Nr. 216 Erstes Blatt
188. Jahrgang
Donnerstag, 15. September 1938
Metzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
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Chamberlain auf dem Wege zum Führer.
London, 15. September (O71B.-Kunkfpruch). Ministerpräsident Chamberlain verließ heute um 8 35 mit dem Flugzeug den Flughafen Heston, um sich zum Führer nach Berchtesgaden zu begeben. Ln seiner Begleitung befanden sich Sir Horace Wilson und Mister William Strang.
Heute nachmittag Unterredung aus dem Obersalzberg.
Berlin, 14. Sept (DNB.) Der britische Premierminister, Herr Neville Chamberlain, hat heute dem Führer undReichskanzler durch Vermittlung des britischen Botschafters in Berlin folgende Mitteilung zugehen lassen:
3m Hinblick auf die zunehmende kritische Lage schlage ich vor, sofort zu Ihnen herüberzukommen, um zu versuchen, eine friedliche Lösung zu finden. Ich schlage vor, auf dem Luftwege zu kommen, und bin morgen zur Abreise bereit. Teilen Sie mir bitte den frühestens Zeitpunkt mit, zu dem Sie mich empfangen können, und geben Sie mir den Ort der Zusammenkunft an. Ich wäre für eine sehr baldige Antwort dankbar.
(gez.) Neville Chamberlain.
Der Führer und Reichskanzler hat auf die vorstehende Mitteilung geantwortet, daß er gern bereit sei, sich mit dem britischen Premierminister am 15 d. M. zu treffen. Herr Neville Chamberlain wird dementsprechend morgen, Donnerstag nachmittag, auf dem Obersalzberg erwartet.
Starker Eindruck in London.
Kundgebungen in der Downingstreet.
London, 15. Sept. (Europapreß.) Wie eine Bombe schlug am Mittwochabend in London die Nachricht ein, daß Ministerpräsident Chamberlain am Donnerstagmorgen nach München fliegt, um dem Führer auf dem Obersalzberg einen Besuch abzustatten. Der Entschluß des Ministerpräsidenten erregte um so mehr Aufsehen, als Chamberlain bisher nie ein Flugzeug bestiegen hat und grundsätzlich allen Luftreifen abhold ist. Politische Kreise bezeichnen es als ein historisches Ereignis, daß Englands Ministerpräsident dem Staatsoberhaupt einer ausländischen Macht einen Besuch abstattet und sich zu diesem Zweck eines Verkehrsmittels bedient, das er bisher stets gemieden hat.
Der Ministerpräsident wird den Flugplatz von Heston am Donnerstag gegen 8.30 Uhr in einem Flugzeug der Royal British Airways verlassen und gegen 13 Uhr in München eintreffen. Nach einer kurzen Unterredung in München wird der Ministerpräsident und feine Begleitung nach Berchtesgaden weiterfliegen. In Begleitung des Ministerpräsidenten befinden sich der Abteilungs- direttvr des Auswärtigen Amtes, William Strang, sowie der industrielle Berater der englischen Regierung, Sir horace Wilson. Sir horace Wilson gehört zu den engsten Mitarbeitern und Beratern des Ministerpräsidenten; als solcher hat er auch in der tschechischen Frage bereits mehrfach beratend mitgewirkt. William Strang, der Leiter der mitteleuropäischen Abteilung im englischen Außenamt, hat kürzlich Berlin, ^rag und Paris besucht, um mit den dortigen britischen Vertretern die Fühlung aufzunehmen. Die Londoner Morgenpresse spricht die Vermutung aus, daß Chamberlain am Donnerstagvormittag unmittelbar vor seiner Abreise noch eine kurze Besprechung mit K ö - n i g Georg haben werde, der in den frühen Morgenstunden von seinem schottischen Schloß Balmoral in London eintrifft. Als die Nachricht in London herausgegeben wurde, hatten sich Taufendevon Menschen in der engen Downingstreet und vor Whitehall eingefunden. Man verlangte Chamberlain zu sehen und gab ihm durch lebhafte Kundgebungen Wünsche mit auf den Weg.
Eine Erklärung Ribbentrops.
Der Reichsautzenminister aufrichtig befriedigt.
münchen, 15. Sept. (DNB.) Der Reichsminister des Auswärtigen hat dem englischen Journalisten Ward Price erklärt: Als Reichsminister des Aus- wärtigen kann ich Ihnen versichern, daß der Entschluß Neville Chamberlains, den Führer zu besuchen, mich mit aufrichtiger Befriedigung erfüllt hat. Ich bin davon überzeugt, daß eine persönliche Aussprache Zwischen den beiden Regierungschefs sowohl zur Herbeiführung einer Lösung der Sudetenfrage als auch für die Gestaltung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern bedeutsam sein kann. Es ist von jeher mein Wunsch gewesen, daß der Führer und der Chef der britischen Regierung Zusammentreffen sollten, und ich freue mich, daß dieser Wunsch nunmehr durch 2Ur. Neville Chamberlain, dessen re a 1 e Einstellung zu den Pro
blemen ich während meiner Anwesenheit als deutscher Botschafter in London schätzen lernte und von dessen persönlichem guten Willen ich fest überzeugt bin, verwirklicht wird.
Die Abreise Chamberlains.
Lord Halifax zum Abschied auf dem Flugplatz.
London, 15. Sept. (DNB. Funkspruch.) In Downingstreet 10, dem Hause des Minlslerpräsiben- ten, zeigten verschiedene bereits in den frühen Morgenstunden hellerleuchfefe Zimmer an, daß der haushalt des Premierministers emsig bei der Arbeit war und alle Vorbereitungen für den Flug zum Führer und Reichskanzler traf. Die Polizei hatte alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um Elementen, die die Gelegenheit etwa zu einer Demonstration benutzen könnten, gleich entgegenzutreten. Die Kommunisten hatten nämlich Flugblätter verteilt. Nur solche Leute, die über gültige Ausweispapiere verfügten, wurden daher von der Polizei in Downingstreet zugelaffen.
Kurz vor 8 Uhr zeigte sich der lUinifferprä- fibent an der Tür, wo er einen Augenblick lächelnd verweilte, und sich offensichtlich über die frische Morgenluft und den für Londoner Verhältnisse feiten blauen Himmel und die hereinbrechende
Sonne freute. Presfephotographen benutzten den Augenblick zu einigen Bildaufnahmen. Chamberlain bestieg dann den Wagen und fuhr, von Ab- fchiedsgrühen der in der Downingstreet und White- Hall wartenden Menschen begleitet, zum Flughafen hefton.
Dort hatte sich der deutsche Geschäftsträger Botschaftsrat Dr. K o r d t in Begleitung mehrerer Vol- schaftsbeamter und deutscher Pressevertreter als erster zur Verabschiedung des Ministerpräsidenten eingefunden, kurz darauf traf auch Außenminister Lord Halifax in Begleitung seiner Gemahlin Lady Halifax und dem ständigen Unterstaatssekretär L a d o g a n auf dem Flugplatz ein. Ministerpräsident Chamberlain unterhielt sich eifrig mit Lord Halifax und Botschaftsrat Dr. kordt. Bevor Chamberlain das Flugzeug bestieg, sagte er:
„Ich befinde mich auf dem Wege zum deutschen Reichskanzler, weil es mir scheint, daß die Lage so ist, daß persönliche Besprechungen zwi- schen ihm und mir möglicherweise nützliche Folgen zeitigen könnten. Meine Politik ist stets die gewesen, den Fried e> zu sichern, und die bereitwillige Ausnahme meiner Anregung durch den Führer ermutigt mich in der Hoffnung, daß mein Besuch beim Führer nicht ohne Erfolg sein wird.-
Die englische presse begrüßt einhellig den Entschluß Shamberlains.
London, 15. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der überraschende Entschluß Chamberlains, nach Berchtesgaden zu fliegen, um mit dem Führer und Reichskanzler zu beraten, hat bei sämtlichen Londoner Blättern, sogar bei den Zeitungen der Opposition, nicht nur volle Zustimmung gefunden, sondern auch große Begeisterung. Gleichzeitig ist die Stimmung wieder erheblich gestiegen. Die „Times" schreibt, diese überraschende Nachricht habe tiefste Zufriedenheit und Erleichterung bei aller Welt ausgelöst, mit Ausnahme bei denjenigen, für die jede VerhanNung mit einem „Diktator" unverständlich sei. Für die große Masse der Engländer aber und für Millionen in anderen Ländern werde Chamberlains kühnes Vorgehen Beruhigung bedeuten und gleichzeitig einen neuen Beweis von seinem Mut ihn b seiner Vernunft darstellen. Der Führer habe Chamberlains Anfrage sofort in freundlicher Weise beantwortet; jetzt würden sich die beiden Staatsmänner zu Besprechungen treffen, als Männer und als Staatsmänner, die, ohne ein Jota von sich z u s sHLäi k onella6N,e.äöützllBFSKPZ ihren persönlichen Ueberzeugungen abzuweichen, sich zusammenzutun, um eine Kata- strophe zu vermeiden, und um die Nationen von Europa auf den Weg der Vernunft und des Friedens zurückzuführen. Ganz England werde mit Dankbarkeit anerkennen, daß Hitler das Seine dazu getan habe, um den Besuch Chamberlains in Berchtesgaden möglich zu machen. Die große Masse in England verstehe, daß „Diktator" und „Demokratie" Seite an Seite leben könnten, und die große Masse in England
werde dankbar sein, daß endlich einmal etwas Definitives getan worden sei. lieber« all sei man davon überzeugt, daß ein Krieg wegen des tschechisch-sudetendeutschen Streites W a h n- sinn und Verbrechen sein würde. Der Besuch werde die erste Gelegenheit einer vollen und freien Aussprache fein.
„Daily Telegraph" erklärt, Chamberlains bewußtes Abweichen von der diplomatischen Tradition verdiene Erfolg. Die Art und Weise, mit der er Formalitäten beiseite gelassen habe zugunsten einer unmittelbaren persönlichen Annäherung, sei bezeichnend für den Staatsmann, der es nie zuge- lassen habe, durch Gebräuche der Vergangenheit sich stören zu lassen, wenn große Ziele auf dem Spiel stünden. Chamberlain und Hitler hätten jeder eine ganze Nation hinter sich stehen. — Selbst der marxistische „Daily h e r a l d" wünscht Chamberlain Erfolg und meint, es stehe außer Zweifel, daß Chamberlain mit seinem Entschluß, zu Hitler zu fliegen, allgemeine Unter st ü t - z ung haben werde. Auch die liberale „News Chrönicle" wünscht Chamberlain Erfolg. Die konservative „Daily Mail" gratuliert Chamberlain zu seinem Entschluß, der die große Tat seiner Laufbahn sei und einen Beweis für seine Klugheit, seinen Weitblick und für seine aufrichtige Denkensart bringe. Die ganze Welt werde sich darüber freuen, daß Chamberlain und Hitler zusammenkämen und mit angehaltenem Atem werde die ganze Welt abwarten. — Der konservative „Daily Expreß" erklärt, wenn zwei Staatsmänner wie Chamberlain und Hitler sich an einen Tisch setzten, dann könnte alles andere ruhig beiseite stehen.
Der Widerhall in Frankreich.
Erleichterung in Paris.
Erklärung Daladiers.
Paris, 15. Sept. (Europapreß.) Die Nachricht von der persönlichen Besprechung Hitlers mit Chamberlain in Berchtesgaden ist in politischen Kreisen mit großer Erleichterung a u f g e n o m « m e n worden und hat die Hoffnung verstärkt, daß die europäische Spannung auf eine friedliche Werse gelöst werden könnte. Zahlreiche Pressevertreter begaben sich sofort in die Ministerpräsidentschaft, um von Daladier eine Erklärung zu erhalten. Auch Außenminister Bonnet stattete dem Ministerpräsidenten einen kurzen Besuch ab. Beim Verlassen des Gebäudes wurde er von den auf ihn wartenden Pressevertretern über seine Eindrücke von der bevorstehenden Begegnung zwischen Hmer und Chamberlain befragt. Bonnet erwiderte lächelnd: Das ist eine schöne Sach e!". Der Agentur havas erklärte Ministerpräsident Daladier wort- lich: In Anbetracht der schnellen Abwicklung der Ereignisse in der Tschecho-Slowakei, durch die normale Verhandlungen sehr schwierig gestaltet wurden, habe ich gegen Ende des gestrigen Nachmittags (Dienstag) die Initiative ergr t f f e n , eine persönliche und direkte Fühlungnahme mit dem britischen Mlnisterpra.
s i b e n t e n aufzunehmen, um mit ihm zusammen bie Möglichkeit eines außerorbentlichen Vorgehens ins Auge zu fassen, bas gemein- s a m mit Deutschlanb bie Überprüfung ber wirksamsten Mittel für bie Sicherung einer freunbschaftlichen Lösung bes Streitfalles zwischen ben Subetenbeutschen unb ber Prager Regierung und bamit bie Erhaltung bes Frleben s in Europa erlaubt. Ich bin besonbers glücklich über bas Uebereinstimmen ber Ansichten ber beiben befreunbeten Regierungen.
„Aussprache von Volk zu Volk."
Pariser Pressestimmen.
Paris, 15. Sept. (DNB. Funkspruch.) „Petit P a r i s i e n" stellt fest, bie Aussprache in Berchtes- gaben werbe nicht nur eine Aussprache von Mann zu Mann, von Staatschef zu Staatschef, sonbern ebenfalls von Volk zu Volk fein. — Der „Figaro" unterstreicht mit Bewunberung ben Entschluß Chamberlains, im Einvernehmen mit ber französischen Regierung sich nach Deutschlanb zu begeben. In beiben ßänbern sei man bereit, bas Nationalitätenproblem in ber Tschecho-Slowakei in einem realistischen Geiste zu prüfen unb zu regeln. — Der „Mati n" besaßt sich mit ben Besprechungen, bie Ministerpräsident Data«
Gleiche neben Gleichen.
„In Berlin herrscht vollkommene Ruhe", so schrieb gestern bie große französische Zeitung „Matin". Unb in ber Tat kommt es ja in Zeiten so ungeheurer Spannung, wie sie Europa bank ber Tätigkeit ber tschechisch-bolschewistischen Kriegshetzer gegenwärtig burchlebt, vor allem barauf an, baß wenigstens bie von verantwortungsbewußten Staatsmännern geleiteten Großmächte bie Nerven nicht verlieren, sonbern bie Entwicklung ber Dinge in ber hanb gehalten. Das beutsche Volk unb bie beut- sche Führung besitzen diese überlegene Ruhe, weil sich bie Nation vom Führer bis zum letzten Volksgenossen ihrer Macht, ihrer inneren Einheit unb ihres guten Gewissens bewußt ist.
Für bas hohe Verantwortungsbewußtsein ber beutschen Reichsführung hat es gerabe in ben allerletzten Tagen hunbert Beweise gegeben, angefangen von ber Führerrebe selbst bis zu ber heraussordern- ben Antwort, bie bas Prager Regime in Form eines verstärkten Mordterrors mit allen seinen Begleiterscheinungen gab. Nahm schon bie Erklärung Adolf Hitlers auf dem Parteikongreß ben internationalen Brunnenvergiftern ben Winb aus ben Segeln unb ließ bie ganze Welt befreit aufatmen, bie oorbem von ben Kriegstreibern in eine wahre Alarmpsychose hineingetrieben worben war, so hat auch jetzt bie ruhige Haltung ber Reichsregierung ihren Einbruck auf bas Ausland nicht verfehlt. Durch den Ablauf der füngften Ereignisse wurde mit aller wünschenwerten Deutlichkeit bewiesen, daß es allein das Regime bes Herrn Benefch ist, bas für die nunmehrige Zuspitzung im sogenannten tschechoslowakischen Staat verantwortlich zu machen ist.
Der Führer hatte — was heute von der geleimten Auslandspresse anerkannt wird — alle Möalich- keiten einer gerechten und zufriedenstellenden Lösung offen gelassen, er hatte dem Wunsch Ausdruck gegeben, daß eine schnelle Verständigung auf dem Verhandlungswege erreicht werde. Prag hatte also genügend Zeit, ohne Einbuße seines Ansehens, bie nötigen Schritte zu tun. Statt besten benutzte es bie absolut frieblichen Freubenkunbgebungen, welche bie Subetenbeutschen in ihrem eigenen Lande, in ihrer eigenen tausendjährigen Heimat veranstalteten, als billigen Vorwand, um tfie aufjubelnbe Bevölkerung mit den Mitteln bes gewalttätigen Terrors, bes Stanbrechts und der Zensur, ber Einschüchterung unb brutalen Gewalt in bas peinigende Dasein von Zuchthausinsassen zurückzuzwingen.
Daß unter diesen Umständen, die jede Einwirkung ber subetenbeutschen Parteileitung auf ihre Anhänger unb Volksgenossen unmöglich machten, die weitere Verantwortung für ben Gang ber Ereignisse von ben Beauftragten Konrab Henleins abgelehnt werben mußte, ist nur zu verstänblich. Die' Deutschen in ber Tschecho-Slowakei finb nun einmal — was manche Auslqnbsblätter zu vergessest scheinen — feine Staatsbürger zweiten Ranges in biesem Lanbe, sonbern sie haben ein aninbeftenS ebenso' weit zurückliegenbes Anrecht auf ihren Bo- ben unb ihre Freiheit wie bie Tschechen, sie sind Gleiche neben Gleichen unb können nur als solche verhanbeln. Da Prag biese Rechtsbasis vorsätzlich zerstört hat, muß es auch bie Folgen tragen. Daß bie Tschechen in ben letzten Tagen vollkommen versagt haben unb baß es ben Subetenbeutschen nicht mehr zugemutet werben kann, sich ihnen zu beugen, ist in zunehmenbem Maße offenbar auch vom Aus« lanb begriffen worben. In ben italienischen, polnischen, ungarischen Zeitungen, aber auch in Dielen Pariser unb Lonboner Blättern wirb immer mehr der vernünftige Gedanke erörtert, baß bas un ab« bingbare Recht ber subetenbeutschen Selbstbe- ftimnnuna burch einen Volksentscheib verwirklicht werben müsse. Dabei spielt nicht nur ber Gedanke mit, dem beispielsweise der „Matin" Ausdruck gibt, daß nach allem Vorgefallenen feine Möglichkeit mehr für ein friedliches Zusammenleben in ber Tscheche! zu sehen ist. Sicher macht sich bereits bie Erkenntnis bemerkbar, baß bie tschechische Regierung in ihrer maßlosen Unehrlichkeit und Hinterhältigkeit selbst alle Grundlagen für eine friedliche Beilegung des Konfliktes zerschlagen hat. Am meisten freilich dürfte bie Üeberlegung wirken, baß es sich ja nicht etwa um bie Subetenbeutschen allein handelt, obwohl sie schon ein volles Viertel ber Gesamtbevölkerung ausmachen; vielmehr um Sube- tenbeutsche, Slowaken, Ungarn unb Polen, bie alle zusammen mehr als bie Hälfte ber Gesamtbevölkerung bes tschechischen Staates ausmachen. Es geht also um bie Zuerkennung bes — ^demokratischen! — Selbstbestimmungsrechtes an die Mehrheit eines Staates, bie von ber Minberheit nicht nutf terrorisiert, sondern buchstäblich in ber Cristen z tag» lich bebroht wirb. — In tiefsten, herzlichstem Mitgefühl gebenft bas beutsche Volk ber Sudetendeutschen unb ihrer Toten. Daß es bei biesem Mitgefühl auf die Dauer nicht mehr bleiben kann, Ist in Nürnberg von maßgeblichster Seite klaraestellt worden. Der Zwang zu entscheidenden Schritten für die Erhaltung bes Friebens liegt nun brüben. B. R.
hier in ben letzten Tagen gehabt hat. Man habe von Schwierigkeiten innerhalb bes Kabinetts gesprochen. Die Wahrheit aber fei viel einfacher. Zwischen ben beiben extremen Thesen habe ber Minister- präfibent auf einer mittleren Linie eine Einigung erzielen können, bie es ihm auf ber einen Seite gestattet habe, ben ^rieben z u erhalten unb auf ber anberen Seite dem Lande bie notroenbigen Garantien ber Sicherheit zu bewahren. — Im „Journal" weist ber frühere Ministerpräsibent Flanbin barauf hin, baß er im Dezember 1937 in ben beutsch-französischen Beziehungen gegenseitige Zugestänbnisse im Interesse bes Friebens gefordert habe. Seine Erklärung habe er damals dem Ministerpräsidenten, dem Außenminister unb bem Kriegsminister gegenüber dahin-


