Führer müßten die Verantwortung für eine spätere Katastrophe auf sich nehmen (!).

Rumänien verweigert Durch­marsch von (Sowjettruppen.

Rom, 14.Sept. (DNB.) Wie Agenzia Stefani aus Bukarest erfährt, sollKüniaCarol eine per- sönliche Botschaft an Benesch gerichtet haben, die in Uebereinstimmung mit den Ideen für eine friedliche Lösung der tschecho-slowakischen Frage stehe. Außerdem habe König Carol Außen­minister C o m n e n gebeten, den Vorsitz in der Genfer Liga nicht anzunehmen, um so mehr als der auf den Außenminister ausgeübte Druck von sowjetrussischer Seite aus­ging. Weiterhin sei Außenminister Comnen, auf den in seinen Besprechungen mit Litwinow und Bonnet ein starker Druck ausgeübt worden sei, um den Transport so w j etrus s i scher Truppen und sowjetrussischen Kriegsmaterials durch Rumänien zu gestatten, von Bukarest mitgeteilt worden, daß sich Rumäniens Haltung nicht ändere, und daß derartige Forderungen absolut nicht angenommen werden können. Rumänien bleibe in dieser Frage der von König Carol einge- schlagenen Linie unbedingt treu, das heiße Ableh­nung der sowjetrussischen Forderung. Diese Linie sei bereits vor einigen Tagen dem Ver­treter der Agenzia Stefani von der für die rumä- nische Außenpolitik verantwortlichen Stelle bestätigt worden.

Japan und die Lage in Europa

Tokio, 14. Sept. (Europapreß.) Zur Lage in Europa erklärte ein Vertreter des Auswärtigen Amtes, daß Japan die Auffassung Deutsch­lands in der sudetendeutfchen Frage unter- stütze. Japan sei jederzeit bereit, zusam.men mit Deutschland und Italien im Geiste der Antikominternpaktes die roten Machenschaften zu bekämpfen. Die Verantwortung für die gegen­wärtigen Verwicklungen läge zum allergrößten Teil bei der Kommuni st ischen Internatio­nale, die in Prag ihre Puppen spielen lasse. Im Zuge ihrer verzweifelten 23ersuche, Europa zu bol- schewisieren, lasse die Komintern nichts unversucht, was eine friedliche Regelung der Volksgruppenfrage in der Tschecho-Slowakei verhindern könne. Japan habe in China genug Erfahrungen über die unterirdische Wühlarbeit der Komintern sam­meln können. Die Lage der Tschecho-Slowakei als Stützpunkt für die Versuche der Komintern, den Bol­schewismus nach Europa zu tragen, gleiche in jeder Hinsicht der Chinas in Ostasien. Angesichts der Tat- sache, daß die Machenschaften der Komintern für die gegenwärtige Entwicklung in Europa verantwort­lich seien, sei zu hoffen, daß England und Frank- reich diese Tatsache in ihre Berechnungen ein- schlössen und sich um der Sache des Weltfriedens willen entsprechend verhalten würden.

Ein englisches Geschwader in griechischen Gewässern.

Athen, 14. Sept. (Europapreß.) Ein G e s ch w a- der der enalischen M i t t e l m e e r f l o t t e ist in den griechischen Gewässern eingetroffen und bei Milos vor Anker gegangen. Das Ge­schwader setzt sich aus vier Kreuzern, drei Torpedo­bootszerstörern und dem FlugzeugmutterschiffGlo- rious" zusammen. Die Ankunft weiterer Ein­heiten der englischen Mittelmeerflotte wird erwartet.

Prag, 14. Sept. (DNB.) Don führender sude­tendeutscher Seite wird mitgeteilt:

Im Anschluß an die Antwort des Ministerpräsi­denten auf die Aufforderung der Sudetendeutschen Partei hatte Ministerpräsident Dr. Hodza privat dem Abgeordneten Karl Hermann Frank gegenüber die Forderungen der SDP. als vernünftig und erfüllbar bezeichnet, jedoch hmzugefugt, er müsse in Prag mit ihm verhandeln. Trotz dieser Aeußerung des Vorsitzenden der Re­gierung hielt es die tschecho-slowakische Regierung nicht für notwendig, dem in Asch auf eine Aeußerung -der Regierung wartenden Politischen Ausschuß der SDP. überhaupt nur eine Antwort auf ihre Forderungen zu geben. Kon­rad Henlein sah sich angesichts dieser Tatsache ge­zwungen, die von ihm ernannte Derhandlungsdele- gation von ihrem Auftrag zu entbinden und festzustellen, daß für weitere Verhand­lungen keine Möglichkeiten gegeben ind.

Ashton-Gwatkin traf in Begleitung der beiden Mitglieder der Kommission Lord Runcimans, P e t o und H e n d e r s o n, in der Nacht zum Mitt­woch in A s ch ein. Henlein war zur Zeit unterwegs. Die Herren der Mission wurden von dem Kommu­nique in Kenntis gesetzt, das die Enthebung der SDP.-Delegation durch Konrad Henlein mitteilt und begründet. Die Herren fuhren daraufhin nach Eger, wo ein Gespräch mitAbaeordne- t e n Frank stattfand, bei welchem dieser nochmals die Notwendigkeit der Forderungen der Parteifüh­rung begründete und die Verantwortlichkeit der tschecho-slowakischen Regierung dafür herausstellte, daß durch die Nichtbeantwortung der Forderungen die Verhandlungsgrundlage endgültig zerschlagen sei. Frank erklärte sich auf neuerliches Ersuchen Asthon-Gwatkins bereit, eine Unterredung mit Henlein zu vermitteln. Diese fand am Mitt­woch um 11.45 Uhr in Asch statt. Es waren außer Henlein und den drei Herren der Mission Lord Runcimans die Abgeordneten Frank und Künzel anwesend.

Karlsbad, 14. Sept. (DNB.) In dem Ort Haberspirk bei Falkenau an der Eger ist es am Dienstag und Mittwoch, zu außerordentlich blutigen Vorgängen gekommen, die nach tschechischen und englischen Meldungen eine große Anzahl von Todesopfern gefordert haben sollen. Da die^ Verbindungen mit Falkenau unter­brochen sind, war es bisher unmöglich, die genaue Zahl der Opfer festzustellen. Die tschechische Gendarmeriewache des rein deutschen Ortes hatte schon seit Wochen unter der Anführung des tschechischen Gendarmen B a r t o s ch ein blu­tiges Terrorregiment aufgerichtet. Nacht für Nacht wurden zahlreiche Sudetendeutsche aus ihren Häusern in das '©enbarmeriegebäuöe geschleppt und dort brutal mißhandelt und geprü­gelt. Die Bevölkerung war völlig eingeschüchtert, und es war ihr allmählich unmöglich geworden, überhaupt noch in der Dunkelheit die Häuser zu verlassen.

Als am Dlenslag die Bevölkerung des Ortes mit Frauen und Kindern nach der Führerrede, von einem schweren Druck erleichtert, einen Freudenumzug veranstaltete, wurden sie von bewaffneten Kommuni st en, die mit Gendarmerieautos herbeigeschafft worden waren, angegriffen. Die Menge setzte sich zur Wehr und zwang die Kommunisten zum Ruckzug. Die Gendarmen, die den Vor­fällen untätig zugesehen hatten, zogen sich dar­aufhin ebenfalls in das Gendarmeriegebäude zurück. Als der Umzug in der Höhe des Gen- darmeriegebaudes angelangt war, fiel in dem haus ein Schuh, gleich darauf prasselten ganze Salven vön Gewehrkugeln mitten in die Bevölkerung. Dabei wurde eine Reihe von Sudetendeulschen, dar­unter auch Frauen verletzt. Die empörte Be­völkerung stürmte nunmehr die Gen­darmeriewache, wobei mehrere Gendar- men verletzt und der Gendarm Bartosch im Kampfe getötet wurden.

Aussagen der verwundeten Gendarmen ergaben, daß Bartosch seinen Oberwachtmeister, einen Slowaken, der sich seinem Treiben schon seit Wochen widersetzt hatte, wegen der Verweige­rung des Schießbefehls in Gegenwart seiner Kame­raden niedergeschossen und dann das Signal zu der allgemeinen Schießerei gegeben hatte. Der slowakische Oberwachtmeister war sofort tot. Da kurz darauf erneut mit Lastkraftwagen tschechisch-kom­munistischer Pöbel in den Ort Habersvirk einzu­dringen versuchte, bemächtigte sich die Bevölkerung der in der Gmdarmeriestation lagernden Waffen, um sich gegen die weitere Terrorisierung zur Wehr zu setzen. Die Kommunisten Zogen daraufhin ab.

Am Mittwoch wurde haberspirk von tsche­chischen Polizei - und Militärkräf- ten mit Panzerwagen eingeschlos- s e n und aus größerer Entfernung von verschie­denen Seiten der Ort unter Maschinen­gewehrfeuer genommen. Die Sude- tendeutschen' erwiderten daraufhin das Feuer. Bei den sich entspinnenden Kämpfen sind nach noch nicht bestätigten Meldungen bisher auf lichechifcher Seite etwa 15, auf sudetendeutscher Seite bereits über 3 0 Personen g e - tötet worden. 3n den Abendstunden dauerten die Kämpfe noch an. Die Bevölkerung ist völlig verzweifelt, da sie von außen keine Hilfe be­kommen kann und die Führer der tschechischen Polizeikräfte die Drohung ausgesprochen haben, daß die gesamte Bevölkerung von haberspirk bis auf den letzten Mann nieder- gemacht werden würde.(!) Der Bevölkerung der ganzen Umgebung von Falkenau hat sich auf Grund dieser Vorgänge eine ungeheure Erregung bemächtigt.

Dieser Bericht, der von sudetendeutscher Seite stammt, wird von zahlreichen Augenzeugen aus­drücklich bestätigt, und auch von mehreren auslän»

Henlein kennzeichnete unter Hinweis auf die ständig wachsende Zahl der Todesopfer und die brutalen Maßnahmen gegen die Sudetendeut- fchen die Entwicklung der Lage in den letzten Stunden und gab den Mitgliedern der Mission Lord Runcimans bekannt, daß er die Verhand­lungsdelegation ihres Auftrages entbunden habe, weil die durch das Verhallen der Regie­rung allein verschuldeten Ereignisse im sudeten- deutschen Gebiet jede Verhandlungsgrundlage zerstört haben. Henlein erklärte jedoch, daß eine tatsächliche und fofortigeVerwirk- lichung der Forderungen der Par­tei immer noch die Möglichkeit geben würde, in Verhandlungen mit der Re­gierung einzutreten, wobei jedoch keines­falls die Karlsbader acht Punkte die Grundlage abgeben könnten, sondern dem Selbstbeftimmungsrecht des Sudeten- deutfchtums Rechnung getragen werden müsse. Konrad Henlein dankte den Vertretern der Mis­sion Lord Runcimans für ihre Arbeit, deren Ziel die Regelung der Ralionalitälenverhält- niste gewesen ist, und begründete abschließend die Schuld der tschecho-slowakischen Regierung daran, daß auch die Arbeit dieser Mission er­folglos bleiben muhte.

Die Kanzlei des Parlamentarischen Klubs der Abgeordnete^ und Senatoren der Su­detendeutschen Partei und Karpathodeutschen Partei bleibt in Tätigkeit. Der Vorstehende des Parlamentarischen Klubs, Abgeordneter Ku ndt, ist zur Erteilung der notwendigen Weisungen in Prag eingetroffen. Ferner weilen in Prag der Ab­geordnete Dr. Peters und der Prager Senator Rektor Dr. Braß sowie schließlich der in Prag wohnhafte Rechtsanwalt Abgeordneter Dr. N e u * wirth.

dischen Nachrichtenbüros liegen entsprechende Mel­dungen vor. Von tschechischer Seite werden die blutigen Vorfälle am Mittwoch mit dreister Stirn glatt abgeleugnet. Man behauptet ein­fach, es handele sich um die Zusammenstöße vom Dienstag, bei denen es ebenfalls mehrere Tote ge­geben hat. Es hat den Anschein, als ob Prag mit derartigen Taschenspielerkunststücken die schwere Blutschuld von sich abwälzen will, in die es sich immer mehr verstrickt.

» Panzerwagen gegen die patteileiinng in Eger.

Jede Tätigkeit der Partei lahmgelegt.

Eger, 14. Sept. (DNB.) In Eger kam es am Mittwochabend erneut zu schweren Zusammen­stößen. Tschechische Staatspolizei versuchte unter Einsatz von Panzerwagen imHotel Vik- toria", wo sich zur Zeit der Hauptsitz der Sudeten­deutschen Partei befindet, eine Hausdurch­suchung vorzunehmen, um nun auch die restliche Tätigkeit der Sudetendeutschen Partei lahmzulegen und das gesamte Sudetendeutschtum führerlos zu machen.

Da zu befürchten war, daß durch Beschlag­nahme der Mitgliederlisten Zehntaufende von Sudetendeutschen dem schärfsten Terror seitens der Tschechenpolizei ausgesetzt sein würden, widersetzte sich die hauswache zunächst dem Ein­dringen der Polizei. Die Polizei eröffnete darauf das Feuer auf das Gebäude. Dabei wurde durch einen Querschläger ein tschechischer Polizist getötet. Die Polizei drang dann in das Haus ein und besetzte alle Räume. Sie nahm auch eine Durchsuchung nach w a f f e n v o r, bei der lediglich ein altes Jagd­gewehr gefunden wurde. Den Angestellten der Hauptleitung der Sudetendeutschen Partei ist von der Parteileitung der Waffenbesitz und die Mitnahme von Waffen in das Büro schon seit einiger Zeit untersagt gewesen, so daß sich keinerlei Waffen im Haus befinden konnten.

Anschließend drang die Polizei auch unter Anwen­dung von Gewaltmitteln in das Hotel Welzel (gegenüber dem Hauptbahnhof) ein, wo sich ebenfalls Büros der Sudetendeutschen Partei befinden. Sie feuerte ohne Grund in die Räume hinein und tötete dabei einen Mitarbeiter der Sudetendeutschen Partei. In den Abendstunden waren die Büros der Sudetendeutschen Partei immer noch von der Polizei besetzt. Somit ist jede Tätigkeit der Partei lahmgelegt.

Aach Deutschland geflüchtet.

Schon 3000 Sndetendeutsche aus reichs- deutschesGebiet übergetreten. Schwader- bach von tschechischem Militär eingeschlossen

Klingenthal (Erzgebirge), 14. Sept. (DNB.) Der größte Teil der Bevölkerung des sudetendeut­schen Ortes Schwaderbach, das unmittelbar a n der Grenze liegt, ist heute vor anrücken­dem tschechischem Militär über die Grenze auf reichsdeutsches Gebiet geflüchtet und befindet sich in Sachsenberg-Georgenthal. Am Dienstag hatte in Schwaderbach vor dem Zollamt die Gendarmerie von der Arbeit heimkehrende A r - beiter beschossen. Dabei wurde ein Zoll­beamter durch eine verirrte Kugel getötet. Bei der Erwiderung des Feuers durch die Zollwache erhielt ein Gendarm einen tödlichen Schuß. Der Vorfall hat dazu geführt, daß tschechische Polizei und tschechisches Militär den Ort von drei ©ei­ten erschlossen und angekündigt haben, daß die Bevölkerung mit Tränengas ausgeräu­chert werden würde. Daraufhin sind die meisten Familien auf deutsches Gebiet geflüchtet.

In Breitenbach, einem sudetendeutfchen Dorf in der Nähe der deutschen Grenze bei Johanngeor­genstadt, ist es am Dienstag ebenfalls zu jchwe-

rren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Bevölkerung gekommen, bei. denen die Polizei schließlich den Ort verlassen mußte. Als sie heute mit großer Verstärkung zurückkam und ofort eine wilde Schießerei eröffnete, flüch­tete f a ft d i e gesamte Bevölkerung auf deutsches Gebiet. Nach den bisherigen Mel- düngen schätzt man die Zahl der nach dem Reichs­gebiet übergetretenen Sudetendeutschen auf ins­gesamt etwa 3000.

Ausdehnung des Standrechts.

Abgeordnete undAmtswalter festgenommen

Prag, 14. Sept. (DNB.) Amtlich wurde verlaut­bart, daß das Standrecht auch auf die Bezirke Graslih und Joachimsthal ausgedehnt wurde. Damit ist das Standrecht nun über folgende Be­zirke verhängt: Eger, Graslih, Neudek, Joachims­thal, Falkenau, Elbogen, Karlsbad, Kaaden, Preh- nih, krumau, Tachau und Bischosteinitz.

Nach Mitteilung von amtlicher tschechischer Seile ist eine Reihe von sudetendeutfchen Ab­geordneten und Amtswaltern von der tschechischen Staatspolizei f eftgenommen und dem Standgericht überstellt werden, das gegen sie auf Grund der Ausnahmegesetze vorgehen werde. Von fudetendeutscher Seite verlautet dazu, daß sich unter den Verhafteten auch der Abgeordnete Künzel befinde, der versucht habe, in Görkau, im westböhmischen Vraunkohlen- revier, zu vermitteln und dabei von der Staatspolizei, der an der Beruhigung der Bevöl­kerung nichts lag, rücksichtslos fest genommen wurde. Da die Standgerichtsbestimmungen sehr charf sind, bestehen für das Schicksal der sudeten- deulschen Führer die schlimmsten Befürch­tungen.

Feierliche Feststellung der Sudetendeulschen Partei.

Asch, 15. Sept. (DRV. Funkspruch.) Die in Asch versammelten Führer der SDP. stellen in vollem Verantwortungsbewußtsein vor aller Dell fest: Die tschechische Demokratie läßt nun ihre heuchlerische Maske endgültig fallen. W e h r - löse Frauen und Kinder, Hunderte von Toten und Schwerverletzten klagen an. Anter dem Deckmantel humanitärer Phrasen wird gemordet und geplündert. Was heute im Herzland Europas vorgehl, kann nur ver­glichen werden mil den bolschewistischen Greueln in Spanien. Das Sudenlendeutschlum stellt vor aller well durch seine Volksführer fest, daß es sich bis zum letzten Augenblick um eine friedliche Lösung bemüht habe. Die tsche­chische Regierung lehnte jedoch alle For­derungen Konrad Henleins ab..

Bei diesen Zuständen im tschechischen Staatsge­biet ist es selbstverständlich, daß jeder Sudeten­deutsche sein Leben und das seiner Familie mit allen Mitteln vor den mordenden und plündernden Horden verteidigt.

Sudetendeutsche leisten Gestellungs­befehlen feine Folge.

Asch. 15. Sept. (DNB. Funkspruch.) Tas tsche- chische Militär fetzt mit voller Absicht Sudeten- deutsche ein, die gezwungen werden, auf ihre wehrlosen deutschen Volksgenossen zu schießen. Aus allen sudetendeutschen Gebie- ten sind Meldungen eingegangen, daß Deutsche aus ihren Wohnungen und Werkstätten zum Sofortigen Militärdienstantritt eingezogen würden. So diese Einziehungen nicht gewaltsam vorgenommen wür­den, leisteten die Sudetendeutsche keine Folge und flüchteten vor den sie verfügenden Soldaten und Polizisten in die Wälder. Es ist selbstverständlich, daß von keinem Sudetendeutschen erwartet werden kann, daß er der Einberufung zum tschechischen Mi­litär Folge leistet.

Guttvn-pratts Klugzeug von Tschechen beschossen.

London, 14. Sept. (DNB.) Wie der Prager Sonderkorrespondent derTimes" meldet, ist das Flugzeug des britischen Beobachters Major Sutton-Pratt, als dieser von Eger nach Prag zurückflog, über tschechischem G e- 5iet beschossen worden. Eine Kugel hat dabei die Aktenlasche Sutton-Pratts getroffen. Er selbst wurde nicht verletzt. Von zuständiger englischer Stelle liegt über diesen Vorfall, der aufs neue dir Skrupellosigkeit des tschechischen Vorgehens beweist, noch keine Mitteilung vor.

Kleine politische Nachrichten.

Reichsminister Dr. Goebbels empfing am Mittwochvormittag die Hauptschriftleiter der Berliner Zeitungen sowie die B e r l i n e r Ver­treter der großen Zeitungen im Reich. Er gab ihnen einen Ueberblick über die politische Lage.

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Bei den Herbstübungen des I. Armeekorps i n O st preußen werden vom 13. bis 18. September die fremdländischen Militärattaches, insgesamt 36 Offiziere, zugegen sein. Außer Teil­nahme an den Hebungen der 11. und 21. Division ist eine Besichtigung des Schlachtfeldes von Tannenberg geplant, wobei das Militär- attach6korps an der Gruft des Generalfeldmarschalls von Hindenburg einen Kranz niederlegen wird, um damit der Verehrung Ausdruck zu geben, welche die Soldaten aller Länder dem Feldmarschall des Weltkrieges und treuen Hüter soldatischer lieber* lieferung entgegenbringen.

Die Verhandlungen über ein neues deutsch' mandschurisches W i rtschoftsabko M* men, die durch den deutschen Geschäftsträger in Hsinking geführt worden sind, sind abgeschlossen. Die Unterzeichnung des neuen Abkommens erfolgte am Dienstag in Hsingking.

Das chilenische Kabinett ist zurückge­treten. ffiie verlautet, sollen sämtliche Posten neu besetzt werden,

Neue blutige Zusammenstöße.

Sudetendeutsche Ortschaft im Feuer tschechischer Maschinengewehre. Mehr als 30 Sudetendeutsche getötet.