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19. Juni, findet zusammen mit den Aurhessen eiri Dampferausflug nach Sakrow statt.

** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 3. bis 9. 6. ein: gegen Kraftfahrer mit 1 Anzeige und 2 Verwarnungen und Belehrungen; gegen Radfahrer mit 6 Verwarnungen und Beleh­rungen.

** Guter Nachwuchs an die Schreib­maschine! Die berufliche Fortbildung aller schaf­fenden deutschen Menschen sieht die Deutsche Ar­beitsfront als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an. So ist sie u. a. auch bemüht, für guten Nachwuchs an der Schreibmaschine Sorge zu tragen, denn eben- so wie die Kurzschrift, betrachtet die DAF. auch das Maschinenschreiben als wichtiges Hilfsmittel für die gesamte Berufs- und Leistungsgestaltung aller schreibenden Berufe. In Anbetracht des gesteigerten Einsatzes aller Kräfte wird nunmehr eine groß­zügige und erstmalige Erhebuna über den Leistungs­stand der deutschen Maschinenschreiber und -schrei- berinnen durch das 1. Reichsleistungsschreiben der DAF. auf der Schreibmaschine vorgenommen. Die­ses Leistungsschreiben wird unter einheitlicher Set-

Wind allmählich wieder gelegt hat, gelingt es, des Feuers Herr zu werden, zumal genügend Menschen zur Feuerbekämpfung zur Verfügung stehen.

Nachdem die letzten Mannschaften abgerückt und die Brandwachen eingeteilt sind, geht der Forst­mann nachdenklich Über die Brandstätte. Jahre feines Lebens hat er damit verbracht, diese Krlltur, jene Dickung anzulegen, zu pflegen und zu er­ziehen. Durch den Leichtsinn eines Menschen, der nicht beachtet hat, daß im Walde nicht geraucht werden darf, find die Früchte der Arbeit vernichtet worden. Groß ist der Sach­schaden. Diel Mühe wird es kosten, diese Flächen in Kultur zu bringen und das Unglück vergessen

zu machen.

Alljährlich fallen durch Leichtsinn und Nach­lässigkeit Tausende von Hektar besten, hoffnungs­reichen Waldes den Flammen zum Opfer. Es ist erwiesen, daß über 50 v. H. aller Waldbrände auf menschlichen Unverstand zurückzuführen find. Jeder muß sich darum hüten, durch Unachtsamkeit oder Leichtsinn Frevler am Walde zu werden, der Volksgut im besten Sinne des Wortes ist^

Dornotizen

Tageskalender für rNiltwoch.

20.15 Uhr Kundgebung der HI., des BDM. und des Reichsluftschutzbundes auf Oswaldsgarten. Gloria-Palast (Seltersweg): .Ireiklang".

Kreisfrauenschaft.

Velr.: Mülterdiensk.

gfs. Der Mütterdienst wird in nächster Zeit in Gießen einen Lehrgang im Kochen durchführen. Frauen und Mädchen, die dafür Interesse haben, können sich bei der Geschäftsstelle der Kreisfrauen­schaft anmelden. Die technische Lehrerin Fräulein Steinbach wird den Kursus leiten.

Hitler-Jugend Bann 116

Velr.: Tagung aller Slellenleiter und Mitarbeiter des Vannes 116.

Am kommenden Freitag, 17. Juni, 20 30 Uhr, findet auf der Dienststelle des Bannes 116, Bahn- hosstraße 92, eine Arbeitstagung oller Stellenleiter und Mitarbeiter des Bannes 116 statt.

Stamm 1/116.

Velr.: Iugendluflschuhlag.

Am heutigen Mittwoch, 15. Juni, findet auf Os­waldsgarten der Jugendluftschutztag statt. Der ge­samte Stamm 1/116 hat daher am Mittwoch, 15.6., um 20 Uhr, auf dem Oswaldsgarten anzu- treten.

Im Anschluß an diese Kundgebung findet ein ^Marsch durch die Straßen der Stadt statt.

Gebiets- und Obergauwettkämpfe in Mainz.

NSG. In der Zeit vom 18. Juni bis 3. Juli finden in Mainz die Gebiets- und Obergauwett­kämpfe der HI. des Gaues Hessen-Nassau ftatt, die mit einer Leistungsschau der Mainzer HI.,Die junge Stadt", verbunden ist. In großer Zahl treten die Jungen und Madels des Gebietes und des Obergaues zu den Wettkämpfen an und führen zum ersten Male der großen Oeffentlichkeit die Ein­heit der Leibesübungen der Jugend vor Augen. Die Jungen und Mädels werden in harten Kämpfen alles einsetzen, um Sieger zu werden. Die besten Jungen können dann in Breslau und in Nürnberg vor dem Führer die Ehre der hesfen-nassauischen HI. vertreten. Das ist der schönste und höchste Preis, den sich die Jungen bei den Sportwettkämpfen, die eine stolze Schau ihrer Leistungen sein werden, er­ringen können.

Nach verschiedenen Veranstaltungen ab 18. Juni werden die Dorkämvfe vom 29. Juni bis 2. Juli ausgetragen. Am 3. Juli findet die Sportschau der HI. und des BDM. auf der Herbert-Norkus- Kampfbohn ftatt.

Vorsicht beim Sammem vonMaipilzen.

SPD. Die Landesstelle für Pilz- und Haus- schwammberatung. Mykologisches Institut der Deut«

Em deutsches Mädel berichtet über Spanien.

In einem Kameradschaftsabend der Gießener Kameradschaft ehemaligerFreikorps- k ä m p f e r am vorigen Samstag gedachte Kame­radschaftsführer Beute zunächst des vor kurzem verstorbenen Kameraden Neugebauer in Butz­bach. Weiter erledigte er eine Reihe interner Fra- gen. Kreisschießwart Kam. Ranf überreichte so- dann dem Kameradschaftsführer Beuke und den Kam. Hainer und Rudolph die bronzene Schießnadel.

Kam. Beuke begrüßte hierauf als Vortragende des Abends Fräulein Anni Diedrich (Gießen), die über ihre Erlebnisse in Spanien berichtete, und er betonte als Einleitung zu dem Vortrag, daß ge­rade die ehemaligen Freikorpskämpfer das größte Interesse an diesem Vortrag hätten, da sie dabei an jene Zeit erinnert würden, in der sie in Deutsch­lands schwerster Bedrängnis mit der Waffe in der Hand und freiwillig, ohne Befehl, dem roten Mord­terror ein Halt geboten.

Fräulein Diedrich hielt hierauf einen zweistün­digen Vortrag, über den uns von der- Kameradschaft ehemaliger Freikorpskämpfer ein Bericht zugeht, dem folgendes zu entnehmen ist: Im ersten Teil des Vortrags gab ,bie Rednerin einen Ueberblick über das Land Spanien und seine Bevölkerung. Wir hörten, wie Grund und Boden, wie der ge­samte Besitz nur in den Händen Weniger ist. wie die breite Masse des Volkes in dem schönen Lande ein kümmerliches Dasein fristen muß, wie es keine tragende Mittelschicht wie bet uns gibt, wie alle Sozialeinrichtungen fehlen. Die Rednerin führte weiter aus, wie sich das Kirchenleben im katholischen Spanien veräußerlicht habe, wie die innere, wahr­haft christliche Bildung und Bindung fehle und wie schließlich die Instinkte der breiten Masse gegen die Reichen, die Kirchen und Klöster aufbegehrten und wie eine geschickte bolschewistische Propaganda es verstand, diese Unzufriedenheit der breiten Masse auszunutzen und zum offenen Widerstand aufzu­reizen.

Der zweite Teil der Ausführungen war so er­schütternd, daß mancher der anwesenden alten Landsknechte sich der Tränen nicht scheute. Wir hör­ten von der Beseitigung der Monarchie 1932, von einer schlechten Demokratie, von einer Revolution in 1934, und bqnn hörten wir von der Auswtr- kung der Wahlen vom 17. Febr. 1936, die einen großen Sieg der Linksparteien brachten. Spanien wurde zur russischen Kolonie. Umzügen folgten blu­tige Auseinandersetzungen. Kirchen und Klöster gin­gen in Flammen auf. Die Klosterfrauen/ wurden vergewaltigt und zu Tode gequält Die Rednerin berichtete, daß sie in Einzelfällen Augen- und Ohrenzeugin dieser bestialischen Untaten, die nur der Stellvertreter des Satans auf Erden, der Jude aushecken konnte, gewesen sei. So hörten ^wir, daß

eine deutsche grau, die einen Spanier geheiratet hatte, aufgefordert wurde, sofort ihr Haus zu ver­lassen, andernfalls sie verhaftet würde. Die Mutter hob ihr kleines Kind aus der Wiege und wurde die Treppen hinuntergestoßen. Auf der Straße rief sie nach ihrem Manne. Das vertierte Gesindel lachte ihr ins Gesicht und zeigte nach oben. Dort sah die Frau ihren Mann am Fensterkreuz hängen. Die Frau wurde gerettet. Fräulein Diedrich berichtete weiter, wie über 15 gefesselte Männer ein Eimer Benzin gegossen und angezündet wurde. Frauen, die ihre Männer brennen sahen, wurden irrfinnig und warfen sich in die Flammen. Eine ©reueltat folgte der anderen. Nach der Wahl vom Februar 1936 war es vorbei mit der Sicherheit.der Frau. Jeder halbwüchsige Bengel erlaubte sich auf der offe­nen Straße Anpöbelungen und freche Reden gegen dieSennora". Nicht nur in den fast allabendlichen Versammlungen der Marxisten wurde in wüstester Form diefreie Siebe" gepredigt, sondern bereits in Schulen erklärte der Lehrer den Jungen von 13 und 14 Jahren die freie Siebe und forderte zur Be­tätigung auf.

Langsam errangen die Nationalen Erfolge um Erfolge. Und dann hörten wir, wie die Wut der Bolschewisten sich gegen die in ihrem Ort Logrosan lebende einzige Deutsche richtete, wie Frl. Diedrich sich dazu entschließen mußte, die 350 km lange Flucht zur portugiesieschen Grenze zu wagen, wie sie nichts als das packte Leben retten konnte, und wie sie das Ziel schließlich erreichte. Und wir hörten, wie in um­fassender und liebevoller Weise die Partei für die Spaniendeutschen sorgte, und härten vom Schicksal .anderer Spaniendeutscher.

Frl. Diedrich schloß ihren Vortrag mit dem Hin­weis, daß die schlimmsten Hetzer in Spanien gerade die emigrierten Juden seien.

Zwei Jahre, so führte Frl. Diedrich weiter aus, war ich in Spanien, sah die Schönheiten des Südens, lernte verstehen und lieben den Reiz spanischen Wesens. ,<5ie kämpfte dort als deutsche Pionierin, trug deutsche Kultur in einen fernen Flecken iberischer Berge. Sie erkannte draußen im kommunistischen Trommelfeuer die ganze Größe und Herrlichkeit des befreiten nationalsozialistischen Vaterlandes.

Der Kameradschaftsführer dankte Frl. Diedrich und faßte in einem kurzen Schlußwort noch einmal durch eine Gegenüberstellung der spanischen und der deutschen Verhältnisse zusammen, wie unendlich dankbar wir dem Führer zu sein haben, der Deutsch­land vor einem gleichen Schicksal bewahrt hat.

Der Adjutant des Kreisoerbandes Gießen, Kame­rad Weber, dankte Frl. Diedrich für ihre sachgemäßen Ausführungen im Namen des Kreis- verbandes. Der Abend schloß in der üblichen Weise.

schen Gesellschaft für Pilzkunde, Darmstadt, teilt mit: Meist im Dhai und Juni erscheint an grasigen Wegrändern, auf Wiesen und ähnlichen Plätzen der Maipilz. Sejn Hut wird meist kaum breiter als 10 Zentimeter. Alle feine Teile, auch die Unterseite und der Stiel, sind weißlich bis rahmgelblich. Auf­fallend ist der Geruch nach Mehl. Man hüte sich jedoch vor Verwechslung des Maipilzes mit Riß- pilzen, insbesondere mit dem lebensgefährlichen ziegelroten Rißpilz. Dieser, der schon öfters Men­schen ums Leden brachte, wächst ebenfalls im Früh- jommer auf grasigen Plätzen. Er bleibt meist etwas kleiner als der Maipilz, kommt aber ebenfalls mit weißlicher ober gelblicher Färbung aus dem Boden und wird später, besonders beim Liegen, mehr ober weniger ziegelrötlich. Im Gegensatz zum Mai­pilz hat er einen viel strengeren Geruch, der gerade für ihn charakteristisch ist. Während der Maipilz auf der Hutunterseite weißliche Blättchen hat, wer­den die des Rißpilzes bald mehr oder weniger bräunlich, ähnlich wie beim Angerling (Champi­gnon). Der Champignon hat einen angenehmen Duft und einen charakteristischen Schleier bzw. Ring am Stiel, die sowohl dem Rißpilz wie dem Mai­pilz fehlen. Vergiftungen durch den Rißpilz äußern sich durch Schweißausbruch, Uedelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Schüttelfrost und ähnliche Erscheinun­

gen. Wie bei jeder Vergiftung ist sofort fürarünb» liche Entleerung von Magen ühb Darm zu sorgen und der Arzt sofort zu Rate zu ziehen. Berichte über Pilzvergiftungen erbittet die Landesstelle stets zur Bearbeitung durch ihre medizinische Fachkom­mission (Darmstadt, Neckarstraße 3). In jedem Zweifelsfalle wende man sich vor dem Genuß der Pilze an die nächste Pilzberatungsstelle oder an die Reichsarbeitsgemeinschaft Schadenverhütung, mit der die Landesstelle zusammenarbeitet.

Landsmannschaft der Hessen in Berlin.

NSG. Bei der jüngsten Abendveranstaltung der Landsmannschaft der Hessen in Berlin feierten unsere Landsleute Justus von Liebig. Der stell­vertretende Dereinsführer Amtsrat Scholz sprach über den großen deutschen Chemiker, dem feine Vaterstadt am Haupteingang des Realgymnasiums ein Standbild gesetzt hat. Im weiteren gedachte Amtsrat Scholz des Ehrenmitgliedes der Lands­mannschaft, des Mitbegründers Der, Vereinigung, des Professors Dr. Ludwig Heck, der am 1. Juni sein öOjähriges Berussjubiläum als Zoodirektor feiern konnte. Ebenfalls 50 Jahre im Beruf steht Landsmann Jakob Renk'er aus Groß-Gerau als Architekt bei ber Firma Holzmann. Am Sonntag,

RUHL Seltersweg Nr. 67 I

adlo Telephon Nr. 3170 JSj

eparaturen____B

tu na nach einheitlichen Richtlinien und einheitlichen Anforderungen vor sich gehen. Die Leitung des Wettbewerbs hat die Abteilung für Berufserziehuna und Betriebsführung der DAF. in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stenographenschaft. Für den Wettbewerb werden zwei Aufgaben gestellt. Alle Volksgenossen und Dolksgenossinnen, ob Anfänger, Durchschnitts- oder Spitzenschreiber, sind zur Teil­nahme an diesem Leistungsschreiben berechtigt. Für jede brauchbare Leistung wird eine Leistungsbe- scheiniguna ausgestellt, außerdem werden Gau. und Reichspreise ausgesetzt.

Vezirtsschöffengericht Gießen.

Dor dem Bezirksschöffengericht hatte sich am Dienstag der PH. H. aus Nieder-Eschbach wegen Steuerhinterziehung zu verantworten. Der Ange­klagte hatte in den Jahren 1931 bis 1933 ständig zu wenig Umsatzsteuer angegeben. Allein der Ver­kauf von Fleisch- und Wurstwaren, sowie von Brennmaterialien war dreimal so groß, als des von dem Angeklagten insgesamt angegebene Um­satz: hinzu kamen aber noch sehr beträchtliche Lie­ferungen, die PH. H. für Kinderspeisungen an eins städtische Behörde leistete und die ebenfalls Umsatz, steuerpflichtig waren. Auf diese Weise schädigte der Angeklagte den Staat um 1900 Mark. Das Gericht verurteilte ihn wegen fortgesetzten Vergehens der Steuerhinterziehung gemäß § 396 RAbgO. zu einer Geldstrafe von 2000 Mark.

Außerdem hatte sich noch der W. L. wegen Ver­gehens nach § 175 b StGB, zu verantworten. Der Angeklagte wurde mangels Beweises frei« gesprochen.

Große Strafkammer Gießen.

Gestern hatte sich der S. B. aus Lützellinden vor der Großen Strafkammer wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Weiter warf ihm die Anklage vor, sein Fahrzeug noch gefteuert zu haben, ob« wohl er wegen Alköholgenusses hierzu nicht mehr in der Sage gewesen sei. Der Anklage lag folgender Sachverhalt zu Grunde: Der Angeklagte fuhr am 6. Dezember vorigen Jahres gegen 20 Uhr von Dorlar, wo er in einer Wirtschaft ein paar Glas Bier getrunken hatte, mit seinem Lieferwagen nach Lützellinden. Kurz hinter ber Abzweigung nach Allendorf, wo die Straße eine kleine Rechtskurve macht, begegnete ihm ein einspänniges Pferdefuhr­werk, das infolge des diesigen Wetters und schwa­cher Beleuchtung schlecht erkennbar war. Es kam zu einem Zusammenstoß beider Fahrzeuge. Dabei wurde dem Lenker des Fuhrwerks, einem Mann aus Allendorf (Lahn) ber Brustkorb eingequetfcht, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Passanten sanden den Toten mitten zwischen den Vorder- und Hinterrädern seines Fuhrwerks liegend auf.

Der Angeklagte bestritt jede Schuld an dem Un«

WittetewWte

Roman von Hans von Hülsen.

Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell.

2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Es paßt mir aber so schlecht", klagte er und gab seine Sache schon verloren. Wenn Reh etwas wollte, dann tat sie es, da mochte man sich auf den Kops stellen.Und wie lange willst du denn bleiben?

Ja, auch bas hängt ja nicht allein von mir ab. Ich weiß nicht, wie lange die Eltern bleiben. Und vielleicht gehe ich mit ihnen auch noch nach San Bartolomeo.

Wird ja immer heiterer!

Also, Oktober kann es werden, bis ich wieder« komme, damit mußt du rechnen. Mir tut es übri» gens auch gut, denn ich habe im letzten Semester ein bißchen viel gearbeitet. Aber daran denkt der Herr Egoist natürlich nicht!"

Rehlein, sei lieb und nenne mich keinen Ego­isten! Ich bin unter allen Menschen, die ich kenne, der größte Altruist mein Pech ist nur, daß mirs niemand glauben will. Uebrigens siehst du blühend aus und keineswegs überarbeitet. Schau mich da­gegen an!"

Fritz, dein Vollmondgesicht läßt nichts zu wün­schen übrig, lachte sie, indem sie ihn betrachtete: Du wirst direkt unanständig dick. Es tut dir bitter not, daß du dich einmal kasteist! Ich bin über­zeugt, wenn ich wiederkomme, wirst du etwas manierlicher aussehen, so daß man sich mit dir wieder zeigen kann! Sie hatte das alles nur so herausgesprudelt, in ihrem immer ein wenig fremd­ländischen Akzent, den sie nicht verlor, und sie er­reichte damit, was sie wollte, nämlich, daß er ins Lachen geriet.

Er sah sie an: nein, man konnte diesem schonen Menschenbild nicht böse sein, man konnte es einfach nicht.

Und wann fährst du denn? fragte er ergeben.

«Heute abend. Mit dem einzig möglichen Zuq, um zehn Uhr."

Schön oder vielmehr scheußlich. Ich hatte mich zwar für den Abend verabredet, aber dann nachtmahlen wir. also zusammen, und ich bringe dich zur Bahn. Einverstanden?

Ader natürlich! Ich hatte nichts anderes er­wartet!"

Das versöhnte ihn einigermaßen.

Aber, Rehlein, vergiß nicht, daß der selige Othello ein Waisenknabe an Eifersucht ist neben mir! Und mache dich immer darauf gefaßt, daß ich eines Tages plötzlich da unten vor dir stehe, wenn es mir gelingt, Frau Armbruster weich zu machen!"

,^Hu!" lachte sie.Ich höre dich schon ordentlich deklamieren: Hast du zur Nacht gebetet, Desde- mona?"

Gut, gut! Denke immer daran. Nimm dich zu­sammen. Mache niemand Aeugelchen!"

Sagen Sie mal, Herr Armbruster", entrüstete sie sich zum Schein,wofür haltexi Sie mich eigentlich? Ich bin ein Kind aus gutem Hause, mein Vater ist Offizier, meine Mutter ist eine geborene Gräfin und was sind Sie, Herr?"

Da lachten sie beide, und Armbrusters schlechte Laune war verflogen.

Ottcnrieths Stimmung schlug bald um.

Nachdem er ein paar Tage in Torbole gesessen hatte, kam ihm der ganze Heine Ort unendlich lang­weilig vor, und er fragte sich, ob er es hier wirk­lich wochenlang aushalten werde.

Nach und nach hatte er die meisten Gäste der Cafa Rossa kennengelernt-, aber da man ihn für einen Industriellen hielt, nahm dies leichtbeschwingte Künstlervölkchen in seiner Ferienseligkeit nicht viel Notiz von ihm was ihn nun wieder verdroß. Er verwünschte feinen Einfall, eine Maske vorzu- binden; aber das war nun mit Anstand nicht mehr rückgängig zu machen. Zudem waren sie alle schon seit mehreren Wochen hier, hatten sich zu engen Kreisen zusammengeschlossen, machten gemeinsame Segelparkien gegen Albend kehrte eine Barke nach der anderen voll froher Menschenfracht in den kleinen Hafen zurück. Er blieb allein.

Nur das merkwürdige italienische Ehepaar, das zweimal täglich neben ihm speiste, hatte Ottenrieth nicht kennengelernt. Nie kam es, wenn man sich zu Tisch setzte, über einen höflichen gegenseitigen Gruß hinaus, so sehr er sich es auch gewünscht hätte.

Diese immer noch schone, schwermütig, fast tra» gisch wirkende Frau interessierte ihn sehr, ihre dunkle Stimme empfand er wie 'Wohllaut, so oft er ein Wort von ihr auffing, und das schwere Schicksal, von dem Leutstetten andeutungsweise ge­sprochen, gab ihrer Erscheinung einen Hintergrund, der sie vertiefte und weit über die Schar der Som­mergäste erhöhte. Ader sie schien nur für ihren Mann da zu sein, niemals zeigte sie sich allein.

Vier Tage nach seiner Ankunft holte Ottenrieth den Wagen aus der Garage, bestellte die Mahlzeiten ab und fuhr über Riva die Gardesana entlang. Er wollte den ganzen Tag über fortbleiben,, ja, er

packte vorsichtshalber fein Toilettenzeug in ein kleines Köfferchen, um unabhängig zu fein, falls ihm etwa ein Abenteuer über den Weg liefe. Ein Abenteuer wäre in dieser Langweile willkommen gewesen.

Der Tag war heiß, der See spiegelglatt, blendend schlug sein Glanz durch die Bogen der vielen Tun­nels, in deren dunklen Schlauch die Straße immer wieder tauchte.

In dem eleganten Gardonerioiera, wo zwischen weißen, Dillen Orangen und Simonen golden im dunklen' Laub hingen, frühstückte Ottenrieth Früchte zu einem Glas Wein. Mittags saß er auf der Terrasse eines großen Hotels in Sermione über der lichtüberfluteten Seebreite. Und abends hielt er vor dem kleinen, ländlichen, unter Delbäumen ganz verborgenen Albergo eines Dorfes am Ostufer, dessen Namen er in der plötzlich hereingebrochenen Dunkel­heit nicht hatte erkennen können.

In den Garten, durch dessen Gezweig der See im Sternensilber zu funkeln begann, bestellte er sich ein Nachtmahl, weißes Brot und Ravioli, eine Bistecca alla Milanese mit einem tüchtigen Berg wundervoll frischen Salats und grüngeäderten Gor­gonzola und bagu einen halben Liter von biefem ausgezeichneten Barbolina, der nicht fern von hier an ben sanften Hängen des südlichen Gardasees wuchs.

Er war ber einzige Gast. Der ganze weite ©ar­ten, in Dunkelheit schweigenb, gehörte ihm. Das leise Plätschern des Sees lockte zu Träumereien, und bie vom Lärm des Motors und von der wild vorbeijagenden Bilderflucht erregten Nerven ließen sich willig einlullen. Von einer Barke, die im letzten Abendwind langsam über das Wasser trieb, klang Gesang, und ferner Gesang antwortete aus ben Gassen bes Ortes, ber mit ein paar Dutzend Häusern hügelan kletterte.

Ottenrieth summte die Melodien, die chm zu­flogen, leise mit. Seine Seele war auf Musik ge­stimmt in dieser schönen, stillen Stunde. Er bestellte einen weiteren Halben und fragte den Wirt, der ibn hemdärmelig bediente, um ein Zimmer, ent­schlossen, für die Nacht hierzubleiben.

Später machte er noch einen Bummel durch den kleinen, säst schon schlafenden Ort, horte dem sanf­ten Gemurmel eines Flüßchens zu, das sommerlich wasserarm unter einer alten Bogendrücke dahin­plätscherte, und stieg mit schweren Beinen den Hügel hinaus zur kleinen, weißen Kirche, die sich hinter einem Gitter von Zypressen halb verbarg.

In ihren Fenstern war ein mattes Licht. Die Tür stand offen. Er trat ein.

Dox dem dörflichen Altar schimmerte rot die

Ewige Lampe, auf dem Chor huschte im Schein von zwei Kerzen ein Schatten hin und her.

Plötzlich ertönte die Orgel. Sie Hub ganz leise an, mit einer so erschütternd zarten Melodie, daß es dem Lauschenden warm ums Herz wurde. Lautlos barg er sich in einer von den alten Holzdänken, um zuzuhören. Das ganze Kirchlein war mit einem Male von Orgelklang erfüllt wie von Weihrauch­duft. Gleich Engelsstimmen fangen die zinnernen Pfeifen, die matt im armen Kerzenschein leuchteten. Das Thema, das so leise und schüchtern angehoben, wuchs und entfaltete sich voller und voller, die Bässe untermalten es, jubelnd schwang sich die vox Humana darüber empor, zart und kräftig zugleich sprach das Cello hinein, und herrlich stand der Zwiegesang für viele Atemzüge allein in der schwei­genden Dunkelheit. Dann brach es ab und fetzte sogleich, flutend und anschwellend, von neuem ein.

Was war das, fragte sich Ottenrieth betroffen? Das war kein frommer Kirchengesang. Das war ein- inbrünstiges Liebeslied, voll Jubel und dunkler Klage.

Und w e r spielte dort oben? Wer lockte diesen süßen Zauber äus dem armseligen Werk der kleinen Dorforgel? Das war kein Dorforganist. Das war ein Künstler, der die Orgel beseelte.

Ihm war, als sänke die Wirklichkeit unter ihm weg und er träte in einen verzauberten Bezirk. War er noch hier, in diesem kleinen italienischen Dorf, dessen Bewohner vom Fischfang lebten und vom armen Ertrag ihrer Lastbarken? Wie kamen solche überirdischen Klänge in diese Welt? Wer war die Seele, Die hier, unter der hallenden, steinernen Wölbung^ Zwiesprache hielt mit einer anderen Seele? Welches übervolle Menschenherz klagte und jubelte dort oben in dem goldenen Dämmer?

Er lauschte der Musik, die In immer neuen An­läufen gegen ein unsichtbares Ufer brandete, bald sanft, süß und mild wie der See im ersten Morgen- licht, bald stürmend und wild, wie unter dem gewalttätigen Brausen eines Orkans.

Plötzlich fiel ihm alles ein, was er selber je an Melodien ersonnen und zu Papier gebracht, seine Tanzmusiken, die man in den Kaffeehäusern von Wien und Prag, von Berlin und Paris spielte, und die Schlager aus demHellblauen Engel". Scham sank dunkel über sein Herz. Und aus dem Fluten und Wogen der Musik fliegen die goldenen Träume, die er einst geträumt, in jungen Jahren, da fein Herz noch für die strenge Kunst erglühte, und er sich, hungrig und durstig nach bei*n Voll­kommenen, bei den Meistern in Zuckt und Schule gab. Was war aus ihm geworden? Was hatte Ehrgeiz und Erfolgshunger aus ihm gemacht?

(Fortsetzung folgt!)